Archiv der Kategorie: 10 .. Rediscovering Japan

Rediscovering Rückflug

Heute ist dann auch mein Teil dieser Japanreise vorbei. Ich habe den Zug um 7:18 gewählt. Damit sollte ich sicher 3 Stunden vor Abflug am Flughafen sein. Und wenn ich mich bei checkout verspäte fahren zwei weitere Züge mit nur wenige Minuten Abstand.

Nun mit zwei Koffern und Handgepäck unterwegs geht es die 4 Rolltreppen hinauf zum Hintereingang des Bahnhofes. Zwei Koffer sind auf keinen Fall optimal. Das wird bestimmt nicht zum Standard.

Der Zug kommt pünktlich ist aber sehr voll. Für ein paar Minuten wird es gehen. Am Flughafen werde ich mit den anderen Fahrgästen förmlich auf den Bahnsteig gespült. Auf dem Weg zu den Rolltreppen verliere ich auch gleich meine Jacke. Ich hatte sie auf einen der Koffer gelegt. Zum Glück geht in Japan nichts verloren.

Ich arbeite mich hoch zu den Check-in-Schaltern. Diese Schieß-Selfservice-Terminals gehen mir auf den Sack. Das ist reine Schikane. Check-In selbst geht aber schnell, ebenso Security; kein Vergleich zu 2018, als ich in die Golden Week geraten bin und fast zwei Stunden für Check-In und Security benötigt hatte.

Ich habe fast anderthalb Stunden bis zum Boarding. Genug Zeit … um mir einen neuen Boarding Pass zu besorgen. Meinen habe ich irgendwo im Securitybereich verloren. Das ist das erste Mal, dass mir das passiert. Aber dies ist Japan und so mache ich mir nicht allzugroße Sorgen. Und in der Tat bekomme ich problemlos ein neues Ticket.

Ab jetzt wird es langweilig. Warten. Bier trinken. Warten. Dann Boarding. Der Rückflug ist auf 14 Stunden 10 Minuten gesetzt. 3 Stunden mehr als früher. Fuck You Russland.

Wir heben ab. Das Kinoprogramm ist mittelmäßig. Warum fliegen wir nach Norden? Geht es doch über Russland? Natürlich nicht. Wir steuern auf Alaska zu. Die Datumsgrenze ist auf dem Bildschrim eingezeichnet. Werden wir sie kreuzen?

Rein theoretisch war ich Toni (Pacific Time) die ganze Zeit 16 Stunden[efn-note]Californien ist in Zeitzone Uniform (-8 hat aber Sommerzeit); Japan ist Zeitzone India (+9 Stunden)[/efn_note] voraus. Jetzt sind es 19 Stunden. Und dann passieren wir die Grenze. Für eine kurze Zeit bin ich eine Stunde hinter Toni. Oberhalb von Alaska werden es dann sogar 3 Stunden.

Wir fliegen tatsächlich über die Arktis. Nicht direkt ober den Nordpol, aber immerhin. Das ergibt keinenSinn. Die Erde rotiert gegen den Uhrzeigersinn. Frankfurt rennt quasi vor uns weg. Dennoch scheint es sinnvoller zu sein, anstatt die Route vom Hinweg zu nehmen.

Binnen der nächsten etwa 6 Stunden werden wir durch 12 Zeitzonen fliegen. Leider sind uns dichte Wolken. Das Packeis des Pols ist nicht zu sehen. Über Grönland kann ich schnelles Foto vom Artikeis machen.

Der Rest vom Flug und die Landung (17:40 Uhr Ortszeit) sind langweilig. Spannend wird es noch mal beim Zoll. Wegen Bombenalarm sind alle Ausgänge abgeriegelt. Keiner weiß, wann es weitergeht.

Ich bin relativ entspannt. Ich hatte weit über 2 Stunden zwischen Landung und Zugabfahrt eingeplant. Selbst nachdem die Gefahr beseitigt ist und ich die Zollformularitäten für 11 Flaschen Whisky und Sake erledigt habe, bleibt genug Reservezeit. Und natürlich hat der ICE Verspätung. Japp. Ich bin zurück in Deutschland.

Die Zugfahrt erfolgt wieder im Speisewagen. Wie schon bei der Hinfahrt ist es kurz vor Feierabend. Ich habe meine Ruhe, Bier und eine Currywurst. Mit einer Taxifahrt nach Hause endet diese 10. Reise. Es ist spät. Ich bin müde. Und morgen früh muss ich bereits wieder zu Arbeit. Der Jetlag wird ein Spaß werden, aber das ist es mir Wert.

Rediscovering Narita and Sawara

Das ist er, der letzte volle Tag in Japan. Auf dem Programm stehen Sawara und ein Teil von Narita. Ich bin zeitig wach. Mit den Rolltreppen geht es rauf zum Bahnhof. „Let’s Escalate“. Mit dem erstbesten  Zug geht es nach Sawara. Diese kleine Stadt mit den alten Häusern am Kanal hat was. Oh ja. Das ist dann der dritte Ort in dieser Reise, der ein zweiter Besuch ist.

Die Zugfahrt ist länger als ich sie erinnere. Endlich in Sawara gehe ich direkt los. Dieses Mal weiß ich, wohin ich muss: Raus aus dem Bahnhof, links, rechts, links. Shimobori- dori.  Ich hoffe den Schnapsladen gibt es noch.

Text

Text

Text

Text

(Not) Rediscovering Kakegawa

Heute geht es nach Narita; das letzte Hotel vor dem Rückflug. Mit dieser letzten Shinkansenfahrt beginnt die letzte Szene dieser 10. Reise. Ich werde unterwegs in Kakegawa (dort war ich noch nie) und in Tokyo (Whisky und nen zweiten Koffer kaufen) anhalten.

Es regnet. Kein Schiff. Und ein Koffer in der Hand. Zum Glück ist es nicht weit zum Bahnhof. Kakegawa wird nur durch den Milchkannen-Shinkansen Kodama bedient. Egal. Es ist nicht weit (131 km) und ich habe es nicht eilig.

Am Bahnhof Kakegawa dauert es etwas, bis ich den Abstellort für meine Koffer finde. Dann geht es von Regen begleitet zur Burg. Hier ist nicht viel los. Ich glaube nicht, dass es viele ausländische Touristen hierher verschlägt.

Die überdachte Einkaufsstraße zeigt das aktuelle Problem Japans. Die kleinen Orte sterben weg. Die Hälfte der Geschäfte sind deutlich dauerhaft geschlossen. Die Farbe blättert und alles wirkt alt und verfallen. Abwanderung und Überalterung sind hier sichtbar. Aber, auf einem Grundstück stehen etwa 20 kleine 20-Fuß-Container. In jedem ist eine andere Kneipe. Das hat ein wenig was von Golden-Gai.

Ich gehe durch das Ote-mon der Burg, das abseits der direkten Verbindung Bahnhof-Burg steht. Hinter der Burg ist der Sakasa River. Ich folge ihm zum Eingang der Burg, zahle den Eintritt und gehe dann die Treppen hoch zum Hauptgebäude. Von hier oben kann man den Shinkansen in voller Länge sehen.

Im Anschluss besichtige ich den zugehörigen Ninomaru Palace. Und ja, der Stopp hat sich gelohnt. Der Rückweg hat Zeit für eine Schüssel Ramen. Dann hole ich die Koffer und warte auf meinen Shinkansen. Dieses Mal sitze ich im Green Car (1. Klasse). Es waren nur ein paar Euro mehr- Die meinsten Touris haben nur den normalen Japan Rail Pass. Und dieses letzte Fahrt in 2025 soll dann doch was Spezielles sein.

Und wieder habe ich nicht berücksichtigt, dass die Tokaidostrecke in Tokyo endet und nicht in Ueno, wo mein Kofferdepot ist. Hmm. Ich will auch nicht Zickzack fahren. Also geht es mit Koffer zum Whiskyladen im Yeasu-Underground und mit zwei zusätzlichen Whiskyflaschen weiter nach Ueno.

Ohne Gepäck ist jetzt Zeit für Ameyocho. Das Wetter? Immer wieder Regenschauer. Aber das soll mich nicht stören. Ich suche weitere Whisky, einen Koffer für den Rücktransport und Verpackungsmaterial.

Bei dem ganzen hin und her passiert es wirklich, dass ich kurz die Orientierung verliere. Egal. Hie ist ein Yokitori-Restaurant. Zeit für ein vorgezogenes Abendessen. Die Dämmerung setzt ein. Ah, ich bin in Ueno 1-chome. Dann habe ich vorhin eine Rechtskurve nicht mitgezählt.

Für den Keisei-Liner habe ich kein Ticket vorgebucht. Ich habe also kein Stress. Meine Koffer sind bis 22  Uhr sicher. Das Izakaya, das vor drei Wochen keinen Sitzplatz für mich und meinen Bruder hatte macht in etwa 15 Minuten auf. Das gibt mir Zeit für ein paar Fotos von der Gegend, bei denen ich mit der HDR-Funktion der Kamera spielen kann.

Im Izakaya bestelle ich einen „Suntory Old“. Es ist ein Klassiker, den ich noch in meine Sammlung aufnehmen muss. Auf der Karte steht auch ein Sake und gedörrter Ingwer. Der Geschmack ist mir etwas zu intensiv. Es war ein Versuch . Immerhin, der Sake schmeckt.

ich könnte noch stundenlang von Izakaya zu Izakaya ziehen. Ich will Tokyo nicht verlassen. Aber das Hotel ist nunmal in Narita. Ich hole die Koffer ab und begebe mich zum Keisei-Bahnhof. Tradition ist Tradition.

Ich habe allerdings vergessen, wie lange die Fahrt mit dem regulären Zug dauert. Es ist ein Rapid, aber irgendwie sammelt er trotzdem jede Milchkanne ein. Es zieht sicht. Es hilft nicht, dass die Stationen nummeriert sind. Es sagt einem nur, wie weit es noch ist. Narita hat Nummer 40. Ueno war 1. Und wir sind erst bei 28.

Als wir endlich in Narita ankommen will ich nur noch ins Bett. Noch einmal Konzentration. Es gab hier irgendwo einen Hinterausgang, der mich direkt bei meinem Hotel ausspuckt. Da ist er. Mit mehreren Rolltreppen geht es bergab. „Let’s Escalate“. Das Richmond vom letzten Mal ist auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber.

Die Hotelbar hat schon geschlossen. Gut. Dann habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich das Bett priorisiere. Der Check-in ist etwas nervig. Ein Self-Service-Terminal. ich mag sowas nicht. Aber das ist nunmal ein Businesshotel.

Kurz nach Mitternacht wache ich auf. Jemand versucht das Bett unter mir zu verschieben. Ein Erbeben der Stärke 6 in Fukushima lässt auch hier alles wackeln. Es waren horizontale Bewegungen, als hätte jemand die Erdplatte verschoben.  Hoffentlich war das Alles.

Rediscovering Ise

Für heute steht Ise auf dem Plan. Ich nenne es oft den Vatikan des Shinto. Hier steht der Isu Jingu, der Hauptschrein des Shintoismus. Und ich will heute endlich, nach 2004, wieder nach Meoto-Iwa. Das sind die beiden Felsen im Wasser mit dem Seil. Es ist eines der ikonischen Bilder aus Japan.

Wie schon gestern geht es ohne Frühstück aber mit Proviant für die Zugfahrt zum Bahnsteig. Ich schnappe mir den erstbesten Rapid nach Ise. Von dort sind es noch zwei Stationen.

Und in die Reise dorthin haben die Götter zwei Hindernisse gestellt.  In Ise funktioniert die IC-Karte nicht. Ich muss zu Schaffner, dort bezahlen und die Suica wieder freischalten, sonst ist das Ding gesperrt. Zum Glück habe ich Bargeld dabei, da ich mir sichern bin, dass ausländische Kreditkarten akzeptiert werden. Das zweite Hindernis ist etwas einfacher. Der Zug wird in Ise geteilt. Nur der vordere Teil fährt nach Toba und damit nach Meoto-Iwa. Das muss man wissen, oder Japanisch (Ansage im Zug) können.

Ich steige in Futamino-Ura aus, fotografiere sofort den Fahrplan. Hier fahren nicht viele Züge. Man muss die Zeit im Auge behalten. Mit Proviant vom Lawson geht es los. Ich wähle einen kleine Umweg als Alternative zum langweiligen Highway 42.

Direkt am Wasser ist ein kleiner Park, den hebe ich mir für den Rückweg aufhebe. Die Straße ist gesäumt von älteren Häusern, die fast alle eine Renovierung benötigen. Die letzen 500m bis zum Schrein, der heißt übrigens Futami Okitama Jinja, sind schön gepflastert. Der kleine Umweg hat sich gelohnt.

Der Eingang zum Schrein ist zwischen Wasser und Berg. Jetzt setzen die Erinnerungen von 2004 ein. Klar, wir haben vermutlich hier vorne geparkt. In einer Rechtskurve kommt die Felsen Meoto-Iwa in den Blick

Die Felsen sind klein. Und sie stehen so dicht am Ufer, dass es bei Ebbe eine Landverbindung gibt. Beides sieht man auf den Fotos natürlich nicht. Ich besorge mir einen Eintrag ins Goshuin, Souvenirs und Fotos.

Das war es auch schon. Mehr hat Futamicho nicht zu bieten. Es geht zurück zum Bahnhof. Ein Blick auf die Uhr verrät: Laufen oder den Zug in einer halben Stunden. Ich entscheide mich gegen Stress und bin halt etwas später in Ise; pünktlich zu einem kleinen Regenschauer.

Durch die Gegu-Sando-Dori geht es zum äußeren Schrein, dem Geku (voller Name: Toyouke Daijingu). Ich überlege gerade. Es müsste mein vierten Besuch sein. Der Baustil heißt Yuitsu Shinmei-zukuri, der nur für die beiden Schreine hier in Ise verwendet wird.

Ich muss den Versuch wiederstehen hier schnell durchzuhasten, damit ich zu Fuß zum Inneren Schrein laufen kann (etwa 3 km), denn das steht immer noch auf meiner To-Do-Liste. Nein, kein Stress. Außerdem fängt es schon wieder an zu nieseln. Also besuche ich das Sengaku-Museum.

Der Bus bringt mich direkt vom Eingang des Geku zum Eingang des Naiku. Praktisch, aber voller Touristen. Ich durschreite das Torii und gehe über die heilige Brücke Uji-bashi.

Ich klapper alle wichtigen Stationen ab und mache Fotos, wo es erlaubt ist. Zwischen mir und dem innersten Heiligtum sind insgesamt sechs Zäune (sieht man sehr gut auf google-maps). Den innersten dürfen nicht einmal die höchsten Priester durchschreiten. Das darf nur der Kaiser, da er der direkt Nachfähre der Sönnengöttin Amaterasu ist.

Es ist fast 17 Uhr, als ich das Schreinareal wieder verlassen will. Zum Glück bekomme ich noch einen Goshuin-Eintrag. Ich eile zum „Ise Highway“. Es ist die alte Straße, die zum Schrein führt. Hier stehen dutzende alte Häuser und alle sind für die Pilger (Touristen) da. Izakaya, Restaurants, Souvenirshops.

Die Wolken über mir (sieht man auf den Fotos nicht) verheißen nichts Gutes. Und in der Tat fängt es an zu Regnen. Und so wie es aussieht wird es dieses Mal nicht so schnell aufhören. Als Souvenir shoppe ich schnell zwei Flaschen Sake.

Ich gehe bis zur Okage Yokocho. Hier sind kam noch Leute. Die ersten Geschäfte schließen. Ich entscheide mich für ein Sushi-Restaurant, das auch Niku-Sushi und guten Sake im Angebot hat.

So langsam muss ich an den Rückweg denken. Die Dämmerung ist in Gange und der Regen auch. Auf dem Ise-Highway finde ich noch eine Craft-Beer-Brauerei, die noch nicht geschlossen hat; Ise Kadoya Beer. Ich verstehe das als Zeichen für ein Abschlussbier. Die haben echt gute Sorten. Es wird das Hazy IPA.

Mit dem Bus geht es zurück zum Bahnhof. Hoffentlich steige ich nicht falsch oder zu spät aus. Jetzt im Dunklen ist meine Orientierung nicht die Beste. Aber es geht. Jetzt habe ich die Wahl: Japan Rail oder Kintetsu. ich vermute es ist wie ander Supermarktkasse: man wählt die Falsche. Ich entscheide mich für Kintetsu. Mal, was anderes.1

Der Kintetsu-Bahnhof ist etwas südlich der JR-Bahnhof. Beide sind aber miteinander verbunden, sodass ich erneut einen Weg hinauf in den JR Tower suche. Ich hasse dieses Gebäude und seine verschachtelten Fahrstühle.

Oben angekommen nehme ich wieder am Fenster platz. Ich bestelle Spaghetti mit Shrimps. Sehr westlich, aber darauf habe ich gerade Appetit.

Und ja, der Weg zurück ins Hotel stoppt am Daruma. Ja, ich hatte gerade Abendessen, aber platz für Yakitori und einen Highball ist immer da. Außerdem ist es der letzte Abend. Morgen geht es zurück nach Tokyo bzw. Narita. Gefühlt ist hier und jetzt der Japanurlaub zu Ende.