Schlagwort-Archive: Nihonbashi

Ich wollte schon längst den Bericht zu meinem VNV-Projekt 2018 online haben. Ich wurde aber durch die Überarbeitung des Tokaido-Artikels aufgehalten. Und dann ergab sich eine neue Herausforderung:

Riverboat Mizuha, mit denen ich bisher drei Flussfahrten in Tokyo unternommen habe, haben ein Video online gesellt. Die Challange: Alle 34 Brücken identifizieren. Was soll ich sagen: Ich war der Erste, der alle Brücken benennen konnte.

Aber es zeigte auch, dass eine keine (englischsprachige) Übersicht im Internet über die Brücken in Tokyo gibt. Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel über den Sumidagawa online gestellt. Es wird Zeit, dieses auch für den Kandagawa, den Nihonbashigawa und die Kamejimagawa nachzuholen.


Hier also eine Übersicht für den Nihonbashigawa, beginnend an der Mündung in den Sumidagawa. (Die Buchstaben sind für mich zur Orientierung.)

豊海橋 .. Toyomi-bashi
    • erste Brücke: 1698 (?)
    • aktuelle (5.) Brücke: 09/1927
    • Vierendeel-Brücke (Fachwerkbrücke)
    • Länge: 46,1 m
    • Entwurf: Takeo Fukuda
    • Links: [dobohaku] [yakei] [viva-edo]

(A) Die Brücke steht direkt am Eingang (Ausgang) des Nihonbashigawa und gilt als Kulturgut von Chuo-ku. Die weiße Brücke mit blauer Fahrbahnunterkonstruktion wird nachts weiß-orange beleuchtet und gilt als nächtlicher Aussichtspunkt. Sie wird oft als Drehort in Dramen eingesetzt, da der Verkehr über die Brücke abends minimal ist.

Die erste Brücke an dieser Stelle war eine Holzbrücke von 1698. Der Sage nach nahmen die Ako Roshi, die 47 Ronin diese Brücke auf ihrem Weg zum Sengaku-ji.

Es gab Ersatzbauten, ebenfalls als Holz, in den Jahren 1873 und 1855. Die vierte Brücke wurde 1903 als Stahlfachwerk-Eisenbahnbrücke gebaut, welche beim Kanto-Erdbeben 1923 schwer beschädigt wurde.

Die Politik der Regierung für die Restaurierung der Reichshauptstadt, die darin bestand, „die Stadt mit ihrem auf Qualität und Substanz basierenden Erscheinungsbild neu und würdevoll erscheinen zu lassen“. Für die Toyomibashi wurde daher ein Design mit solider, fester Form gewählt, das druch die hoizontalen und vertikalen Strukturen zum Ausdruck gebracht wurde.  Das Design wurde auch gewählt, um einen Bezug zur benachbarten Eitaibashi am Sumidagawa zu bewirken.

„Wenn man vom Wasser auf die Kombination von Stahlrahmen (…) blickt, kann man wirklich den modernen Sinn des Maschinenzeitalters mit seinen wissenschaftlichen Berechnungen und seiner mechanischen Zusammensetzung spüren.“ (Nagai Kafu ?)

湊橋 .. Minato-bashi
    • erste Brücke 1679
    • aktuelle Brücke: 1928 (1925?)
    • Stahlbetonbrücke
    • Länge: 49,7 m
    • Links: [mport]

(B) Die erste Brücke wurde an dieser Stelle wurde 40 Jahre nach der Edobashi gebaut. Damals waren beide Uferseiten noch Inseln. Minato übersetzt sich übrigens als Hafen. Die Brücke ist mit kleinen, länglichen Kacheln verkleidet und zeigt an ihrem Hauptpfeiler eine Eblem, das man mitunter auch in Reiseführern findet. Diese Verkleidung wurde erst im Rahmen einer Sanierung im Jahr 1989 hinzugefügt.

Ab hier und für den gesamten restlichen Verlauf des Nihonbashigawa verläuft der Expressway oberhalb des Flusses. Hier ist es ein Teil des Shuto-Expressway No.6, der später entlang des Sumidagawa nach Norden verläuft. Der Grund ist sehr banal: Der Expressway wurde (wie auch die ersten Shinkansenstrecke) in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1964 gebaut. Der einzige verfügbare Baumraum waren die Flüsse. Eine Enteignung und der Abriss von Häusern wäre zu teuer und aufwändig geworden. — Hier zweigt übrigens der Kamejimagawa ab.


茅場橋 .. Kayaba-bashi
    • Baujahr: 1992
    • Stahlträgerbrücke
    • Links: [mport]

(C) Es könnte sich hier um die erste Brücke an dieser Stelle handeln. Die zugehörige Straße (Shin-Ohashi-dori; B50) wurde erst nach dem Kanto-Erdbeben im Rahmen des Wiederaufbauplans geschaffen.

鎧橋 .. Yoroi-bashi

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(D) Yoroi-bashi mit Baujahr 1872 war eine der ersten Brücken, die in der Meiji-Zeit (nach dem Ende der Samurai-Ära / Edo-Ära) nach westlichem Vorbild mit westlichen Techniken und Materialen (Stahl) gebaut wurde. Finanziert wurde der Bau vollständig durch die Kaufleute Mitsui, Ono und Shimada. Sie ersetzte eine Fähre 「鎧の渡し, Yoroi-no-watashi」, an deren Anlegestelle am Westufer noch heute eine Tafel an sie erinnert.

Bereits 1877 wurde die Brücke durch eine Eisenbahnbrücke (Stahlfachwerkbrücke) ersetzt. Die heute Brücke von 1957 ist somit die dritte an diesem Standort. Am Westufer ist auch die Tokyo Börse, die bereits am 15.05.1878 eröffnet wurde. Die Brücke wurde 1920 für die Straßenbahn und Fußgänger erweitert. Ich weiß nicht, ob die erste Brücke in WWII zerstört wurde (es ist gut möglich).

Yoroi heißt übersetzt gepanzert; Yoroibashi also Panzerbrücke. Zur Herkunft des Names gibt es zwei Gesschichten: (1) Minamoto no Yoriyoshi soll beim Angriff auf Oshu wegen eines Sturms hier gestrandet sein, seine Rüstung ins Meer geworfen und zum Drachgott um besseren Wind gebetet haben. (2) Dies soll der Ort sein, an dem Tairo no Masakado seine Rüstung und Helm den Göttern opferte. Ein alter Name für diesen Ort ist:「鎧橋」“Yoroi ga fuchi“ (ich hoffe ich habe das richtig ins Romaji übersetzt) bezeichnet worden sein. fuchi kann mit Abyss oder tiefes Wasser übersetzt werden.

An der Brücke gibt eine Tafel mit einem Text aus „Kindheit“ von Junichiro Tanizaki:

„Die Panzerbrücke war damals eine der wenigen Eisenbrücken in der Stadt, und ich glaube, dass die Shin-ohashi- und die Eitai-Brücke noch alte Holzbrücken waren. Auf meinem Hin- und Rückweg hielt ich in der Mitte der Brücke an und beobachtete, wie das Wasser durch den Nihonbashigawa floss, aber als ich mein Gesicht gegen das Stahlgeländer drückte und auf die Wasseroberfläche starrte, die unter der Brücke auftauchte, schien es, als würde sich die Brücke bewegen und nicht fließen. Ich ging auch von Kayabacho herüber und starrte mit einem Gefühl des Staunens auf die märchenhaften Gebäude der Shibusawa-Residenz am Ufer des Kabuto-cho, flussaufwärts. Das Nissei-Gebäude, das heute in Aso steht, war früher ein gotischer Tempel mit einem venezianischen Kreuzgang und Säulen zum Wasser hin, direkt am Ufer des Flusses, flankiert von Steinklippen. Wer hätte gedacht, mitten in der Meiji-Ära mitten in Tokio ein so exotisches und klassisches Herrenhaus zu bauen? Am Ufer von Koamicho auf der anderen Seite des Flusses reihten sich ein paar weiße Mauern von Tonspeichern aneinander, und wenn man ein wenig um die Ecke biegt, kommt man nach Edobashi oder Nihonbashi, aber nur dieser eine Landblock hatte einen Hauch von Abwesenheit von Japan wie ein westliches Landschaftsgemälde, das auf Steinplatten gedruckt ist. Aber selbst dann war es nicht unbedingt ein Missverhältnis zwischen dem umgebenden Wasser und der Stadt, und es war merkwürdig, dass die Lastkähne, Denma-Boote und daruma-Boote, die im vorderen Strom kamen und gingen, in der gleichen Harmonie wie die Gondeln waren.“ (Übersetzung mit DeepL)

江戸橋 .. Edo-bashi
    • erste Brücke: 1631
    • aktuelle Brücke: 1927
    • Stahlbogenbrücke
    • Länge: 63,4 m / Breite: 44 m
    • Links: [mport]

(E) Die erste Holzbrücke entstand bereits 1631, 30 Jahre nach Beginn des Edo-Shogunats und die stark rasant expandierte. Allerdings war der damalige Standort 60 – 70 m weiter östlich als heute. Diese Brücke, oder vermutlich eine spätere Version wurde durch Hiroshige als ukiyo-e in seinen 100 Ansichten von Edo verewigt.

Die Brücke wurde zu einer wichtige Anlegestelle für Boote und einem Verteilerzentrum für Waren, mit Straßen und auch Kanälen, die vom Nihonbashigawa abzweigten. Vermutlich leitet sich der Name der Brücke von dem Umstand ab, dass sich hier eine Art Einreisehafen nach Edo befand.

1875 wurde die Holzbrücke durch eine Steinbrücke ersetzt, welche 1901 für den Eisenbahnverkehr umgerüstet wurde. (Hinweis: Der etwa 350 westlich und damit nicht in Verlängerung der Straße liegende Bahnhof Tokyo Eki wurde erst 1914 eingeweiht.) Die aktuelle Version von 1927 ist ein Ersatz für die im Kanto-Erdbeben beschädigte Vorgängerversion. Im Ramhen des Wiederaufbauprogramms wurde auch der Standort an die heutige Position verschoben.Rein formal muss man also zwischen den alten Edobashi (旧江戸橋) und dieser neuen Edobashi (現江戸橋) unterscheiden.

Mit ihren Abmessungen ist sie die größte Brücke im Flussdreieck Nihonbashigawa, Kandagawa, Kamejimagawa. Ich finde sie sehr elegant, trotz oder viellecht gerade wegen ihrer Größe. Leider liegt sie direkt neben der Nihonbashi, die ihr die gesamte Show stielt.

Fun Fact 1: Die U-Bahn-Station Nihonbashi Eki hieß bis 1989 noch Edobashi Eki.

Fun Fact 2: Am rechten Ufer von Edobashi  steht das 1930 gebaute Edobashi Warehouse Building von Mitsubishi. Hier wurde der erste Kofferraum Japans auf- und wieder zugeklappt.

Vor und oberhalb der Edobashi besteht der oberhalb der Flusses liegende Expressway aus einem wahren Gewirr von einzelnen Brücken. Wir befinden uns hier unterhalb eines Autobanhkreuzes, an dem sich Expressway 6, 1 und C1 treffen. C1 ist der innere Autobahnring, der ab jetzt die Nihonbashi überbaut.

日本橋 .. Nihon-bashi

(F) Über diese Brücke kann man mehrere Artikel (werde ich irgendwann sicherlich machen), ja Bücher, schreiben. Ich fasse mich kurz: Es ist die bekannteste, historische Brücke in Tokyo. Es ist der Urpsrung des Tokaido und Nakasendo und heute noch die Null-Kilometer-Marke des japanischen Fernstraßennetzes.

Die erste Brücke wurde hier 1603 im Autrag von Tokugawa Ieyasu errichtet. Feuer brannten mehrere Brückenversionen immer wieder nieder. Die 19. Brücke wurde von Hiroshige in verschiedenen ukiyo-e verewigt. Im Edo-Museum steht ein halber Nachbau in voller Größe der Vorgängerbrücke.

Die heute Brücke  wurde in WWII durch Boote, die brennend unter der Brücke hängen blieben beschädigt. Bei der Restauration vor ein paar Jahren (für den 100. Geburtstag) wurden die bschädigten Steine im Bogen nicht ausgetauscht und zeugen so noch heute vom Krieg.

Ach ja, eine alternative Schreibweise in Romanji ist  „Nihombashi“. Manchmal wird das  einzelne „n“ zu einem „m“. Ein anderes Beispiel wäre Shinbun / Shimbun für Zeitung.

西河岸橋 .. Nishigashi-bashi
    • erste Brücke: 1872
    • aktuelle (2.) Brücke: 12/1923 – 08/1925
    • Stahlträgerbrücke
    • Länge: 52,0 m
    • Links: [viva-edo][mport]

(G) Die Brücke stammt aus derZeit, als sich Edo zur Metropole, zum Handels- und Verwaltungszentrum, erhob. Es war eine damals hochmoderne Eisenbürcke: ein Langerscher Balken; eine in sich verankerte Bogenbrücke bezeichnet.

Die Brücke wurde wie auch viele andere beim Kanto-Erdbeben 1923 beschädigt. Die heutige Brücke ist der Ersatz. Die Brücke wurde 1992 grundlegend saniert. Dabei wurde auch das Design optimiert, basiert auf traditionellen Techniken für Holzbrücken.

一石橋 .. Ichikoku-bashi (Ikkoku-bashi)
    • erste Brücke: 17. Jahrhundert
    • aktuelle Brücke: 03/1999 – 06/2000
    • Doppelbrückensystem
      stromabwärts: Stahlplattenbrücke
      stromaufwärts: RC-Bodenplattenbrücke
    • Länge: 50,2 m
    • Links: [www.oldtokyo.com][mport][metro.tokyo]

(H) Die erste Brücke an dieser Stelle war ein Holzbrücke, deren Beschreibungen sich bereits in Werken aus der frühen Edozeit findet. Sie befindet sich hier auch Wasserkreuzung aus Doosan-Graben, äußerem Burggraben und Nihonbashigawa. Ein weitere Brücke an dieser Wasserkreuzung war die Tokiwabashi.

Nach einer Beschädigung wurde die Reparatur der Brücke durch die Häuser von Shosaburo Goto und Hon Ryogae-cho finanziert. Es gilt die Sage, dass der Name von Ichishihashi abgeleitet, einem Pun auf den Namen von Go-to = mit einem Stein (ichi ishi). Sie war eine wichtige Brücke, die die Bezirke Kanda und Nihonbashi während der gesamten Edo-Zeit verband.

Andere Namen für die Brücke sind „Yatsumi-hashi“ oder „Yatsuhashi“, da man von ihr aus 8 Brücken sehen. Es gibt ein ukiyo-e von 1858 von Hiroshige, dass die Ichikoku-bashi als Holzbrücke zeigt, die in ihrer Bauform der Nihonbashi gleicht. Hiroshige nutzte den Namen „Yatsumi Bridge“. Heute sind die Pfeiler des TME im Weg.

In 1922 wurde sie als RC-Bogenbrücke aus Granit mit vier Eltern- und acht Hülsenpfeilern rekonstruiert; mit einer Spur für Straßenbahnen. Die Brücke überstand das Kanto-Beben.

1963 wurde die Brücke umgebaut, um Platz für den TME (Tokyo Metropolitain Expressway) zu schaffen. Ein weiterer Umbau in eine Plattenträgerbrücke erfolgte 1973. Von allen Pfeilern blieben nur zwei Hauptpfeiler auf der stromabwärtigen Seite übrig. Sie sind als ältesten Pfeiler einer Bogenbrücke als wertvollen, modernes Kulturerbe des Chuo-ku eingestuft.

Die Brücke  ist die niedrigste Brücke über den Nihombashigawa.

Am Westufer der Brücke steht der Gedenkstone „for Lost Children“LostChildren

Während der Edo- und Meiji-Ära  war gingen viele Kinder verloren. Im Februar 1857 errichteten die Bewohner der Stadt Nishikawagishi einen „Wegweiser für verlorene Kinder“.

Auf der Vorderseite steht 「満よひ子の志るべ」“Mayohihi Son no Shi Shiwe“, auf der linken Seite「たづぬる方」 „Tazunurikata“ und auf der rechten Seite「志らす類方」 „Shisurukata“. Oben auf jeder Seite befinden sich eine quadratische Vertiefungen.Die Idee ist, dass am dem Schild Zettel mit Beschreibungen des verlorenen Kindes hinterlasen werden. Jemand der einen Hinweis hatte, hinterließ ebenfalls einen Zettel. Es war quasi ein schwarzes Brett. — Es wurden auch Wegweiser in anderen Bezirken an viel besuchten Orten wie dem Yushima Tenmangu oder Senso-ji aufgestellt.

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Nördlich der Brücke ist das Münzenmuseum der Bank of Japan, 400m südlich der Yaesu-Eingang von Tokyo Eki.

常盤橋 .. Tokiwa-bashi

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(I) Es gibt zwei Brücken mit diesem Namen, die sich nur im 2. Kanji unterscheiden. Dies ist die Straßenbrücke. Die andere Tokiwabashi ist eine reine Fußgängerbrücke, die zum Tokiwa-Tor von Edo Castle führt. Dennoch: Sie teilen eine gemeinsame Historie, die ich bei der nächsten Brücke genauer ausführe.

Diese Tokiwabashi wurde erst 1929 im Rahmen des Wiederaufbauplans nach dem Kanto-Beben gebaut. Es war ein Ersatz für die andere, alte Tokiwabashi, die zu schmal wurde. Die Brücke ähnelt der der Kamakurabashi, hat aber an ihren Ende Säulen.


Der Text ist länger geworden als geplant.
Daher geht es auf Seite 2 weiter …

Das ist er also. Der letzte Tag der Heisei-Ära. Das Ende einer Ära.

Seit hunderten von Jahren erstmals ist dieser Tag nicht überschattet vom Tod des Kaisers und Staatstrauer. Das heißt aber auch, dass die Japaner nicht wirklich einen Plan für den heutigen Tag haben. Also mache ich mir meinen eigenen.

Während das Fernsehen noch die einzelnen zeremoniellen Details des heutigen Tages durchgeht, von denen alle hinter verschlossenen Türen im Kaiserpalast stattfinden werden, suche ich nach einem guten Tropfen für die anstehende Bootsfahrt.  Mein erstes Ziel ist der Sakeya nebem den Eingang zur Yushumi-Station der Chiyoda-Linie; geschlossen während der Golden Week.

Zum Glück gibt es noch das Untergeschoss des Matsuzakaya Depato. Ich finde keinen Reiwa-Sake, aber auf der anderen Seite wäre das eher was für morgen. Ich kaufe einen Junmai-Daiginjo (gemäß dem Reeperbahnmotto „Sekt für die Nutten, Champagner für mich“). Und ganz wichtig: Ich habe den letzten Tropfen des Suntory Royal dabei. Mehr dazu später

Ich habe genug Zeit, um durch die Ameyokocho zu schlendern. Dass ich diese quirlige Straße so lange vernachlässigt habe …

Weiter nach Mitsukoshi-mae, da ich noch einen Sakebecher brauche. Was ich in diesem Moment nicht realisiere ist, dass das Shopping Center Coredo gleich neben dem Park mit dem Fukuto-Schrein (und dem Suigian) ist. Wie sollte ich auch. Ich war nicht an der Oberfläche, sondern nur im „Tokyo Underground“.

Und dann endlich die letzten Meter zum Bootsanleger. Oben an der Nihonbashi treffe ich Thomas. Im Gegensatz zu mir hat er keine Reservierung, aber es sind noch zwei Plätze frei, wenn wir etwas zusammenrücken. Und man erinnert sich an mich.

Goodbye Heisei Boat Cruise

Die Fahrt beginnt. Der Sake kommt auf den Tisch. Das Thema dieser Bootsfahrt ist „Good Bye Heisei“. Es geht vorbei an Gebäuden und Brücken aus der nur noch bis heute währenden Heiseizeit. Ein kleines Booklet zeigt Fotos von früher: Toyko Bay ohne die Rainbow Bridge. Unvorstellbar. Es folgen weitere Bauten wie Tokyo Big Sight und die Chuo-Shin-Ohashi.

Auf halber Strecke beginnt der Regen, der aber auch wieder aufhört. Zeit für DEN Whisky. Die Reiseleiterin übersetzt kurz den Hintergrund der Flasche für die anderen Teilnehmer: Gekauft habe ich den Whisky auf meiner ersten Japanreise 2004. Es ist ein Suntory Royal 15 Jahre, womit er in Heisei 1, dem ersten Jahr der Regentschaft, destilliert wurde. Zur Mitte (Heisei 16) habe ich ihn gekauft. Hier und heute, weitere 15 Jahre später (Heisei 31), erfolgt nun, am letzten Tag der Regentschaft, der Bottle Kill … Die leere Flasche kommt mit zurück nach Deutschland aus wertvolles Souvenir.

Nach der Rundfahrt stoppen wir drei erst einmal für ein kleines Mittagessen, bevor wir nach Akihabara verlegen. Wir stöbern etwas durch durch Straßen voller Manga und Elektronik und verlassen Akihabara über die Manseibashi (mit Stop an der Hitachino-Brauerei).

Mein nächster geplanter Stop ist Kanda Myoin. Von hier geht es zu Fuß weiter zum Yushima Tenjin. Ich gebe zu, dass dieser Abschnitt etwas selbstsüchtig ist. Ich will kurz mein Hotel und meinen Schrein zeigen.

Eigentliches Ziel ist der Ueno Park mit Kiyomizu-Kannon und Ueno-Toshogu. Und wo wir schon hier auf der Ecke sind, kann ich mir einen Abstecher in die Ameyokocho nicht verkneifen.

Uhrzeittechnisch schaffen wir es eh nicht mehr nach Asakusa. Von daher ist es jetzt mein Plan nach Kanda zu verlegen, wo ich kurz etwas die Orientierung verliere. Was jedoch nur daran liegt, dass es die falsche Kreuzung ist. 50m später ist alles wieder vertraut und wir gehen die schmale Treppe hinauf zum Kanda Oden Yataimura.

Wir sind die ersten Gäste und legen gleich los. Wie beim letzten Mal starte ich mit einem Hoppy, das Thomas noch nicht kennt, ein Bierersatz mit minimalem Alkohol (0,8%). Es ist nicht jedermanns Sache, aber ich mag es. Der nachfolgende Drink ist Dashiwari (Sake mit Dashi), das Thomas auch noch nicht kennt. Mein Fachwissen über japanischen Alkoholika macht mich langsam nachdenklich.

Wechseln wir zum Oden. Hier halte ich mich an meine Favoriten: Daikon (Rettich), Tamago, Würstchen, Fleischspieße, … Das ist Soulfood. Ob ich Gaku jemals überreden kann, das in Koblenz zu servieren, sei es auch nur zu Weihnachten auf dem Weihnachtsmarkt.

Gegen 21 Uhr scheint der Tag für mich zu enden. Die frische Luft, der Rest vom Jetlag und jetzt die wohlige Wärme von Oden und Dashiwari machen mich müde. We call it a day und jeder beginnt den Rückweg zu seinem Hotel. Aber Moment, das war noch was …

Der heutige Tag wird etwas eklektisch. Das passiert wenn man die Basics durch hat und versucht die Reste von der Liste in einen Plan zusammenzukitten: Nihonbashi, Bootsfahrt, Noh-Theater, Olympia-Stadion für 2020 und noch eine Bootstour; eine Mischung aus hoher Kultur, Sightseeing und reinem Vergnügen.

Die Glücksgotter von Nihonbashi habe ich nur als Rahmenprogramm eingeschoben. Besucht habe ich sie schon 2004 und 2010. Spannender wird, ob ich endlich ein Foto der Nihonbashi (ohne Bauzaun) hinkriege. Ich steige Nihonbashi aus. Zwei, drei Kurven und ich bin an der Brücke. Endlich ein Foto.

Bis zum Ablegen des Bootes habe ich eine Stunde. Zeit für ein Glücksgötter. Ich schaffe drei Schreine, obwohl ich ganz zum Anfang einen fatalen Fehler mache und an der erster (!) Kreuzung falsch abbiege. Ich laufe bestimmt 300m in die flasche Richtung. Ich rette die Aktion, indem ich die Reihenfolge der Schreine einfach drehe. Glück gehabt.

Ich bin überpünktlich am Ableger. Er ist direkt an der Nihonbashi. Das Boot hatte ich schon beim letzten Mal gesehen, als ich versucht habe, die Brücke zu fotografieren. Von NHK kam der Hinweis auf die Cherry Blosom Tour. Gut, die Kirschblüte ist vorbei, aber Tokyo vom Wasser aus ist was Neues. Die anderen Fahrgäste treffen ein, darunter ein Japaner dessen Outfit ich als flamboyant bezeichnen würde. Aber er hat Stil, das muss man zugeben.

Das Boot legt ab. Unter dem Expressway entlang geht es zum Sumidagawa. Irgendwann biegen wir in den Oyoko River ein. Es ist einer der Kanäle, der den Kotobezirk durchzieht. Links und rechts am Ufer stehen Kirschbäume, deren Äste bis runter ans Wasser reichen. Vor einer Woche muss das ein ungaublicher Anblick gewesen sein. Jetzt bleibt einem nur, die Fahrt zu genießen. Das hat auch was. Und es gibt noch eine Überraschung, da der Chef selber fährt. Bei der Durchfahrt unter der Brücke stimmt er einen altes japanisches Lied an. Es war ein Erkennungszeichen unter den alten Schiffern. Und der Chef kann wirklich gut singen.

Nach der Bootsfahrt klappere ich schnell noch die verbleibenden Glücksgötter ab und begeben mich dann nach Sendagaya. Gleich um die Ecke liegt das Noh-Theater, wo ich um 13 Uhr eintreffe. Exakt zum Beginn der Vorstellung. Noch mehr Glück habe ich, da ich die letzte Karte erwerbe. Mit mir ist die Veranstaltung ausverkauft.

Noh ist merkwürdig. Alles ist sehr formal und ritualisiert. Teilweise übernimmt ein 8-Mann-Chor, der auf der Bühne sitzt, das Sprechen der Figuren. Dazu Musik die weniger System hat als Freejazz. Aber es eine Erfahrung, die man gemacht haben muss.

Ich verlege zwei Stationen nach Yotsuya, aber der Aoyma-Palast ist heute wegen einer offiziellen Veranstaltung gesperrt. Das ist ärgerlich. Statt mit U-Bahn gehe ich zu Fuß nach Shinanomachi. Der Weg ist länger als ich dachte. Aber auf dieser Strecke kreuze ich den Aoyama mit ein paar Kirschbäumen in voller Blüte. Glück. Hinter dem Park ist die Baustelle des neuen Olympiastadions. Und sie ist riesig. Nur ein paar Meter weiter stehen die Anlage von 1954. Kein Vergleich. Gerade zu mickrig.

Ich laufe etwas um die Baustelle herum. Hier ist eine Station der Oedo-Linie. Auf der anderen Seite steht das Ufo von 1954. Damit bin ich zurück an der Station Setagaya. Auf dem Weg zum Noh habe ich also das neue Olympiastation wörtlich übersehen, als ich das Ufo fotografiert habe.

Nach einem kurzer Stopp im Hotel geht es nach Asakusa, zum Sumidagawa. Die Station Asakusa wurde in den letzten Jahren renoviert. Der neue Bahnsteig sieht super aus. Dahinter folgt aber der gleiche uralte Korridor mit Kneipen und ohne Deckenverkleidung wie zuvor. Allerdings ist die Ninja-Bar neu. Die Wände sind dekoriert mit hunderten von Sakegläsern, also die Kaufversion mit 180ml Sake. Ich muss hier kurz stoppen.

Hier folgt die zweite Bootsfahrt des heutigen Tages. Geplant war eine Fahrt einlang des Sumida, um die Kirschblüte am Ufer zu betrachten. Ohne Kirschblüte wird es eine einfache Bootsfahrt mit Musikprogramm. Der Blick auf den Skytree ist aber auch ohne Kirschblüte einmalig genial.

Nach einer Stunde sind wir wieder am Anleger und ich laufe noch etwas durch den Park. In Japan beginnt das Schuljahr im April. Und auch der Arbeitsbeginn nach Schulabschluss ist jetzt im April. Und so sitzen neue Arbeitskollegen und neue Kommilitonen jetzt unter den Kirschbäumen und feiern den neuen Lebensabschnitt. (Schüler fehlen, da das Alter für Alkoholkonsum in Japan bei 20 liegt.)

Auf dem Rückweg bleibe ich in der Ninja-Sake-Bar hängen, inklusive etwas Cosplay. Und ja, es folgen ein paar von diesen Sake-Gläsern.  Die Auswahl ist einfach zu groß. Ich nehme die vorletzte U-Bahnen der Ginza-Linie. Die fährt aber nur bis Ueno. Gut, damit kann ich leben.

Tokyo braucht seinen eigenen Reiseführer. Der kommt irgendwann hierhin. Diese Seite bleibt vorerst ein Platzhalter. Es ist wirklich schwer alles in nur drei Kategorien zu stopfen. Aber ich glaube ich habe das ganz gut hingekriegt.

Zum Pflichtprogramm gehören
(das ist in zwei Tagen zu schaffen)

  • Asakusa Schrein, Koto-ku (rechts auf der Karte)
  • Kaiser-Palast / Palastgarten
  • Nezu-Jinja (speziell zur Azaleenblüte)
  • Hamarikyu Teien
  • Rikugien
  • Meiji-Schrein
  • Roppongi Hill/Mori Tower (Abend-/Nachtprogramm)
  • Shibuya (Abend-/Nachtprogramm)
  • Shinjuku Gyoen
  • Flußfahrt auf dem Sumidakawa
  • Waseda (nur während der Krischblüte)
  • wenn er fertig ist: Tokyo Sky Tree, 634m

Was man auch definitiv gemacht haben muß:

  • eine Fahrt mit der Yamanote (zur Rushhour für Hardcore-Touristen)
  • Besuch eines Maiden-Cafe

Zum kann-Programm zählen
(zusammen mit dem Pflichtprogram: 3-4 Tage)

Viele der hier gelisteten Punkte stehen in manchen Reiseführern weiter oben. Von mir aus. Ich sehe das wie folgt: Etliches läßt sich auf dem Weg von einem Pflichtpunkt zum anderen abhaken, und wenn man die Zeit hat, sollte man aus machen. Sollte Zeit aber wichtiger Faktor sein, kann man diese Punkte getrost überspringen.

  • Ueno-Park
  • Ginza
  • Tokyo Tower
  • Zojoji
  • Yoyogi-Park
  • Akihabara (Abendprogramm)
  • Nihonbashi
  • die 8 Schreine in Nihonbashi-ku
  • Wanderung über die Rainbow-Bridge
  • Omotesando (Shopping)
  • Cosplay Bridge (am Sonntag)
  • Oedo-Onsen (aber nur, wenn man Onsen mag)
  • Kanda Myoin
  • Hikawa Jinja

Was man meiner Meinung nach auslassen kann:
(oder: wenn man wirklich noch Zeit übrig hat)

  • Kabuki-za, denn das gibt es nicht mehr
  • Odaiba
  • Shinjuku, gut das Rathaus ist berühmt, aber sonst ist da nichts
  • Ebisu(brauerei) — nur für Bierfans
  • Yasukuni-Schrein — nichts besonderes
  • Yushima Seido — auch nur ein „ich war da“ auf der Liste
  • ToDai

„Pilgertouren“

die 8 Schreine in Nihonbashi (KANN-Programm)
die 10 Schreine „Tokyo Jissha (1 Schrein Pflichtprogramm, 3 weiteren KANN)

Hier einige mögliche Reiserouten
(Ich starte dabei gedanklich immer in Yushima am Ueno-Park.)

Asakusa-Tempel –> Mit der Fähre den Sumida entlang –> Hamarikyuteien
–> (am Sonntag: Ginza) –> Garten bei Hamamatsucho –> Zojoji –> Tokyo Tower
[alternativ: von Ginza aus zum Kaiserpalast und weiter Richtung Akihabara]

Yushima Tenmangu –> Ueno-Park –> Garten neben dem Ueno Park –> Nezu Jinja
–> Tokyo University) –> Tokyo Dome und Garten daneben –> (Rest offen …)
[mögliche Verlängerung: Shinjuku Gyoen, Meiji Jingu, Omotesando, …]

(Akihabara) –> Kandy Myoin –> Yushima Seido –> Kirchen bei Ochanomizu
–> Shinjuku Gyoen –> Harajuku und Omotesando –> Yoyogi Park –> Meiji Jungu

Für heute habe ich keinen wirklichen Plan. Und so checke ich gegen 11 Uhr erst einmal ein und mache mich dann auf den Weg nach Nihonbashi. Ich will die sieben Schreine aus dem Reiseführer finden. Ich habe das dumpfe Gefühl, daß ich das schon mal gemacht habe.

Das Problem an der ganzen Sache: Die Dinger sind kaum größer als 3 Parkplätze und schwer zu finden. Das schöne an der Suche: Nihonbashi ist ein Stück „anderes“ Tokyo. Hier liegen fast nur Bürogebäude. Die Straßen sind klein und verwinkelt. Gegen Mittag (und das haben wir gerade) laufen nur Hemdträger durch die Gegend auf der Suche nach einem Mittagessen. An allen kleinen Restos (haben im Schnitt ja nur 20 Sitzplätze) ist Schlagestehen angesagt.

Was für New York die HotDog-Stände sind, sind in Nihonbashi Minitransporter mit Tresen und kleine rollende Obento-Stände. Alleine dafür lohnt es sich gegen Mittag hier herumzutreiben. Man kriegt alles: Obento, Ramen, Soba, Tempura, Kare (Curry). Die Preise liegen zwischen 380 und 800yen.

Gerade rechtzeitig zu diesem Gewusel treffe ich ein. Sieht schon cool aus. Aber ich bin ja weger der 7 Schreine hier und so versuche ich ich nicht zu sehr durch das bunte ablenken zu lassen. Die Karte die habe ist auch nur eine  grobe Näherung an die Realität. Aber nach und nach kann ich jeden Schrein ausfindig machen. Die einfachesten liegen an Straßenecken. Zwei Harte Nüsse sind hingegen der Schrein der in zweiter Reihe hinter Hochhäusern steht (wäre da nicht ein Baulücke gewesen …) und der Schrein der sich in einem Gebäude befindet. Ganz richtig. Die haben um das ding herum ein Haus gebaut. Das schaffen auch nur Japaner.

Nach den sieben Schrein und einer Pause mit leckerem Katsudon folgt ein kurzer Abstecher zu Tokyo Eki; das ist Wahnsinn in der beginnenden Rush Hour, muß aber sein. Ich wollte eigentlich nur ein paar Infos wegen Kamakura. Aber bis ich ein paar halbgare Infos habe sind fast zwei Stunden vergangen. Dafür habe ich dieses mal einen anderen Ausgang im Norden genommen. Hier stehe ich auf einer großen 7-spurigen Straße. Expreßway und die Yamanote (auch erhöht gebaut) sind zu sehen. Das ist eine Großstadt ganz eindeutig. Bleibt nur die Frage, wo ich heute Mittag war? Große Häuser waren da, aber diese vielen kleinen Einfamilenhäuser und Schreine dazwischen, waren dann doch anders. Nihonbashi halt.

Dann zurück ins Hotel und noch ein bischen Akihabara. Der Tag war nicht ereignisreich, aber entspannend.


Fazit: Die suche nach den Schreinen sollte in Tokyo nicht ganz oben auf der Liste stehen, aber sicherlich ein Punkt, den man in Betracht ziehen sollte, will man Tokyo verstehen. Macht das ganze um die Mittagszeit in der Woche. Der Stadtteil lebt von demTrubel der Büroangestellten und der vielen mobilen Garküchen.