Heute ist der letzte Tag für Sightseeing. Mein Bruder fliegt morgen zurück nach Deutschland. Die letzte Chance noch mal richtig dick aufzutragen.
Koyasan. Der Tempelberg des Shingon-Buddhismus. Die ersten Tempel enstanden hier vor 1200 Jahren. In der Hochzeit sollen es über 1300 Tempel gewesen sein. Heute sind es noch immer 117 Untertempel, die den Kongobu-ji umgeben.
Wie gestern geht es nach dem Frühstück mit JR nach Shin-Imamiya. Hier kaufen wir das Nankai-Ticket nach Koya. Der Express fährt erst in einer Stunde. Der Local in ein paar Minuten. Also Local.
Die Entscheidung war ein Fehler. Denn der Local fährt nicht bis Koyasan durch. Wir müssen in Hashimoto umsteigen. Der Express hält nicht und fährt an uns vorbei. Arghhh. Und es regnet. Der nächste Local bringt uns nach Koyashita. Hier müssen wir erneut umsteigen, in eine kleine Bummelbahn, die uns den Berg hinauf fast nach Gokurabashi bringen wird.
Von hier geht es mit einer Schrägbahn steil hinauf. Ich glaube, die haben die Bergstation renoviert. Sie sieht anders aus, als ich sie erinnere. Von hier geht es mit dem Bus weiter. Ich bin kurz verwirrt, da dieser Bus eine andere Route nicht, als ich dachte. Wir fahren am Dai-mon vorbei. Hier beginnt offiziell die Pilgerstrecker der 88 Tempel. Es war eines der letzten Fotos bei meinem ersten Besuch 2012.
Wir steigen am Eingang zum Kongobu-ji aus. Hier steht nicht nur der Schrein mit den Laternen, sondern auch die Daito. Weiter hinten steht noch eine Tahoto. Wir haben bestimmt was spannendes übersehen. Im Reiseführer ist dieses Areal als Garan gelistet. Etwas unpräzise, da Garan auf die 7 Hallen eines idealen Tempels verweisen.
Am Hensojo-in und Shakamon-in schauen wir nur durch Zufall vorbei. Unser eigentlich nächstes Ziel ist das Daishi Kyokai, das Verwaltungsgebäude der Koyasan-Tempel. Hier habe ich damals das Jukai abgelegt. Leider passen die Termine der Zeremonie überhaupt nicht in unseren Zeitplan. Ich hatte das schon bei der Planung befürchtet. Ein Eintrag ins Goshuin bekomme ich aber trotzdem.
Weiter geht es zum Hauptgebäude des Kongobu-ji. Der Vorplatz sieht so anders aus. 2012 war hier Schnee und es war neblig. Die Atmoshäre fehlt jetzt eindeutig. Wir wandeln durch die Hallen des Tempels und bewundern die verschiedenen Ansichten des Steingartens Banryutei.1
Über den Ostausgang geht es weiter. Ich will gar nicht wissen, an wie vielen Tempeln und Schreinen wir vorbeigehen, ohne es zu wissen. Hier ist gefühlt jeder vierte Eingang ein Tempel. Wir folgen der Hauptstraße. Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Entweder ist es die falsche Uhrzeit, oder der falsche Tag. Hmm.
Wir gehen am Hojo-ji vorbei, bewundern die Manihoto (8-eckige Tahoto) des Jofuku-in und erreichen dann den Eingang zum Okuno-in. Zwischen uns und dem Mausoleum von Kobo Daishi (Kukai) liegt ein riesiger Waldfriedhof. Wie schon vorhin vermisse ich jetzt richtig den Nebel.
Wir überqueren die Ichino-hashi, die erste Brücke. Bis zur Gyobo-bashi sind es etwa 1,6 km bis zum Mausoleum. Auf dem Weg dorthin kommt wir an sehr vielen Gräbern berühmter und mächtiger Personen der japanischen Geschichte vorbei, z.But B. das von Oda Nobunaga. Hier sollen über 200.000 Grabsteine und Gorinto stehen.
Das letzte Foto mache ich kurz vor der Gyobo-bashi. Auf der anderen Seite ist das innere Heiligtum und Fotografierverbot. Ich halte mich dran. Die Torodo vor dem eigentlichen Grab ist mit tausenden(!) Laternen geschmückt.
Auf dem Weg zurück kommen wir an einer Steinpyramide vorbei (google listet sie als „Mound for the People of No Relatives“) bevor wir das innere Heiligtum über die Okunoin-bashi verlassen und ich meine Kamera wieder scharf schalte.
Mit einem Blick auf die Uhr entscheiden wir uns für den Weg zur Hauptstraße und den Bus zurück in die Stadtmitte. Das Busticket ist Teil unseres Nankai-Passes, den wir heute morgen gekauft haben.
Zurück in der Stadt finden wir immer noch kein geeignetes Restaurant oder Izakaya. Also doch falscher Tag und weniger falsche Uhrzeit. Das gibt uns Zeit, um noch schnell des Tokugawa Mausoleum zu besuchen. Es gibt zwei Schreine; einen für Tokugawa Ieyasu (1. Shogun) rechts und einen für Tokugawa Hidetada (2. Shogun) links. Beide Schreine sind nahezu identisch und reichlich verziert.2
Wir sind so spät, dass das Kassenhäuschen schon geschlossen ist, aber die Absperrkette noch nicht den Eingang schließt. Wir sind nicht die Einzigen, die diese letzte Chance nutzen. Eintritt entrichten beim Verlassen an einer kleinen Holzbox. In Japan gilt oft das Honor-System.
Das war Koyasan. Wir haben bis zur letzten Minute ausgekostet. Jetzt geht es mit dem Bus am Daimon vorbei zurück zur Schrägbahn. Hmm. Damit habe wieder kein gutes Foto von dem Tor. Arghhh.
An der Bahn haben wir ein paar Minuten, um Proviant aufzunehmen. Und ich entdecke ein Problem. Eine Tafel, auf die der Angestellte gerade etwas in japanischen Kanji schreibt. Das ist kein gute Zeichen. Ich kenne diese Tafeln. Und ich behalte recht. Die Bahnstrecke zurück nach Osaka ist gesperrt. Ich frage einen Japaner, aber alles was ich erfahren kann ist, dass wir bis in das Stadtgebiet von Osaka kommen und dann evtl. in die U-Bahn oder JR-Zug umsteigen müssen. Mal schauen, wie weit wir kommen.
Mit der Schrägbahn geht es runter nach Gokurakubashi. Hier wartet schon die Bummelbahn auf uns. Bis Hashimoto sind wir schon mal. Es geht weiter. Das ist ein Local. Das wird dauern. Wir nehmen jede Milchkanne mit.
Hmm. Kawachinagano. Hier gibt es eine Anbindung an die Kintetsu. Die fährt aber in die falsche Richtung. Also weiter. Yes. Nakamozu. Das ist der Bahnhof am Mozuschrein. Wenn es jetzt nicht weitergeht haben wir die U-Bahn als Alternative.
Wir kommen, mit ein paar Wartepunkten wirklich durch bis Shin-Imamiya. Bis hier ist unser Bahnticket gültig. Wir sind zurück und da der Abend noch jung ist, und es der letzte Abend ist, besuchen wir erneut Shinsekai.
Hatte ich eigentlich schon von Billiken erzählt? Es ist das Maskottchen von Shinseskai und „God if things as they ought to be“. Egal. Wir stoppen für Drinks und Kushikatsu, frittiertes Zeug auf Holzspieß.
Ach ja. Das Wetter morgen? Tsutenkaku sagt orange über weiß. Also erst wolkig und in der zweiten Tageshälfte sonnig.
Ein entspannter Fußmarsch zum Hotel beendet diesen letzten vollen Tag in Japan. Morgen werden wir noch ein paar Souveniers shoppen, bevor ich meinen Bruder zum Kansai Airport (KIX) eskortiere.

















