Archiv der Kategorie: 中部

.. die „mittleren Provinzen“. Das Gebiet geht von Nagoya im Westen bis Hakone im Osten. Es liegt damit zwischen Kansai (Kyoto) und Kanto (Tokyo), und wird historisch mit Kansai zusammengepackt, da sich die Begriffe Kansai und Kanto auf die Grenzstation Hakone beziehen. Neben der Großstadt Nagoya sind Takayama und Gifu zu erwähnen. Auch der Fuji und Nagano gehören zu Chuubu.

(Not) Rediscovering Kakegawa

Heute geht es nach Narita; das letzte Hotel vor dem Rückflug. Mit dieser letzten Shinkansenfahrt beginnt die letzte Szene dieser 10. Reise. Ich werde unterwegs in Kakegawa (dort war ich noch nie) und in Tokyo (Whisky und nen zweiten Koffer kaufen) anhalten.

Es regnet. Kein Schiff. Und ein Koffer in der Hand. Zum Glück ist es nicht weit zum Bahnhof. Kakegawa wird nur durch den Milchkannen-Shinkansen Kodama bedient. Egal. Es ist nicht weit (131 km) und ich habe es nicht eilig.

Am Bahnhof Kakegawa dauert es etwas, bis ich den Abstellort für meine Koffer finde. Dann geht es von Regen begleitet zur Burg. Hier ist nicht viel los. Ich glaube nicht, dass es viele ausländische Touristen hierher verschlägt.

Die überdachte Einkaufsstraße zeigt das aktuelle Problem Japans. Die kleinen Orte sterben weg. Die Hälfte der Geschäfte sind deutlich dauerhaft geschlossen. Die Farbe blättert und alles wirkt alt und verfallen. Abwanderung und Überalterung sind hier sichtbar. Aber, auf einem Grundstück stehen etwa 20 kleine 20-Fuß-Container. In jedem ist eine andere Kneipe. Das hat ein wenig was von Golden-Gai.

Ich gehe durch das Ote-mon der Burg, das abseits der direkten Verbindung Bahnhof-Burg steht. Hinter der Burg ist der Sakasa River. Ich folge ihm zum Eingang der Burg, zahle den Eintritt und gehe dann die Treppen hoch zum Hauptgebäude. Von hier oben kann man den Shinkansen in voller Länge sehen.

Im Anschluss besichtige ich den zugehörigen Ninomaru Palace. Und ja, der Stopp hat sich gelohnt. Der Rückweg hat Zeit für eine Schüssel Ramen. Dann hole ich die Koffer und warte auf meinen Shinkansen. Dieses Mal sitze ich im Green Car (1. Klasse). Es waren nur ein paar Euro mehr- Die meinsten Touris haben nur den normalen Japan Rail Pass. Und dieses letzte Fahrt in 2025 soll dann doch was Spezielles sein.

Und wieder habe ich nicht berücksichtigt, dass die Tokaidostrecke in Tokyo endet und nicht in Ueno, wo mein Kofferdepot ist. Hmm. Ich will auch nicht Zickzack fahren. Also geht es mit Koffer zum Whiskyladen im Yeasu-Underground und mit zwei zusätzlichen Whiskyflaschen weiter nach Ueno.

Ohne Gepäck ist jetzt Zeit für Ameyocho. Das Wetter? Immer wieder Regenschauer. Aber das soll mich nicht stören. Ich suche weitere Whisky, einen Koffer für den Rücktransport und Verpackungsmaterial.

Bei dem ganzen hin und her passiert es wirklich, dass ich kurz die Orientierung verliere. Egal. Hie ist ein Yokitori-Restaurant. Zeit für ein vorgezogenes Abendessen. Die Dämmerung setzt ein. Ah, ich bin in Ueno 1-chome. Dann habe ich vorhin eine Rechtskurve nicht mitgezählt.

Für den Keisei-Liner habe ich kein Ticket vorgebucht. Ich habe also kein Stress. Meine Koffer sind bis 22  Uhr sicher. Das Izakaya, das vor drei Wochen keinen Sitzplatz für mich und meinen Bruder hatte macht in etwa 15 Minuten auf. Das gibt mir Zeit für ein paar Fotos von der Gegend, bei denen ich mit der HDR-Funktion der Kamera spielen kann.

Im Izakaya bestelle ich einen „Suntory Old“. Es ist ein Klassiker, den ich noch in meine Sammlung aufnehmen muss. Auf der Karte steht auch ein Sake und gedörrter Ingwer. Der Geschmack ist mir etwas zu intensiv. Es war ein Versuch . Immerhin, der Sake schmeckt.

ich könnte noch stundenlang von Izakaya zu Izakaya ziehen. Ich will Tokyo nicht verlassen. Aber das Hotel ist nunmal in Narita. Ich hole die Koffer ab und begebe mich zum Keisei-Bahnhof. Tradition ist Tradition.

Ich habe allerdings vergessen, wie lange die Fahrt mit dem regulären Zug dauert. Es ist ein Rapid, aber irgendwie sammelt er trotzdem jede Milchkanne ein. Es zieht sicht. Es hilft nicht, dass die Stationen nummeriert sind. Es sagt einem nur, wie weit es noch ist. Narita hat Nummer 40. Ueno war 1. Und wir sind erst bei 28.

Als wir endlich in Narita ankommen will ich nur noch ins Bett. Noch einmal Konzentration. Es gab hier irgendwo einen Hinterausgang, der mich direkt bei meinem Hotel ausspuckt. Da ist er. Mit mehreren Rolltreppen geht es bergab. „Let’s Escalate“. Das Richmond vom letzten Mal ist auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber.

Die Hotelbar hat schon geschlossen. Gut. Dann habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich das Bett priorisiere. Der Check-in ist etwas nervig. Ein Self-Service-Terminal. ich mag sowas nicht. Aber das ist nunmal ein Businesshotel.

Kurz nach Mitternacht wache ich auf. Jemand versucht das Bett unter mir zu verschieben. Ein Erbeben der Stärke 6 in Fukushima lässt auch hier alles wackeln. Es waren horizontale Bewegungen, als hätte jemand die Erdplatte verschoben.  Hoffentlich war das Alles.

Rediscovering Kisodani

Heute soll es ins Kisodani (Kiso-Tal) gehen. Neben Koyasan ist es der zweite Ort auf dieser Reise, den ich erst zum zweiten Mal besuchen werden. Durch das Kisodani führt die alte Handelsroute Nakasendo, die von Tokyo nach Kyoto führt. Es gibt noch etliche Rast- und Zollstationen an dieser Strecke, die sich in den letzten hunderten Jahren kaum verändert haben. Ich will von Tsumago nach Magome wandern1.

Die Reise beginnt am Bahnhof von Nagoya. So langsam habe ich Orientierung. Mit viel Proviant steige ich in den Ltd.Express der Chuo-Linie2. Und ja, er hält in Nagiso. Den Fehler von 2012 wiederhole ich nicht.

Der Zug verlässt den Bahnhof nach Süden. Da ist ungewohnt, aber wir umfahren Nagoya. Nach drei Stationen sind wir in Ozone. Hier war ich mit meinem Bruder während unserer Tagestour vor drei Wochen.

Wir kommen an Tajimi vorbei, hier bin ich 2018 umgestiegen, als ich nach Mino-ota gefahren bin. Es ist bereits ländlich und die Bebauung nimmt weiter ab. Und es wird bergig. Dann wird es spannend. Nakatsugawa. Ich steige aus, denn dieser Zug endet hier. Ich nutze die Chance, um an der Touristinfo Daten zu sammeln. Mit Blick auf die Rückfahrt sollte ich wirklich mit Tsumago starten und von dort nach Magome zurück wandern. Also schnell in den nächsten Zug. Der Fährt schon in ein paar Minuten.

Und dann bin ich in Nagiso. Mein letzter Besuch hier war 2012, mitten in der Nacht bei fiesem Schneefall. So am hellichten Tag sieht das hier ganz anders aus.

Direkt neben dem Eingang zum Bahnhof ist bereits das Ticketbüro für den Bus, der mich nach Tsumago bringen wird. Auch dem Tresen schläft eine Katze. Sie lässt sich nicht stören. Wenige Minuten später fährt auch schon der Bus.

Wenn ich mich erinnere geht ein Fußweg vom Bushaltepunkt hinauf in die alte Straße. Das hier ist wirklich der alte Nakasendo aus der Samuraizeit. Ich gehe direkt zum Nordende der Stadt. Auf gehts. Ab hier sind es 11 km, knapp 400 Höhenmeter hinauf, aber nur 280 wieder runter (deshalb hatte ich überlegt in Magome zu starten). — Ach ja, die Bushaltestelle unten neben dem Fluss ist auf etwa 420 Höhenmeter.

Die Wassermühle und das Nachrichtenbrett begrüßen mich. Dann laufe ich gemütlich durch Tsumago. Hier an der alten Handelsstraße stehen nur traditionelle Häuser, alte Herbergen und Pferdeställe.

Dann wird es Zeit, Proviant aufzunehmen und Tsumago nach Süden zu verlassen. Ich versuche alles aus dem Gedächtnis zu machen. Hinter der Brücke über den Araragi-Fluss stehen noch ein paar Häuser. Eines ist der Ryokan von 2012. Ob es das noch gibt? Ryokan Hanaya. Ja, da ist es. Etwas weiter durch als ich erinnere. — Ach ja, wir sind auf etwa 500 Höhenmeter.

Etwas später kreuzt der Weg den Highway 7. Hier beginnt der gepflasterte Weg durch den Bergwald. Hier entstehen viele Fotos, die man im Internet findet.

Ab jetzt geht es bergau; immer bergauf. Der erste Zwischenstopp sind die Wasserfälle Odaki und Medaki. Für die muss ich steil bergab. Arghh. Das muss ich gleich alles wieder hinauf. Aber der Umweg lohnt sich halt. — Ach ja, die Wasserfälle sind bei etwa 600 Höhenmeter.

Jetzt muss ich die verloren Höhenmeter wieder rauf. Und es war der falsche Weg. Ich stehe am Highway 7. Das ist falsch. Also muss ich die 50 Stufen wieder runter und die erwähnten, verlorenen Höhenmeter noch einmal hinauf. Und es geht weiter hinauf, denn den Berg habe ich noch lange nicht überquert.

Dann geht es doch zwei Mal für ein paar hundert Meter auf dem Highway 7 entlang. Aber nur kurz. Dann geht es wieder in den Zypressenwald.

Ein nächster Zwischenstopp ist beim Ichikokutochi Tateba Chaya. Ein Tasse Tee, offenes Kohlenfeuer. Eigentlich könnte ich bleiben, muss aber weiter. — Ach ja, 700 Höhenmeter.

Ich laufe weiter. So langsam geht die Strecke in die Knochen. Und ich bin langsamer unterwegs als ich dachte. Stress kommt trotzdem nicht auf. Ich schaffe es locker vor der Dämmerung bis Magome.

Endlich. Endlich komme ich zum Magome-Pass auf 800 Höhenmeter. Hier ist die Grenze zwischen den Präfekturen Nagano und Gifu. Das heißt auch: Ich habe 2/3 geschafft und endlich geht es bergab.

Wie viel einfacher der Weg doch wird, wenn die Steigung fehlt. Man kommt auch viel schneller voran. Leider ist dieser Abschnitt nicht so schön im Wald. Er ist im Vergleich fast schon langweilig. Aber raus aus dem Wald heißt auch Fernsicht.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es sich Magome so lang hinzog. Aber gleich sollte sie kommen: die Kreuzung mit der Nachrichtentafel. Hier beginnt auch die sehr hübsch gepflasterte Straße durch Magome. Die Gebäude sind etwas moderner als die in Tsumago. Viele sind weiß gestrichen. Dadurch hat Magome einen anderen, ganz eigenen Charme.

Ich laufe die Straße runter bis zur Mühle. Hier ist Magome zu Ende. Es fängt an zu dämmern. Ich habe die Zeit perfekt ausgenutzt. Jetzt sind fast alle Touristen weg. Ich laufe noch mal rauf und runter für eine zweite Runde Fotos. Ein Geschäft hat noch offen. Zeit für ein Bier ist immer.

Jetzt ist es Zeit für den Bus zurück nach Nakatsugawa. Ich überlege kurz, ob ich die Strecke laufe. Es wäre bergab, weiter dem Nakasendo folgend. Aber nein. Es geht durch Waldgebiete. Es wird dunkel sein. Ich habe keine Lampe und ich weiß nicht, wie die aktuelle Situation mit den Bären hier ist. Zwischen Tsumago und Magome war ich sicher, dass die vielen Touristen die Bären auf Distanz halten. Magome-Nakatsugawa läuft aber keiner, schon gar nicht nachts.

Es gibt genug Zugverbindungen nach Nagoya, sodass ich hier etwas Essen kann.  Ich laufe die Straßen entlang. Es gibt ein paar Optionen. Die meisten sind an der 71. Die Straße heißt Registro Dori (in Katakana). Fragt mich nicht warum. An der zweiten Ampel kreuzt übrigens der Nakasendo die 71. Hier wäre ich also angekommen, wenn ich gelaufen wäre. Vielleicht beim nächsten Besuch.

So wie es aussieht ist Unagi eine große Sache hier. Aber das hebe ich mir für Nartia auf. Ich finde ein kleines Restaurant, das Soba hat: Shokuji Heiwa. Es ist fast direkt neben dem Bahnhof. Deal. Soba ist genau, was ich jetzt brauche. Dazu ein Highball und der Abend hat Struktur.

Ein Blick auf die Uhr sagt: Jetzt starten oder über eine Stunde warten. Dann doch lieber jetzt los. Kaum ist der Zug in Bewegung döse ich weg. Mein Akku ist auf Reserve, aber es hat sich gelohnt. Wie immer hätte ich eine Stunde früher starten können, aber es ist Urlaub.

Auch wenn der Akku alle ist, reicht er noch für einen Stopp in Darumaya. Es ist die Konstante in Nagoya. Das Hotel ist nur zum Schlafen da.  Ich weiß nicht einmal, ob es eine Bar. Wenn ja wird sie von all den Chinesen bevölkert sein, die hier übernachten. Ich glaube ich bin der einzige Europäer hier. Dann lieber den Tag im Daruma ausklingen lassen.

Rediscovering Gifu

Für heute habe ich ein Ticket, um das Ukai zu besuchen. Ukai ist das traditionelle Fischen mit Kormoranen. Es hat über 20 Jahre gebraucht bis ich es endlich besuche.

Ein zweiter Besuch vor Gifu gilt der Burg in Kiyosu. Ich habe vor Ewigkeiten mal was in Japan bestellt und der eBay-Kontakt hat ein Foto von der Burg beigelegt. Ich habe sie jedesmal gesehen, wenn ich mit dem Shinkansen an Nagoya vorbeigefahren bin. Jetzt endlich besichtige ich sie.

Bahnhof Nagoya: Wieso sieht das alles so unbekannt aus? Erst als ich in der Unterführung zu den Bahnsteigen bin stellt sich ein wenig, wenn auch nicht viel, Vertrautheit ein. Ich steige in den Local nach Gifu. Wir fahren an der Burg vorbei. Anhalten. Arghh. Das muss ich gleich alles laufen.

Kiyosu: Ich gehe hoch zur Hautpstraße und dann in Fahrtrichtung zurück. Viel ist hier nicht los. Etliche Häuser sind in einem schlechten Zustand. Einzelne Grundstück sind vakant. Am Family Mart nehme ich Proviant auf. Dann nehme ich die Fußgängerbrücke über der Hauptstraße und unterhalb des Expressway. Japans Straßennetz ist mal wieder 3D. Ich sehe die Burg. Auf der anderen Straßenseite gehe ich zurück zu den Bahngleisen. Hier gibt es einen Wanderweg der zu der Brücke führt, die ich von der Postkarte kenne.

Die Burg ist klein aber mit der roten Brücke ein tolles Fotomotiv. Innen wurde alles originalgetreu und aus Holz rekonstruiert. Der Besuch hat sich schon jetzt gelohnt. Von der Aussichtplattform sieht man die Shinkansenstrecke und die Normalstrecke. Von hier gelinden wir defintiv Fotos von einem gazen 400 m langen Shinkansen.

Zurück gehe ich direkt an den Gleisen entlang. Das spart locker einen Kilometer. Ich bin hier alleine unterwegs. Nach Osaka eine echte Entspanung. Am Bahnhof heißt es warten. Hier halten nur die Local. Rapids und Express fahren durch. Das gibt mir die Chance eine Menge Güterzüge zu sehen.

In Gifu angekommen nehme ich einen, hoffentlich den richtigen, Bus. Ich arbeite jetzt aus dem Gedächtnis: Wenn der Bus rechts abbiegt muss ich raus. Läuft. Im Zickzack geht es durch das Wohngebiet zum Shobo-ji. Es ist ein kleiner, unscheinbarer und etwas in Jahre gekommener Tempel. Hier steht der große Buddha von Gifu. Ich weiß nicht, warum Gifu bei japan-guide nicht gelistet ist. Der Buddha ist einen Besuch wert.

Nur ein paar Meter entfernt ist der Gifu-Park. Neben den Ruinen der Residenz von Oda Nobunaga geht die Seilbahn rauf zur Burg. Im Hang steht noch eine 3-stöckige Pagode. Das nächste lohnende Fotomotiv.

Oben angekommen biege ich sofort rechts ab zum Squirrel-Village. Ja es sind die grauen, fetten Eichhörnchen und ja es ist eine Touristenfalle, aber ich war hier.

Und nun beginnt der Aufstieg zur Burg von Gifu. Wegen Baustelle muss ich einen Umweg laufen. Ich komme an einer kleinen Brücke vorbei, die Teil der alten Verteidungsanlage ist. Sie wurde einfach zerstört, um den Feind den Zugang zu versperren. Links und rechts geht es steil bergab. Keine Chance.

Die Burg ist klein, fein und hat wegen ihrer Position hoch auf dem Berg einen super Blick über Gifu. Am Horizont kann man die Skyline von Nagoya erahnen.

Da wird es laut. Mehrere Flugzeuge der Air Force fliegen in Formation über uns vorbei. Mir gelingen ein paar Schnappschüsse. Und dann geht es auch schon wieder runter ins Tal.

Ich gehe mit ein paar ungewollten Umwegen runter zum Nagara-River, wo die Boote für das Ukai sein sollen. Ich finde einen Schalter, der zu dem Logo auf meinem Papierticket passt. Ja, ich bin hier richtig und soll etwa 30 Minuten vor Abfahrt da sein. Passt.

Ich gehe durch Kawaramachi. Das ist die Straße mit den alten Häusern, die ich zwei nicht gefunden habe. Kein Kommentar. Hinter den kleinen Kanal ist wieder das Wohngebiet mit dem Shobo-ji. Ich gehe weiter.

Mein Ziel ist Zenko-ji und der bergauf gelegene Inaba Shrine. Beides sind sehr schöne Fotomotive. Ich weiß immer noch nicht, warum Gifu nicht bei japan-guide.com gelistet ist. Im Schrein gibt es sogar eine Bogenbrücke, die nur für die Götter bestimmt ist. Eine Portion Moos und etwas Verwitterung geben dem ganzen das richtige Ambiente.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich den Rückweg zum Fluss antreten sollte. Ich habe das mimimale Pflichtprogramm trotz Stopp in Kiyosu geschafft. Perfekt.

Ich komme mit Zeitreserve für ein Bier am Anleger an. Wir steigen ein. Unser Boot ist nicht voll besetzt. Das gibt mehr Platz für Fotoaktionen. Wir leben ab. Ohne Motor, nur mit einem langen Stab, fahren wir zum Beobachtungspunkt. Der Fluss ist sehr flach. Helfer schieben uns auf eine Untiefe. Das Boot hat quasi im Fluss angelegt. Jetzt warten wir. Und warten.

Dann geht es los. Zuerst kommt ein Ponton mit Tänzern. Das Rahmenprogramm beginnt. Dann kommen die Fischerboote. An einem langen Stab hängt ein Korb mit Brennholz. Das Licht soll die Fische anlocken. An der Spitze steht ein Fischer der etwa 10 bis 15 Leinen hält. An jeder Leine ist ein Kormoran. Seine Aufgabe ist es, die Fische zu fangen und abzuliefern.

Die Boote fahren auf und ab. Ich hoffe in dieser Dunkelheit werden zumindest ein paar Fotos etwas. Zum Abschluss fahren die Fischerboote zwischen die Beobachterboote. Wir werden in den Rauch der Feuerkörbe gehüllt. Die Kormorane schlagen uns das Wasser ins Gesicht. Dichter ran geht nur, wenn man ins Wass er fällt.

Das war das Finale. Wir fahren zurück. Es hat sich gelohnt. Jetzt wo wieder Toiletten greifbar sind, ist Zeit für Abendessen und einen großen Highball am Foodtruck, der hier steht. Ich bin wohl der letzte Gast und bestelle Takoyaki.

Dann wird es Zeit, an den Rückweg zu denken. Ich nehme mir ein Taxi zurück zum Bahnhof und dann den Zug nach Nagoya. Wow. Ich war endlich beim Ukai.

Der Weg zurück zum Hotel unterbreche ich wieder am Daruma.

Rediscovering Nagoya

Heute ist die erste Fahrt mit dem Shinkansen. Die Tickets habe ich schon in Deutschland bestellt.3 Alles was ich habe ist digital. Keine Ahnung wie das jetzt funktioniert. Wenn es funktioniert fahren wir erst nach Nagoya4 und heute Abend weiter nach Kyoto.

Die Blue Line bringt uns von Kannai direkt nach Shin-Yokohama. Nach einiger Verwirrung wie die Zugtickets zu nutzen sind, passieren wir das Ticketgate. Ich kann es kaum erwarten. Endlich wieder Shinkansen fahren. Wir haben genug Reservezeit, um am Kiosk Prioviant zu kaufen. Zu einer Bentobox kann ich mich nicht durchringen.

Die Zugfahrt ist ein Traum. In Nagoya angekommen parken wir unsere Koffer in einer Karaokabar. Das Lager habe ich über ecbo gebucht5. Wegen der Baustelle am Bahnhof sind wir einmal um den Häuserblock gelaufen. Egal. Das war einfach. Das mache ich ab sofort immer so.

Die U-Bahn bringt uns zu unserem ersten Stopp: Nagoya-yo6. Wir nutzen die Chance, solange sie noch steht. Man plant, sie abzureißen und durch eine originalgetreue Version mit alten Bautechniken zu ersetzen.

Wir laufen zunächst einmal um die Burg herum, bevor wir ins innere gehen. Vor der Burg steht seit 2018 eine Rekonstruktion des Honmaru-Palast. Schuhe ausziehen und los. Der Palast ist besser als die Burg. Gebaut mit traditionellen Techniken. Überall goldverzierte Shoji, farbige Schnitzereien und Prunk. Im Anschluss wirkt die Burg fast langweilig, obwohl sie viele Exponate hat, die Geschichte der Chubu-Region erzählt und eine schöne Aussicht hat.

Nach der Burg geht es in den Nordosten zum Tokugawa-en, dem japanischen Garten neben  dem Tokogawa-Kunstmusem. Das Museum besuchen wir nicht, das ist was für Regentage. Außerdem sind wir mal wieder hinter dem Zeitplan.

Weiter geht es zum Atsuta Jinja. Er ist einer der wichtiges Schreine Japans. Hier ist das heilige Schwert Kusanagi-no-tsurugi gelagert. Es ist eines drei Throninsignien. Wir wandern etwas durch das Schreinareal.

Ich habe Hunger. Auf dem Schreingeländer gibt es das Miyakishimen. Ich bestelle Kishimen7, eine Spezialität hier in Nagoya.

Es ist nach 16 Uhr. Tempel und Schreine fangen an zu schließen. Aber Geschäfte haben noch geöffnet. Auf geht es nach Osu Shotengai. Das sind mehrere überdachte Shopping-Straßen. Vielleicht finden wir ein paar Souvenirs. Außerdem steht hier der Osu Kannon. Ein kleiner aber optisch hübscher Tempel.

Von hier geht es nach Sakae. Hier müssen wir die U-Bahn wechseln. Aber nicht ohne ein Foto vom Nagoya Tower. Es ist ein anderer Funkturm8, der dem Eiffelturm nachempfunden ist.

Ich war lange nicht hier. Das Gebäude Oasis 21 kenne ich noch nicht. Es ist der Busbahnhof für die Überlandbusse. Aber wieso sieht das Glasdach so aus, als hätte es geregnet? Wir fahren mit dem Fahrstuhl nach oben. Wow. Das Glasdach ist ein flacher Teich. Das Ding heißt „Water Spaceship“.

Und warte mal. War das ein Blitz? Japp. Wetterleuchten, wenn nicht sogar ein Gewitter. Da haben wir wohl Glück gehabt.

Wir verlegen zurück zum Bahnhof. Mein Plan hat noch einen letzten Stopp gelistet: JR Central Towers. Im obersten Stock ist ein Restaurant mit guter Sicht auf Nagoya. Es dauert eine Ewigkeit, bis ich den richtigen Aufzug finde. Ich wollte schon aufgeben. Oben lassen wir das (teure) Restaurant rechts liegen und besuchen das Café.

Alles was noch zu tun ist, ist die Koffer holen und den Zug nach Kyoto nehmen. Ersteres ist einfach. Letzteres scheint ein Problem zu sein. Die Strecke ist gesperrt. Wow. Das hatte ich noch nie. Jedenfalls nicht ohne Taifun oder Erdbeben. Keiner weiß, wann und ob es heute noch weitergeht.

Keine gute Idee. Meine Angststörung meldet sich. Es wird etwas entspannter, als der Betrieb wieder aufgenommen wird. Unser Zug (jetzt weiß ich wieder, warum ich Zugbindungen hasse) wird gegen 22:30 fahren, knapp 1,5 Stunden verspätet. Heißt auch, dass wir erst gegen Mitternacht am Hotel sein werden. Aber wir werden ankommen.

Wir warten am Bahnsteig. Viel zu tun gibt es nicht. Dann endlich rollt unser Zug ein. Mein Gehirn ist immer noch nicht mein Freund, aber ich bin entspannter. In Kyoto verlieren wir keine Zeit und nehmen die U-Bahn zur Station Karasuma Oike. Ausgang 5 im am dichtesten zum Hotel.

Es ist nach Mitternacht. Wir checken endlich ein. Das Zimmer hat zwar Tatamimatten, ist aber eher eine westliche Hotelsuite. Eine elegante Mischung aus japanischen und westlichen Elementen. Wow. Das Hotel gefällt mir.


 

Karuizawa

Heute lange Weiterreise nach Naruko. Nach langem Frühstück erwische ich gerade so eben den Ltd. Express Snow Monkey nach Nagano. Überspringe den Stop Obuse. Weiter nach Karuizawa. Ab hier geht es bergab. Den Ort kann man knicken. Schon jetzt wird klar. Das wird „Worst Day No.1“. Und es geht auch weiter schief. Die Wasserfälle sind, wie so vieles in Japan, auf dem Foto größer als in real. Allen Reisenden sei gesagt: Wenn man gerade in der Nähe ist (z.B. auf dem Weg nach Kusatsu), kann man kurz stoppen. Allen anderen empfehle ich einen Urlaub in Schottland inder die Wasserfälle bei Nikko.

Im Shinkansen nach Omiya und nach Sendai kein Sitzplatz mahr. Stop in Fukushima. Das Fukushima. Frage was günstiger ist. Über Sendai oder über Yamagata. Es gibt zwei Wege nach Naruko. Abendessen ist nicht. Zwischen den Zügen immer nur 30 Minuten und an den Bahnhöfen (Fukushima, Sendai, Fukukawa) gibt es nichts brauchares.

Letzte Strecke mit der Bummelbahn. Dejavuz. Nach 10 Jahren doch noch ein wenig bekannt. Taxi zum Hotel. Strecke wieder in real länger als in Erinnerung.

Check-in. Betreiber noch der von vor 10 Jahren. Ich erinnere mich. Der hat mal was mit Deutsch studiert. Spricht auch noch ein wenig Deutsch. Wahrscheinlich spricht er immer noch besser Deutsch als ich Japanisch. Nach dem Check-in eine Runde Onsen und dann ist der Tag rum.

(Heute ist etwas Luft für Bilder. Hier ein paar Impressionen von den Zugfahrten)