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Das ist er also. Der letzte Tag der Heiseiära. Das Ende einer Ära. Seit hunderten von Jahren erstmals ist dieser Tag nicht überschattet von Tod des Kaisers und von Staatstrauer. Das heißt aber auch, dass die Japaner nicht wirklich einen Plan für den heutigen Tag haben. Also mache ich mir meinen eigenen.

Während das Fernsehen noch die einzelnen zeremoniellen Details des heutigen Tages durchgeht, von denen alle hinter verschlossenen Türen im Kaiserpalast stattfinden, suche ich nach einem guten Tropfen für die anstehende Bootsfahrt.  Mein erstes Ziel ist der Sakeya … geschlossen während der Golden Week … Mein erstes Ziel ist das Matsuzakaya Depato.

Und eigentlich habe ich genug Zeit, um durch die Ameyokocho zu schlendern. Dass ich diese quirlige Straße so lange vernachlässigt habe …

Weiter nach Mitsukoshi-mae. Mir fällt ein, dass ich keine Sakebecher dabei habe. Und dann endlich die letzten Meter. Oben an der Nihonbashi treffe ich Thomas. Im Gegensatz zu mir hat er keine Reservierung, aber es sind noch zwei Plätze frei, wenn wir etwas zusammenrücken. Und man erinnert sich an mich.

Die Fahrt beginnt. Der Sake kommt auf den Tisch. Junmai Daiginjo. Das Thema dieser Bootsfahrt ist „Good Bye Heisei“. Es geht vorbei an Gebäuden und Brücken aus der nur noch bis heute währenden Heiseizeit. Ein kleines Booklet zeigt Fotos von früher: Toyko Bay ohne die Rainbow Bridge. Unvorstellbar.

Auf halber Strecke beginnt der Regen, der aber auch wieder aufhört. Zeit für DEN Whisky. Die Reiseleiterin übersetzt kurz den Hintergrund der Flasche: Gekauft auf meiner ersten Japanreise 2004. Da es ein Suntory Royal 15 ist, wurde er in Heisei 1 destilliert, dem ersten Jahr der Regentschaft. Hier und heute, weitere 15 Jahre später, erfolgt nun, am letzten Tag der Regentschaft, der Bottle Kill.

Nach der Rundfahrt stoppen wir drei erst einmal für ein kleines Mittagessen, bevor wir nach Akihabara verlegen. Wir stöbern etwas durch durch Straßen voller Manga und Elektronik. Wir verlassen Akihabara über die Manseibashi. Mein nächster, geplanter Stop ist Kanda Myoin, aber nicht bevor wir ein Bier bei Hitachino getrunken haben.

Von hier geht es zu Fuß weiter zum Yushima Tenjin. Ich gebe zu, dass dieser Abschnitt etwas selbstsüchtig ist. Ich will zum einen kurz beim Hotel stoppen und „meinen“ Schrein zeigen. Eigentliches Ziel ist der Ueno Park mit Kiyomizu-Kannon und Ueno-Toshogu. Und wo wir schon hier auf der Ecke sind, kann ich mir einen Abstecher in die Ameyokocho nicht verkneifen. Uhrzeittechnisch schaffen wir es eh nicht mehr nach Asakusa.

Von daher ist es jetzt mein Plan nach Kanda zu verlegen, wo ich kurz etwas die Orientierung verliere. Was jedoch nur daran liegt, dass es die falsche Kreuzung ist. 50m später ist alles wieder vertraut und wir gehen die schmale Treppe hinauf zum Kanda Oden Yataimura.

Wir sind die ersten Gäste und legen gleich los. Wie beim letzten Mal starte ich mit einem Hoppi, das Thomas noch nicht kennt. Der nachfolgende Drink ist Dashiwari, das Thomas auch noch nicht kennt. Mein Fachwissen über japanischen Alkoholika macht mich nachdenklich. Wechseln wir zum Oden. Hier halte ich mich an meine Favoriten: Daikon (Rettich), Tamago, Würstchen, Fleischspieße, …

Gegen 21 Uhr scheint der Tag für mich zu enden. Die frische Luft, der Rest vom Jetlag und jetzt die wohlige Wärme von Oden und Dashimwari machen mich müde. We call it a day und jeder beginnt den Rückweg zu seinem Hotel.

Heisei .. 平成

Die Idee nur bis Akihabara zu fahren war unmotiviert, macht mich aber wieder fit. Außerdem fällt mir wieder ein, dass heute der letzte Tag von Heisei ist. Soll ich noch schnell irgendwo hin. Ich vermute, dass in Shibuya um Mitternacht irgendwas passiert. Aber vielleicht nur in einzelnen Clubs und Kneipen. Wie gesagt, es gibt kein Partykonzept in Japan für so einen Tag. Und wenn da nur der Regen nicht wäre. Ja, es hat wieder angefangen zu regen.

Außerdem heißt Shibuya oder irgendein anderer potentieller Partyort, dass man kurz danach zur letzten U-Bahn laufen muss, wie zigtausende andere Japaner. Das klingt nach einer Menge Stress nur für die Möglichkeit der Teilnahme einer vermuteten Veranstaltung. Und wenn da nur der Regen nicht wäre.

Also Plan B: Ein kleine Flasche Reiwa-Sake und das Rotenburo auf dem Hoteldach. Es sicherlich nicht der beste Plan, aber er hat Stil. Und so genieße ich ein heißes Onsenbad, während die Uhr Richtung Mitternacht tickt.

Reiwa .. 令和

5 … 4 … 3 … 2 … 1 … Das wars. Die Regentschaft von Kaiser Akihito ist beendet. Die Ära Heisei ist jetzt Vergangenheit und Teil der Geschichtsbücher. Ab jetzt befindet sich Japan in der Äre Reiwa. In ein paar Stunden wird der neue Kaiser Naruhito zeremoniell die Reichsinsignien entgegenehmen und formal den Thron besteigen. Kanpai.

Heute steht der Koto-Ward auf dem Plan. Er liegt wie der Sumida-Ward (morgen) zwischen den Flüssen Arakawa und Sumidagawa. Der Bezirk ist durchzogen von Kanälen aus der Edozeit. Die Erlebnisse der Reise beginnen beim Umsteigen in Akihabara. Zum einen habe ich die Treppen zwischen den Pattformen immer noch nicht verstanden. Und dann stolpere ich über eine Milchbar: Ein Kiosk am Bahnsteig, der nur Milch verkauft. Ich verpasse drei Züge. Was für eine coole Idee.

Ich steige in Kinchicho aus und gehe etwas zurück zum Oyokokawa. Der Nordteil des Kanals reichts hoch bis zum SkyTree und wurde komplett nach unterirdisch verlegt. Oberirdisch ist es jetzt ein Park; eine grüne Linie quer durch das Häusermeer.

Südlich ist ein Stück Park und dann kommt der Kanal zum Vorschein. Links und rechts Kirschbäume. Leider, Leider ist die Kirschblüte komplett vorbei. Es wäre ein bombastischer Anblick gewesen und der Kanal landet damit auf meiner Geheimtip-Liste. Ich laufe immer weiter nach Süden. Immer noch Kirschbäume.

Unten am Kiba-Park kreuzt ein anderer Kanal. Hier biege ich nach Westen ab, da ich glaube, dass dies der Kanal von der Bootstour ist. Ist er nicht und mit Blick auf die Uhr versuche ich die nächste U-Bahnstation zu finden. Es ist Kiyosumi (siehe 2014). Zwei Stationen später bin ich in Ryogoku, dem Empizentrum des Sumo.

Erster Stopp wird Edo Noren direkt im Bahnhof. Eine nette Idee: Ein Sumodoyo in der Mitte, drum herum Restaurants für Chanko und Sushi Edo-style, sowie ein Sakeya mit Automaten, wo man sich durch knapp 30 Sakesorten probieren kann.

Ich stelle fest, dass ich sowohl die sehr trockenen als auch die süßen mag. Bezahlt wird pro Becher (Inhalt ist etwa 20ml). Das könnte schnell ins Geld gehen. Allerdings hat Sake einen Alkoholgehalt von kräftigem Rotwein. Und bei dieser Größe kann man 8-10 Sake probieren, bevor man das Äquivalent eines Glas Rotweins intus hat. Vorteil dieser Sakeprobierstation ist, dass man den Sake auf verschiedene Temperaturen hochheizen kann. Und ja, das macht den Unterschied. Bei verschiedenen Temperaturen schmeckt der gleiche Sake komplett anders. Ich mache Notizen über Notizen.

Die Suche nach den Heya der Sumokämpfer ist es etwas ernüchternd. Gedanklich erwartet man alte Gebäude mit einer großen Holztafel an der Tür. In Realität sind es eher unauffällige, teilweise sogar hässliche Betongebäude. Und ohne gebuchte Tour kann man eh nichts sehen. Also gleich weiter zum ersten kulinarischen Highlight des Tages: Chankonabe, das Essen der Sumotori. Im Prinzip ist es ein sehr gehaltvoller Eintopf mit Kohl und Fleisch, von dem selbst eine kleine Portion sättigt. Obendrein schmeckt es.

Nach dem Essen geht es zum Hokusai-Museum. Das Gebäude selbst ist ein Kunstwerk für sich. Innen hängen diverse Ukiyo-e Werke. Es ist schwer von Originalen zu reden, da Ukiyo-e eine Drucktechnik ist. Aber ich wollte schon immer einen Originaldruck der großen Welle von Kanagawa sehen.

Nächster Stop  ist des Edo-Museum; dieser futuristische Bau. Die Austellungshalle ist einfach riesig. Man kann Stunden hier verbringen. Innen steht sogar die Hälfte einer 1:1-Rekonstruktion der Nihonbashi (eine kleinere Version steht am Flughafen Haneda).

Nach so viel Museum und Kultur an einem Tag wird es Zeit für Ginza. Zuvor stoppe ich aber (mal wieder) an Tokyo Eki. Dieses Mal gibt es keine meterlange Warteschlange am JRP-Pass. Geduld ist alles, und natürlich die paar Tage Reserve, bevor man den JRP braucht.

Mein Ziel ist die neue Shoppping-Mall Ginza 6. Hier hat der Designer Jotaro Saito einen Verkaufssalon. Die Kimonos sind echt der Hammer, aber der Preis ist etwas oberhalb meiner Liga. Eine komplette Ausstattung mit Obi, Geta und allem drum und dran kostet locker 4000€. Hm. Fürs erste belasse ich es wohl bei einem Parfait (Foto) und etwas Champagner … dies ist schließlich Ginza.

Mit Zwischenstopp am Hotel (Stativ holen) geht es ein letztes Mal in den Ueno Park, um die Reste der Kirschblüte zu fotografieren. Haken dran. erledigt. Ich springe in die Yamanote und fahre nach Kanda.

Kommen wir zum zweiten kulinarischen Highlight des Tages: Ein Indoor-Yatai. Es ist wie ein Yatai, halt ohne Räder und dafür im 4. Stock. Fast. Etwas vom Yatai-Feeling geht verloren. Dennoch. Da es keinen Yatai in freier Wildbahn in Tokyo mehr gibt, ist dies so dicht wie irgendwie mäglich am Original.

Am Nachbaryatai sitzt eine Gruppe Japanerinnen inkl. dem Großvater einer der Damen. Ich komme schnell ins Gespräch und sitze schnell zusammen mit ihnen zusammen. Das ist Yatai. Das ist das was ich aus Fukuoka kenne. Small Talk beim Feierabendbier (bei mir ist es ein Hopy).

Fazit: Ich bin wirklich ein Fan von Yatai, Oden und Dashiwari UND Hoppy ist neben HiBall mein Favorit für einen erfrischenden Drink.

Auf meinem Plan für heute steht „Kirschblüte“. Leider habe ich bereits gestern bestätigt, dass nur noch ein paar Bäume einer spätblühenden Sorte Blüten tragen. Ich habe keine Ahnung, wie ich die Situation retten kann. Also gehe ich einfach mal, wie geplant, in den Ueno Park. Bei Tageslicht wird klar, dass villeicht noch 5 Bäume in Blüte sind.

Ich gehe daher zum Ueno Toshogu Schrein. In 14 Jahren habe ich es nicht geschafft ihn zu fotografieren. Zuletzt war er eine Baustelle. Ich muss allerdings warten. Das Tor öffnet erst um 9 Uhr. Ich schlendere daher ein wenig umher und sehe wie sich gleich nebenan eine Warteschlange formt. Es ist der Eingang zum Zoo. Stars sind zwei Pandajungen. Das Tor öffnet. Goldene Tore und farbige Schnitzereien erwarten mich. Das Warten hat sich gelohnt.

Nach einem weiteren Rundgang durch Uenopark, währenddessen sich die Schlange auf bestimmt 500 Leute erweitert hat, verlege ich zum Ueno Eki und von dort zum Tokyo Eki. Plan war, den JRP abzuholen, aber die Warteschlangen sind der Wahnsinn. Wartezeit ist bestimmt eine Stunde. Ich ziehe daher weiter zum Vorplatz, der endlich fertig ist und wirklich würdig aussieht. Auf dem Weg zur Steinbrücke des Palastes stolpere ich über eine Reihe von Kirschbäumen in voller, maximaler Blüte. An der Steinbrücke hingegen nichts.

Ich quere den Palastgarten, nutze ihn aber mehr als Abkürzung. Anstelle geradeaus zum Budokan gehe nach links in Richtung Expresswayauffahrt. Chidorigafuchi. Hier war ich noch nie. Und es war definitiv einer der Hanami-Spots in Tokyo. Der „Greenway“ führt am Wasser entlang zum Yasukuni-Schrein. Diesen wollte ich eigentlich auch als Abkürzung nutzen. Hat aber nicht geklappt. Ich muss doch den langen Weg laufen.

Ich gehe am Kandariver entlang in Richtung Iidabashi. Unter mir ist die Chuo-Main-Line; mehrfach benutzt aber noch nie aus dieser Perspektive gesehen. Unten an der Straße ist die Hosei University. Dort laufen gerade Veranstaltungen zum Semesterbeginn. Hunderte junge Japaner(innen) in ihren besten Klamotten und in Begleitung ihrer Eltern säumen die Straße. Am Iidabashi Eki stoppe ich erst einmal für eine große Schüssel Ramen.

Nach dem Mittagessen gehe ich zum Tokyo Daijingu. Den habe ich bisher auch noch nie besucht. Der Schrein  hat ein einfaches Design, dass an Ise und den Atsuta-Jingu in Nagoya erinnert.

Auch der nächste Stop wird einer, wo ich bisher noch nie war: Toranomon; auf halber Strecke zwischen Tokyo Tower und Südspitze des Kaiserpalastes. Dieser Stadtteil hat sich stark gewandelt, er wurde im Rahmen von Tokyo 2020 neu gestaltet.  Und hier gibt es das Japan Sake and Shochu Information Center mit  einer Menge Informationen und Tastingmöglichkeit. Hier probiere ich 17 Jahre im Holzfass gereiften Sake. Er ist dunkelbernsteinfarben, wie alter Sherry. Und er schmeckt wie Sherry mit einer leichten Sakenote.

2 Kreuzungen südwärts ist der Toranomon Hill Mori Tower. Ja, es gibt einen zweiten Mori Tower neben Roppongi Hill. Er ist wesentlich kleiner und unscheinbarer, hat aber ein bekanntes Maskotchen: einen weißen Doraemon (für Original fähre ich in zwei Wochen Nach Takaoka).

Der Atagoschrein ist gleich um die Ecke. Und auch hier war ich noch nie. Die Treppe überbrückt 26m Höhenmeter und steht für Erfolg im Leben. Natürlich gehe ich sie hinauf statt den Fahrstuhl zu nehmen.

Über Shimbashi geht es zurück zum Hotel, das Stativ holen und dann sofort weiter nach Naka-Meguro. Es ist einer der Hanami-Spots in Tokyo. Aufgrund der Fotos im Netz habe ich ihn für das Abendprogramm gewählt. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen finde ich den Fluss.

Hier sind noch Blütenblätter am Baum, vermutlich, weil die Bäume relativ windgeschützt stehen. Warum auch immer, mit der Beleuchtung von unten sieht es bombastisch aus. Volle Blüte muss Mindblowing sein. Es gibt Futter und Getränkestände. Ich finde einen Stand von einer lokalen kleinen Sakebrauerei. Bei einem Glas komme ich schnell ins Gespräch. Ich erfahre auch, dass um 21 Uhr das Licht ausgeht. Dann ist Feierabend. So ist Tokyo. Morgen ist ein Arbeitstag. Für mich heißt dies. Ich habe noch 20 Minuten. Also wird weiter fotografiert.

Der Tip für Nakameguro kam von NHK, wie auch der Tip für mein Abendessen. Entlang der Tokyu-Toyoko-Linie, genauer gesagt unter der Bahnlinie, reichen sich Restaurants und Izakaya. Ein Mekka für Nachtschwärmer. Ich suche das Nodoguroya Kakiemon. Hier gibt es Sake und Austern.

Ich probiere erst eine gegrillte Auster, dann eine frittierte, usw. Am Ende des Tages habe ich 5 Austern gegessen. Das sind in 2 Stunden mehr als doppelt so viele Austern wie in den 41 Jahren zuvor. Und meine Herren waren die Austern lecker. Von den rohen werde ich weiterhin die Finger lassen, aber die gebratenen hier in Tokyo sind genial. Um 23 Uhr muss ich langsam an die Rückreise denken.

Landung in Nagoya, bei der Einreise ist eine riesige Warteschlange. Das könnte dauern. Die nächste Verzögerung ist das Gepäckband.

Dann komme ich als Ursache ins Spiel. Nicht dass ich alle NiMH-Akkus aus dem Koffer fischen muss, weil die Angst haben, dass da ein Li-Akku dabei ist, nein, nachdem der Koffer eingecheckt ist will ich noch das Handgepäck loswerden. Aber das Schließfach nimmt keine SUICA. Also muss ich zum Geldautomaten. Die ersten drei wollen meine Karten nicht. Dann endlich klappt es. Tipp an dieser Stelle: SevenEleven ist der Ort zu Geld holen.

Zurück am Schließfach nimmt dieser Kasten keine 10.000yen-Scheine. Zurück zum Automat. Der gibt keine kleineren Scheine. Ich kaufe zur Verzweiflung beim Subway ein Bier, um an Wechselgeld zu kommen. Jetzt aber los. Handgepäck weg, ab in den Zug und … den falschen Tagesplan und Karte eingesteckt.

Egal. Ich bin in Japan und stehe in der Eingangstür eines roten JR-Zuges. Der Urlaub beginnt genau jetzt. Es ist die achte Ankunft in Japan und immer noch ist da dieses besonderes Gefühl, wenn ich das Flughafengebäude verlässen habe. Es ist dieses „Ich bin zurück“-Gefühl. Bis zum Bahnhof Tokoname sind es zwei Stationen. Dort bekomme ich eine realtiv gute Karte. So wie es aussieht kann man den Ort in 2-3 Stunden erkunden. Perfekt.

Als erstes geht es etwas bergauf. Hier ist die Betonwand mit den kleinen Tonfiguren aus dem NHK-Bericht. Oben angekommen geht es durch den alten Kern von Tokoname. Hier finde ich alte, zum Teil kurz vor dem Verfall stehende Gebäude und an allen Ecken Brennöfen. Die Straße ist gepflastert mit Tonwaren. Die sonst tristen Betonwände  sind hier ebenfalls aus Tonwaren. Mal sind es Abflussrohre, mal sind es Tonkrüge.

Ich finde auch die Wand aus dem NHK-Bericht. Als ich ein Foto von der andere Seite machen will, finde ich einen Kirschbaum in voller Blüte. Vielleicht ist für Tokyo ja doch noch nicht alles verloren? Ich laufe etwas gegen die Uhr, da ich noch einen Flug kriegen muss. Ansonsten hätte ich etwas Zeit über für die ganzen Geschäfte, die es hier gibt. Andererseits würde ich die Keramik sicherlich nicht heil  quer durch Japan und dann nach Deutschland kriegen..

So, mit dem Rundgang bin ich durch, aber wo ist die riesige Manekineko? Blick auf die Karte. Ja, da war ein Abzweiger. Also zurück auf den Rundgang und dann rechts ab. Hier ist sie; direkt auf dem Betonwall mit den Figuren vom Anfang.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Restaurant aus dem Bericht. Glaubt es oder nicht; ich finde es; ohne Karte und nur mit einer groben Idee wo es sein sollte. Das Restaurant ist in einer alten Brennerei untergebracht und hat eine Bar, die in dem alten Brennraum eingerichtet wurde. Leider bleibt nur wenig Zeit und das Sento im Flughafen ist schon vom Plan gestrichen. Es wird Zeit für den Weiterflug nach Tokyo.

Das mit dem Begrüßungsbier lasse ich dieses Jahr aus. Das hatte ich ja irgendwie in Nagoya. Für die Fahrt nach Ueno nehme ich den wie immer Keisei und dieses Mal den Express. Der Skyliner ist mir zu teuer. Ich genieße die Fahrt. Endlich mal wieder bin ich auf der Narita-Strecke unterwegs (zuletzt 2012). Die Kirschbäume sind schon komplett leer. Das Maximum ist wirklich vorbei. Mal sehen wie es in Tokyo aussieht. (Die Tokyobucht ist in Sachen Kirschblüte der Umgebung immer ein paar Tage voraus).

Ich verlasse Keisei-Ueno durch die Westausgang und gehe durch den Ueno-Park. Die Kirschblüte im Park ist vorbei. Verdammt. Ich habe sie verpasst. Wochen der Planung vergebens. Es bleibt der traditionelle Fußmarsch zum Yushima Tenmangu, wo ich die Götter begrüße und ein Goshuin kaufe.

Nach 16 Stunden in Flugzeugen und den Marsch durch Tokoname erst mal duschen. Im Hotel Edoya ist alles beim Alten. Ich bin zu Hause. Es folgt das traditionelle Abendessen im Hotelrestaurant. Ich bestelle Soba und ein Glas wirklichen guten Sake.

Danach geht es auf die Fotosafari in den Uenopark. Ich setze meine letzte Hoffnung auf Kirschblüte auf die Bäume am Kiyomizu Kannon-do und werde nicht enttäuscht. Und ich schaffe es endlich ein Foto von diesem speziell geformeten Baum zu machen.

Fazit: Tokoname war ein gelungener Start. Mit dem Beweis, dass die Kirschblüte in Tokyo vorbei ist, werden die nächsten Tage etwas langweilig. Aber egal: Der Urlaub beginnt hier und jetzt … Erkenntnis des Tages: Geldautomaten sind immer noch ein Problem und 7eleven scheint mein neuer LieblingsKombini zu werden … Nachtrag: Japan ist das einzige Land, in dem es aus meiner Sicht legitim ist, sein Essen zu fotografieren. Am Ende dieser Reise wird es eine Zusammenfassung meiner Futterfotos geben.

Tokyo braucht seinen eigenen Reiseführer. Der kommt irgendwann hierhin. Diese Seite bleibt vorerst ein Platzhalter. Es ist wirklich schwer alles in nur drei Kategorien zu stopfen. Aber ich glaube ich habe das ganz gut hingekriegt.

Zum Pflichtprogramm gehören
(das ist in zwei Tagen zu schaffen)

  • Asakusa Schrein, Koto-ku (rechts auf der Karte)
  • Kaiser-Palast / Palastgarten
  • Nezu-Jinja (speziell zur Azaleenblüte)
  • Hamarikyu Teien
  • Rikugien
  • Meiji-Schrein
  • Roppongi Hill/Mori Tower (Abend-/Nachtprogramm)
  • Shibuya (Abend-/Nachtprogramm)
  • Shinjuku Gyoen
  • Flußfahrt auf dem Sumidakawa
  • Waseda (nur während der Krischblüte)
  • wenn er fertig ist: Tokyo Sky Tree, 634m

Was man auch definitiv gemacht haben muß:

  • eine Fahrt mit der Yamanote (zur Rushhour für Hardcore-Touristen)
  • Besuch eines Maiden-Cafe

Zum kann-Programm zählen
(zusammen mit dem Pflichtprogram: 3-4 Tage)

Viele der hier gelisteten Punkte stehen in manchen Reiseführern weiter oben. Von mir aus. Ich sehe das wie folgt: Etliches läßt sich auf dem Weg von einem Pflichtpunkt zum anderen abhaken, und wenn man die Zeit hat, sollte man aus machen. Sollte Zeit aber wichtiger Faktor sein, kann man diese Punkte getrost überspringen.

  • Ueno-Park
  • Ginza
  • Tokyo Tower
  • Zojoji
  • Yoyogi-Park
  • Akihabara (Abendprogramm)
  • Nihonbashi
  • die 8 Schreine in Nihonbashi-ku
  • Wanderung über die Rainbow-Bridge
  • Omotesando (Shopping)
  • Cosplay Bridge (am Sonntag)
  • Oedo-Onsen (aber nur, wenn man Onsen mag)
  • Kanda Myoin
  • Hikawa Jinja

Was man meiner Meinung nach auslassen kann:
(oder: wenn man wirklich noch Zeit übrig hat)

  • Kabuki-za, denn das gibt es nicht mehr
  • Odaiba
  • Shinjuku, gut das Rathaus ist berühmt, aber sonst ist da nichts
  • Ebisu(brauerei) — nur für Bierfans
  • Yasukuni-Schrein — nichts besonderes
  • Yushima Seido — auch nur ein „ich war da“ auf der Liste
  • ToDai

„Pilgertouren“

die 8 Schreine in Nihonbashi (KANN-Programm)
die 10 Schreine „Tokyo Jissha (1 Schrein Pflichtprogramm, 3 weiteren KANN)

Hier einige mögliche Reiserouten
(Ich starte dabei gedanklich immer in Yushima am Ueno-Park.)

Asakusa-Tempel –> Mit der Fähre den Sumida entlang –> Hamarikyuteien
–> (am Sonntag: Ginza) –> Garten bei Hamamatsucho –> Zojoji –> Tokyo Tower
[alternativ: von Ginza aus zum Kaiserpalast und weiter Richtung Akihabara]

Yushima Tenmangu –> Ueno-Park –> Garten neben dem Ueno Park –> Nezu Jinja
–> Tokyo University) –> Tokyo Dome und Garten daneben –> (Rest offen …)
[mögliche Verlängerung: Shinjuku Gyoen, Meiji Jingu, Omotesando, …]

(Akihabara) –> Kandy Myoin –> Yushima Seido –> Kirchen bei Ochanomizu
–> Shinjuku Gyoen –> Harajuku und Omotesando –> Yoyogi Park –> Meiji Jungu