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Rediscovering Narita and Sawara

Das ist er, der letzte volle Tag in Japan. Auf dem Programm stehen Sawara und ein Teil von Narita. Ich bin zeitig wach. Mit den Rolltreppen geht es rauf zum Bahnhof. „Let’s Escalate“. Mit dem erstbesten  Zug geht es nach Sawara. Diese kleine Stadt mit den alten Häusern am Kanal hat was. Oh ja. Das ist dann der dritte Ort in dieser Reise, der ein zweiter Besuch ist.

Die Zugfahrt ist länger als ich sie erinnere. Endlich in Sawara gehe ich direkt los. Dieses Mal weiß ich, wohin ich muss: Raus aus dem Bahnhof, links, rechts, links. Shimobori- dori.  Ich hoffe den Schnapsladen gibt es noch.

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(Not) Rediscovering Kakegawa

Heute geht es nach Narita; das letzte Hotel vor dem Rückflug. Mit dieser letzten Shinkansenfahrt beginnt die letzte Szene dieser 10. Reise. Ich werde unterwegs in Kakegawa (dort war ich noch nie) und in Tokyo (Whisky und nen zweiten Koffer kaufen) anhalten.

Es regnet. Kein Schiff. Und ein Koffer in der Hand. Zum Glück ist es nicht weit zum Bahnhof. Kakegawa wird nur durch den Milchkannen-Shinkansen Kodama bedient. Egal. Es ist nicht weit (131 km) und ich habe es nicht eilig.

Am Bahnhof Kakegawa dauert es etwas, bis ich den Abstellort für meine Koffer finde. Dann geht es von Regen begleitet zur Burg. Hier ist nicht viel los. Ich glaube nicht, dass es viele ausländische Touristen hierher verschlägt.

Die überdachte Einkaufsstraße zeigt das aktuelle Problem Japans. Die kleinen Orte sterben weg. Die Hälfte der Geschäfte sind deutlich dauerhaft geschlossen. Die Farbe blättert und alles wirkt alt und verfallen. Abwanderung und Überalterung sind hier sichtbar. Aber, auf einem Grundstück stehen etwa 20 kleine 20-Fuß-Container. In jedem ist eine andere Kneipe. Das hat ein wenig was von Golden-Gai.

Ich gehe durch das Ote-mon der Burg, das abseits der direkten Verbindung Bahnhof-Burg steht. Hinter der Burg ist der Sakasa River. Ich folge ihm zum Eingang der Burg, zahle den Eintritt und gehe dann die Treppen hoch zum Hauptgebäude. Von hier oben kann man den Shinkansen in voller Länge sehen.

Im Anschluss besichtige ich den zugehörigen Ninomaru Palace. Und ja, der Stopp hat sich gelohnt. Der Rückweg hat Zeit für eine Schüssel Ramen. Dann hole ich die Koffer und warte auf meinen Shinkansen. Dieses Mal sitze ich im Green Car (1. Klasse). Es waren nur ein paar Euro mehr- Die meinsten Touris haben nur den normalen Japan Rail Pass. Und dieses letzte Fahrt in 2025 soll dann doch was Spezielles sein.

Und wieder habe ich nicht berücksichtigt, dass die Tokaidostrecke in Tokyo endet und nicht in Ueno, wo mein Kofferdepot ist. Hmm. Ich will auch nicht Zickzack fahren. Also geht es mit Koffer zum Whiskyladen im Yeasu-Underground und mit zwei zusätzlichen Whiskyflaschen weiter nach Ueno.

Ohne Gepäck ist jetzt Zeit für Ameyocho. Das Wetter? Immer wieder Regenschauer. Aber das soll mich nicht stören. Ich suche weitere Whisky, einen Koffer für den Rücktransport und Verpackungsmaterial.

Bei dem ganzen hin und her passiert es wirklich, dass ich kurz die Orientierung verliere. Egal. Hie ist ein Yokitori-Restaurant. Zeit für ein vorgezogenes Abendessen. Die Dämmerung setzt ein. Ah, ich bin in Ueno 1-chome. Dann habe ich vorhin eine Rechtskurve nicht mitgezählt.

Für den Keisei-Liner habe ich kein Ticket vorgebucht. Ich habe also kein Stress. Meine Koffer sind bis 22  Uhr sicher. Das Izakaya, das vor drei Wochen keinen Sitzplatz für mich und meinen Bruder hatte macht in etwa 15 Minuten auf. Das gibt mir Zeit für ein paar Fotos von der Gegend, bei denen ich mit der HDR-Funktion der Kamera spielen kann.

Im Izakaya bestelle ich einen „Suntory Old“. Es ist ein Klassiker, den ich noch in meine Sammlung aufnehmen muss. Auf der Karte steht auch ein Sake und gedörrter Ingwer. Der Geschmack ist mir etwas zu intensiv. Es war ein Versuch . Immerhin, der Sake schmeckt.

ich könnte noch stundenlang von Izakaya zu Izakaya ziehen. Ich will Tokyo nicht verlassen. Aber das Hotel ist nunmal in Narita. Ich hole die Koffer ab und begebe mich zum Keisei-Bahnhof. Tradition ist Tradition.

Ich habe allerdings vergessen, wie lange die Fahrt mit dem regulären Zug dauert. Es ist ein Rapid, aber irgendwie sammelt er trotzdem jede Milchkanne ein. Es zieht sicht. Es hilft nicht, dass die Stationen nummeriert sind. Es sagt einem nur, wie weit es noch ist. Narita hat Nummer 40. Ueno war 1. Und wir sind erst bei 28.

Als wir endlich in Narita ankommen will ich nur noch ins Bett. Noch einmal Konzentration. Es gab hier irgendwo einen Hinterausgang, der mich direkt bei meinem Hotel ausspuckt. Da ist er. Mit mehreren Rolltreppen geht es bergab. „Let’s Escalate“. Das Richmond vom letzten Mal ist auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber.

Die Hotelbar hat schon geschlossen. Gut. Dann habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich das Bett priorisiere. Der Check-in ist etwas nervig. Ein Self-Service-Terminal. ich mag sowas nicht. Aber das ist nunmal ein Businesshotel.

Kurz nach Mitternacht wache ich auf. Jemand versucht das Bett unter mir zu verschieben. Ein Erbeben der Stärke 6 in Fukushima lässt auch hier alles wackeln. Es waren horizontale Bewegungen, als hätte jemand die Erdplatte verschoben.  Hoffentlich war das Alles.

Rediscovering Ise

Für heute steht Ise auf dem Plan. Ich nenne es oft den Vatikan des Shinto. Hier steht der Isu Jingu, der Hauptschrein des Shintoismus. Und ich will heute endlich, nach 2004, wieder nach Meoto-Iwa. Das sind die beiden Felsen im Wasser mit dem Seil. Es ist eines der ikonischen Bilder aus Japan.

Wie schon gestern geht es ohne Frühstück aber mit Proviant für die Zugfahrt zum Bahnsteig. Ich schnappe mir den erstbesten Rapid nach Ise. Von dort sind es noch zwei Stationen.

Und in die Reise dorthin haben die Götter zwei Hindernisse gestellt.  In Ise funktioniert die IC-Karte nicht. Ich muss zu Schaffner, dort bezahlen und die Suica wieder freischalten, sonst ist das Ding gesperrt. Zum Glück habe ich Bargeld dabei, da ich mir sichern bin, dass ausländische Kreditkarten akzeptiert werden. Das zweite Hindernis ist etwas einfacher. Der Zug wird in Ise geteilt. Nur der vordere Teil fährt nach Toba und damit nach Meoto-Iwa. Das muss man wissen, oder Japanisch (Ansage im Zug) können.

Ich steige in Futamino-Ura aus, fotografiere sofort den Fahrplan. Hier fahren nicht viele Züge. Man muss die Zeit im Auge behalten. Mit Proviant vom Lawson geht es los. Ich wähle einen kleine Umweg als Alternative zum langweiligen Highway 42.

Direkt am Wasser ist ein kleiner Park, den hebe ich mir für den Rückweg aufhebe. Die Straße ist gesäumt von älteren Häusern, die fast alle eine Renovierung benötigen. Die letzen 500m bis zum Schrein, der heißt übrigens Futami Okitama Jinja, sind schön gepflastert. Der kleine Umweg hat sich gelohnt.

Der Eingang zum Schrein ist zwischen Wasser und Berg. Jetzt setzen die Erinnerungen von 2004 ein. Klar, wir haben vermutlich hier vorne geparkt. In einer Rechtskurve kommt die Felsen Meoto-Iwa in den Blick

Die Felsen sind klein. Und sie stehen so dicht am Ufer, dass es bei Ebbe eine Landverbindung gibt. Beides sieht man auf den Fotos natürlich nicht. Ich besorge mir einen Eintrag ins Goshuin, Souvenirs und Fotos.

Das war es auch schon. Mehr hat Futamicho nicht zu bieten. Es geht zurück zum Bahnhof. Ein Blick auf die Uhr verrät: Laufen oder den Zug in einer halben Stunden. Ich entscheide mich gegen Stress und bin halt etwas später in Ise; pünktlich zu einem kleinen Regenschauer.

Durch die Gegu-Sando-Dori geht es zum äußeren Schrein, dem Geku (voller Name: Toyouke Daijingu). Ich überlege gerade. Es müsste mein vierten Besuch sein. Der Baustil heißt Yuitsu Shinmei-zukuri, der nur für die beiden Schreine hier in Ise verwendet wird.

Ich muss den Versuch wiederstehen hier schnell durchzuhasten, damit ich zu Fuß zum Inneren Schrein laufen kann (etwa 3 km), denn das steht immer noch auf meiner To-Do-Liste. Nein, kein Stress. Außerdem fängt es schon wieder an zu nieseln. Also besuche ich das Sengaku-Museum.

Der Bus bringt mich direkt vom Eingang des Geku zum Eingang des Naiku. Praktisch, aber voller Touristen. Ich durschreite das Torii und gehe über die heilige Brücke Uji-bashi.

Ich klapper alle wichtigen Stationen ab und mache Fotos, wo es erlaubt ist. Zwischen mir und dem innersten Heiligtum sind insgesamt sechs Zäune (sieht man sehr gut auf google-maps). Den innersten dürfen nicht einmal die höchsten Priester durchschreiten. Das darf nur der Kaiser, da er der direkt Nachfähre der Sönnengöttin Amaterasu ist.

Es ist fast 17 Uhr, als ich das Schreinareal wieder verlassen will. Zum Glück bekomme ich noch einen Goshuin-Eintrag. Ich eile zum „Ise Highway“. Es ist die alte Straße, die zum Schrein führt. Hier stehen dutzende alte Häuser und alle sind für die Pilger (Touristen) da. Izakaya, Restaurants, Souvenirshops.

Die Wolken über mir (sieht man auf den Fotos nicht) verheißen nichts Gutes. Und in der Tat fängt es an zu Regnen. Und so wie es aussieht wird es dieses Mal nicht so schnell aufhören. Als Souvenir shoppe ich schnell zwei Flaschen Sake.

Ich gehe bis zur Okage Yokocho. Hier sind kam noch Leute. Die ersten Geschäfte schließen. Ich entscheide mich für ein Sushi-Restaurant, das auch Niku-Sushi und guten Sake im Angebot hat.

So langsam muss ich an den Rückweg denken. Die Dämmerung ist in Gange und der Regen auch. Auf dem Ise-Highway finde ich noch eine Craft-Beer-Brauerei, die noch nicht geschlossen hat; Ise Kadoya Beer. Ich verstehe das als Zeichen für ein Abschlussbier. Die haben echt gute Sorten. Es wird das Hazy IPA.

Mit dem Bus geht es zurück zum Bahnhof. Hoffentlich steige ich nicht falsch oder zu spät aus. Jetzt im Dunklen ist meine Orientierung nicht die Beste. Aber es geht. Jetzt habe ich die Wahl: Japan Rail oder Kintetsu. ich vermute es ist wie ander Supermarktkasse: man wählt die Falsche. Ich entscheide mich für Kintetsu. Mal, was anderes.1

Der Kintetsu-Bahnhof ist etwas südlich der JR-Bahnhof. Beide sind aber miteinander verbunden, sodass ich erneut einen Weg hinauf in den JR Tower suche. Ich hasse dieses Gebäude und seine verschachtelten Fahrstühle.

Oben angekommen nehme ich wieder am Fenster platz. Ich bestelle Spaghetti mit Shrimps. Sehr westlich, aber darauf habe ich gerade Appetit.

Und ja, der Weg zurück ins Hotel stoppt am Daruma. Ja, ich hatte gerade Abendessen, aber platz für Yakitori und einen Highball ist immer da. Außerdem ist es der letzte Abend. Morgen geht es zurück nach Tokyo bzw. Narita. Gefühlt ist hier und jetzt der Japanurlaub zu Ende.

Rediscovering Kisodani

Heute soll es ins Kisodani (Kiso-Tal) gehen. Neben Koyasan ist es der zweite Ort auf dieser Reise, den ich erst zum zweiten Mal besuchen werden. Durch das Kisodani führt die alte Handelsroute Nakasendo, die von Tokyo nach Kyoto führt. Es gibt noch etliche Rast- und Zollstationen an dieser Strecke, die sich in den letzten hunderten Jahren kaum verändert haben. Ich will von Tsumago nach Magome wandern2.

Die Reise beginnt am Bahnhof von Nagoya. So langsam habe ich Orientierung. Mit viel Proviant steige ich in den Ltd.Express der Chuo-Linie3. Und ja, er hält in Nagiso. Den Fehler von 2012 wiederhole ich nicht.

Der Zug verlässt den Bahnhof nach Süden. Da ist ungewohnt, aber wir umfahren Nagoya. Nach drei Stationen sind wir in Ozone. Hier war ich mit meinem Bruder während unserer Tagestour vor drei Wochen.

Wir kommen an Tajimi vorbei, hier bin ich 2018 umgestiegen, als ich nach Mino-ota gefahren bin. Es ist bereits ländlich und die Bebauung nimmt weiter ab. Und es wird bergig. Dann wird es spannend. Nakatsugawa. Ich steige aus, denn dieser Zug endet hier. Ich nutze die Chance, um an der Touristinfo Daten zu sammeln. Mit Blick auf die Rückfahrt sollte ich wirklich mit Tsumago starten und von dort nach Magome zurück wandern. Also schnell in den nächsten Zug. Der Fährt schon in ein paar Minuten.

Und dann bin ich in Nagiso. Mein letzter Besuch hier war 2012, mitten in der Nacht bei fiesem Schneefall. So am hellichten Tag sieht das hier ganz anders aus.

Direkt neben dem Eingang zum Bahnhof ist bereits das Ticketbüro für den Bus, der mich nach Tsumago bringen wird. Auch dem Tresen schläft eine Katze. Sie lässt sich nicht stören. Wenige Minuten später fährt auch schon der Bus.

Wenn ich mich erinnere geht ein Fußweg vom Bushaltepunkt hinauf in die alte Straße. Das hier ist wirklich der alte Nakasendo aus der Samuraizeit. Ich gehe direkt zum Nordende der Stadt. Auf gehts. Ab hier sind es 11 km, knapp 400 Höhenmeter hinauf, aber nur 280 wieder runter (deshalb hatte ich überlegt in Magome zu starten). — Ach ja, die Bushaltestelle unten neben dem Fluss ist auf etwa 420 Höhenmeter.

Die Wassermühle und das Nachrichtenbrett begrüßen mich. Dann laufe ich gemütlich durch Tsumago. Hier an der alten Handelsstraße stehen nur traditionelle Häuser, alte Herbergen und Pferdeställe.

Dann wird es Zeit, Proviant aufzunehmen und Tsumago nach Süden zu verlassen. Ich versuche alles aus dem Gedächtnis zu machen. Hinter der Brücke über den Araragi-Fluss stehen noch ein paar Häuser. Eines ist der Ryokan von 2012. Ob es das noch gibt? Ryokan Hanaya. Ja, da ist es. Etwas weiter durch als ich erinnere. — Ach ja, wir sind auf etwa 500 Höhenmeter.

Etwas später kreuzt der Weg den Highway 7. Hier beginnt der gepflasterte Weg durch den Bergwald. Hier entstehen viele Fotos, die man im Internet findet.

Ab jetzt geht es bergau; immer bergauf. Der erste Zwischenstopp sind die Wasserfälle Odaki und Medaki. Für die muss ich steil bergab. Arghh. Das muss ich gleich alles wieder hinauf. Aber der Umweg lohnt sich halt. — Ach ja, die Wasserfälle sind bei etwa 600 Höhenmeter.

Jetzt muss ich die verloren Höhenmeter wieder rauf. Und es war der falsche Weg. Ich stehe am Highway 7. Das ist falsch. Also muss ich die 50 Stufen wieder runter und die erwähnten, verlorenen Höhenmeter noch einmal hinauf. Und es geht weiter hinauf, denn den Berg habe ich noch lange nicht überquert.

Dann geht es doch zwei Mal für ein paar hundert Meter auf dem Highway 7 entlang. Aber nur kurz. Dann geht es wieder in den Zypressenwald.

Ein nächster Zwischenstopp ist beim Ichikokutochi Tateba Chaya. Ein Tasse Tee, offenes Kohlenfeuer. Eigentlich könnte ich bleiben, muss aber weiter. — Ach ja, 700 Höhenmeter.

Ich laufe weiter. So langsam geht die Strecke in die Knochen. Und ich bin langsamer unterwegs als ich dachte. Stress kommt trotzdem nicht auf. Ich schaffe es locker vor der Dämmerung bis Magome.

Endlich. Endlich komme ich zum Magome-Pass auf 800 Höhenmeter. Hier ist die Grenze zwischen den Präfekturen Nagano und Gifu. Das heißt auch: Ich habe 2/3 geschafft und endlich geht es bergab.

Wie viel einfacher der Weg doch wird, wenn die Steigung fehlt. Man kommt auch viel schneller voran. Leider ist dieser Abschnitt nicht so schön im Wald. Er ist im Vergleich fast schon langweilig. Aber raus aus dem Wald heißt auch Fernsicht.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es sich Magome so lang hinzog. Aber gleich sollte sie kommen: die Kreuzung mit der Nachrichtentafel. Hier beginnt auch die sehr hübsch gepflasterte Straße durch Magome. Die Gebäude sind etwas moderner als die in Tsumago. Viele sind weiß gestrichen. Dadurch hat Magome einen anderen, ganz eigenen Charme.

Ich laufe die Straße runter bis zur Mühle. Hier ist Magome zu Ende. Es fängt an zu dämmern. Ich habe die Zeit perfekt ausgenutzt. Jetzt sind fast alle Touristen weg. Ich laufe noch mal rauf und runter für eine zweite Runde Fotos. Ein Geschäft hat noch offen. Zeit für ein Bier ist immer.

Jetzt ist es Zeit für den Bus zurück nach Nakatsugawa. Ich überlege kurz, ob ich die Strecke laufe. Es wäre bergab, weiter dem Nakasendo folgend. Aber nein. Es geht durch Waldgebiete. Es wird dunkel sein. Ich habe keine Lampe und ich weiß nicht, wie die aktuelle Situation mit den Bären hier ist. Zwischen Tsumago und Magome war ich sicher, dass die vielen Touristen die Bären auf Distanz halten. Magome-Nakatsugawa läuft aber keiner, schon gar nicht nachts.

Es gibt genug Zugverbindungen nach Nagoya, sodass ich hier etwas Essen kann.  Ich laufe die Straßen entlang. Es gibt ein paar Optionen. Die meisten sind an der 71. Die Straße heißt Registro Dori (in Katakana). Fragt mich nicht warum. An der zweiten Ampel kreuzt übrigens der Nakasendo die 71. Hier wäre ich also angekommen, wenn ich gelaufen wäre. Vielleicht beim nächsten Besuch.

So wie es aussieht ist Unagi eine große Sache hier. Aber das hebe ich mir für Nartia auf. Ich finde ein kleines Restaurant, das Soba hat: Shokuji Heiwa. Es ist fast direkt neben dem Bahnhof. Deal. Soba ist genau, was ich jetzt brauche. Dazu ein Highball und der Abend hat Struktur.

Ein Blick auf die Uhr sagt: Jetzt starten oder über eine Stunde warten. Dann doch lieber jetzt los. Kaum ist der Zug in Bewegung döse ich weg. Mein Akku ist auf Reserve, aber es hat sich gelohnt. Wie immer hätte ich eine Stunde früher starten können, aber es ist Urlaub.

Auch wenn der Akku alle ist, reicht er noch für einen Stopp in Darumaya. Es ist die Konstante in Nagoya. Das Hotel ist nur zum Schlafen da.  Ich weiß nicht einmal, ob es eine Bar. Wenn ja wird sie von all den Chinesen bevölkert sein, die hier übernachten. Ich glaube ich bin der einzige Europäer hier. Dann lieber den Tag im Daruma ausklingen lassen.

Rediscovering Gifu

Für heute habe ich ein Ticket, um das Ukai zu besuchen. Ukai ist das traditionelle Fischen mit Kormoranen. Es hat über 20 Jahre gebraucht bis ich es endlich besuche.

Ein zweiter Besuch vor Gifu gilt der Burg in Kiyosu. Ich habe vor Ewigkeiten mal was in Japan bestellt und der eBay-Kontakt hat ein Foto von der Burg beigelegt. Ich habe sie jedesmal gesehen, wenn ich mit dem Shinkansen an Nagoya vorbeigefahren bin. Jetzt endlich besichtige ich sie.

Bahnhof Nagoya: Wieso sieht das alles so unbekannt aus? Erst als ich in der Unterführung zu den Bahnsteigen bin stellt sich ein wenig, wenn auch nicht viel, Vertrautheit ein. Ich steige in den Local nach Gifu. Wir fahren an der Burg vorbei. Anhalten. Arghh. Das muss ich gleich alles laufen.

Kiyosu: Ich gehe hoch zur Hautpstraße und dann in Fahrtrichtung zurück. Viel ist hier nicht los. Etliche Häuser sind in einem schlechten Zustand. Einzelne Grundstück sind vakant. Am Family Mart nehme ich Proviant auf. Dann nehme ich die Fußgängerbrücke über der Hauptstraße und unterhalb des Expressway. Japans Straßennetz ist mal wieder 3D. Ich sehe die Burg. Auf der anderen Straßenseite gehe ich zurück zu den Bahngleisen. Hier gibt es einen Wanderweg der zu der Brücke führt, die ich von der Postkarte kenne.

Die Burg ist klein aber mit der roten Brücke ein tolles Fotomotiv. Innen wurde alles originalgetreu und aus Holz rekonstruiert. Der Besuch hat sich schon jetzt gelohnt. Von der Aussichtplattform sieht man die Shinkansenstrecke und die Normalstrecke. Von hier gelinden wir defintiv Fotos von einem gazen 400 m langen Shinkansen.

Zurück gehe ich direkt an den Gleisen entlang. Das spart locker einen Kilometer. Ich bin hier alleine unterwegs. Nach Osaka eine echte Entspanung. Am Bahnhof heißt es warten. Hier halten nur die Local. Rapids und Express fahren durch. Das gibt mir die Chance eine Menge Güterzüge zu sehen.

In Gifu angekommen nehme ich einen, hoffentlich den richtigen, Bus. Ich arbeite jetzt aus dem Gedächtnis: Wenn der Bus rechts abbiegt muss ich raus. Läuft. Im Zickzack geht es durch das Wohngebiet zum Shobo-ji. Es ist ein kleiner, unscheinbarer und etwas in Jahre gekommener Tempel. Hier steht der große Buddha von Gifu. Ich weiß nicht, warum Gifu bei japan-guide nicht gelistet ist. Der Buddha ist einen Besuch wert.

Nur ein paar Meter entfernt ist der Gifu-Park. Neben den Ruinen der Residenz von Oda Nobunaga geht die Seilbahn rauf zur Burg. Im Hang steht noch eine 3-stöckige Pagode. Das nächste lohnende Fotomotiv.

Oben angekommen biege ich sofort rechts ab zum Squirrel-Village. Ja es sind die grauen, fetten Eichhörnchen und ja es ist eine Touristenfalle, aber ich war hier.

Und nun beginnt der Aufstieg zur Burg von Gifu. Wegen Baustelle muss ich einen Umweg laufen. Ich komme an einer kleinen Brücke vorbei, die Teil der alten Verteidungsanlage ist. Sie wurde einfach zerstört, um den Feind den Zugang zu versperren. Links und rechts geht es steil bergab. Keine Chance.

Die Burg ist klein, fein und hat wegen ihrer Position hoch auf dem Berg einen super Blick über Gifu. Am Horizont kann man die Skyline von Nagoya erahnen.

Da wird es laut. Mehrere Flugzeuge der Air Force fliegen in Formation über uns vorbei. Mir gelingen ein paar Schnappschüsse. Und dann geht es auch schon wieder runter ins Tal.

Ich gehe mit ein paar ungewollten Umwegen runter zum Nagara-River, wo die Boote für das Ukai sein sollen. Ich finde einen Schalter, der zu dem Logo auf meinem Papierticket passt. Ja, ich bin hier richtig und soll etwa 30 Minuten vor Abfahrt da sein. Passt.

Ich gehe durch Kawaramachi. Das ist die Straße mit den alten Häusern, die ich zwei nicht gefunden habe. Kein Kommentar. Hinter den kleinen Kanal ist wieder das Wohngebiet mit dem Shobo-ji. Ich gehe weiter.

Mein Ziel ist Zenko-ji und der bergauf gelegene Inaba Shrine. Beides sind sehr schöne Fotomotive. Ich weiß immer noch nicht, warum Gifu nicht bei japan-guide.com gelistet ist. Im Schrein gibt es sogar eine Bogenbrücke, die nur für die Götter bestimmt ist. Eine Portion Moos und etwas Verwitterung geben dem ganzen das richtige Ambiente.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich den Rückweg zum Fluss antreten sollte. Ich habe das mimimale Pflichtprogramm trotz Stopp in Kiyosu geschafft. Perfekt.

Ich komme mit Zeitreserve für ein Bier am Anleger an. Wir steigen ein. Unser Boot ist nicht voll besetzt. Das gibt mehr Platz für Fotoaktionen. Wir leben ab. Ohne Motor, nur mit einem langen Stab, fahren wir zum Beobachtungspunkt. Der Fluss ist sehr flach. Helfer schieben uns auf eine Untiefe. Das Boot hat quasi im Fluss angelegt. Jetzt warten wir. Und warten.

Dann geht es los. Zuerst kommt ein Ponton mit Tänzern. Das Rahmenprogramm beginnt. Dann kommen die Fischerboote. An einem langen Stab hängt ein Korb mit Brennholz. Das Licht soll die Fische anlocken. An der Spitze steht ein Fischer der etwa 10 bis 15 Leinen hält. An jeder Leine ist ein Kormoran. Seine Aufgabe ist es, die Fische zu fangen und abzuliefern.

Die Boote fahren auf und ab. Ich hoffe in dieser Dunkelheit werden zumindest ein paar Fotos etwas. Zum Abschluss fahren die Fischerboote zwischen die Beobachterboote. Wir werden in den Rauch der Feuerkörbe gehüllt. Die Kormorane schlagen uns das Wasser ins Gesicht. Dichter ran geht nur, wenn man ins Wass er fällt.

Das war das Finale. Wir fahren zurück. Es hat sich gelohnt. Jetzt wo wieder Toiletten greifbar sind, ist Zeit für Abendessen und einen großen Highball am Foodtruck, der hier steht. Ich bin wohl der letzte Gast und bestelle Takoyaki.

Dann wird es Zeit, an den Rückweg zu denken. Ich nehme mir ein Taxi zurück zum Bahnhof und dann den Zug nach Nagoya. Wow. Ich war endlich beim Ukai.

Der Weg zurück zum Hotel unterbreche ich wieder am Daruma.