Der Tag beginnt mit Regen. Ich verlasse das Ryokan und gehe rechts rum (links rum ist der Weg über die Pink Street). Am Sento vorbei geht es zuerst zum Dogo Onsen Honkan. Ich war hier gestern Abend schon. Der Bau ist beeindruckend. Verwinkelt und urjapanisch. Ich kann es kaum erwarten, heute Abend das Innere zu erkunden.

Dann geht es zur Bahnstation. Die Lokomotive ist von der Firma Krauss aus Deutschland. Das Gebäude ist viktorianisch. Der gesamte Anblick ist ein Postkartenmotiv. Mir gefällt es hier. Dogo Onsen, soweit ich es bis hier erkundet habe, macht einen runden Eindruck.

Beim Rundgang durch den Park lässt der Regen langsam nach. Der Park ist jetzt allerdings nicht der Burner. Schnell die Kurve zum Schrein. Es geht vorsichtig die steilen Stufen zum Isaniwa Schrein hinauf. Auf der letzten Stufe stolpern wäre echt blöd. Oben laufen die Vorbereitungen für eine Hochzeit. Die haben sich echt gutes Wetter ausgesucht.

Auf dem Weg zum Tempel Nr. 51 (Ishiteji) hört der Regen endlich auf. Ohne Karte weiß ich allerdings nicht, wo genau der Tempel ist. Ich verlasse mich auf mein Glück. Dann sehe ich ein Schild. Ich folge dem Pfeil und lande in einer kleinen Straße am Rande der Bebauung. Ein Bambushain. Nach etwa 150m gabelt sich der Weg. Links stehen kleine Buddha-Statuen. Ich glaube ich bin richtig.

Der Tempel ist klein und etwas rumpelig. Er wirkt, als hätte jemand einen Stapel alter Reliqiuen zusammengesammelt, um nen schnellen Yen zu machen. Ganz ehrlich. Hätte der Tempel keine Nummer, würde man ihn im Reiseführer vergeblich suchen. Den Tunnel zum innerern Tempel finde ich nicht, gut ich habe auch nicht speziell danach gesucht.

Matsuyama

Ich fahre mit der Tram in die Innenstadt von Matsuyama. In der Straße zur Seilbahn, die hinauf zur Burg führt, stoppe ich für Okonomiyaki. Bei dem ganzen Ramen und Yatai kam das bisher zu kurz.

Die Burg von Matsuyama ist ein großer Komplex und gibt einige gute Fotomotive. Von der Burg hat man Überblick über die gesamte Stadt; bis hin zur Küste. Von der Burg führt ein Weg hinunter zum Nihonmaru Garten. Ein Park auf dem Gelände, wo die ehemalige feudale Residenz stand. Eine Besonderheit des Parkes ist, dass die Wege dem Grundriss der Residenz entsprechen. Die Betonplatten habe in etwas die Größe einer Tatami. Das im Hinterkopf macht einem schnell deutlich, wie groß diese Residenz war.

Es folgt ein Fußmarsch zur JR Bahnstation. Ich checke die Bahnverbindungen nach Ozu und Uchiko für morgen. Zudem erfahre ich, dass der Nachtzug nach Tokyo ausgebucht ist. Ich muss umplanen und noch ein Hotel in Tokyo buchen. Ein großes Problem ist es nicht.

Die Tramfahrt zurück nach Dogo dauert knapp 35 Minuten. Nach einer kurzen Pause und einem heißem Bad im Ryokan bleibt genug vom Abend, um das Dogo Onsen Honkan zu besuchen. In Yukata geht es hinab zur Shopping-Straße und zum Onsen. Bei Nacht ist das Gebäude noch imposanter als bei Tageslicht.

Zum Einstieg wähle ich Stufe 1; die unterste. Damit hat man Zugang zum Hauptbadebecken. Man betritt das Gebäude, lässt die Schuhe im Schließfach und geht in die Umkleide. Alles wie in jedem anderen Onsen auch. Das Becken ist groß. Das Wasser kommt aus einer Steinsäule in der Mitte. Das Wasser ist verdammt heiß. Ohne eine kühlende Brise kommt man Kreislauf schnell an seine Grenze.

Ich verlasse diese heiligen Hallen und bin ganz Tourist. In Yukata geht es durch die Einkaufsstraße. Es gibt hier sogar eine lokale Biersorte: Dogo Beer. Und nur in Japan ist möglich, dass die Biersorten Kölsch und Alt friedlich im Regel nebeneinander stehen. (Die Dritte Biersorte ist übrigens ein Stout).

Um 22 Uhr schließen die Geschäfte. Es klingt früh, aber die Uhren in Japan laufen anders und in Onsen-Orten sowieso. Was mir auffällt: Es gibt hier keine brauchbares Izakaya; zumindest habe ich keines gefunden. Aber der Lawson hat Dogo Beer, das reicht.

Ach ja, ich habe gestern eine Katze gesehen, die es sich auf dem Sitz eines Motorrollers bequem gemacht hat. Die Katze ist heute wieder da. Es sieht fast so aus, als wäre es ihr Motorroller. Die Katze ist eine lokale Berühmtheit scheint es. Nach dem Honkan mit Sicherheit das am häufigsten fotografierte Objekt hier in Dogo.


Nachtrag: Das Video rechts ist von „Only in Japan“. Er bekam eine spezielle Erlaubnis in dem Onsen zu drehen. Für mich ideal, da ich euch auf diesem Weg das innere zeigen kann.