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Gaijin-Killer

ChuHai (チューハイ od. 酎ハイ) ist eine Abkürzung für Shochu Highball (焼酎ハイボール), dem in seiner Grundform eine Fruchtgeschmack ergänzt wird; klassisch ist Zitrone.

Shochu (焼酎) ist ein Destillat auf der Basis von Süßkartoffel (imo), Buchweizen (soba), Reis (kome), Gerste (mugi) oder Kastanie (kuri). Als Hefepilz wird Koji verwendet, der auch beim Sake zum Einsatz kommt. Der Geschmack hat daher Ähnlichkeiten zum Sake. Shochu ist aber mit 20-25% wesentlich stärker. Geschmacklich ist er mit Korn und Vodka vergleichbar (daher der Spitznamen „Japanese Vodka“) bekannt.

Highball ist eine Bezeichnung für Cocktails die aus einer Spirituose und Soda (Wasser mit Kohlensäure) bestehen. In Japan selbst meint Highball in der Regel den Whisky-Highball, welchen Suntory mit seinem Blended Whisky „Kakubin“ seit 1937 populär gemacht hat. (Im Sommer kann den echt empfehlen: Whisky+Mineralwasser im Verhältnis 1:10; wer keinen Kakubin hat, kann auch Ballentines nehmen.)

Seit Mitte der 2000er wird ChuHai immer populärer. Das liegt vor allem daran, dass es neben Zitrone nun u.a. auch die Geschmacksrichtungen Pfirsich, Melone, Weintraube, Birne, … gibt. Kurz: ChuHai ist der japanisiche Alkopop und … leider geil.

Aber was ist jetzt der Gaijin-Killer?

Gaijin ist die nicht ganz höfliche Bezeichnung für Ausländer. Killer muss ich wohl nicht erklären. Abwarten. Gleich schließt sich der Kreis … Es gibt die ChuHai meist mit 5-6% Alkohol. Daneben gibt es die STRONG-Serie (sowohl von Kirin als auch von Suntory). Diese Drinks haben satte 9%. Und das ist dann der Gaijin-Killer.

Mit einer Dosengrößen von 350ml oder 500ml sind diese Drinks sehr potent, denn sie haben eine Gemeinheit: Shochu ist von Haus aus sehr mild und der Alkoholgeschmack geht in diesen ChuHai komplett unter. Man kann selbst die STRONG-Version trinken wie Limonade. Wer dies tut, schafft schnell 3 Dosen in einer Stunde. Das ist dann aber das Äquivalent von mindestens einer Flasche Wein … und keine gute Idee.

Ausländer unterschätzen dieses Getränk regelmäßig, zum einen weil sie die 9% falsch einschätzen, zum anderen den Alkohol eben nicht herausschmecken und vor allem aber, weil sie den Japaner ein solches Getränk einfach nicht zutrauen. Diese Überheblichkeit wird Gaijins sehr oft zum Verhängnis.


Räumen wir da doch an dieser Stelle gleich mal mit dem Mythos auf, das Japaner nichts vertragen. Ja richtig, die meisten Japaner sind nach dem ersten großen Bier so durch den Wind wie wir nach einem Sixpack. Aber das heißt, nicht dass die Japaner nichts vertragen. Die halten ihren Zustand während der nächsten Biere. Wir haben da so eine Rampe, die Jürgen von der Lippe gut beschrieben hat, Japaner eher eine Flanke.


Die eine Dose auf dem obigen Bild ist eine -196°C Strong Zero.  Das Zero steht für zuckerfrei (wobei „zuckerfrei“ in Japan heißt, dass weniger als 0,5g/100ml enthalten sind). Strong ist die Starke 9%-Version. Und -196°C ist die Temperatur von flüssigem Stickstoff. Bei dieser Temperatur werden die Früchte schockgefroren und pulverisiert. Das Pulver wird dann in Shochu aufgelöst und fertig ist dieser ChuHai.

Vocaloids .. Wer braucht schon ein Band

Technisch gesehen ist ein Vocaloid ein Software-Synthesizer mit dem eine synthetische Stimme generiert wird. Und dann kam jemand auf die Idee einen Liedtext und eine Melodie einzuprogrammieren. Das Ergebnis? Nun ja, es gibt Vocaloids  die geben Konzerte mit mehreren tausenden Zuschauern.

Damit wir uns hier richtig verstehen: Fans zahlen Tickets für Konzerte eines Softwareprogramms !! Nur in Japan. Nur in Japan.

Ich muss allerdings gestehen: die Konzerte sind Fun. Der Beat ist treibend. Und damit die Bühne nicht leer ist, wird eine 3D-Animecharakter mit Projection Mapping auf die Bühne gezaubert. Die Band ist in der Regel live. Also kann man schon sagen, dass es ein Live-Konzert ist. Nur ist die Band weit im Hintergrund oder hinter den Kulissen versteckt.

Der … Die (?) bekannste Vocaloid ist Hatsune Miku, gefolgt vom Duo Rin und Len.

Habe ich ein solches Konzert schon besucht? Nein. Und der einzige Grund ist, dass nie eines stattfand, wenn ich Tokyo, Osaka oder sonstwo in Japan war. Es steht noch auf meiner Bucketliste.

Und ja, Harumi klingt sehr „anime“. Das ist aber zum Teil gewollt. Zum Teil liegt es daran, dass Hatsune ein älteres System ist. Das war noch nicht perfekt. Heute könnte man es besser machen, aber das wäre dann nicht Hatsune Miku. Und die Vocaloidtechnik hat sich geradezu erschreckend weiterentwickelt. Weiter unten ist ein Lied von Crusher-P. Da kann man nicht mehr so leicht sagen, es ist ein Computer … oder doch ein Mensch (mit Autotune).

Wie fing das Ganze an?

Wie solche Dinge halt anfangen: Yamaha stellte 1998 einen Sprachsynthesizer FS1R vor, der zwischen stimmhaften (‚a‘, ‚u‘) und stimmlosen (‚f‘, ’s‘) Lauten unterscheiden konnten. Das klingt jetzt nicht nach viel, aber 1998 war das ein Knaller (zur Erinnerung: Nokia dominierte den Handymarkt und Internet auf dem Telefon war noch nicht erfunden).

FS1R war damit in der Lage Gesang zu synthetisieren. 2004 wurden die Stimmen von zwei Soulsängern synthetisiert. Dazu musste jedoch zuerst eine Stimmdatenbank generiert werden, in der jeder Laut, jede Silbe hinterlegt war. Erfolgreich war das nicht. Anders war es mit der Stimmendatenbank von Meiko Haigo und Naoto Fuga. Als Meiko und Kaito fanden sie eine (wenn auch sehr kleine) Fanbasis in der Animeszene.

2007 erschein mit Vocaloid2 eine neue Version des Synthesizer. Am 31.08.2007 gab Miku Hatsune ihr Debut. 1000 verkaufte Alben in der ersten Woche und 30.000 im ersten halben Jahr sind kein Kracher, aber wir reden hier immer noch von einer Softwarestimme.

Am 27.12.2007 folgte eine leicht variierte Datenbank unter dem Namen Rin/Len Kagamine. Am 30.01.2029 folgte Luka Megurine. Jetzt alle weiteren Vocaloids aufzulisten, würde den Rahmen dieses kleinen Artikels sprengen. Festzuhalten ist: Es ist ein Markt. Es gibt Fans. Es gibt Konzerte, auch außerhalb von ComiCon.

Fun Fact: Die Stimme vom Roboter ASIMO ist ein Vocaloid.

Big Hero 6 .. wie Japanisch ist es

Big Hero 6 (in Deutschland: Baymax) kam 2016 in die Kinos. Die Geschichte spielt in der fiktiven Stadt San Fransokyo, nicht nur beim Namen eine Mischung aus San Francisco und Tokyo. Die Frage ist: Ist eine Mischung oder nur eine Atrappe?  Eine amerikanische Stadt mit pseudojapanischen Designelementen und Kauderwelsch-Schriftzeichen? … Ich will jetzt auch nicht jede Szene zu Tode analysieren. Schauen wir uns einfach ein paar Szenen an.

Schriftzüge

Die Schriftzüge sind kein Kauderwelsch. Gut. Hier im Screenshot kann man sehr gut Manjuu in Hiragana lesen. Manjuu ist Konfekt aus gestampften Reise mit einer Füllung aus rote-Bohnen-Paste. Lecker und so japanisch. Auch die anderen Beschriftungen sind in verständlichen Japanisch (oder Chinesisch). Das Torii hinter den Schriftzügen ist allerdings Asiadekokitsch. Aber so richtig böse kann ich dem Film nicht sein. Man findet so was auch in Japan.

(Unfreiwillige) Erinnerung an Akihabara

Diese Szene hat mich irgendwie an Akihabara erinnert. Das war sicherlich nicht im Sinne des Erfinders. Oder doch?

Tokyo ist für mich untrennbar mit Bahntrassen auf Viadukten verbunden. Dies mag auch daran liegen, dass mein Hotel in Yushima, unweit von Ueno liegt, wo die Yamanote bis hinunter nach Kanda auch einem Viadukt läuft. Zwischen Ueno und Kanda liegt Akihabara. Und die grüne Eisenbahnbrücke der Chuo-Sobu-Linie ist ein Wahrzeichen dieses Stadtteils.

Ich vermute, dass die grünen Geländer meine Gedanken gelenkt haben. Auffällig ist aber schon, dass die Brücke in Big Hero 6 wie das Proginal 4 Längsträger hat und es unter ihr einen Zebrastreifen gibt.

Die Straßen von San Francisco

Diese Szene ist natürliche Referenz auf San Francisco. Die Slopes (steile Straßen) und die Straßenbahn sind spätestens seit der Serie „Die Straßen von San Francisco“ allen bekannt. Durch die japanischen Elemente erinnert mich die Szene aber auch an Hakodate. Auch in dieser Stadt gibt es Slopes, westliche Holzhäuser und eine Straßenbahn. — Ein passendes Foto habe ich in meinem Archiv nicht gefunden. Ich wohl noch einmal nach Hakodate.

Automaten

Getränkenautomaten in allen Formen und Farben gehören einfach zum Stadtbild von Tokyo (und jeder anderen Stadt). In Big Hero 6 ist es ein Automat für Süßigkeiten und wenn ich jetzt angestrengt überlege, dann habe ich in Japan noch nie einen Automaten mit Süßigkeiten gesehen. Aber die Optik. Das nenne ich Wiedererkennungswert [Link]. Es gibt Automaten mit einem Manga-Maul an der Öffnung. Ich muss beim nächsten Japanbesuch ein Foto machen.

Funktürme

Beim Rundflug habe ich viel Freude an zwei Details gehabt. Das erste ist der Funkturm auf dem Gebäude. Das ist ein Doppeltreffer. Denn zum einen findet man riesige rot-weiße Funkttürme überall in Japan auf Gebäudedächern. Dagegen sind unsere Mobilfunk-Spargelstangen peinlich. Zum anderen ist dieser Funkturm im Film eindeutig eine Hommage an Tokyo Tower, der wiederum den Eiffelturm zum Vorbild hatte. (Funktürme in Eiffelturmoptik sind eine eigene Welt. Fast jede größere Stadt hat einen [Link])

Yatai und Ramen

Das zweite Detail war dieser Yatai auf der linken Seite, der Ramen verkauft (wie man auf dem Vorhang lesen kann). Yatai, diese kleinen mobilen Verkaufsstände, sind fast vollständig aus dem Stadtbild japanische Städte verschwunden. [Warum erkläre ich hier]. In Fukuoka findet man sich noch; und auch in Tokyo, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Die Leuchtreklame im Hintergrund gehört für mich eher in die Kategorie „wie lässt man eine Stadt asiatisch aussehen“. Dennoch. Die Leuchtreklame orientiert sich eindeutig an Kabikucho  und auch Ginza.

Windkraft

Windkraft als Energiequelle der Zukunft darf natürlich nicht fehlen. Technisch finde ich diesen Ansatz eine höchst spannend Alternative zu großen Masten. Beim Design findet sich ein wunderschöne Referenz auf Japan. Immer ab April sieht man überall in Japan die Koi-Nobori, japanische Windsäcke mit Karpfenmotiv, die zum Kinderfest am 5. Mai wehen [mehr dazu hier]. Diese in Windkraftanlagen zu verwandeln würde ich zu gerne in der Realität sehen.

Polizeiautos

Wenn man den rot-blauen Lichtbalken auf dem Dach mal dem amerikanischen Einfluss zuschreibt, dann ist der Rest von den Polizeiautos, angefangen von der schwarz-weißen Lackierung bis hin zu diesem hohen Dachaufbau, aber sowas von japanisch. Wow. Bis hierhin kann ich nicht über Big Hero 6 klagen.

Kabukimaske

Und zuletzt die Kabukimaske des Bösewichtes. Fumble! So kurz vor der TD-Line. Es wäre fast eine zu-Null-Sieg geworden.

Ich will gar darauf eingehen, dass es im Kabuki keine Masken gibt, sondern dickes Make-up (Kumadori genannt) verwendet wird. Eine Maske in diesem Kontext ist durchaus sinnvoll.

Mein Problem ist mit dem Layout, besser gesagt mit der Farbe. Die dicken farbigen Linien markieren Temperament. Soweit ok, aber die rote Farbe ist Helden und Göttern vorbehalten. Für Bösewichter und Charaktereigenschaften wie Wut und Rache, die hier eindeutig die Motivation sind, ist die Farbe blau vorgesehen. Die Maske geht aber eindeutig in Richtung „Mukimi“ (siehe Übersicht), die für Leidenschaft und Attraktivität steht. Äh, Nein.

Fazit

San Fransokyo ist eine gelungene Mischung aus San Francisco (USA) und Tokyo (Japan), mit auch Liebe zum Detail. Ich finde es durchaus gelungen, vom Fumble bei der Maske mal abgesehen. Man hat sich Mühe gegeben und nicht nur eine amerikanische Stadt futuristisch-asiatisch aussehen gelassen, indem man Leuchtreklame montiert und die Dächer einegeschwungene Form haben.

湯島天満宮 .. Yushima Tenmangu

Der Yushima Tenmangu ist ein Schrein, der unweit vom Hotel Edoya liegt. Für mich hat er eine besondere Bedeutung. Und dennoch: erst jetzt in 2021 komme ich dazu, ein paar Zeilen zu diesem Schrein zu schreiben … auf meiner Webseite. Den ersten Artikel zum Yushima Tenmangu im deutschen Wikipedia habe ich schon vor Jahren erstellt.

Die Historie

Der 湯島天満宮 (Yushima Tenmangu), der auch unter dem Namen 湯島天神 (Yushima Tenjin) und evtl. als 湯島神社 (Yushima Jinja) bekannt ist, liegt im Bezirk Bunkyo-ku in Tokyo; genauer gesagt im Stadtteil Yushima.

Der Legende nach wurde der Schrein im Jahr 458 zu Ehren der Gottheit Ame-no-tajikarao-no-mikoto gegründet. Seit de Jahr 1355 wird hier auch der Kami (Gottheit) Sugawara no Michizane verehrt.

1478 wurde die inzwischen verfallene Anlage von dem Feldherrn und Gründer Edos (heutiges Tokyo), Ōta Dōkan (1432–1486), erneuert. Auch die Tokugawa kümmerten sich um den Schrein.

Das 6,81 m hohe Omote-Torii aus Kupfer stammt aus der Zeit 1667/1669. In die Balken eingraviert sind die Namen der Spender, die den Bau des Torii ermöglicht haben. Auf dem Schreingelände gibt es noch ein weiteres, aus Metall gegossenes Torii.

Links vor der Haupthalle befindet sich ein Stein, der 寄縁氷人石 (Stein des verlaufenen Kindes) von 1850. Dieser Stein hat einen interessanten Hintergrund: Im 19. Jahrhundert kam es wohl immer wieder vor, dass Kinder verloren gingen (fragt mich nicht warum). An der Stelle wo heute der Stein steht, konnte man früher Notizen hinterlegen. Das funktionierte in beide Richtungen.Entweder man beschrieb das vermisste Kind, oder das Kind, das man aufgefunden  hat. Ist also nicht so viel anders als heute die Facebook-Hinweise „Katze weggelaufen“ oder „Hund zugelaufen“.

1995 wurden alle hölzernen Schreingebäude erneuert. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, die Regeln der traditionellen Schreinarchitektur einzuhalten.

Der Yushima Tenmangu heute

Sugawara war ein Gelehrter der Heian-Zeit. Nach seinem Tod wurde er als Kami verehrt. Kami sind shintoistische Gottheiten. Das Konzept des Göttlichen weicht von der christlichen Definition ab. Die beste Analogie wäre: Heiliger.

Der Yushima Tenmangu gilt daher als Gelehrtenschrein, was ihm die Bezeichnung Tenjin bescherte.  Die renommierte Tokyo Universität (ToDai) ist nur ein paar Fußminuten entfernt. Somit wird der Schrein regelmäßig zur Anlaufstelle für Studenten und Schüler, die hier um göttlichen Beistand für Examen und Aufnahmeprüfungen bitten. Zu dieser Zeit (April) hängen tausende Ema links und rechts neben dem Honten, dem Hauptgebäude.

Das Familienwappen von Sugawara zeigte die Pflaumenblüte (Ume; ihr kennt sie vermutlich vom Getränke Ume-shu). Es war daher Brauch, Ume-Bäume auf dem Gelände von Tenjin zu pflanzen. Die Ume-Blüte ist Anfang März, etwa einen Monat vor der Kirschblüte. Sie ist daher ein wichtiges Datum. Sie kündigt das Ende des Winter und den baldigen Beginn des Frühlings und der Kirschblüte an.

Der Yushima Tenmangu ist weit über Tokyo’s Stadtgrenzen hinaus für seine Pflaumenblüte bekannt, die ich noch nie selbst gesehen habe.

Was bedeutet der Schrein für mich

Was macht jetzt aber den Yushima Tenmangu für mich so besonders?

Bei meiner ersten Reise 2004 habe ich in Matsumoto ein Kamidana gekauft. So ein Kamidana wird für gewöhnlich beim lokalen Schrein, also dem Schrein, in dessen Gegend man wohnt, registriert. Da ich als Deutscher keinen solchen Schrein habe, habe ich mich entschieden, den Schrein nahe an meinem ersten Hotel, das ich in Japan besucht habe, auszuwählen.

Tokyo, Bunkyo-ku, Yushima Tenmangu
Der Schrein ist am Ende der Straße links; rechts sieht man Hotel Edoya — Dies ist die Warteschlange zu Neujahr. Sie ging runter und dann links weiter bis kurz vor den Eingang von Yushima Station.

Der Schrein wurde mir auch vom Hotelpersonal empfohlen. Die Tatsache, dass es ein Tenjin, ein Gelehrtenschrein, ist war eine nette Ergänzung. Und somit ist mein Kamidana nun beim Yushima Tenmangu registriert, was mich im Prinzip zum Gemeindemitglied macht … irgendwie.

Seit 2006, wenn ich in Tokyo ankomme, nehme ich für den Weg vom Banhhof zum Hotel immer den Weg über den Yushima Tenmangu. Er ist das erste, was ich in Tokyo aufsuche, noch bevor ich in das Hotel einchecke. Ein netter Nebeneffekt ist, dass es mit dem Koffer einfacher ist, die 20 Stufen zum Schrein hoch zu laufen, als diese nervige Steigung von der Eneos-Tankstelle hoch zum Hotel.

Als ich ihn zum ersten Mal besuchte, waren die Gebäude gerade einmal 9 Jahre alt und hatten diese schöne, vergleichsweise helle Holzfarbe, die ich bei keinem anderen Schrein gesehen habe. Jetzt, 17 Jahre später, ist das Holz schon merklich dunkler geworden.

Es klingt, jetzt wo ich es niederschreibe, nicht wirklich bedeutsam. Dennoch, der Yushima Tenmangu ist zu einer festen Größe meiner Japanreisen geworden. Erst wenn ich dort die Götter begrüßt habe, bin ich in Tokyo angekommen.

Das Bild mit den roten Laternen ist der Togakushi Jinja. Dies ist ein eigenständiger Schrein auf dem Gelände des Yushima Tenmangu.

Ukiyo-e

Der Yushima Tenmangu ist eine der 100 Ansichten von Edo von Utagawa Hiroshige, der auch die 53 Ansichten des Tokaido schuf. Von den 100 Ansichten gibt es mehrere Versionen und es gab weitere Künstler, die den Yushima Tenmangu in Szene setzten.

Der Schrein liegt auf einer Anhöhe. Heute ist die Sicht auf den Ueno-Park und den Shinobazu-Teich durch Wohnhäuser versperrt. Damals muss dies ein einmalig schöner Anblick gewesen sein. In der Mitte sieht man die Insel Bentinjima, auf welcher der Tempel Bentendo liegt. Auf dem rechten Druck schaut man von unten auf die Treppe hinauf zu Schrein. Es ist diese Treppe, die ich nehme, wenn ich nach meiner Ankuft in Tokyo den Schrein besuche.

Man beachte, dass das Torii in den Bilder nicht immer in die Gleiche Richtung orientiert ist. Das Mon steht auch noch nicht. Ich frage mich gerade, wann das gebaut wurde. Das Torii steht heute vermutlich auf der anderen Seite des Schreins.

 

(erstellt 07.03.2021)

Only in Japan (John Daub) .. Yushima Tenjin

Und wieder einmal ein paar Worte zu „Only In Japan“ von und mit John Daub …

Von ein paar Tagen hat er den Yushima Tenjin besucht. Er ist gleich um die Ecke vom Hotel Edoya. Ihr findet eigentlich ein Foto von ihm in der Japanreise. Yushima Tenjin ist der Schrein, bei dem mein Kamidana registriert ist und den ich seit 2006 immer als allererstes besuche, wenn ich in Tokyo ankomme, noch bevor ich im Hotel einchecke.

Für mich ist dieses Video auch ein Novum, den ich habe die Pflaumenblüte, für die der Yushima Tenjin bekannt ist, noch nie live gesehen.

Der Rest ist für mich so bekannt, dass es so ist, als würde ich ein Video aus Lübeck sehen. Ich weiß, was sich links und rechts der Kamera, außerhalb des Bildes befindet. Mein Gehirn ergänzt die Bilder automatisch in ein riesiges Panorama.

Der Legende nach wurde Yushima Tenmangu im Jahr 458 gegründet und der Kami Ame-no-tajikarao-no-mikoto eingeschreint. Seit 1355 wird auch Sugawara no Michizane, ein großer gelehrter der Heian-Zeit, hier als Kami verehrt. Er gilt daher als Schrein der Lehrenden und Lernenden. ToDai ist gleich um die Ecke. Der Schrein ist daher eine Anlaufstelle für alle, die für die Aufnahmeprüfungen an dieser renommierten Universität beten wollen.

Ich kenne den Schrein unter drei verschiedenen Namen. Ich selbst verwende „Yushima Tenmangu“. John nennt ihn „Yushima Tenjin“. Das Tenjin ist ein verweis auf seine Rolle als Gelehrtenschrein. Die dritte Bezeichnung ist „Yushima Jinja“.

1478 wurde die inzwischen verfallene Anlage von dem Feldherrn und Gründer Edos, Ōta Dōkan (1432–1486), erneuert. 1995 wurden alle hölzernen Schreingebäude erneuert. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, die Regeln der traditionellen Schreinarchitektur einzuhalten.

Im Familienwappen von Sugawara war die Pflaumenblüte abgebildet. Daher werden an Tenjin bevrozugt Ume-Bäume gepflanzt; so auch am Yushima Tenmangu, der für seine Pflaumenblüte weit über Tokyo hinaus bekannt ist.

Und wenn ich das sehe, muss ich wirklich mal zur Pflaumenblüte nach Japan. Allerdings zeigt das Foto auch, dass so früh um Jahr das Grün der Blätter fehlt.

14:42 — Ah, Amazaka (甘酒). Lecker. 300 yen ist nicht ganz billig. Amazake wird aus fermentiertem Reis hergestellt, ist aber meist (aber nicht immer) ohne Alkohol. Wie bei der Sake-Herstellung wird Koji benutzt, um die Stärke des Reis in Zucker aufzubrechen. Vom Fertigungsprozess ähnelt er folglich dem Federweißer.

Das Ama () steht für süß. Gewöhnungsbedürftig ist der Umstand, dass sich noch Reisstücke im Getränk befinden. Amazake wird heiß serviert und ist ein Getränk für den Winter. Speziell zu Neujahr findet man es überall.

19:50 — Zu den Ema habe ich vor kurzem einen Artikel geschrieben, in dem sich natürlich auch Fotos aus dem Yushima Tenjin befinden. Hier ist der [Link]. Ich hätte aber nicht gedacht, dass die Ema schon Anfang März so zahlreich im Schrein hängen; einen Monat bevor das neue Semester beginnt.

23:30 — Nice Shot.

25:57 — Die Station die er meint, Yushima Station, ist C-13 der Chiyoda-Line. Die U-Bahn-Linie ist weniger auf der Liste der Touristen, da sie mit Ausnahme von Otemachi (Kaiserpalast) an keiner wichtigen Sehenswürdigkeit stoppt.

28:30 — Omikuji. Auch dazu habe ich kürzlich einen Artikel erstellt. Hier ist der [Link].