Rediscovering Kyoto 3

Und schon ist de letzte Tag in Kyoto. Das ging gefühlt sehr schnell. Und wir haben nur einen Bruchteil von dem geschafft, was der Reiseführer listet. Wir werden nicht einmal mein persönlichens Minimum-Pflichtprogramm schaffen. Zugegeben, dass ist für nur 3 Tage auch sehr, sehr ambitioniert und hätte nur ohne Kabuki funktioniert. Und das Kabuki war eindeutig besser.

Mit der roten U-Bahn (Tozai Line) geht es eine Station nach Nijomaeeki (Bahnhof in Front von Nijo). Das Higashi-Ote-Mon ist nur ein paar Meter entfernt. Bevor uns den Palast Nijo-jo gönnen, gehen wir in das weitläufige Parkareal auf der Rückseite, den Honmaru-Garten.

Da die Brücke, die zurück zum Palast führt, gesperrt ist, gehen wir weiter um den Honmaru-Garten herum; vorbei an den „Seven Rocks of Kamu“ und dem Garten Seiryu-en, bis wir wieder am Higashi-Ote-Mon stehen.

Jetzt ist es Zeit für das Palastgebäude und seinen Nachtigallengang, den vergoldeten Shoji und prachtvoll dekorierten Tatamiräumen. Es ist mein dritter (oder ist es der vierte?) Besuch.

Highlight des Tages soll der Kinkaku werden. Bis dahin sind es 4,5 km Fußmarsch (inkl. 60 Höhenmeter). Es gibt keine sinnvolle U-Bahn-Verbindung und ich habe keine Ahnung welche Busse man nehmen könnte oder wo man umsteigen muss. Zum Glück liegt der Kitano Temangu auf 2/3 der Strecke. Das macht es erträglicher.

Zuerste gehen wir zur Senbon-dori, eine Geschäftsstraße ohne Fokus auf Touristen. Nach einem STopp bei McDonalds und einem 7eleven geht es weiter auf der Nakadachiuri-dori, eine weitere Geschäftsstraße, dieses Mal mit überdachtem Gehweg.

Für die letzten Meter zum Kitano Temangu nehmen wir die Kamichichiken-dori, eine Wohnstraße mit häusern in klassischen, japanischen Stil. Es sind keine historischen Häuser, aber trotzdem ein Foto wert. Und dann stehen wir am Eingang vom Kitano Tenmangu. Wie der Yushima Tenmangu ist er dem Kami Tenjin gewidmet.

Bereits am Eingang sind hunderte Chochin (japansichen Lampions) zu sehen. Auf dem Schreingelände geht es weiter. Ich vermute bis zum Hauptgebäude sind es bereits über 1000. Bei meinem nächsten Besuch in Kyoto muss ich diesen Schrein in die spätere Dämmerung planen. Hinter dem Kitano Tenmangu wartet dann noch der Hirano-Schrein.

Jetzt wird es aber Zeit für den Kinkaku, den golden Pavillion. Der Tempel heißt eigentlich Rokuon-ji, aber ich glaube keiner der Touristen hier weiß das. Und es sind viele Touristen. Da müssen wir jetzt durch.

Vor dem Eingangstor steht die Tempelglocke. Gegen den Einwurf kleiner Münzen, darf man sie läuten. Mein Bruder nutzt die Chance; ich hatte ja meine zu Neujahr 2013 im Kanei-ji.

Danach geht es mit dem Ticket in der Hand durch das Haupttor. Gleich dahinter der berühmte Blick auf den Pavillion. Foto. Erledigt. Im Anschluss laufen wir um den Kyokochi-Teich (den man in allen Fotos sieht). Der Tempel hat außer dem Pavillion noch ein paar andere Dinge zu besichtigen.

Von hier zum Ryoan-ji sind es 1,5 km. Es ist der Tag der langen Wege. Der Tempel beherbergt den berühmten Zen-Steingarten. Er wirkt nicht speziell, aber für mich ist er Pflichtprogramm.

Vom Tempel sind es nur ein par hundert Meter zur Straßenbahn (Randen). Die kann uns mit Umsteigen bis kurz vors Hotel bringen. Wir fahren aber nur bis Tokiwa. Von hier gehen wir zum Eingang der Toei Kyoto Fimstudios. Keine Ahnung was uns erwartet. Hier war ich noch nie.

Viel zu sehen gibt es nicht. Ein Großteil ist für Kinder. Der Außenbereich (Backlot) ist primär für Samuraifilme ausgelegt. Allerdings: In einer Ecke ist die „Evangelion Kyoto Base“. Hier steht eine EVA-Einheit. Ich buche das unter „Been there. Done that“. Wir bleiben bis kurz vor Schluss. Der Tag ist rum.

Wir gehen der Station der anderen Renden-Strecke und fahren zwei Stationen bis Tenjingawa, um in die UBahn zu wechseln. Ich habe Hunger und erblicke das Arrows, ein Art Café. Sie haben Karee auf der Karte. Yes.

Die U-Bahn bringt uns zurück nach Karasuma Oike, vorbei an Nijo-jo. Der Kreis schließt sich. Fürs Hotel ist es noch zu früh. Die Wäsche haben wir gestern erledigt. Warum nicht ein letzter Streifzug durch die Kneipenstraßen. Wir finden ein Ort mit Craftbeer, das Sakabo Craft Man.

Wir laufen noch ein wenig durch die Gegend. Vielleicht finden wir einen weiteren Ort. Leider nicht. Mein Bruder will zurück ins Hotel. Ich habe noch nicht aufgegeben. Heute is Sonntag. Das Seven & Seven hat Ruhetag. Naja. Ich habe es versucht.

Ich finde eine Alternative, aber eigentlich nur, damit der Weg nicht umsonst war. Das war Kyoto. Morgen geht es über Himeji weiter nach Miyajima.

Rediscovering Uji

Heute ist wieder ein Tagesausflug angesagt. Uji. Das Zentrum des grünen Tee. Der Zug dorthin fährt direkt am Fushimi Inari vorbei. Dann nutzen wir aus. Wir sind relativ früh, hoffentlich vor den Touristenmassen. Ganz beantworten lässt sich das nicht. Es ist voll, aber nicht überfüllt.

Wir arbeiten uns langsam zu dem Torii-Tunnel vor. Hier schiebt es sich ein wenig. Ein Foto ohne Menschen ist unmöglich. Ganz nach oben laufen wir nicht, sonst haben wir in Uji zu wenig Zeit. Außerdem, hat man 300 Torii gesehen, werden die nächsten 300 langweilig. Gerüchteweise sollen es über 10.000 sein. Ich persönlich schätze 2000.

Zurück am Bahnhof sehen wir, dass wir der großen Touristenwelle zuvor gekommen sind. Der ankommende Zug spült viele Leute auf den Bahnsteig. Gut, dann ist mehr Platz im Zug. In Uji angekommen bunkern wir erst einmal Proviant am FamilyMart.

Bevor wir uns auf Sehenswürdigkeiten stürzen, startet mein Bruder eine Shoppingtour für Souvenirs. Es ist glaube ich das erste Mal, dass ich in einem Daiso bin. Das ist zwei Stufen über 1€-Shop.

Dann geht es los. Byodo-in. Die Phönixhalle von 1053, die auch auf den 10-yen-Münzen zu sehen ist. Das ganze Gebäude wurde kürzlich renoviert. Alles erstrahlt in einem neuen Glanz. Ich muss mal ein altes Foto als Vergleich suchen.

Traditionell geht es vom Tempel runter zur Insel im Uji River und über die Asagari-Brücke rüber auf die andere Seite. Der steile Straße nervt, aber ein Besuch im ruhigen Kosho-ji muss sein. Der Eingang mit dem schwarzen Holz und der weißen Steinwand ist auch mit der neuen Kamera eine Herausforderung. Ohne HDR geht hier nichts, und das habe ich nicht geübt.

Im Anschluss folgt der Uji-Schrein und dahinter der Ujigamai-Schrein. Letzterer ist das älteste Schreingebäude Japans, erbaut in der Heianzeit. Das Design ist selten (Nagare-zukuri-Stil).

Als letzten Stopp habe ich den Mirumoto-ji geplant. Ich habe den Weg dorthin aber als relativ lang in Erinnerung. Egal. Zunächst geht es gerade durch ein Wohngebiet. Ich weiß noch, am kleine Fluss, da wo der 7eleven ist, rechts abbiegen. Dann dem Fluss folgen und links in die kleine Nebenstraße. Und dann sind wir auch schon am Eingang? Das war jetzt erstaunlich kurz. Was habe ich letztes Mal falsch gemacht? Oder täuscht meine Erinnerung?

Der steile Straße und die Stufen hoch zum Tempel geben mir den Rest. Ich bin zu alt für den Scheiß. Im Tempel gibt es einiges zu sehen. Die Geschichte von dem Ochsen und dem Kaninchen muss ich bei Zeiten mal nachschlagen.

Als wir den Tempel verlassen, schließt ein Priester bereits die Türen der Haupthalle und unten am Eingang ist das Tor bereits geschlossen. Wir verlassen das Areal über ein Drehkreuz an der Seite und gehen runter zum Bahnsteig der Keihan Uji-Line. Der Zug bringt uns nach Chushojima im Süden vom Fushimi-Bezirk. Es ist der alte Stadtteil der Sakebrauer.

Wir laufen in Richtung Zentrum. Hier sollten wir etwas fürs Abendessen finden: Teppan Kushiyaki Sakura. Kushiyaki geht immer. Dazu ein schöner Sake. So gefällt mir das.

Wir gehen weiter die Straße entlang in Richtung Einkaufsstraße. Die wird uns zum JR Bahnhof bringen. Moment! Was lese ich da? Fushimi Sake Village? Stimmt, davon habe ich gelesen. Mehrere Sakebars haben sich zusammengetan und teilen sich quasi die Tresen. Da muss ich rein.

Ich bestelle einen 9er-Sampler. Neun verschiedene Sake, kombiniert mit 9 kleinen, japanischen Tapas. So gefällt mir das.

Im Anschluss geht es dann englich zum Bahnhof Momoyamagoryomae. Das ist mal ein Name. Es ist nicht Japan Rail sondern Kintetsu, bringt uns aber auch zum Kyoto Hauptbahnhof. Nach einigem Zickzack durch die Korridore, raus aus der Station, rein in Station, und zurück in den Untergrund finden wir dann auch den Eingang zur U-Bahn. Das war vorgestern, als wir in Kyoto ankamen, einfacher.

Der Tag endet etwas früher als sonst, aber wir müssen wirklich langsam die Waschmaschine bemühen. Heute passt das ganz gut.

Rediscovering Kyoto 2

Wieder startet der Tag mit japanischen Frühstück. Danach beginnt der erste richtige Sightseeing-Tag in Kyoto. Gestern war ja eher zum Aufwärmen. Heute kommen die wichtigsten Highlight.

Auf geht’s. Mit der U-Bahn runter noch Gojo und dann zu Fuß weiter zum Higashi Hongan-ji, dem östlichen Tempel. Die Halle ist riesig und die Bauordnung in Kyoto erlaubt kein Gebäude höher als der Dachfirst der beiden großen Tempel. Die Dachkonstruktion ist Wahnsinn.

Was ich bis jetzt nicht wusste: Man kann das Goei-mon, das große Eingangstor, besichtigen. Eine steile Treppe führt nach oben. Es lohnt sich, das Tempelareal von oben zu sehen.

Es ist noch nicht einmal 10 Uhr und die Hitze versucht erneut, mich umzubringen. Das war definitiv einfacher vor 20 Jahren.

Unser nächster Stopp — nach einem kleine Umweg, da ich verpeilt habe, wo der Eingang ist — ist der japanische Garten Shosei-en. Ich muss zugeben, dass ich ihn leicht anders in Erinnerung habe.

Weiter geht es in Richtung Higashiyama. Wir kreuzen den Kamo River. Rechts ist der Sanjusangen-do. Sanjusan heißt 33. Es bezeiht sich auf die Länge der Halle, die 33 Nischen (34 Pfeiler) lang ist. Innen warten insgesamt 1002 Kannon-Stauen. Fotografieren ist nicht erlaubt. Und das ist gut so. Den Anblick sollte man ungestört auf sich wirken lassen.

Wir lassen den Chishaku-in rechts liegen und gehen (fast) direkt zum Kiyomizu-dera. Fast direkt, denn ich war der irrigen Meinung, man könnte über den Otani Hombyo Tempel abkürzen. Pech gehabt. Wir nehmen den Weg, den alle Touristen nehmen … nach einem Stopp beim Local Sake and Beer Stand 336.

Je näher wir dem Tempel kommen, desto mehr Touristen verstopfen die Straße. Es sind viele. Meine Befürchtungen waren wilder. Wir kommen relativ brauchbar voran. Wir laufen bis zur Pagode Koyasu-no-to. Auf dem Weg gibt es ein paar gute Blicke auf die berühmte Terasse des Tempels.

Der Jishu Jinja ist leider wegen Renovierung geschlossen. Schade. Damit kommen wir zum nächsten Touristen-Hotspot: Sannen-Zaka; die berühmte Straße mit den Stufen, die man in jedem Reiseführer findet. Aber ein Besuch Kyotos ohne eine Foto von hier ist auch nicht zielführend.

Ein kleiner Navigationsfehler meinerseits lässt uns den Hokan-ji mit der Yasaka Pagode verpassen. Stattdessen laden wir direkt am Kodai-ji mit seinem Bambuswald.

Im Anschluss durchqueren wir den Maruyama-Park. Links ist der Yasaka-Schrein, den wir gestern besucht haben. Mein nächster Stopp sollte eigentlich der Chion-in sein. Aber das Tor vor dem mächtigen San-mon ist geschlossen. Habe ich wirklich den Ruhetag erwischt? Verdammt.

Also weiter zum Heian-Jingu. Ich weiß bereits, dass der japanische Garten hinter dem Schrein wegen Renovierung geschlossen ist. Dennoch lohnt sich der Weg. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist der Umstand, dass hier ein Musikkonzert stattfindet. Wir haben keinen unverbauten Blick. Verdammt.

Und das war es dann auch. Die Sonne steht tief. Bis zim etwa 2 km entfernten Ginkau-ji schaffen wir es nicht mehr. Es ist gleich 17 Uhr, die magische Uhrzeit für Tempel- und Schreinbesichtigungen. Kyoto hat einfach zu viele Tempel.

Es wird Zeit für den Rückweg. Südlich vom Schrein gibt es einen alten Kanal, der (wenn ich mich richtig erinnere) zum Biwa-Kanal gehört, der Kyoto mit dem Biwa-ko verbindet. Nahe der Jingumichi zweigt ein kleiner Seitenkanal ab. Links und rechts sind kleine Straßen; Hin und wieder eine schmale Steinbrücke ohne Geländer, die für Fußgänger beide Seiten verbindet. Hier sind keine Touristen.

Wir gehen südlich bis zur Gyoja-bashi. Hier zweigt die Furukawa-cho-dori ab. Eine kleine überdachte Einkaufsstraße. Da ich Hunger habe, hoffe ich hier auf ein Izakya. Und wir werden fündig. Es ist etwas rumpelig, wie die ganze Einkaufsstraße, die wirkt, als wäre sie Überbleibsel aus den 70ern.

Ich bestelle Takoyaji. Ich nenne sie gerne „Lava Balls“. Egal wie lange man die schon auf dem Teller hat, 5 Minuten oder 25 Minuten, das innere is kochend heiß; schlimmer als Ananas auf einer Pizza, die sich unter einem Stück Schinken versteckt hat. Das große Glas Highball ist meine Rettung. Mein Bruder ist kein Fan. Gut, dann bleibt mehr für mich.

Wir sind hier genau neben der Higashiyama-UBahn-Station. Die könnte uns direkt zur Karasuma Oike Station bringen. Aber der Abend ist noch jung. Irgendwas muss man noch machen … außer die Waschmaschine im Hotel anzuwerfen.

Seven & Seven? Dafür müssten wir eine Station früher aussteigen. Nichts einfacher als das. Die Bar gibt es noch. Sie heißt jetzt nur noch „Bar Seven“. Der alte Barkeeper hat in den Ruhestand gewechselt, aber er ist noch am Leben.

Sie ist genauso wie ich sie in Erinnerung hatte. Wann war ich zuletzt hier? 2016? 2018? Ich bestelle meinen Klassiker Singapore Sling. Mein Bruder kommt mit unseren Sitznachbarn (Japaner) ins Gespräch. Es ist genauso wie ich es in Erinnerung hatte. Englisch. Japanisch. Gesten. Keine Ahnung wie, aber man versteht sich.

Wir bleiben länger als ursprünglich geplant. Anders als in Tokyo können wir aber von hier aus zum Hotel laufen. Es sind etwa ein Kilometer.

Das war der zweite Tag in Kyoto. Wie jeden Tag weniger geschafft als gehofft, aber dafür entspannt. Es hilt, wenn ich jemanden dabei habe, der mich ausbremst.

Rediscovering Kyoto 1

Der Tag beginnt der Frühstück. Japanischem Frühstück. Selbiges kommt in einer doppelstöckigen Bentobox. Ich bin kein Fan von japanischen Frühstück und mein Bruder auch nicht. Wir sind aber höflich.

Und die Architektur von diesem Hotel ist echt besonders. Das vordere Haus ist ein altes, tradiotionelles Gebäude. Dahinter ist ein moderner Neubau mit den Zimmern. Bei der Hitze und Luftfeuchte habe ich gestern nicht einmal gemerkt, dass der Weg zum Zimmer im Freien ist und der Flur ein Laubengang war. Japan.

Den Plan für heute werfen wir gleich aus dem Fenster. Mein Bruder hat ein Samurai-Ninja-Museum gefunden. Es ist wie unser Hotel in der Rokkakudori. Die haben echt ein paar sehr gute Exponate. Die Sammlung von Originalrüstungen ist groß. Einige haben sogar Einschläge von Gewehrkugeln.

Zu der Führung gehören auch Aktivitäten von Ninjasterne werfen und ein Crashkurs in Iaido. Ich habe seit Jahren nicht trainiert. Ich hoffe ich erinnere mich an die Grundlagen.

2 Straßen südlich von uns ist Nishiki-Market. Sie steht in jedem Reiseführer (folglich erwarte ich viele Touristen), aber ich selbst war noch nie hier. Und ich hatte recht, Touristen. Wir finden ein Sushi-Laden ohne Gäste. Normalerweise ein schlechtes Zeichen, aber ich habe ein gutes Gefühl. Wir bestellen Sushi und ich dazu Sake. Das ist wohl der erste Tag, an dem wir eine Art von Mittagessen hatten.

Am Ende des Nishiki Market ist der Nishiki Tenmangu. Hübsch.

Wir gehen rüber nach Gionmachi. Hier, am Ufer das Kamo River, ist das Minamiza, das Kabuki-Theater. Wir haben Karten für heute Abend. Wir gehen durch Gion. Das Wetter ist nicht unser Freund. Es fängt an zu regnen. Ich hoffe, es ist nur ein kurzer Schauer.

Am Ende von Gion ist der Kennin-ji. Er hat alles, was man von einem Tempel in Kyoto erwartet: große Hallen, Steingärten, Tatamiräume mit goldenverzierten Shoji … und ein Deckenbild mit einem Drachen. Das wäre dann der Dritte nach Nikko und Kamakura.

Wir haben noch Zeit für einen Besuch am Yasaka Jinja. Die Bühne mit den vielen Lampions ist immer wieder ein lohnendes Fotomotiv.

Es ist Zeit für Kabuki. Wir gehen zurück zum Minamiza. Wow.  Das Stück scheint beliebt zu sein. Wir sehen Lupin III. Es ist eine Kabuki-Version des bekannten Anime Lupin III.

Kabuki überrascht mich immer wieder. Szenenwechsel, Schauspieler tauchen plötzlich irgendwo im Theater auf. Die Kabukibühne hat mehrere versteckte Aufzüge, die für weitere Überraschungen sorgen. Mich hat der Wasserfall beeindruckt. Es gab wirklich eine Kampfszene unter einem Wasserfall mit echten Wasser.

Und dann ist da die berühmte Pose von Kabuki-Schauspielern. Meist ist ein Arm ausgestreckt, der Kopf macht eine Bewegung, dann stampft der vordere Fuß auf und der Schauspieler friert in dieser Pose für ein, zwei Sekunden ein. Das Publikum applaudiert und ruft seinen Namen.

Das Stück dauert fast vier Stunden inkl. der Pause. Als wir das Minamiza verlasen ist es bereits dunkel. Zeit für das Abendprogramm … und Abendessen.

Wir schlendern durch die Pontocho. Es ist erstaundlich. Fast jedes Restaurant hat „Japanese A5 Wagyu“ auf der Werbetafel. Ja, Wagyu ist genial. Aber hier wird es angeboten wie Schnitzel-Pommes auf Mallorca. Ich habe meine Zweifel, dass es genial sein wird. Nein, Danke.

Wir laufen bis zum Ende der Pontocho. Wir finden nichts passendes. Naja, ich bin sehr, sehr wählerisch. Am Ende landen wir in einem Ramen-Restaurant in der Nähe von Shiyakusho-mae Station. Warum nicht. Ramen ist immer lecker.

Von hier aus geht es zurück ins Hotel. Der Tag war definitiv anders als ursprünglich geplant. Gut, Kabuki war gesetzt, aber ich hatte keinen richtigen Plan für davor, und danach. Vielleicht war das genau das Richtige. Einfach mit der Strömung treiben lassen.

Rediscovering Nagoya

Heute ist die erste Fahrt mit dem Shinkansen. Die Tickets habe ich schon in Deutschland bestellt.1 Alles was ich habe ist digital. Keine Ahnung wie das jetzt funktioniert. Wenn es funktioniert fahren wir erst nach Nagoya2 und heute Abend weiter nach Kyoto.

Die Blue Line bringt uns von Kannai direkt nach Shin-Yokohama. Nach einiger Verwirrung wie die Zugtickets zu nutzen sind, passieren wir das Ticketgate. Ich kann es kaum erwarten. Endlich wieder Shinkansen fahren. Wir haben genug Reservezeit, um am Kiosk Prioviant zu kaufen. Zu einer Bentobox kann ich mich nicht durchringen.

Die Zugfahrt ist ein Traum. In Nagoya angekommen parken wir unsere Koffer in einer Karaokabar. Das Lager habe ich über ecbo gebucht3. Wegen der Baustelle am Bahnhof sind wir einmal um den Häuserblock gelaufen. Egal. Das war einfach. Das mache ich ab sofort immer so.

Die U-Bahn bringt uns zu unserem ersten Stopp: Nagoya-yo4. Wir nutzen die Chance, solange sie noch steht. Man plant, sie abzureißen und durch eine originalgetreue Version mit alten Bautechniken zu ersetzen.

Wir laufen zunächst einmal um die Burg herum, bevor wir ins innere gehen. Vor der Burg steht seit 2018 eine Rekonstruktion des Honmaru-Palast. Schuhe ausziehen und los. Der Palast ist besser als die Burg. Gebaut mit traditionellen Techniken. Überall goldverzierte Shoji, farbige Schnitzereien und Prunk. Im Anschluss wirkt die Burg fast langweilig, obwohl sie viele Exponate hat, die Geschichte der Chubu-Region erzählt und eine schöne Aussicht hat.

Nach der Burg geht es in den Nordosten zum Tokugawa-en, dem japanischen Garten neben  dem Tokogawa-Kunstmusem. Das Museum besuchen wir nicht, das ist was für Regentage. Außerdem sind wir mal wieder hinter dem Zeitplan.

Weiter geht es zum Atsuta Jinja. Er ist einer der wichtiges Schreine Japans. Hier ist das heilige Schwert Kusanagi-no-tsurugi gelagert. Es ist eines drei Throninsignien. Wir wandern etwas durch das Schreinareal.

Ich habe Hunger. Auf dem Schreingeländer gibt es das Miyakishimen. Ich bestelle Kishimen5, eine Spezialität hier in Nagoya.

Es ist nach 16 Uhr. Tempel und Schreine fangen an zu schließen. Aber Geschäfte haben noch geöffnet. Auf geht es nach Osu Shotengai. Das sind mehrere überdachte Shopping-Straßen. Vielleicht finden wir ein paar Souvenirs. Außerdem steht hier der Osu Kannon. Ein kleiner aber optisch hübscher Tempel.

Von hier geht es nach Sakae. Hier müssen wir die U-Bahn wechseln. Aber nicht ohne ein Foto vom Nagoya Tower. Es ist ein anderer Funkturm6, der dem Eiffelturm nachempfunden ist.

Ich war lange nicht hier. Das Gebäude Oasis 21 kenne ich noch nicht. Es ist der Busbahnhof für die Überlandbusse. Aber wieso sieht das Glasdach so aus, als hätte es geregnet? Wir fahren mit dem Fahrstuhl nach oben. Wow. Das Glasdach ist ein flacher Teich. Das Ding heißt „Water Spaceship“.

Und warte mal. War das ein Blitz? Japp. Wetterleuchten, wenn nicht sogar ein Gewitter. Da haben wir wohl Glück gehabt.

Wir verlegen zurück zum Bahnhof. Mein Plan hat noch einen letzten Stopp gelistet: JR Central Towers. Im obersten Stock ist ein Restaurant mit guter Sicht auf Nagoya. Es dauert eine Ewigkeit, bis ich den richtigen Aufzug finde. Ich wollte schon aufgeben. Oben lassen wir das (teure) Restaurant rechts liegen und besuchen das Café.

Alles was noch zu tun ist, ist die Koffer holen und den Zug nach Kyoto nehmen. Ersteres ist einfach. Letzteres scheint ein Problem zu sein. Die Strecke ist gesperrt. Wow. Das hatte ich noch nie. Jedenfalls nicht ohne Taifun oder Erdbeben. Keiner weiß, wann und ob es heute noch weitergeht.

Keine gute Idee. Meine Angststörung meldet sich. Es wird etwas entspannter, als der Betrieb wieder aufgenommen wird. Unser Zug (jetzt weiß ich wieder, warum ich Zugbindungen hasse) wird gegen 22:30 fahren, knapp 1,5 Stunden verspätet. Heißt auch, dass wir erst gegen Mitternacht am Hotel sein werden. Aber wir werden ankommen.

Wir warten am Bahnsteig. Viel zu tun gibt es nicht. Dann endlich rollt unser Zug ein. Mein Gehirn ist immer noch nicht mein Freund, aber ich bin entspannter. In Kyoto verlieren wir keine Zeit und nehmen die U-Bahn zur Station Karasuma Oike. Ausgang 5 im am dichtesten zum Hotel.

Es ist nach Mitternacht. Wir checken endlich ein. Das Zimmer hat zwar Tatamimatten, ist aber eher eine westliche Hotelsuite. Eine elegante Mischung aus japanischen und westlichen Elementen. Wow. Das Hotel gefällt mir.