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Aufwachen mit Mt.-Fuji-View ist schon etwas Besonderes, das ich ein paar Minuten genieße, bevor es los geht: Yokohama bei Tag. Das ist der erste Anlauf hierzu in 15 Jahren Japanreisen.

Ich fange in Minato Mirai an. Hier an den Brick Warehouses legt in ein paar Minuten ein Ausflugsboot ab. Die Dame, die für den Kundenfang eingeteilt wurde, spricht sogar Deutsch.

Die Bootsfahrt erweist sich als Glücksgriff. Bei dem bombastischen Wetter (Sonnenbrandgefahr) habe ich vom Wasser aus einen perfekten Blick auf die Skyline von Minate Mirai (Landmark Tower, Queens Plaza) mit Mt. Fuji im Hintergrund. Postkartenmotiv.

Nach der Rundfahrt geht es am Wasser entlang zur Hikawa-Maru; heute geschlossen. Argh. Also weiter nach Chinatown. Ich muss zugegeben, dass China Town tagsüber viel lebendiger und quirliger scheint als abends, aber ohne die Beleuchtung auch etwas Flair missen lässt.

Weiter geht es nach Motomachi. Die Einkaufsstraße  ist maximal Durchschnitt und da mich mein ausgedrucktes Kartenmaterial im Stich lässt, verpasse ich den Motomachi Park, den Foreing Cemetary und den Yamate Park (letzteren auch weil ich keine Lust hatte, die ganzen Stufen hinauf zu steigen). Hole ich nach.

Es folgt ein langer Fußmarsch durch den Stadtteil Nishinoyacho. Es ist ein reines Wohngebiet; ruhig und gemütlich. Ich frage mich, was eine Wohnung hier kostet. Etwa auf halben Weg liegt der Zengyo-ji, der hautpsächlich Friedhof zu sein schient. Naja. Mal war mal da … und es gibt einen Getränkeautomaten.

Kurz hinter der Midorigaoka Highschool endet die Straße und ich biege links in die Kazukadori ab. Zum Glück endet die Steigung und auf der gegenüberliegenden Straßeseite ist ein schmaler Park mit Bäumen (Schatten) und ein wenig Ausblick. Die Häuser hier sind groß und sehen sehr teuer aus. Jeder zweite Wagen in der Auffahrt ist ein Benz oder ein Beamer.

Geradeaus beginnt ein Park, verlockend schattig, aber nicht auf meinem Kurs. Die Straße, in der ich jetzt zur Abwechselung bergab gehe, heißt „Amerikazaka“. Unten links, dann an der dritten Ampel rechts, durch ein weiteres kleines Wohngebiet, da ist er, der Eingang zum Sankei-en. Tip an dieser Stelle: Nehmt den Bus !!!

Vom Park sieht man immer das gleiche Foto mit dem Teich und der Pagode im Hintergrund. Es ist das beste Bild, eindeutig, aber nur ein kleiner Teil der Anlage. Ich habe das Glück, dass es einen „Voluntary Guide“, 73 Jahre alt, gibt. Ich nehme das Angebot einer Führung durch den Park an und werfe meinen Zeitplan über Bord.

Die ganzen Detailinformationen die er auf Lager hat. Das findet man in keinem Reiseführer. Zum Beispiel dass der der Besitzer ein Mausoleum für die Asche seiner Frau gebaut hat, die Asche aber immer noch in Kyoto begraben ist: „Das Mausoleum ist fertig, meine Frau ist tot, aber irgendwas habe ich vergessen.“

Es gibt ein Teehaus, ein Farmhaus aus der Shirakawago-Region und so viele andere interessante Dinge, dass ich fast vergesse, hinauf zur Pagode zu gehen, um einen Blick von oben auf den Park zu haben.

Zurück nach Minato-Mirai geht es mit dem Taxi, dass ich mir mit ein paar australischen Touristen teile. Ich schaue auch kurz im Cup Noodle Museum vorbei. Wieder so ein Fall von „Naja, man war mal da.“

Passend zum Beginn der Dämmerung bin ich mit Stativ bewaffnet im Sky Garden. Blick auf den Fuji bei Sonnenuntergang (plus Bier in der Hand).

Ich muss mir was wegen der Reflexe in den Glasscheibe einfallen lassen, die sind trotz Polfilter immer noch da. Meine Idee für 2020 ist ein großes schwarzes Tuch und 2 bis 3 Saugnäpfe (und Fensterreiniger, um meine Spuren zu verwischen).

Für das Abendessen steuere ich eine Ramenbar auf der anderen Seite von Sakuragicho Station an, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass diese Gegend hier Nogecho ist. Ich schlendere durch diesen Nightlife District: Izakaya, Restaurants, eine Hostessenbar und ein paar Bordsteinschwalben.

Mein Blick fällt auf eine kleine Bar, eine „Analog Music Bar“, eine Jazz Bar. Und dann macht es Klick: Das ist das Chigusa; gegründet: 1993 wurde es zu einer Institution der japanischen Jazz Szene! 2007 geschlossen und 2009 auf Wunsch der Stammgäste an neuer Stelle (hier) wiedereröffnet. Ich hab vor Jahren was darüber gelesen.

Hier wird Jazz von der Schallplatte gespielt. Man sitzt direkt vor 1,5m hohen Lautsprechern, die wie auch der Röhrenverstärker handberechnet und gebaut auf das Klangspektrum von Jazz optimiert sind. Die Japaner habe eine Vorliebe für solche Details.

Da das Chigusa heute schon um 22 Uhr schließt, wechsel ich rüber ins downbeat (db), eine weiter Jazzbar, bevor es zurück ins Hotel geht.

Alles in allem ein gelungener Tag: Ich habe Yokohama bei Tageslicht erkundet, super Fotos von Minato Mirai gemacht und war endlich im Chigusa.

Check-out. Die Vorhersagetafel in der Lobby verheißt nichts Gutes: Regenwahrscheinlichkeit 90%. Taifun 12 ist im Anmarsch. Draußen regnet es. Mit dem Taxi geht es hinunter in die Stadt. Ich parke die Koffer wieder am Busbahnhof (gleiches Fach wie gestern).

Nach zwei Besuchen in Hiroshima ist es Zeit nun Ground Zero in Nagasaki zu besuchen. Der Ort liegt weit im Norden der Stadt; abseits des Stadtzentrum. Man erreicht das Gelände des Peace Parks über eine Rolltreppe (oder Treppe). Am Anfang des Parks ist ein Springbrunnen;. ganz am Ende eine Statue, die (sorry) für mich extrem auf der kitschigen Seite ist.

Etwas abseits vom Peace Park ist der eigentlich Ground Zero. Ein schwarze Säule markiert den Nullpunkt. Etwas rechts davon steht noch ein Mauerrest. Alles ist bei weitem nicht so imposant wie in Hiroshima. Unten am Fluss und hinter Glass, sind die Trümmer der Explosion zu sehen. Ach ja, der Regen hat zwischenzeitlich aufgehört.

Das Museum ist im Gegensatz zu der Statue schon würdiger. Alles ist kahl, dunkel und leicht depressiv. Man wird automatisch ganz still und nachdenklich. In der Halle stehen illuminierte Säulen; am Ende des Säulenganges ein hoher Schrank mit Karteikarten. Jede Karte nennt den Namen eines Opfers. Der Schrank ist groß, sehr groß.

Mit der Tram geht es zurück und auf die andere Seite von Nagasaki. Dejima ist wegen Taifun 12 geschlossen. Hatte ich vergessen zu erwähnen: Taifun 12 soll heute Abend/Nacht auf Nagasaki treffen. Noch ist das Wetter brauchbar. Ein paar Fotos über den Zaun und dann weiter. Nun ist es Zeit mit Mittagessen, Zei für Champon. Eine Spezialität aus Nagasaki. Es ist eine chinesische Variante von Ramen, wird mit Meeresfürchten und Milch zubereitet und sollte jeder mal probiert haben.

Motiviert vom Champon versuche ich die zweite Spezialität aus Nagasaki zu kaufen: Castella. Ein Biskuitkuchen mit Urpsrung in Portugal. Ich kann ein Stückchen probieren. Lecker, aber leider ausverkauft. Den Abstecher nach Chinatown bei Tag kann man sich sparen. Es ist nur eine etwa 200m lange Straße, die komplett mit Lampions verhangen ist. Nachts könnte das ganz gut aussehen.

Zeit in den Zug zu springen. Bis Huis Ten Bosch sind es 75 Minuten. Wie ich am Bahnhof erfahre, fährt der Zug nur stündlich und in meinem Fall in 25 Minuten. Der Zug ist ein Local Wanman (Oneman) der Baureihe 67 in JNR-Farben. Diese Zugtyp-Farb-Kombination existiert nur 4 Mal.

Ein Taxi bringt mich vom Bahnhof zum Henn Na Hotel. Ich werde von einem großen, plüschigen Roboter mit „Yokoso“ begrüßt. Dann geht es zum Check-in. Der Dinosaurier ist genau wie im Youtube-Video. Das Englisch ist immer noch etwas komisch.  Mein Zimmer ist in Gebäude C. Leider fährt der Kofferroboter dort nicht hin. Ich gehe am Piano vorbei in Richtung Tür. Der Pianist ist ein Roboter. Das Hotel ist wirklich „hen“.

Huis Ten Bosch

Gleich hinter dem Hotel beginnt Huis Ten Bosch. Ich kaufe eine einfache Eintrittskarte. Die Dämmerung ist weit vorgeschritten. Der Park verwandelt sich in ein buntes Lichtermeer. Direkt am Eingang ist ein Tunnel aus tausenden LEDs. Das muss man den Japanern lassen: Bei Lichtinstallationen sind die ganz weit vorne.

Der Park ist ein einziges Klischee von Holland. Bei den drei Windmühlen entdecke ich in einem Souvenirshop deutsches Bier: Flensburger Dunkel. Ich kann nicht anders. Ein Plopp muss sein.

Ich laufe weiter durch den Park. Wow. Alphonse, der Patlabor. Da fällt mir ein, dass es eine Realverfilmung gibt. Das ist der Patlabor aus der Serie. Eine weitere Attraktion ist eine Projektion auf einer Hauswand. Genial gemacht. Man vergisst total, dass das Haus wirklich da ist, bzw. die Fenster sich nicht wirklich bewegen.

Gut Holland ist gleich neben Deutschland. Aber die Version hier ist auch nicht verkehrt. Es ist wie Holland nur sauber und bunt beleuchtet. Es gibt sogar einen Yachthafen mit dutzenden Schiffen.

In einem Park mit Pavillion läuft so etwas wie eine Realversion von diesem Wii-Tanzspielen; Dance Revolution oder wie das heißt. Neben Karaoke und dem Yamanote-Videospiel eine weitere japanische Eigenart, die ich nicht kapiere. Der Pavillion ist schon eher mein Fall. Zeit für ein weiteres Bier. Es gibt hier ein leckeres IPA.

Neben dem Park steht ein Festzelt. Die Feiern hier gerade ein Bierfest und das Klischee des (Süd)Deutschen wird hier voll bedient. So kurz vor 22 Uhr ist aber nichts mehr los. Außerdem ist das Bier extrem teuer. Gut, es ist Importbier. Köstrizer (300ml) liegt bei 10€ und Radeberger (500ml) bei 13€. Da war mein Flens im Vergleich ja ein Schnäppchen.

Erkenntnis des Tages: Das Henn Na ist wirklich Hen und Huis Ten Bosch ist eine bunt beleuchtete Version von Holland.

9:50am. I have japanese soil under my feet. The entry formalities are routine but this KIX is new for me. I have no orientation. I don’t find a shop with Atarime, so a Teriyaki burger it is; plus the traditional can of Asahi beer (picture of the beer at top of my duffel bag). Me has arrived!

First stop is a ATM, then I buy the Kansai Thru Pass. Hm … Wakayama or Kobe. The decision has to be made now. It decides if a 2-day or 3-day pass is necassary. And Kobe it is.

Kobe Gallery 1

At 11:50am a bus brings me to the ferry terminal. The „High Speed Ferry“ (a catamaran) is connecting KIX and Kobe Airport with a speed of 30 knots. This connection wasn’t mentioned in any guides. There is no outer deck, therefore the view is limited. Another shuttle bus brings me from the ferry to the monorail that is connecting the artificial islands with Sannomiya Eki. All together it is a 90-min ride. I get the last coin locker that my bag is fitting into.

First stop in 2012 is the Ikuta shrine. The way to the shrine is a typical japanese amusement street; bars, cafes, restos and shops everywhere. I am in Kobe the first time but everything is looking so familiar. I don’t feel like a tourist, it is more like I am dreaming. A strange feeling.

The shrine is a perfect start, and the weather is too. 50 degrees and sunshine. It doesn’t feel like December, more like late September in North Germany. The vermillion shrine buildings are glowing in the sun surrounded by a blue sky.

Next stop is Kitano (kita-no = northern field). Here are many old european houses, that were built during the Meiji restauration. The streets are small, steep and charming. Kobe was the correct decission. There is a place in front of an old english house where I forget, that I am in Japan. Here in Kitano is a shrine with a nice view over the harbour area and a statue of a cow. I am not sure if this has something to do with the Kobe-beef.

Observation: Kobe seems to be „wedding village“. I never saw that many shops and restaurants concentrated that are specialized on weddingsin one place.

Kobe Gallery 2

On the way down to old harbour aera I stop for some ramen. From the harbour I have a good view to the city and the express way in front of it. It is located at the 7th floor level. Nothing unusual in Japan. Here is a part of the old pier that was destroyed during the Hanshin earthquake in 1995. The rusty lamps and the tilted and broken concrete reminds me of Toya.

Here at the harbour is Merikan Park with the Kobe Port Tower, the TV tower. One of the few, that doesn’t look like the Eiffel Tower. On the next pier is Mosaic, an old warehouse that now contains restaurants. Passing Kobe Eki I walk up to Minatogawa Jinja. The way is not easy to find. The train tracks and a express way is to pass. And the entrance to the train station is not easy to find either.

When I arrive at the shrine, dawn is in progress. Two big lantern on both sides of the torii show the way. The main hall is illuminated. I spot a tiny Inari Shrine on my right with tiny Torii. A moment later it is dark. Wow. I am still surprised about how fast it turns dark in Japan.

At Mosaic Garden the trees are illuminated. Xmas is close but we are in Japan. This may be an all-year illumination. In a side street I find a nice dutch draw bridge. Back at the pier I have a nice view to the Port Tower, completely illuminated in orange, and the Marine museum, whose roof construction is illuminated in white.

I spot Xmas booths with hot win, German Hefeweizen and fried squid. Why is the later not available on German Xmas markets? The guy in charge is from France (no joke). I learn: The same agency is also running the Oktoberfest, But this Xmas market fails. He says Mosaic is the wrong place for it. Not for me, but the Japanese may thing different. Lucky for me. Because they have so much squid in the freezer that they give it away for free before it turns bad. Last stop is China Town. Small, but I was here.

Kobe Gallery 3

I pick up my bag and get on the next Local to Oosaka Eki where I change to the Loop Line, the Yamanote of Oosaka. Exit North in Tennoji. There should be a narrow street on the other side of the pedestrian light. Oh boy. Not this really tiny thing. It is only 1,5m wide and surrounded by third class Izakaya. But, yes it is. The ryokan is in second row in the third side streets. All I can see from the street is a big sign and the typical entrance with the curtain.

The owner of the ryokan is about my age and his daugther (2 years old) is keeping staff and guests busy. The breakfast room shows an interesting roof contruction. There is a gallery with hundreds of Mangas on the second floor. Next to it is my room. Tatami. The bath room is on the first floor. That is what I really need now. A hot tub. It is not an onsen but it does the trick. Relaxing.

There are only two problems. (a) My AC is batteling with the ventilation of the neighbour bar. I should start it after the bar is closed.  (b) Like typical for Japan, the floorway has no heating. It is chilly if you are only wearing a Yukata.

After a relaxing time in the tub I ask the owner for a good Izakaya close by. He suggest one of the bars I mentioned earlier. Benefit: No tourists but me. No gaijin would enter this place by accident. The first day is ending.

[deutscher Blogeintrag]

Kobe

Um 9:50 Uhr: habe ich japanischen Boden unter den Füßen. Die Einreiseformalitäten sind schon Routine. In der Ankunftshalle von KIX muß ich mich orientieren. Ich bin neu hier. Da ich keinen Shop mit Atarime finde, begnüge ich mich mit einem Teriyaki Burger von McD; dazu das Begrüßungs-Asahi (Foto mit Rucksack). Ich bin angekommen!

Erster Stop ist der Geldomat, dann kaufe ich den Kansai Thru Pass für die ersten Tage. Hm … Wakayama oder Kobe? Wakayama hat nur die Burg. Irgendwie reizt Kobe mehr. Damit reicht der 2-Tage-Pass. Für Kobe brauche ich den nicht.

Kobe Gallery 1

Um 11:50 Uhr geht es mit dem Bus zum Anleger der „High Speed Ferry“, die KIX und Kobe Airport verbindet. Mit 30 Knoten fliegt der Katamaran übers Wasser. Ein Freideck gibt es leider nicht. In Kobe geht es mit dem Shuttlebus zur Monorail, die über die aufgeschütteten Inseln nach Sannomiya Eki fährt. Alles in allem hat die Fahrt 90 Minuten gedauert. Ich erwische den letzten Coin Locker, der meiner Tatonka-Tasche genug Platz bietet.

Erster Stop 2012 ist der Ikuta-Schrein. Der Weg daorthin führt durch eine typisch japanische „Amusement Street“; wohin man schaut: Bars, Cafes, Restos, Shopping. Ich laufe zum ersten Mal durch Kobe und dennoch wirkt alles vertraut. Ich fühle mich nicht als Tourist. Ein komisches Gefühl, fast so, als würde ich das nur träumen.

Der Schrein ist ein perfekter Auftak bei perfektem Wetter. Wir haben 10 Grad und Mitte Dezember fühlt sich an wie Mitte September in Norddeutschland. Die Schreingebäude leuchten in der Sonne zinnoberrot vor blauem Himmel. Es geht weiter nach Norden in den Bezirk Kitano (Kita-No = nördliche Wiese). Hier stehen alte europäische Häuser aus der Zeit der Meiji Restauration. Die Straßen sind schmal und steil. Sie strahlen Gemütlichkeit aus. Kobe war die richtige Entscheidung für den Urlaubsauftakt. An einer kleinen Plaza mit einem englischen Haus hat man das Gefühl, in Europa zu sein. Hier oben in Kitano steht ein Schrein, von dem man aus einen schönen Blick über den Hafenbezirk mit seinen Hochhäusern hat. Im Schrein steht die Statue einer Kuh. Ob das mit dem Kobe-Rind zu tun hat, kann ich nicht sagen.

Beobachtungen: Irgendwie scheint Kobe „Wedding Village“ zu sein. Ich habe noch nie so viele Geschäfte und Restaurants auf einem Haufen gesehen, die sich auf Hochzeiten spezialisiert haben.

Kobe Gallery 2

Auf dem Weg zum Hafen stoppe ich für Ramen. Von der Kaimauer im Hafen hat man einen Blick auf die Innenstadt mit den Hochhäusern und der Autobahn in zwei Ebenen davor. Wie so oft in Japan verläuft die Autobahn auf Stelzen etwa auf Höhe des 7. Stocks. Ein Stück vom alten Pier, der beim Hanshin-Erdbeben 1995 zerstört wurde, haben sie stehen gelassen. Die schrägen, verrosteten Laternen und der zerbrochene Beton erinnern mich an Toya.

Im Hafen steht der TENxTEN; ein Funkturm. Dieses Mal nicht im Eiffelturm-Design. Auf dem Nachbarpier steht ein altes Lagerhaus, das nun Restaurants beherbergt. Es nennt sich Mosaic; daneben ein Riesenrad. Über Kobe Eki – hier hinten ist der Hauptbahnhof versteckt – führt der Weg zum Minatogawa Jinja. Den Weg zu finden, ist gar nicht so einfach. Eine Autobahn ist im Weg, und eine Hauptstraße. Der Eingang zum Bahnhofsgebäude ist etwas versteckt.

Den Schreingebäude erreiche ich zu Beginn der Dämmerung. Zwei großen Steinlaternen leuchten am Eingang neben dem Torii. Die Haupthalle ist gut ausgeleuchtet. Ich erblicke rechts einen kleinen Inari-Schrein mit vielen Torii. Kurze Zeit später ist es dunkel. Die Dämmerung ist schnell in Japan. Ich bin jedes Mal aufs Neue überrascht.

Die Bäume in der Straße zum Mosaic Garden sind beleuchtet. Bald ist Weihnachten. Obwohl, hier in Japan ist das sicherlich eine Ganzjahresbeleuchtung. Etwas abseits steht eine Zugbrücke im niederländischen Stil. Zurück am Pier habe ich guten Blick auf TENxTEN, komplett orange beleuchtet, und die Dachkonstruktion des Marine Museum, weiß ausgeleuchtet.

Hier stehen ein paar Buden: Weihnachtsmarkt. Es gibt Glühwein, deutsches Hefeweizen und frittierten Thunfisch. Warum gibt es Letzteres nicht auf deutschen Weihnachtsmärkten? Der Budenbetreiber ist Franzose (kein Witz). Ich lerne: Der Veranstalter macht auch das Oktoberfest in Kobe, aber irgendwie floppt der Weihnachtsmarkt. Er meint, Mosaic ist der falsche Standort. Finde ich nicht, bin aber kein Japaner. Mir soll es recht sein. Sie haben so viele Vorräte, daß sie den Thunfisch gratis verteilen, damit sie ihn nicht wegwerfen müssen.

Auf dem Weg zurück nach Sannomiya noch ein kurzer Stop in China Town. Im Vergleich zu Yokohama sehr klein, aber besser als gar nichts.

Kobe Gallery 3

Die Koffer aus dem Schließfach geholt und ab mit JR nach Oosaka Eki. Wechsel in Loop Line, die „Yamanote von Osaka“. Am Tennoji Eki nehme ich den Ausgang Nord. Genau auf der anderen Straßenseite soll der Weg zum Ryokan sein. Die meinen doch nicht diese kleine, verruchte Gasse? Doch, meinen sie. Es ist eine von diesen dunklen, gerade mal 1,5m breiten Gassen mit zweitklassigen Izakaya. Das Ryokan liegt versteckt in zweiter Reihe in der dritten Querstraße. Nur das große Leuchtschild und der typisch Ryokaneingang mit dem Vorhang verraten seine Existenz.

Es ist ein einfaches Ryokan. Der Betreiber ist ungefähr in meinem Alter. Seine Tochter ist 2 Jahre und hält den Laden inklusive Gäste auf Trab. Der Frühstücksraum ist hoch; mit einer coolen Deckenkonstruktion. Im Obergeschoß gibt es eine Galerie mit hunderten Mangas. Nebenan ist mein Zimmer. Ein Tatamiraum. Die Toiletten sind auf dem Flur. Das Badezimmer ist im Erdgeschoß. Das brauche ich jetzt. Es ist kein Onsen, aber eine heiße riesige Badewanne hat den gleichen Effekt: Entspannung!

Mir sind bisher nur zwei „Macken“ aufgefallen: (a) Meine Air Condition hat den Dunstabzug des benachbarten Lokals als Gegner. Man sollte sie erst aktivieren, wenn der Laden geschlossen hat. (b) Japantypisch sind die Flure nicht beheizt. Das muß man wissen, bevor man, nur mit Yukata bekleidet, ins Bad geht.

Nach der Entspannung im Bad frage ich den Ryokan-Betreiber nach einem Tip für ein Izakaya. Er empfiehlt eines der oben erwähnten Izakaya. Vorteil: Hier verirrt sich keine Tourist hin. Damit endet der erste Urlaubstag.


Fazit: Ein gelungener Auftakt. Das warme Wetter überraschte. Kitano ist einen Abstecher wert. Ansonsten war Kobe eher Durchschnitt. TENxTEN reizt nur in der Nacht. Schade, dass der Weihnachtsmarkt so leer war. Das Ryokan kann ich empfehlen.

[english blog entry]

Heute geht es nach Kamakura; der letzte Tag des Yabusame am großen Tsurugaoka Hachimangu. Um kurz vor 12 erreiche ich den Bahnhof von Kamakura; von dort durch die schmale Einkaufsstraße zum Schrein. Schon witzig, ich war schon drei mal in Kamakura, und es hat immer geregnet; Heute auch.

Hachimangu

Das Yabusame startet nach Plan um 13 Uhr. Beim Yabusame versucht der Bogenschütze drei Ziele – etwa 30×30 cm groß – zu treffen, die entlang einer 250 m langen Strecke aufgebaut sind. Schwierigkeit dabei ist, daß der Bogenschütze hoch zu Roß sitz und selbiges im Galopp die Strecke entlang saust. Also nicht ganz einfach.

Für den Zuschauer ergeben sich andere Hindernisse: die Rennstrecke ist kurz und schmal. Die eine Seite ist reserviert für gelandene Gäste. Die andere Seite begrenzt durch Fernsehkameras und die Ziele, die weiträumig abgesperrt sind. Fazit: Für alle Zuschauer bleiben knapp 150m, von denen nur ein Bruchteil Sicht auf die Ziele hat. Von daher kann ich mich glücklich schätzen, überhaupt etwas gesehen (und fotografiert) zu haben.

Yabusame

Wenn man kaum was sieht, dann ist die Akustik besonders einprägsam. Nachdem die Reiter in Prozession vorbeigezogen sind, Stille; dann ein „Hajime!“ und das Donnern der Hufe des Pferdes. Dann ein Kiai des Reiters und kurz darauf das Raunen des Publikums. Auch ohne das Ziel zu sehen, weiß man sofort: getroffen oder daneben. Ein Reiter schafft es alle drei Ziele zu treffen. Der Applaus ist entsprechend. Nachdem 6 Reiter durch sind, ziehen sie noch einmal an den Zuschauern vorbei. Der Beste Schütze voran. Applaus und Rufe. Und alles untermalt von den Trommeln des Schreins, die im Hintergrund zu hören sind. So geht es 4 Runden lang. Und nach einer Stunde ist alles vorbei.

Yokohama

Jetzt erstmal was essen und dann ein wenig durch Kamakura laufen. Gezielt steuere ich keine Tempel an. Die hatten wir die letzten Male zu Genüge. Auf dem Rückweg nach Tokyo der (traditionelle) Stop in Yokohama: China Town und den Landmark Tower. Chinatown ist grell und bunt, wie ich es in Erinnerung habe. Mein Abendbrot sind Man. Man sind gefüllte Teigtaschen, die man in Chinatown überall kaufen kann und die superlecker sind. Sie werden in Bambuskörben gedämpft und sind mit allem möglichen Füllungen zu haben: Hünchen, Schwein, rote Bohnen, … 2 Man für je 440yen und man ist pappsatt.


Hier ein Youtube-Link für bewegte Bilder vom Yabusame (nicht von mir).


Link zum Reiseführer / Kartenmaterial


Kanji-Lexikon: Kamakura 鎌倉, Yabusame 流鏑馬, Tsurugaoka Hachimangu 鶴岡八幡宮, Kiai 気合, Tokyo 東京, Yokohama 横浜, Landmark Tower.