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Rediscovering Tokyo 3

Der Plan für heute ist etwas eklektisch. Ja, hat etwas von Resterampe. Aber die noch offenen Punkte passen einfach nicht auf eine Route.

Wir verlassen das Hotel und begeben uns zu Fuß auf den Weg zum Nezu-Schrein. Das werden ein paar Meter. Wir laufen durch die schmalen gassen von Negishi, vorbei am Onu-Terusaki-Schrein. Ohne Vorwarnung stehen wir an der mehrspurigen Straße 319. Was für ein Kontrast. Kurz vor Uguisudani Station überqueren wir Schienen der Yamanote und aller andere Bahnlinen. Ich zähle 13 Gleise.

Weiter geht es zwischen der Nordende des Ueno-Park und dem Friedhof hindurch zum Kanei-ji1. Hier habe ich 2013 zu Neujahr die Tempelglocke geläutet. Am Jomyoin biegen wir links ab auf die 319. Ach da schau an.  Hier ist sie allerdings nicht mehr mehrspurig. Rechts von uns liegen dutzende Tempel mit Friedhöfen. Vermutlich einen Abstecher wert, aber ich habe keine Infos oder Erfahrung mit der Gegend.

An der 437 angekommen ist es nicht mehr  weit zum Nezu Jinja2. Er ist das erst Highlight des Tages. Das Roman, die Haupthalle, die roten Torii des Otome-Inari-Schreins.

Nach dem Besuch geht es mit der Chiyoda-Linie runter nach Yushima Station (C-13). Vertraute Gegend. Wir schlendern etwas durch Akihabara und die Mange-Geschäfte. Weiter geht es mit der Chiyoda-Linie nach Harajuku. Takeshita-Dori. Ich glaube jeder Tourist muss ein Mal durch die Straße gelaufen sein, sonst fehlt was. Das wäre fast so wie Hamburg ohne Hafenrundfahrt.

Ein Abstecher in die Omotesando (inkl. Souvenirshopping im Oriental Bazar3) und in den Yoyogi-Park dürfen nicht fehlen. Und tatsächlich, die Rockabillies sind immer noch hier. Es geht nun mehrere neuere Gruppen, aber die Combo, die ich seit 2004 kenne ist immer noch am Tanzen. Cosplayer sind aber keine mehr auf der Brücke. Ich glaube, der Trend ist endgültig vorbei. Schade.

Genug mit Harajuku. Wir verlegen über Shinjuku Station (lässt sich nicht vermeiden) nach Nakano … und dran vorbei weiter nach Kichijoji. Nakano kommt später. Und der Inokashira Pond ist auch nicht mein Ziel. Es gibt heute ein Schreinfest, bei dem mehrere Mikoshi herumgetragen werden.

Wir schauen dem Trubel ein Zeit land zu. Wenn wir schon hier sind, können wir auf ein Bier (und Yakitori) in die Harmonika Yokocho.

Jetzt im Anschluss geht es dann nach Nakano. Wir waren in Akihabara. Dann darf Nakano Broadway nicht fehlen. Wir stöbern durch die die Korridore bis die Länden nach und nach schließen. Es ist bereits dunkel. Wir schlendern durch die Straßen östlich der Sunmall. Kneipe neben Kneipe. Da wir uns für kein Izakaya entscheiden können, enden wir schließen in einem Kuroneko-Maidcafe.

Es ist noch früh am Abend. Und nach Harmonika Yokocho und Nakano kann man dann bequem Kabukicho, Omoide Yokocho und Golden Gai ergänzen. Das Thema des Abend ist definitiv „Pub Crawl“.

Wir fangen mit Omoide Yokocho an. Es ist voll. Touristen. Und ja, wie Takshita-Dori ist es eigentlich nur ein „Ich-war-hier“-Ort. Also gehen wir gleich weiter, unter der Eisbahnbrücke hindurch in Richtung Kabukicho. Die Häuserfront mit den riesiegen Neon-Reklameschildern lässt erahnen, was kommt. Die Ichibangai ist Cyberpunk. Überall Neonreklame und hektischen Treiben.

War hier schon immer so viel Müll auf der Straße? Irgendwie habe ich das anders in Erinnerung. Aber ok, es waren 6 Jahre. Vielleicht habe ich es verdrängt? Hmmm. Vielleicht ist doch etwas dran an den Gerüchten. Wir laufen etwas durch die Straßen und versuchen den „Touts“4 aus dem Weg zu gehen.

Der letzte Stopp für heute ist „Golden Gai„. Wir laufen durch die schmalen Gassen. Hunderte kneipen auf etwa 1 Hektar. Fast alle Orte haben nur Platz von 10 oder weniger Gäste. Blade Runner pur; nur ohne den Regen.

Wegen der vielen Touristen gibt es eine Service Charge5 oder die Bar ist „Members Only“. Wenn die Tür auf ist, versuche ich durch Blickkontakt zu klären, ob diese Regel strikt angewendet wird. Meist ja. Ich verstehe den Hintergrund zu gut und schlage keine online-Empörungswelle.

„Deathmatch in Hell“ ist leider heute geschlossen. Das ist Pech. Aber Auswahl gibt es genug. Wir finden einen Sitzplatz und kommen schnell ins Gespräch mit anderen Gästen. Der Rest ist Abend wird kurzweilig.

Dann ein Blick auf die Uhr. Oha. Wir müssen los. Ich habe keine Lust, die letzte Bahn zu verpassen. Es ist bereits nach 23 Uhr. Yamanote. Dann Hibiya-Line. Geschafft. Wir sind vor Betriebschluss wieder am Hotel. Rückblickend haben wir doch etliche Must-Visit-Orte besucht.

Kichijoji und 7 Glückgötter

Die 7 Glücksgötter von Nihonbashi sind bei weitem nicht die einzige Pilgerstrecke dieser Art in Tokyo. Eine weitere existiert im Nordosten zwischen den Flüssen Arakawa und Sumidagawa. Von Yushima (C-13) aus geht es nach Norden, nach Kita-Senju (C-18). So weit nach Norden bin ich mit der Chiyoda noch nie gefahren.

Eine Unterführung mit getrennter Fahrradspur bringt mich an den Einfang einer kleinen, typisch japanisches Einkaufsstraße. Die Straße endet am Rand von Yanigahara, einem altem Wohngebiet mit sehr schmalen Straßen und kleinen Häusern. Es gibt sogar ein altes Sento. Kaum zu glauben, dass das hier Zentraltokyo ist, nur ein paar Stationen entfernt vom Skytree und Akihabara.

Minuten später stehe ich am Arakawa und überlege wie ich von hier nach Sumda komme. Entweder  ist die Bundestraße im Weg, oder die Skytree-Line, oder die Keisei-Main-Line. Ich kann den Startpunkt der Pilgerstrecke, den Bahnhof Horikiri schon sehen. Aber ich muss einige Haken schlagen und Umwege laufen, bevor ich endlich am Bahnhof stehe. Dabei finde ich das wohl schmalste Haus in Japan (siehe Foto).

Die Pilgerstrecke, die dann folgt, ist lang und wenig spannend. Gut, ohne wirklich gute Karte ist es auch ein wenig Schnitzeljagd, aber irgendetwas fehlt. Es ist schwer in Worte zu fassen. Nihonbashi hat die kleinen Schreine als Ziel. Yanigahara vorhin hatte diese kleinen Straßen und Gassen. Hier? Nichts. Graues Wohngebiet ohne Charakter. Sorry. Skip it.

Das Ende der Strecke wartet der Kofuku-ji. Ja, das ist endlich wieder ein Fotomotiv. Von hier nach Asakusa ist es auch nicht mehr weit (relativ gesehen).

Es folgt ein Zwischenstop in Akihabara mit zwei wichtigen Zielen. Das erste ist der Inari-Shrein, der zwischen die Hochhäusern steht. Die Straße dorthin ist eher ein Spalt zwischen den Hauswänden, gerade so breit wie meine Schultern. Das Erlebnis ist, wie es Only in Japan beschreibt (Link folgt). Der zweite Stop ist die Microbrauerei am stillgelegte Manseibashi-Eki der Chuo-Line: Hachinohe. Das Bier kann man sogar in Deutschland kaufen, aber nicht die Sorten, die ich jetzt verkoste.

Dann geht es weiter nach Kichijoji, auch wenn das mit der beendeten Kirschblüte witzlos ist. Man war da und ich habe ein Frankfurter Würstchen beim „König“ gegessen. 800yen (6€) für eine Flasche Jever, Becks oder Köstritzer ist mir dann aber zu viel.

Es folgt ein kurzer Abstecher nach Gibli. Bis ich das Schild las wusste nicht, dass das Museum hier ist. Ohne Reservierung Tage im Voraus bekommt man keinen Eintritt. Von außen wirkt es etwas „in die Jahre gekommen“ und so ein großer Gibli-Fan bin ich nun auch nicht.

Dann geht es zurück nach Nakano. Der „Broadway“ ist ein etwas in die Jahre gekommenes Einkaufszentrum. Es ist ein Mekka für Animefans der ersten Stunde. Ich laufe etwas durch die Korridore und finde auch ein paar interessante Dinge. Darunter eine Original Japan Rail Taschenuhr. Aber ich halte das Geld zusammen, da ich am Sonntag nach Jotaro Saito will.

Zum Abendessen stoppe ich in einem nahegelegenem Izakakaya für Yokitori und ein Hoppy. Danach geht es in die Priesterbar „Vows“, sie ist der eigentliche Grund für die Fahrt nach Nakano. Die Bar wird von einem waschechten Mönch betrieben. Sein Ansatz lässt sich wie folgt zusammenfassen: Leute mit Kummer und Sorgen gehen in die Kneipe, um selbige zu ertränken. Also ist das der ideale Ort, um die Lehren Buddhas zu vermitteln. Ich  bleibe fast zwei Stunden und nippe an verschiedenen Cocktails.

Für das Nachtprogramm geht es zurück nach Kichijoji, in die Harmonica Yokocho. Wie bei Omoido Yokocho meint dies extrem kleine Gassen mit dutzenden extrem kleinen Kneipen. Mein Barhopping umfasst drei Orte, darunter das Hamaniko (Tipp von NHK).

Ich bin der achte Gast und stehe schon in zweiter Reihe. so klein ist die Bar. Das Fleisch ist ein Gedicht. Man bekommt veschiedene Cuts, die man dann selber grillt.

Um 22:30 Uhr ist Feierabend, da ich den Rückweg bedenken muss. Bis eben war das Wetter relativ gut. Allerdings war es extrem windig und böig. Jetzt fängt es auch noch an zu nieseln. Zum Glück ist der Bahnhof nicht weit. Ich erwische auf die Sekunde genau einen Rapid nach Ochanomizu. Dort ist der Nieselregen stärker. Schnell zum Hotel. Draußen regnet es jetzt in Strömen. Damit dürften auch die letzten Kirschblüten weg sein. Und der Wetterbericht für morgen (Nokogiriyama) verkündet nichts Gutes; Sturmwarnung.

Fazit: Die Vows Bar ist mehr als eine Bar. Ich war dort aus Neugier und weil ich die Idee gut fand. Aber zurück im Hotel denke ich wirklich über die buddhistische Ideen nach und über den Ansatz, die Lehren in die Bar zu bringen, statt Barbesucher in den Tempel zu locken.