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Rediscovering Gifu

Für heute habe ich ein Ticket, um das Ukai zu besuchen. Ukai ist das traditionelle Fischen mit Kormoranen. Es hat über 20 Jahre gebraucht bis ich es endlich besuche.

Ein zweiter Besuch vor Gifu gilt der Burg in Kiyosu. Ich habe vor Ewigkeiten mal was in Japan bestellt und der eBay-Kontakt hat ein Foto von der Burg beigelegt. Ich habe sie jedesmal gesehen, wenn ich mit dem Shinkansen an Nagoya vorbeigefahren bin. Jetzt endlich besichtige ich sie.

Bahnhof Nagoya: Wieso sieht das alles so unbekannt aus? Erst als ich in der Unterführung zu den Bahnsteigen bin stellt sich ein wenig, wenn auch nicht viel, Vertrautheit ein. Ich steige in den Local nach Gifu. Wir fahren an der Burg vorbei. Anhalten. Arghh. Das muss ich gleich alles laufen.

Kiyosu: Ich gehe hoch zur Hautpstraße und dann in Fahrtrichtung zurück. Viel ist hier nicht los. Etliche Häuser sind in einem schlechten Zustand. Einzelne Grundstück sind vakant. Am Family Mart nehme ich Proviant auf. Dann nehme ich die Fußgängerbrücke über der Hauptstraße und unterhalb des Expressway. Japans Straßennetz ist mal wieder 3D. Ich sehe die Burg. Auf der anderen Straßenseite gehe ich zurück zu den Bahngleisen. Hier gibt es einen Wanderweg der zu der Brücke führt, die ich von der Postkarte kenne.

Die Burg ist klein aber mit der roten Brücke ein tolles Fotomotiv. Innen wurde alles originalgetreu und aus Holz rekonstruiert. Der Besuch hat sich schon jetzt gelohnt. Von der Aussichtplattform sieht man die Shinkansenstrecke und die Normalstrecke. Von hier gelinden wir defintiv Fotos von einem gazen 400 m langen Shinkansen.

Zurück gehe ich direkt an den Gleisen entlang. Das spart locker einen Kilometer. Ich bin hier alleine unterwegs. Nach Osaka eine echte Entspanung. Am Bahnhof heißt es warten. Hier halten nur die Local. Rapids und Express fahren durch. Das gibt mir die Chance eine Menge Güterzüge zu sehen.

In Gifu angekommen nehme ich einen, hoffentlich den richtigen, Bus. Ich arbeite jetzt aus dem Gedächtnis: Wenn der Bus rechts abbiegt muss ich raus. Läuft. Im Zickzack geht es durch das Wohngebiet zum Shobo-ji. Es ist ein kleiner, unscheinbarer und etwas in Jahre gekommener Tempel. Hier steht der große Buddha von Gifu. Ich weiß nicht, warum Gifu bei japan-guide nicht gelistet ist. Der Buddha ist einen Besuch wert.

Nur ein paar Meter entfernt ist der Gifu-Park. Neben den Ruinen der Residenz von Oda Nobunaga geht die Seilbahn rauf zur Burg. Im Hang steht noch eine 3-stöckige Pagode. Das nächste lohnende Fotomotiv.

Oben angekommen biege ich sofort rechts ab zum Squirrel-Village. Ja es sind die grauen, fetten Eichhörnchen und ja es ist eine Touristenfalle, aber ich war hier.

Und nun beginnt der Aufstieg zur Burg von Gifu. Wegen Baustelle muss ich einen Umweg laufen. Ich komme an einer kleinen Brücke vorbei, die Teil der alten Verteidungsanlage ist. Sie wurde einfach zerstört, um den Feind den Zugang zu versperren. Links und rechts geht es steil bergab. Keine Chance.

Die Burg ist klein, fein und hat wegen ihrer Position hoch auf dem Berg einen super Blick über Gifu. Am Horizont kann man die Skyline von Nagoya erahnen.

Da wird es laut. Mehrere Flugzeuge der Air Force fliegen in Formation über uns vorbei. Mir gelingen ein paar Schnappschüsse. Und dann geht es auch schon wieder runter ins Tal.

Ich gehe mit ein paar ungewollten Umwegen runter zum Nagara-River, wo die Boote für das Ukai sein sollen. Ich finde einen Schalter, der zu dem Logo auf meinem Papierticket passt. Ja, ich bin hier richtig und soll etwa 30 Minuten vor Abfahrt da sein. Passt.

Ich gehe durch Kawaramachi. Das ist die Straße mit den alten Häusern, die ich zwei nicht gefunden habe. Kein Kommentar. Hinter den kleinen Kanal ist wieder das Wohngebiet mit dem Shobo-ji. Ich gehe weiter.

Mein Ziel ist Zenko-ji und der bergauf gelegene Inaba Shrine. Beides sind sehr schöne Fotomotive. Ich weiß immer noch nicht, warum Gifu nicht bei japan-guide.com gelistet ist. Im Schrein gibt es sogar eine Bogenbrücke, die nur für die Götter bestimmt ist. Eine Portion Moos und etwas Verwitterung geben dem ganzen das richtige Ambiente.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich den Rückweg zum Fluss antreten sollte. Ich habe das mimimale Pflichtprogramm trotz Stopp in Kiyosu geschafft. Perfekt.

Ich komme mit Zeitreserve für ein Bier am Anleger an. Wir steigen ein. Unser Boot ist nicht voll besetzt. Das gibt mehr Platz für Fotoaktionen. Wir leben ab. Ohne Motor, nur mit einem langen Stab, fahren wir zum Beobachtungspunkt. Der Fluss ist sehr flach. Helfer schieben uns auf eine Untiefe. Das Boot hat quasi im Fluss angelegt. Jetzt warten wir. Und warten.

Dann geht es los. Zuerst kommt ein Ponton mit Tänzern. Das Rahmenprogramm beginnt. Dann kommen die Fischerboote. An einem langen Stab hängt ein Korb mit Brennholz. Das Licht soll die Fische anlocken. An der Spitze steht ein Fischer der etwa 10 bis 15 Leinen hält. An jeder Leine ist ein Kormoran. Seine Aufgabe ist es, die Fische zu fangen und abzuliefern.

Die Boote fahren auf und ab. Ich hoffe in dieser Dunkelheit werden zumindest ein paar Fotos etwas. Zum Abschluss fahren die Fischerboote zwischen die Beobachterboote. Wir werden in den Rauch der Feuerkörbe gehüllt. Die Kormorane schlagen uns das Wasser ins Gesicht. Dichter ran geht nur, wenn man ins Wass er fällt.

Das war das Finale. Wir fahren zurück. Es hat sich gelohnt. Jetzt wo wieder Toiletten greifbar sind, ist Zeit für Abendessen und einen großen Highball am Foodtruck, der hier steht. Ich bin wohl der letzte Gast und bestelle Takoyaki.

Dann wird es Zeit, an den Rückweg zu denken. Ich nehme mir ein Taxi zurück zum Bahnhof und dann den Zug nach Nagoya. Wow. Ich war endlich beim Ukai.

Der Weg zurück zum Hotel unterbreche ich wieder am Daruma.