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.. „westlich der Grenzstation (Hakone)“. Diese Bezeichnung schließt historisch die Region Chubu mit ein. Im Westen läuft die Grenze zu Chukoku etwas rechts der Linie Bizen-Tottori. Im Osten ist die Grenze zu Chuubu kurz vor Nagoya. Ein anderer verwendeter Begriff ist Kinki (=nahe der Hauptstadt (Kyoto)). In Kansai liegen Oosaka und Kyoto, sowie die Orte Himejji, Uji, Nara und Ise. Hier liegen fast 60% der im Reiseführer erwähnten Sehenswürddigkeiten.

Der Morgen begrüßt mich mit Regen. Mal was Neues auf dieser Reise. Das Danjiri hat im Prinzip schon begonnen, aber die Chance auf einen Besuch von Nitama lasse ich mir nicht nehmen.

(Ni)-Tama

Ich folge den Katzenpfoten am Bahnhof und finde so den Bahnsteig. Es gibt verschiedene Themenzüge. Der Tama-Zug hat heute Pause. Schade. Mein Zug ist innen mit Bildern von Schulkindern ausgekleidet. Nicht mein Stil, aber eine sehr gute Idee und allemal besser als die Werbung, die sonst überall hängt.

Auf halber Strecke endet der Zug. Ein kleiner putziger Bahnhof mitten im Nichts von Wakayama-shi. Ich steige aus. Der Zug wird ausgesetzt und fährt auf eine Abstellgleis.  Die Weichen werden von Hand bedient. Der Weg zum Bahnsteig ist ein kleiner Bahnübergang. Ein Szene, perfekt für eine Modelleisenbahn.

Mit dem Echigo geht es weiter zum Ziel. Nitama schläft in einem kleinen Raum mit Kratzbaum. So das war es im Prinzip. Eine Katze hinter Glas. Gut, diese Katze ist rein rechtlich der Station Master dieses Bahnhofes. Ihre Vorgängerin war sogar als Vizepräsidentin in den Firmenbüchern eingetragen.

Aber im Prinzip ist es nur verdammt geniales Marketing. Ohne Tama würde kein Tourist freiwillig hierher fahren. Ich kaufe ein Hot Cat, ein Hot Dog mit Fischwürstchen. Den nächsten Zug lasse ich aus. Der Bahnsteig ist geflutet mit Chinesen und die nerven gewaltig.

Zurück geht es mit dem Umeboshi. Alles ist in Holz gehalten. Es gibt sogar einen kleinen Laufstall für Kinder und eine Küchenzeile. Der Zug ist wirklich gemütlich.

Wakayama

Nächster Stop ist die Burg von Wakayama. Komisch. Bei Tama hatte es nicht geregnet. Ich nehme den Bus. Kurz bevor ich die Burg erreiche wird der Regen wieder stärker. Die Burgmauer hat eine Besonderheit, die mir vorher nie aufgefallen ist (oder andere Burgen nicht haben): Die Ecke der Burgmauern stehen etwas hervor.

Die Burg ist im Prinzip wie jede andere Burg. Viele Ebenen mit steilen Treppen dazwischen. Die Aussicht ist wie immer gut, wenn auch durch den Regen etwas getrübt. Der Blick reicht bis zum Hafen, von wo es morgen rüber nach Shikoku geht.

Der Weg nach JR-Wakayama ist dann mit einem Umweg verbinden. Ich steige versehentlich in den Bus nach Wakayamashi. Die wäre kein Problem und sogar eine Abkürzung, wenn ich den Blitz dabei hätte. Also zurück zum Hotel, Blitz einpacken und los mit der JR Linie. Ich erwische einen Local. Der Zug braucht fast eine Stunde bis Higashi-Kishiwada; ohne den Fußmarsch, der noch folgt. Zum Glück regnet es nicht mehr.

Danjiri

Ich erreiche das Danjiri um 15:30. Viel später als geplant. Die Ortskenntnis von gestern gibt mir einen leichten Vorteil. Ich finde schnell eine gute Kurve. Leider sperren die Veranstalter die Laufstrecke so weiträumig ab, dass ich keine gute Fotoposition finde.

Ich finde eine rechts-links-Kombination mit Schäden an der Hausfassade. Das sieht vielversprechend aus. Als der Sperrtrupp kommt quetsche ich mich in eine kleine Nebenstraße. Alles ok. Ich darf sogar die Trittleiter eines Anwohners benutzen.

Für drei Festwagen bleibe ich hier. Alle meistern die Kurve hervorragend. Schade. Ich suche mir eine neue Ecke. Vielleicht habe ich dort mehr Glück. Die kurze Antwort: nein. Egal. Die Stimmung ist ausgelassen. Ich kriege sogar das ein oder andere Bier ausgegeben.

Dann beginnt die Dämmerung. Ich folge einem Festwagen zurück zu seinem Startort. Der Festwagen ist der Stolz des Stadtteils und den Leuten, die ihn ziehen dürfen, wird eine besondere Ehre zuteil. So viele wird klar.

Es ist dunkel und die Parade beginnt; und mit der Parade auch der Regen, der mit jedem Meter stärker wird. Der Blitz leistet ganze Arbeit. Gut, dass ich ihn noch geholt habe. Nach ein paar hundert Metern machen die Batterien schlapp. Aber ich finde keinen Kombini oder Supermarkt, der Ersatz hat. Dann hat mit dem aktuellen Satz bis er ganz alle wird.

Ein paar Fotos später merke ich, dass das Batteriefach ungewöhnlich warm ist. Ich nehme die Batterien raus und lasse sie sofort fallen. Die sind kochend heiß. Ich versuche eine Batterie aufzuheben. Geht nicht. Zu heiß. WTF. Ist das Überlastung oder ein interner Kurzschluss? Zum Glück hat es den Blitz nicht zerlegt. Aber ich glaube das war es mit den guten Fotos.

Der Regen wird immer stärker, was aber mittlerweile egal ist. Ich bin komplett durchgeweicht. Ab jetzt keine Fotos dafür volles Matsuri-Erlebnis. Ich folge den Wagen und lasse mich immer wieder etwas zurückfallen, bis ich auf den Minami-Festwagen treffe. Diesen begleite ich, bis ich am Nankai-Bahnhof bin.

Die Klamotten werden erst in Deutschland wieder trocken sein. Die Kamera hat auch Wasserprobleme. Die Optik ist beschlagen und ich kriege sie auch nicht mehr frei. Das wars.

Nachdem der letzte Festwagen vorbeigezogen ist, mache ich mich auf den Heimweg. Sake, Bier und Chu-Hi, der lange Tag und der ganze Regen zeigen eine gewisse Wirkung. Ich nicke während der Bahnfahrt ein. Zum Glück endet der Zug in Wakayamashi. Wieder geht es mit dem Taxi zurück zum Hotel.

Eines ist klar: Das Danjiri verdient eine zweite Runde, mit einem Hotel viel dichter am geschehen und einer besseren Planung.

Erkenntnis des Tages: Regen und Kameraelektrik vertragen sich gar nicht, aber ein guter Blitz ist Alles.

Heute ist es soweit. Meine Zeit in Ijiri ist vorbei. Gestern war der letzte Unterrichtstag. Meine Koffer sind gepackt. Um 5:30 verlasse ich die Unterkunft und werfe den Schlüssel in den Briefkasten.

Es ist ein anstrengender Fußmarsch nach Sasabaru. Aber ich bin im Zeitplan. Nur der Zug kommt nicht. Bis mir irgendwann einfällt: Heute ist Samstag. Ich habe meine Planung auf Basis des falschen Fahrplans gemacht. Zum Glück hatte ich einen Zug Backup eingeplant, der durch Zufall auch am Samstag fährt. Den brauche ich jetzt. Es lebe das Backup.

In Hakata angekommen habe ich jetzt etwa 15 Minunten bis der Evangelion Shinkansen fährt. Auf der Anzeige ist er als normaler Hikari angekündigt.

Kameras werden gezückt. Der Zug rollt ein. Während andere noch Fotos machen steige ich ein und sichere meinen Sitzplatz. Anschließend wird der Zug erkundet. Durch meinen Testlauf von vorgestern habe ich es nicht eilig.

Die Fahrt nach Shin-Osaka wird etwa 5 Stunden dauern. Der Zug hält an jeder Milchkanne. Aber das war mir vorher bewusst. Hier ist der Weg das Ziel. Einzig, ich habe nur begrenzten Proviant, da durch den Zugfehler von heute morgen 10 Minuten in meiner Planung fehlten.

Shin-Osaka und Loop-Line

In Osaka angekommen  folgen noch ein paar Fotos von Shinkansen, dann mache ich auf, die  andere Seite von Osaka zu erreichen. Ich bin etwas überfordert. Aber nach etwas Zickzack in Umeda stehe ich in der Loopline. Orientierung gibt mir Harukas300. Diesen höchten Skyscraper Japans kann man schon von weitem sehen. Die Fahrtroute der Loopline erlaubt mir sogar einen Block auf die Burg von Osaka.

In Tennoji frage ich mich zum Zug nach Wakayama durch. Es kommt die Gegenfrage nach dem Zugticket. Der Zug vor mir ist ein Ltd. Express, für den man ein entsprechendes Ticket benötigt. Ich zeige meinen JRP, das kürzt die Sache ab. Die Fahrt dauert länger als ich dachte.

Wakayama

Ich Wakayama schnappe ich mir ein Taxi. Hotel Gravia; oder wie auch immer man das auspricht. Der Fahrer fragt zwei Mal nach. So undeutlich spreche ich nun auch nicht. Dann zeigt er auf das Gebäude neben uns. Ich Depp. Das Hotel ist Teil des Bahnhofgebäudes.  Das hatte ich total vergessen. Wie peinlich.

Aber nein, er soll mich trotzdem vor die Tür fahren. Die 100m kosten mich dann zwar 350yen, aber egal. Beim Check-in dann eine negative Überraschung. Ich scheine eine Raucherzimer gebucht zu haben. Ich bin zwar anderer Meinung, aber beschwören könnte ich es nicht, da für habe ich damals die Buttons zu schnell geklickt.

Nach einer kurzen Pause ist das Danjiri mein nächstes Ziel. Also zurück zum Bahnhof. Der nächste Zug fährt in 20 Minuten. Ich gehe zum Bahnsteig und sehe aufgemalte Katzenpfoten. Sollte es sein. Ja. Ein Markierung zum Bahnsteig der Tama-Linie. Die Katze ist echt auf dem Marketingtrip.

Ich bin aber verwirrt. Die Tama-Linie gehört nicht zu JR, dennoch fährt der Zug von einem Bahnsteig hier in JR Wakayama. Das habe ich so noch nicht gehabt. Damit ist Wakayama wohl der einzige Bahnhof, deren Bahnsteige man ohne Ticket betreten kann.

Danjiri

Auf geht es zum Danjiri. Zielbahnhof ist Higashi-Kishiwada. Von hier werde ich mich schon irgendwie durchschlagen. Ich steige aus. Eigentlich hatte ich auf einen Wegweise gehofft. Nix. Also überlegen. Der Zug fuhr nach Norden und die Station heißt Higashi, also muss ich links rum, unter der Bahnlinie durch dann grob die Richtung halten. Mal sehen, ob meine Theorie passt. Nach 2km kommen mir erste Zweifel, aber noch habe ich die Nankai-Bahnlinie nicht erreicht.

Dann kommt etwas in Sichtweite. Sieht aus wie die Bahnlinie. Hier sind auch Lampions und Anzeichen für ein Matsuri. Es wird wärmer. Und direkt am Bahnhof bin ich auch schon mittendrin. Allerdings ist es auch schon 16:30 Uhr. Mal sehen, was ich vom heutigen Tag noch retten kann.

Viel ist es nicht. Ich habe auch nicht ganz raus, wie die Marschrouten sind. Ich laufe etwas durch die Gegend. Die wilden Rennen scheinen für heute vorbei zu sein. Alle Festwagen werden derzeit mit riesigen Reihen von Lampions ausgerüstet. Ich vermute eine nächtliche Parade und liege damit richtig. Sie startet gege n19 Uhr. Damit bleibt genug Zeit für Abendessen.

Dann beginnt die Parade. Mit ein wenig Kanji-Kenntnissen kann man die Herkunft der Festwagen lesen: Kita (Nord), Minami (Süd), Kita-Higashi (Nordost). Es kann so einfach sein. Ich mache ein paar Fotos vom Minami-Festwagen und komme ins Gespräch.

Ich begleite die Parade und lasse mich dabei immer wieder einen Wagen zurückfallen. Die Parade führt durch die überdachte Einkaufsstraße hinauf zum Nankai-Bahnhof. Hier bleibe ich bis der letzte Festwagen weg ist. Und etwas länger.

Mit der Nankai-Linie geht es dann nach Wakayamashi, den anderen Bahnhof in Wakayama. Und nun? Taxi. Eine teure, aber gute Entscheidung- Es ist doch eine ganze Ecke bis JR Wakayama.

Feierabend um 16 Uhr. Rein theoretisch müsste jetzt der Neon Genesis Shinkansen aus Shinosaka zurückkommen. Ich bin neugierig. Es sind zwar nur noch zwei Tage, aber dann habe ich zwei Koffer in der Hand. Besser jetzt ein paar Fotos machen.

Perfektes Timing Der Zug rollt gleich ein. Auf der Anzeige ist kein Hinweis. Ich weiß, dass die Fahrt etwa 5 Stunden dauert und dasss es ein Kodama ist. Auf der Anzeige ist ein Kodama gelistet. Das passt. Ich gehe in Position. Und da kommt er auch schon.

Mich wundert die Anzeige. Der Zug fährt nicht mit Hakata, wie ich dachte. Er fährt bis Hakata Minami, eine Station weiter. Das muss ich nutzen. Ich steige ein. Es ist wirklich wie auf den Fotos. Wagen 2 ist im Design gestaltet die Basis in Neo-Tokyo. Wow. Eigentlich ist es nur ein Zug. Wagen 1 hat einen kleinen Showroom und ein Evangelion Cockpit in Originalgröße.

Nach kurzer Reise erreiche ich Hakata Minami. Hier ist auch das Shinkansendepot. Deshalb fährt der Zug hierher. Er übernachtet hier. Aber warum die hier einen Shinkansenstop gebaut haben erschließt sich mir nicht. Hier ist nichts los. Eine Kombini. Das wars. Ich finde nicht mal ein gutes Izakaya oder Resto. Ich hoffe, es fahren Züge von hier zurück nach Hakata.

Zurück in Hakata bin ich planlos. Aus Langeweile frage ich die Touristeninfo. Wow. Heute ist ein großes Schreinfest im Norden. Das ist genau, was ich suche. Schnell nach Ijiri. Ein Schreinfest fordert eine Yukata. Klamottenwechsel, Geld und weiter nach Tenjin (Fukuoka); ab in die U-Bahn; Umsteigen in Nakasukawabata. Ich bin nicht mehr der einzige in Yukuta, aber weiterhin der einzige Ausländer in Yukata.

In Hakozakimiyamae folge ich einfach den anderen. Der Ausgang endet direkt an der langen Straße vor dem Schrein, die jetzt eine Matsuri-Meile ist. Die Straße ist lang, sehr lang. Eine unüberschaubare Anzahl von Ständen mit Essen und Getränken.

Ich starte das Matsuri mit einer kühlen Dose Bier. Ich schlendere die Straße auf und ab; stoppe hier und da. Yakitori, Sake, Nikuyaki, … Es ist ein Matsuri. Tausende Leute. Kaum Polizei. Es gibt viel zu sehen. Viele neue Dinge stehen auf dem Speiseplan. Ich für meinen Teil bleibe bei den Klassikern.

Ich entdecke sogar einen Döner, der von Japanern betrieben wird. Damit ist es offiziell: Der Döner ist in der japanischen Kultur angekommen. Im Vergleich: Ich kennen keinen Döner in Deutschland, der von einem Meier oder Schulze betrieben wird. Warum ist das so?

Ich kaufe eine dieser komsichen Masken. Glaubt man den Anime, gehören die beim Matsuri einfach dazu. Zumindest erhöhen die Maske die Aufmerksamkeit. Viel Smalltalk mit Japanern.

Was für ein gelungener Abend. Das Matsuri endet um 22 Uhr. Pünktlich. Das mit der Sperrstunde haben die wirklich raus. Ich schlendere in Richtung U-Bahn-Station. Ich habe keine Ahnung wie voll die Züge sein werden. Es geht. In Tenjin nehme ich den falschen Ausgang. Ich lande im Untergrund von Tenjin und dieser ist größer als ich dachte. Ich versuche, an der Oberfläche eine Orientierung zu finden. Gar nicht so einfach. Ich bin zwar schon zwei Wochen hier, aber die Umgebung von Tenjin ist mir immer noch unbekannt.

Ein paar Kurven weiter kann ich den Bahnhof nicht mehr verfehlen. Nicht bei diesem Schild am Bahnhofsgebäude. Zwei Stationen mit dem Rapid, umsteigen in den wartenden Local, eine Station und ich bin daheim.

Erkenntnis des Tages: Zu einem Matsuri gehört eine anständige Yukata.

Freitag

Heute ist der letzte Tag Unterricht. Ich klöne mich fest. Erst um 17 Uhr starte ich Richtung Ijiri. Heute wird nichts passieren. Ich muss die Koffer packen, das Apartment putzen. Der Wecker wird um 5 Uhr klingeln.

Heute ist der Urlaub zu Ende. Die drei Wochen sind schon um. Das Taxi zum Bahnhof habe ich zu 7 Uhr bestellt;  bestellen lassen. Der Taxifahrer kommt erst zu Fuß. Ich bin nicht der Einzige, der sich hier verläuft. Der Shinkansen nach Shinosaka startet um 7:36 Uhr. Es ist die letzte Fahrt mit dem JRP für diesen Urlaub. Auf dem Weg reduziere das Gepäckgewicht um eine kleine Flasche Sake. Sicher ist sicher. Beim Wiegen gestern abend, war ich deutlich über 25kg.

Weiter geht es mit dem Taxi nach Itami. Es ist weiter als gedacht. Das wird teuer. Und alles nur, weil ich keine Lust auf den Stress mit dem Local inklusive Umsteigen habe. Der Fahrer schlägt einen Haken, ab von der ausgeschilderten Route, und wir stehen vor dem Flughafen. Wow. So definiere ich ein Abkürzung.

Auf zum Checkin; am falschen Schalter. Dieser hier ist für Domestic Flights. International ist um die Ecke und fast leer. Dann wird es kompliziert. Ich hatte gestern den Checkin Haneda-Frankfurt bei der Lufthansa durchgeführt. Itami-Haneda war nicht möglich, da er innerjapanisch ist. Ich glaube das macht jetzt Probleme. Es wird telefoniert; und telefoniert; und telefoniert. Ich werde etwas nervös. Da ist noch der Lufthansa-Streik in meinem Kopf. Auch die anderen Fluggäste wundern sich.

Dann wird alles gut. Das Koffergewicht indes ist kein Problem, wohl aber die Li-Akkus für meine Kamera. Die müssen ins Handgepäck. Nur gut, dass die ganz unten liegen. Der Koffer wird durchgereicht; nicht wie beim Hinflug. Ich muss ihn nicht neu aufgeben. Das entspannt den Hanedastopp.

Der Flug nach Haneda ist sehr beengt. In Haneda erwarten mich starker Wind und viel Regen. Der Taifun kommt. Das Warten nervt etwas, da Haneda keine Lounge hat. Zeit für ein letztes Ramen und ein letztes Asahi vom Fass. Dann geht es los. Lufthansa; nicht ANA. Man merkt es sofort. Der Service ist nicht ganz so gut. ANA hat halt dieses japanische Etwas.

Das Fernsehprogramm ist höchstens ein „naja“. Vier brauchbare Filme für einen 10 Stundenflug plus Start und Landung; sollte reichen. Das Essen ist auch ein „naja“. Ich kann zwischen Fisch und Oktoberfest Special wählen. Es wird eindeutig der Fisch. Schön japanisch.

(Heute ist etwas Luft in der Bilderserie, daher ein kleiner Ausflug in die Mangawelt. Kann sich jemand eine eine Mangawerbung für eine Universität in Deutschland vorstellen?)

Wieder in Deutschland sinkt die Laune sofort (wie nach jeder Reise; zuverlässig): Das Gepäckband spuckt die Koffer erst nach einer halben Stunde aus. So verrinnt die Zeit. Mehrere Rolltreppen sind defekt. Und das mit dem schweren Koffer. Die Deutsche Bahn ist wie immer ein Albtraum. Zumindest ist der Mann am Schalter kompetent, nett und hat einen gewissen Sarkasmus. Er bucht mir um 19:55 Uhr den Zug, der um 19:58 fährt. „Der hat wie immer Verspätung, so dass sie genug Zeit haben.“ Deutsche Bahn. Noch eine defekte Rolltreppe.

Im Zug ist es eng. Zweite Klasse DB halt. Auf zum Bordresto. Keine Fassbier mehr. War ja klar. Meine Chicken Nuggets brauchen 15 Minuten. Argh. Endlich Koblenz. Mietwagen zur Ferienwohnung. Erstmal duschen. Dann … Nichts. Es ist 22 Uhr. Ab ins Bett. Morgen um 6 Uhr geht es weiter und ich befürchte einen Jetlag.

Nachtrag: Bin etwas müde auf der Arbeit. Nachrichten sagen; Tokyo Airport ist dicht. Tokyo Eki geräumt; Wassereinbruch durchs Dach. Zugverkehr in Tokyo eingestellt. Der Taifun hat einen Volltreffer gelandet. Landkontalt bei Hamamatsu. Eine Stunde südlich von Tokyo. Da bin ich wohl gerade nach rechtzeitig weg.

(Heute ist etwas Luft in der Bilderserie, daher ein kleiner Ausflug in die des Bieres. Japan hat uns überholt. Fast jeder kleinere Ort hat eine Microbrew die teilweise sehr interessante Craft-Biere brauen. In Deutschland haben wir nur Braufactum. Sieht so aus, als hätten uns die Japaner überholt. Bessere Oberklasseautos bauen die auch noch …)

Heute startet der letzte Tag der Operation „Japan 2004 Reloaded“. Ich bin für einen Besuch des Kyoto Kaiserpalastes (京都御所) angemeldet. Die Idee zu Fuß dorthin zu gehen war jedoch dämlich. Ich hab die Strecke unterschätzt. Endlich stehe ich an der Südseite des Kyoto Gyoen (京都御苑). Bis zum Palasteingang sind es noch mal 500m.

Endlich geschafft. Der Polizist will den Ausdruck. Ausdruck? Davon stand nichts im Kleingedruckten. Sein Kollege kriegt das irgendwie geregelt. Glück gehabt. Wir, also die Touristengruppe, werden zu einem Warteraum eskortiert. Warten. Dann kommt der Reiseführer mit tragbarem Mikrofon-Verstärker-Lautsprecher-System; flankiert von mehreren Sicherheitsbeamten. Diese werden aufpassen, dass keiner die Gruppe verlässt. Die Führung beginnt. Ich habe die japanische Tour gebucht. Mein Japanisch reicht nie im Leben. Egal. Der Fokus liegt eh auf den Fotos. Es geht durch die Palastanlage. Ich erkenne einige Dinge wieder. Und das ein oder andere Wort verstehe ich dann doch. Schon spannend, dieses Level von Sprachkenntnis.

Nach einer Stunde ist die Tour vorbei. Auf dem Weg zur Karazuma Oike Station stoppe ich für eine Portion Karree; muss sein. Heute ist Restekiste; Dinge die ich ausgelassen habe. Erster Stop Nanzenji (南禅寺). Auf dem Weg von der U-Bahn-Station zum Tempel stolpere ich über einen anderen kleinen Tempel. Nichts besonders, aber ein netter Stop. Der Steingarten hinter dem Hojo ist berühmt, kommt aber an die Bedeutung des Ryoanji nicht heran.Das Sanmon ist groß. Gegen Eintritt kann man das Innere besichtigen. Ich verzichte. Neben dem Tempel steht ein Aquädukt, das hier in Japan etwas fehl am Platz wirkt. Ein kleiner japanischer Garten mit Teich gehört auch zur Anlage. Die Anlage ist weitläufig. Ich besichtige nicht jede Ecke. Auf dem Weg hinaus stoppe ich am Tenjuan. Er gehört zum Komplex des Nanzenji.

Mit den ganzen einzelnen Eintrittspreisen ist wieder eine Menge Geld durchgerauscht. Auf dem Weg zur U-Bahnstation fällt mir die Rampe auf, die parallel zur Straße läuft und mit sehr breiten Schienen ausgestatttet ist. Keine Ahnung wofür das ist oder war. Auf den Schienen steht ein großer Transportschlitten. (Auf google-maps ist Kanal an beiden Enden der Schienentrecke. Ich vermute, es ist so eine Art Hebewerk für Schiffe.)

Vorletzter Stop wird Momoyama (桃山) im Süden von Kyoto. Hier gibt es einige Sakebrauereien und ein Schreinfest. Ich bin gespannt, was mich erwartet. Die JR (eine von drei Bahnlinien) bescherrt mir den längsten Fußmarsch, ist dafür aber dank des JRP gratis. Nach Karte muss ich die Straße nehmen, die in Zugfahrtrichtung rechts weg von den Schienen führt. Ich hoffe mal, das es diese hier ist. Die Karte ist kaum mehr als eine grobe Skizze (… von Japan).

Ich finde den Gokonomiya-Schrein, damit bin ich richtig. Und es findet wirklich eine Schreinfest statt. Zeit für Matsurifutter als zweites Mittagessen. Weiter die Straße entlang. Hier bei den Bahnschienen beginnt eine Ginza (so nenne ich alle überdachten Einkaufstraßen). Ein Bahnhof ist direkt am Bahnübergang. Nicht ungewöhnliches im kompakten Japan, aber erfällt mir trotzdem auf.

Mein Ziel ist das Gekkeikan Okura Sake Museum. In den Straßen stehen überall alte Holzlagerhäuser. Über der Eingangstür hängt der Ball aus Reet, das Symbol für frischen Sake. Viel zu sehen gibt es nicht. Wie schon in der Destillery in Yoichi, gibt es nur einen kleinen, extra für Touristen hergerichteten Bereich. Die eigentliche Brauereianlage ist unzugänglich.

Mein Plan für den Rest des Tages ist etwas konfus: Quer durch Kyoto zurück zum Ryokan, Koffer vorbereiten, zurück nach Momoyama, dann wieder auf die andere Seite von Kyoto ins Seven and Seven.

Gesagt, getan. Einige Stunden später stehe ich wieder am Bahnhof Momoyama. Es ist dunkel. Direkt am Bahnhof eine Prozession. Statt eines Kamidana wird ein großer Schirm aus Blumen getragen. Er sieht schwer aus und aufgrund der Größe des Schirm scheint er schnell zum Kippen zu neigen. Trtozdem ist aus Aufgabe des Träger von einem Bein aufs andere zu springen und den Schirm zu stark wie möglich zum Wackeln zu bringen. Auf der Straße vor dem Schrein sind weitere Schirme unterwegs, sowie einige Mikoshi. Matsuristimmung. Ich pendel zwischen Zuschauen und Fotos, Schirmen und Ständen mit Futter und Sake. Es ist kein Vergleich zum Schreinfest in Mozu, aber allemal ein hervorragender Abschluss für diese Japanreise.

Nun auf zum wirklich letzten Stop. Am Bahnhof überlege ich kurz, wie ich durch die Absperrung komme. Der JR-Pass passt nicht in das Lesegerät der Schranke. Also öffne ich das Gatter neben der Schranke und gehe hindurch. Ich winke kurz mit dem JR Pass in die Überwachungskamera. Sicher ist sicher. Im Seven and Seven werde ich begrüßt. Der Barkeepers stellt mich den anwesenden Gästen vor. Ich habe die Rechnung von 2004 und den Coaster dabei. Dieser ist sofort das Gesprächsthema. Ich bleibe dabei: Das Design war genial. Ich bestelle, wie fast auf den Tag genau vor 10 Jahren, einen Singapore Sling. Der Barkeeper versteht sein Geschäft. Nach dem Sling noch ein Whiskey. Ich werde eingeladen. Wow.

Wenige Minuten vor Sperrstunde im Ryokan mache ich mich auf den Heimweg. Ich verspreche, dass ich spätestens in 10 Jahren wieder vorbeischaue. Der Rückweg zum Ryokan beendet den letzten Tag dieser sechsten Reise.


Kanji-Liste der heutigen Sehenswürdigkeiten:
  • 京都御所 = kaiserlicher Palast Kyoto … wikipedia japan-guide
  • 京都御苑 = kaiserliche Gärten Kyoto
  • 南禅寺 = südlicher Zen-Tempel … wikipedia japan-guide
  • 御香宮神社 : Gokonomiyajinja
  • 月桂冠大倉記念館 : Gekkaikan Okura Sake Museum