Aufwachen mit Mt.-Fuji-View ist schon etwas Besonderes, das ich ein paar Minuten genieße, bevor es los geht: Yokohama bei Tag. Das ist der erste Anlauf hierzu in 15 Jahren Japanreisen.

Ich fange in Minato Mirai an. Hier an den Brick Warehouses legt in ein paar Minuten ein Ausflugsboot ab. Die Dame, die für den Kundenfang eingeteilt wurde, spricht sogar Deutsch.

Die Bootsfahrt erweist sich als Glücksgriff. Bei dem bombastischen Wetter (Sonnenbrandgefahr) habe ich vom Wasser aus einen perfekten Blick auf die Skyline von Minate Mirai (Landmark Tower, Queens Plaza) mit Mt. Fuji im Hintergrund. Postkartenmotiv.

Nach der Rundfahrt geht es am Wasser entlang zur Hikawa-Maru; heute geschlossen. Argh. Also weiter nach Chinatown. Ich muss zugegeben, dass China Town tagsüber viel lebendiger und quirliger scheint als abends, aber ohne die Beleuchtung auch etwas Flair missen lässt.

Weiter geht es nach Motomachi. Die Einkaufsstraße  ist maximal Durchschnitt und da mich mein ausgedrucktes Kartenmaterial im Stich lässt, verpasse ich den Motomachi Park, den Foreing Cemetary und den Yamate Park (letzteren auch weil ich keine Lust hatte, die ganzen Stufen hinauf zu steigen). Hole ich nach.

Es folgt ein langer Fußmarsch durch den Stadtteil Nishinoyacho. Es ist ein reines Wohngebiet; ruhig und gemütlich. Ich frage mich, was eine Wohnung hier kostet. Etwa auf halben Weg liegt der Zengyo-ji, der hautpsächlich Friedhof zu sein schient. Naja. Mal war mal da … und es gibt einen Getränkeautomaten.

Kurz hinter der Midorigaoka Highschool endet die Straße und ich biege links in die Kazukadori ab. Zum Glück endet die Steigung und auf der gegenüberliegenden Straßeseite ist ein schmaler Park mit Bäumen (Schatten) und ein wenig Ausblick. Die Häuser hier sind groß und sehen sehr teuer aus. Jeder zweite Wagen in der Auffahrt ist ein Benz oder ein Beamer.

Geradeaus beginnt ein Park, verlockend schattig, aber nicht auf meinem Kurs. Die Straße, in der ich jetzt zur Abwechselung bergab gehe, heißt „Amerikazaka“. Unten links, dann an der dritten Ampel rechts, durch ein weiteres kleines Wohngebiet, da ist er, der Eingang zum Sankei-en. Tip an dieser Stelle: Nehmt den Bus !!!

Vom Park sieht man immer das gleiche Foto mit dem Teich und der Pagode im Hintergrund. Es ist das beste Bild, eindeutig, aber nur ein kleiner Teil der Anlage. Ich habe das Glück, dass es einen „Voluntary Guide“, 73 Jahre alt, gibt. Ich nehme das Angebot einer Führung durch den Park an und werfe meinen Zeitplan über Bord.

Die ganzen Detailinformationen die er auf Lager hat. Das findet man in keinem Reiseführer. Zum Beispiel dass der der Besitzer ein Mausoleum für die Asche seiner Frau gebaut hat, die Asche aber immer noch in Kyoto begraben ist: „Das Mausoleum ist fertig, meine Frau ist tot, aber irgendwas habe ich vergessen.“

Es gibt ein Teehaus, ein Farmhaus aus der Shirakawago-Region und so viele andere interessante Dinge, dass ich fast vergesse, hinauf zur Pagode zu gehen, um einen Blick von oben auf den Park zu haben.

Zurück nach Minato-Mirai geht es mit dem Taxi, dass ich mir mit ein paar australischen Touristen teile. Ich schaue auch kurz im Cup Noodle Museum vorbei. Wieder so ein Fall von „Naja, man war mal da.“

Passend zum Beginn der Dämmerung bin ich mit Stativ bewaffnet im Sky Garden. Blick auf den Fuji bei Sonnenuntergang (plus Bier in der Hand).

Ich muss mir was wegen der Reflexe in den Glasscheibe einfallen lassen, die sind trotz Polfilter immer noch da. Meine Idee für 2020 ist ein großes schwarzes Tuch und 2 bis 3 Saugnäpfe (und Fensterreiniger, um meine Spuren zu verwischen).

Für das Abendessen steuere ich eine Ramenbar auf der anderen Seite von Sakuragicho Station an, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass diese Gegend hier Nogecho ist. Ich schlendere durch diesen Nightlife District: Izakaya, Restaurants, eine Hostessenbar und ein paar Bordsteinschwalben.

Mein Blick fällt auf eine kleine Bar, eine „Analog Music Bar“, eine Jazz Bar. Und dann macht es Klick: Das ist das Chigusa; gegründet: 1993 wurde es zu einer Institution der japanischen Jazz Szene! 2007 geschlossen und 2009 auf Wunsch der Stammgäste an neuer Stelle (hier) wiedereröffnet. Ich hab vor Jahren was darüber gelesen.

Hier wird Jazz von der Schallplatte gespielt. Man sitzt direkt vor 1,5m hohen Lautsprechern, die wie auch der Röhrenverstärker handberechnet und gebaut auf das Klangspektrum von Jazz optimiert sind. Die Japaner habe eine Vorliebe für solche Details.

Da das Chigusa heute schon um 22 Uhr schließt, wechsel ich rüber ins downbeat (db), eine weiter Jazzbar, bevor es zurück ins Hotel geht.

Alles in allem ein gelungener Tag: Ich habe Yokohama bei Tageslicht erkundet, super Fotos von Minato Mirai gemacht und war endlich im Chigusa.