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Rediscovering Ise

Für heute steht Ise auf dem Plan. Ich nenne es oft den Vatikan des Shinto. Hier steht der Isu Jingu, der Hauptschrein des Shintoismus. Und ich will heute endlich, nach 2004, wieder nach Meoto-Iwa. Das sind die beiden Felsen im Wasser mit dem Seil. Es ist eines der ikonischen Bilder aus Japan.

Wie schon gestern geht es ohne Frühstück aber mit Proviant für die Zugfahrt zum Bahnsteig. Ich schnappe mir den erstbesten Rapid nach Ise. Von dort sind es noch zwei Stationen.

Und in die Reise dorthin haben die Götter zwei Hindernisse gestellt.  In Ise funktioniert die IC-Karte nicht. Ich muss zu Schaffner, dort bezahlen und die Suica wieder freischalten, sonst ist das Ding gesperrt. Zum Glück habe ich Bargeld dabei, da ich mir sichern bin, dass ausländische Kreditkarten akzeptiert werden. Das zweite Hindernis ist etwas einfacher. Der Zug wird in Ise geteilt. Nur der vordere Teil fährt nach Toba und damit nach Meoto-Iwa. Das muss man wissen, oder Japanisch (Ansage im Zug) können.

Ich steige in Futamino-Ura aus, fotografiere sofort den Fahrplan. Hier fahren nicht viele Züge. Man muss die Zeit im Auge behalten. Mit Proviant vom Lawson geht es los. Ich wähle einen kleine Umweg als Alternative zum langweiligen Highway 42.

Direkt am Wasser ist ein kleiner Park, den hebe ich mir für den Rückweg aufhebe. Die Straße ist gesäumt von älteren Häusern, die fast alle eine Renovierung benötigen. Die letzen 500m bis zum Schrein, der heißt übrigens Futami Okitama Jinja, sind schön gepflastert. Der kleine Umweg hat sich gelohnt.

Der Eingang zum Schrein ist zwischen Wasser und Berg. Jetzt setzen die Erinnerungen von 2004 ein. Klar, wir haben vermutlich hier vorne geparkt. In einer Rechtskurve kommt die Felsen Meoto-Iwa in den Blick

Die Felsen sind klein. Und sie stehen so dicht am Ufer, dass es bei Ebbe eine Landverbindung gibt. Beides sieht man auf den Fotos natürlich nicht. Ich besorge mir einen Eintrag ins Goshuin, Souvenirs und Fotos.

Das war es auch schon. Mehr hat Futamicho nicht zu bieten. Es geht zurück zum Bahnhof. Ein Blick auf die Uhr verrät: Laufen oder den Zug in einer halben Stunden. Ich entscheide mich gegen Stress und bin halt etwas später in Ise; pünktlich zu einem kleinen Regenschauer.

Durch die Gegu-Sando-Dori geht es zum äußeren Schrein, dem Geku (voller Name: Toyouke Daijingu). Ich überlege gerade. Es müsste mein vierten Besuch sein. Der Baustil heißt Yuitsu Shinmei-zukuri, der nur für die beiden Schreine hier in Ise verwendet wird.

Ich muss den Versuch wiederstehen hier schnell durchzuhasten, damit ich zu Fuß zum Inneren Schrein laufen kann (etwa 3 km), denn das steht immer noch auf meiner To-Do-Liste. Nein, kein Stress. Außerdem fängt es schon wieder an zu nieseln. Also besuche ich das Sengaku-Museum.

Der Bus bringt mich direkt vom Eingang des Geku zum Eingang des Naiku. Praktisch, aber voller Touristen. Ich durschreite das Torii und gehe über die heilige Brücke Uji-bashi.

Ich klapper alle wichtigen Stationen ab und mache Fotos, wo es erlaubt ist. Zwischen mir und dem innersten Heiligtum sind insgesamt sechs Zäune (sieht man sehr gut auf google-maps). Den innersten dürfen nicht einmal die höchsten Priester durchschreiten. Das darf nur der Kaiser, da er der direkt Nachfähre der Sönnengöttin Amaterasu ist.

Es ist fast 17 Uhr, als ich das Schreinareal wieder verlassen will. Zum Glück bekomme ich noch einen Goshuin-Eintrag. Ich eile zum „Ise Highway“. Es ist die alte Straße, die zum Schrein führt. Hier stehen dutzende alte Häuser und alle sind für die Pilger (Touristen) da. Izakaya, Restaurants, Souvenirshops.

Die Wolken über mir (sieht man auf den Fotos nicht) verheißen nichts Gutes. Und in der Tat fängt es an zu Regnen. Und so wie es aussieht wird es dieses Mal nicht so schnell aufhören. Als Souvenir shoppe ich schnell zwei Flaschen Sake.

Ich gehe bis zur Okage Yokocho. Hier sind kam noch Leute. Die ersten Geschäfte schließen. Ich entscheide mich für ein Sushi-Restaurant, das auch Niku-Sushi und guten Sake im Angebot hat.

So langsam muss ich an den Rückweg denken. Die Dämmerung ist in Gange und der Regen auch. Auf dem Ise-Highway finde ich noch eine Craft-Beer-Brauerei, die noch nicht geschlossen hat; Ise Kadoya Beer. Ich verstehe das als Zeichen für ein Abschlussbier. Die haben echt gute Sorten. Es wird das Hazy IPA.

Mit dem Bus geht es zurück zum Bahnhof. Hoffentlich steige ich nicht falsch oder zu spät aus. Jetzt im Dunklen ist meine Orientierung nicht die Beste. Aber es geht. Jetzt habe ich die Wahl: Japan Rail oder Kintetsu. ich vermute es ist wie ander Supermarktkasse: man wählt die Falsche. Ich entscheide mich für Kintetsu. Mal, was anderes.1

Der Kintetsu-Bahnhof ist etwas südlich der JR-Bahnhof. Beide sind aber miteinander verbunden, sodass ich erneut einen Weg hinauf in den JR Tower suche. Ich hasse dieses Gebäude und seine verschachtelten Fahrstühle.

Oben angekommen nehme ich wieder am Fenster platz. Ich bestelle Spaghetti mit Shrimps. Sehr westlich, aber darauf habe ich gerade Appetit.

Und ja, der Weg zurück ins Hotel stoppt am Daruma. Ja, ich hatte gerade Abendessen, aber platz für Yakitori und einen Highball ist immer da. Außerdem ist es der letzte Abend. Morgen geht es zurück nach Tokyo bzw. Narita. Gefühlt ist hier und jetzt der Japanurlaub zu Ende.

Ise / Meoto-Iwa

Es regnet. Es ist der 3. Regentag in Japan. Das macht bisher 1 Tag pro Woche. Ziemlich gute Statistik. Und an einem der beiden Regentage war mit Nara sogar ein volles Programm absolviert worden. Welche Entscheidung ist für heute die richtige? Ein weiterer Tag in Kyoto oder auf Ise? Eigentlich ist es keine Wahl. Ise. Auch in der Hoffnung, daß während der Zugfahrt der Regen aufhört.

Die Fahrt wird dauern. Ich muß erst mit dem Shinkansen nach Nagoya und dort umsteigen in eine Bummelbahn. Trotzdem wird die Fahrzeit kürzer sein, als von Oosaka aus. Wenn man mal außer Acht läßt, daß der Shinkansen gerade abfährt und ich 30Minuten warten muß. Dafür habe ich dann sofort Anschlaßin Nagoya. Ich bin um 12:15 am Bahnhof Ise. Es regnet immer noch.

Der Geku, der äußere Schrein, ist knapp 900m entfernt. Die Strecke laufe ich. Der Weg dorthin ist recht einfach. Einzig auffällig sind die großen modernen Steinlaternen auf dem Fußweg. Gleich am Eingang steht ein eine rote Bühne mitten in einem Teich. Dies ist auch der Beginn eines Waldes. Der Schrein steht inmitten des Waldes. Die Bäume sind echt groß; kerzengerade und groß. Die wichtigen Gebäude sind von einem Zaun umgeben. Ab dem Zaun ist das Fotografieren verboten.

Einmalig ist jedoch, daß es nebem dem Schreingebäude eine leere Fläche gibt. Sie hat die gleiche Fläche wie das Gebäude. Man sieht sogar den Grundriß. Die Kieselsteine sind zweifarbig. Alle 20 Jahre wird ein neues Gebäude auf der leeren Fläche gebaut und das alte dann abgerissen. Es ist ein Symbol, daß nichts für die Ewigkeit ist. Sehr philosophisch; und praktisch. Alle 20 Jahre müßte man die Holzbauten eh renovieren.

Auch die langen Giebelbalken mit den goldenen Ende fallen auf. Auch die goldenen Tragbalken sind einzigartig. Nach Handbuch liegt es daran, daß es kaum chinesischen Einfluß in der Architektur gibt. Stimmt. Dieses ganze Verspielte – ich sage nur Chinarestaurant – fehlt.

Bis zum Naiku sind es 6km. Es gibt einen Pilgerweg. Laufen oder den Bus nehmen? Genug Zeit wäre. Es hat zwar aufgehört zu regnen, das Wetter motiviert aber nicht wirklich. Durch Zufall komme ich mit einer Lehrerin aus Oosaka ins Gespräch. Sie empfiehlt den Bus. Na dann…

Am Naiku angekommen steht man vor einer Brücke über einen Fluß. Es hat wieder angefangen zu regnen. Auch dieser Schrein liegt im Wald. Zuerst geht es aber einen breiten Schotterweg entlang. Rechts eine Rassenfläche; im Hintergrund sieht man einen Berg. Die Spitze verschwindet im Regen. Wir treffen auf eine Japanerin in Begleitung eines Schweizers. Er arbeitet für das Team Sauber. Stimmt. Nächste Woche ist das Formel-1-Rennen in Suzuka. Das liegt unterhalb von Nagoya, also ganz in der Nähe. Zu viert geht es weiter zu den Schreingebäuden im Wald. Auch hier gibt es wieder die leere Fläche neben den Schreinbauten. Das zentrale Heiligtum ist von einem hohen Zaun umgeben. Der Durchgang ist durch einen Vorhang blickdicht gemacht. Neben dem Durchgang ein Wachhäuschen. Allein der Versuch die Kamera in Stellung zu bringen, ruft die Wächter auf den Plan. Gut, wenn man die Situation aus ein paar Metern bebachtet und andere in Falle treten läßt, bevor man es selbst probiert.

Das Team Sauber will weiter zu den vermählten Felsen. Keine Ahnung was das ist. Hab ich im Reisefüher überlesen. Soll aber im Shinto ein wichtiger Ort sein. Sie haben ein Auto. Das macht es einfach. Ich nutze die Chance. Ich frage mich zwar, warum ich die Tageskarte gekauft habe. Die Autofahrt an sich ist ereignislos. Witzig ist das Navi. Ein japanisches Navi klingt so komisch. Der Regen hört wieder auf.

Nach 15 Minuten Fahrt erreichen wir Meoto-Iwa, so der japanische Name. Die vermählten Felsen sind zwei Felsen, die mit einem Seil verbunden sind. Ehrlich gesagt, hatte ich was Größeres erwartet. Die Felsen sind klein. Es sind eher größere Steine. Viele Japaner fahren hierher, um zu sehen, wie die Sonne hinter den Felsen aufgeht. Warum, keine Ahnung. So ein Kracher kann der Anblick nicht sein. Sonnenaufgang auf dem Fuji, ok. Das kann ich verstehen. Hier? Für mich fällt es unter die Rubrik: Ich war hier.

Eisnchub: Vielleicht muß man Shintoist sein, um die Bedeutung von Meoto-iwa zu würdigen. Ise ist der höchste Schrein des Shinto. Er ist so etwas wie der Vatikan oder Mekka. Und um in diesem Vergleich zu bleiben: Der Kaaba kann ich auch nichts abgewinnen.

Das „Team Sauber“ bringt mich und die Lehrerin zurück nach Ise. Ich bekomme noch eine Einladung. Sollte ich zum Rennen in Suzuka sein, soll ich kurz anrufen. Jetzt fange ich wirklich an zu überlegen. Nächste Woche bin ich schon in Naruko, oder nach in Nagano? Ich muß das prüfen. Die Lehrerin will mit dem Kintestu fahren und so bleibe alleine am JR-Bahnhof zurück.

Der Zug ist gerade wieder weg. So bleibt Zeit, etwas zu essen. Nahe am Bahnhof gibt es eine kleine Garküche. Ich bestelle Udon. Lecker. Um 18 Uhr ist dann Abfahrt. Die Rückfahrt dauert aus irgendwelchen Gründen länger als geplant. Keine Ahnung wieso. Ich sitze erst um 20:34 im Shinkansen. Ein Stunde später erreiche ich Kyoto. Nach einer kleinen Runde durch die Shoppingstraße und einem Stop bei McD ist Feierabend. Nicht jedoch ohne zuvor noch einmal weiter Richtung Norden zu gehen. Hier ist ein Park. Ein dunkler Spot umgeben von der großen hell erleuchteten Stadt. Es ist aber nicht wie in Ueno. Irgendetwas fehlt. Nur was?

Randnotiz:

  • Fazit: Nicht viel gesehen, aber den Regentag genutzt und einen Punkt von meiner Liste abgehakt.
  • Formel 1 in Suzuka ist zwar nicht Teil des Plan, klingt aber spannend.
  • Das erst Kanji in Geku ist das gleiche wie in Gaijin (Ausländer). Gai-jin meint also“äußerer Mensch“ oder einfach Mensch von außen.