Wadokei (和時計) sind mechanische Uhren, die die Uhrzeit in der alten japanischen Sytematik anzeigen, welche sich grundlegend von der westlichen Uhrzeit unterscheidet.

Bevor wir starten, noch ein schnell Blick auf die Kanji: 和 bedeutet ganz frei übersetzt „japanisch“. Wir finden es auch in Wagyu (和牛, japanisches Rind –> Kobe Beef). 時 steht für Zeit und Stunde. Das zeichen setzt sich aus Sonne/Tag auf der linken Seite und Tempel auf der rechten Seite zusammen. 計 bezeichnet Messinstrumente. Wadokei ist also das japanische Zeit Messsystem oder auch Messsystem für die japanische Zeit. Ganz ehrlich ich kann nicht unterscheiden, ob sich 和 auf 時 oder 計 bezieht.

Stundensystem

Wie auch im Westen wurde der Tag in Stunden geteilt. Allerdings waren es nur 12 Stunden, die wieder auf den chinesischen Erdkreis mit seinen 12 Tieren referenzieren. Es gibt Uhren, die statt Zahlen die Erdkreise auf dem Ziffernblatt haben.

Und wieder hat Japan eine Besonderheit: Die Stundenlänge war variabel mit der Sonnenscheinlänge.

Zwischen Sonnenaufgang und -untergang liegen immer 6 exakt gleiche Zeiteinheiten. Ebenso gibt es 6 gleich lange Zeiteinheiten in den Nachtstunden zwischen Sonnenuntergang und -aufgang. Japan liegt zwar dichter am Äquator, aber auch hier sind die Tage im Sommer spürbar länger als im Winter.

Und es wäre nicht Japan, wenn es nicht noch sonderbarer werden kann: Die Stunden werden von Mittag und Mitternacht an von 9 rückwärts bis 4 gezählt.

Das Rückwärtszählen hat seinen Ursprung in den Zeitkerzen, die langsam herunter brannten und man so die Zeit gemessen hat. (Hm, es gab also auch eine Zeitmessung mit einer konstanten Zeitlänge(Stundenlänge), oder gab es unterschiedlich lange Kerzen für Sommer und Winter?) Dass man nur bis 4 runterzählt (und deshalb auch bei 9 beginnt und nicht 6) liegt daran, dass die Glockenschläge für 3, 2 und 1 im Buddhismus für den Aufruf zu Gebete genutzt werden.

  •  .. 9 .. (Ratte) = Mitternacht = 0 Uhr westlich
  •  .. 8 .. (Ochse)
  •  .. 7 .. (Tiger)
  • .. 6 .. (Hase) = Sonnenaufgang
  • .. 5 .. (Drache)
  •  .. 4 .. (Schlange)
  •  .. 9 .. (pferd) = Mittag = 12 Uhr westlich
  •  .. 8 .. (Ziege)
  •  .. 7 .. (Affe)
  • .. 6 .. (Hahn) = Sonnenuntergang
  •  .. 5 .. (Hund)
  •  .. 4 .. (Schwein)
Die Historie

Bevor wir  kurz in die Technik eintauchen, hier der historische Kontext: Die mechanische Uhr belangte über Jesuitenpriester (16. Jahrhundert) und später niederländische Händler (17. Jahrhundert) nach Japan; also noch vor dem sakoku, der Schließung der Grenzen für Ausländer. Es ist überliefert, dass Tokugawa Ieyasu [der auch Edo gründete] eine europäische Uhr besaß.

Mit dem Sakoku (1630) stoppte auch der Knowhow-Transfer. Zu dieser Zeit waren das Pendel und die Unruh bei europäischen Uhren noch nicht geläufig. Diese Technik schaffte aus also nicht nach Japan. Die Entwicklung der mechanischen Uhr in Japan ist also ein Stück weit Adaption bekannter Technik, aber auch Parallelentwicklung.

Wadokei .. die japansiche Uhr zur japanischen Zeit

Die Besonderheit der variablen Stundenlänge führte zu Entwicklung der Wadokei, deren Mechanik nicht nur die unterschiedliche Länge der Tages- und Nachtstunden berücksichtigt (und das ist keine Sinus, sonder sind zwei fiese Rampen), sondern dies auch noch über das Jahr hinweg dem Sonnenaufgang und -untergang anpasst.

Erster Ansatz: Realisiert wurde die zwei Geschwingkeiten für die Tagstunden und die Nachtstunden über zwei verschiedene Unruh-Systeme mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. In dieser Konstruktion vergehen zwischen Sonnenaufgang und -untergang immer gleich viele Zeittakte. Der Wechsel zwischen den Geschwindigkeiten kann also mechanisch fest konstruiert  werden. Erste Uhren dieser Art gab es schon im 16. Jahrhundert.

Sie haben aber einen Nachteil: Die Geschwindigkeit muss über den Jahresverlauf immer neu angepasst werden. Bei den meisten Uhren wurden dafür die geschwindigkeitsbestimmende Gewichte zu Beginn es neuen Sekki neu positioniert. Diese Uhren wurden also 24 Mal im Jahr neu eingestellt.

Wegen des geringen Änderung der Tageslänge innerhalb eines Sekki war das System hinreichend präzise für den täglichen Gebrauch. In Norddeutschland wäre das System schon nicht mehr so genau. Während der Äquinoktien ändert sich die Tageslänge um über 6 min pro Tag. Das wären 90 Minuten in den entsprechenden Sekki, oder fast eine ganze Zeiteinheit auf der japanischen Uhr.

Ich frage mich gerade, ob auch ein System konstruiert wurde, bei dem sich die Gewichte automatisch justierten. Denkbar wäre auch ein System mit einem variablen Getriebe und einer festen Grundgeschwindigkeit.

Zweiter Ansatz: Es wird sehr einfach, wenn man die Umlaufgeschwindigkeit des Stundenzeigers konstant lässt. Stattdessen werden die Position der Stundenmarker auf dem Ziffernblatt verschoben. Deren Position über das Jahr wird durch eine Sinuskurve beschreiben, was sich mechanisch konstruieren lässt. Einziger Nachteil: Ein Minutenzeiger lässt sich auf diesem Weg nicht konstruieren. Dafür hat die Uhr aber ein 24-Stunden-Ziffernblatt.

Die Mechanik ist beeindruckend, zumal die Uhr im Foto weitere Ziffernblätter hat, die auch die westliche Uhrzeit, die Mondphase das aktuelle Sternzeichen und Tag und Wochentag anzeigen.

Japan ist bekannt für seine mechanische Puppen. Am bekanntesten ist sicherlich die kleine mechanisch Puppe (cha-hakobi ningyo), die einem eine Tasse Tee bringt, und sich umdreht und zurück geht sobald man die Tasse anhebt. Ich vermute, dass die gesamte Kunst dieser Puppen mit in die Uhrmechanik einfloss.

Das Bild oben ist von der Mannen Jimeishou von Tanaka Hisashige. Sie wurde 1851 fertig gestellt. Kurz bevor die ersten Ausländer Japan betraten und das Sakoku endete.

Weiterführende Links: [watchesbysjx][seico.co.jp][wikiEN]

Es gibt eine Armbanduhr namens Wadokei Revision. Sie hat westliche Uhrzeiger und verschiebare Stundenziffern. Sie zeigt also die Uhrzeit in beiden Systemen gleichzeitig an. Als Sammlerobjekt ist sie unbezahlbar.

Als App kann ich die „Japanese Traditional Time“ empfehlen. Einen Link kann ich nicht geben, da ich keinen Zugriff zum Google Play Store habe und diesen moralisch auch nicht unterstütze. (Einen japanischen Kalender mit Sekki und Ko suche ich noch …)

Seit 01.01.1873 verwendet Japan offiziell den gregorianischen Kalender, so wie wir ihn kennen. Aber es haben einige Besonderheiten aus dem Lunisolarkalender überlebt und es gibt ein paar japantyische Eigenheiten …

Nengo

In Japan werden Jahre in Nengo gezählt. Das kann für Verwirrung sorgen. Die Zählung beginnt mit dem Jahr der Thronbesteigung. Jeder Kaiser gibt bei Thronbesteigung eine Regierungsdevise aus. Diese wird der Name des Nengo und der Kaisername nach seinem Tod.

Beispiel: Am 01.05.2019 bestieg Kaiser Naruhito den Thron. Seine Regierungsdevise ist 令和 (Reiwa = schöne Harmonie). Damit wurde das Jahr 2019 zu 令和1. In den Geschichtsbüchern wird Naruhito als Reiwa-Kaiser bezeichnet werden.

Die Zählweise in Nengo ist gar nicht so dumm. Man muss sich nur daran gewöhnen und eine Besonderheit beachten: Ein Jahr, indem es einen Kaiserwechsel gab, hat zwei Bezeichnungen.

Beispiel: Als 2019 anfing war es noch 平成31 (Heisei-31). Auf den 30. April 平成31 folgte der 1. Mai 令和1. 

Wenn man nicht aufpasst, kann man meinen dass 平成31 und 令和1 zwei verschiedene Jahre sind, zumal of das neue Nengo rückwarts bis zum Jahresanfang genutzt wird.

Wer nicht aufpasst, und das passiert auch Japanern, rechnet das neue Nengo rückwärts bis zum Jahresanfang. Ich muss noch mal schauen, ob das überhaupt zulässig ist.

Ein Grund für die Regierungsdevise war, dass es mit dem Buchstaben R beginnt, denn die Nengo nach 1873 (Meiji-Restauration) werden oft mit einem einzigen, westlichen Buchstaben abgekürzt: Meiji = M, Taisho = T, Showa = S, Heisei = H und nun Reiwa = R.

Und: Die haben bis zum Schluss nicht gewusst, wie man das neue Nengo auf der modernen IT realisiert bzw. wie die IT reagiert, wenn die Jahresnummer wieder auf 1 springt. Der Wechsel des Nengo war quasi das japanische Y2K-Problem. Beim letzten Kaiserwechsel 1989 war die IT noch nicht zu lebensbestimmend wie heute.

In Japan war die Nengozählung bis vor kurzem noch auf nahezu allen offiziellen Dokumenten, auch dem Führerschein, zu finden. Das wurde erste vor ein paar Jahren geändert. So nach und nach verschwindet diese Art der Jahreszählung. Eigentlisch schade. Ich mochte sie. Es war eines von diesen „50 Gründe woran man erkennt, dass man zu Lange in Japan war.“ Naja. Zumindest auf dem Münzgeld und in den Goshuin (Pilgerbüchern) bleibt zu uns erhalten …  vorerst.

Schreibweise des Datums

Die ist ein weiterer Punkt, an dem in Japan ins Stolpern kommen kann: Das Datum 5/3 ist nicht der 5. März, sondern der 3. Mai. Man findet diese Angabe häufig auf Plakaten für Veranstaltungen. Er wird noch verwirrender, wenn das Nengo genannt wird.

Beispiel: Mein erster Japanrail Pass war gültig bis 16/10/15. Ich habe das damals als 16.10.15 gelesen. Mir war das mit dem Nengo bekannt und hatte ein 04 für 2004 gat nicht erwartet. Am Ende bin ich einen Tag schwarz gefahren.

Wochentage

Die Namen der Wochentage stammen vom vorherige Kalendersystem mit nur 5 Wochentagen, der die Namen der 5 chinesischen Elemente verwendete. Es wurden einfach um Sonne und Mond ergänzt wurden. Die kennzeichnenden Kanji für den Wochentag sind: 曜日 (yobi)

  • 曜日 .. nichiyobi .. Sonne –> Sonntag
  • 曜日 .. getsuyobi .. Mond –> Montag
  • 曜日 .. kayobi .. Feuer –> Dienstag
  • 曜日 .. suiyobi .. Wasser –> Mittwoch
  • 曜日 .. mokuyobi .. Holz –> Donnerstag
  • 曜日 .. kinyobi .. Metall (Gold) –> Freitag
  • 曜日 .. doyobi .. Erde –> Samstag / Sonnabend
Monate

In Japan haben die Monate sehr peotische Namen. Diese werden aber nie benutzt. Ich habe sie jedenfalls noch nie gesehen, geschweige denn gelesen. Ich musste sie nachschlagen.

In normalen Leben werden die Monate einfach durchgezählt: 1. Monat, 2. Monat, 3. Monat, usw. Das Kanji 月 wird hier gatsu gelesen.

  • 一月 (ichigatsu) = Januar [睦月 .. mutsuki; Monat der Zuneigung]
  • 二月 (nigatsu) = Februar [如月 .. kisaragi; Kleidungswechsel]
  • 三月 (sangatsu) = März [弥生 yayoi; zunehmendes Wachstum]
  • 四月 (shigatsu) = .. = April [卯月 .. uzuki; Deutzienmonat]
  • 五月 (gogatsu) = Mai [皐月 .. satsuki; Monat der Reissetzlinge]
  • 六月 (rokugatsu) .. Juni [水無月 .. mintsuki; Monat des Wassers]
  • 七月 (chichigatsu) .. Juli [文月 .. fumitsuki; Buchmonat]
  • 八月 (hachigatsu) .. August [葉月 .. hazuki; Blattmonat]
  • 九月 (kugatsu) .. September [長月 .. nagatsu; langer Monat]
  • 十月 (jugatsu) .. Oktober [神無月 .. kaminazuki; Monat der Götter
    oder auch 神在月 .. kamiarizuki; Monat ohne Götter]
  • 十一月 (juichigatsu) .. November [霜月 .. Shimotsuki; Frostmonat]
  • 十二月 (junigatsu) .. Dezemver [師走 .. Shiwasu; Priester rennen]

Die Namen der Monatstage überspringe ich. Das reiche ich nach.

Hier noch schnell ein [Nengorechner].

Uhrzeiten

Japan verwendet wie Deutschland das 24-Stunden-System. Ich habe aber auch schon die Verwendung von am-pm gesehen, wenn auch vergleichsweise selten. Und so wild ist es auch nicht. Ich benutzte auch mal „Halb Sechs“ für ein Termin am Abend.

Es wäre aber nicht Japan, wenn es nicht auch hier eine Besonderheit gibt. Bei Öffnungszeiten, die über Mitternacht hinausgehen (beispielsweise bei Kneipen), wird oft weitergezählt. Ich habe Fotobweise für diese Behauptung: „Geöffnet von 20-25 Uhr“ oder „geöffnet bis 27 Uhr„.

Der Lunisolarkalender wurde von 604 an über knapp 1268 Jahre lang benutzt. Beachtlich. Der Wechsel zum gregorianischen Kalender erfolgt am 01.01.1873 (Meiji-Ära) zusammen mit der Öffnung des Japan. Und wenn ihr glaubt, der vorherige Kalender war schon schwierig, dann habt ihr noch nie mit einem Lunisolarkalender gearbeitet.

kurze und lange Monate

Das regulare Jahr bestand aus 12 Monaten mit 29 Tagen (sho-no-tsuki; kleiner Monat) oder 30 Tagen (dai-no-tsuki; großer Monat), da der synodische Monat (Mondmonat) 29,53 Tage beträgt. Der Monat begann immer mit Neumond. Exakt.

Aber hier kommt bereits das erste Problem: Die Länge des Mondmonats (Lunation) schwankt zwischen Extremwerten von 29,272 Tagen 29,833 Tagen. Wenn man den Monatsanfang jetzt exakt auf Neumond legt, ergibt sich eine komplexe Abfolge von kleinen und großen Monaten.

  • 1688 = sho, dai, sho, sho, dai, sho, dai, sho, dai, sho, dai, sho
  • 1689 = dai, dai, sho, sho, dai, sho, dai, sho, dai, dai, dai, sho

Das muss man den Japanern lassen. Wenn schon Synchronisation zu den Mondphasen, dann richtig.

Jahresbeginn

Der Jahresbeginn erfolgt, wenn der Neumond im Sternbild Fische ist. Nach heutiger Rechnung ist das etwa Februar und identisch mit dem chinesischen Kalender, der das chinesiche Neujahrsfest noch heute festlegt.

Der verschobene Jahreswechsel ist bei der Zählung der Jahre zu berücksichtigen: Der 12. Monat von Genroku-15 ist nicht der Dezember 1702, sondern Januar 1703.  Also nicht wundern, wenn sich Jahreszahlen in verschiedenen Quellen bei einem Datum nahe der Jahreswende um ein Jahr unterscheiden. Die Doppelbenennung in der Nengorechnung (kommt im nächsten Blogeintrag) beim Kaiserwechsel kann eine weitere Ursache für Fehler sein.

Schaltmonate

Und hier kommt der Haken von Lunisolarkalendern: Der Abgleich von Mondmonaten mit der Länge des Sonnenjahres. Das Mondjahr kommt auf etwa 354 Tage während das Sonnenjahre 365,25 Tage umfasst. In 12 Mondmonaten fehlen also 11 Tage. Man muss also grob alle 32,5 Monate einen Schaltmonat einfügen. Und das ist, was der japanische Kalender machte:

  • 1689; zusätzlicher 1. Monat
  • 1691; zusätzlicher 8. Monat
  • 1694; zusätzlicher 5. Monat
  • 1697: zusätzlicher 2. Monat

Eine unvollständige Übersicht gibt es auf deiser Seite [Link]. Und die Krönung: der Schaltmonat (uruu) hat den gleichen Namen wie der vorherige Monat.

Wie schon bei den Synchronisation auf den Neumond, ist der japanische Kalender erstaunlich präzise. Allerdings gab es eine weitere Regel, die die Sache dann doch wieder kompliziert macht: Die Monate werden so eingefügt, dass der Jahresanfang mit dem Neumond im Sternbild Fische (siehe oben) beginnt und der 11. Mondmonat der Monat der Wintersonnenwende ist.

Einschub: Der Herbstvollmond

„The 15th night of the 8th month is celebrated as Great Moon of Mid-Autumn, a time to honor the Great Wheel and enjoy tsukumo moon-viewing parties in which participants drink sake, eat tsukimi-dango rice cakes and compose haiku poems.“ .. 

Der erste Vollmond nach Herbstanfang ist ein besonderer Moment im japanischen Jahr. Leute gehen wirklich aus, um die Ansicht des Mondes zu genießen, mit Sake, Dango und rezitieren von Haiku.

Aber stimmt das?

Die 15. Nacht des Monats ist Vollmond, da der Monatsbeginn auf Neumond synchronisiert ist. Der 8. Monat des Jahres ist aber nicht August. Das Jahr beginnt, je nach Lunation irgendwann zwischen Ende Januar und Ende Februar. Der 8. Monat beginnt nach unserer Zeitrechung also zwischen Ende August und Ende September, mit dem Vollmond irgendwann zwischen grob Mitte September und Mitte Oktober. Es ist also durchaus möglich, dass der besagte Vollmond vor dem Herbst-Äquinoktium liegt.

Es stimmt also nur halb.

Es ist der Vollmond in der Nähe von dem, was wir Herbstanfang nennen. Aber es war nicht der erste Vollmond zu Herbstanfang, denn wir erinnern uns: die japanischen Jahreszeiten sind gegenüber den unseren verschoben gewesen und Herbst begann Anfang August.

Wenn es etwas war, dann der Vollmond zur Mitte des (japanischen) Herbst.

Umrechnung zwischen den Kalendern

Wegen der Lage der Schaltmonate und der nicht systematischen Länge der Monate kann man keine Umrechnungsformel angeben. Man muss auf Tabellen zurückgreifen. [eine kleine Tabelle]

Ich wollte hier eigentlich noch die Uhrzeiten erwähnen, aber daraus mache ich einen eigenen Blogeintrag …

Wann findet ein Schrein- oder Tempelfest in Japan statt?

Die Antwort ist relativ einfach: Entweder …

  • an einem festen Tag im Jahr (Takayamamatsuri am 14./15. April) oder
  • ein eine festen Wochentag (Koenji Awa Odori am letzten Wochenende im August) oder
  • an einem festen Tag im japanischen Mondkalender oder
  • an einem Wochenende am dichtesten zu einem speziellen Tag im japanischen Mondkalender

Die Schwierigkeit ist, dass man nie weiß, welche Regel es ist.

Japan wechselte am 01.01.1873 (Meiji-Ära) zum gregorianschen Kalender. Das ist jetzt nicht so lange her und so finden sich heute noch viele Hinweise auf den alten japanischen Kalender.

Beispiel: Von kultureller Bedeutung ist z.B. heute noch der erste Vollmond nach Herbstfang (Moon Viewing). In einem Lunarkalender wäre dies immer der gleiche Tag im Jahr. Jetzt pendelt der Tag in einem 30-Tage-Zeitfenstern. Allerdings ist hier der Herbstanfang des japanischen Kalenders gemeint, womit man auch noch 6 Wochen Offset beachten muss. Mehr dazu später …

Der japanische Mondkalender (vor 604)

Dieser Kalender hat eine völlig andere Struktur, als das, war wir kennen; und ja, es ist im Prinzip kein Lunarkalender, der es keine Monate gibt, die auf die Mondphasen synchronisieren.

Sekki: Das Jahr ist ist 360 Tage lang und in 24 Sekki zu 15 Tagen geteilt. Jedes Sekki hat einen Namen, der sich im Prinzip an der Großwetterlage orientert: kleine Hitze, große Hitze, Anfang des Herbst. Letzteres Sekki beginnt um den 7. August.

Ko: Ein Sekki ist in 3 Ko zu je 5 Tagen geteilt (frühes, mittleres, spätes Ko). Das Ko ist vergleichbar mit unserer Woche. Die Namen der Ko orientieren sich an Naturereignissen und tragen zum Teil sehr poetische Namen: Froschsingen, Regenwürmer erscheinen, Bambussprossen. Das Prinzip, das Jahr in 72 Ko zu teilen, wurde aus China übernommen und der Naturbezug auf Japan adaptiert.

Eto: Ein Eto umfasst 12 Ko, bzw. 4 Sekki, bzw. 60 Tage. Dieser Zyklus hat seinen Urpsrung (wie auch der 60-Jahrezyklus) im Taoismus. Jedem Tag ist ein Tier des Tierkreises und ein Element zugeordnet. (mehr dazu unten). Es gibt also einen Tiger-Wasser-Tag ebenso wie einen Hahn-Holz-Tag.

Rokusetsu-Zyklus: Dies ist ein 6-Tage-Zyklus der mit Beginn eines neuen Mondmonats zurück gesetzt wird. Der Zyklus wird nur für astrologische Bestimmung von glücklichen und unglücklichen Tagen verwendet.

Jahreszeiten und Jahresanfang

6 Sekki (90 Tage) bilden eine der 4 Jahreszeiten des Jahres. Fragt mich nicht, wie die das Problem behoben haben, dass der das Jahr 5 Tage zu kurz ist und die Jahreszeiten dadurch driften.

Die Jahreszeiten werden über die Sonnenwenden und Äquinoctia ermittelt. Aber: Ander als in Europa liegen diese Punkte in der Mitte der Jahreszeit und nicht am Anfang; macht aus meiner Sicht auch Sinn. Sommer sind die 45 Tage und 45 Tage nach der Sommensonnenwende und umfasst die 90 längsten Tage im Jahr.

Zassetsu und Doyo markieren den Wechsel der Großwetterlage. Die saisonalen Wetterlagen sind in Japan stärker ausgeprägt, stabil und der Wechsel zwischen ihnen ist merklich und zeitlich relativ zuverlässig.

Die zasettsu sind die 4 Tage vor Beginn einer Jahreszeit, und die 7 Tage (Higan genannt) um die beiden Äquinoktien. Die Higan sind von Bedeutung im Buddhismus, da die Sonne hier exakt im Westen untergeht, dem großen Paradies des Amida Buddha. Während dieser Zeit wird für die Ahnen gebetet und Gräber besucht.

Den 6 Zassetsu gehen jeweils 18 Tage voraus (Doyo), die klimatisch instabil sind. Die Doyo vor Sommeranfang heißt Nyubai und markiert den Anfang der Regenzeit. Die Doyo zu Herbstanfang ist Nihyaku-Toka und markiert den Beginn der Taifunsaison.

Das System der zasettsu und Doyo ist gutes Beispiel für eine Agrarkalender, der es erlaubt Aussaat und Ernte zuverlässig zu planen. Die Änderung der Wetterzyklen in Folge der globalen Erwärmung sorgt dafür, dass das System der Zassetsu heute nicht mehr passt. Umgekehrt ist es ein Beweis für den Klimawandel.

Erdzeige, Gyogo und Eto

In der chinesischen Mythologie existieren 12 Erdzweige (Tierkreise). Wir kennen sie von Zuordnung zu den Jahren. Die 12 Tiere sind:

  • 子 .. Ratte (ne)
  • 丑 .. Ochse (ushi)
  • 寅 .. Tiger (tora)
  • 卯 .. Hase (u)
  • 辰 .. Drache (tasu)
  • 巳 .. Schlange (mi)
  • 午 .. Pferd (uma)
  • 未 .. Schaf / Ziege (hitsuji)
  • 申 .. Affe (saru)
  • 酉 .. Hahn (tori)
  • 戌 .. Hund (inu)
  • 亥 .. Schwein (i)

2020 ist übrigens das Jahr der Ratte. 1976 war das Jahr des Drachen. Den Tieren werden wie den Sternzeichen des westlichen Horoskop Eigenschaften zugewiesen.

Daneben gibt einen 5-Jahre-Zyklus (Gogyo) der Elemente der chinesichen Lehre, denen eine Farbe, ein Tier, ein Planet und eine Himmelrichtung zugeordnet ist. Der 5-Tage-Zyklus entspricht den Ko. Wir haben also eine 5-Tage-Woche mit den folgenden Wochentagen:

  • 金 = Metall = Venus, weißer Tiger = West
  • 水 = Wasser = Merkur, schwarze Schildkröte = Nord
  • 木 = Holz = Jupiter, azurblauer Drache = Ost
  • 火 = Feuer = Mars, zinnoberroter Vogel (Phönix) = Süd
  • 土 = Erde = Saturn, gelber Drache = Mitte

[Einschub: Wir kennen die 4 Farben außer gelb von den Markierungen des Sumo-Dohyo. Die Tiere und Farben tauchen auch im Feng Shui auf.]

Beide Zyklen zusammen bilden einen 60-Jahre-Zyklus. Im Kontext der Eto wird dieser Zykus auf Tage angwendet und sechs mal im Jahr durchlaufen. Es gibt also einen Wasser-Drache-Tag.

Nur zur Vollständigkeit: Es gibt noch einen zweite 10-Tage/Jahre-Zyklus. Hier dauern die Elemente 2 Tage/Jahre und werden mit Yin und Yang kombiniert. Der Zylus mündet mit den 12 Erdkreisen ebenfalls in einem 60-Tage/Jahre-Takt. In diesem System ist 2020 das Jahr Yang-Metall-Ratte und 1976 war Yang-Feuer-Drache.

[Hinweis: Der Zeitpunkt des chinesischen Neujahrsfestes ist zu berücksichtigen. Unser Jahresanfang gehört also noch zum Tier des Vorjahres. In Japan wechselt das Tier hingegen mit dem 01.01.2020.]

Eigentlich wollte ich einen Beitrag zum alten japanischen Kalender schreiben, der zum Teil heute noch Daten (Plural zu Datum) für Schrein- und Tempelfeste definiert. Und dann dachte, ich muss vorher etwas Kontext schaffen …

Um über andere Kalender zu reden, sollten man sich erst einmal den eigenen Kalender anschauen. Wieso sind die Monate so unterschiedlich lang? Wiso hat die Woche 7 Tage, die nicht zur Monatslänge passen? Was steckt hinter den Schalttagen? Und wieso ist September der 9. Monat, obwohl der Name von Septus, lateinisch für 7 stammt?

erster römischer Kalender

Der erste römische Kalender war ein Lunarkalender, der vermutlich von den Etruskern übernommenm wurde, aber eine Jahreslänge von 355 anstatt 354 Tage hatte. Die Woche hatte, wie bei den Etruskern 8 Tage (Nundinalzyklus = 9 Tage, wenn man den Starttag mitzählt).

Das Jahr begann mit dem Monat März.Damit ist die Frage geklärt, warum der September so heißt. Es war einmal der 7. Monat im Jahr.

Der Monatserste war synchron zum Neumond.

Nundinalzyklus: Der 8-Tagewoche heißt Nundialzyklus, obwohl das Wort Nundinar 9-tägig bedeutet. Das liegt daran er den Abstand der Markttage maß und dabei den ersten und den darauf folgenden Markttag berücksichtigte. Verwirrend, ich weiß. Aber 25 Jahre Wacken bedeutet auch, dass es das 26. Wacken ist.

der spätere römische Kalender

Es gab einige Kalenderreformen. Die wichtigste erfolgte 450 v. Chr mit den Zwölftafelgesetzen. Die Reform sollte die Diskrepanz zwischen Mondjahr und Sonnenjahr korrigieren, was den Lunarkalender in einen Linusolarkalender überführte.

Ich habe einige Informationen gefunden, dass diese Kalender mit 10 Monaten pro Jahr arbeitete. Andere Quellen sprechen aber weiterhin von 12 Monaten.

Die Jahreslänge war weiterhin 355 Tage. In einem 4-Jahres-Zylus (Tetraeteris) wurde das 2. Jahr um einen 22 Tage langen Monat und das 4. Jahr um einen 23 Tage langen Monat ergänzt. Die Jahreslänge war also 355, 355+22, 355, 355+23, … was zu einer mittleren Jahreslänge von 366,25 Tagen führt.

Besonderheit war, dass der Schaltmonat, Mercedonius genannt,  zwischen dem 23. Februar (Ende des Terminaliafestes) und 24. Februar (Beginn des Regifugiumsfestes) eingefügt wurde.

In einem weiteren Zylus von 3 Octennia (24 Jahre) wurde der ein Schaltmonat mit 22 Tagen um einen Tag gekürzt und der darauf folgende Schaltmonat mit 23 Tagen entfiel. Dies korrigerte den Kalender auf eine mittlere Jahreslänge von 365,25 Tagen.

Zahlweise der Jahre: Anfänglich gab es keinen festen Startpunkt für die Jahreszählung. Es wurde in Regentschaftjahren eines Konsuls gezahlt. Das System entsprach also der Nengo-Rechnung, die heute noch in Japan zum Einsatz kommt. Parallel wurde aber auch ab der Gründung Roms 753 v. Chr. gerechnet.

Zwischenfazit

Der römische Kalender hat jetzt folgende Struktur:

  • Martius: 31 Tage (Gott/Planet Mars)
  • Aprilis: 29 Tage (Etymologie unklar; evtl von aperire = öffnen in Bezug auf das öffnen der Vegetation)
  • Maius: 31 Tage (Göttin Maius, Tochter von Atlas)
  • Iunius: 29 Tage (Göttin Iuno; nicht Jupiter, sonder seiner Gattin!)
  • Quintilis: 31 Tage (quintus = der Fünfte, da es der 5. Monat ist)
  • Sextilis: 29 Tage (sextus = der 6. (Monat))
  • September: 29 Tage (septem = 7)
  • October: 31 Tage (octo = 8)
  • November: 29 Tage (novem = 9)
  • December: 29 Tage (Zahl 10)
  • Ianuarius: 29 Tage (nach dem römischen Gott Ianus, dem römischen Gott von Anfang und Ende)
  • Febraurius: 28 Tage (?) (Monat der Unterwelt)
  • Marcedonuis (Schaltmonat): 22 oder 23 Tag

Obwohl noch ein Lunisolarkalender ist bereits eine Loslösung des Monatsanfang von der Mondphase zu erkennen. Begründet ist dies durch die Zählung ab Neulicht, das mal am ersten, mal ab erst am zweiten Abend nach Neumond sichtbar ist. Die Monate mit 31 Tagen korrigieren dann kumulierte Fehler.

In jedem Monat gibt es zudem drei (vier) Tage, die in der Zählweise der Römer hervorgehoben werden:

  • Kalenden = 1. Tag = Neulicht; i.dR. der 2. Tag nach Neumond
  • Nonen = 8 Tage vor den Iden (zunehmender Halbmond)
  • Iden = 13. Tag des Monats (Vollmond)
  • Tubilustrium = 8 Tage nach den Iden (abnehmender Halbmond)

De Begriff Nonen stammt wieder von der Zahl 9 und hängt wieder damit zusammen, dass die Iden als Startpunkt mitgezählt werden.

Im Jahr 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn dann auch den 1. Januar vorverlegt.

Julianische Kalender

Gaius Iulius (Caesar) sorgte mit seiner Kalendereform 45 v. Chr. für einen Wechsel auf einen reinen Solarkalender. Die Einteilung des Jahres in 12 Monate blieb erhalten, aber der Schaltmonat entfiel. Dafür wurde die Länge der Monate verändert, was zu einer Jahreslänge von 365 Tage führte, die heute noch gültig ist.

  • Ianuarius 31 Tage (+2)
  • Februaris: 28 Tage (plus Schalttag alle 4 Jahre)
  • Martius: 31 Tage (unverändert)
  • Aprilis: 30 Tage (+1)
  • Maius: 31 Tage (unveränder)
  • Iunius: 30 Tage (+1)
  • Quintilis: 31 Tage (unverändert); jedoch umbenannt in Iulius
  • Sextilis: 31 Tage (+2); 8 v. Chr. umbenannt in Augustus
  • September: 30 Tage (+1)
  • October: 31 Tage (unverändert)
  • November: 30 Tage (+1)
  • December: 31 Tage (+2)

Caesar führte auch den Schalttag Ende Februar alle 4 Jahre ein, um die durchschnittliche Jahreslänge (tropisches Jahr) auf 365,25 Tage zu bringen. Es wird berichtet, dass Gaius Iulius das Prinzip des Schalttages in 47 v. Chr. im hellenisierten Ägypten (Alexandria) kennenlernte.

Es gab einen Zaunpfahlfehler gleich zu Anfang der Kalendernutzung, wodurch der Schalttag alle 3 Jahre eingefügt wurde. Augustus korrigierte den Fehler der Aussetzen der Schaltung in den Jahren 5. v. Chr, 1. v. Chr. und 4 n. Chr. Und wer genau hinschaut wird feststellen, dass zwischen 1 v. Chr. und 4 n. Chr. nur 4 Jahre liegen !!! Das Jahr 0 hat nie existiert. Auf 1 v. Chr. folgte sofort 1 n. Chr.

Wochenlänge: Der julianische Kalender wechselte auf eine 7-Tage-Woche, wobei die die 7 Tage nach den 7 Himmelskörpern benannt wurdendie keine Fixsterne sind, die mit Göttern gleichgesetzt wurden:

  • Sonntag –> Sonne
  • Montag –> Mond
  • Dienstag –> Mars
  • Mittwoch –> Merkur
  • Donnerstag –> Jupiter
  • Freitag –> Venus
  • Samstag  –> Saturn

Die Festlegung auf 7 Tage führte zu einer guten Adaption auf den Mondzylus, war aber im Prinzip eine willkürliche Festlegung, da der Kalender ein Solarkalender war. Wie will kürlich die Festlegung zeigt ein Vergleich: Die Azteken arbeiteten mit einer 5-Tage-Woche. nach der franz. Revolution gab es kurz (1792 bis 1806) eine 10-Tage-Woche in Frankreich. Von 1929 bis 1940 gab es in Russland 5-Tage-Wochen und damit 6 Wochen pro Monat.

Jahresanfang: Der Kalender wurde in Europa bis 1582 und wenn man es genauer nimmt sogar bis 1923 (Griechenland) genutzt. Aber der Jahresanfang wurde von jedem anderen Land anders definiert: Im römischen Reich begann das Jahr seit 153 v. Chr. am 1. Januar. In Ägypten war der Jahreswechsel am 29. August (nach alter Zählung der letzte Tag dieses Monats). Konstantinopel (und später Russland) legten ihn auf den 1. September. Deutschland, Schweiz und Englang hingegen auf den 25. Dezember, …

Der Wechsel des Jahreswechsels in Deutschland vom 25.12. auf den 01.01. führte dann auch zu dem Begriff „Zwischen den Jahren“ für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr.

Jahreszählung: Neben der Rechnung in Konsuljahren und ab der Grüdung Roms gab es später noch die Zählung „Anno Diocletiani“, dessen Regentschaft 284 begann. Die Abkürzung war A.D. Die Verwendung der Abkürzung für Anno Domini (nach Christi Geburt) erfolgte erst nach 525.

Im Osten nutze man die Seleukidische Ära und damit das Jahr 312 als Startpunkt (Jahr 1). Es gibt auch eine byzantinische Rechnung ab Schaffung der Welt im Jahr 5509 v. Chr.

Machen wir uns nichts vor. Das heute in der westlichen Welt (Europa und USA) genutze Festlegung für den Beginn der Jahreszählung ist willkürlich gewählt. Jesus von Nazareth wurde in dieser Zählweise zwischen 7 v. Chr. und 4 v. Chr. geboren.

Gregorianische Kalender

Die Motivation für die Kalenderreform von 1582 durch Papst Gregor, die zur Einführung des gregorianischen Kalenders führte,  war eine genauere Berechnung des Osterfestes. Im Wesentlichen wurden drei Punkte des julianischen Kalenders verbessert.

(1) Die Regel eines Schalttages alle 4 Jahre führt dazu, dass das Jahr ein paar Minuten zu lang ist. Die Schalttagregelung wurde daher präzisiert: Ein Schalttag alle 4 Jahre, außer das Jahr ist durch 100 aber nicht durch 400 teilbar. (Deshalb war 1900 kein Schaltjahr, aber 2000 war eines. 2100 fällt das Schaltjahr wieder aus.)

(2) Der Jahresanfang wurde  einheitlich auf den 1. Januar gelegt. (Man beachte, dass dies nicht für das Kirchenjahr gilt, dass weiterhin am Sonnabend vor dem 1. Advent bzw. in der orthodoxen Kirche am 1. September beginnt.)

(3) Der Schalttagfehler des julianischen Kalenders (1 Tag alle 128 Jahre), der sich mittlerweile auf 10 Tage kumulierte, wurde korrigiert. Auf den 4. Oktober (Julianisch) folgte daher der 15. Oktober (gregoriansch).

Heute ist der Abstand auf 13 Tage, die der julianische Kalender dem gregorianischen hinterher läuft, angewachsen und das orthodoxe Weihnachtsfest auf den 7. Januar verschiebt.

Dass das Oktoberfest größtenteils im September stattfindet hat nichts damit zu tun. Dieses wurde erst 1810 eingeführt und basiert auf der Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern mit Prinzessin Theresa am 12. Oktober und einem Pferderennen, das am 17. Oktobers stattfand. Das Fest wurde Ende des 19. Jahrhundert in den September vorverlegt, um das bessere Wetter zu nutzen.

Der Wechsel auf das gregorianische System erfolgte in Europa aber nicht überall. Eigentlich übernahmen nur Spanien, Portugal, Polen und Teile Italiens dien neuen Kalender sofort am 05.(jul) / 15.(greg.) Oktober 1583.

Römisch-katholische Staaten wechselten zeitnah. Immerhin war es eine päpstliche Kalenderreform. Protestantische Staaten wechselten teilweise erst über 100 Jahre später (im heiligen römisch Reich mit Sprung vom 18.02.1700 auf den 01.03.1700 (11 Tage) und in der Schweiz vom 31.12.1700 zum 12.01.1701 (12 Tage-Sprung)).

Japan übernahm den gregorianischen Kalender am 01.01.1873. Russland wechselte erst nach der Oktoberrevolution (01.02.1918 auf den 14.02.1918 (13-Tage-Sprung)). Griechenland folgte erst 1923, die Türkei 1926 und China erst 1949.

Wochentage: Die Namen der Wochentage wechselten im europäischen Sprachraum von den römischen Göttern zu den germanischen Göttern. Die christliche Kirche versuchte jedoch eine Umbenennung durchzuführen, um die heidnischen Götter los zu werden. Die englischen Namen der Wochentage sind dichter am Götternamen als die deutschen Namen.

  • Sonntag –> Sonne
  • Montag –> Mond
  • Dienstag –> Tyr bzw. Tiu (Tuesday)
  • Mittwoch –> Wodan (Wednesday)
    Der deutsche Mittwoch ist eine Christianisierung.
  • Donnerstag –> Thor (Thursday), Gott des Donners (Donnerstag)
  • Freitag –> Frija; nicht Freya (Friday)
  • Samstag –> Saturn (Satur(n)day)
    Der deutsche Samstag leitet sich von Sabbattag ab und der Begriff von Sonnabend vom „Abend vor Sonntag“.

Die Festlegung auf 7 Tage wurde aus dem julianischen Kalender übernommen, die diese Einteilung vermutlich aus Babylonien importierten. Im Christentum wurde diese Festlegung dann durch die Schöpfungsgeschichte legitimiert.

Wochenbeginn: In der jüdischen und christlichen Tradition beginnt die Woche mit dem Sonntag. Diese Regelung galt bis 1975 auch in Deutschland. Heute ist dies in der ISO 8601 geregelt, die den Wochenbeginn auf Montag legt. In den USA, Israel, den arabischen Ländern sowie China und Japan ist weiterhin Sonntag der erste Tag der Woche.