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Rediscovering Nikko

Heute, bereits am zweiten Tag, steht Nikko auf dem Programm. Für die Anfahrt habe ich Sitzplätze im Spacia X reserviert. Nach dem Frühstück geht es los. Btw. Wir hatten total vergessen, dass wir Frühstück gestern reserviert haben.

Ein Taxi bringt uns nach Asakusa. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir Reservezeit benötigen. Wow, lag ich richtig. Meine Reservierung war wieder nur online gültig. Und um Zugang zum WLAN zu bekommen … lasst es mich so sagen: Man braucht Internetzugang, um Internetzugang zu bekommen.

Rediscoverung Japan hat sein erstes Ergebnis: Selbst, wenn man nicht online gehen will, weil man in Urlaub ist, muss man sich japanischen Internetzugang besorgen, sonst geht alles den Bach runter. In Japan kann man nur noch online (über)leben.

Auch im Zug kann der Kaffee nur online bestellt werden. Das werde lange zwei Stunden. In Nikko angekommen hole ich mir erst einmal ein Bier, dann geht es zum Touristenbus, der uns zu den Tempelareal bringt. Wir haben leichten Nieselregen.

Der Bus biegt an der Shinkyo-Brücke rechts ab. Nicht gut. Hier war ich noch nie. Aber am nächsten Stopp an einem Parkplatz steigen viele Leute aus. Wir folgen. Ein Wanderweg bringt uns zur Butokuden-Halle. Es ist ein „Ah, hier kommt man raus“-Moment. Ich habe wieder Orientierung. Wir gehen an der Goju-no-to 1 vorbei rauf zum Toshogu-Schrein. Jetzt regnet es. Ratet mal, wo mein Regenschirm ist.

Wow. Die haben den Eintrittsbereich automatisiert und erweitert. Damals gab es einen Schalter mit 2 Mitarbeitern. Jetzt stehen hier mehrere Automaten. Und so viele Leute, obwohl es regnet. Overtourism scheint real zu sein.

Trotzdem ist es schön, wieder hier zu sein. Der Tōshō-gū hat genug Schnitzereien und Verzieerungen, dass man hier Stunden verbringen kann: die 3 Affen (San-en)2, die schlafende Katze (Nemuri-Neko), das Mausoleum von Tokugawa Ieyasu 3, Yomei-mon und Kara-mon, …

Und dann ist da noch die Rinnōji Yakushi-do, die Halle des weinenden Drachen. Ich habe meinen Bruder nicht gesagt, worum es geht und die Einweisung ist in Japanisch. Die Halle ist etwa 8m hoch. Schlägt man an einer ganz speziellen Stelle zwei Hölzer gegeneinander, hallt das Echo mehrere Sekunden durch den Raum. Der Gesichtsausdruck meines Bruders sagt alles: Damit hat er nicht gerechnet.

Wir gehen weiter Futarasan-Jinja. Links und rechts vom Weg sind  kleine Regenrinnen. Sie können die Regenmassen gerade so eben ableiten; gerade so eben. Teile des Wanderwegs sind überflutet. Keine Ahnung, warum ich nicht den parallelen Kamishinmichi zum Ro-mon genommen habe.

Am Futerasan-Jinja ich zum ersten Mal in das Areal links neben der Haupthalle. Ich kann euch nicht sagen, warum ich noch nie hier war. Das Areal ist etwas chaotisch. Es gibt kleine Nebenschreine, Jizo-Statuen, eine Quelle, den „Devine Tree Tunnel“ (fragt mich nicht) und einen kleinen, kurzen Wanderweg am Berghang.

Unser nächster Stopp ist der Rinno-ji Taiyu-in. Dieser Tempel beherbergt das Mausoleum von Tokugawa Iemitsu4. Wie auch der Tosgo-gu sind die Gebäude reichlich verziert, aber etwas zurückhaltender. Wir durchschreiten das Noten-mon. Links und rechts am Tor stehen Holzstatuen der vier himmlischen Könige (Schutzgötter)5. Für mich sehen die sehr indisch aus.

Viele glauben, dass das Mausoleum das Gebäude oben hinter dem Yasha-mon ist. Nicht ganz. In der hinteren rechten Ecke befindet sich as Koka-mon, auch als Ryugu-mon bekannt). Das ist der Eingang zum Grab von Tokugawa Iemitsu, aber für Touristen nicht zugänglich.

Da Wetter hat sich übrigens nicht geändert: Nieselregen unterbrochen von Regen. Wir gehen zurück zum Rinno-ji. Die Haupthalle lassen wir aus. Ich will in den kleinen Tempelgarten Shōyō-en. Auf dem Weg dorthin nimmt der Regen wieder zu. Ich lasse mich überreden und kaufe einen überteuerten Regenschirm. Neben den Garten gibt es noch ein kleines Museum. Der Garten hat im Regen einen besonderen Reiz.

Da war es auch schon. Der Nikko-Crashkurs ist zu Ende. Es ist auch schon 16:30 Uhr. Wir gehen runter zur Shinkyō-Brücke. Da wir bisher noch kein Mittagessen hatten, suche wir das Asaya Resthouse auf. Das ist, natürlich, eine Touristenfalle: Souvenirs im Erdgeschoss, Restaurant im Obergeschoss. Da ich mich nicht entscheiden kann, bestelle ich die Kombo aus Ramen und Katsukaree.

Anschließend gehen wir kurz hinauf zum Nikko Kanaya Hotel. Ich muss meinem Bruder das Hotel zeigen, wo ich 2008 übernachtet habe.

Der Fußweg zurück zum Bahnhof sind etwa 1,5 km. Wir laufen ein wenig, entscheiden uns dann aber doch für den Bus. Zurück am Bahnhof ist ausreichend Reservezeit. Was tun? Die suche nach einer kleinen Kneipe ist komplizierter als gedacht. Hier am Bahnhof ist kaum was los, vermutlich weil alle Touristen immer sofort zum Tempelareal gehen und danach direkt zurück zum Zug. Wir finden aber ein kleines Resto. Da wir gerade gegessen haben, bleibt es bei einem großen, sehr großen Highball (ich habe die Größenangabe im Menü übersehen).

Nun wartet die Rückfahrt auf uns. Der Zug ist der Kegon. Das Design verorte ich in die späten Siebziger6. Wir fahren übrigens erste Klasse.

Zurück in Aasakusa habe ich noch eine Besonderheit auf dem Plan. Das Regenwetter passt perfekt. In der U-Bahnstation gibt es einen Bereich, den die Zeit vergessen hat. Ein Hauch von Blade Runner. Ich zeige die Ninja-Sakebar. Hier sind mir aber zu viele Touristen; außerdem: keine gute Idee, spreche aus Erfahrung.

Stattdessen fahren wir mit der Ginza-Line nach Ueno. Ich versuche, die kleine Bar zu finden, die etwas abseits der Touristenpfade liegt. Als ich sie endlich finde, ist kein Platz mehr für uns. Also gehen wir weiter. Hmmm. Ob es die Whiskybar noch gibt? Ja. Und der alte Barkeeper ist auch noch dort7.

Den Weg zurück zum Hotel laufen wir; immer entlang an der Straße 1. Sollte einfach sein. Ist es auch. ich verstehe immer noch nicht, wie ich gestern falsch abbiegen konnte. Es ist wirklich eine gerade Linie. Trotz Regen war es, glaube ich ein gelungener Tag.