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Rediscovering Kisodani

Heute soll es ins Kisodani (Kiso-Tal) gehen. Neben Koyasan ist es der zweite Ort auf dieser Reise, den ich erst zum zweiten Mal besuchen werden. Durch das Kisodani führt die alte Handelsroute Nakasendo, die von Tokyo nach Kyoto führt. Es gibt noch etliche Rast- und Zollstationen an dieser Strecke, die sich in den letzten hunderten Jahren kaum verändert haben. Ich will von Tsumago nach Magome wandern1.

Die Reise beginnt am Bahnhof von Nagoya. So langsam habe ich Orientierung. Mit viel Proviant steige ich in den Ltd.Express der Chuo-Linie2. Und ja, er hält in Nagiso. Den Fehler von 2012 wiederhole ich nicht.

Der Zug verlässt den Bahnhof nach Süden. Da ist ungewohnt, aber wir umfahren Nagoya. Nach drei Stationen sind wir in Ozone. Hier war ich mit meinem Bruder während unserer Tagestour vor drei Wochen.

Wir kommen an Tajimi vorbei, hier bin ich 2018 umgestiegen, als ich nach Mino-ota gefahren bin. Es ist bereits ländlich und die Bebauung nimmt weiter ab. Und es wird bergig. Dann wird es spannend. Nakatsugawa. Ich steige aus, denn dieser Zug endet hier. Ich nutze die Chance, um an der Touristinfo Daten zu sammeln. Mit Blick auf die Rückfahrt sollte ich wirklich mit Tsumago starten und von dort nach Magome zurück wandern. Also schnell in den nächsten Zug. Der Fährt schon in ein paar Minuten.

Und dann bin ich in Nagiso. Mein letzter Besuch hier war 2012, mitten in der Nacht bei fiesem Schneefall. So am hellichten Tag sieht das hier ganz anders aus.

Direkt neben dem Eingang zum Bahnhof ist bereits das Ticketbüro für den Bus, der mich nach Tsumago bringen wird. Auch dem Tresen schläft eine Katze. Sie lässt sich nicht stören. Wenige Minuten später fährt auch schon der Bus.

Wenn ich mich erinnere geht ein Fußweg vom Bushaltepunkt hinauf in die alte Straße. Das hier ist wirklich der alte Nakasendo aus der Samuraizeit. Ich gehe direkt zum Nordende der Stadt. Auf gehts. Ab hier sind es 11 km, knapp 400 Höhenmeter hinauf, aber nur 280 wieder runter (deshalb hatte ich überlegt in Magome zu starten). — Ach ja, die Bushaltestelle unten neben dem Fluss ist auf etwa 420 Höhenmeter.

Die Wassermühle und das Nachrichtenbrett begrüßen mich. Dann laufe ich gemütlich durch Tsumago. Hier an der alten Handelsstraße stehen nur traditionelle Häuser, alte Herbergen und Pferdeställe.

Dann wird es Zeit, Proviant aufzunehmen und Tsumago nach Süden zu verlassen. Ich versuche alles aus dem Gedächtnis zu machen. Hinter der Brücke über den Araragi-Fluss stehen noch ein paar Häuser. Eines ist der Ryokan von 2012. Ob es das noch gibt? Ryokan Hanaya. Ja, da ist es. Etwas weiter durch als ich erinnere. — Ach ja, wir sind auf etwa 500 Höhenmeter.

Etwas später kreuzt der Weg den Highway 7. Hier beginnt der gepflasterte Weg durch den Bergwald. Hier entstehen viele Fotos, die man im Internet findet.

Ab jetzt geht es bergau; immer bergauf. Der erste Zwischenstopp sind die Wasserfälle Odaki und Medaki. Für die muss ich steil bergab. Arghh. Das muss ich gleich alles wieder hinauf. Aber der Umweg lohnt sich halt. — Ach ja, die Wasserfälle sind bei etwa 600 Höhenmeter.

Jetzt muss ich die verloren Höhenmeter wieder rauf. Und es war der falsche Weg. Ich stehe am Highway 7. Das ist falsch. Also muss ich die 50 Stufen wieder runter und die erwähnten, verlorenen Höhenmeter noch einmal hinauf. Und es geht weiter hinauf, denn den Berg habe ich noch lange nicht überquert.

Dann geht es doch zwei Mal für ein paar hundert Meter auf dem Highway 7 entlang. Aber nur kurz. Dann geht es wieder in den Zypressenwald.

Ein nächster Zwischenstopp ist beim Ichikokutochi Tateba Chaya. Ein Tasse Tee, offenes Kohlenfeuer. Eigentlich könnte ich bleiben, muss aber weiter. — Ach ja, 700 Höhenmeter.

Ich laufe weiter. So langsam geht die Strecke in die Knochen. Und ich bin langsamer unterwegs als ich dachte. Stress kommt trotzdem nicht auf. Ich schaffe es locker vor der Dämmerung bis Magome.

Endlich. Endlich komme ich zum Magome-Pass auf 800 Höhenmeter. Hier ist die Grenze zwischen den Präfekturen Nagano und Gifu. Das heißt auch: Ich habe 2/3 geschafft und endlich geht es bergab.

Wie viel einfacher der Weg doch wird, wenn die Steigung fehlt. Man kommt auch viel schneller voran. Leider ist dieser Abschnitt nicht so schön im Wald. Er ist im Vergleich fast schon langweilig. Aber raus aus dem Wald heißt auch Fernsicht.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es sich Magome so lang hinzog. Aber gleich sollte sie kommen: die Kreuzung mit der Nachrichtentafel. Hier beginnt auch die sehr hübsch gepflasterte Straße durch Magome. Die Gebäude sind etwas moderner als die in Tsumago. Viele sind weiß gestrichen. Dadurch hat Magome einen anderen, ganz eigenen Charme.

Ich laufe die Straße runter bis zur Mühle. Hier ist Magome zu Ende. Es fängt an zu dämmern. Ich habe die Zeit perfekt ausgenutzt. Jetzt sind fast alle Touristen weg. Ich laufe noch mal rauf und runter für eine zweite Runde Fotos. Ein Geschäft hat noch offen. Zeit für ein Bier ist immer.

Jetzt ist es Zeit für den Bus zurück nach Nakatsugawa. Ich überlege kurz, ob ich die Strecke laufe. Es wäre bergab, weiter dem Nakasendo folgend. Aber nein. Es geht durch Waldgebiete. Es wird dunkel sein. Ich habe keine Lampe und ich weiß nicht, wie die aktuelle Situation mit den Bären hier ist. Zwischen Tsumago und Magome war ich sicher, dass die vielen Touristen die Bären auf Distanz halten. Magome-Nakatsugawa läuft aber keiner, schon gar nicht nachts.

Es gibt genug Zugverbindungen nach Nagoya, sodass ich hier etwas Essen kann.  Ich laufe die Straßen entlang. Es gibt ein paar Optionen. Die meisten sind an der 71. Die Straße heißt Registro Dori (in Katakana). Fragt mich nicht warum. An der zweiten Ampel kreuzt übrigens der Nakasendo die 71. Hier wäre ich also angekommen, wenn ich gelaufen wäre. Vielleicht beim nächsten Besuch.

So wie es aussieht ist Unagi eine große Sache hier. Aber das hebe ich mir für Nartia auf. Ich finde ein kleines Restaurant, das Soba hat: Shokuji Heiwa. Es ist fast direkt neben dem Bahnhof. Deal. Soba ist genau, was ich jetzt brauche. Dazu ein Highball und der Abend hat Struktur.

Ein Blick auf die Uhr sagt: Jetzt starten oder über eine Stunde warten. Dann doch lieber jetzt los. Kaum ist der Zug in Bewegung döse ich weg. Mein Akku ist auf Reserve, aber es hat sich gelohnt. Wie immer hätte ich eine Stunde früher starten können, aber es ist Urlaub.

Auch wenn der Akku alle ist, reicht er noch für einen Stopp in Darumaya. Es ist die Konstante in Nagoya. Das Hotel ist nur zum Schlafen da.  Ich weiß nicht einmal, ob es eine Bar. Wenn ja wird sie von all den Chinesen bevölkert sein, die hier übernachten. Ich glaube ich bin der einzige Europäer hier. Dann lieber den Tag im Daruma ausklingen lassen.

Rediscovering Gifu

Für heute habe ich ein Ticket, um das Ukai zu besuchen. Ukai ist das traditionelle Fischen mit Kormoranen. Es hat über 20 Jahre gebraucht bis ich es endlich besuche.

Ein zweiter Besuch vor Gifu gilt der Burg in Kiyosu. Ich habe vor Ewigkeiten mal was in Japan bestellt und der eBay-Kontakt hat ein Foto von der Burg beigelegt. Ich habe sie jedesmal gesehen, wenn ich mit dem Shinkansen an Nagoya vorbeigefahren bin. Jetzt endlich besichtige ich sie.

Bahnhof Nagoya: Wieso sieht das alles so unbekannt aus? Erst als ich in der Unterführung zu den Bahnsteigen bin stellt sich ein wenig, wenn auch nicht viel, Vertrautheit ein. Ich steige in den Local nach Gifu. Wir fahren an der Burg vorbei. Anhalten. Arghh. Das muss ich gleich alles laufen.

Kiyosu: Ich gehe hoch zur Hautpstraße und dann in Fahrtrichtung zurück. Viel ist hier nicht los. Etliche Häuser sind in einem schlechten Zustand. Einzelne Grundstück sind vakant. Am Family Mart nehme ich Proviant auf. Dann nehme ich die Fußgängerbrücke über der Hauptstraße und unterhalb des Expressway. Japans Straßennetz ist mal wieder 3D. Ich sehe die Burg. Auf der anderen Straßenseite gehe ich zurück zu den Bahngleisen. Hier gibt es einen Wanderweg der zu der Brücke führt, die ich von der Postkarte kenne.

Die Burg ist klein aber mit der roten Brücke ein tolles Fotomotiv. Innen wurde alles originalgetreu und aus Holz rekonstruiert. Der Besuch hat sich schon jetzt gelohnt. Von der Aussichtplattform sieht man die Shinkansenstrecke und die Normalstrecke. Von hier gelinden wir defintiv Fotos von einem gazen 400 m langen Shinkansen.

Zurück gehe ich direkt an den Gleisen entlang. Das spart locker einen Kilometer. Ich bin hier alleine unterwegs. Nach Osaka eine echte Entspanung. Am Bahnhof heißt es warten. Hier halten nur die Local. Rapids und Express fahren durch. Das gibt mir die Chance eine Menge Güterzüge zu sehen.

In Gifu angekommen nehme ich einen, hoffentlich den richtigen, Bus. Ich arbeite jetzt aus dem Gedächtnis: Wenn der Bus rechts abbiegt muss ich raus. Läuft. Im Zickzack geht es durch das Wohngebiet zum Shobo-ji. Es ist ein kleiner, unscheinbarer und etwas in Jahre gekommener Tempel. Hier steht der große Buddha von Gifu. Ich weiß nicht, warum Gifu bei japan-guide nicht gelistet ist. Der Buddha ist einen Besuch wert.

Nur ein paar Meter entfernt ist der Gifu-Park. Neben den Ruinen der Residenz von Oda Nobunaga geht die Seilbahn rauf zur Burg. Im Hang steht noch eine 3-stöckige Pagode. Das nächste lohnende Fotomotiv.

Oben angekommen biege ich sofort rechts ab zum Squirrel-Village. Ja es sind die grauen, fetten Eichhörnchen und ja es ist eine Touristenfalle, aber ich war hier.

Und nun beginnt der Aufstieg zur Burg von Gifu. Wegen Baustelle muss ich einen Umweg laufen. Ich komme an einer kleinen Brücke vorbei, die Teil der alten Verteidungsanlage ist. Sie wurde einfach zerstört, um den Feind den Zugang zu versperren. Links und rechts geht es steil bergab. Keine Chance.

Die Burg ist klein, fein und hat wegen ihrer Position hoch auf dem Berg einen super Blick über Gifu. Am Horizont kann man die Skyline von Nagoya erahnen.

Da wird es laut. Mehrere Flugzeuge der Air Force fliegen in Formation über uns vorbei. Mir gelingen ein paar Schnappschüsse. Und dann geht es auch schon wieder runter ins Tal.

Ich gehe mit ein paar ungewollten Umwegen runter zum Nagara-River, wo die Boote für das Ukai sein sollen. Ich finde einen Schalter, der zu dem Logo auf meinem Papierticket passt. Ja, ich bin hier richtig und soll etwa 30 Minuten vor Abfahrt da sein. Passt.

Ich gehe durch Kawaramachi. Das ist die Straße mit den alten Häusern, die ich zwei nicht gefunden habe. Kein Kommentar. Hinter den kleinen Kanal ist wieder das Wohngebiet mit dem Shobo-ji. Ich gehe weiter.

Mein Ziel ist Zenko-ji und der bergauf gelegene Inaba Shrine. Beides sind sehr schöne Fotomotive. Ich weiß immer noch nicht, warum Gifu nicht bei japan-guide.com gelistet ist. Im Schrein gibt es sogar eine Bogenbrücke, die nur für die Götter bestimmt ist. Eine Portion Moos und etwas Verwitterung geben dem ganzen das richtige Ambiente.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass ich den Rückweg zum Fluss antreten sollte. Ich habe das mimimale Pflichtprogramm trotz Stopp in Kiyosu geschafft. Perfekt.

Ich komme mit Zeitreserve für ein Bier am Anleger an. Wir steigen ein. Unser Boot ist nicht voll besetzt. Das gibt mehr Platz für Fotoaktionen. Wir leben ab. Ohne Motor, nur mit einem langen Stab, fahren wir zum Beobachtungspunkt. Der Fluss ist sehr flach. Helfer schieben uns auf eine Untiefe. Das Boot hat quasi im Fluss angelegt. Jetzt warten wir. Und warten.

Dann geht es los. Zuerst kommt ein Ponton mit Tänzern. Das Rahmenprogramm beginnt. Dann kommen die Fischerboote. An einem langen Stab hängt ein Korb mit Brennholz. Das Licht soll die Fische anlocken. An der Spitze steht ein Fischer der etwa 10 bis 15 Leinen hält. An jeder Leine ist ein Kormoran. Seine Aufgabe ist es, die Fische zu fangen und abzuliefern.

Die Boote fahren auf und ab. Ich hoffe in dieser Dunkelheit werden zumindest ein paar Fotos etwas. Zum Abschluss fahren die Fischerboote zwischen die Beobachterboote. Wir werden in den Rauch der Feuerkörbe gehüllt. Die Kormorane schlagen uns das Wasser ins Gesicht. Dichter ran geht nur, wenn man ins Wass er fällt.

Das war das Finale. Wir fahren zurück. Es hat sich gelohnt. Jetzt wo wieder Toiletten greifbar sind, ist Zeit für Abendessen und einen großen Highball am Foodtruck, der hier steht. Ich bin wohl der letzte Gast und bestelle Takoyaki.

Dann wird es Zeit, an den Rückweg zu denken. Ich nehme mir ein Taxi zurück zum Bahnhof und dann den Zug nach Nagoya. Wow. Ich war endlich beim Ukai.

Der Weg zurück zum Hotel unterbreche ich wieder am Daruma.

Rediscovering Rückflug (Probelauf)

Heute fliegt mein Bruder nach Hause. 3 Wochen Japan-Crashkurs sind vorüber. Rückblickend hätte ich 2, vielleicht Tage optimieren können (2 Tage in Tokyo und Okayama), aber es waren ereignisreiche Tage. Damit ist es Jammern auf hohem Niveau.

Nach dem Frühstück checken wir aus und parken die Koffer an der Rezeption. Dann geht es mit der Midosuji-Line zurück nach Dotonbori. Aber zuvor stöbern wir in der Shopping Mall, die sich im Harukas-Gebäude befindet. Hier gibt es ein paar Whisky und Gin, die wir als Backup-Plan für später speichern.

An der Ebisu-bashi beginnt eine der langen, überdachten Einkaufsstraßen Ebisu-bashi-suji. Wir schlendern die Einkaugsstraße entlang. Ich finde ein paar Whisky für mich, die ich jetzt den Rest des Tages mit mit herumtragen muss. Ich habe das nicht gut durchdacht.

Wir sind jetzt bereits en an der U-Bahn-Station Shinsaibashi. Auf der anderen Seite der mehrspurigen Straße geht es weiter und weiter. Wir laufen bis Hommachi. Hier verläuft ein Expressway. Japantypisch oberhalb der normalen Straßenebene. Unter dem Expressway befinden sich Büros.

Das war jetzt weit genug. Wir laufen zurück nach Shinsaibashi und nehmen von dort die U-Bahn zurück nach Tennoji. Wir haben noch viel Reservezeit. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir fahren hinauf zur Aussichtsplattform von Harukas 300.

Von hier oben ist die Aussicht perfekt. Man sieht das Häusermeer von Osaka. Im Süden sind dies abertausende Einfamilienhäuser, die ohne Garten dicht an dicht stehen. Am Horizont die Berge wo auch Koyasan ist. Im Norde sehen wir die Skyline von Umeda. Das Sky Building ist nicht zu sehen. Aber wir finden Dotonbori. Zu unseren Füßen ist der Tempel Shitennoji.

Im Westen ist das Hafengebiet mit den künstlichen Insel … und wie bereits erwähnt der Expo. Ich versuche Osakako mit dem Auqarium zu finden. Dort war mein Ryokan in 2004.

Wir (also ich) genehmigen uns ein Bier und dann geht es wieder hinunter. Ich bin immer noch der Meinung, dass dies mein erster Besuch hier oben ist. (Nach Durchsicht meiner Datenbank muss ich gestehen, dass dies nicht stimmt. Ich war schon mal hier.)

Wir holen unsere Koffer und begeben uns zu JR Tennoji Station. Der Zug ist relativ voll. Wir müssen stehen und irgendwie zieht sich die Fahrt. Am Yamato River sind erst 1/4 geschafft. Ughh. irgendwann kommt die Brücke rüber auf die KIX-Insel in Sicht, der Zug biegt von der Hauptstrecke ab.

Ich muss die Rückfahrt und meinen Shinkansen im Auge behalten, habe aber noch Zeit, meinen Bruder bis zum Check-in-Bereich zu begleiten. Dann trennen sich unsere Wege. Er wartet auf den Beginn des Check-in und seinen Flug in etwas 3 Stunden. Das ist viel Reservezeit, aber ich wusste nicht, wie gut wir durchkommen. Und später hätte bei mir nicht funktioniert.

Ich starte meinen Rückweg nach Osaka. Ich wollte eigentlich den Express nehmen, aber die Warteschlange am Ticketschalter ist riesig. Da stehe ich bestimmt eine halbe Stunde an. Also doch wieder den Local. Der aber fährt nicht ab, bzw. mit über 10 Minuten Verspätung. Es gibt Störungen auf der Strecke. Na super.

Das war ja eine echt gute Idee von mir, dieser Umweg über KIX. Die Anzeige meldet zudem Störungen uaf der Loop-Line. Was tun? Nur bis Tennoji und dann die Midosuji? Oder doch sitzen bleiben und bis Umeda durchfahren? Ich überlege hin und her. Wir haben Verspätung, aber meine Puffer ist noch nicht aufgebraucht.

Ich entscheide Loop-Line. Wir kommen akzeptabel voraus; bis nach Fukushima (ja, die Station heißt so). Dann stehen wir. Arghhhh. Nach bagen 3 Minuten geht es weiter. Umeda und raus. Ich muss rüber zur Kyoto-Line. Und der nächste Albtraum. Die stehen hier vom Bahnsteig die Treppe runter bis in den Verbindungskorridor. Das wird bestimmt ne halbe Stunde dauern, bis ich vorne am Bahnsteig ankommen werde und einsteigen darf.

Nein. Plan B. Quer durch die Korridore nun doch rüber zur Midosuji. Die ist natürlich auch voll, aber es ist nicht so schlimm wie in der Yamanote. Es sind ja nur drei Stationen. Ich komme etwas gestresst aber mit Puffer in Shin-Osaka an. Das mache ich nicht noch mal. Ich brauche ein Bier … und Proviant für die Fahrt.

Und da rollt er ein, der Tokaido-Shinkansen von JR Central. Ich steige ein und habe die Sitzreihe für mich. Sehr schön. Unser erster Halt ist Kyoto. Nach einiger Zeit kommt Maibara. Wir kommen an Sekigahara vorbei, wo die berühmte Samurai-Schlacht stattfand. Jetzt nur noch Gifu-Hachima und ich bin schon in Nagoya. Das waren knapp 170 km in grob einer Stunde. Ich liebe den Shinkansen.

Ich bin zurück in Nagoya. Die 500 m bis zum Hotel sind relativ einfach. Nur mein Koffer, bzw. die Rollen, sind kein Freund der Markierung für blinde Leute. Ich fange an diese Dinge zu hassen, so  richtig.

Ich kann das Vessel Hotel schon sehen, da werde ich abgelenkt. Das Darumaya ist ein Mini-Izakaya. Sitzplatz für etwa 6 Leute drinnen und Stehplätze für 4-6 Leute draußen. Das gefällt. Highball und Kushikatsu, Yakitori und andere Snacks. Abendessen. Perfekt.

Was bleibt ist der Check-in. Ich falle fast sofort ins Bett. Morgen steht Gifu auf dem Plan. Ich habe Tickets fürs Kormoranfischen.

Rediscovering Koyasan

Heute ist der letzte Tag für Sightseeing. Mein Bruder fliegt morgen zurück nach Deutschland. Die letzte Chance noch mal richtig dick aufzutragen.

Koyasan. Der Tempelberg des Shingon-Buddhismus. Die ersten Tempel enstanden hier vor 1200 Jahren. In der Hochzeit sollen es über 1300 Tempel gewesen sein. Heute sind es noch immer 117 Untertempel, die den Kongobu-ji umgeben.

Wie gestern geht es nach dem Frühstück mit JR nach Shin-Imamiya. Hier kaufen wir das Nankai-Ticket nach Koya. Der Express fährt erst in einer Stunde. Der Local in ein paar Minuten. Also Local.

Die Entscheidung war ein Fehler. Denn der Local fährt nicht bis Koyasan durch. Wir müssen in Hashimoto umsteigen. Der Express hält nicht und fährt an uns vorbei. Arghhh. Und es regnet. Der nächste Local bringt uns nach Koyashita. Hier müssen wir erneut umsteigen, in eine kleine Bummelbahn, die uns den Berg hinauf fast nach Gokurabashi bringen wird.

Von hier geht es mit einer Schrägbahn steil hinauf. Ich glaube, die haben die Bergstation renoviert. Sie sieht anders aus, als ich sie erinnere. Von hier geht es mit dem Bus weiter. Ich bin kurz verwirrt, da dieser Bus eine andere Route nicht, als ich dachte. Wir fahren am Dai-mon vorbei. Hier beginnt offiziell die Pilgerstrecker der 88 Tempel. Es war eines der letzten Fotos bei meinem ersten Besuch 2012.

Wir steigen am Eingang zum Kongobu-ji aus. Hier steht nicht nur der Schrein mit den Laternen, sondern auch die Daito. Weiter hinten steht noch eine Tahoto. Wir haben bestimmt was spannendes übersehen. Im Reiseführer ist dieses Areal als Garan gelistet. Etwas unpräzise, da Garan auf die 7 Hallen eines idealen Tempels verweisen.

Am Hensojo-in und Shakamon-in schauen wir nur durch Zufall vorbei. Unser eigentlich nächstes Ziel ist das Daishi Kyokai, das Verwaltungsgebäude der Koyasan-Tempel. Hier habe ich damals das Jukai abgelegt. Leider passen die Termine der Zeremonie überhaupt nicht in unseren Zeitplan. Ich hatte das schon bei der Planung befürchtet. Ein Eintrag ins Goshuin bekomme ich aber trotzdem.

Weiter geht es zum Hauptgebäude des Kongobu-ji. Der Vorplatz sieht so anders aus. 2012 war hier Schnee und es war neblig. Die Atmoshäre fehlt jetzt eindeutig. Wir wandeln durch die Hallen des Tempels und bewundern die verschiedenen Ansichten des Steingartens Banryutei.3

Über den Ostausgang geht es weiter. Ich will gar nicht wissen, an wie vielen Tempeln und Schreinen wir vorbeigehen, ohne es zu wissen. Hier ist gefühlt jeder vierte Eingang ein Tempel. Wir folgen der Hauptstraße. Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Entweder ist es die falsche Uhrzeit, oder der falsche Tag. Hmm.

Wir gehen am Hojo-ji vorbei, bewundern die Manihoto (8-eckige Tahoto) des Jofuku-in und erreichen dann den Eingang zum Okuno-in. Zwischen uns und dem Mausoleum von Kobo Daishi (Kukai) liegt ein riesiger Waldfriedhof. Wie schon vorhin vermisse ich jetzt richtig den Nebel.

Wir überqueren die Ichino-hashi, die erste Brücke. Bis zur Gyobo-bashi sind es etwa 1,6 km bis zum Mausoleum. Auf dem Weg dorthin kommt wir an sehr vielen Gräbern berühmter und mächtiger Personen der japanischen Geschichte vorbei, z.But B. das von Oda Nobunaga. Hier sollen über 200.000 Grabsteine und Gorinto stehen.

Das letzte Foto mache ich kurz vor der Gyobo-bashi. Auf der anderen Seite ist das innere Heiligtum und Fotografierverbot. Ich halte mich dran. Die Torodo vor dem eigentlichen Grab ist mit tausenden(!) Laternen geschmückt.

Auf dem Weg zurück kommen wir an einer Steinpyramide vorbei (google listet sie als „Mound for the People of No Relatives“) bevor wir das innere Heiligtum über die Okunoin-bashi verlassen und ich meine Kamera wieder scharf schalte.

Mit einem Blick auf die Uhr entscheiden wir uns für den Weg zur Hauptstraße und den Bus zurück in die Stadtmitte. Das Busticket ist Teil unseres Nankai-Passes, den wir heute morgen gekauft haben.

Zurück in der Stadt finden wir immer noch kein geeignetes Restaurant oder Izakaya. Also doch falscher Tag und weniger falsche Uhrzeit. Das gibt uns Zeit, um noch schnell des Tokugawa Mausoleum zu besuchen. Es gibt zwei Schreine; einen für Tokugawa Ieyasu (1. Shogun) rechts und einen für Tokugawa Hidetada (2. Shogun) links. Beide Schreine sind nahezu identisch und reichlich verziert.4

Wir sind so spät, dass das Kassenhäuschen schon geschlossen ist, aber die Absperrkette noch nicht den Eingang schließt. Wir sind nicht die Einzigen, die diese letzte Chance nutzen. Eintritt entrichten beim Verlassen an einer kleinen Holzbox. In Japan gilt oft das Honor-System.

Das war Koyasan. Wir haben bis zur letzten Minute ausgekostet. Jetzt geht es mit dem Bus am Daimon vorbei zurück zur Schrägbahn. Hmm. Damit habe wieder kein gutes Foto von dem Tor. Arghhh.

An der Bahn haben wir ein paar Minuten, um Proviant aufzunehmen. Und ich entdecke ein Problem. Eine Tafel, auf die der Angestellte gerade etwas in japanischen Kanji schreibt. Das ist kein gute Zeichen. Ich kenne diese Tafeln. Und ich behalte recht. Die Bahnstrecke zurück nach Osaka ist gesperrt. Ich frage einen Japaner, aber alles was ich erfahren kann ist, dass wir bis in das Stadtgebiet von Osaka kommen und dann evtl. in die U-Bahn oder JR-Zug umsteigen müssen. Mal schauen, wie weit wir kommen.

Mit der Schrägbahn geht es runter nach Gokurakubashi. Hier wartet schon die Bummelbahn auf uns. Bis Hashimoto sind wir schon mal. Es geht weiter. Das ist ein Local. Das wird dauern. Wir nehmen jede Milchkanne mit.

Hmm. Kawachinagano. Hier gibt es eine Anbindung an die Kintetsu. Die fährt aber in die falsche Richtung. Also weiter. Yes. Nakamozu. Das ist der Bahnhof am Mozuschrein. Wenn es jetzt nicht weitergeht haben wir die U-Bahn als Alternative.

Wir kommen, mit ein paar Wartepunkten wirklich durch bis Shin-Imamiya. Bis hier ist unser Bahnticket gültig. Wir sind zurück und da der Abend noch jung ist, und es der letzte Abend ist, besuchen wir erneut Shinsekai.

Hatte ich eigentlich schon von Billiken erzählt? Es ist das Maskottchen von Shinseskai und „God if things as they ought to be“. Egal. Wir stoppen für Drinks und Kushikatsu, frittiertes Zeug auf Holzspieß.

Ach ja. Das Wetter morgen? Tsutenkaku sagt orange über weiß. Also erst wolkig und in der zweiten Tageshälfte sonnig.

Ein entspannter Fußmarsch zum Hotel beendet diesen letzten vollen Tag in Japan. Morgen werden wir noch ein paar Souveniers shoppen, bevor ich meinen Bruder zum Kansai Airport (KIX) eskortiere.

Rediscovering Osaka 2

Mal sehen was der heutige Tag bringt. Das Frühstück ist schon mal ein guter Start. Im Anschluss geht es durch den Untergrund wieder nach Tennoji. Ich will mit der JR eine Station bis Shin-Imamiya fahren. Aber aus irgendeinem Grund ist hier Chaos. Nicht alle Züge fahren. Wow. So viel Pech mit den Öffis hatte ich noch nie in Japan. Wahrscheinlich wäre wir schneller gewesen, wenn wir die Strecke gelaufen wären.

Wir steigen um in die Nankai-Linie, die uns nach Sumiyoshi-Higashi bringt. Von hier ist es nur ein kleiner Fußmarsch zum Nebeneingang des Sumiyoshi Taisha. Hier hatte ich 2004 die Moon-Viewing-Zeremonie besucht. Ein Erlebnis, das ich bis heute nicht verstanden habe und auch nicht wiederholen konnte.

Der Schrein hat ein ganz eigenes Design: Es gibt 4 Hauptgebäude, die im Sumiyoshi-Stil gebaut sind. Im Westen gibt es die Sorihashi, eine Bogenbrücke. Als wir hier Fotos machen, sehen wir eine Prozession. Eine Hochzeit. Was für ein Glück. Was für eine Gelegenheit für Fotos.

Wir verlassen den Schrein im Westen und nehmen die andere Nankai-Linie zurück nach Shin-Imamiya. Den Ausgang zu finden ist nicht ganz einfach, aber wir meistern es. Von hier geht es dirket nach Shinsekai. Es ist das Kneipen- und Partyviertel rund um den Tsutenkaku-Tower.5 Er ist das modern Wahrzeichen von Osaka und ganz Kansai. Diese Gegend wird immer wieder in Anime zitiert.

Shinsekai ist absolutes Chaos. Es ist laut. Es ist bunt. Es ist schrill. Kann man es mit Tokyo vergleichen. Nein. Denn das hier ist Kansai. Die Schlange vor dem Shinsekai ist zu lang. Und es lohnt sich nicht wirklich.

Wir gehen weiter in Richtung DenDen. Das ist der Elektronikbezirk von Osaka. Viele vergleichen es mit Akihbara. Nicht mal im Ansatz. Aber es gibt einige Mange- und Anime-Stores in den wir nach Souvenirs stöbern.

Rechts ab ist der Kuromon-Market, eine der vielen überdachten Einkaufsstraßen. Sie war nicht auf meiner Liste, aber mein Bruder hat vorgestern jemanden in der Bar getroffen, der hier arbeitet. Vielleicht finden wir ihn. Und tatsächlich. Da ist er. Aber hier sind so viele Touristen, die was kaufen wollen, dass wir lieber nicht stören.

Es sind nur noch ein paar Meter bis Dotomburi, aber wir biegen ab. Wir haben Karten für das National Bunraku Theatre. Das Theaterstück ist etwas träge und zieht sich. Es ist mein erster Bunraku-Besuch. Von daher wusste ich nicht, was uns erwartet.

Die knapp 3 Stunden im Theater haben ihren Vorteil. Wir haben den Großteil des Regens verpasst. Wir gehen direkt zum Dotombori. Es ist der Fluss (oder ist es ein Seitenkanal) des Kizu-River und der Name des Stadtbezirkes. Hier sind an beiden Seiten des Ufers und in den Straßen drumherum sind Kneipen, Restaurants und Clubs. Hier ist das Nachtleben von Osaka. Dotonbori ist weltbekannt und wir sind jetzt mittendrin. Hier gibt es diesen Koch mit dem fiesen Blick. Hier ist auch der Glico-Man, den jeder kennt. Wir gehen über die Dotonbori-bashi. Es ist die Brücke die für dieses Stadtteil steht wie die All-Green-Kreuzung für Shibuya.

Wir laufen ein wenig durch die Straßen bevor für eine lokale Spezialität stoppen. Nicht zuletzt motiviert durch den Regenschauer, der gerade startet: Kushikatsu. Es sind Spieße mit irgendetwas das paniert und frittiert wurde. Egal was das irgendetwas ist, es ist lecker. (Die andere Spezialität sind Takoyaki, die mein Bruder nicht mag.)

Wir verlassen die Gegend in Richtung Namba-Station. Die Anzahl der Optionen an Kneipen und Restraurants ist umbeschreiblich. Südlich vom Bahn ist dann plötzlich Schluss. Also gehen wir zurück.

Zum Abschluss des Tages geht es, mal wieder, nach Shin-Imamiya und von hier zu Fuß zurück zum Hotel.Zurück am Harukas 300 schauen wir, ob es sich noch lohnt, nach oben zu fahren. Nein. Na gut, wir haben es probiert. Eine gute Kneipe finden wir auch nicht. Also geht es zurück in die Straßen südlich der Bahngleise.

Der Tag war eher langsam. Aber das muss auch sein. Gestern Nara, morgen Koyasan. Da ist es gar nicht verkehrt, wenn heute eine kurze Verschnaufpause war.