Heute folgt die zweite Runde Tokyo; inkl. Bootsfahrt mit Riverboat Mizuha und einem Besuch in der Science Bar INCUBATOR. Ja, heute ist wieder ein Tag zum angeben.
Die Hibiya-Line bringt uns direkt von Iriya nach Tsukiji. Auch wenn der Fischmarkt nicht mehr hier ist, muss ich meinem Bruder den Outer Market zeigen. Und wow. So viele Touristen. Und die Preise! Das ist echt eine Touristenfalle.
Das eigentlich Ziel ist der Hamarikyu-Teien, einer der Metroloplitan Japanese Garden. Er ist mein Favorit wegen dem schönen Kontrast von Tradition (Teehaus am Teich) und Moderne (Hochhäuser des Shiodome-Bezirk im Hintergrund). Der Park ist größer als ich ihn in Erinnerung habe. Zu meiner Verteidigung: Normalerweise reise ich mit Boot an.
Shiodome treibt mich dann wieder in den Wahnsinn. Ich finde den Eingang zur Oedo-Line. Nicht. Da es keine Fußgängerampeln gibt, muss man immer wieder die Treppen hoch in die zweite Ebene. Arghhh. Immerhin können wir ein paar Fotos von der Uhr im Miyazaki-Stil machen.
Die Oedo-Line bringt uns nach Akebanebashi. Von hier sind es nur ein paar hundert Meter zum Tokyo Tower und zum Zōjōji, dem zweiten großen Tempel in Tokyo. Leider ist Datsumon hinter einem Baugerüst versteckt.
Von hier aus geht es über ein paar Nebentraßen zur Kamiyachō-Station. Hier haben sich Stadtdesigner und Architekten ausgetobt. Ich muss das bei Gelegenheit mal googeln. Sieht cool aus. Mein Ziel ist der Atago-Schrein. Es ist ein kurzer Stopp, denn wir hängen mal wieder meinem Zeitplan hinterher.
Wir gehen zur Bahnstation Toranom-Hills Station (Das nahe gelegene Sake und Shochu-Center lasse ich aus). Die Hibiya-Line (ja genau diese) bringt uns nach Hibiya. Von hier ist es ein kleiner Fußmarsch zum Kaiserpalast mit der Njju-bashi.
An der Otemachi, die den Kaiserpalast mit dem Bahnhof verbindet, findet ein Festival statt. Aber ich glaube, ich habe eine besser Idee; später, nach der Bootsfahrt. der Bahnhof gibt mir Gelegenheit, etwas mit meinem Inselwissen anzugeben: wie der Bahnhof seit meiner ersten Reise 2004 angehoben und das Fundament getauscht wurde, wie das 3. Stockwerk seitdem ergänzt wurde, und dass ein Großteil der Dachziegel aus den Trümmern des Tsunami 2011 geborgen werden mussten. Die Hochhäuser im Hintergrund sind neu. Leider habe ich 2004 nie ein Foto gemacht. Damals war der Eingang alles, aber nicht hübsch; keine Flaniermeile sind ein Wirrwarr von Spuren und Haltepunkten für Taxen.
Wir nutzen den Yeasu-Underground, um auf die andere Seite zu kommen. Einen kurzen Abstecher zum Whiskyladen kann mich mir dann aber nicht verkneifen. Nur gucken. Gekauft wird auf dem Rückweg. Ein Umweg ist es nicht.
Wir erreichen Nihonbashi und haben Zeit für einen kleinen Abstecher zum Fukuto-Schrein, der jetzt zwischen den modernen Hochhäusern liegt. Wieder ergibt sich dieser krasse Kontrast von Tradition und Moderne. Ach ja, das Suigian ist auch hier. Aber das steht dieses Mal nicht auf meiner Liste; da war kein Platz mehr.
Zurück am Bootsanleger an der Nihonbashi werde ich schon aus der Ferne erkannt und herzlich empfangen. Mein Bruder bekommt kurz vom Mizuha-Team die Geschichte erzählt: kurz, ich bin ein gern gesehener Wiederholungstäter. Ach ja, hatte ich erwähnt, wie ich diese Bootsfahrt gebucht habe? Während der Planung war kein Termin im September verfügbar, also habe ich eine kurze eMail geschrieben. Die Antwort war „Natürlich erinnern wir uns ans sie. Wir haben zwei Termine online gestellt. Bitte buchen Sie den Termin, der ihnen besser passt.“
Wir fahren los. Nihonbashi-gawa, Sumida-gawa, Kanda-gawa und wieder Nihonbashi-gawa. Ich versuche von der jeder Brücke ein Foto zu machen. Und bevor ihr fragt, nein, mir fehlen ein paar Brücken. Ein paar hatte ich einfach vergessen, eine hatte ich übersehen und eine war bei meiner letzen Reise noch nicht gebaut, bzw. restauriert.
Die Bootsfahrt war entspannend und entschleunigend. Es wird Zeit für Chaos. Wir verlegen nach Shibuya. Ich werde zum ersten Mal die nahe Banhstation der Ginza-Line benutzen.
Unten erwartet uns ein Schreinfest. Mehrere Mikoshi werden direkt am Bahnhof vorbeigetragen. Für etwa 20 Minuten tauchen wir ins das Chaos ein. Dann geht es zur Statue von Hachiko und der berühmten Kreuzung. Ja, Touristenkitsch, aber es ist auch Pflichtprogramm. Und ja, auch ich erliege dieser Faszination.
Wir laufen die Center-Gai entlang. Mein Ziel ist das LOST, die Bar von Youtuber Chris Broad (Abroad in Japan). Wir fahren hinauf in 2F. Mein Bruder ist verwirrt. Hier gibt es keine Bar. Nur zwei Geschäfte und eine Gacha-Maschinen. Ich habe das Video geschaut. Man muss die Maschinen zur Seite schieben, dahinter ist der Eingang. Es ist wie eine Speakeasy-Bar.
Ich bestelle mit einen „Too much Vulcano“ und etwas Käse. Für letzteren hat Chris viel Werbung gemacht. Und ja, er ist gut, aber auch sehr, sehr kräftig. Nichts für Japaner.
Der letzte Stopp für heute ist die Science Bar INCUBATOR. Mein letzer Besuch ist 6 Jahre her und das hier ist Japan. Auf die Begrüßung war ich nicht vorbereitet. Mein Bruder betritt die Bar. Der Besitzer schaut hoch. Ein Ausländer, ok. Dann macht einen Schritt zur Seite und sieht mich. Ohne Vorwarnung springt er förmlich über den Tresen und umarmt mich mit den Worten „Welcome Back“. Wow. Wie reagiere? Das steht nicht im Japan-Knigge. Wie reagiere auf eine spontane Umarmung durch einen Japaner? Das war unerwartet.
Wir bestellen ein paar Drinks. Sake und Petroleumbrenner ist Pflicht. Ebenso der Schinken und der Drink DNA. Für diesen wird eine Erdbeere püriert. Unter anderem Zitrone(nsäure) und hochprozentiger Alkohol starten die Reaktion. Es bildet sich ein Geleeblob. Da sind die Proteine der Erdbeere oder: die DNA-Stränge der Erdbeere. Das ist Biochemie als Drink. Deshalb liebe ich diese Bar.
Der Rückweg zum Hotel führt über Akebonobashi und Iwamotocho. Die erste Station kenne ich vom letzten Mal; letztere ist neu für mich. Ich buche auch diesen Tag als Erfolg, zumal ich zwei Chancen hatte, anzugeben.




































