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Rediscovering Kamakura

Heute geht es nach Kamakura, der zweite Pflichttagesausflug von Tokyo aus … oder halt von Yokohama. Zunächst geht es zwei Stationen nach Yokohama Eki und dann mit der Yokosuka-Line nach Kita-Kamakura. Wie immer steige ich, also wir, hier aus.

Es ist ein sonniger Tag. Er wird sehr heiß werden. Gleich neben dem Banhsteig ist der Eingang zum Engaku-ji1. Es ist der erste große Tempel, den wir heute besuchen. Wir durchschreiten das So-mon, zahlen den Eintritt und stehen im Tempelareal. Vor uns das riesige San-mon und dahinter die Haupthalle.

Das Tempelareal geht weit in den Berghang und hat mehrere Nebengebäude und auch Nebentempel. Und wegen des Hangs geht es die ganze Zeit bergauf. Na gut, zurück geht es dann bergab. Aber dann ist da noch diese Treppe. Auch wenn man nicht will, da muss man hinauf. Oben neben dem Bentendo steht die alten Tempelglocke von 1302.

Wir folgen den Bahnschienen und biegen dann auf Straße 22 ab. Nach ein paar hundert Metern kommt der zweite große Tempel von Kamakura, der Kencho-ji2. Das San-mon ist glaube ich noch größer als das im Engaku-ji. Kurz vor dem Ende des Hauptareals steht das Wohngebäude des Hauptpriesters, dahinter eine einfacher aber sehr schöner japanischer Garten. Schön ist, dass man den Garten von der Veranda des Gebäudes betrachten kann. Das Kara-mon vor dem Gebäude kann man nicht durchschreiten. Die Kombination von schwarzem Holz und Gold wirkt, gerade jetzt im Sonnenlicht.

Erwähnenswert ist ein Deckengemälde mit einem Drachen. Ein ähnliches Bild gibt es Kyoto, das besuchen wir noch, und es ähnelt auch dem schlafenden Drachen in Nara, wo wir schon waren. Theoretisch kann man jetzt noch den Berg hinauf zum Hazobo-Schrein wandern. Aber ich habe echt keine Lust und wird schon wieder hinter meinem Zeitplan.

Nächster Stopp ist der berühmte Tsurugaoka Hachimangu, der große Schrein von Kamakura. Was ist meinem Bruder bisher nicht gesagt habe ist die Tatsache, dass heute das Yabusame stattfindet. Ich weiß nicht, ob wir überhaupt was sehen werden. Ich wollte keine falschen Ertwartungen wecken.

Wir erhaschen ein paar Szenen. Unter anderem die Prozession zum Schrein und die Predikt (wie heißt das eigentlich im Shintoismus) in der unteren Tanzbühne. Die Kampfstrecke ist bereits abgeriegelt und mit Zuschauern überfüllt. Wir finden noch einen Stehplatz am Ende, bzw. Anfang, der Rennstrecke. Viel sehen vom Schießen selbst können wir nicht. Aber die Reiter und Gehilfen in voller Ausrüstung sehen wir sehr gut. Mehr war nicht drin. Deshalb hatte ich es nicht „geteasert“.

Wir haben 50% der wichtigen, großen Sehenswürdigkeiten in Kamakura durch. Man kann eh nicht alles in Kamakura sehen. Hier gibt es hunderte(!) Tempel.

Kommen wir nun zu einer Premiere. Ich bin noch nie mit der Enoden-Bahnlinie gefahren. Es ist eine kleine schnuckelige Straßenbahn, die zwischen den Häusern noch Enoshima und dann weiter nach Fujisawa fährt. Für Touristen ist sie superpraktisch, da sich auch beim großen Buddha vorbeikommt … und entsprechend gut besucht. Da müssen wir jetzt durch. Wir steigen ander Station Hase aus.3

Unser nächster Halt ist der Hasedera.4 Der rote Lampion am Baum weckt Erinnerungen an meine erste Reise; im Tempel dann hunderte Jizo-Statuen, die Grotte mit der Benten-Statue, der Bambushain oben und die Aussicht auf den Strand.

Ein Blick auf die Uhr warnt. Wir müssen rauf zum großen Buddha. Sonst kommen wir nicht mehr rein. Auf halber Strecke merke ich, dass ich mich um eine Stunde vertan habe. Wir haben genug Zeit. Puls runter fahren. Der Tempel heißt übrigens Kotoku-in.

Wie alle Touristen lassen wir die Tempelgebäude links liegen und gehen direkt zum Daibutsu, zum großen Buddha. Groß ist jetzt relativ. Er misst 13,3 m. Gegen den Einwurf kleiner Münzen darf man das Innere besichtigen.

Ist ist nach 16 Uhr. Einen weiteren Tempel schaffen wir nicht mehr.  Es wird Zeit für ein Highball … und Mittagessen. Wir entscheiden uns für das Hase Shokudo neben dem Bahnhof. Die haben auch das lokale Craftbeer von dem ich das Schwarzbier wähle. Und eine große Portion Kakigori und … Moment … Die haben Loco Moco? Das Loco Moco? Wirklich. Ich muss es bestellen. Das letzte Mal hatte ich dieses Gericht auf Hawaii.

Mit Enoden geht es zurück nach Kamakura und von dort mit Japan Rail zurück nach Yokohama und von dort nach Sakuragicho Station. Die liegt gleich neben dem Landmark Tower5. Der Tag ist noch nicht rum. Nur Chinatown werden wir nicht mehr schaffen. Mit einem der schnellsten Aufzüge der Welt[efn_Note]Mit 750 m/s ist er der schnellste Aufzug Japans.[/efn_note] geht es hinauf zum 69. Stock, wo der Sky Garden wartet. Der abendliche Blick auf den Hafen ist einmalig. Für mich toppt er sogar Tokyo. Das Sightseeing endet mit einem Blick von der Kishamichi-Promenade auf die Skyline von Yokohama.

Kommen wir nun zum Teil mit dem Bier. Auf der Westseite der Bahnstation Sakuragicho ist das Kneipenviertel Nogecho. Keine Ahnung wo wir landen werden. Aber einer der Läden wird definitiv das downbeat. Eine Jazzkneipe muss sein. Das hier ist Yokohama, eine der großen Jazzszenen in Japan.

Wir gehen zu Fuß zurück zum Hotel. Der Weg führt zwar an einer nervigen Hauptstraße entlang. Das Hotel merke ich mir für meinen nächsten Besuch, wenn hoffentlich das Chigusa wieder existiert. Nogecho ist nur 600 vom Prostyle Ryokan entfernt.

Morgen geht es nach Kyoto. Ich glaube Kamakura war ein krönender Abschluss für den Tokyo/Kantoteil dieser Reise.

Asuka and Yoshino

Today I have a double header: Asuka (Hasedera and Tanzan shirne outside the city) and Yoshino. I start early (for me). At 8:45am I arrive at the Kintetsu Station „Osakaabenobashi“. But I am wrong. I have to go to Tsuruhashi and from there to Asuka.

With a lot of routine I am moving forward, not impressed by all these Japanese. I am used to this chaos. I am stopped by the exit gate. Wrong ticket? No, just the wrong exit. The Loop Line is JR. But I tried to use the exit that is also the entrance to Kintetsu (Kintetsu is also running the subway in Oosaka). I show my Kansai Thru pass and everthing is fine. The next train is a  Sub-Semi-Express.

Hasedera 1

Half way I nearly got undocked. Only the first 6 cars go further. A nice conducter warns me before this happens. At Hasedera Eki is a small stairway downhill. The street and the old houses look cozy. The weather is sunny. A right turn, passing the city and uphill to the temple Hasedera, founded in 686.

I am walking thru the Mon and climb up the corridor with its more than 300 steps. This is the first time I see somthing like this. It is like walking into ancient times. At the top there is a big hall with a nice view into the valley. A patio is errected on several feet high piles. This is how the Kiyomizudera may look like. In three days I know the answer.

The big hall contains the second greatest Kannon in Japan. 12m high. Impressive. The legend says that the tree trunk was big enough to carve two statues. The second one was thrown into the see and was washed up in Kamakura. This is the Kannon at the Hasedera temple there. Now I have seen both and a picture of neither. I respect the ban of taking pictures. Monks are praying and I record a 20min audio track. [It is silent and overlayed by wind noise.]

Hasedera 2

On tThe way back I pass a pagoda and then I need to hurry. I only have 20min. left. The stairway up to the station is harder to take than it looks. We are talking about a heigth difference of about 100m. I am finished but I get the train.

From Sakurai it is a 7km walk and there are only 4 busses a day. I jump into taxi to get stuck in traffic. Arghh. Then it goes uphill. Switchback. The drivers tells me that in winter the street is sometimes closed if snow and ice cover the road. To steep for driving. I believe that. We are going up and the taximeter too. This will be an expensive ride.

The shrine is old and not in a good shape. The dark red colour is weatherd. The honden and the 13-level (!) pagoda are still worth a visit. The were errected in 1532. Here the kami of Fujiware Kamatari, founder of the Fujiwara Clan (Heian period) is enshrined. In the honden some exhibits from this area can be visited. During autumn color the view from the patio into the forest must be amazing. But now, without the leaves, everything is grey. All the iron lantern are a nice motif for a picture.

The taxi driver is waiting. He drives me to Asuka Station. Expensive ride. $100. But without the taxi is wasn’t possible to catch a train to Yoshino in time. The driver stops at Ishibutai, a megalithic tomb from the Asuka period (and the reason for the name).

Tanzan Shrine

The Local to Yoshino passes buildings, forests and bamboo groves. The houses are very close to the tracks. 5m or less. A bridge, narrower that the train cars. Just even wide enough for the tracks. For the last meter up to Yoshino I have to use a cable car. Made in Germany! It looks old, very old.

Yoshino: The Kuromon above the street builts the entrance. Behing  small road with old houses; shops and restos, but all closed. Zombieland feeling. During Sakura this place must be awesome and crowded. At the moment I prefer the Zombieland. It is peaceful and quiet.

Next Stop: Kinpusei-ji. The temple is a construction site. Mon and Main hall are big. Here the second biggest Buddha statue can be found. It is to dark for pictures. I walk to the Yoshimuzu shrine. It is small and compact but worth a visit. It has a small courtyard with honden, stone garden and a pond.

At Chikurin I forgot to visit the temple garden. Damned. If I can walk to the Mikurimari shrine before dawn? The last cable car leaves at 5:40pm. The way goes uphill. A junction. I walk back. Am I wrong? No. This is the way. Uphill. The town ends. A small sign („Less than 1 mile“) is directing into a forest. A tiny trail. Uphill. Exhausting.

Yoshino

Dawn is beginning. The latest time for my return is 4:40pm. 20 minutes until then. I see some houses. The incline is unbelieveable. Close to 50%. Every single step is hard work. Again a trail; with stairs. 650m. I am finished and at the finish. It really is getting dark. I am back on tarmac. A car passes. The smell of hot brakes is in the air. No surprise if I remember the incline. The shrine is closed. Arghhh. Winter Time. 4pm was closing time.

And now: Downhill. In the dark. It starts to rain. The trail is slippery. 40 minutes until the last cable car. A mixture of hurry and caution. I am back in time and I am exhausted. On the train ride back I fall asleep. I get up a few minutes before I arrive at Abenobashi. It is raining. Dinner is an intersting combination for 890yen: salad with japense dressing, miso, rice, chicken nuggets, sausages and meatballs. Unusual but tasty.

[deutscher Blogeintrag]

Asuka und Yoshino

Heute gibt es das erste Doppelprogramm: Asuka (genauer gesagt Hasedera und Tanzan-Schrein weit außerhalb des Ortes) und Yoshino. Ich bin für meine Verhältnisse früh wach. Um 8:45 Uhr stehe ich am Kintetsu-Bahnhof „Osakaabenobashi“ und bin falsch. Ich muß mit der Loop Line nach Tsuruhashi und dort in die Kintestu Line wechseln.

Erstaunlich routiniert schwimme ich mit dem Strom der Japaner durch die Gänge der Station. Ich werde erst am Ausgang der Loop Line von einer Schranke gestoppt. Falsches Ticket? Nein, falscher Ausgang. Die Loop Line gehört zur JR. Ich habe nicht den Ausgang angesteuert, sondern den direkten Wechsel zur Kintetsu (die auch die U-Bahnen in Osaka betreibt). Schnell den Kansai Thru Pass gezückt und weiter mit dem Sub-Semi-Express.

Hasedera 1

Beinahe werde ich auf halber Strecke abgekoppelt. Nur die ersten 6 Waggons fahren weiter. Ein netter Schaffner sagt mir zum Glück rechtzeitig Bescheid. Von Hasedera Eki geht es Treppen hinab. Die schmale Straße mit den alten Häusern strahlt Gemütlichkeit aus. Das Wetter ist sonnig. Dann geht es rechts ab, durch den Ort und hinauf zum 686 gegründeten Hasedera.

Ich schreite durch das Mon und steige den Korridor mit knapp 300 Stufen hinauf. So einen Aufgang habe ich vorher nie gesehen. Er hat so etwas zeitlich entrücktes. Oben dann die riesige Halle mit Aussicht über das Tal. Eine Veranda vor der Halle steht auf meterhohen Holzpfeilern. So muß der Kiyomizudera aussehen. In drei Tagen weiß ich mehr.

In der Halle steht die zweitgrößte Kannon Japans; 12m groß. Der Legende nach war der Baumstamm so groß, das zwei Statuen geschnitzt wurden. Die andere Kannon wurde ins Meer geworfen und in Kamakura an Land gespült. Sie steht heute im gleichnamigen Hasedera in Kamakura. Damit habe ich beide Statuen gesehen und von keiner ein Foto. Es herrscht Kameraverbot, das ich respektiere. In der Halle beginnen die Mönche ein Gebet. Ich habe eine 20min Tonspur mitgeschnitten. [Sie ist sehr leise und von Wind gestört. Dreht am Besten die Bässe komplett raus. Die Aufzeichnung ist nicht perfekt, aber man bekommt eine Idee, was hier los ist.]

Hasedera 2

An der Pagode vorbei geht es im Laufschritt zurück zum Bahnhof. In 20min fährt der Zug. Das wird knapp. Die Stufen vor dem Bahnhof sind fies. Wir reden hier von knapp 100 Höhenmeter. Ich komme völlig platt oben an, erreiche aber den Zug.

Von Sakurai fahren nur 4 Busse am Tag und 7 km sind zu weit für einen Fußmarsch. Ich schnappe mir ein Taxi und stehe sofort im Stau. Argh. Dann geht es bergauf und immer weiter bergauf. Serpentinen. Der Fahrer sagt, daß die Strecke im Winter manchmal geschlossen wird, da bei Schnee und Eis keiner die Steigung schafft; glaube ich ungesehen. Was auch steigt, ist der Preis auf dem Taxameter. Das wird teuer.

Der Schrein selbst ist in die Jahre gekommen. Die dunkelrote Farbe ist vielerorts verwittert. Das Honden und die 13-stöckige(!) Pagode von 1532 sind trotzdem sehenswert. Im Schrein ist der Kami von Fujiware Kamatari, Begründer des Fujiwara Clans (Heian-Zeit) eingeschreint. Vor dem Honden ist eine Halle mit Exponaten aus der Gründerzeit. Die Halle hat eine Veranda von der man aus in das Tal blicken kann. Während der Herbstfarben muß das ein irrer Anblick sein. Jetzt bieten sich nur kahle Bäume. Die vielen Eisenlaternen geben trotzdem ein paar dankbare Motive.

Weiter geht es mit dem Taxi, der Fahrer hat gewartet, zum Bahnhof von Asuka. Das wird teuer (etwa 60€), aber ohne Taxi schaffe ich Yoshino nicht. Der Fahrer stoppt kurz am Ishibutai, einem Hünengrab aus der Asuka-Zeit (daher der Name dieser Periode).

Tanzan Shrine

Der Local nach Yoshino fährt vorbei an Gebäuderückseiten, Wälder und Bambushaine. Die Wohnhäuser sind bis kurz vor die Gleise gebaut, vielleicht 5m Abstand. Eine Brücke ist kaum breiter als die Gleise und ohne Geländer. Japan hat Schmalspur, das heißt, der Zug ist breiter als die Brücke. In Yoshino führt eine Seilbahn (Made in Germany !) den Berg hinauf. Die Anlage ist alt. Der Lack ist ab. Ob das hält?

Yoshino: Das Kuromon ist ein Tor über der Straße. Dahinter beginnt eine schmale Straße mit vielen alten Häuser; Geschäfte und Restos, und nahezu alle geschlossen. Zombieland-Feeling. Wenn die Kirschblütensaison läuft, muß das hier echt top sein. Ich begnüge mich mit Zombieland und genieße die Ruhe und Menschenleere.

Nächster Stop: Kinpusei-ji. Der Tempel ist momentan eine Baustelle. Mon und Haupthalle sind riesig. Hier steht die zweitgrößte Buddha-Statue Japans. Es ist zu dunkel in der Halle für Fotos. Es geht weiter zum Yoshimuzu-Schrein. Er ist klein, kompakt und sehenswert. Es gibt einen kleinen Innenhof mit Honden, Steingarten und japanischem Garten mit Teich.

Chikurin ist fast nur ein Tempel. Ich habe vergessen, den Garten zu besichtigen. Damned. Ob ich es zum Mikurimari Schrein schaffe? Die letzte Seilbahn fährt um 17:40 Uhr. Es geht steil bergauf. Eine Weggabelung. Ich gehe zurück. Bin ich falsch? Ich war doch richtig, ich muß da rauf. Das Dorf endet. Ein kleiner Wegweiser („Noch 1,3km“) zeigt in den Wald. Ein Trampelpfad geht steil den Berg hinauf. Anstrengend.

Yoshino

Es fängt an zu dämmern. Ich habe den Rücksturz zur Basis für 16:40 Uhr eingeplant. Noch 20 Minuten. Ein paar Häuser sind zu sehen. Die Steigung der Straße ist enorm; fast 30 Grad (50%). Ich kämpfe um jeden Schritt. Dann wieder ein Trampelpfad mit Stufen. Noch 650m. Weiter. Ich bin Ende aber auch am Ziel. Es wird merklich dunkler. Ich bin wieder auf der Straße. Ein Transporter fährt vorbei und der Geruch von glühender Kupplung oder Bremsen steigt mir in die Nase; kein Wunder bei diesen Steigungen. Der Schrein ist geschlossen. Arghhh. Im Winter ist um 16 Uhr Feuerarbend.

Von nun an gehts bergab. Es beginnt zu regnen. Der Weg wird rutschig und es ist bereits sehr dunkel. Um 17:20 bin ich an der Seilbahn. Ich bin geschafft. Die Zugrückfahrt über schlafe ich und wache erst kurz vor Abenobashi wieder auf. Es regnet. Heute passiert nichts mehr. Als Abendessen gibt eine interessante Kombination für 890yen: Salat mit japanischen Dressung, Miso und Reis, dazu Hähnchen Nuggets, Wurst und eine Frikadelle. Die Zusammenstellung ist ungewöhnlich aber lecker.


Fazit: Hasedera und der Schrein sind definitiv eine Reise wert. Für den Schrein empfehle ich die Zeit der Herbstfarben. Diese beiden Sachen und Yoshino am gleichen Tag empfehle ich nicht; zu aufwendig (und teuer). Yoshino und seine Tempel sind was für die Kirschblüte oder die Herbstfärbung. Jetzt im Dezember war es eher langweilig. Spannend war der Tag dennoch.

[english blog entry]

Kamakura und mal wieder Regen

Der 8. April ist Buddha’s Geburtstag. Ich probiere mein Glück in Kamakura. Die Fahrzeit unterschätzen (erst 8:20 Uhr aufgestanden) wird mit Ankunft in Kitakamakura um 11 Uhr bestraft. Es ist kalt und regnet.

(1) Engakuji. Es war der erste große Tempel auf meiner ersten Reise (bei Sonnenschein). Aber in diesem Regen hat der Tempel eine Ausstrahlung, die fast schöner ist. Sabishi. Das Eingangstor ist imposant. Der Tempel beherbergt einen Nationalschatz. Und wie immer haben die Japaner viele Stufen dazwischen gesetzt; sehr viele Stufen. Oben angekommen hat man eine herrliche Aussicht und den Blick auf die 1303 gegossene Tempelglocke (2004 habe ich die glatt übersehen).

(2) Der Kenchoji ist gleichen nebenan. Auch hier ist alles in perfekter Harmonie. Tor, Halle, der Zen-Garten, der Regen. Der Blick von der Veranda der Gebetshalle ist unbeschreiblich. Ich hoffe, das kommt auf dem Foto rüber. Am Ende des Tempels, wo die Berge beginnen, ist noch ein Schrein. Schreine sind aber immer oben, nie unten. 245 japanische, fiese Stufen. Wieder wird man mit Ausblick belohnt. Bei gutem Wetter könnte man den Fuji sehen. Nur jetzt halt nicht. Hinter dem Schrein geht es weiter in Berge. Es reizt mich dem Weg zu folgen.

(3) Gegen 14 Uhr steuere ich den Hachimangu an. Die Kameraanzeige versagt. Es fängt an. Der Regen kriecht in die Kamera, setzt die Elektronik außer Gefecht. Ich genehmige mir einen Rundgang durch die hinteren Bereiche des Schreins, wo die jahrhunderte alten Mikoshi (tragbare Schreine) stehen. Am Ende des Geländes, bei der Bogenbrücke, fällt mein Blick auf den Eingang zu einem Garten. Den hatte ich bisher nie auf der Rechnung. Gleich am Eingang erschlägt es mich. Links und Rechts grüne Büsche und Kurschbäume. Als Holz sind Sichtschutzwände und kleine Dächer aufgebaut. Kirschblüten auf dem Weg. Japanische Papierregenschirme überall; der der Regen und die dazugehörige Stimmung. Am liebsten würde ich genau hier stehen bleiben. Der Anblick – und auch das Foto davon – sind so gut, daß ich es sponton zum Foto dieser Reise küre. (Nachtrag: Es ist das Titelbild für den Blogabschnitt „Reise 2008“ geworden.) Der Blick durch dass Kameraprisma wird nebelig und der Autofokus versagt. Pause. Ich bestelle Katsudon (oder sowas ähnlichen) und Sake. Ich taue langsam wieder auf.

(4) Jetzt geht es die Allee runter, rechts weg, Bahnübergang, lange Straße. Am Ende der Straße rechts zum großen Buddha. Ein bischen Kirschblüte ist noch da. Reicht für ein Foto. Dann zurück zum Tempel mit dem riesigen Lampion. Der Tempel ist und bleibt ein muß, mit seinen mehreren Ebenen und dem historischen Bambushain. Die Digitalkamera schafft den Fisheye-Effekt nicht; blödes APS-C-Format.

(5) Nach dem Schrein gehts weite nach Hase. Ich brauche noch das Foto von dem Eisenahntunnel. Der hat so was „remotes“. Außerdem stehen hier noch zwei weitere Tempel; klein aber mit ihrem eigenen Charme. Wenn es nicht so spät wäre, könnnte man weiter zur Enoshima-Halbinsel laufen. Zeit für die Rückreise. Der Zug um 19:02 Uhr Richtung Yokohama erlaubt noch einen „StaBa“ Caramel-Macciato.

In Yokohama bin ich vom Pech verfolgt. Chinatown hat schon zur Hälfte geschlossen. Die Restaurantwanhl fällt – ohne es zu wissen, da ich die Kanji nicht lesen kann – auf das berühmte Hei Shin Rho. Anschließend zum Landmarktower, der auch schon geschlossen ist. Folglich bleibt nur die Heimreise nach Tokyo. Der Zug hat Verspätung, wegen Wind! Das wäre doch mal was für die Deutsche Bahn. Das Unwetter, das mir den ganzen Tag Regen bescherte, ist jetzt über uns. Blitz und Donner kommen gleichzeitig.

Zurück im Edoya folgt der Zimmerwechsel. Wow. Deluxe Suite mit 2.5 Zimmer, Doppelbett Futon, Tatamiecke und Sitzecke im westlichen Stil (Ledercouch). Ganz nett, aber mein Favorit bleibt Raum 307. Ich brauche keine Couch.


Nachtrag: In Tokyo Eki habe ich mich verlaufen. Die Yamanote erreicht in 2F. Der Zug nach Kamakura verläßt die Station auf B5. Da sind 7 Ebenen zum Patzen. Eine reicht. Die Menschen, die Schilder, die ganzen Treppen und Shops überall. Chaos. Wie bei meinem esrten Urlaub wo ich völlig planlos war. Damals hatte ich meine Koffer in einen Coin-Locker gepackt und den dann nicht wiedergefunden.


Link zum Reiseführer / Kartenmaterial

offroad Kamakura

Ich starte spät und fahre deshalb gleich durch bis Kamakura. Die beiden großen Tempel im Norden lasse ich aus. Ich habe sie 2004 besichtigt. Sicherlich sind sie einen zweiten Besuch wert, aber dieser Trip ist allen Dingen in Kamakura gewidmet, die ich noch nicht besucht habe. Und dennoch ist mein erster Stop der Hachimangu Jinja. Die Bogenbrücke, der große Platz mit der Bühne und die Sakefässer sind wieder ein Erlebnis. Es folgt die steile Treppe und oben das Hauptgebäude. Es ist und bleibt der Prototyp eines Schreins. Die Farbgebung in orangerot und weiß ist ähnlich der in Miyajima.

Nächster Stop ist das Grabmal von Yoritome, hoffe ich zumindest. Auf der Ecke hier gibt es mehrere berühmte Gräber. Es folgen kleinere Tempel (keine Ahnung welche) und ein größerer Schrein (oder Tempel). Es sollte der Egaratenjinja sein. Aber ich habe schon seit drei Kreuzungen keine Orientierung mehr. Abgleich der Kanjis am Eingang verrät, es ist der Kamakuragu. Hinter dem Schrein ist Kamakura zu Ende. Es folgen nur noch Wald und Berge. Ein Wanderweg führt zu den beiden Tempeln in Kitakamakura. Das Schreingelänge ragt weit in den Wald hinein, der Übergang ist fließend. Es scheint brauch zu sein, Geschirr zu zerschlagen. Was es bringt, weiß ich nicht.

Weiter geht es durch das Wohngebiet von Kamakura, vorbei an Bambushainen und einer Werkstatt für Tatamimatten. Die Dinger werden echt noch in Handarbeit genäht. Die Stufen rauf zum Tempel Jomyoji (?) Er liegt ruhig und idyllisch, aber ist nicht unbedingt ein Eyecatcher für Touristen.  Dann geht es zurück. So langsam beginnt der Kampf gegen die Uhr. Um 15:30 Uhr bin ich zurück an der Kreuzung vor dem Hachimangu. Jetzt die Allee hinunter und rechts ab zum großen Buddha. Ganz ehrlich: In Wahrheit ist er viel kleiner, als man denkt. Trotzdem ist er begehbar. Man muß nur noch einmal Eintritt zahlen. Der Eintrittpreis vorhin war nur Buddha von außen. So, hat man das auch mal gesehen.

Nächster – und vielleicht auch letzter Stop angesichts der Uhrzeit – ist der Hasedera. Der Tempel hat mich schon 2004 in seinen Bann gezogen. Über dem Eingang schwebt ein roter Lampion. Neben dem Tor ein alter Baum. Ein Postkartenmotiv. Der Tempel hat mehrere Ebenen den Berg hinauf; weitere gute Motive. Ebene eins ist ein Tempelgarten mit Teich. Rechts davon ein Inarischrein und eine Grotte. Deren Geschichte ist mir unbekannt. Muß ich nachlesen. Zumindest stehen hier dutzende kleine Figuren. Ebene zwei ist das Hauptgebäude und links davon ein berühmter Bambushain. Ein Wanderweg führt durch den Hang der für mich immer Ebene drei ist. Aus dem Hang hat man einen guten Blick über die Küste vor Kamakura. Alles ist so wie ich es vor 2004 verlassen habe. Letzter Stop wird der kleine Syugenji nahe der Bahnstation Hase. Im Nudelladen nebenan bestelle Udon-Kanji-Irgendwas. Ich kann nur Udon lesen. Die Soße ist knallrot. Oh oh. Das könnte scharf werden. Ich sollte endlich die wichtigesten Kanji lernen. Während ich noch sitze überlege ich den nächsten Schritt. Zweiter Anlauf Yokohama. Es ist 18 Uhr. Um 19:30 sollte ich in Chinatown sein.

Ich laufe durch ein geöffnetes China-Town. Um 21 Uhr trete ich den Rückzug zum Landmark Tower an. Leider verzettel ich mich auf der Promenade mit der Uhrzeit. Den Besuch des 73F mit Blick über Yokohama werde ich wieder nicht schaffen. Ich besichtige die umgebauten Ware Houses an der Kaimauer. Ein kleines Resto neben dem anderen, aber die Brieftasche ist wieder leer. Eine Überraschung finde ich noch: Ein Pavillion von IKEA. Jetzt ist der Möbelwahn auch in Japan angekommen. Es sind die gleichen Dinge wie in Deutschland. Um Mitternacht bin ich wieder Tokyo.


Link zum Reiseführer / Kartenmaterial