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Heute steht der Koto-Ward auf dem Plan. Er liegt wie der Sumida-Ward (morgen) zwischen den Flüssen Arakawa und Sumidagawa. Der Bezirk ist durchzogen von Kanälen aus der Edozeit. Die Erlebnisse der Reise beginnen beim Umsteigen in Akihabara. Zum einen habe ich die Treppen zwischen den Pattformen immer noch nicht verstanden. Und dann stolpere ich über eine Milchbar: Ein Kiosk am Bahnsteig, der nur Milch verkauft. Ich verpasse drei Züge. Was für eine coole Idee.

Ich steige in Kinchicho aus und gehe etwas zurück zum Oyokokawa. Der Nordteil des Kanals reichts hoch bis zum SkyTree und wurde komplett nach unterirdisch verlegt. Oberirdisch ist es jetzt ein Park; eine grüne Linie quer durch das Häusermeer.

Südlich ist ein Stück Park und dann kommt der Kanal zum Vorschein. Links und rechts Kirschbäume. Leider, Leider ist die Kirschblüte komplett vorbei. Es wäre ein bombastischer Anblick gewesen und der Kanal landet damit auf meiner Geheimtip-Liste. Ich laufe immer weiter nach Süden. Immer noch Kirschbäume.

Unten am Kiba-Park kreuzt ein anderer Kanal. Hier biege ich nach Westen ab, da ich glaube, dass dies der Kanal von der Bootstour ist. Ist er nicht und mit Blick auf die Uhr versuche ich die nächste U-Bahnstation zu finden. Es ist Kiyosumi (siehe 2014). Zwei Stationen später bin ich in Ryogoku, dem Empizentrum des Sumo.

Erster Stopp wird Edo Noren direkt im Bahnhof. Eine nette Idee: Ein Sumodoyo in der Mitte, drum herum Restaurants für Chanko und Sushi Edo-style, sowie ein Sakeya mit Automaten, wo man sich durch knapp 30 Sakesorten probieren kann.

Ich stelle fest, dass ich sowohl die sehr trockenen als auch die süßen mag. Bezahlt wird pro Becher (Inhalt ist etwa 20ml). Das könnte schnell ins Geld gehen. Allerdings hat Sake einen Alkoholgehalt von kräftigem Rotwein. Und bei dieser Größe kann man 8-10 Sake probieren, bevor man das Äquivalent eines Glas Rotweins intus hat. Vorteil dieser Sakeprobierstation ist, dass man den Sake auf verschiedene Temperaturen hochheizen kann. Und ja, das macht den Unterschied. Bei verschiedenen Temperaturen schmeckt der gleiche Sake komplett anders. Ich mache Notizen über Notizen.

Die Suche nach den Heya der Sumokämpfer ist es etwas ernüchternd. Gedanklich erwartet man alte Gebäude mit einer großen Holztafel an der Tür. In Realität sind es eher unauffällige, teilweise sogar hässliche Betongebäude. Und ohne gebuchte Tour kann man eh nichts sehen. Also gleich weiter zum ersten kulinarischen Highlight des Tages: Chankonabe, das Essen der Sumotori. Im Prinzip ist es ein sehr gehaltvoller Eintopf mit Kohl und Fleisch, von dem selbst eine kleine Portion sättigt. Obendrein schmeckt es.

Nach dem Essen geht es zum Hokusai-Museum. Das Gebäude selbst ist ein Kunstwerk für sich. Innen hängen diverse Ukiyo-e Werke. Es ist schwer von Originalen zu reden, da Ukiyo-e eine Drucktechnik ist. Aber ich wollte schon immer einen Originaldruck der großen Welle von Kanagawa sehen.

Nächster Stop  ist des Edo-Museum; dieser futuristische Bau. Die Austellungshalle ist einfach riesig. Man kann Stunden hier verbringen. Innen steht sogar die Hälfte einer 1:1-Rekonstruktion der Nihonbashi (eine kleinere Version steht am Flughafen Haneda).

Nach so viel Museum und Kultur an einem Tag wird es Zeit für Ginza. Zuvor stoppe ich aber (mal wieder) an Tokyo Eki. Dieses Mal gibt es keine meterlange Warteschlange am JRP-Pass. Geduld ist alles, und natürlich die paar Tage Reserve, bevor man den JRP braucht.

Mein Ziel ist die neue Shoppping-Mall Ginza 6. Hier hat der Designer Jotaro Saito einen Verkaufssalon. Die Kimonos sind echt der Hammer, aber der Preis ist etwas oberhalb meiner Liga. Eine komplette Ausstattung mit Obi, Geta und allem drum und dran kostet locker 4000€. Hm. Fürs erste belasse ich es wohl bei einem Parfait (Foto) und etwas Champagner … dies ist schließlich Ginza.

Mit Zwischenstopp am Hotel (Stativ holen) geht es ein letztes Mal in den Ueno Park, um die Reste der Kirschblüte zu fotografieren. Haken dran. erledigt. Ich springe in die Yamanote und fahre nach Kanda.

Kommen wir zum zweiten kulinarischen Highlight des Tages: Ein Indoor-Yatai. Es ist wie ein Yatai, halt ohne Räder und dafür im 4. Stock. Fast. Etwas vom Yatai-Feeling geht verloren. Dennoch. Da es keinen Yatai in freier Wildbahn in Tokyo mehr gibt, ist dies so dicht wie irgendwie mäglich am Original.

Am Nachbaryatai sitzt eine Gruppe Japanerinnen inkl. dem Großvater einer der Damen. Ich komme schnell ins Gespräch und sitze schnell zusammen mit ihnen zusammen. Das ist Yatai. Das ist das was ich aus Fukuoka kenne. Small Talk beim Feierabendbier (bei mir ist es ein Hopy).

Fazit: Ich bin wirklich ein Fan von Yatai, Oden und Dashiwari UND Hoppy ist neben HiBall mein Favorit für einen erfrischenden Drink.

Auf meinem Plan für heute steht „Kirschblüte“. Leider habe ich bereits gestern bestätigt, dass nur noch ein paar Bäume einer spätblühenden Sorte Blüten tragen. Ich habe keine Ahnung, wie ich die Situation retten kann. Also gehe ich einfach mal, wie geplant, in den Ueno Park. Bei Tageslicht wird klar, dass villeicht noch 5 Bäume in Blüte sind.

Ich gehe daher zum Ueno Toshogu Schrein. In 14 Jahren habe ich es nicht geschafft ihn zu fotografieren. Zuletzt war er eine Baustelle. Ich muss allerdings warten. Das Tor öffnet erst um 9 Uhr. Ich schlendere daher ein wenig umher und sehe wie sich gleich nebenan eine Warteschlange formt. Es ist der Eingang zum Zoo. Stars sind zwei Pandajungen. Das Tor öffnet. Goldene Tore und farbige Schnitzereien erwarten mich. Das Warten hat sich gelohnt.

Nach einem weiteren Rundgang durch Uenopark, währenddessen sich die Schlange auf bestimmt 500 Leute erweitert hat, verlege ich zum Ueno Eki und von dort zum Tokyo Eki. Plan war, den JRP abzuholen, aber die Warteschlangen sind der Wahnsinn. Wartezeit ist bestimmt eine Stunde. Ich ziehe daher weiter zum Vorplatz, der endlich fertig ist und wirklich würdig aussieht. Auf dem Weg zur Steinbrücke des Palastes stolpere ich über eine Reihe von Kirschbäumen in voller, maximaler Blüte. An der Steinbrücke hingegen nichts.

Ich quere den Palastgarten, nutze ihn aber mehr als Abkürzung. Anstelle geradeaus zum Budokan gehe nach links in Richtung Expresswayauffahrt. Chidorigafuchi. Hier war ich noch nie. Und es war definitiv einer der Hanami-Spots in Tokyo. Der „Greenway“ führt am Wasser entlang zum Yasukuni-Schrein. Diesen wollte ich eigentlich auch als Abkürzung nutzen. Hat aber nicht geklappt. Ich muss doch den langen Weg laufen.

Ich gehe am Kandariver entlang in Richtung Iidabashi. Unter mir ist die Chuo-Main-Line; mehrfach benutzt aber noch nie aus dieser Perspektive gesehen. Unten an der Straße ist die Hosei University. Dort laufen gerade Veranstaltungen zum Semesterbeginn. Hunderte junge Japaner(innen) in ihren besten Klamotten und in Begleitung ihrer Eltern säumen die Straße. Am Iidabashi Eki stoppe ich erst einmal für eine große Schüssel Ramen.

Nach dem Mittagessen gehe ich zum Tokyo Daijingu. Den habe ich bisher auch noch nie besucht. Der Schrein  hat ein einfaches Design, dass an Ise und den Atsuta-Jingu in Nagoya erinnert.

Auch der nächste Stop wird einer, wo ich bisher noch nie war: Toranomon; auf halber Strecke zwischen Tokyo Tower und Südspitze des Kaiserpalastes. Dieser Stadtteil hat sich stark gewandelt, er wurde im Rahmen von Tokyo 2020 neu gestaltet.  Und hier gibt es das Japan Sake and Shochu Information Center mit  einer Menge Informationen und Tastingmöglichkeit. Hier probiere ich 17 Jahre im Holzfass gereiften Sake. Er ist dunkelbernsteinfarben, wie alter Sherry. Und er schmeckt wie Sherry mit einer leichten Sakenote.

2 Kreuzungen südwärts ist der Toranomon Hill Mori Tower. Ja, es gibt einen zweiten Mori Tower neben Roppongi Hill. Er ist wesentlich kleiner und unscheinbarer, hat aber ein bekanntes Maskotchen: einen weißen Doraemon (für Original fähre ich in zwei Wochen Nach Takaoka).

Der Atagoschrein ist gleich um die Ecke. Und auch hier war ich noch nie. Die Treppe überbrückt 26m Höhenmeter und steht für Erfolg im Leben. Natürlich gehe ich sie hinauf statt den Fahrstuhl zu nehmen.

Über Shimbashi geht es zurück zum Hotel, das Stativ holen und dann sofort weiter nach Naka-Meguro. Es ist einer der Hanami-Spots in Tokyo. Aufgrund der Fotos im Netz habe ich ihn für das Abendprogramm gewählt. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen finde ich den Fluss.

Hier sind noch Blütenblätter am Baum, vermutlich, weil die Bäume relativ windgeschützt stehen. Warum auch immer, mit der Beleuchtung von unten sieht es bombastisch aus. Volle Blüte muss Mindblowing sein. Es gibt Futter und Getränkestände. Ich finde einen Stand von einer lokalen kleinen Sakebrauerei. Bei einem Glas komme ich schnell ins Gespräch. Ich erfahre auch, dass um 21 Uhr das Licht ausgeht. Dann ist Feierabend. So ist Tokyo. Morgen ist ein Arbeitstag. Für mich heißt dies. Ich habe noch 20 Minuten. Also wird weiter fotografiert.

Der Tip für Nakameguro kam von NHK, wie auch der Tip für mein Abendessen. Entlang der Tokyu-Toyoko-Linie, genauer gesagt unter der Bahnlinie, reichen sich Restaurants und Izakaya. Ein Mekka für Nachtschwärmer. Ich suche das Nodoguroya Kakiemon. Hier gibt es Sake und Austern.

Ich probiere erst eine gegrillte Auster, dann eine frittierte, usw. Am Ende des Tages habe ich 5 Austern gegessen. Das sind in 2 Stunden mehr als doppelt so viele Austern wie in den 41 Jahren zuvor. Und meine Herren waren die Austern lecker. Von den rohen werde ich weiterhin die Finger lassen, aber die gebratenen hier in Tokyo sind genial. Um 23 Uhr muss ich langsam an die Rückreise denken.

Landung in Nagoya, bei der Einreise ist eine riesige Warteschlange. Das könnte dauern. Die nächste Verzögerung ist das Gepäckband.

Dann komme ich als Ursache ins Spiel. Nicht dass ich alle NiMH-Akkus aus dem Koffer fischen muss, weil die Angst haben, dass da ein Li-Akku dabei ist, nein, nachdem der Koffer eingecheckt ist will ich noch das Handgepäck loswerden. Aber das Schließfach nimmt keine SUICA. Also muss ich zum Geldautomaten. Die ersten drei wollen meine Karten nicht. Dann endlich klappt es. Tipp an dieser Stelle: SevenEleven ist der Ort zu Geld holen.

Zurück am Schließfach nimmt dieser Kasten keine 10.000yen-Scheine. Zurück zum Automat. Der gibt keine kleineren Scheine. Ich kaufe zur Verzweiflung beim Subway ein Bier, um an Wechselgeld zu kommen. Jetzt aber los. Handgepäck weg, ab in den Zug und … den falschen Tagesplan und Karte eingesteckt.

Egal. Ich bin in Japan und stehe in der Eingangstür eines roten JR-Zuges. Der Urlaub beginnt genau jetzt. Es ist die achte Ankunft in Japan und immer noch ist da dieses besonderes Gefühl, wenn ich das Flughafengebäude verlässen habe. Es ist dieses „Ich bin zurück“-Gefühl. Bis zum Bahnhof Tokoname sind es zwei Stationen. Dort bekomme ich eine realtiv gute Karte. So wie es aussieht kann man den Ort in 2-3 Stunden erkunden. Perfekt.

Als erstes geht es etwas bergauf. Hier ist die Betonwand mit den kleinen Tonfiguren aus dem NHK-Bericht. Oben angekommen geht es durch den alten Kern von Tokoname. Hier finde ich alte, zum Teil kurz vor dem Verfall stehende Gebäude und an allen Ecken Brennöfen. Die Straße ist gepflastert mit Tonwaren. Die sonst tristen Betonwände  sind hier ebenfalls aus Tonwaren. Mal sind es Abflussrohre, mal sind es Tonkrüge.

Ich finde auch die Wand aus dem NHK-Bericht. Als ich ein Foto von der andere Seite machen will, finde ich einen Kirschbaum in voller Blüte. Vielleicht ist für Tokyo ja doch noch nicht alles verloren? Ich laufe etwas gegen die Uhr, da ich noch einen Flug kriegen muss. Ansonsten hätte ich etwas Zeit über für die ganzen Geschäfte, die es hier gibt. Andererseits würde ich die Keramik sicherlich nicht heil  quer durch Japan und dann nach Deutschland kriegen..

So, mit dem Rundgang bin ich durch, aber wo ist die riesige Manekineko? Blick auf die Karte. Ja, da war ein Abzweiger. Also zurück auf den Rundgang und dann rechts ab. Hier ist sie; direkt auf dem Betonwall mit den Figuren vom Anfang.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Restaurant aus dem Bericht. Glaubt es oder nicht; ich finde es; ohne Karte und nur mit einer groben Idee wo es sein sollte. Das Restaurant ist in einer alten Brennerei untergebracht und hat eine Bar, die in dem alten Brennraum eingerichtet wurde. Leider bleibt nur wenig Zeit und das Sento im Flughafen ist schon vom Plan gestrichen. Es wird Zeit für den Weiterflug nach Tokyo.

Das mit dem Begrüßungsbier lasse ich dieses Jahr aus. Das hatte ich ja irgendwie in Nagoya. Für die Fahrt nach Ueno nehme ich den wie immer Keisei und dieses Mal den Express. Der Skyliner ist mir zu teuer. Ich genieße die Fahrt. Endlich mal wieder bin ich auf der Narita-Strecke unterwegs (zuletzt 2012). Die Kirschbäume sind schon komplett leer. Das Maximum ist wirklich vorbei. Mal sehen wie es in Tokyo aussieht. (Die Tokyobucht ist in Sachen Kirschblüte der Umgebung immer ein paar Tage voraus).

Ich verlasse Keisei-Ueno durch die Westausgang und gehe durch den Ueno-Park. Die Kirschblüte im Park ist vorbei. Verdammt. Ich habe sie verpasst. Wochen der Planung vergebens. Es bleibt der traditionelle Fußmarsch zum Yushima Tenmangu, wo ich die Götter begrüße und ein Goshuin kaufe.

Nach 16 Stunden in Flugzeugen und den Marsch durch Tokoname erst mal duschen. Im Hotel Edoya ist alles beim Alten. Ich bin zu Hause. Es folgt das traditionelle Abendessen im Hotelrestaurant. Ich bestelle Soba und ein Glas wirklichen guten Sake.

Danach geht es auf die Fotosafari in den Uenopark. Ich setze meine letzte Hoffnung auf Kirschblüte auf die Bäume am Kiyomizu Kannon-do und werde nicht enttäuscht. Und ich schaffe es endlich ein Foto von diesem speziell geformeten Baum zu machen.

Fazit: Tokoname war ein gelungener Start. Mit dem Beweis, dass die Kirschblüte in Tokyo vorbei ist, werden die nächsten Tage etwas langweilig. Aber egal: Der Urlaub beginnt hier und jetzt … Erkenntnis des Tages: Geldautomaten sind immer noch ein Problem und 7eleven scheint mein neuer LieblingsKombini zu werden … Nachtrag: Japan ist das einzige Land, in dem es aus meiner Sicht legitim ist, sein Essen zu fotografieren. Am Ende dieser Reise wird es eine Zusammenfassung meiner Futterfotos geben.

Hamarikyuteien und Shinjuku Gyoen

Erster Stop ist Asakusa, der große Tempel im Norden Tokyos. Der Weg dahin führt durch die überdachte Ginza, dann das Sanmon mit der riesigen Laterne. Immer wieder imposant.  Dahinter der Tempelbereich: die große Halle, die Pagode, rechts daneben der kleine Schrein. Mein eigentliches Ziel liegt etwas weiter östlich: Sumidakawa. Entlang der Promenade stehen Kirschbäume. Unter den Kirschbäumen wird gegrillt, gefeiert, der Tag genossen. In Tokyo wird wirklich jeder Zentimeter genutzt.

Asakusa und Sumida

Einschub: Eines muß man den Japanern lassen, sie sind aussprochen ordentlich. Jede Gruppe hat eine Plane als Tatamiersatz und eine Mülltüte. Wenn die Feier zu Ende ist, zeugt nur noch platt gedrücktes Gras von ihr. Nicht wie Deutschland, wo sich überall Müll türmt.

Obwohl Sonntag ist, hält sich die Warteschlänge an der Fähre in Grenzen. Das sollte ich ausnutzen: den Sumidakawa entlang Richtung Tokyo Bay. Man fährt unter mehreren Brücken durch; jede zeigt einen anderen Baustil und hat eine andere Farbe. Zu beiden Seiten des Flusses die grauen Türme, die Tokyo sind. Allein für diesen Blick auf die Stadt lohnt sich die Bootsfahrt.

Es geht nach rechts durch ein Hochwasserschutztor auf einen Anleger zu. Rechts eine hohe Mauer. Tokyo. Links ein japanischer Garten. Auch Tokyo? Ein paar Meter den Steg hinunter vergesse ich, wo ich bin. Ein japanischer Garten mit riesigem Teich. Ruhe. Nur die Hochhäuser im Hintergrund, die einen harschen Kontrast zur Parklandschaft bilden, beweisen die Existenz der Millionenmetropole. Kirschbäume runden das Bild ab und schaffen das Klischee des japanischen Garten aus dem Reisekatalog. Ich schlendere durch den Park, vergesse die Zeit.

Hamarikyuteien und Ginza

Zur Tür raus. steht man ohne Warnung in Shinodome: eine 6-spurige Straße, darüber die Autobahn und die Monorail; die Yamanote und Fußgängerbrücken. Hektik. Laut. Verkehr. Ich gehe nach Ginza, den bekannten Stadtteil südlich von Tkyo Eki. Die Hauptstraße ist heute (Sonntag) Fußgängerzone. Auch das ist Tokyo. Vorbei an Gucci, Prada und Apple Store laufe ich einmal rauf und runter. An der 3-chome ein Stop in der Lion Beer Hall; kitschig deutsch, aber eine Institution. Es ist die erste „Bierhalle“ nach westlichem (deutschem) Vorbild in Japan gewesen. Die Japanerin im Dirndl, die Löwenbräu und Würsten serviert, ist dann doch des Guten zu viel.

Nächster Stop Shinjuku Gyoen (der 2. Anlauf). Der Park ist die Wucht. Am Eingang ist er noch ziemlich „rumpelig“ aber im hinteren Bereich erstreckt sich eine Rasenlandschaft mit all diesen japanischen Feinheiten, die man in Europa nicht findet. Ich kann euch nicht sagen was es ist. Aber es ist irgendwie anders. Es ist kein traditioneller japanischer Garten. Jetzt in der Nachmittagshitze fällt meine Wahl auf Eis; Geschmacksrichtung „rote Bohnen“. Muß man probiert haben; gewöhnungsbedürftig, aber so schön japanisch.

Shinjuku Gyoen

Von hier ist es nur ein Katzensprung zur Cosplay-Bridge und dem Yoyogi-Park. Bei den Cosplayern treffe ich auf zwei Mädels aus Frankfurt/Oder. Komplettes Gothic-Maiden-Outfit (nein, hier keine Fotos). Und dann ist da noch dieser „Predator“. Er verrät mir, daß Ende April eine Party stattfindet. Cool, da bin ich bereits wieder in Tokyo. Anschließend geht es kurz durch den Yoyogipark. Wie es dort aussieht habe gestern schon gepostet. Der Rest des Tages ist wieder U-Bahn, Abendessen, Uenopark (inkl. Kiyomizu Kannon) und etwas Onsen auf dem Dach des Hotels. Morgen ist ein Arbeitstag.

Waseda und der Yoyogi-Wahnsinn

Der heutige Tag beginnt am Nezu-Schrein. Der Nezu-Schrein ist für die Azaleenblüte bekannt. Ich erinnere mich an diesen langen Hang mit grünen Büschen. Am Uenopark vorbei, die breite Straße entlang … Wie war das noch? Auf halber Strecker ein Neubau. Das aus diesem Haufen Mikadostäbchen ein Haus werden soll, sehe ich noch nicht. Dann die Kreuzung, nach links, da ist er. Ganz ohne Karte. Und … Nichts Blüte, aber ich kann in Erfahrung bringen, daß die in 3-4 Wochen beginnt. Wenn das paßt, wäre das ein Traumabschluß dieser Reise.

Nezu Jinja

Weiter zum „Geheimtip“ Waseda. Die Touristenkarte ist nur eine Nährung an die Realität. U-Bahn, Campus, breite Straße, Fluß? Oder so ähnlich. Den Campus habe ich. April ist Beginn des Schuljahres bzw. des Semesters. Heute ist so was wie Erstsemesterbegrüßung. Alle „Freizeitgestaltungsprojekte“ präsentieren sich. Es ist bunt und laut. Ich stoppe für ein paar erfrischende Getränke und schaue dem Treiben ein wenig zu. Nun aber weiter, bevor ich mich noch irgendwo einschreibe.

Hinter der Uni die Straße und der Fluß; 10 unter mir, beidseitig mit Betonmauern eingegrenzt. Verwunderlich, daß sich Tokyo nicht auch über den Fluß erstreckt und er unterirdisch fließt. Links und rechts des Flusses steht ein Kirschbaum neben dem anderen. Leider ist ein Großteil der Blüte vorbei. Der Anblick ist toll. Vor einer Woche muß das der Hammer gewesen sein. Ich folge dem Flußlauf bis zu einer Kreuzung, die meine Gedanken zurück in die Hektik Tokyos bringt, die ich vergessen hatte. Kontrast.

Ich bin nahe Shinjuku, nächster Stop ist der Meiji-Schrein. Nordeingang, wie auf der ersten Reise; das Torii und der lange Weg durch den Wald. Tokyo ist ausgeblendet. Im Schrein laufen Vorbereitungen für eine Hochzeit. Gut positioniert, kann ich ein paar Fotos machen. Der Weg zum Yoyogi-Park führt an den Sakefässern vorbei … und den Weinfässern? Da schau an. Die Gaben an die Götter werden international.

Geheimtip Waseda und Yoyogi

Der Yoyogi-Park ist ein Park im westlichen Stil, aber: er ist das „Venice Beach“ von Tokyo. Am Eingang tummeln sich sonntags die Rockabilies, entlang der Straße promoten sich Jugendrockbands. Im Park heute ein Mischung aus Kirschblütenggenießern, Trommlern, Jongleuren, Capoera-Kämpfern … Man kann die Mischung nicht beschreiben. Man muß es sehen. Motto: Alles erlaubt außer spießig.

Japan ist das Land der Details! Heute im Programm: Kinderwagen für Hunde. Kein Scherz. Ein Kinderwagen für Tritthupen, inkl. Sichtfenster und Freßnapf. Arghh. Japan-Überdosis. Glück. Ein Gegenmittel schafft sich selbst eine Schneise: ein deutscher Schäferhund. Diese Baugröße scheint in Japan unbekannt zu sein, respektvoller Abstand ist die Folge. „That’s what I call a dog.“ Der Hund scheint es schneller verstanden zu haben als sein Herrchen, der etwas peinlich/entsetzt dreinblickt, als sein Hund meine Hand abschlabbert. In Japan eigentlich ein No-Go für Hunde.

Auf zum Shinjuku Gyoen. Der Eingang liegt an der JR-Chuo-Line. Den Yamanotering kennt jeder. Die Chuo kreuzt mittig in West-Ost-Richtung. Sie ist fast wichtiger als die Yamanote, wird aber gerne vergessen. Am Park Ernüchterung: Der Eingang ist zu. Argh. Die alte Tokyo-Falle: Die meisten Parks verlagen Eintritt UND sie schließen um 17 Uhr.

Meiji Jingu

Kein Problem: Hotel, Duschen, neue Akkus und dann zum Roppongi Hill/Mori Tower. Der Komplex wirkt riesig, obwohl er gar nicht so groß ist. Es sind diese verschachtetelten Ebenen und die Hanglage; keine Beuzgspunkte, keine rechten Winkel. Eine Ebene endet als Gallerie, eine andere bildet eine Brück auf die andere Seite des Innenhofes. Selbst im 5F gibt es Bäume. Der Architekt hat ganze Arbeit geleistet. Der Begriff „Erdgeschoß“ ist ausgehebelt. Der Abend endet im 54F des Mori Tower mit Blick über Tokyo.


Wichtiger Tip für ganz Japan: Tempel, Schreine, Museen und Gärten schließen gegen 17 Uhr, manche etwas früher, andere etwas später. Egal wie ihr Tagestouren plant, bis dann müßt ihr durch sein.