Whisky Basics – Herstellung III

Jetzt haben wir den ganzen Herstellungsprozess betrachet, aber einen wichtigen Teil ganz am Anfang habe ich übersprungen: die Getreidesorte. Jetzt wird es Zeit sich Begriffe wie Blend, Single Malt, Grain, Bourbon und Rye genauer anzuschauen.

Whiskytypen / Getreidesorte

    • Malt (-> Straight Malts, Vatted Malts, …)
    • Grain (–> Rye, Bourbon, Corn)
    • Blends
    • Irish Whiskey
Malts

Malt Whisky verwenden ausschließlich gemälzte Gerste und können weiter unterteilt werden in Straight Malts, Vatted Malts und Pure Malts(?).

Ein Straight Malt stammt nur aus einer Destillerie. Man unterscheidet hier in die bekannten Single Malt (eine Destillerie) und Single Single Malt (ein Brenncharge). Letztere werden oft auch als Single Batch bezeichnet.

Bei einem Vatted Malt stammen die Anteile aus verschiedenen Destillerien. Es ist aber kein Blend, da nur Malts verwendet werden.

Pure Malts sind etwas sonderbar. Eine Definition, die ich gefunden habe, sagt, dass sie aus verschiedenen Malts zusammengesetzt. Verwirrt? Ja? Ich auch. Denn das ist ein Single oder Vatted Malt, je nachdem wo die Fässer herkommen. Demnach wäre der Pure Malt auf halben Weg zwischen Single Malt und Vatted Malt.

Die einzige Erklärung, die ich habe, ist, dass diese Definition für Whisky eingeführt wurde, die von einem Hersteller stammen, der mehrere Standorte (Destillerien) hat. — Der Taketsuru von Nikka ist ein „Pure Malt“ (laut Angabe auf der Flasche). Er verwendet Malts der Standorte Yoichi und Miyagikyo.

Grains

Grain Whisky verwenden Weizen, ungemälzte Gerste, Hafer, Roggen und/oder Mais. Man kann im ersten Anlauf sagen, dass Grain alle Whisky sind, die kein Single Malt sind. Bekannte Grain Whisky sind Bourbon und Rye.

Bourbon kennt jeder. Für seine Herstellung werden mindestes 51% Mais verwendet. Mais bringt eine gewisse Süße mit in den Whisky, woran man den Bourbon erkennt. Es ist diese Süße, die wir im Scotch wiederfinden, nachdem er in den Bourbonfässern reifte. Im Prinzip kann man sagen, dass die Schotten schummeln. Statt Mais zu nehmen, holen sie sich den Geschmack aus den Fässern.

Rye Whisky verwenden mindestens 51% Roggen. Er ist in Deutschland relativ selten zu finden, und wie auch Bourbon eher auf dem amerikanischen Markt präsent. Rye ist geschmacklich etwas trockener als ein Malt. (Wem der Boulevadier nicht herb genug ist, sollte ihn mit einem Rye probieren.)

Raw Whisky Collection for Blending at Yamazaki Distillery (Tourist Show Room); 2018
Raw Whisky Collection for Blending at Yamazaki Distillery (Tourist Show Room); 2018
Blends

Blends werden aus Malts und Grains zusammengesetzt. Während ein Grain direkt in der Brennblase entsteht und dann im Fass reift, wird ein Blend erst nach der Reifezeit zusammengesetzt. Er entsteht also erst kurz vor dem Abfüllen.

Blends kann man so abstimmen, dass sie über Jahre kostant sind. Und das scheint bei uns einer ein Kritikpunkt zu sein. Single Malts haben den Ruf indivueller zu sein. Dabei wird vergessen, dass auch Single Malts verschnitten sind, nur halt ohne Grainanteil. To blend oder not to blend ist nur eine Frage des eigenen Standpunktes.

Es gibt einen weiteren Grund für das schlechte Image der Grains: Sie werden fast immer in einer Coffey Still (über die wir noch reden müssen) gebrannt und gilt daher als billiger Industriealkohol.

Achtung: Während ein Scotch Single Malt immer auch in Schottland abgefüllt wird, gilt dies nicht für Blended Scotch. Er darf auch im Ausland abgefüllt werden.

Irish Whiskey nehmen aus meiner Sicht eine Sonderrolle ein. Streng genommen sind sie Grains, da sie neben gemälzter Gerste auf ungemälzte Gerste verwenden. Für mich steht er damit zwischen den Malts und den Grains, da er nur Gerste verwendet.

Brennmethode

    • Pot Still
    • Coffey Still

Ich habe eben bei den Grains den Begriff Coffey Still in den Ring geworfen. Und auch hier gibt es oft ein Missverständnis: Die Aussage „Malts werden in einer Pot Still gebrannt, Grains in einer Coffey Still“ ist so nicht richtig.

Ich habe in meiner Sammlung den Nikka Coffey Malt. Das eine ist ein Single Malt der in einer Coffey Still (welche man übrigens nicht besichtigen kann) gebrannt wurde. Er wird aber nicht als Single Malt bezeichnet. Warum eigentlich?

Pot Still

Dies sind die bekannten Brennblasen; traditionelle Whiskyflaschen habe ein Design, das an die Form der Pot Stills erinnert. Die Maische wird eingefüllt und der Brennvorgang gestartet. Nachdem der Alkohol heraus destilliert wurde, muss die Brennblase geleert  und gereinigt werden. Der Whisky wird also in Chargen gebrannt. Die verbrauchte Maische ist übrigens gutes Viehfutter.

Die Form der Brennblase beeinflusst den späteren Geschmack. Einfluss haben Bauchigkeit des Kessels, sowie Höhe und Durchmesser der Säule über dem Kessel. Auch die Temperatur und Temperaturverteilung beeinflussen das Ergebnis; eine Besonderheit, die von Yoichi hervorgehoben wird, die als einzige große Brennerei noch mit Kohlenfeuer arbeitet.

Coffey Still

Hier erfolgt die Destillation in einer Brennkolonne, wie man sie in groß in Raffinerien findet, um Öl, Diesel, Benzin und andere Produkte herzustellen. Über mehrere übereinander angeordneten Stufen werden hier die Alkohole von einander getrennt und in verschiedenen Höhen ausgeleitet.

Das Verfahren hat den Vorteil, dass es non-stop laufen kann. Ohne Zeitverlust durchs Leeren, Reinigen und Neubefüllen können hier große Mengen „Industriealkohol“ hergetellt werden. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens ist ein sehr sauberer,reiner Alkohol. Allerdings trennt man dabei auch viele Ester und ander Geschmacksträger vom Ethanol. Einem Coffey Still fehlt es daher an Charakter, wenn man diese gute Trennung im Nachgang nicht „korrigiert“.

Coffey Still Whisky wird in der Regel nur zum Blenden verwendet. Sein reiner und – wenn gewollt – neutraler Alkohol kann einen Malt „strecken“. Hier ist der Urpsrung des schlechten Image von Coffey Stills und Grains.

Feinbrand aus einer Coffey Still, kann auch benutzt werden, um den Geschmack eines Malts mit weiteren Nuancen anzureichern oder die unterschiedlichen Chargen eines Pot Still Brands einander anzugleichen, um konstante Gemschacksqualität zu erzielen.

Reine Coffey Still Whisky sind selten. Coffey Stills Malts noch seltener. Ich kenne eigentlich nur Miyagikyo Distillery  (gehört zu Nikka), die solche Whisky vermerktet.

Single Coffey Grain Whisky at Yoichi Distillery (Nikka), Hokkaido; 2010
Single Coffey Grain Whisky at Yoichi Distillery (Nikka), Hokkaido; 2010

Das Alter

Ein Scotch muss immer mindestens 3 Jahre alt sein. So will es die Definition. Auch die EU hat dieses Mindestalter eingeführt. Für Whisky von „außerhalb“ gilt das nicht.

Wenn eine Altersangabe auf der Flasche steht, ist dies das Alter des jüngsten Whisky, der verwendet wurde. Und hiermit beginnt eine Zwickmühle.

Taste Palette of Yamazaki Single Malt at different ages; Show Room at Yamazaki Distillery; 2018
Taste Palette of Yamazaki Single Malt at different ages; Show Room at Yamazaki Distillery; 2018

Gerade in Japan gab es in den späten 2000ern und frühen 2010ern einen Whiskyhype, der die Lager leerfegte. Mit Stand 2018 waren die 12-Jahre-Version der großen Vier (Yamazaki, Hakushu, Yoichi, Miyagikyo) in Japan ausverkauft. Auch der Hibiki 17 Jahre war ausverkauft. Mittlweile wurde der Hibiki sogar komplett eingestellt.

In Schottland gibt es ähnliche Probleme, sie sind aber nicht so ausgeprägt. Dennoch kann hier einen Trend feststellen. Es gibt immer mehr Whisky mit Kunstnamen wie „Dark Storm“ oder „Supernove“. Teilweise wurden Namensserien gegründet. Und alle haben eines gemeinsam: keine Angabe des Mindestalters. Es werden offenischlich Whisky verwendet, die nur 3, 5 oder 7 Jahre haben, und das schreibt man  dann natürlich nicht auf die Flasche.

Ist das jetzt gut oder schlecht?
Kein Alter = junge, unreife (?) Whisky, weil die Lager leer sind?
Kein Alter = schnell und billig an den Kunden?

Es kommt darauf an was man will. Junge Whisky sind in der Regel scharf und kantig. Alte Whisky sind weich und rund (nur ’ne Faustformel). Das kann man natürlich jetzt super kombinieren, aber dann ist die Altersangabe dahin.

Teures Beispiel war eine Jubilämswhisky, der 10, 20, 30 und 40 Jahre verwendete. Die Altersangabe wäre jetzt „10 Jahre“, obwohl auch ein großer Anteil von 40-jährigem Whisky enthalten war.

Eine Altersangabe kann die Möglichkeiten einschränken
und einen guten Whisky vereiteln.

Bei Kentucky Bourbon kommen frische Fässer zum Einsatz. Der Einfluss auf den Bourbon ist so intensiv, dass 12 Jahre Reifezeit fast ungenießbar sind.

Ich habe verschiedene Tastings mitgemacht, wo ich von einem Whisky verschiedene Alter probiert habe. Die obige Faustformel kann ich bestätigen (sonst hätte ich sie nicht erwähnt). Ich habe aber auch festgestellt, dass es bei vielen Whisky für mich einen Sweetspot bei 15 oder 18 Jahre gibt. Ältere Whisky waren mir dann oft zu weich und zu sehr vom Fass beeinflusst.

Fazit: Alter kann ein Qualitätsmerkmal sein, muss es aber nicht.

[erstveröffentlicht: 2017]
[aktualisiert: 13.12.2020]

Whisky Basics – Herstellung II

Die erste Seite endete mit dem Brennprozess. Bis jetzt haben wir erst ein hopfenfreies Bier gebraut und dann daraus einen Korn gebrannt. Jetzt machen wir daraus einen Whisky …

3. Reifen

(7) Reifung: Der Feinbrand (noch ist es kein ja kein Whisky) wird in Fässer abgefüllt und für mehrere (minestens drei) Jahre gelagert. Während der Lagerung löst der Whisky Aromen aus dem Holz, die in den Feinbrand übergehen und so den Whisky entstehen lassen. Je länger er lagert, desto mehr Aromen werden gelöst und der Geschmack ändert sich. Holzsorte, Faßgröße, vorherige Verwendung der Fässer, Lagerort (Klima), Reifezeit, … All das macht 60-80% der Geschmacks aus.

Gleichzeitig verdampft Alkohol durch das Holz hindurch. Das ist der „angel’s share„. Neben der Lagerzeit ist dieser Verlust ein Grund, warum alte Whisky zu teuer sind. Jedes Jahr verdampfen bis zu 1-2% des Fassinhalts und ist vom Klima (Temperaturschwankungen) abhängig. Nach 40 Jahren ist ein Fass also nicht einmal mehr zur Hälfte gefüllt. In England ist der Verlust gesetzlich auf 2.5% begrenzt. Hoffentlich wissen das die Engel.

Anders herum heißt das aber auch, dass bei einem Hogsheadfass 2,5 bis 5 Liter/Jahr verdampfen, oder im Schnitt 10ml/Tag. Wenn da jetzt 1000 Fässer in einem Lager stehen, sind das 10 Liter am Tag !!! Da brauchst du nichts trinken. Atmen reicht.

Illustration der Füllhöhe im Verlauf der Jahre; Nikka Distillery Yoichi
Illustration der Füllhöhe im Verlauf der Jahre; Nikka Distillery Yoichi

Kleine Seitennote: Wer sich Bäume in der Nähe einer Destillerie anschaut, wird feststellen, dass die alle schwarz sind. Grund ist der schon erwähnte Angel’s Share, von dem sich der Pilz Baudoinia compniacensis ernährt. Er färbt nicht nur die Bäume sondern auch die Wände der Gebäude schwarz. Hausschimmelallergiker können also beruhigt sein. Es ist nicht Alternaria Alternata.

Holzart und Erstbefnutzung

Scotch wird für mindestens 3 Jahre in gebrauchten Bourbonfässern, die meist aus amerikanischer Weißeiche gelagert. (Ich weiß gar nicht, wie die das während der Prohibition gemacht haben).

Neben Bourbon- kommen auch Sherry-, Port- und Rumfässer zum Einsatz. Exoten sind Cognac- Madeira-, Weißwein-, und Bierfässe. Hier derzeit viel experimentiert. 2017 hatte ich einen Whisky, der in Fässern gereift wurde, in denen zuvor Kaffee lagerte. Ein anderen Whisky lagerte in Ale-Fässern. Es gibt auch Whisky für die frische Fässer z.B. aus Weißeiche verwendet werden.

Typische, verwendte Holzsorten sind Eiche und Weißeiche und halt amerikanische Weißeiche; also Eiche. Andere Holzsorten sind mir noch nicht untergekommen. Ich weiß auch nicht, ob sich andere Holzsorten als Fass eignen bzw. verwendet werden.

Bei der Lagerung in verschiedenen Fässern gibt es mehrere Ansätze:

  • Der Whisky reift nur in diesen Fässern.
  • Der Whisky wird auf verschiedene Fässer geteilt, reift dann „sortenrein“ und wird dann beim Abfüllen wieder zusammengeführt.
  • Der Whisky reift „normal“ und erhält dann ein Finishing in einem speziellen Fass, z.B.: Rum Finishi. Dies führt zu einem anderen Ergebnis als die zweite Methode!

First Fill: Dies bezeichnet die erste Befüllung mit Whisky. Die Aromen des Vorgängers (z.B. Bourbon) sind noch vollständig im Fass. Bei Second Fill oder Refill ist ein Großteil schon entschwunden. Dafür hat der First Fill seine Spuren hinterlassen.

Double Cask: Diesen Aufdruck findet man oft bei Whisky, die die dritte oben beschriebene Methode verwenden. Jeder Ttropfen Whisky reifte in zwei Fässern.

Fassgröße

Gängige Größen sind Sherry Butt (500 l), Puncheon (500 l),  Hogshead (250 l),  Barrel (180-200 l) und Quarter Cask (45-80 l). Das kleine Quarter Cask wird gerne auf der Flasche erwähnt. Die Kontaktfläche zum Holz ist hier am Größten, der Austausch mit dem Holz am Intensivsten. Damit hat auch die Fassgröße Einfluss auf das spätere Geschmackserlebnis.

Hokkaido, Yoichi, Nikka Distillery Yoichi
Hokkaido, Yoichi, Nikka Distillery Yoichi
Lagerort

Der Lagerort ist die nächste Variable, mit der man das Endergebnis beeinflussen kann. Lagern die Fässer in einem Klima mit starken Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter, dringt der Whisky tiefer in der Holz ein, arbeitet mehr und holt sich mehr Aromen aus dem Fass.

Whisky von der Insel Islay lagert sehr nah an der Küste und rauhem Wetter und salzhaltiger Luft. Man kann dies sogar schmecken. Einige Whisky haben eine gan leicht salzige Note.

Aber selbst im Lagerhaus gibt es Unterschiede. Whisky aus den oberen Regalreihen schmecken anders als Fässer an der untersten Reihe … so wurde es mir zumindest erzählt. Ich vermute aber, dass diese feinen Nuancen nur einem erfahrenem Blendmaster auffallen.

Hinweis: Fotos au den „echten“ Lagerhäusern sind eine Seltenheit, wenn man nicht z.B. als Autor ein Buches einen offiziellen Antrag stellt. Das hat zwei Gründe: in vielen Destillerien sind die Lagerhäuser unter Zollverschluss, da der Whisky zu diesem Zeitpunkt noch unversteuert ist. Zutritt ist daher nicht erlaubt. Der zweite Grund sind die Alkoholdämpfe. Man hat halt Angst, dass ein Blitzlicht (Hochspannung), da etwas entzündet. Aus diesem Grund ist auch in der Nähe laufender Stills, das Fotografieren meist unteragt.

(Für mein Foto durch das Schauglas auf der vorherigen Seite, musste ich extra um Erlaubnis bitten und ich durfte auch nur zur ersten Still, die den Rohbrand mit niedrigem Alkoholvolmen herstellt)

Die Lagerhäuser, die man als Tourist besichtigt, sind extra für die Besichtigung präpariert. Darf man fotografieren, weiß man das sofort. In Japan, wo die Sicherheit ganz oben steht und dme Gast keine Chance auf Eigenverantwortung gegeben werden darf, sind die Lagerhäuser im Prinzip Atrappen (mit leeren Fässern).

(Bei der Besichtigung von Strathisla war ich in einem echten Lager. Man hat es sofort gerochen. Fotografieren war nicht erlaubt. Ich meine mich zu erinnern, dass der Whisky in diesem Lager auch schon steuerlich abgerechnet war … oder für den Export bestimmt. Ich  weiß es nicht mehr genau. Aber irgendetwas war da, deshalb fehlte das Vorhängeschloss der Steuerbehörden,)

4. Abfüllung

Hier gibt es nun verschiedene Schritte, von denen alle mehr oder weniger optional sind. Aber: Der Whisky ist immer noch nicht fertig. Wir haben weitere Variablen, mit denen man spielen kann.

(8) Verschneiden: Für gewöhnlich werden Whisky aus verschiedenen Fässern, verschiedenen Chargen oder sogar verschiedenen Herstellern miteinander verschnitten. An dieser Stelle entstehen dann Single Malts, Vatted Malts oder Blends, bzw. Single Batch und Single Cask, auf die ich auf der nächsten Seite noch genauer eingehe.

Single Batch: Hier werden zwar mehrere Fässer gemischt. Aber der Whisky stammt aus einem Brenndurchgang (Füllung der Pot-Still).

Single Cask / Single Barrel: Bei der Abfüllung wird nur der Inhalt eines Fasses verwendet. Die Anzahl der Flaschen ist damit limitiert und einzigartig.

(9) Filtern: in der Regel wird Whisky gefiltert, um Schwebstoffe und Fettsäureester zu entfernen. Ungefilterte Whisky werden wegen der enthaltenen Ester trüb werden, wenn man sie stark abkühlt und der Whisky unter 46 vol% besitzt. Man sieht dies beispielsweise wenn ein großer Eiswürfel im Glas ist, an dem der Whisky kalt wird. Es entstehen Schlieren. Über die Vor- und Nachteile und die ästhetische Qualitäten kann man beliebig streiten.

non chill-filtered:  Wird ein Whisky nicht gefiltert, steht dies als „Qualitätsmerkmal“ auf der Flasche.

(10) Zusätze: Whisky, auch teure, werden oft mit Zuckercouleur (E150a) gefärbt, um eine typische und über Chargen hinweg konstante Whiskyfarbe zu erhalten. Der Zusatz ist nicht geschmacksneutral (auch wenn das behauptet wird) und beeinflusst den Whisky. Die Farbe kann bei Bewertungen nicht herangezogen werden.

non coloured: Dies ist wieder ein „Qaulitätsmerkmal“ über das man beliebig diskutieren kann. Ich persönlich finden ungefärbte Whisky einfach ehrlicher.

(10) Verdünnung: Der Whisky wird auf Trinkstärke (40-43%vol) verdünnt. Dies hat zwei Grgünde. Der erste liegt auf der Hand: Man kann mehr Flaschen abfüllen (und ggf. auch Alkoholsteuer sparen). Der zweite Grund ist die Trinkbarkeit. Über 40 vol% wird es schnell sehr anstrengend für die Zunge. Limit ist die Fassstärke, die je nach Reifealter Alkoholgehalte von bis zu 62 vol% zulässt. (Das ist derzeit der höchste Wert, den ich verkostet habe.)

Cask Strength: Whisky, der in Fassstärke abgefüllt wird, wird als Cask Strength bezeichnet. Cask Strength meint aber nicht automatisch auch Single Cask oder Single Batch.

Diese Flasche ist fast unbezahlbar. Je nach Wechselkurs ist der Preis in Euro schon mal 4-stellig.
Diese Flasche ist fast unbezahlbar. Je nach Wechselkurs ist der Preis in Euro schon mal 4-stellig.

Vintage: Dies sind Jahrgangswhisky. Statt dem Alter ist ein Jahrgang genannt. Aus meiner Sicht eher ein Marketing-Gag. Außerdem weiß man die Reifezeit im Fass nur, wenn Brennjahr und Abfülljahr genannt werden.

<Hier fehlt ein Foto>

Proof: Dies ist eine alternative Bezeichnung für den Alkoholgehalt. Britische und amerikanische Proof-Angaben sind dabei unterschiedlich. Es gilt: 40%vol = 80 proof (US) = 70 proof (UK)

5. Der Whisky in der Hausbar

(11) Aufbewahrung: Nach der Abfüllung in die Flasche reift der Whisky nicht mehr. Lasst euch nichts erzählen. Bei 40% entstehen keine Hefen mehr, die eine Flaschengärung starten. Ohne Holz in der Flasche ändert sich auch der Geschmack nicht mehr. Wie sollte er.

Aber … aufgepasst und zugehört: Luftkontakt und Licht können den Whisky negativ beeinflussen. Man sollte ihn also dunkel aufbewahren. Und wenn sich die Flasche dem Ende neigt, sollte man den Restwhisky in eine kleinere Flasche umfüllen, damit weniger Luft in der Flasche ist. (Das klappt übrigens auch bei Wein, wo man eine angebroche Flasche aufs nächste Wochenende retten kann.)

(12) Genießen: Dazu werde ich mich später noch mal auslassen. Nur so viel: Whisky-Cola geht niemals. On the rocks ist OK, wenn man rocks (Steine) nimmt und kein Eis. Hier geht es um Trinktemperatur. In der Regel bin ich Purist. Aber ich trinke auch japanische Highballs.

Cask Strength Whisky sollte man wie folgt genießen: Besorgt euch ein Glas stilles Wasser (nicht unbedingt Mineralwasser, da die Mineralien den Geschmack beeinflussen können) und eine Pipette. 3-5 Tropfen Wasser reduziren den Alkoholgehalt und lassen Aromen nach vorne treten, die man vorher nicht schmeckte. Manche Whisky sind echte Verwandlungskünstler. Da kommt plötzlich Peat durch oder er wird butterweich auf der Zunge. — Man kann das auch mit Whisky um die 40 oder 50 vol% probieren. Etwas Wasser kann immer für eine Überraschung sorgen und ist immer eine gute Idee. Und ja … ein ganzer Eiswürfel ist zu viel Wasser.

 

Was es mit es jetzt dem Blending auf sich hat, schreibe ich auf der nächsten Seite. Wird jetzt schon wieder bei 1600 Worten …

[erstveröffentlicht: 2017]
[zuletzt aktualisiert: 11.12.2020]

 

Whisky Basics – Herstellung I

Whisky (Whiskey) ist eine durch Destillation aus Getreidemaische gewonnene
und im Holzfass gereifte Spirituose.
[wikipedia-Artikel]

Das Wort Whisky stammt vom gälischen uisge beatha und bedeutet „Wasser der Lebens“. Das Epizentrum ist (und bleibt) Schottland. Der Rest der Welt versucht sich an den Schotten zu messen. Die USA haben mit Bourbon ihren eigenen Stil gefunden, die Iren haben den Whiskey. Aber der Rest der Welt, der weiteifert nach Single Malts, die es den Schotten gleich tun. Und mit Rest der Welt meine ich Deutschland, Indien, Schweden, Schweiz, … und ja, Japan.

Definition: Innerhalb der EU muss Whisky …

  • (a) ein Destillat von Getreidemalzmaische sein,
  • (b) weniger als 94,8%vol nach dem Brennen haben,
  • (c) mindestens 3 Jahre in Holzfässern reifen und
  • (d) in der Abfüllung 40%vol oder mehr aufweisen.

Andere Länder können durchaus von dieser Regel abweichen. Dies betrifft oft das Mindestalter und die Stärke der Abfüllund. Und es gibt Raum für Experimente, aber auch Panscherei.

Rohstoffe

Die Basisrohstoffe sind Wasser, Getreide (in der Regel Gerste) und Hefe. Das ist sind die gleichen Zutaten wie für Korn und Bier (wenn man vom Hopfen absieht). Und ja, die Prozesse sind zu großen Teil identisch.

Getreide ist der Basisstoff, dessen Stärke zunächst in Zucker und dann in Alkohol umgewandelt wird. Das verwendete Wasser beeinflusst durch sein Mineraliengehalt, Torfgehalt, Härte und die enthaltenen Mikroorganismen das Ergebnis. Die Wasserqualität entscheidet daher oft den Standort einer Brennerei. Für die Gärung wird Hefe der Stämme Saccharomyces cerevisiae verwendet. Auch die verwendete Hefe beeinflusst den Geschmack.

Würde man als Hefe Koji nehmen (Sakehefe) und das Destillat wie Korn direkt abfüllen, hätte man Mugi Shochu. Ich muss mal schauen, ob ich irgendwie fassgereiften Mugi Shochu finde. Das wäre im Prinzip ein Whisky, der Koji verwendet hat.

Brauen

Die Herstellung beginnt mit einem Brauprozess, der bis auf den Hopfen prinzipell mit dem von Bier identisch ist: Mälzen, Schroten, Maischen, Gären (und den Hopfen weglassen).

(1) Mälzen: Die Gerste wird auf einem Darrboden ausgebreitet und durch Bewässern zum Keimen gebracht (Grünmalz). Dabei wird die langkettige Stärke in kürzere Malzzucker umgewandelt.

(2) Darren: Das Keimen wird nach etwa 3 bis 5 Tagen gestoppt und das Grünlmalz getrocknet. Verwenet wird heiße Luft oder Torfrauch (a.k.a. Torfen). Der Torfrauch geht in den Whisky über, und der Whisky ist dann „peated“.

Die Gebäude mit den Darrböden (engl.: kiln) mit ihren zentralen Schornsteinen sind oft das Markenzeichen einer Destillerie. Strathisla ist beispielsweise eine der wenigen Destillerien mit doppelten Schornsteinen. Heute sind die Schornsteine oft Atrappe, da das Malz fertig angeliefert wird, aber die Schornsteine irgendwie dazu gehören.

Peated: Bezeichnung für Whisky dessen Gerste mit Torfrauch gedarrt wurde. Peat und Smoke sind verschiedene Dinge, aber ganz ehrlich, ich kann sie nicht auseinander halten.

Rauchigkeit: Der Rauchgehalt wird als Pehnolgehalt in ppm angegeben. Lagavulin (ca. 30 ppm) und Laphroaig (über 30 ppm) sind zwei typische Rauchwhisky. Zu den Rauchmonstern gehören Ardberg Supernova (100ppm) oder Octomore II The Beast (167ppm). Bei letzterem beißt man quasi in ein Stück Holzkohle.

(3) Schroten und (4) Maischen: Das Getreide wird geschrotet (grob gemahlen). Anschließend werden die Zucker mit einer großen Menge Wasser ausgewaschen. Die entstehende, zuckerreiche Flüssigkeit heißt Würze (engl. wort).

In der Regel erfolgt dies in drei Schritten mit Wassertemperaturen von 60 °C, 72 °C und 88 °C. Zum Gären werden nur die ersten beiden Läufe verwendet. Der dritte Lauf wird dem Wasser für die nächste Charge zugesetzt. Hier geht es darum, die Ausbeute zu erhöhen. Wichtig ist, dass Feststoffe komplett heraus gefilters sind, da sie den nachfolgenden Gärprozess stören können.

(5) Gären: Die abgekühlte Würze wird in Gärtanks (washbacks) umgefüllt und mit der Hefe geimpft. Über die nächsten Tag vergärt der Malzzucker zu Alkohol (und Kohlendioxid), bis die Hefe beim Erreichen eines bestimmten Alkoholgehaltens abstirbt.

Unterschiedliche Hefen vertragen unterschiedliche Alkoholstärken. Weinhefen überleben bis zu 15 vol%, normale Bierhefen nur bis 6 vol% (alles nur grobe Hausnummern). Die für Whisky verwendeten hefen sind ähnlich und sterben bei etwa 7 vol% ab. Die alkoholhaltige Flüssigkeit heißt „wash“.

Der Gärprozess ist die entscheidende Grundlage für den späteren Whisky, denn hier und jetzt entsteht nicht nur der Ethanol, sondern auch verschiedene Ester, Fuselalkohole, Aldehyde, usw. Alle tragen später zum Geschmack bei. Einen schlechten Gärprozess schmeckt man raus und kann auch durch eine gute Destillation nicht mehr gerettet werden.

Brennen

(6) Brennen: Neben Ethanol (trinkbar) entstehen beim Gären auch Methanol (giftig), Fuselalkohole (Propanol, Butanol, …), Ester (sorgen für den Geschmack) und andere Stoffe, die man nicht in seinem Whisky haben möchte.

Destillation

Destillieren ist rein technisch gesehen ein Prozess, der es erlaubt Stoffe auf Basis ihrer Siedetemperatur voneinander zu trennen. Dies hilft beim Schnapsbrennen auf zwei Arten: (1) Man kann die unerwünschten Alkohole, allen voran Methanol, abtrennen. (2) Gleichzeitig erhöht man die Ethonalkonzentration, da man auch das Wasser abtrennt.

In der Theorie erhöht man jetzt langsam die Temperatur. Als erstes verdampft  der Methanol. Den kippt man weg. Ist er verdampft erhöht man die Temperatur und verdampft den Ethanol, den man sammelt. Ist er komplett herausdestilliert kann man den Prozess abbrechen, denn jetzt kommen die Fuselalkohole und bei 100°C dann das irgendwann Wasser.

Head, Heart und Tail

Man teilt also das Wash in drei Teile. Diese werden Head, Heart und Tail genannt. Head ist der Vorlauf mit dem Methanol. Heart ist der der Ethanol-Anteil enthält. Im Tail kommen dann vermehrt Fuselalkohole, aber auch die erwünschten Ester.

Es klingt einfach. Leider ist es in der Praxis komplizierter. Wenn der Methanol verdampft, verdampft auch schon Ethanol. Während der Ethanol verdampft, starten auch schon die langkettigeren Fuselalkohole. Zwischendurch legen auch schon die Ester los. Starten man den Heart zu spät oder stoppt ihn zu früh, verliert man wertvolles Ethanol und Geschmack. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Der Brennmeister steuert alles über die Temperatur bzw. Temperaturkurven.

Der Head wird komplett verworfen. Der Tail wird dagegen in der nächsten Charge zum Wash gegeben, um noch enthaltenes Ethanol raus zu holen.

Double Stilled = zweifach gebrannt

Das Brennen erfolgt gewöhnlich in zwei Durchläufen. Im ersten Lauf wird ein Rohbrand mit etwa 20 vol% erstellt. Im Zweiten Lauf entsteht der Feinbrand mit hohem (in der Regel um die 75 vol%) Alkoholgehalt.

Die Brennblasen haben normalerweise unterschiedliche Geometrien. Die erste ist kurz und bauchig, die zweite ist hoch und schlank. Der Grund ist, dass die Temperatur noch oben hin abnimmt und eine lange Brennsäule daher die verschiedenen Fraktionen besser voneinander trennen kann. Der Vorgang ist aber auch lagsamer.

Daher auch die beiden Durchläufe. Der erste Durchlauf reduziert das Volumen auf etwa 1/4. Der zweite Lauf trennt dann dieses reduzierte Volumen fein auf.

Die Geometrie beeinflusst ferner ,in welchem Unfang Ester (Geschmack) und andere Stoffe extrahiert werden.

Besonderheit in Japan: viele Geometrien

In Japan konnte man, anders als in Schottland, keine Fässer von einer benachbarten Destillerie ankaufen, um Blends und Vatted Malts herzustellen. Es gab schlicht keine andere Destillerie. Daher wurden kurzerhand Destillen mit unterschiedlicher Geometrie aufgestellt und so verschiedene Malts gebrannt. Man sorgte also in der eigenen Destillerie für die notwendige Vielfalt.

Hokkaido, Yoichi, Nikka Distillery Yoichi
Hokkaido, Yoichi, Nikka Distillery Yoichi

Die Befeuerung der Brennblasen erfolgt heute mit Gas, da sich dies besser kontrollieren lässt. Yoichi (Foto) ist nach meiner Kenntnis die letzte große Destillerie, die Brennblasen mit Kohlenbefeuerung einsetzt. Nach Aussagen von Yoichi ist die Temperaturverteilung dadurch (bewusst) ungleichmäßig. Der Brennmeister nutzt dies, um gleichzeitig verschiedene Stoffe verdampfen zu lassen. Er steuert dies (wie ein guter Heizer bei einer Dampflok), durch die Positionierung der Kohle in der Brennkammer

kann dies darüber hinaus mit der gezielten Zugabe von Kohlen an einem bestimmten Ort im Ofen beeinflussen. Dadurch steigen verschiedene Destillate gleichzeitig nach oben. Das Ergebnis soll man später Schmecken können.

… Und bei allem dem habe ich unterschlagen, dass ich hier nur das Pot Still-Verfahren beschreibe. Mehr dazu aber später …

New Spirit: Das ist der Rohwhisky, der die Brennblase verlässt und die Mindestdefinitionen (außer der Lagerzeit) erfüllt.

Was man jetzt hat ist im Prinzip ein Kornbrand, den man auch gleich verdünnt in die Flasche füllen könnte. Hätte man Wacholder in der Brennblase positioniert, hätte der verdampfende Alkohol den Geschmack aus dem Wacholder gelöst, mitgenommen und man hätte jetzt einen Gin. Und hätte man das ganze stümperhaft in Muttis Schnellkochtopf durchgeführt, wäre das Ergebnis ein Moonshine.


Was den Whisky vom Korn unterscheidet ist die Fasslagerung. Aber die kommt im nächsten Beitrag, denn wir sind schon bei über 1300 Worten …

[erstveröffentlich: 2017]
[aktualisiert: 09.12.2020]

 

江戸切子 .. Edo Kiriko

Edo Kiriko — Zerlegen wir das: 江戸 (Edo) ist der alte Name für Tokyo. 切 (Ki) ist das Kana für schneiden. 切子 (kiriko) heißt Facette und 切子 (ebenfalls kiriko gelesen) Glasfacette oder geschliffenes Glas. Edo Kiriko meint also nichts anderes als geschliffenes Glas aus Tokyo.

Wie so oft in Japan verbirgt sich dahinter mehr: Edo Kiriko gilt als eine der traditionellen, wenn auch jüngeren, japanischen Handwerkskünste.  Dabei soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass es einen großen westlichen Einfluss gibt.

Edo Kiriko /vs./ Satsuma Kiriko

Neben Edo Kiriko existiert auch noch Satsuma Kiriko. Dies ist, … Der Begriff Spin-Off beschreibt es am Ehesten. Satsuma hatte zudem rückwirkend den Edostil beeinflusst. Eine Abgrenzung ist daher — wenn überhaupt — nur schwer möglich. Grob kann man sagen: Edo Kiriko verwendet vorwiegend farblose Gläser; Satsuma Kiriko verwendet vorwiegend farbiges Glas. Aber wie gesagt, eine scharfe Abgrenzung ist nicht möglich.

Edo Kiriko

Den Ursprung soll Edo Kiriko im Jahr 1834 (Ende der Edo-Zeit) haben, als der Glasgroßhändler Kyubei Kagaya mit Schmirgelpulver experimentierte. In der Meiji-Zeit, als sich Japan zum Westen öffnete und die Industrialisierung Japans Fahrt aufnahm, wurde Emmanuel Hauptmann nach Japan eingeladen. Er unterrichtete japanische Glasschleifer in britischen Fertigungstechniken.

Whiskyglas von Kagami — https://www.kagami.jp/english/product/item/t429-2021.html

Schwerpunkt der Glasschleifindustrie wurde das heutige Gebiet Koto-ku zwischen den Flüssen Arakawa und Sumidagawa. Die Populartät stieg. Mit dem Westen war zudem ein Exportmarkt entstanden, der die Zahlen zusätzlich in die Höhe stiegen ließ. Edo Kiriko erfuhr einen weiteren Aufschub durch das Ende von Satsuma Kiriko, in dessen Folge viele Kunsthandwerker auch noch Edo abwanderten. Auf diesem Weg gelangte auch die Verwendung von gefärbten Gläsern in die Tradition von Edo Kiriko.

In der Taisho-Ära war wa-kiriko (japanisches, geschliffenes Glas) ein Alltagsgegenstand und fand überall Verwendung: als Trinkglas, Lampenschirm, Teller, … Ich müsste jetzt mal nach Europa schauen, aber ich habe das Gefühl, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts auch hier einen Boom von geschliffenem Glas gab.

Satsuma Kiriko

Der  Name Satsuma Kiriko leitet sich vom Satsuma Clan ab, dessen Residenz in Kagoshima war und der zeitweise nahezu ganz Kyushu kontrollierte.

Daimyo Shimazu Narioki hatte während seines Aufenthalts in Edo anfang des 19. Jahrhunderts Kunsthandwerker eingeladen, Kiriko in Satsuma zu fertigen.  Ohne einen Beleg dafür zu haben, vermute ich, dass viel Wissen aus Tokyo abfloss und zusätzliches, nicht-japanisches Wissen aus China und Europa (Stickwort Dejima; Nagasaki) in Satsuma ergänzt wurde.

Der Herstellungsprozess des Glases selbst soll seinen Urpsrung in China haben. Im Prinzip ist es ein Bleikristallklas: „Satsuma kiriko was made by melting lead and mixing it with powdered white stone … zinc was sometimes combined with the mix (to the reheated glas) in order to eliminate impurities … as the mixture cooled niter was added“. — Ich habe diese Information im Zusammenhang mit Satsuma Kiriko gefunden. Ich vermute aber, dass dies auch für Edo Kiriko zutrifft.

Satsuma Kiriko führte auch die Verwendung von oberflächlich gefärbtem Glas ein. Durch das Schleifen der Facetten wird die Farbschicht entfernt, wodurch die Facettenmuster deutlich hervortreten. Traditionelle Farben sind Rot und Blau.

Shimazu Nariakira baute die Fertigung nach westlichem Vorbild aus. Allerdings endete Satsuma Kiriko bald nach dem Tod von Nariakira: In der Satsuma-Rebellion wurden die Fabriken bombardiert und teilzerstört. Hiervon hat sich Satsuma Kiriko nicht erholt. Die Glasschleifer wanderten u.a. nach Tokyo und Osaka ab, wo von da an Satsuma Kiriko produziert wurde. Dies war auch der Zeitpunkt, an dem Satsuma Kiriko (z.B. die Verwedungung von farbigem Glas) Edo Kiriko beeinflusste.


Der Fertigungsprozess
  • (1) Skizzieren: Es werden die Hauptlinien (mit Eisenoxid) auf dem Glas markiert. Sie dienen dem Schleifer als Leitlinien für das gesamte Design. Diese Linien werden dann als sehr feine und oberflächliche Linien in das Glas geschliffen.
  • (2) Erster Schliff: Das Basisdesign wird mit einer Tiefe bzw. Breite von etwa 75% geschliffen. Anschließend werden die Ränder der Schliffe ausgeformt. Hier kommt die Erfahrung des Schleifers zum Einsatz, denn finale Breite, Tiefe und deren Verlauf über die Schlifflänge werden nicht skizziert. Für diesen Prozess werden in der Regel Schleifsteine auf Basis von Schleifsand verwendet.
  • (3) Finalisierung: Die Schliffe werden in Schritten final ausgeformt und einander angeglichen. Dabei werden nässe Schleifscheiben benutzt, die auch künstliche Schleifkörper benutzten. Dabei wird darauf geachtet, dass keine Rückstände auf den Schliffen zurück bleiben.
  • (4) Polieren: Dieser Schritt kommt insbesondere bei Kalknatronglas zum Einsatz. Die Facettenflächen werden poliert, bis sie genauso transparent sind wie die restlichen Glasflächen. Verwendet werden Holz-, Schwabbel- und Bürstenscheiben in Kombination mit Schleifpasten und viel Wasser. Gelegentlich wird auch Flusssäure eingesetzt.
verwendete Muster

Die verwendeten Schleifmuster haben ihren Ursprung in Mustern, die in der Natur oder dem täglichen Leben zu finden sind.Heute werden die Muster auch kombiniert, und es gibt zusätzliche moderne Muster. Hier eine kleine Auswahl:

https://www.wafuu-honpo.com/tableware-1/cut-glass-edo-kiriko/

Yarai (Palisaden): Dies ist eine Kombination aus dünnen und dicken Schliffen, die an einen Holz- oder Bambuspalisden erinnern. Ein deutscher Vergleich wäre der Jägerzaun. Das Muster gilt auch als Schutz gegen böse Geister.

Sasa-no-ha (Bambusblätter): Dieser Schnitt nimmt die Form der Bambusblätter zum Vorbild. Das Muster gilt auch als Glücksbringer.

Kiku-Tsunagi (verbundene Chrysanthemen): Bei diesem Muster dominieren sehr feine, sich kreuzende Linien, die die Eleganz der Chrysanthemenblüten zum Vorbild haben. Die Blume steht für ein langes Leben

Nanko (Fischeier): Die Schliffe ergeben eine Gesamterscheinung, die an Fischeier erinnert. Das Muster steht für Fruchtbarkeit.

Hakkaku-Kagome (achteckiger Flechtkorb): Dieses Schleifmuster nimmt das Muster der Flechtkörbe auf. Die acht Schleifrichtungen begründen sich in den 8 Himmelsrichtungen und symbolisieren das Universium.

Kiriko heute

Heute ist Kiriko eher ein Luxusgegenstand. Edo Kiriko darf sich nur nennen, was von einem zertifizierten Kunsthandwerker hergestellt wurde. Die Fertigung von Hand ist zeitaufwendig und damit teuer. 100€ pro Glas sind keine Seltenheit.

In 1985 gelang es Satsuma Kiriko in seiner ursprünglichen Form zu rekonstrieren. Seit 1989 ist Satsumaglas ein Traditionsprodukt von Kagoshima. Heute werden sowohl taditionelle als auch moderne Designs (Muster) und Farben hergestellt.

Vorsicht vor Edo-Kiriko-Angeboten im internet (Amazon, eBay und Co). Hier findet man viele Treffer für „Edo Kiriko“, aber nur die Hälfte ist wirklich geschliffenes Glas und davon ist nur ein Bruchteil wirklich Edo Kiriko. Der Rest ist Clickbait oder einfach falsch betitelt.

Hier gibt es das echte Edo Kiriko (Achtung: Das ist alles handgeschliffenes Glas und entsprechend hochpreisig):

  • https://www.kagami.jp/english/product/edokiriko.html
  • https://edokiriko.shop-pro.jp/
  • https://www.edokiriko.or.jp/#showroom
  • https://www.edokiriko.net/

Trivia: Es gibt ein (relativ neues) Gebäude in Tokyo, dass mit seinem Design an diese alte Handwerkskunst erinnert.

Meine Meinung

Kiriko gilt als tradtionelles, japanisches Handwerk, trotz der starken westlichen Einflüsse. Man könnte es also Beispiel sehen, wie Japan etwas import, adaptiert (und optimiert) und sich zu Eigen macht.

Ich habe lange überlegt, ob ich mir Whisky Tumbler zulege. Aber das ist eine zweischneidige Sache. Die meisten Muster wirken für westliche Verhältnisse altmodisch und sehen aus wie ein Erbstück von Oma. Die Farben sind sicherlich ein optischer Kracher, aber sie verfälschen die Farbe des Whisky. Es gibt es paar Muster, die ich sehr elegant finde. Dies sind aber moderne Muster, keine traditionellen. Und dann liegt der Glaspreis dann bei 200€ bis 450€. Ich werde es wohl wie bei vielen Sachen machen: Ich halte meine Augen offen ohne wirklich aktiv und gezielt nach etwas zu suchen und schlage zu, wenn  ich etwas finde, das mir sofort  gefällt.

Nachtrag: Kameido Umeyashiki ist ein Touristeninformation, das die Kultur und Geschichte des Kameido-Gebiets erzählt. Es liegt etwa 250m nördlich vom Banhhof Kemeido Eki (Sobu Line) und damit grob auf halben Weg zum Kameido Tenmangu. Ein Teil des Zentrums dient als Ausstellungsraum für Edo Kiriko-Glaswaren. — Ich bin 2019 daran vorbei gelaufen ohne es zu wissen (ich wollte die Grünphase an der Ampel erwischen).

Manhole Cover … it’s a thing, I suppose

Man kann auf einer Japanrundreise viele Dinge als Souvenir sammeln. Hello-Kitty-Schlüsselanhänger waren ein Ding; gefühlt vor 10 Jahren. Goshiun, Stempel, Tenugui, … Ich müsste da mal eine Liste machen. Man kann eine Fotosammlung starten. Ich zum Beispiel mache immer ein Foto vom Stationschild am Bahnhof.

Und dann sind da Kanaldeckel. Mir sind die Designs bei der ersten Reise 2004 aufgefallen. Aber es muss die dritte oder vierte Reise gewesen sein, als ich realisierte, dass das echt ein Ding ist und wirklich jede Stadt ihr eigenes Design hat. Japan hat völlig langweilige Kanaldeckel auf ein neues Level erhoben.

Es gibt Drainspotter, die Fotos von Kanaldeckeln sammmeln wie andere Leute Baseball-Karten, Pokemon oder „whatever floats your boat“. Es gibt sogar die Japanese Society of Manhole Covers (日本マンホール蓋学会). Deren Webseite listet 6000 verschiedene Designs. Beachtlich, wenn man bedenkt das nur etwa 1800 Städte und Regionen gibt, die ein eigenes Design haben. Auf der anderen Seite sind das über 95% aller Städte und Regionen in Japan.

Meine eigene Sammlung ist dagegen erbärmlich. Was für meine Sammlung spricht ist einzig, dass es alles meine Fotos sind (und ich regelmäßig vergesse, in einer neuen Stadt nach dem Motiv zu suchen).

Geschichte

Alles begann in den 1980ern, als in das Abwasserkanalsystem gerade in der ländlichen Region modernisiert wurde. Die hohen Kosten sorgten verständlicherweise für Ablehnung bei denen, die die Kosten zu tragen hatten. Folglich wurde den Verantworlichen das Ganze schmackhaft gemacht, indem das Coverdesign die lokale Identität und Stolz wiederspiegeln kann.

Es ist etwas schwer zu verstehen, wie lokaler Stolz bei etwas repräsentiert werden kann, dass einen Abwasserkanel verschließt und wortwörtlich mit Füßen getreten wird. Aber es scheint zu funktionieren.

Bei den Manhole Cover gibt es zwei Versionen, die reine Gusseisen-Version und die farbige Version. Bei letzterer werden die Vertiefungen im Deckel mit Farbe ausgefüllt. diese Deluxe-Variante zeigt, dass das Thema eine Eigendynamik bekommen hat, von „schmackhaftmachen der Kosten“ hin zu „Visitenkarte“. Das wird auch bei den Preisen deutlich: Ein Stadarddeckel kostet 500€, eine farbige Sonderversion dagegen 3000€.

Design

Die Kanaldeckel zeigen ein für die Region/Stadt typische Szene (z.B. Blumen, Landschaften, Festivals, …). Teilweise gibt es verschiedene Versionen (z.B. Hakodate). Andere Cover verweisen auf die lokale Sportmannschaft (z.B. Fukuoka, Saitama). — Und ich muss zugeben. Einige Design sind wirklich etwas besonderes.

Und wie immer treibt es Japan eine Stufe weiter auf 11. Es gibt die Designs als Souvenir auch als Untersetzer oder Schlüsselanhänger. Und es gibt ein jährliches Treffen.

Der neueste Trend sind Mangefiguren und -themen sowie „Sonderausgaben“, die spezielle Ereignisse dokumentieren. Kein Witz.

Herstellungsprozess

Das Desgin wird zunächst als Holzschnitt erstellt. Davon wird eine Sandform als Negativ gefertigt, die als Gußform gilt. Für jeden Deckel muss folglich ein neues Sandnegativ erstellt werden. Nach dem Gießen wird der Deckel sandgestrahlt. Bei farbigen Deckeln werden dann die Vertiefungen mit gefärbten Kunstharz ausgefüllt.

nicht nur Kanaldeckel

Neben Kanaldeckel finden sich auch Deckel für Absperrventilen (z.B. Gas oder Wasser) sowie Hydranten. Bei den Absperrventilen sind mir noch keine Sonderformen aufgefallen. Ihre Größe ist wahrscheinlich nicht ausreichend für ein spezielles Design. Bei den Deckeln für Unterflurhydranten ist das anders. Allerdings ist die Anzahl der verschiedenen Desings sehr übersichtlich.


Links:
Japanvisitor
Manhole Covers Japan – The Mindcircle
Street art; Japanese Manhole Cover – CBS News
Japanese Manhole Cover Flickr Group (etwa 2500 Bilder)

Buchtip: Remo Camerota; Drainspotting; ISBN 978-0982075470
Das Buch scheint ein Standarwerk zu sein, da ich einen Link auf mehreren Drainspotter-Webseiten gefunden.

Manhole Cover Hokkaido: Hakodate tritt gleich mit 3 verschiedenen Deckeln an: die Festung Goryokaku, die russisch-orthodoxe Kirche in Moto-Hakodate und natürlich Ika, für die Hakodate berühmt ist. Von der Kirche habe ich sogar zwei Versionen gefunden. Und ich war nur 2 Stunden in der Stadt unterwegs.

 

Manhole Cover Tohoku: Naruko: zwei Kokeshi-Holzpuppen, die aus dieser Region kommen ++ Kakunodate: als ehemalige Samuraistadt natürlich ein Samurai-Thema.

Manhole Cover Kanto: Mito: idealisierter Flussverlauf des Nakagawa und Pflaumenblüten, für die der Kairaku-en berühmt ist; die zweite Version zeigt Mitochan, das Stadtmaskottchen. ++ Kawasaki: Motto „Colors, Future!“ der Stadt ++ Saitama: Eine ist dem lokalen Fußballverein gewidmet. ++ Odawara: Burg und Lastenträger, die einen Passagier über den Sakawa tragen. Odaware war eine der 53 Post Towns am Tokaido. ++ Yokohama: Bay Bridge

Manhole Cover Chubu: Shirakawa-go: Dachform der traditionellen Häuser dieser Region ++ Yudanaka Onsen: badenden Affen und den Schriftzug O-saru no Onsen (saru = Affen)

Manhole Cover Kansai: Amanohashidate: die berühmte Sandbank ++ Himeji: Burg ++ Ikaruga: Pagode des Horyu-ji, des ältesten Tempel in Japan ++ Shimamoto: Fluss Yodogawa ++ Uji: Brücke, die hier über den Ujigawa führt. (Ich hätte wohl den Byodoin gewählt.)

Manhole Cover Kansai: Hiroshima: Origami-Kraniche, die im Peace Memorial Park am Children Memorial zu tausenden zu finden sind. ++ Okayama: habe ich noch nicht entschlüsselt

Manhole Cover Shikoku: Hier muss ich noch die Informationen zusammentragen.

Manhole Cover Kyushu: Die Standardkanaldeckel von Fukuoka habe ich vergessen. Es gibt aber eine Sonderversion rund um das Baseball-Stadium der Softbank Hawks. ++ Kashima: Eingangstor des Yutoku-Inari-Jinja.

Hier drei Kanaldeckel bei den ich den Ort nicht notiert habe:

weitere Schachtdeckel

Tendo: Shogisteine, für die die Stadt berühmt ist. ++ Mito: Koubuntai, das im brühmten Park Kairaku-en steht. Der zweite Schachtdeckel von Mito zeigt den stilisierten Flusslauf des Nakagawa, der durch Mito fließt.

 

Hydrantendeckel

Die Stangen mit den langen Streifen, die man unter anderem auf den Deckeln von Onomichi, Sawara und Chichibu findet, sind die traditionellen Stander der Feuerwehr in Japan.


Hinweis: Wegen der vielen Bilder auf diese Seite habe ich sowohl die Auflösung als auch die JPEG-Qualität reduziert.