Heute ist die erste Fahrt mit dem Shinkansen. Die Tickets habe ich schon in Deutschland bestellt.1 Alles was ich habe ist digital. Keine Ahnung wie das jetzt funktioniert. Wenn es funktioniert fahren wir erst nach Nagoya2 und heute Abend weiter nach Kyoto.
Die Blue Line bringt uns von Kannai direkt nach Shin-Yokohama. Nach einiger Verwirrung wie die Zugtickets zu nutzen sind, passieren wir das Ticketgate. Ich kann es kaum erwarten. Endlich wieder Shinkansen fahren. Wir haben genug Reservezeit, um am Kiosk Prioviant zu kaufen. Zu einer Bentobox kann ich mich nicht durchringen.
Die Zugfahrt ist ein Traum. In Nagoya angekommen parken wir unsere Koffer in einer Karaokabar. Das Lager habe ich über ecbo gebucht3. Wegen der Baustelle am Bahnhof sind wir einmal um den Häuserblock gelaufen. Egal. Das war einfach. Das mache ich ab sofort immer so.
Die U-Bahn bringt uns zu unserem ersten Stopp: Nagoya-yo4. Wir nutzen die Chance, solange sie noch steht. Man plant, sie abzureißen und durch eine originalgetreue Version mit alten Bautechniken zu ersetzen.
Wir laufen zunächst einmal um die Burg herum, bevor wir ins innere gehen. Vor der Burg steht seit 2018 eine Rekonstruktion des Honmaru-Palast. Schuhe ausziehen und los. Der Palast ist besser als die Burg. Gebaut mit traditionellen Techniken. Überall goldverzierte Shoji, farbige Schnitzereien und Prunk. Im Anschluss wirkt die Burg fast langweilig, obwohl sie viele Exponate hat, die Geschichte der Chubu-Region erzählt und eine schöne Aussicht hat.
Nach der Burg geht es in den Nordosten zum Tokugawa-en, dem japanischen Garten neben dem Tokogawa-Kunstmusem. Das Museum besuchen wir nicht, das ist was für Regentage. Außerdem sind wir mal wieder hinter dem Zeitplan.
Weiter geht es zum Atsuta Jinja. Er ist einer der wichtiges Schreine Japans. Hier ist das heilige Schwert Kusanagi-no-tsurugi gelagert. Es ist eines drei Throninsignien. Wir wandern etwas durch das Schreinareal.
Ich habe Hunger. Auf dem Schreingeländer gibt es das Miyakishimen. Ich bestelle Kishimen5, eine Spezialität hier in Nagoya.
Es ist nach 16 Uhr. Tempel und Schreine fangen an zu schließen. Aber Geschäfte haben noch geöffnet. Auf geht es nach Osu Shotengai. Das sind mehrere überdachte Shopping-Straßen. Vielleicht finden wir ein paar Souvenirs. Außerdem steht hier der Osu Kannon. Ein kleiner aber optisch hübscher Tempel.
Von hier geht es nach Sakae. Hier müssen wir die U-Bahn wechseln. Aber nicht ohne ein Foto vom Nagoya Tower. Es ist ein anderer Funkturm6, der dem Eiffelturm nachempfunden ist.
Ich war lange nicht hier. Das Gebäude Oasis 21 kenne ich noch nicht. Es ist der Busbahnhof für die Überlandbusse. Aber wieso sieht das Glasdach so aus, als hätte es geregnet? Wir fahren mit dem Fahrstuhl nach oben. Wow. Das Glasdach ist ein flacher Teich. Das Ding heißt „Water Spaceship“.
Und warte mal. War das ein Blitz? Japp. Wetterleuchten, wenn nicht sogar ein Gewitter. Da haben wir wohl Glück gehabt.
Wir verlegen zurück zum Bahnhof. Mein Plan hat noch einen letzten Stopp gelistet: JR Central Towers. Im obersten Stock ist ein Restaurant mit guter Sicht auf Nagoya. Es dauert eine Ewigkeit, bis ich den richtigen Aufzug finde. Ich wollte schon aufgeben. Oben lassen wir das (teure) Restaurant rechts liegen und besuchen das Café.
Alles was noch zu tun ist, ist die Koffer holen und den Zug nach Kyoto nehmen. Ersteres ist einfach. Letzteres scheint ein Problem zu sein. Die Strecke ist gesperrt. Wow. Das hatte ich noch nie. Jedenfalls nicht ohne Taifun oder Erdbeben. Keiner weiß, wann und ob es heute noch weitergeht.
Keine gute Idee. Meine Angststörung meldet sich. Es wird etwas entspannter, als der Betrieb wieder aufgenommen wird. Unser Zug (jetzt weiß ich wieder, warum ich Zugbindungen hasse) wird gegen 22:30 fahren, knapp 1,5 Stunden verspätet. Heißt auch, dass wir erst gegen Mitternacht am Hotel sein werden. Aber wir werden ankommen.
Wir warten am Bahnsteig. Viel zu tun gibt es nicht. Dann endlich rollt unser Zug ein. Mein Gehirn ist immer noch nicht mein Freund, aber ich bin entspannter. In Kyoto verlieren wir keine Zeit und nehmen die U-Bahn zur Station Karasuma Oike. Ausgang 5 im am dichtesten zum Hotel.
Es ist nach Mitternacht. Wir checken endlich ein. Das Zimmer hat zwar Tatamimatten, ist aber eher eine westliche Hotelsuite. Eine elegante Mischung aus japanischen und westlichen Elementen. Wow. Das Hotel gefällt mir.
- Hintergrund: Die Mitnahme von großem Gepäck erfordert eine Sitzplatzreservierung. Und es gibt nur zwei Sitzreihen pro Waggon für Koffer. Ich wollte kein Risiko eingehen.
- Link: www.japan-guide.com
- An jedem Bahnhof gibt es Schließfächer, aber die ganz großen für unsere Koffer sind dann doch eher rar. Aber rund um große Bahnhofe gibt es dutzende Geschäfte, die gegen eine kleine Gebühr (oft in der Größenordnung wie die Schließfächer) Koffer aufbewahren. Das hat in Japan eine lange Tradition. Jetzt durch ecbo wir d es noch einfacher.
- Die erste Burg stand hier 1532. Der zweite Bau von 1609 wurde im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Die heutige Burg ist ein Nachbau aus Beton.
- Kishimen ist ähnlich zu Udon und verwendet flache Weizennudeln. Die Brühe basiert normalerweise auf einem Fischfond.
- Der Fernsehturm ist 180m hoch und wurde 1954 fetiggestellt. Auf 25 und 30 Meter befinden sich Souvenirläden und Restaurants. Auf 90 Meter ist eine Aussichtsplattform.














