Archiv der Kategorie: News Flash

Tokyo in Zahlen …

Diese Zahlen lassen nur erahnen, was Tokyo ist. Begreifen kann man diesen Ort dennoch nicht …

Runde 1 – Eckdaten (oder: Was ist Tokyo)
  • Die „Stadt“ Tokyo gibt es nicht. Es gibt ein Metropolregion Tokyo, Es gibt eine Präfektur Tokyo. Es gibt vielleicht noch etwas, dass wir grob an Tokyo bezeichen würden. Und dies sind in etwa die 23 Bezirke, die 23 ku.
  • Tokyo als Begriff für die 23 Bezirke hat  619 km² und etwa 9,6 Millionen Einwohner (15.000 Einwohner/km²).
  • Die Präfektur Tokyo (die 23 Bezirke und die riesige Tama-Region sowie ein paar Inseln) umfasst 2.194 km² und hat etwa 13,6 Millionen Einwohner. Verwaltungstechnisch gehört auch die Insel Ogasawara zur Präfektur Tokyo, obwohl sie 1000km vom Stadtzentrum entfernt ist.
  • Die Metropolregion Tokyo (gemeint ist das Häusermeer an der Tokyobucht, zu dem auch Chiba, Kawasaki und Yokohama gehören) hat 14.034 km² und 38 Millionen Einwohner.
  • Die Stadt Tokyo hat keine präzise Definition. Die Stadt Tokyo gibt es im Prinzip nicht. Viele betrachten aber die 23 Bezirke als das eigentliche Tokyo. Das ist grob der Bereich, den mit mit dem U-Bahn-Netz bereisen kann.
Runde 2 – Zahlen
  • Tokyo alleine wäre mit seinem BIP von etwa 1 Billionen Euro unter den Top-10 der Industrienationen.
  • Shibuya Scramble Square: In der Rushhour queren 15.000 Fußgänger die berühmte Kreuzung; nicht pro Stunden, sondern in JEDER Grünhphase der Ampel. (Andere Quellen berichten von „5.000 people on average.“)
  • Shinjuku Station: 3.6 Millionen Fahrgäste nutzen den Bahnhof jeden Tag und täglich fahren hier über 10.000 Züge ab. Der Banhhof hat über 3600 Schließfächer (coin locker).
  • Der Fischmarkt von Tokyo hatten einen täglichen Umsatz von 12 Millionen Euro.
  • Tokyo Station: Jeden Tag fahren hier über 600 Shinkansen ab (wenn man die nächtliche Betreibspause berücksichtigt, ist das im Mittel ein Zug alle 120 Sekunden).
  • Tokyo Station: Das Bahnhofsgebäude ist 335m lang, der Bahnsteig über 400m (Länge eines Shinkasen mit seinen 16 Waggons).
  • Die U-Bahn in Tokyo (Tokyo Metro und Toei) transportieren zusammen täglich fast 11 Millionen Fahrgäste. Das Schienennetz ist über 320 km lang.
  • Shinjuku Government Building: Die „TwinTower“ von Shinjuku sind mit 243 m das höchste Rathaus der Welt.
  • Sky Tree: Er ist mit 634m der höchste Funkturm der Welt, und nach dem Burj Khalifa das zweithöchste Gebäude der Welt. … und ja es ein Funkturm für terrestrisches Fernsehen. Fun Fact: 634 kann in Japan als mutsu-san-shi gelesen werden, oder kurz mu-sa-shi. Musashi war der historische Name für den Standort des Turms.
  • Es gibt über 150 Museen.
  • Es gibt über 4000 Tempel und Schreine.
  • Es gibt über 6000 Parks und Gärten mit insgesamt über 1000 ha.
  • Es gibt 632 Bahnstationen in den 23 Bezirken Tokyo. (Eine andere Zahl die ich habe ist 882 und bezieht sich vermutlich auf die gesamte Präfektur Tokyo mit der Tama-Region. Ich vermute für die Metropolregion ist die Zahl weit über 1000; vermutlich um die 1500,)
  • Es gibt 100 Unversitäten und Colleges
Runde 3 – Statistik
  • Jährlich besuchen 14 Millionen Touristen Tokyo, mehr als Tokyo Einwohner hat.
  • Getränkeautomaten-Statistik: Auf 23 Einwohner kommt ein Geldautomat. Das ist ein Getränkeautomat alle 12m.
  • Michelin: Tokyo hat die höchste Dichte an Sternerestaurants in der Welt. Im Schnitt gibt es immer über 200 Restaurants. Derzeit [2021] gibt es alleine 12 Restaurants, die 3 Stern haben; 42 Raustarants mit 2 Sternen und 158 mit einem Stern. (Zum Vergleich: Berlin hat 24 Sternerestaurants und nur eines mit 3 Sternen.)
  • Neon: Tokyo hat die höchste Anzahl an Leuchtreklame in der Welt. Das ist Real Life Cyberpunk
  • Ohne es geprüft zu haben: Tokyo hat vermutlich die höchste Anzahl an Katzen-Cafes, Eulen-Cafes und Maid-Cafes in der Welt.
  • Das Tokyo Ritz Carlton hat das teuerste, regulär buchbare Hotelzimmer der Welt: Es kostet 20.000€/Nacht.
  • Tokyo Tower ist ein paar Meter größer als sein Vorbild, der Eiffelturm. Er wird alle 5 Jahre neu gestrichen. Dafür werden 28.000 Liter Farbe benötigt.
Runde 4 – Gerüchte
  • Es gibt Personal, dass Pendler in die Zpge stopft. Sie heißen offiziell „Passenger Arrangement Staff“. Der gebräuchliche Name is Oshiya (pusher).
  • Das Gerücht über Automaten mit gebrauchter Damenunterwäsche WAR korrekt. Nach Protesten und Sorge um das Image der Stadt wurde diese alle wieder abgebaut.
  • Taxifahren tragen weiße Handschuhe und die Autotür öffnet automatisch
  • Die letzten Züge und U-Bahnen fahren gegen Mitternacht. Danach ist Betriebsschluss. Erst gegen 4 Uhr geht es weiter.
  • Tokyo IST die sicherste Großstadt der Welt.

Noch ein zum Abschluss. Wenn man Tokyo auf die Verwaltungsgrenze reduziert (23 Bezirke plus Tama-Region), dann liegt Tokyo Disneyland nicht in Tokyo.

News Flash: Klein Zaches, genannt Zinnober

Heute ist sie eingetroffen: Die BluRay von der Steampunk-Oper „Klein Zaches, genannt Zinnober“. Basis ist das Buch von E.T.A. Hoffmann. Die von mir sehr geschätzte Band Coppelius hat daraus eine Steampunkt-Oper gemacht, die 2015 im Musiktheater Mittelrhein lief.

Letztes Jahr lief ein Kickstarter, um die Oper auf BluRay zu bringen. Ich habe mich beteiligt und es namentlich in das Booklet geschafft.

Ich dachte ja eher daran, dass ich irgendwo rechts unten auf dem Cover der BluRay in Schriftgröße 4 stehe. Aber das Booklet ist enorm. 132 Seiten, gebunden.

Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich finde es jetzt schon genial.

Jetzt muss ich nur noch ein Problem lösen: Ich habe kein BluRay-Laufwerk.


Erinnert sei an dieser Stelle an den Schauspieler und Sänger Rüdiger Frank, der die Rollen von Klein Zaches und E.T.A. Hoffmann spielte. Er starb 2019, noch bevor das BluRay-Projekt startete.

[Stand: 12.12.2020]

Das Zuboraya scheitert an COVID-19

Als es losging habe ich gesagt, dass die Pleitewelle im September beginnnen wird. Dass es in Deutschland noch nicht soweit ist, liegt einzig daran, dass die Isolvenzregeln außer Kraft gesetzt wurden. Das wird die Lage aber nur verschieben und nicht beheben.

Famed Osaka fugu restaurants to call it quits after a century
(The Asahi Shimbun, 04.09.2020)

Famed Osaka fugu restaurants to call it quits after a century : The Asahi Shimbun

Source: www.asahi.com/ajw/articles/13452353

In Japan ist das anders. Dort sind bereits viele Geschäfte, Bars und Restaurant von der Bildfläche verschwunden. Alles unter dem Radar der Öffnetlichkeit. Bis jetzt. Asahi Shinbun meldete vor ein paar Tagen, dass das Zuboraya in Osaka für immer seine Pforten geschlossen hat.

Gegründet 1920 hat es seinen 100. Geburtstag nicht mehr feiern können. Berühmt wurde das Restaurant, welches Fugu (Kugelfisch) auf der Speisekarte hatte, wegen seines großen Lampion. Das Restaurant lag in der Shinsekai, der brühmten Straße am Tsutenkaku. Der Fisch hat es sogar in den ein oder anderen Anime geschafft (werde das bei Gelegenheit nachreichen). Er war neben dem Tsutenkaku eines der Wahrzeichen der Shinsekai, und auch von Osaka.

Ich habe mein Archiv durchwühlt., habe den Lampion aber nur auf einzelnen  Aufnahmen im Hintergrund gefunden. Ich bin ein Idiot. Ich habe es geschafft neben dem Glyco Man auch die Glyco Women zu fotografieren, aber ein gutes Foto vom Zuboraya? Fehlanzeige. Ich kann nur noch hoffen, dass von 2004 ein Dia existiert, das ich noch nicht gescannt habe. Die Chance ist aber in einer Epsilonumgebung um die Null herum.

Und jetzt wird es keine Chance mehr geben. Das Restaurant ist weg. Für immer. Der Fisch ist abgebaut. Für immer. Er wird auch nicht wiederkommen, da sich den Gesetzgebung geändert hat und die Größe heute als Außenwerbung nicht mehr erlaubt ist.

Wer den Fisch kennt, aber das Gefühl hat, dass ein Foto irgendwie anders aussieht, hat recht. Es gab mittlerweile mehrere Restaurants. Neben dem Hauptsitz in der Shinsekai, gab es u.a. eine Zweigstelle in der Dotomburi. Auch dieses  ist jetzt für immer geschlossen.

Als Wahrzeichen bleiben uns jetzt der Glyco Man, der Agry Chef des Kushikatsu Daruma, Billy-ken und die Colonel Sanders Statue, von der ich noch kein Foto habe .


Zum Abschluss noch ein kurzer Japanischkurs: Das -ya am Ende von Zuboraya steht für Geschäft oder Kneipe, vom findet es auch  in Worten wie Sakeya (Sake-Geschäft), Sakanaya (Fischgeschäft), Ochaya (Teegeschäft) und Izakaya (Kneipe; das zaka leitet sich wie man ahnen kann von Sake ab). Zubora heißt übersetzt schlampig, schmudellig oder salopp.

Dieses Restaurant richtete sich an Arbeiter und einfache Leute. Man konnte in lässiger Kleidung erscheinen und musste auch nicht über perfekte Tischmanieren verfügen … Immer daran denken, das Restaurant wurde 1920 gegründet. Das waren andere Zeiten: keine Krawatte hieß kein Bedienung.


Sarkastische Fußnote zu COVID-19: In Deutschland gab es heute 988 Neuinfektionen (1,2 Personen pro 100.000 Einwohner). Japan hatte 599 (0,47 pro 100.000 Einwohner). Und trotzdem wird von der Bundesregierung empfohlen, lieber in Deutschland Urlaub zu machen, weil es sicherer ist. Ja ne, ist klar …

Train No. 103

Woran erkennt man, dass man alt wird? Man kann immer häufiger Sätze wie „Mit dem bin ich noch gefahren“ oder „Da war ich, bevor …“ verwenden.

Jetzt ist es wieder soweit: Heute erschien ein Artikel in der Asahi Shimbun: Der letzte  Zug der Moha-1-Serie der Hakone-Tozan-Line wurde nach 100 Jahren Betrieb in den Ruhestand gschickt … Mit dem bin ich noch gefahren!

Century-old Hakone train car on display at Saitama museum


Quelle: www.asahi.com/ajw/articles/13128318

Dieser Zug der Hakone-Tozan-Line ist derjenige, der sich von Hakone-Yumoto hinauf nach Gora kämpft und dabei immer wieder die Fahrtrichtung wechselt. Ich bin mit dieser Linie schon drei Mal gefahren.

Also blieb nur noch die Frage, ob ich diesen alten Zug genommen habe? Und ja, habe ich. Im Jahr 2008 bin ich tatsächlich mit dem Oldtimer gefahren. Und jetzt bin ich irgendwie froh, dass ich jeden Kleinkram im Urlaub fotografiere. Und trotzdem fehlt dann genau ein Bild.

Hier ein paar Fotos vom April 2008. Ich habe in Yomoto-Hakone ein Foto vom vorderen Teil gemacht. Das ist ein Moha-2, Ich bin aber in den hinteren Teil eingestiegen, den man gerade eben noch auf dem Bild sieht. Das war der Moha-1. Man beachte die unterschiedliche Form am Dach und die farbig lackierten Handgriffe an der Schaffnertür.

Stand März 2020: Die Fahrt auf der Strecke ist bis dato immer noch nicht möglich !!! Taifun #19 hatte im Oktober 2019 Teile der Bahngleise weggespült. Der Strecke ist immer noch nicht repariert. Man hofft, dass es im Herbst 2020 soweit ist (also nach meinem nächsten Urlaub). Hier ein paar Schnappschüsse von der Fahrt. [Das Owakundani kann hingegen wieder besucht werden. Einzele Wanderwege bleiben aber geschlossen.]

Ein paar Technikdetails

Die Strecke von Odawara über Yumoto-Hakone nach Gora nahm 1919 den Betrieb auf. Aus dieser Zeit stammt auch die Moha-1-Serie. Gebaut wurde das Gleis in Normalspur mit 1435mm. Allerdings fahren auf der Strecke zwischen Yumoto-Hakone und Odawara auch Züge der Odakyu-Line, die in Shinjuku (Tokyo) starten. Diese Züge nutzen die Kapspur mit 1053mm. Der Abschnitt zwischen Yumoto-Hakone und Odawara hatte deshalb jahrlang ein Gleis mit drei Schienen.

2006 ging die Talstrecke vollständig an Odakyu und das 3-Schienen-Gleis wurde bis auf den Abschnitt von Yumoto-Hakone zum Betriebshof Iriuda zurückgebaut. Leider hab ich kein Foto davon.

Auch die Spannung der Oberleitung unterscheidet sich. Die Bergstrecke (Yumoto-Hakone – Gora) arbeit mit 750V. Die Talstrecke arbeitet mit 1500V.

Von Hakone-Yumoto (96/108m) sind es 8,9 km bis Gora (541/553m). Dieser Höhenunterschied von 545m sorgt für eine durchschnittliche Steigung von über 4%. Die doppelte Höhenangabe hat einen Grund: die erste Zahl stammt aus dem Artikel der Asahi Shimbun, die zweite Zahl ist aus dem Streckenplan und dem Stationsschildern der Hakone-Tozan-Linie. Ich weiß nicht, wo der Unterschied von 12m herkommt.

Der steilste Abschnitt schafft es auf 8%. Dies ist ein Rekord für Japan für Adhäsionsbahnen (Züge die sich alleine aufgrund von Reibung aufwärts bewegen). Weltrekord halten die Pöstlingbergbahn in Linz mit 11,6% im Abschnitt Hohen Damm und die Straßenbahn in Lissabon mit 13,5% auf kurzen Abschnitten.

Die Radkränze werden dabei mit Wasser geschmiert. Die Züge haben dafür an beiden Enden eine 360-Liter Wassertank, der für 5-7 Fahrten reicht. Den Wassertank kann man auf dem Foto aus der Asahi Shimbun gut sehen. Ich habe den Wassertank nur auf Fotos der 1000er- und 2000er-Serie, womit zumindest bestätigt ist, dass die Wasserschmierung auch heute noch angewendet wird.

Es gibt auf dem Weg nach oben drei Spitzkehren bei Deyama, Ohiradai und Kami-Ohiridai, wo der Zug die Fahrtrichtung wechselt. Zugführer und Zugbegleiter wechseln die Zugseite. Wenn sie sich in der Mitte treffen, wird kurz salutiert. Zudem gibt es eine Brücke (Hayakawabashi, 43m hoch, 60m lang) und 12 Tunnel.Im Tunnel hinter der Brücke mach der Zug eine 180°-Wende bevor er auf die erste Spitzkehre trifft. Die engste Kurve auf der Strecke ist kurz vor Kowakidani mit einen Radius von nur 30m.

Zur Vollständigkeit: Auf der Hokana-Tonzan-Strecke fahren noch Züge der 1000er- und 2000er-Serie von denen ich Fotos habe; sowie seit 2019 sehr moderne Triebwagen der 3000er-Serie. Alle drei Serien tragen Beinamen mit Bezug auf die Schweiz: „Bernina“, „St. Moritz“ respektive „Allegra“.

weitere Infos auf [wikipedia DE] und [wikipedie EN].
Infos zur Bahnstrecke und zum Owakudani auf [japan-guide].

[Stand 08.03.2020]

Singender Sushi-Koch in Koblenz

Da hat es doch mein favorisiertes Sushi-Restaurant ins Fernsehen geschafft … Sushi & Ramen Pirates, Koblenz …

Ich kann das Video (4 min) leider nicht direkt verlinken, ihr müsst den Links folgen. Das Video ist aktuell verfügbar auf der SWR-Seite und in der ARD Mediathek:

www.swrfernsehen.de/landesschau-rp/Vom-Land-des-Laechelns-an-den-Rhein-Singender-Sushi-Koch-in-Koblenz,av-o1192237-100.html

https://www.ardmediathek.de/swr/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExOTIyMzc/

(Beide Seiten benutzen Scripte vom akakmaihd.net-Server und den eigenen Servern. Die Cookies kann man problemlos blocken. Irgendwelche Tracker habe ich auf den ersten Blick nicht entdeckt.)


Und hier kurz die wichtigsten Gründe für das Sushi & Ramen Pirates:

  • Es ist das einzige, mir bekannte japanische Restaurant in Koblenz, in dem auch ein Japaner, namentlich Gaku Sumida, arbeitet.

Nichts gegen die Koreaner und Vietnamesen in den anderen Sushiläden in Koblenz, aber wenn ich zum Italiener gehe, erwarte ich einen Italiener und keinen Griechen hinterm Tresen. Und wenn ich gezielt zu einem Koreaner gehe, will ich etwas koreanisches Essen. Nennt mich engstirnig oder voreingenommen, mir egal.

Leider ist mein japanisch immer noch nicht gut genug, um den ganzen Abend dort auf Japanisch zu bewältigen.


Quizfrage: Welches Ramen ist von Gaku ?


  • Es ist kein Restaurant im deutschen Sinn … Ich merke gerade, ich muss etwas ausholen …

Als ich zum ersten Mal (2015) im Sushi Pirates war, da sah es noch aus wie eine altbackene deutsche Kneipe: ein dominanter Tresen, gefliester Fußboden, einfache Möblierung; ein bisschen so wie das Sportheim, in das mein Opa immer für den Frühschoppen gegangen ist.

Mein erster Gedanke war: „Aha … O…K…“ Mein zweiter Gedanke ein paar Minuten später war: „Irgendwie japanisch, gefällt mir“. In Deutschland wirken asiatische Restaurants, nein eigentlich alle Restaurants mit ausländischer Küche, entweder durchgestylt oder ersaufen in Klischees. Kein Grieche ohne Weinlaub, keine Chinaladen ohne diese Winkekatze Manekineko (die übrigens aus Japan kommt) oder alles ist hipsteroptimiert. Das Pirates hat nicht einmal den Versuch unternommen. Und das erinnerte mich an diese viele kleinen Izakaya aus Tokyo und Osaka. Man sitzt dort hinter einer Plastikplane unter einem Treppenaufgang oder auf umgedrehten Getränkekästen. Alles wirkt so improvisiert und unfertig. Die Atmosphäre entsteht durch die Gäste. Der Wirt gibt nur die Bühne, die Gäste sorgen für die Performance. — Ein zweiter Laden der ähnlich ist, wäre das Daruma in Hamburg. Man kann aber beide Läden trotzdem nicht miteinander vergleichen.

Mittlerweile sind die Räume etwas japanisiert. Die eine Wand ist in ein dunkles rot getaucht. Der holzfarbene Biertresen ist mit erstaunlich einfachen Mitteln optisch verdeckt worden. Es ist aber nichts übertrieben. Von mir aus kann alles so bleiben … naja, der absolute Kracher wäre eine Tatamiecke ganz hinten im Laden.


Quizfrage: Welches Sushi ist von Gaku?


  • Im Hintergrund läuft klassische Musik und kein pseudo-japanisches Gedudel … Aber: Wir sollten mal die CD wechseln *grins*

Der Hintergrund wird durch die Reportage klar: Gaku ist Opernsänger. Das war für ihn der Grund nach Deutschland zu kommen. Das Sushirestaurant war also eher sein Plan B. Und ich bin ja so dankbar für Plan B (ich bin kein Opern-Fan).

Und das gab es auch schon: Man kommt am Samstag zum Pirates und dort hängt ein Schild: Heute geschlossen. Gaku bekommt immer wieder mal die Chance eine kleine Rolle zu Singen; zuletzt an der Oper in Frankfurt in Don Carlo.  Dann ist Gaku wieder bei seinem Plan A und ich muss für das Abendessen meinen Plan B suchen.

    • Und natürlich der wichtigste Punkt: Das Essen.

2015 gab es nur Sushi und ein paar leckere Snacks wie Edameme, Yakitori und Gyoza. Dann irgendwann kam Ramen dazu; nicht nur Miso Ramen und Shoyu Ramen sondern auch mein Favorit: Tonkotsu Ramen. Der zeitliche Aufwand, um die Brühe herzustellen ist enorm.

Ramen und Sushi sind so dicht am Original, dass ich schon gar nicht mehr nach Düsseldorf fahre. — Nichts gegen die Läden in Düsseldorf, aber seitdem Ramen zum Wellness-Hype erhoben wurde, finde ich dort die merkwüridgsten Zutaten in der Schüssel. Was hat Brokkoli in einem Ramen verloren? — Nicht so bei Gaku. Hier ist alles klassisch.

Gleiches gilt für Sushi. Ja es gibt diese leckeren Kreationen in Düsseldorf und Frankfurt. Und ja, ich mag auch die. Aber bei Gaku kriegt man die Klassiker. Und es steht und fällt mit dem Reis.


Quizfrage: Welcher „Snack“ ist von Gaku?


Wichtig: Wer nicht reserviert (und vorbestellt), kann unter Umständen etwas länger warten. Gaku arbeitet in der Küche alleine. Sein Laden lebt von Stammkunden, die zur Abholung bestellen. Wenn man — so wie ich in der Regel — einfach so vorbei kommt, muss Gaku die Bestellung irgendwo dazwischen quetschen. Mich stört das nicht, da ich ja das Ergebnis des Wartens kenne.

Aber ich saß auch schon mal über eine Stunde. Gaku ist fair. Er sagt einem gleich beim Hereinkommen, wie ausgelastet er ist und man hat die Wahl. Ich warte gerne. Ich habe allerdings schon Gäste erlebt, die anfingen rumzumeckern. Frei nach dem Motto: ich will auswärts essen, aber um 20:15 beginnt DSDS. Ich hingegen komme gegen 19 Uhr und gehe so gegen 22 Uhr.


Würde ich was ändern wollen? Ja, drei Dinge:

  • eine kleine Tatamiecke
  • Hakata Ramen mit auf die Karte (Zutaten sind schon alle da)
  • eine größere Sake-Auswahl