Archiv der Kategorie: 9.9 .. Abreise und Fazit

Heute kamen zwei Dinge mit der Post: Zum einen ein Hinweis von Zoll in Koblenz. Mein Kimono ist angekommen, hängt jetzt aber im Zollabfertigung. Ich muss zu einer Straße am Rheinhafen Koblenz kommen. An für sich kein Problem und Luftlinie ist der Ort nur knapp 1km von meiner Wohnung entfernt. Aber er ist auf der anderen Rheinseite und ich habe derzeit kein Auto. Super. Ich habe noch keine Idee, wie ich dieses Problem lösen werde, zumal die Öffnungszeiten mit meinen Arbeitszeiten kollidieren.

Und zum zweiten kam die Kreditkartenabrechnung von Amex. Autsch. 4104,36€. Das ist nur eine Kreditkarte und Flug und JRP waren schon im Vorfeld bezahlt. Der ganze Whisky ist außerdem auf der anderen Karte. Kostentreiber sind eindeutig der Kimono mit großem Abstand gefolgt vom Abend im Suigian und der Imperial Bar. Der Spielraum fürs WGT wird immer kleiner. Zumal die Reparatur am Wagen deutlich 4-stellig wird; Scheiß Original-Ersatzteile.

Die großen Vier und auch der Hibiki sind ausverkauft. Man findet hier und da eine versprengte Flasche, die übersehen wurde; irgendwo auf dem Land; in einem Sakaya, den die Zeit vergessen hat. Hatte ich letztes Jahr hier und da noch Reste an Flaschen ohne Alter gesehen, waren nur die 12er vergriffen, sind es jetzt alle Flaschen gewesen.

Ich bin in Atami über einen Hibiki Blenders Choice gestolpert, sie aber nicht mitgenommen, da ich ja noch über den halben Tag an Sightseeing vor mir hatte. Ich hatte sogar gehofft, warum auch immer, einen Hattori Hanzo oder eine Lucky Cat zu finden. Wunschdenken.

Was habe ich gefunden? Einen Hibiki Japanese Harmony in letzter Sekunde am Flughafen. Das war aber eher ein Notkauf, da ich mich noch über die verpasste Chance in Atami geärgert habe. Der gleiche Hibiki war in Tokyo nämlich 30€ teurer.

In Minakami habe ich einen Gold Cup Black. Das ist ein Noname. Ich habe keine Ahnung, was in der Flasche schwimmt. Selbst die auf dem Etikett angegebene Website listet den Whisky nicht im Sortiment. Mal sehen was das wird. Es ist allemal ein schönes Souvenir aus Minakami.

Der Rest, außer dem Taketsuru, stammt aus der Shoppingrunde am letzten Tag. Ich habe ein paar Highlights gefinden: The Chita den Mars Cosmo und einen Yamazakura. Den Date habe ich natürlich wieder vergessen. Aber ich habe mir einen Ichiro’s Malt & Grain gesichert.

Den Karuizawa Club kann ich gerade nicht einsortieren. Er war irgendwie spottbillig und scheint in Deutschland überzogen teuer zu sein. Weil er im Regal stand habe ich auch einen Akashi Red eingepackt.

Hier ist die komplette Liste mit Preisvergleich Japan-Deutschland:

Hibiki - Japanese Harmony Master Edition10.000 ¥ (80€)158 € (!)
Suntory - The Chita4.580 ¥ (37€)72 €
Suntory - Kakubin 1,92 l PET3.880 ¥ (31€)ca 150 €
Mars - Maltage Cosmo4.200 ¥ (34€)87 €
Ichiro - Malt & Grain3.500 ¥ (28€)133 € (!)
Karuizawa Club2.980 ¥ (24€)170 € (!)
Nikka - Taketsuru3.000 ¥ (24€)57 €
Yamazakura2.000 ¥ (16€)133 € (!)
Gold Cup - Black2.000 ¥ (16€)---
Akashi Red (0,5l)780 ¥ (6,20€)24 €

Die Einkaufspreise lagen summert bei 299 €. Nicht gerade wenig, aber wenn man jetzt vergleicht, was die Flaschen in Deutschland kosten. Eine schnelle Internetsuche und der Marktwert erreicht die 900 €. Das ist ein Faktor von 3 und ich habe beim Kauf nicht auf Wertoptimierung geachtet. 600 € gespart bei einem Economyflug (ohne Upgrade) von 640 €. Ganz ehrlich, die 40 € kriege ich zusammen, wenn ich den Sake berücksichtige, der im Gepäck war.

Fazit: Die Einsparungen bei den 23kg Zusatzgepäck haben mir den Flug bezahlt.

Nachfolger für den Suntory Royal 15

Jetzt bleibt nur noch die Frage, welcher Whisky wird ein würdiger Nachfolger für den gekillten Suntory Royal 15 „Heisei“? Nach meinem jetzigen Bauchgefühl wird es entweder der Ichiro Malt & Grain aus Chichibu oder der Taketsuru, den ich am 01.05.2019, dem ersten Tag der Reiwa-Ära, gekauft habe.

Sake

Ich habe auch vier Flaschen Sake eingepackt. Zwei sind spezielle Abfüllungen für den Kaiserwechsel: Einen Reiwa Junmai Ginjo und dazu einen Reiwa 48%, der exakt 2019 yen kostete. Die 48% sind übrigens der Poliergrad. Dazu noch einen edlen Dassai 50 mit 50% Poliergrad und einen noch edleren Junmai Daiginjo mit einem Poliergrad von 40%, bei dem ich die Kanji nicht lesen kann.

Die Reise war kurz, aber hatte trotzdem viele neue Orte auf der Liste: Saitama, Atami, Odawara, Yokohama und Utsunomiya (Oya). Es waren kleinere Lücken in meiner Liste, aber ich habe sie geschlossen. Das gab es noch ein paar Ideen von NHK und japan-guide, denen ich folgen konnte: Manazuru und Minakami Onsen.

In Tokyo sind eigentlich alle touristischen Punkte schon seit Jahren abgehakt. Ich verlasse mich hier seitdem auf Ideen, die ich bei NHK (Tokyo Eye 2020) sehe oder im Netz finde: Shibamata und Kyojima. Die Top 3 dieser Reise sind:

    • Utsunomiya (Oya) … eindeutig und mit Abstand
    • Bootsfahrt „Good Bye Heisei Tour“
    • Takaragawa Onsen
Bars und Kneipen

Auf der Kneipenliste kommt ich das Suigian und die Old Imperial Bar ergänzen. Und ich habe würdigen Ersatz für Omoide Yokocho, Kabukicho und Golden Gai gefunden, die mittlerweile von Touristen überrannt werden: Ebisu Yokocho und Golden Gai. Und dann ist der der Glückstreffer in Yokohama: das Chigusa. Die Top 3 dieser Reise sind:

    • Suigian
    • Noren Gai
    • Chigusa

Auf der nächsten Reise werde ich die beiden Orte und auch den Bereich zwischen Yurakucho und Shimbashi weiter erkunden, sowie die Nebenstraßen in Yushima. Dann steht auch wieder das Vows und der INCUBATOR auf der Liste, zu denen ich es dieses Mal nicht geschafft habe.

Das Anata-no-Warehouse war leider eher ein „Man war mal da“ und wird in 2020 wieder durch das Ramen Museum ersetzt.

Ich habe wieder interessante Leute getroffen: wie Dexter, den kanadischen Barkeeper im „Ruins“ in Minakami; und Kenny von der gleichnamigen Pizzeria in Manazuru; um nur zwei zu nennen.

Hotels

Die Hotels waren wieder eine bunte Mischung. Hotel Edoya als mein zweites Zuhause, das MICASA als traditionelles Onsen-Ryokan, das YRPH als Luxushotel mit Mt.Fuji-Blick aus dem 53. Stock und das Keikyu Ex Inn als Business Hotel am Flughafen.

Favorit war in diesem Fall das MICASA, das das Zeug hat, die Keimzelle für ein neues, jüngeres Minakami Onsen zu werden.

Ausbeute

Die Ausbeute an Souvenirs fokussiert dieses Mal eindeutig und eventuell zu sehr auf Whisky (darüber schreibe ich zeitnah eine eigene Auswertung) und Sake: 10.2 Liter; bzw. 23 kg einschließlich Flaschen und Verpackung. Der Rest an erlaubtem und freiem Gewicht war für Essbares reserviert. Der größte Einkauf, ein maßgeschneiderter Kimono, kommt in den nächsten Tagen per Post. Die Top 3 Souvenirs dieser Reise sind:

    • Kimono von Y&Sons
    • Whiskysammlung
    • Einträge der Tokyo Jissha in meinem Goshuin

Die zwei Wochen sind heute rum. Vor mir liegt jetzt eine Busfahrt, ein 12-Stunden-Flug und eine Autofahrt zurück nach Vallendar.Ich stehe wie geplant auf und stelle fest, dass ich mehr Reservezeit habe, als gedacht. Ich hatte die Boarding Time als Abflugzeit notiert. Damit kommen zu meinen 60 Minuten Reservezeit weitere 30 Minuten.

Also wird gemütlich gefrühstückt; westlich, denn irgendwie habe ich Hunger auf Toast. Im Shuttle-Bus fällt mir ein, dass ich noch aus dem Hotel auschecken muss. Zum Glück ist die Abfahrt erst in 5 Minuten und Check-out beschränkt auf das einwerfen der Türkarte in den Checkout-Terminal gleich neben dem Busparkplatz … Ich liebe diese japanischen Businesshotels.

Die Busfahrt ist kurz und heute steht der International Terminal als erstes auf der Liste der Haltepunkte. Dennoch fahren wir gefühlt 3 Mal im Kreis. Nochmal: Wer hat sich diese Straßenführung ausgedacht?

Die Gepäckaufgabe ist leer. Mit der digitalen Boardingkarte auf dem Smartphone (ein Novum für mich, der eine gedruckte Variante bevorzugt) brauche ich nicht an die Check-in-Schalter, so wie beim letzten Mal, als mich das alleine über eine Stunde gekostet hat.

Der Tatonka-Seesack ist mit 23,0 kg eine Punktlandung. (Hinweis: ich habe so eine kleine Gepäckwaage. Die ist nicht hochpräzise, gibt einem aber einen guten Anhaltspunkt. Ich hatte die Waage auch gestern in der Gürteltasche, um das Gewicht der gekauften Flaschen zu überwachen.) Der Karton mit dem Whisky ist 300g drüber, aber darf passieren. Man kann mit Sicherheit sagen, dass ich das Limit maximal ausgereizt habe.

Auch die Sicherheitskontrolle läuft erstaunlich schnell; nicht wie letztes Jahr, wo ich weitere 60 Minuten verloren habe und erst kurz vorm Boarding am Gate war. Ich fliege nie wieder vor, während oder dirket nach der Golden Week.

Jetzt habe ich tatsächlich zwei Stunden Reservezeit für die ANA Lounge. Zugang zu dieser gewährt mir der Premium Economy Status, den ich auch für den Rückflug ersteigert habe. Die Lounge ist nichts spezielles; groß und irgendwie wie ein großer Star Bucks. Wo sind die gemütlichen Sessel? Ganz hinten in der Ecke. Zum Glück ist noch einer frei.

Der Rückflug

Der Rückflug ist auch nichts Spezielles. Ich kämpfe mich durch ein langweiliges Videoprogramm und der Champagner ist auch alle, zumindest wird mir das gesagt, als man mir Champaign andrehen will.

Hinweis: Gerade in Amerika wird alles Champaign genennt, was sprudelt; sei es Champagner, Sekt oder was auch immer. Champaign ist ein Synonym für „sparkling wine“. Imbeciles.

Deutschland

In Frankfurt angekommen geht mir schon das Design des Flughafens auf den Sack; endlos lange Korridore. Eine Zollkontrolle (und ich meine nicht die EU-Einreisekontrolle) schon vor der Kofferabholung und noch eine Zollkontrolle dahinter. Wer denkt sich so einen Blödsinn aus. Der Urlaub ist sowas von vorbei.

Dank Premium Economy komme meine Sache mit als erstes auf das Gepäckband. Ein schneller Blick: Es gibt keine feuchten Stellen am Karton. Meine Whiskyladung scheint heil angekommen. Oder das Polstermaterial hat alle Schäden aufgesaugt.

Ich marschiere auf die rote Zolltür zu. Die Frage nach dem Umfang meiner Whiskyladung irritert den Beamten. Es sind nach meiner Liste über 10 Liter. Damit hat er nicht gerechnet. Nachdem die Freimenge abgeezogen ist, bleiben 60,72 € Zoll. Problem ist die Bezahlung: Ich habe nur Yen in der Tasche, die Visa seit gestern am Wochenlimit und die Amex wird nicht akzeptiert. Ich muss raus in die Lobby zu einem Geldautomaten. Einfach. Der Weg zurück auf die andere Seite der Absperrung ist da schon schwieriger, da die Klingel – so erfahre ich nach etwa 10 Minuten – seit Wochen schon defekt ist. Danke Frankfurt Airport. Ihr seit Deppen.

Einen Mietwagen zu buchen ist noch kniffeliger. Sixt hat keine mehr und bei Avis stehen Vollhonks vor mir. Zwei am Schalter, zwei vor mir in der Warteschlange. Und es dauert 40 Minuten. Das ist Deutschland. Wie immer ist die Rückkehr schrecklich.  Kein Service, Dreck auf der Straße und nervige Leute, die laut Telefonieren und die Rolltreppen blockieren. Undd ist jemandem schon aufgefallen, wie mies nach alten Frittenfett dieser Bereich des Flughafens riecht?

Auf der A3 erwartet mich die erste Baustelle und der erste Stau noch vor dem Wiesbadener Kreuz. War ja klar. Ich wechsel auf die Landsstraße. Das ist nicht unbedingt schneller – es ist gewiss nicht schneller – aber ihre fahre lieber etwas länger, als zu stehen.

Zurück in Vallendar fahre ich noch schnell Abendessen einkaufen. Für die nächsten Wochen (und Monate) wird es nicht ins Restaurant gehen. Erst muss ich den Kontostand wieder auf akzeptable Werte haben.

Um 21 Uhr schlägt der Jetlag zu. Für mich ist es jetzt bereits 4 Uhr morgens. Die Koffer packe ich morgen aus. Und den Wagen bringe ich morgen zurück, hab ihn ja für 24 Stunden.