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Rediscovering Kamakura

Heute geht es nach Kamakura, der zweite Pflichttagesausflug von Tokyo aus … oder halt von Yokohama. Zunächst geht es zwei Stationen nach Yokohama Eki und dann mit der Yokosuka-Line nach Kita-Kamakura. Wie immer steige ich, also wir, hier aus.

Es ist ein sonniger Tag. Er wird sehr heiß werden. Gleich neben dem Banhsteig ist der Eingang zum Engaku-ji1. Es ist der erste große Tempel, den wir heute besuchen. Wir durchschreiten das So-mon, zahlen den Eintritt und stehen im Tempelareal. Vor uns das riesige San-mon und dahinter die Haupthalle.

Das Tempelareal geht weit in den Berghang und hat mehrere Nebengebäude und auch Nebentempel. Und wegen des Hangs geht es die ganze Zeit bergauf. Na gut, zurück geht es dann bergab. Aber dann ist da noch diese Treppe. Auch wenn man nicht will, da muss man hinauf. Oben neben dem Bentendo steht die alten Tempelglocke von 1302.

Wir folgen den Bahnschienen und biegen dann auf Straße 22 ab. Nach ein paar hundert Metern kommt der zweite große Tempel von Kamakura, der Kencho-ji2. Das San-mon ist glaube ich noch größer als das im Engaku-ji. Kurz vor dem Ende des Hauptareals steht das Wohngebäude des Hauptpriesters, dahinter eine einfacher aber sehr schöner japanischer Garten. Schön ist, dass man den Garten von der Veranda des Gebäudes betrachten kann. Das Kara-mon vor dem Gebäude kann man nicht durchschreiten. Die Kombination von schwarzem Holz und Gold wirkt, gerade jetzt im Sonnenlicht.

Erwähnenswert ist ein Deckengemälde mit einem Drachen. Ein ähnliches Bild gibt es Kyoto, das besuchen wir noch, und es ähnelt auch dem schlafenden Drachen in Nara, wo wir schon waren. Theoretisch kann man jetzt noch den Berg hinauf zum Hazobo-Schrein wandern. Aber ich habe echt keine Lust und wird schon wieder hinter meinem Zeitplan.

Nächster Stopp ist der berühmte Tsurugaoka Hachimangu, der große Schrein von Kamakura. Was ist meinem Bruder bisher nicht gesagt habe ist die Tatsache, dass heute das Yabusame stattfindet. Ich weiß nicht, ob wir überhaupt was sehen werden. Ich wollte keine falschen Ertwartungen wecken.

Wir erhaschen ein paar Szenen. Unter anderem die Prozession zum Schrein und die Predikt (wie heißt das eigentlich im Shintoismus) in der unteren Tanzbühne. Die Kampfstrecke ist bereits abgeriegelt und mit Zuschauern überfüllt. Wir finden noch einen Stehplatz am Ende, bzw. Anfang, der Rennstrecke. Viel sehen vom Schießen selbst können wir nicht. Aber die Reiter und Gehilfen in voller Ausrüstung sehen wir sehr gut. Mehr war nicht drin. Deshalb hatte ich es nicht „geteasert“.

Wir haben 50% der wichtigen, großen Sehenswürdigkeiten in Kamakura durch. Man kann eh nicht alles in Kamakura sehen. Hier gibt es hunderte(!) Tempel.

Kommen wir nun zu einer Premiere. Ich bin noch nie mit der Enoden-Bahnlinie gefahren. Es ist eine kleine schnuckelige Straßenbahn, die zwischen den Häusern noch Enoshima und dann weiter nach Fujisawa fährt. Für Touristen ist sie superpraktisch, da sich auch beim großen Buddha vorbeikommt … und entsprechend gut besucht. Da müssen wir jetzt durch. Wir steigen ander Station Hase aus.3

Unser nächster Halt ist der Hasedera.4 Der rote Lampion am Baum weckt Erinnerungen an meine erste Reise; im Tempel dann hunderte Jizo-Statuen, die Grotte mit der Benten-Statue, der Bambushain oben und die Aussicht auf den Strand.

Ein Blick auf die Uhr warnt. Wir müssen rauf zum großen Buddha. Sonst kommen wir nicht mehr rein. Auf halber Strecke merke ich, dass ich mich um eine Stunde vertan habe. Wir haben genug Zeit. Puls runter fahren. Der Tempel heißt übrigens Kotoku-in.

Wie alle Touristen lassen wir die Tempelgebäude links liegen und gehen direkt zum Daibutsu, zum großen Buddha. Groß ist jetzt relativ. Er misst 13,3 m. Gegen den Einwurf kleiner Münzen darf man das Innere besichtigen.

Ist ist nach 16 Uhr. Einen weiteren Tempel schaffen wir nicht mehr.  Es wird Zeit für ein Highball … und Mittagessen. Wir entscheiden uns für das Hase Shokudo neben dem Bahnhof. Die haben auch das lokale Craftbeer von dem ich das Schwarzbier wähle. Und eine große Portion Kakigori und … Moment … Die haben Loco Moco? Das Loco Moco? Wirklich. Ich muss es bestellen. Das letzte Mal hatte ich dieses Gericht auf Hawaii.

Mit Enoden geht es zurück nach Kamakura und von dort mit Japan Rail zurück nach Yokohama und von dort nach Sakuragicho Station. Die liegt gleich neben dem Landmark Tower5. Der Tag ist noch nicht rum. Nur Chinatown werden wir nicht mehr schaffen. Mit einem der schnellsten Aufzüge der Welt[efn_Note]Mit 750 m/s ist er der schnellste Aufzug Japans.[/efn_note] geht es hinauf zum 69. Stock, wo der Sky Garden wartet. Der abendliche Blick auf den Hafen ist einmalig. Für mich toppt er sogar Tokyo. Das Sightseeing endet mit einem Blick von der Kishamichi-Promenade auf die Skyline von Yokohama.

Kommen wir nun zum Teil mit dem Bier. Auf der Westseite der Bahnstation Sakuragicho ist das Kneipenviertel Nogecho. Keine Ahnung wo wir landen werden. Aber einer der Läden wird definitiv das downbeat. Eine Jazzkneipe muss sein. Das hier ist Yokohama, eine der großen Jazzszenen in Japan.

Wir gehen zu Fuß zurück zum Hotel. Der Weg führt zwar an einer nervigen Hauptstraße entlang. Das Hotel merke ich mir für meinen nächsten Besuch, wenn hoffentlich das Chigusa wieder existiert. Nogecho ist nur 600 vom Prostyle Ryokan entfernt.

Morgen geht es nach Kyoto. Ich glaube Kamakura war ein krönender Abschluss für den Tokyo/Kantoteil dieser Reise.

Rediscovering Tokyo 4

Heute ist der letzte Tag in Tokyo. Wir verlegen heute Abend nach Yokohama. Motiviert war dieser Schritt durch den Umstand, dass es nicht möglich war, ein gutes Hotel für 7 Nächte zu finden. 6

Nachdem das Zimmer geräumt und die Koffer zwischengeparkt sind, geht es zur Ryogoku. Hier steht das Sumo-Stadion. Irgendwie habe ich die Hoffnung, dass doch noch Tickets gibt. Diese Hoffnung läuft ins Leere. Sumo ist ausverkauft.

Das Edo-Museum ist wegen Umbauarbeiten ebenfalls geschlossen. Und mein Ziel, die Sake-Station im Edo Noren am Ryogoku-Bahnhof hat Corona nicht überlebt. Hier konnte man an automation dutzende Sake probieren und so das gesamte Geschmacksspektrum von Sake erkunden.

Und so bleibt nur der Besuch des Kyu-Yasuda-Garten. Er ist klein, aber definitiv einen Besuch wert, zumal er kostenlos ist und die Tokyo-Memorial-Hall auf der anderen Seite der Kreuzung hinter dem Garten liegt. Dieser ist jetzt weniger ein Kracher. Im Garten befindet sich das „Japanese Sword Museum“. Es ist nicht groß, hat aber ein paar sehr schöne Exponate. Teilweise sind die Katana thematisch gruppiert. Es gibt eine Serie, die die verschiedenen Hamon vergleicht oder unterschiedliche Kissaki.

Von Ryokugo kommt man mit der Chuo-Sobu-Line bequem nach Shinjuku. Aber bevor wir in den Zug steigen finden wir noch eine Unterführung zu einem Stillgelegten Bahnsteig. Hier ist eine kleine Fotosammlung von der Station in vergangener  Zeit. Hier steht auch ein Klavier, auf dem man spielen kann.

In Shinjuku angekommen gehen wir zum Tokyo Metropolitan Goverment Building7. Hier gibt es eine kostenfreie Aussichtsplattform im 48. Stock. Der Blick auf das Häusermeer von Tokyo ist schon was. Leider erlaubt das Wetter keine Fernsicht. Der Fuji ist nicht zu sehen.

Wir haben noch Zeit für einen Abstecher zu Roppongi Hill. Vom Mori Tower, meine zweite Idee für ein Blick von oben. Die Anfahrt gestaltet sich als Chaos. Ich entscheide mich für die falsche Odeo-Line. Erst fahren wir in die falsche Richtung, dann finden wir am Umsteigepunkt nur Züge in Richtung Iidabashi. Na gut, dann Plan B. Von Iidabashi wird uns die Namboku-Line nach Roppongi-1chome bringen.

Unterwegs ist Tokyo einfach Toyko: (1) Auf dem Weg zum Bahnsteig in Shinjuku finden wir einen informationsschalter, der mit einem Roboter besetzt ist. (2) Der Bahnsteig in in Iidashi hat keine Treppen nach oben, sondern eine lange Rampe. Die Beleuchtung auf beiden Seiten gibt die Illision von Tageslicht. Man glaubt sich nicht in einer U-Bahn-Station. (3) Am Ende kommt dann doch noch eine Rolltreppe und an der Decke … soll das Kunst sein? Die Station in Tokyo sind immer für eine Überraschung gut. Ich muss da mal eine Blogseite erstellen.

In Iidabashi scheitern wir an dem Versuch ein sinnvolles Mittagessen zu finden. Vielleicht in Roppongi. Von der Bahnstation 1chome sind es ein paar hundert Meter. Noch bevor wir etwas finden, stürme ich den 7eleven.

Und dieser Tag hat einfach nur Hindernisse parat. Der Eintritt für den Mori Tower hat drastisch angezogen. 2400 yen. Irgendwie habe ich keine Lust mehr. Und wir haben Tokyo schon von oben gesehen.

Es ist an der Zeit, nach Yokohama zu verlegen. Wir fahren mit der Hibiya-Line zurück nach Iriya. Mir war nie bewusst wie praktisch diese Banhline ist. Mit den Koffern geht es zurück zu Hibiya. Hmmm. Mit unserem Timing landen wir in der Rush Hour. Aber für eine Station muss es gehen. In Ueno angekommen schnappen wir uns den erstbesten Zug der Keihin-Tohoku-Linie. Sie wird uns direkt nach Yokohama bringen. Hier steigen wir um in die Negishi-Line nach Kannai.

Nach kurzen Fußmarsch sind wir am Prostyle Ryokan, unsere Unterkunft für zwei Nächte. Es sind wieder Tatamiräume, aber etwas westlicher. Die Tatami fürs Bett sind etwas abgebockt und wirken eher wie ein Bett. Nachdem ich bereits Feedback bekommen habe, dass mein Bruder kein Fan von Futon und Tatami ist, bin ich über meine Wahl froh. Es ist quasi ein Kompromiss.

Nachdem die Koffer im Zimmer deponiert sind, machen wir uns auf die Jagd nach einem Abendessen. Rückblickend hätten wir nach Norden, entlang der 5-chome gehen sollen. Ich entscheide mich aber für Westen entlang der Tokiwaocho-dori. Die Auswahl ist hier begrenzt aber wir finden ein Izakaya, Shokuraku Sakaba Kannai Branch. Yakitori, Highball und anderen leckere Dinge. Ich bin glücklich, und froh dass dieser Tag mit Hindernissen endlich vorbei ist. Morgen geht es nach Kamakura.

Rediscovering Tokyo 3

Der Plan für heute ist etwas eklektisch. Ja, hat etwas von Resterampe. Aber die noch offenen Punkte passen einfach nicht auf eine Route.

Wir verlassen das Hotel und begeben uns zu Fuß auf den Weg zum Nezu-Schrein. Das werden ein paar Meter. Wir laufen durch die schmalen gassen von Negishi, vorbei am Onu-Terusaki-Schrein. Ohne Vorwarnung stehen wir an der mehrspurigen Straße 319. Was für ein Kontrast. Kurz vor Uguisudani Station überqueren wir Schienen der Yamanote und aller andere Bahnlinen. Ich zähle 13 Gleise.

Weiter geht es zwischen der Nordende des Ueno-Park und dem Friedhof hindurch zum Kanei-ji8. Hier habe ich 2013 zu Neujahr die Tempelglocke geläutet. Am Jomyoin biegen wir links ab auf die 319. Ach da schau an.  Hier ist sie allerdings nicht mehr mehrspurig. Rechts von uns liegen dutzende Tempel mit Friedhöfen. Vermutlich einen Abstecher wert, aber ich habe keine Infos oder Erfahrung mit der Gegend.

An der 437 angekommen ist es nicht mehr  weit zum Nezu Jinja9. Er ist das erst Highlight des Tages. Das Roman, die Haupthalle, die roten Torii des Otome-Inari-Schreins.

Nach dem Besuch geht es mit der Chiyoda-Linie runter nach Yushima Station (C-13). Vertraute Gegend. Wir schlendern etwas durch Akihabara und die Mange-Geschäfte. Weiter geht es mit der Chiyoda-Linie nach Harajuku. Takeshita-Dori. Ich glaube jeder Tourist muss ein Mal durch die Straße gelaufen sein, sonst fehlt was. Das wäre fast so wie Hamburg ohne Hafenrundfahrt.

Ein Abstecher in die Omotesando (inkl. Souvenirshopping im Oriental Bazar10) und in den Yoyogi-Park dürfen nicht fehlen. Und tatsächlich, die Rockabillies sind immer noch hier. Es geht nun mehrere neuere Gruppen, aber die Combo, die ich seit 2004 kenne ist immer noch am Tanzen. Cosplayer sind aber keine mehr auf der Brücke. Ich glaube, der Trend ist endgültig vorbei. Schade.

Genug mit Harajuku. Wir verlegen über Shinjuku Station (lässt sich nicht vermeiden) nach Nakano … und dran vorbei weiter nach Kichijoji. Nakano kommt später. Und der Inokashira Pond ist auch nicht mein Ziel. Es gibt heute ein Schreinfest, bei dem mehrere Mikoshi herumgetragen werden.

Wir schauen dem Trubel ein Zeit land zu. Wenn wir schon hier sind, können wir auf ein Bier (und Yakitori) in die Harmonika Yokocho.

Jetzt im Anschluss geht es dann nach Nakano. Wir waren in Akihabara. Dann darf Nakano Broadway nicht fehlen. Wir stöbern durch die die Korridore bis die Länden nach und nach schließen. Es ist bereits dunkel. Wir schlendern durch die Straßen östlich der Sunmall. Kneipe neben Kneipe. Da wir uns für kein Izakaya entscheiden können, enden wir schließen in einem Kuroneko-Maidcafe.

Es ist noch früh am Abend. Und nach Harmonika Yokocho und Nakano kann man dann bequem Kabukicho, Omoide Yokocho und Golden Gai ergänzen. Das Thema des Abend ist definitiv „Pub Crawl“.

Wir fangen mit Omoide Yokocho an. Es ist voll. Touristen. Und ja, wie Takshita-Dori ist es eigentlich nur ein „Ich-war-hier“-Ort. Also gehen wir gleich weiter, unter der Eisbahnbrücke hindurch in Richtung Kabukicho. Die Häuserfront mit den riesiegen Neon-Reklameschildern lässt erahnen, was kommt. Die Ichibangai ist Cyberpunk. Überall Neonreklame und hektischen Treiben.

War hier schon immer so viel Müll auf der Straße? Irgendwie habe ich das anders in Erinnerung. Aber ok, es waren 6 Jahre. Vielleicht habe ich es verdrängt? Hmmm. Vielleicht ist doch etwas dran an den Gerüchten. Wir laufen etwas durch die Straßen und versuchen den „Touts“11 aus dem Weg zu gehen.

Der letzte Stopp für heute ist „Golden Gai„. Wir laufen durch die schmalen Gassen. Hunderte kneipen auf etwa 1 Hektar. Fast alle Orte haben nur Platz von 10 oder weniger Gäste. Blade Runner pur; nur ohne den Regen.

Wegen der vielen Touristen gibt es eine Service Charge12 oder die Bar ist „Members Only“. Wenn die Tür auf ist, versuche ich durch Blickkontakt zu klären, ob diese Regel strikt angewendet wird. Meist ja. Ich verstehe den Hintergrund zu gut und schlage keine online-Empörungswelle.

„Deathmatch in Hell“ ist leider heute geschlossen. Das ist Pech. Aber Auswahl gibt es genug. Wir finden einen Sitzplatz und kommen schnell ins Gespräch mit anderen Gästen. Der Rest ist Abend wird kurzweilig.

Dann ein Blick auf die Uhr. Oha. Wir müssen los. Ich habe keine Lust, die letzte Bahn zu verpassen. Es ist bereits nach 23 Uhr. Yamanote. Dann Hibiya-Line. Geschafft. Wir sind vor Betriebschluss wieder am Hotel. Rückblickend haben wir doch etliche Must-Visit-Orte besucht.

Rediscovering Tokyo 2

Heute folgt die zweite Runde Tokyo; inkl. Bootsfahrt mit Riverboat Mizuha und einem Besuch in der Science Bar INCUBATOR. Ja, heute ist wieder ein Tag zum angeben.

Die Hibiya-Line bringt uns direkt von Iriya nach Tsukiji. Auch wenn der Fischmarkt nicht mehr hier ist, muss ich meinem Bruder den Outer Market zeigen. Und wow. So viele Touristen. Und die Preise! Das ist echt eine Touristenfalle.

Das eigentlich Ziel ist der Hamarikyu-Teien, einer der Metroloplitan Japanese Garden. Er ist mein Favorit wegen dem schönen Kontrast von Tradition (Teehaus am Teich) und Moderne (Hochhäuser des Shiodome-Bezirk im Hintergrund). Der Park ist größer als ich ihn in Erinnerung habe. Zu meiner Verteidigung: Normalerweise reise ich mit Boot an.

Shiodome treibt mich dann wieder in den Wahnsinn. Ich finde den Eingang zur Oedo-Line. Nicht. Da es keine Fußgängerampeln gibt, muss man immer wieder die Treppen hoch in die zweite Ebene. Arghhh. Immerhin können wir ein paar Fotos von der Uhr im Miyazaki-Stil machen.

Die Oedo-Line bringt uns nach Akebanebashi. Von hier sind es nur ein paar hundert Meter zum Tokyo Tower und zum Zōjōji, dem zweiten großen Tempel in Tokyo. Leider ist Datsumon hinter einem Baugerüst versteckt.

Von hier aus geht es über ein paar Nebentraßen zur Kamiyachō-Station. Hier haben sich Stadtdesigner und Architekten ausgetobt. Ich muss das bei Gelegenheit mal googeln. Sieht cool aus. Mein Ziel ist der Atago-Schrein. Es ist ein kurzer Stopp, denn wir hängen mal wieder meinem Zeitplan hinterher.

Wir gehen zur Bahnstation Toranom-Hills Station (Das nahe gelegene Sake und Shochu-Center lasse ich aus). Die Hibiya-Line (ja genau diese) bringt uns nach Hibiya. Von hier ist es ein kleiner Fußmarsch zum Kaiserpalast mit der Njju-bashi.

An der Otemachi, die den Kaiserpalast mit dem Bahnhof verbindet, findet ein Festival statt. Aber ich glaube, ich habe eine besser Idee; später, nach der Bootsfahrt. der Bahnhof gibt mir Gelegenheit, etwas mit meinem Inselwissen anzugeben: wie der Bahnhof seit meiner ersten Reise 2004 angehoben und das Fundament getauscht wurde, wie das 3. Stockwerk seitdem ergänzt wurde, und dass ein Großteil der Dachziegel aus den Trümmern des Tsunami 2011 geborgen werden mussten. Die Hochhäuser im Hintergrund sind neu. Leider habe ich 2004 nie ein Foto gemacht. Damals war der Eingang alles, aber nicht hübsch; keine Flaniermeile sind ein Wirrwarr von Spuren und Haltepunkten für Taxen.

Wir nutzen den Yeasu-Underground, um auf die andere Seite zu kommen. Einen kurzen Abstecher zum Whiskyladen kann mich mir dann aber nicht verkneifen. Nur gucken. Gekauft wird auf dem Rückweg. Ein Umweg ist es nicht.

Wir erreichen Nihonbashi und haben Zeit für einen kleinen Abstecher zum Fukuto-Schrein, der jetzt zwischen den modernen Hochhäusern liegt. Wieder ergibt sich dieser krasse Kontrast von Tradition und Moderne. Ach ja, das Suigian ist auch hier. Aber das steht dieses Mal nicht auf meiner Liste; da war kein Platz mehr.

Zurück am Bootsanleger an der Nihonbashi werde ich schon aus der Ferne erkannt und herzlich empfangen. Mein Bruder bekommt kurz vom Mizuha-Team die Geschichte erzählt: kurz, ich bin ein gern gesehener Wiederholungstäter. Ach ja, hatte ich erwähnt, wie ich diese Bootsfahrt gebucht habe? Während der Planung war kein Termin im September verfügbar, also habe ich eine kurze eMail geschrieben. Die Antwort war „Natürlich erinnern wir uns ans sie. Wir haben zwei Termine online gestellt. Bitte buchen Sie den Termin, der ihnen besser passt.“

Wir fahren los. Nihonbashi-gawa, Sumida-gawa, Kanda-gawa und wieder Nihonbashi-gawa. Ich versuche von der jeder Brücke ein Foto zu machen. Und bevor ihr fragt, nein, mir fehlen ein paar Brücken. Ein paar hatte ich einfach vergessen, eine hatte ich übersehen und eine war bei meiner letzen Reise noch nicht gebaut, bzw. restauriert.

Die Bootsfahrt war entspannend und entschleunigend. Es wird Zeit für Chaos. Wir verlegen nach Shibuya. Ich werde zum ersten Mal die nahe Banhstation der Ginza-Line benutzen.

Unten erwartet uns ein Schreinfest. Mehrere Mikoshi werden direkt am Bahnhof vorbeigetragen.  Für etwa 20 Minuten tauchen wir ins das Chaos ein. Dann geht es zur Statue von Hachiko und der berühmten Kreuzung. Ja, Touristenkitsch, aber es ist auch Pflichtprogramm. Und ja, auch ich erliege dieser Faszination.

Wir laufen die Center-Gai entlang. Mein Ziel ist das LOST, die Bar von Youtuber Chris Broad (Abroad in Japan). Wir fahren hinauf in 2F. Mein Bruder ist verwirrt. Hier gibt es keine Bar. Nur zwei Geschäfte und eine Gacha-Maschinen. Ich habe das Video geschaut. Man muss die Maschinen zur Seite schieben, dahinter ist der Eingang. Es ist wie eine Speakeasy-Bar.

Ich bestelle mit einen „Too much Vulcano“ und etwas Käse. Für letzteren hat Chris viel Werbung gemacht. Und ja, er ist gut, aber auch sehr, sehr kräftig. Nichts für Japaner.

Der letzte Stopp für heute ist die Science Bar INCUBATOR. Mein letzer Besuch ist 6 Jahre her und das hier ist Japan. Auf die Begrüßung war ich nicht vorbereitet. Mein Bruder betritt die Bar. Der Besitzer schaut hoch. Ein Ausländer, ok. Dann macht einen Schritt zur Seite und sieht mich. Ohne Vorwarnung springt er förmlich über den Tresen und umarmt mich mit den Worten „Welcome Back“. Wow. Wie reagiere? Das steht nicht im Japan-Knigge. Wie reagiere auf eine spontane Umarmung durch einen Japaner? Das war unerwartet.

Wir bestellen ein paar Drinks. Sake und Petroleumbrenner ist Pflicht. Ebenso der Schinken und der Drink DNA. Für diesen wird eine Erdbeere püriert. Unter anderem Zitrone(nsäure) und hochprozentiger Alkohol starten die Reaktion. Es bildet sich ein Geleeblob. Da sind die Proteine der Erdbeere oder: die DNA-Stränge der Erdbeere. Das ist Biochemie als Drink. Deshalb liebe ich diese Bar.

Der Rückweg zum Hotel führt über Akebonobashi und Iwamotocho. Die erste Station kenne ich vom letzten Mal; letztere ist neu für mich. Ich buche auch diesen Tag als Erfolg, zumal ich zwei Chancen hatte, anzugeben.

Rediscovering Nikko

Heute, bereits am zweiten Tag, steht Nikko auf dem Programm. Für die Anfahrt habe ich Sitzplätze im Spacia X reserviert. Nach dem Frühstück geht es los. Btw. Wir hatten total vergessen, dass wir Frühstück gestern reserviert haben.

Ein Taxi bringt uns nach Asakusa. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir Reservezeit benötigen. Wow, lag ich richtig. Meine Reservierung war wieder nur online gültig. Und um Zugang zum WLAN zu bekommen … lasst es mich so sagen: Man braucht Internetzugang, um Internetzugang zu bekommen.

Rediscoverung Japan hat sein erstes Ergebnis: Selbst, wenn man nicht online gehen will, weil man in Urlaub ist, muss man sich japanischen Internetzugang besorgen, sonst geht alles den Bach runter. In Japan kann man nur noch online (über)leben.

Auch im Zug kann der Kaffee nur online bestellt werden. Das werde lange zwei Stunden. In Nikko angekommen hole ich mir erst einmal ein Bier, dann geht es zum Touristenbus, der uns zu den Tempelareal bringt. Wir haben leichten Nieselregen.

Der Bus biegt an der Shinkyo-Brücke rechts ab. Nicht gut. Hier war ich noch nie. Aber am nächsten Stopp an einem Parkplatz steigen viele Leute aus. Wir folgen. Ein Wanderweg bringt uns zur Butokuden-Halle. Es ist ein „Ah, hier kommt man raus“-Moment. Ich habe wieder Orientierung. Wir gehen an der Goju-no-to 13 vorbei rauf zum Toshogu-Schrein. Jetzt regnet es. Ratet mal, wo mein Regenschirm ist.

Wow. Die haben den Eintrittsbereich automatisiert und erweitert. Damals gab es einen Schalter mit 2 Mitarbeitern. Jetzt stehen hier mehrere Automaten. Und so viele Leute, obwohl es regnet. Overtourism scheint real zu sein.

Trotzdem ist es schön, wieder hier zu sein. Der Tōshō-gū hat genug Schnitzereien und Verzieerungen, dass man hier Stunden verbringen kann: die 3 Affen (San-en)14, die schlafende Katze (Nemuri-Neko), das Mausoleum von Tokugawa Ieyasu 15, Yomei-mon und Kara-mon, …

Und dann ist da noch die Rinnōji Yakushi-do, die Halle des weinenden Drachen. Ich habe meinen Bruder nicht gesagt, worum es geht und die Einweisung ist in Japanisch. Die Halle ist etwa 8m hoch. Schlägt man an einer ganz speziellen Stelle zwei Hölzer gegeneinander, hallt das Echo mehrere Sekunden durch den Raum. Der Gesichtsausdruck meines Bruders sagt alles: Damit hat er nicht gerechnet.

Wir gehen weiter Futarasan-Jinja. Links und rechts vom Weg sind  kleine Regenrinnen. Sie können die Regenmassen gerade so eben ableiten; gerade so eben. Teile des Wanderwegs sind überflutet. Keine Ahnung, warum ich nicht den parallelen Kamishinmichi zum Ro-mon genommen habe.

Am Futerasan-Jinja ich zum ersten Mal in das Areal links neben der Haupthalle. Ich kann euch nicht sagen, warum ich noch nie hier war. Das Areal ist etwas chaotisch. Es gibt kleine Nebenschreine, Jizo-Statuen, eine Quelle, den „Devine Tree Tunnel“ (fragt mich nicht) und einen kleinen, kurzen Wanderweg am Berghang.

Unser nächster Stopp ist der Rinno-ji Taiyu-in. Dieser Tempel beherbergt das Mausoleum von Tokugawa Iemitsu16. Wie auch der Tosgo-gu sind die Gebäude reichlich verziert, aber etwas zurückhaltender. Wir durchschreiten das Noten-mon. Links und rechts am Tor stehen Holzstatuen der vier himmlischen Könige (Schutzgötter)17. Für mich sehen die sehr indisch aus.

Viele glauben, dass das Mausoleum das Gebäude oben hinter dem Yasha-mon ist. Nicht ganz. In der hinteren rechten Ecke befindet sich as Koka-mon, auch als Ryugu-mon bekannt). Das ist der Eingang zum Grab von Tokugawa Iemitsu, aber für Touristen nicht zugänglich.

Da Wetter hat sich übrigens nicht geändert: Nieselregen unterbrochen von Regen. Wir gehen zurück zum Rinno-ji. Die Haupthalle lassen wir aus. Ich will in den kleinen Tempelgarten Shōyō-en. Auf dem Weg dorthin nimmt der Regen wieder zu. Ich lasse mich überreden und kaufe einen überteuerten Regenschirm. Neben den Garten gibt es noch ein kleines Museum. Der Garten hat im Regen einen besonderen Reiz.

Da war es auch schon. Der Nikko-Crashkurs ist zu Ende. Es ist auch schon 16:30 Uhr. Wir gehen runter zur Shinkyō-Brücke. Da wir bisher noch kein Mittagessen hatten, suche wir das Asaya Resthouse auf. Das ist, natürlich, eine Touristenfalle: Souvenirs im Erdgeschoss, Restaurant im Obergeschoss. Da ich mich nicht entscheiden kann, bestelle ich die Kombo aus Ramen und Katsukaree.

Anschließend gehen wir kurz hinauf zum Nikko Kanaya Hotel. Ich muss meinem Bruder das Hotel zeigen, wo ich 2008 übernachtet habe.

Der Fußweg zurück zum Bahnhof sind etwa 1,5 km. Wir laufen ein wenig, entscheiden uns dann aber doch für den Bus. Zurück am Bahnhof ist ausreichend Reservezeit. Was tun? Die suche nach einer kleinen Kneipe ist komplizierter als gedacht. Hier am Bahnhof ist kaum was los, vermutlich weil alle Touristen immer sofort zum Tempelareal gehen und danach direkt zurück zum Zug. Wir finden aber ein kleines Resto. Da wir gerade gegessen haben, bleibt es bei einem großen, sehr großen Highball (ich habe die Größenangabe im Menü übersehen).

Nun wartet die Rückfahrt auf uns. Der Zug ist der Kegon. Das Design verorte ich in die späten Siebziger18. Wir fahren übrigens erste Klasse.

Zurück in Aasakusa habe ich noch eine Besonderheit auf dem Plan. Das Regenwetter passt perfekt. In der U-Bahnstation gibt es einen Bereich, den die Zeit vergessen hat. Ein Hauch von Blade Runner. Ich zeige die Ninja-Sakebar. Hier sind mir aber zu viele Touristen; außerdem: keine gute Idee, spreche aus Erfahrung.

Stattdessen fahren wir mit der Ginza-Line nach Ueno. Ich versuche, die kleine Bar zu finden, die etwas abseits der Touristenpfade liegt. Als ich sie endlich finde, ist kein Platz mehr für uns. Also gehen wir weiter. Hmmm. Ob es die Whiskybar noch gibt? Ja. Und der alte Barkeeper ist auch noch dort19.

Den Weg zurück zum Hotel laufen wir; immer entlang an der Straße 1. Sollte einfach sein. Ist es auch. ich verstehe immer noch nicht, wie ich gestern falsch abbiegen konnte. Es ist wirklich eine gerade Linie. Trotz Regen war es, glaube ich ein gelungener Tag.