[Update 25.05.2019; Ich fange jetzt an die Texte auf die üblichen 750 Wörter zu erweitern. Das Upgrade auf 15 Bilder pro Tag in reduzierter Größe folgt im Anschluss.]


Ich bin gelandet. Der Flug war premiumentspannt und es gab wirklich Champagner. Noch am Flughafen wechsel ich von Yukata zurück in westliche Klamotten; macht Sachen einfacher beim Koffer tragen. Um 9 Uhr stehe im Hotel Edoya und gebe besagten Koffer ab. Es ist fast genau ein Jahr her, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, es war letzte Woche, dass ich hier  an der Rezeption stand.

Der Weg bis hier war Routine: Monorail bis Daimon, Yamanote bis Okachimachi. Ein schneller Blick auf die Ameyokocho zeigt: Das Reiwa-Zeitalter kommt, zumindest bezüglich Marketing.

Der erste Punkt ist Shibamata und der Weg dorthin ist die Joban-Linie. Zu Fuß geht es nach Ueno (schneller Check: ja die Schlange am JRP-Schalter ist mindestens eine Stunde lang). Dort fährt die Joban aber auch 4 verschiedenen Bahnsteigen. Zurück zur Information. Ah, ich muss in Kita-Senji umsteigen, deshalb kann ich Kanamachi (das ist der eigentlich erste Halt auf dieser Reise, aber ich habe vergessen dass Samstag ist) auf der Streckenkarte nicht finden.

Und jetzt der Knaller des Tages: Der Zug nach Kanamachi ist die Verlängerung der Chiyoda-Linie, in die ich direkt am Hotel hätte einsteigen und knapp 45 Minuten sparen können. Ich muss endlich berücksichtigen, dass U-Bahnen nicht immer enden, sondern als Regionalbahn weiterfahren.

Shibamata

Shibamata ist schnell erkundet, aber definitiv einen Abstecher wert. Vom Bahnhof zum Tempel sind es nur 250m. Die Straße dorthin ist aber Japanurlaub pur und durch meinen Anreiseweg beginne ich genau in der Mitte. Alte Häuser mit dutzenden kleinen Läden. Shibamata ist berühmt für Dango, und so esse ich mich langsam durch zum Tempel. Highlight war Mochi mit Beifuß, etwas bitter aber genau meine Linie.

Der Taishakuten ist klein aber fotogen. Ich hätte fast vergessen die 500 Jahre alte Kiefer vor dem Tempel mit aufs Bild zu nehmen. Gleich hinter dem Tempel ist der Yamamoto-Tei, der Blick in den Garten ist entspannend. Nur ich habe wieder mal einen strammen Zeitplan. Es geht weiter runter zum Fluss. Auf eine Bootsfahrt verzichte ich. Es folgt ein kurzer Stopp im Tora-San-Museum.

Hier muss ich kurz ausholen. Es gab mal eine Filmreihe, die hieß „Otoko wa Tsurai yo“ mit 49 Folgen, die zwischen 1969 und 1996 gedreht wurden. Das Ding scheint ein Riesenhit in Japan gewesen zu sein, am Bahnhof steht immerhin eine Statue vom Hauptdarsteller. Der Hype erschließt sich mir nicht vollständig, aber ich war hier.

Auf dem Rückweg kann ich bei einem derGeschäfte noch ein Bier abstauben. Die sind noch am Einstellen der Zapfanlage und gekühlt ist es auch noch nicht richtig. Daher ist dieser Becher umsonst. Danke. Ach ja, das Wetter ist bombig. Sonne pur, etwa 24 Grad.

Kyojima

Kyojima liegt auf dem Weg zurück nach Tokyo und liegt nicht unweit (1 Bahnstation) des Sky Tree. Dieser Stadtteil scheint von der Zeit übersehen worden zu sein. Flache, alte Gebäude und schmale Gassen. Das hier ist ein Stück altes Toyko; ein Stück altes Tokyo, dass auch von den Bomben des WWII übersehen wurde.

Hier und heute zieht dieser alte Charme vor allem junge Leute an, Künstler und Kreative. Nachdem ich zwei Stunden durch diese Gassen und Straßen gewandelt bin, verstehe ich langsam, warum. Ich finde sogar ein paar alte Nagaya, die auf eine neue Verwendung warten. Mein erster Stopp ist der Maskenladen, der auf NHK gezeigt wurde; ein merkwürdiger Ort.

Der zweite Stopp ist das Kendama-Cafe namens Halahelu [PR7F+FP ] [facebook]. Hier erhalte ich weitere Tips für die Gegend. Ein paar davon schaffe ich, bevor ich zurück nach Yushima fahren muss. Eines davon ist das „Satellite Kitchen“ [PR7F+JG] [instagram]. Ein kleiner, der Kräutertee serviert. Der Tee wird frisch aus dutzenden Kräutern nach Wunsch des Gastes zusammengesetzt und zubereitet.

Otsuka – Noren Gai

Zurück in Yushima erfolgt nun endlich der Check-in; Zimmer 407. Und dann geht es, mit Stativ bewaffnet, weiternach Noren Gai in Otsuka.

Noren-Gai, das sind 9 Kneipen, die den Straßenzug hier vor 2 Jahren grundlegend verändert haben. Optisch ist es genau  das, was man von Tokyo und Japan erwartet. Kleine Kneipen, dicht an dicht, die Fassade verziert mit dutzenden Lampions. Auf google-maps sieht man (Stand April 2019) noch, wie die Häuser vor ein paar Jahren aussehen. Was für ein Unterschied.

Nach der Fotoserie ist es Zeit für den kulinarischen Teil von Noren-Gai. Alle 9 Lokale werde ich nicht schaffen, aber drei sind möglich. Ich probiere mich durch diverse Dinge: Aal, Schweinezuge, Rinderbacke und rohes Pferdefleisch. Dazu ein großes Glas Highball. Auf diesen Moment habe ich seit Wochen gewartet: Suntory Kakubin Highball.

Die Zusammenfassung ist einfach: Das war nicht der letzte Besuch. Ich werde definitiv den Rest der Speisekarte und die anderen Restaurants irgendwann testen.


Die Ideen für den heutigen Tag (Shibamata, Kyojima, Otsuka Noren Gai) kamen allesamt von der NHK-Serie Tokyo Eye 2020.

P.S. Ich würde zu gerne die Begründung hören, warum eine Vokabel für Pferdefleisch 桜肉 = さくらにく  ist. Was haben Pferde mit Kirschen zu tun?