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Rediscovering Kyoto 2

Wieder startet der Tag mit japanischen Frühstück. Danach beginnt der erste richtige Sightseeing-Tag in Kyoto. Gestern war ja eher zum Aufwärmen. Heute kommen die wichtigsten Highlight.

Auf geht’s. Mit der U-Bahn runter noch Gojo und dann zu Fuß weiter zum Higashi Hongan-ji, dem östlichen Tempel. Die Halle ist riesig und die Bauordnung in Kyoto erlaubt kein Gebäude höher als der Dachfirst der beiden großen Tempel. Die Dachkonstruktion ist Wahnsinn.

Was ich bis jetzt nicht wusste: Man kann das Goei-mon, das große Eingangstor, besichtigen. Eine steile Treppe führt nach oben. Es lohnt sich, das Tempelareal von oben zu sehen.

Es ist noch nicht einmal 10 Uhr und die Hitze versucht erneut, mich umzubringen. Das war definitiv einfacher vor 20 Jahren.

Unser nächster Stopp — nach einem kleine Umweg, da ich verpeilt habe, wo der Eingang ist — ist der japanische Garten Shosei-en. Ich muss zugeben, dass ich ihn leicht anders in Erinnerung habe.

Weiter geht es in Richtung Higashiyama. Wir kreuzen den Kamo River. Rechts ist der Sanjusangen-do. Sanjusan heißt 33. Es bezeiht sich auf die Länge der Halle, die 33 Nischen (34 Pfeiler) lang ist. Innen warten insgesamt 1002 Kannon-Stauen. Fotografieren ist nicht erlaubt. Und das ist gut so. Den Anblick sollte man ungestört auf sich wirken lassen.

Wir lassen den Chishaku-in rechts liegen und gehen (fast) direkt zum Kiyomizu-dera. Fast direkt, denn ich war der irrigen Meinung, man könnte über den Otani Hombyo Tempel abkürzen. Pech gehabt. Wir nehmen den Weg, den alle Touristen nehmen … nach einem Stopp beim Local Sake and Beer Stand 336.

Je näher wir dem Tempel kommen, desto mehr Touristen verstopfen die Straße. Es sind viele. Meine Befürchtungen waren wilder. Wir kommen relativ brauchbar voran. Wir laufen bis zur Pagode Koyasu-no-to. Auf dem Weg gibt es ein paar gute Blicke auf die berühmte Terasse des Tempels.

Der Jishu Jinja ist leider wegen Renovierung geschlossen. Schade. Damit kommen wir zum nächsten Touristen-Hotspot: Sannen-Zaka; die berühmte Straße mit den Stufen, die man in jedem Reiseführer findet. Aber ein Besuch Kyotos ohne eine Foto von hier ist auch nicht zielführend.

Ein kleiner Navigationsfehler meinerseits lässt uns den Hokan-ji mit der Yasaka Pagode verpassen. Stattdessen laden wir direkt am Kodai-ji mit seinem Bambuswald.

Im Anschluss durchqueren wir den Maruyama-Park. Links ist der Yasaka-Schrein, den wir gestern besucht haben. Mein nächster Stopp sollte eigentlich der Chion-in sein. Aber das Tor vor dem mächtigen San-mon ist geschlossen. Habe ich wirklich den Ruhetag erwischt? Verdammt.

Also weiter zum Heian-Jingu. Ich weiß bereits, dass der japanische Garten hinter dem Schrein wegen Renovierung geschlossen ist. Dennoch lohnt sich der Weg. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist der Umstand, dass hier ein Musikkonzert stattfindet. Wir haben keinen unverbauten Blick. Verdammt.

Und das war es dann auch. Die Sonne steht tief. Bis zim etwa 2 km entfernten Ginkau-ji schaffen wir es nicht mehr. Es ist gleich 17 Uhr, die magische Uhrzeit für Tempel- und Schreinbesichtigungen. Kyoto hat einfach zu viele Tempel.

Es wird Zeit für den Rückweg. Südlich vom Schrein gibt es einen alten Kanal, der (wenn ich mich richtig erinnere) zum Biwa-Kanal gehört, der Kyoto mit dem Biwa-ko verbindet. Nahe der Jingumichi zweigt ein kleiner Seitenkanal ab. Links und rechts sind kleine Straßen; Hin und wieder eine schmale Steinbrücke ohne Geländer, die für Fußgänger beide Seiten verbindet. Hier sind keine Touristen.

Wir gehen südlich bis zur Gyoja-bashi. Hier zweigt die Furukawa-cho-dori ab. Eine kleine überdachte Einkaufsstraße. Da ich Hunger habe, hoffe ich hier auf ein Izakya. Und wir werden fündig. Es ist etwas rumpelig, wie die ganze Einkaufsstraße, die wirkt, als wäre sie Überbleibsel aus den 70ern.

Ich bestelle Takoyaji. Ich nenne sie gerne „Lava Balls“. Egal wie lange man die schon auf dem Teller hat, 5 Minuten oder 25 Minuten, das innere is kochend heiß; schlimmer als Ananas auf einer Pizza, die sich unter einem Stück Schinken versteckt hat. Das große Glas Highball ist meine Rettung. Mein Bruder ist kein Fan. Gut, dann bleibt mehr für mich.

Wir sind hier genau neben der Higashiyama-UBahn-Station. Die könnte uns direkt zur Karasuma Oike Station bringen. Aber der Abend ist noch jung. Irgendwas muss man noch machen … außer die Waschmaschine im Hotel anzuwerfen.

Seven & Seven? Dafür müssten wir eine Station früher aussteigen. Nichts einfacher als das. Die Bar gibt es noch. Sie heißt jetzt nur noch „Bar Seven“. Der alte Barkeeper hat in den Ruhestand gewechselt, aber er ist noch am Leben.

Sie ist genauso wie ich sie in Erinnerung hatte. Wann war ich zuletzt hier? 2016? 2018? Ich bestelle meinen Klassiker Singapore Sling. Mein Bruder kommt mit unseren Sitznachbarn (Japaner) ins Gespräch. Es ist genauso wie ich es in Erinnerung hatte. Englisch. Japanisch. Gesten. Keine Ahnung wie, aber man versteht sich.

Wir bleiben länger als ursprünglich geplant. Anders als in Tokyo können wir aber von hier aus zum Hotel laufen. Es sind etwa ein Kilometer.

Das war der zweite Tag in Kyoto. Wie jeden Tag weniger geschafft als gehofft, aber dafür entspannt. Es hilt, wenn ich jemanden dabei habe, der mich ausbremst.