Heute geht es nach Narita; das letzte Hotel vor dem Rückflug. Mit dieser letzten Shinkansenfahrt beginnt die letzte Szene dieser 10. Reise. Ich werde unterwegs in Kakegawa (dort war ich noch nie) und in Tokyo (Whisky und nen zweiten Koffer kaufen) anhalten.
Es regnet. Kein Schiff. Und ein Koffer in der Hand. Zum Glück ist es nicht weit zum Bahnhof. Kakegawa wird nur durch den Milchkannen-Shinkansen Kodama bedient. Egal. Es ist nicht weit (131 km) und ich habe es nicht eilig.
Am Bahnhof Kakegawa dauert es etwas, bis ich den Abstellort für meine Koffer finde. Dann geht es von Regen begleitet zur Burg. Hier ist nicht viel los. Ich glaube nicht, dass es viele ausländische Touristen hierher verschlägt.
Die überdachte Einkaufsstraße zeigt das aktuelle Problem Japans. Die kleinen Orte sterben weg. Die Hälfte der Geschäfte sind deutlich dauerhaft geschlossen. Die Farbe blättert und alles wirkt alt und verfallen. Abwanderung und Überalterung sind hier sichtbar. Aber, auf einem Grundstück stehen etwa 20 kleine 20-Fuß-Container. In jedem ist eine andere Kneipe. Das hat ein wenig was von Golden-Gai.
Ich gehe durch das Ote-mon der Burg, das abseits der direkten Verbindung Bahnhof-Burg steht. Hinter der Burg ist der Sakasa River. Ich folge ihm zum Eingang der Burg, zahle den Eintritt und gehe dann die Treppen hoch zum Hauptgebäude. Von hier oben kann man den Shinkansen in voller Länge sehen.
Im Anschluss besichtige ich den zugehörigen Ninomaru Palace. Und ja, der Stopp hat sich gelohnt. Der Rückweg hat Zeit für eine Schüssel Ramen. Dann hole ich die Koffer und warte auf meinen Shinkansen. Dieses Mal sitze ich im Green Car (1. Klasse). Es waren nur ein paar Euro mehr- Die meinsten Touris haben nur den normalen Japan Rail Pass. Und dieses letzte Fahrt in 2025 soll dann doch was Spezielles sein.
Und wieder habe ich nicht berücksichtigt, dass die Tokaidostrecke in Tokyo endet und nicht in Ueno, wo mein Kofferdepot ist. Hmm. Ich will auch nicht Zickzack fahren. Also geht es mit Koffer zum Whiskyladen im Yeasu-Underground und mit zwei zusätzlichen Whiskyflaschen weiter nach Ueno.
Ohne Gepäck ist jetzt Zeit für Ameyocho. Das Wetter? Immer wieder Regenschauer. Aber das soll mich nicht stören. Ich suche weitere Whisky, einen Koffer für den Rücktransport und Verpackungsmaterial.
Bei dem ganzen hin und her passiert es wirklich, dass ich kurz die Orientierung verliere. Egal. Hie ist ein Yokitori-Restaurant. Zeit für ein vorgezogenes Abendessen. Die Dämmerung setzt ein. Ah, ich bin in Ueno 1-chome. Dann habe ich vorhin eine Rechtskurve nicht mitgezählt.
Für den Keisei-Liner habe ich kein Ticket vorgebucht. Ich habe also kein Stress. Meine Koffer sind bis 22 Uhr sicher. Das Izakaya, das vor drei Wochen keinen Sitzplatz für mich und meinen Bruder hatte macht in etwa 15 Minuten auf. Das gibt mir Zeit für ein paar Fotos von der Gegend, bei denen ich mit der HDR-Funktion der Kamera spielen kann.
Im Izakaya bestelle ich einen „Suntory Old“. Es ist ein Klassiker, den ich noch in meine Sammlung aufnehmen muss. Auf der Karte steht auch ein Sake und gedörrter Ingwer. Der Geschmack ist mir etwas zu intensiv. Es war ein Versuch . Immerhin, der Sake schmeckt.
ich könnte noch stundenlang von Izakaya zu Izakaya ziehen. Ich will Tokyo nicht verlassen. Aber das Hotel ist nunmal in Narita. Ich hole die Koffer ab und begebe mich zum Keisei-Bahnhof. Tradition ist Tradition.
Ich habe allerdings vergessen, wie lange die Fahrt mit dem regulären Zug dauert. Es ist ein Rapid, aber irgendwie sammelt er trotzdem jede Milchkanne ein. Es zieht sicht. Es hilft nicht, dass die Stationen nummeriert sind. Es sagt einem nur, wie weit es noch ist. Narita hat Nummer 40. Ueno war 1. Und wir sind erst bei 28.
Als wir endlich in Narita ankommen will ich nur noch ins Bett. Noch einmal Konzentration. Es gab hier irgendwo einen Hinterausgang, der mich direkt bei meinem Hotel ausspuckt. Da ist er. Mit mehreren Rolltreppen geht es bergab. „Let’s Escalate“. Das Richmond vom letzten Mal ist auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber.
Die Hotelbar hat schon geschlossen. Gut. Dann habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich das Bett priorisiere. Der Check-in ist etwas nervig. Ein Self-Service-Terminal. ich mag sowas nicht. Aber das ist nunmal ein Businesshotel.
Kurz nach Mitternacht wache ich auf. Jemand versucht das Bett unter mir zu verschieben. Ein Erbeben der Stärke 6 in Fukushima lässt auch hier alles wackeln. Es waren horizontale Bewegungen, als hätte jemand die Erdplatte verschoben. Hoffentlich war das Alles.














