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Hokkaido ist fernab und in den meisten Reiseführern auf die hinteren Seiten begrenzt. Aber einmal hin muss man. So wenig Leute auf so viel Fläche. Dazu ein Nationalpark neben den anderen. 3 Wochen reichen gerade mal für die Hälfte davon. Mit diesem Blog aus 2010 beginnt auch das Leben von „seidenpriester.de“

Ich will euch nicht verheimlichen, wo ich gewohnt habe. Bei dieser Reise war alles dabei: einfache Ryokans, Luxusherberge, ein Nachtzug. / I also want to show you where I stayed. Everything was included: simply Ryokans, luxuary hotels and an overnight train.

Hotel Edoya (Tokyo):
3-20-3 Yushima, Bunkyo-ku, Tokyo, 113-0034 Japan
reserve@hoteledoya.com; (phone) +81.3.3833.8751; (fax) +81.3.3833.8759

Hotel Edoya

Seit meiner ersten Reise ist dies meine Unterkunft in Tokyo. Es war 2004 mein allererster Eindruck von Japan. Seitdem hat sich im Hotel nicht viel verändert. Bis auf ein Mal habe ich immer das Zimmer 307 gehabt … wird Zeit für eine Namensschild. / Since my first trip to Japan this is my place in Tokyo. The hotel hasn’t changed since 2004. Only one time I had another room than 307 … it is time for a name plate on the door.

Das Edoya ist ein Ryokan Hotel. Es hat Zimmer im japanischen Stil und ein Mini-Onsen auf dem Dach. Es liegt extrem verkehrsgünstig in Yushima, Bunkyo-ku, 15 Minuten vom Bahnhof Keisei Ueno Eki entfernt (Skyliner von/zum Airport). Die wichtigsten Bahnlinien zu allen Orten Tokyos liegen in einem Radius von 10 Gehminuten. / The Edoya is a Ryokan hotel. It provides japanese styled rooms and has a mini onsen on the roof. It is located in Yushima next to important train and subway stations. It is 15 min away by walking from Keisei Ueno Eki, where the Skyliner to Narita airport starts.

Gleich neben dem Edoya liegt der Yushima Tenmangu. Ein kleiner aber sehr hübscher Schrein. In  unter 10 Fußminuten kommt man nach Akihabara, zum Uenopark oder nach Ochanomizu (Kanda Myoin und andere Sehenswürdigkeiten). Wesentlich wichtiger ist die gute Erreichbarkeit der Yamanote, Ginza-Linie und Chiyoda-Linie und die in durchaus akzeptabler Entfernung liegende Chuo-Line. Damit erreicht man alle wichtigen Punkte in Tokyo nahezu ohne umzusteigen (Asakusa, Kaiserpalast, Ginza, Shiodome, Shibuya, Shinjuku, …). Das Nachtleben in Ueno kann mit Kabukicho und Shibuya nicht mithalten, ist aber ausreichend. Damit ist dieser Hotelstandort strategisch optimal. / Next to the hotel is the Yushima Tenmangu. A nice little shrine. Within 10 minutes you can walk to Akihabara, the Ueno park or Ochanomizu (Kanda Myoin, Yushima Seido). Even more important is the quick access to the Yamanote, the Ginza- and the Chiyoda-Line, and also the Chuo-Line. You can reach every intersting point in Tokyo: Asakusa, emperor palace, Ginza, Shiodome, Shibuya, Shunjuku, …). The night life in Ueno is not the same as in Shibuya or Kabukicho, but it is ok. Therefore the hotel has an perfect  location.

Wegbeschreiung: Für die Anreise ab Nartia Airport empfiehlt sich der Keisei Liner nach Ueno. Es ist die Endstation. Man kann sich also nicht verfahren. Entweder man geht zu Fuß (15 Minuten) oder nimmt sich ein Taxi. Fußgängern empfehle ich: am Uenopoark vorbei und einen kleinen Umweg über den Yushima Tenmangu. Die Treppe zum Schrein ist nervig aber allemal besser als die Steigung der Straße. Und man hat schon das erste Highlight gesehen, bevor man eingecheckt hat. Folgt der Straße auf der anderen Schreinseite bis zur ersten Kreuzung und biegt links ab. / Arriving at Narita Airport use the Keisei Liner. This train terminates in Ueno. From there you can walk or get a taxi. If you walk, go around the the Ueno park to the south until you reach at Yushima Tenmangu. Climb the stairs up to the shrine and follow the street on the other side of the shrine until the frist cross. Turn left. Note that the stairs are annoying but they are much better the walking up the road.

Nahgelegene Bahnstationen/closest stations: Okachimachi (Yamanote), Suehirocho (Ginza-Line), Yushima (Chiyoda-Line), 10-12 min: Ochanomizu (JR Chuo-Line, Marunochi-Line), Ueno (Yamanote, JR, Shinkansen – East, West)

Cross Hotel (Sapporo):
32 Kita 2 jo Nishi 2, Chuo-ku, Sapporo, Hokkaido, 060-0001, Japan

(phone) +81.11.272-0010, (fax) +81.11.272-0020

Cross Hotel

Bei der Suche nach einem Hotel bin ich über die Fotos von diesem Hotel gestolpert und es stand fest: Da muß ich hin (vgl. einen meiner ersten Artikel). Und in der Tat: Das Ding hat nicht nur Style, das Ding ist Style. Das ganze Hotel schreit ist modernes Japan pur. Die Musik die mir sofort dazu einfiel war Jazz und Funk – Jamiroquai. / While I was searching for a hotel in Sapporo I stopped at a picture of the lobby of this hotel. That was the moment I decided for this spot. This thing is style. My first idea when I entered the hotel was Jazz and Funk – Jamiroquai.

Nüchtern betrachtet ist es ein Business hotel. Modern eingerichtete Zimmer mit Bett. Das Design funktional aber hat Stil. In der obersten Etage ist ein Bad mit Panoramascheibe. Der Blick auf Sapporo bei Nacht hat was. The restaurant is teuer (wie immer in Japan) aber gut. An der Cocktailbar kann man den Tag ausklingen lassen. / It is  a business hotel that provides western-style rooms. The design is functional but with a lot of style. There is a common bath room in the upper floor. The tub is next to a big window. The view over Sapporo at night is stunning. The restaurant is pricy (like always in Japan) but good. The cocktail bar provides some good drinks.

Das Hotel liegt 10 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Von hier sind es 5 Minuten zum Clocktower und 10 Minuten zum Nullpunkt des Straßennetzes von Sapporo. / The hotel is 10 minutes away from the train station, 5 minutes away from the famous clock tower and 10 minutes away from the zero point of the street network.

Dormy Inn (Wakkanai):
2-7-13 Chuo, Wakkanai City, Hokkaido, 097-0022, Japan
(phone) +81.162.24-5489, (fax) +81.162.24-5600

Diese Hotel ist nur für eine Übernachtung gebucht. Ich wollte nicht riskieren die Fähre am gleichen Tag wie die lange Zugfahrt zu nehmen. Eine Verspätung irgendwo ich ich hätte ein Problem gehabt. Das Hotel ist recht einfach gehalten – wie alle Hotels der Dormy Inn Kette. Aber es fehlt an nichts. Ein Gemeinschaftsbad bietet sogar etwas Onsen-Flair. Der Service ist japantypisch. Und es liegt nur 5 Minuten vom Bahnhof und 10 Minuten Fußmarsch vom Fähranleger entfernt. / I only stayed for one night and only because I didn’t want to risk to miss the only train that connect to the last ferry boat to Rishiri. The hotel is standard, like all hotels of the Dormy Inn group. The service is like always in Japan, good. The common bath also provides the spirit of onsen. The big benefit is the location: Only 5 minutes walk to the train station and 10 minutes walk to the ferry boat.

Tanakaya (Rishiri Island):
115 Oshidomari, Rishirifuji-cho, Rishiri-gun, Hokkaido, 097-0101, Japan

Dormy Inn und Tanakaya

Ein einfaches Ryokan mit Onsen. Der erste Eindruck ist nüchtern. Aber das macht das Personal durch Freudlichkeit und Service wieder wett. Ich wurde sogar vom Fähranleger abgeholt ohne darum gebeten zu haben. Und es lohnt sich Kanjis zu lernen; sonst hätte ich das Schild sicherlich nicht gelesen. / It is a simple Ryokan with an onsen. The first impression was a little bit, let’s call it unfixed. But the service was really good. They picked me up at the harbour. I didn’t asked for it. And it was good read Kanji. Ortherweise I would have missed the guy with the sign Ta-Naka-Ya.

Die Zimmer sind einfach, haben aber ein eigenes Bad. Das Abendessen ist reichlich und beinhaltet die Lokalspezialität Uni (Seeigel). Ein herzlichen Dank unter anderem an das Ryokanpersonal für den Tip mit dem Izakaya und den Shuttleservice jeden Tag. / The room was a simple japanese styled room with private bathroom. The dinner was plenty and inculded the local specialty uni (see urchin). And many thanks to the ryokan personal for the suggestion of the Izakaya and also for the shuttle service ervery day.

Yamanoue (Sounkyo Onsen):
Sounkyo-onsen, Kamikawa-cho, Kamikawa-gun, Hokkaido, 078-1701, Japan
(phone) +81.1658.5-3206, (fax) +81.1658.5-3207

Yamanoue

Ist dieser Ort doch in den Reiseführern als teuer verschrien und zu touristisch; Hm. Dann war ich wohl in einem anderen Sounkyo. Das Ryokan Yamanoue (auch hier kann ich alle Kanjis lesen und schreiben) ist einfach und erinnert an gewissen stellen an eine einfache Herberge. Mein Zimmer war japanisch, allerdings ohne Bad. Es gab in der ganzen Herberge keine Dusche. Denn als Gast hatte man jeden Tag eine Tagesticket für das Onsen nebenan. Mehr geht nicht. Das Personal war supernett. Der Chef hatte mich sogar bei meiner Wanderung durch die Schlucht aufgegabelt und zurück gefahren. Das sparte mir 4km Fußmarsch. Die Tips die ich bekam haben mich erst dazu ermutigt die Monster-Wanderung nach Asahidake umd zurück durchzuführen. Dafür und für das leckere Abendessen gehört dem Ryokanteam mein ewiger Dank. / Sounkyo was mentioned in the travel guide as a expensive place overrun by tourists. Hm, looks like I visited a different Sounkyo. The Kanji are read Yama-No-Ue (top of the mountain).  The Ryokan was simple and sometimes reminded me a little bit of a hostel. My room was japanese style without a bath room. There was a shower at the end of the hallway but you don’t need it. Because every day you get a free pass for the onsen. It is just next door. Extreme relaxing. And the personal of the Ryokan was extremly helpful. The owner picked me up by accident at the end of my walk thru the canyon. It saved me 4km. The also helped me to plan man day trip in the mountains.

Das Ryokan liegt in der Mitte von Sounkyo. 7 Minuten von der Buststation entfernt mitten in der Fußgängerzone. Von hier sind es nur 5 Minuten zur Seilbahn, die einen in den Daisetsuzan-Nationalpark bringt. / The ryokan is in the in the center of Sounkyo. 7 minutes away from the bus station. From there it is a 5 minutes walk to the ropeway into the Daisatsuzan National Park.

La Vista Resort and Spa Hotel (Hakodate):
12-6 Toyokawa-cho, Hakodate-chi, Hokkaido, Japan
(phone) +81.138.23-6111, (fax) +81.138.23-6222

La Vista

Dieses Hotel war Luxus. Wow. Dagegen kann das Radisson trotz seiner 5 Sterne nicht antreten. Wie ich dieses Hotel für knapp 90 Euro buchen konnte bleibt mir ein Rätsel. dunkle schwere Hölzer, dezente Beleuchtung und dazu ein moderner Stil in der Raumgestaltung. Dieses Hotel ist wirklich „Resort and Spa“. Der Eingangsbereich ist flankiert von Restos der gehobenen Klasse. Der Außenbereich und die Architektur sind von traditionellen japanischen Elementen bestimmt. / The hotel was luxury. The 5 star Radission in Luebeck is no match. It is still a mistery how I was able to book a room for only $120: dark woods, decent lighting, luxury styled rooms. This hotel really is a „resort and spa“. The area in front of the hotel is flanked by restos. All is japanese styled but with a pleasant amount of western elements.

Mein Zimmer war klein und elegant. Krönung sind aber das Onsen im 14. Stock mit Außenbecken und die Cocktailbar. Hier war der Kellner der Inbegriff eines Barchefs. Allerdings muß ich ihm beim nächsten mal das „Sir“ abgewöhnen. Das macht alt. / My romm was small but elegant. But the cherry on top is the onsen in 14F (on the roof), and also is the service in the cocktail bar. The bar keeper was personification of good service and manners. But his „Sir“ maked me felling old.

Das Hotel liegt direkt an den „Brick Warehouses“ im alten Hafen von Hakodate. Man sollte vom Bahnhof ein Taxi nehmen. Für eine Besichtigung von Motomachi ist es dagegen ideal. Der alte Stadtbereich von Hakodate beginnt nämlich bei den Warehouses. Die Straßenbahn hält vor dem Hotel. / The hotel is right next to the brick warehouses in the older harbour area of Hakodate. Take a taxi. For visiting Motomachi the hotel location is perfect, because it starts right behind the warehouses. The tram is stopping in front of the hotel too.

[Update 2011: The tsunami also hit the harbour area of Hakodate. I don’t know how big the damages are. Motomachi shoul be fine. It is located uphill.]

Hokutosei
Er sollte erwähnt werden, denn auch hier habe ich eine Nacht verbracht. Allerdings stehen Preis (90€ trotz JR Pass !) und Zimmergröße (2,5m^2) in keiner Relation. Dafür ist es der Hokutosei, der auf Japaner eine erstaunliche Faszination ausübt. Immer wenn ich erwähnte, daß ich damit reise, gingen die Augenbrauen hoch bis zum Haaransatz. Dabei ist der Hokutosei kein Brüller. Er hat Stil. Aber der ist dem Charm der 70er geschuldet. Sprich: Der Zug ist in die Jahre gekommen. / The Hokutosei has to be mentioned too, because I spent one night in the train. But the price ($120 even with JRP) is in no relation to the room size (27 ft^2). But is was the Hokutosei. In Japan this is a classic. Like the Oriental Express. It also hat the same old, dusty charme. Ok, for the Hokutosei the big time were the 70ies.


Kanji-Lexikon: Hotel Edoya (Tokyo) ホテル 江戸屋 (東京), Cross Hotel (Sapporo) クロスホテル (札幌), Tanakaya (Rishiri Island) 田中屋 旅館 (利尻島), Hokutosei 北斗星, Yamanoue Resort Pension (Sounkyo Onsen) 山の上 リゾートペンション (層雲峡温泉)

Die Top-7 dieses Urlaubs sind…
The Top-7 of this ourney are …

Bei 21 Tagen war also jeder dritte Tag ein Kracher. Auf der Gegenseite gibt es nur zwei Tage mit Minusbilanz: 1. der verregnete Tag in Sapporo und 2. der Tag in Sounkyo – die vielen gesperrten Wanderwege haben zu sehr genervt. / In the result every third day was perfect. On the other there were only two disappointing days: 1. the rainy day in Sapporo and 2. the day in Sounkyo, all these blocked roads were annoying.

Wichtig: Vergleiche ich diese Reise mit 2008, dann ist klar: Japan nutzt sich nicht ab. Die Reise 2008 war einfach schlecht von mir vorbereitet. Das gibt Hoffnung für 2012. Was ich dann mache ist noch unklar. Nachzu sicher ist: 2014 wiederhole ich 2004. Die gleichen Orte, die gleichen Hotels, die gleichen Reiserouten. Etwas optimiert um den Streß zu minimieren. Und ich muß schauen, ob ich das gleiche Datum nehmen kann. Das Fest am Mozu-Schrein gilt es zu treffen und das Minimatsuri in Yudanaka. / If I compare this year with 2008: There is always something new in Japan and 2008 only was bad planning. It is also almost certain that in 2014 I will redo my first trip from 2004; same hotels and same tour. Maybe a little bit optimized. I will travel on the same days like 2004 or maybe adust it a little bit to meet with the shrine festival in Mozu and Yudanaka.

Kanji-Lexikon: Daisetsuzan-Nationalpark 大雪山国立公園, Kurodake 黒岳, Asahidake 旭岳, Rebun 礼文島, Yabusame 流鏑馬, Kamakura 鎌倉, Hikawajinja 氷川神社, Sapporo 札幌, Asakusa 浅草, Soyamisaki 宗谷岬, Koenji Awa Odiri Festival 高円寺 阿波おどり, Sounkyo 層雲峡

Der letzte Tag (Mikoshi und Muskelkater)

Heute ist der letzte Tag in Japan und auch die letzte Premiere der Neuerungen: Zum ersten Mal werde ich am Abflugtag etwas unternehmen (außer in den Zug zu steigen). Der Tag beginnt mit Einkaufen, Sake und Shochu; dann zum Oriental Bazar (den Tip habe ich gestern am Hikawajina bekommen) zwei Yukata. Und während meine Koffer nach dem Check-out im Nebenraum der Rezeption lagern, begebe ich mich erneut in Richtig Asakusa. Heute ist der Haupttag der dreitägigen Festivitäten, bei denen der Mikoshi (ein tragbarer Schrein) durch die Gemeinde getragen wird.

dritter Tag des Straßenfests

Da ich mittlerweile bekannt bin, dauert es auch nicht lange und ich selbst trage ein Happi und versuche das Monstrum anzuheben. Es wäre fast beim Versuch geblieben, denn man hat mir das Gewicht verschwiegen. Auch wenn 25 Leute gemeinsam heben, 800kg sind einfach schwer. Meine Körpergröße wird zum Verhängnis: entweder ich gehe aufrecht – in diesem Fall hebe ich die Japaner hinter mir mit hoch und habe das Gewicht von sechs bis sieben Leuten zu tragen – oder ich gehe in die Knie, was diese nicht lange mitmachen.

Nach 100m geht mir die Puste aus. Die Schaukelbewegung während des gehen macht die Sache auch nicht leichter. Ich lasse mich ablösen. Pause. Dann Ehrgeiz, die nächsten 50 Meter. Pause. Das Mikoshi wird abgesetzt und es gibt Verpflegung. So anstrengend hatte ich mir das nicht vorgestellt. Und weiter: Mikoshi tragen und Fotos machen. Ehe ich mich versehe, ist es 17 Uhr.  Zum Abschied bekomme ich das Happi gut verpackt als Geschenk. Damit hatte ich nicht gerechnet, bin sprachlos. Damit bin ich wohl der einzige Tourist mit so einem Happi. Der Tag gehört damit definitiv in die Top-5 dieses Urlaubs.

dritter Tag des Straßenfests

Dann geht alles ziemlich schnell: Letzte U-Bahn-Fahrt auf der Ginza-Line, Koffer abholen, Taxi nach Keisei-Ueno-Eki. Im zug fäkkt mir dann ein, daß mein neues SuburiShinai noch im Hotel steht. Verdammt, noch ein Novum: Ich vergesse die Hälfte.

Am Flughafen die nächste Überraschung: Übergewicht, und das mir. Trotz 30kg Freigewicht habe ich 5 Kilo zu viel und jedes Kilo kostet 8000yen (80€). Jetzt heißt es handeln: zwei Gläser Sake raus; Duschgel und Shampoo … reicht nicht … das Fotostativ … 29,8kg … paßt; weg ist der Koffer. Zum Glück wiegen die mein Handgepäck nicht; das hat mehr als 5kg Übergewicht.

dritter Tag des Straßenfests

Während ich den Sake „entsorge“, schicke ich das Stativ zurück ins Hotel. Irgendwie kriege ich es – und das Shinai – schon nach Deutschland. Ab jetzt ist alles wieder ganz entspannt und – was den Blog betrifft – langweilig. Auf die 8 Stunden Flug folgen 5 Stunden Wartezeit
in Dubai, die ich bei Starbucks verbringe und den Blog und mein Takebuch aktualisiere. Der Starbucks ist ganz am Ende des Terminal. Hier ist so gut wie nichts los. Es folgen weitere 6 Stunden Flug und am Montag um 15 Uhr ist der Urlaubgeschichte. Ein kleiner Umweg über den Zoll, dann warten auf den Traveliner.

Um 17:30 stehe ich vor meiner Haustür: Es regnet. Es sind nur 15 Grad. Morgen ist wieder Arbeit angesagt. Bis zum nächsten Urlaub sind es 23 Monate … Das überlebe ich nicht.


Nachtrag: Das Mikoshitragen hatte übrigens Nebenwirkungen. Beide Schultern blau, Muskelkater und den Beinen und eine Zerrung in der Oberkörpermuskulatur. Aber, das war es Wert.


Kanji-Lexikon: Shochu 焼酎, Yukata 浴衣, Hikawajina 氷川神社, Asakusa 浅草, Mikoshi 神輿, Shinai 竹刀, Happi 法被 oder 半被, Ginza-Sen 銀座線, Keisei-Ueno-Eki 京成上野駅, Suburi 素振り, Sake 酒 (In Japan ist Sake eine Sammelbegriff. Reiswein wird als Nihonshu 日本酒, bezeichnet)

Schreinfest am Hiekawajinja (Circlepit mit TaiChi)

Heute ist der vorletzte Tag. Morgenabend startet der Flieger zurück in die Arbeitswelt.  Nach dem Frühstück geht es los Richtung Shinjuku. Statt der Yamanote nehme ich die Marunouchi Line ab Ochanomizu. Das spart 20 Minuten Fahrzeit, wenn man nicht seine Suica vergißt und vom Bahnnhof noch einmal zurück zum Hotel stiefelt. In Shinjuku das gewohnte Chaos aus den Bahnhöfen von drei Bahnlinien, zugehörigen Shoppingcentern, Bürogebäuden und den unterirdischen Verbindungen. Gar nicht so einfach hier den Überblick zu wahren.

Straßenfest

Ich mache eine falsche Drehung, stehe mitten im Tobu-Depato und brauche 15 Minuten, bis ich einen bekannten Ort finde, der mir die Orientierung zurückgibt. Jetzt schnell Souveniers kaufen und zu Pentax. Das „schnell“ streichen wir gleich wieder, denn ich finde nicht, was ich suche. Pentax hingegen war ein gute Idee. Diagnose: Autofokussystem und CCD-Chip sind komplett dejustiert, was die Probleme während des Urlaubs erklärt. Die Reparatur würde über 2 Stunden dauern, die ich nicht habe, denn ich will weiter zum Straßenfest (Fortsetzung von gestern).

Da ich die Karte mit der Marschroute fotografiert hatte, finde ich die „Prozession“ schnell, die vor 1 Stunde gestartet ist. Ich werde wiedererkannt und herzlichst begrüßt (hatte wohl keiner damit gerechnet, daß ich vorbeischaue). Der Zug ist relativ klein. Heute sind die Kinder dabei einen Wagen mit Trommel zu ziehen, ein kleiner tragbarer Schrein folgt. Unterstützt werden die kleinen natürlich von den Erwachsenen, die auch die Straße sperren (mitten in Tokyo). Ich bleibe wieder länger als geplant. Es ist einfach so anders als die anderen Feste. Es ist klein und hat eine Menge Lokalkolorit. Es schwebt nicht dieses „für Touristen optimiert“ in der Luft. Es wirkt authentisch und fasziniert.

Schreinfest Hikawajinja

Um 17 Uhr wechsel ich dann zum Hikawajinja ein. Die Prozession hier ist gerade zu Ende. Ich schaffe es noch, die Festwagen zu fotografieren, dann geht es zum Schrein. Hier erinnert alles an die Vorstellung, die man sich von japanischen Schreinfesten macht (in meinem Fall von diversen Anime geprägt): Lichterketten, traditionelle Musik, Lagerfeuer vor den Stufen zum Schrein, das Zirpen der Grillen, Leute in Kimono und Yukata, kleine Verkaufsstände mit Okonomiyaki und Yakitori. Sogar einer von diesen Ständen ist da, an denen man mit einen kleinen Papierkescher Zierfische angeln kann. Da es mittlerweile dunkel ist, ist die Atmosphäre unglaublich. Nach diesem Gesamteindruck sucht jeder, der nach Japan reist. Umso erstaunlicher, daß der Schrein nicht von Touristen überrannt ist. (Das Fest steht halt nicht im Reiseführer.)

Auch hier ist Bon-Tanz angesagt; aber im großen Stil. Gestern tanzten 15 Leute. Hier sind es über 100, die um die Bühne mit der Trommel schreiten. Ich habe die Tanzschritte und -bewegungen nicht ganz raus. Zusammengefaßt ist es eine Mischung aus Circlepit und TaiChi. Um das Tanzareal die Verkaufsbuden. Der Schrein selbst mit Laternen schön ausgeleuchtet. Alles in allem ein Bilderbuch-Schreinfest. Ich genieße es. Die Zeit vergeht wie im Fluge und um 21 Uhr ist abrupt Schluß. Auch das ist Japan.

Mori Tower – Roppongi Hill

Da der restliche Abend genutzt werden will, starte ich Richtung Roppongi, das nur etwa 15 Fußminuten entfernt ist. Wenn ich schon mein Stativ dabei habe, dann ist der Mori Tower Pflicht und so beende ich diesen Tag im 54 Stock mit Weitblick auf Tokyo.


Nachtrag: Zwischen Straßenfest und Hikawa war ich noch kurz bei der Baustelle des neuen Funkturms (dem Tokyo Sky Tree). Nach Aushang haben sie 461m erreicht. Die endgültige Höhe soll 634m werden. 6 (mu), 3 (sa), 4 (shi) = „Musashi“, einen alten Namen für die Gegend, in der der Tokyo Sky Tree steht. Das Ding ist der Kracher. Wie ich die Japaner kenne mit Aussichtsplatform. In zwei Jahren weiß ich mehr…


Kanji-Lexikon: Shinjuku 新宿, Yamanote 山の手, Marunouchi Sen 丸ノ内線, Ochanomizu Eki 御茶ノ水駅, Suica スイカ, Hikawajinja 氷川神社, Kimono 着物, Yukata 浴衣, Okonomiyaki お好み焼き, Yakitori 焼き鳥, Roppongi 六本木, Roppongi Hill Mori Tower 六本木ヒルズ森タワー, Tokyo 東京, Tokyo Sky Tree 東京スカイツリー, Tokyo 東京

Tokyos Gärten (und kein Sumo)

Heute steht einer der letzten traditionellen Gärten Tokyos auf dem Plan, der in meiner Liste noch fehlt. Er befindet sich gleich neben der Bahnstation Hamatsuscho. (Hier bin ich mit der Monorail zum Haneda-Airport gestartet.) Obwohl so günstig gelegen, habe ich ihn noch nie besucht. Auf dem Bahnsteig des Bahnhofs steht ein „Männeken Pis„, in monatlich wechselnder Kleidung. Aber wen wunderts, in Kawaguchiko stehen die Bremer Stadtmusikanten; Japan halt.

Zojoji

Vorher aber zum Zojoji. Der fehlt mir auch noch, oder? Als ich vor ihm stehe, beschleicht mich ein Dejavu. Eventuell war ich bei meiner ersten Reise hier. Der Zojoji ist einer der großen buddhistischen Tempel in Tokyo, kann aber mit der Popularität des Sensouji (Asakusa) nicht mithalten. Gleich hinter dem Tempel steht der Tokyo Tower, den ich schnell noch besuche. Dann aber zum Garten.

Der Shiba-Rikyu-Garten ist wieder einer von denen, in denen man vergißt, daß man sich in Tokyo befindet. Der Teich und die Landschaft um ihn herum bieten alle paar Meter eine neue interessante Perspektive, die man fotografieren möchte. Und er bietet den typischen Toyko-Kontrast zwischen japanischem Garten und Hochhäusern im Hintergrund, zwischen dem Gluckern des Wasserlaufs und dem Grummeln des Shinkansen, der nur ein paar Meter entfernt vorbeizieht. Der Garten ist so toll, daß ich hier knapp 2 Stunden verbringe und den Tag genieße (kühle 30 Grad, Sonnenschein pur).

Shiba-Rikyu-Teien

Um 19 Uhr (ich weiß hier klafft eine Lücke) starte ich zum Sumo. Dummerweise verwechsele ich die Brücken über den Sumida und verzetteln mich in den engen Gassen von Sumidaku. Kurz gesagt: Arghh. Mir fällt eine kleine, mit Laternen geschmückte Kreuzung auf. In der Mitte steht eine  1x1m große Bühne mit einer Trommel. Hier passiert gleich was. Nur was?

Es ist der Auftakt zu einem 3-tätigem (naja, der erste Tag ja schon rum) lokalen Schrein- und Straßenfest. Heute abend ist Bon-Tanz angesagt. Ich bleibe, denn im Vergleich zu den anderen Festen ist das hier echtes Japan. Es gibt keine große Bühne, kein Fernsehen, keine Touristen (außer mir). Athentisch. Ich lasse das Sumo sausen, weil ich das Gefühl habe ich sollte genau jetzt genau hier sein. Einer der Momente, die ich in jedem Urlaub suche.

Bon-odori

Ich komme mit zwei älteren Herren uns Gespräch. Die Einladung zu einem Bier schlage ich da nicht aus und erfahre, was die nächsten zwei Tage passiert. Nichts Großes, aber genau das reizt mich und ich überlege, wie ich meine Pläne modifizieren kann. Der Tag endet völlig unerwartet in gemütlicher Runde mit Leuten, die ich nicht einmal mit Namen kenne.

Auch das war ein Plan für diesen Urlaub, Dinge einfach geschehen lassen und schauen wohin sie führen. Am Ende hat man eine unwiederholbare Urlaubserinnerung mehr.

Fazit: Zojoji und Tokyo Tower sind Touristen-Pflichtprogramm. Aber nicht der Burner. Ich empfehle für Tempel den großen Tempel in Asakusa. Und man sollte unbedingt die Gärten in Tokyo besuchen. Wenn schon nicht alle, dann die Gärten die verkehrsgünstig liegen: Shiba-Rikyu-Garten, Hamarikyu-Teien und den Garten am Tokyo Dome.


externer Link: Fotos von den Gärten in Tokyo


Kanji-Lexikon: Tokyo 東京, Hamatsuscho 浜松町駅, Monorail モノレール, Haneda-Airport 東京国際空港, Kawaguchiko 河口湖, San’en san zojoji 三縁山増上寺, Sensouji 浅草寺, Asakusa 浅草, Tokyo Tower 東京タワー, Shinkansen 新幹線, Sumo 相撲 bzw. 大相撲, Sumidaku 墨田区, Sumida 隅田川, Shiba-Rikyu-Garten 旧芝離宮恩賜庭園