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中 部 地 方 (C H Ū B Ū)

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[English Version]

Chuubu ist die Region zwischen Kansai (Osaka und Kyoto) und Kanto (Tokyo). Historisch wird Chuubu oft der Kansai-Region zugeordnet. Die  neun Chubuu-Präfekturen sind Shizuoka, Aichi, Yamanashi, Nagano, Gifu, Fukui, Ishikawa, Toyama und Niigata. Die Ostgrenze verläuft von der Izu-Halblinsel hoch nach Niigata. Die Westgrenze verläuft westliche von Nagoya in nordwestliche Richtung. Der See Biwa liegt dabei auf der Kansaiseite. Zusammenfassung (Regel: SOLL ist MUSS wenn KANN):

  • MUSS: Hida-Takayama, Shirakawa-go/Ainokura
  • SOLL: Hida-Furukawa, Nagano, Matsumoto, Yudanaka/Shibu Onsen, Kanazawa, Bessho Onsen
  • kann: Eihei-j


[Ich bin ein Fan von japan-guide.com. Das Bild ist ein URL-Link]

Im Süden von Chuubu, entlang der Küste, verläuft die Tokaido-Shinkansen-Strecke. Seit 2015 (?) ist der Joetsu-Shinkansen, der Nagano mit Tokyo verbindet bis nach Joetsu-Myoko an der Nordküste verlängert und wird dort zum Hokuriko-Shinkansen der an der Küste bis Kanazawa fährt. (Der Zug soll irgenwann über Fukui bis zur Tokaistrecke verlängert werden.) Die nördlichste Präfektur Niigata wird durch den Niigata-Ast des Yoestu versorgt.

Hauptlinien gehen von Nagoya durch Kiso-Tal über Matsumoto nach Nagano. Eine weitere Linie läuft von Nagoya über Gifu mach Takayama und weiter nach Toyama. An der Nordküste läuft eine weitere Hauptlinie und verbindet Fukui, Kanazawa, Toyama, Myoko und Nagaoka. In der Region operieren neben JR viele andere Bahnlinien.

Für die weitere Betrachtung habe ich Chuubu unterteilt. Grenze ist der Nakasendo bzw. die Chuo-Bahnlinie. Die Highlights sind Takayama, Shirakawa-go und Kanazawa. Erwähnung finden sollten ferner Nagano, Shibu Onsen und Matsumoto.


(飛騨)高山 : Hida-Takayama — MUSS, 2 Tage+

Takayama ist Pflichtprogramm. Vielleicht nicht für die erste Reise, wenn man mit Tokyo, Kyoto, Kamakura, Nikko und all den anderen Orten entlang des Shinkansen beschäftigt ist; aber definitiv ein Muß. Das Zentrum besteht mehreren aus mehrere Straßen mit durchgehend alten Häusern. Nahebei gibt es ein Freilichtmuseum mit alten Häusern aus der gesamten Region. Zudem gibt 2 mal im Jahr ein großes Matsuri, das seinesgleichen sucht. Dann ist Takayama das real gewordene Hochglanzprospekt von Japan. Zwei Tage braucht man mindestens. Wenn ihr eure Reise so plant, daß ihr das Matsuri miterlebt, dann hängt lieber noch mindestens einen Tag ran. — Furukawa sollte man einen Besuch abstatten. Ferner fahren Busse nach Ainokura, einem Ort mit alten Häusern mitten im Nirgendwo. Ainokura, Shirakawago nebenan und auch Takayama sind Teil des Unesco Weltkurturerbes.


(飛騨)古川 : Furukawa — Soll, 1 Tag

Furukawa ist ideal für einen Tagesausflug ab Takayama. Der Ort ist relativ kleine. Es gibt zwei sehr schöne Tempel und ein Museum zum Thema „Bauen mit Holz in Japan“. Besser kann ich es nicht beschreiben. Man sieht dort sehr schöne Holzarbeiten und lernt die verschiebenen Möglichkeiten kennen, Holzbalken ohne Nägel zu verbinden. Schöne Straßenzüge und Geschäfte zum Thema Holzahandwerk runden das ganze ab. Furukawa ist nicht groß. Es reicht fast nur ein halber Tag plus an- und Abreise.


白川郷: Shirakawa-go / 相倉: Ainokura — MUSS, 2 Tage

Shirakawako und Ainokura sind zwei verschlafene Bergdörfer. Hier liegt der Hund begraben, sagen sich Hase und Igel Gute Nacht. Aber gerade das ist der Reiz. Es ist ein Stück altes Japan, das wie durch ein versehen erhalten blieb. Ich war im Winter hier; mehrere Meter Schnee. Man kann in den alten Häusern, deren Baustil typisch für diese Region ist übernachten. Ein Erlebnis der besonderen Art. Nach meinem Aufenthalt 2012 für mich ein eindeutiges MUSS, allerdings im Winter.

Es fahren Busse (nicht billig) von Takayama aber auch von Kanazawa. Damit bietet sich die Option für eine Reiseroute von der Südküste (Nagoya) über Takayama an die Nordküste (Kanazawa).


金沢 : Kanazawa — Soll, 1 Tag

In Kanazawa gibt es den Kenroku-en; einen der drei perfekten Gärten Japans. Die Burg von Kanazawa wird seit einigen Jahren rekonstruiert, allerdings fehlt bisher der typische Hauptturm. Es gibt zwei Straßen mit alten Teehäusern. Zudem gibt es noch einen Fischmarkt mit frischem Sashimi und Sake. Kenroku-en ist ein Muss, der Rest ein Kann. Das Fazit ist ein Soll. Seit 2015 ist Kanazawa an das Shinkansennetz angebunden, womit sich die Anreise stark beschleunigt hat. Westlich von Kanazawa geht mit dem normalen Zug weiter Richtung Fukui (Eheiji) nach Kyoto.


Bus: Takayama – Shirakawa – Kanazawa

Es gibt eine Busverbindung zwischen Takayama und Kanazawa über Shirakawa-go. Und nur mit diesem Bus (oder einem Mietwagen) kommt man nach Shirakawa.


長野 : Nagano — Soll, 1/2 Tag

Hier war ich zwei Mal aber nur kurz. Ich glaube das einzig wirklich sehenswerte ist der alte Tempel, den man in direkter Linie vom Bahnhof erreicht. Nehmt den Bus. Der Weg ist lang und -weilig. Damit kann man Nagano gut auf der Druchreise abhaken. Bleibt nur die Frage, auf welcher Durchreise? Nagano hat den Vorteil, daß es eine Shinkansenverbindung nach Tokyo hat. Nagano ist ferner ein Tor in die japanischen Alpen und seiner Onsen.


松本 : Matsumoto — Soll, 1/2 Tag

Die Burg ist ein gutes Argument für Matsumoto. Viel mehr hat die Stadt dann auch nicht zu bieten. Die Burg liegt etwas abseits des Bahnhofes, die Strecke kann aber leicht zu Fuß zurückgelegt werden. Damit kann Matsumoto wie auch Nagano auf der Durchreise besucht werden. Für einen Tagesflug ist Matsumoto nicht ergiebig genug.


Matsumoto und Nagano

Nagano und Matsumoto haben zusammen gerade genug Material für einen Tag. Es gibt da im Prinzip 3 Optionen:

  • (a) Beides auf der Durchreise: wenn man beispielsweise von Kisodani nach Tokyo wechselt. Aber die Idee bedeutet auch Streß. Beides an einem Tag ist knapp
  • (b) Eine Durchreise mit einer Übernachtung.
    Bei dieser Option verliert man zwar einen Tag, hat aber die Option in Nagano auch noch andere Dinge als den Tempel zu besichtigen. Und der Streß ist raus. Bietet sich für einen Ortswechsel größerer Distanz an.
  • (c) Ein Tagesausflug ab Tokyo: Mit dem Shinkansen nach Nagano, Tempel besichtigen; dann mit Zug gegen Mittag nach Matsumoto, die Burg besichtigen. Abends gemütlich zurück nach Tokyo. Das erfordert aber einen guten Zeitplan; hat dafür den Vorteil, daß man keine Koffer in der Hand hat.

Die Burg in Matsumoto ist hübsch und der Tempel in Nagano auch. Aber wegen der Planungsschwierigkeiten würde ich beide Orte in eine zweite Reise packen. In die erste nur, wenn diese über 4 Wochen geht.


湯田中 : Yudanaka / 温泉 : Shibu Onsen — Soll, 1 Tag

Ich hatte schon erwähnt, daß Nagano ein Tor in die japanischen Alpen. Der Zug bringt einen nach Yudanaka. Von hier sollte man einen Ort weiterziehen nach Shibu Onsen. Der Ort bietet eine Besonderheit: 9 public onsen und ein Handtuch. Beides gehört zu den Top5-Erinnerungen meiner alleresten Japanreise. Zugang zu den Public Onsen bekommt nur, wer in Shibu oder Yudanaka übernachtet. Man besucht alle Onsen und die beiden Tempel. Man stempelt an jedem Ort das Handtuch. Ist es komplett verspricht es ein langes, gesundes Leben. Zumindest ist es ein einmaliges Souvenir. (Ich habe zwei.)

Eine weitere Attraktion sind die berühmten Badenden Affen in den Bergen. Hier in den Bergen fanden die Skiwettbewerbe der Olympiade 1998 statt. Wintersport ist garantiert. Ach ja: Im Sommer gibt es einen Bus nach Kusatsu Onsen, dem anderen großen Onsen- und Wintersportort. Nur blöd, daß gerade im Winter der Bus nicht fährt. Zu viel Schnee auf der Paßstraße.

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永平寺 : Eheiji (Fukui) — kann, 1/2 Tag

Eiheiji ist der „Tempel des inneren Friedens“ und Haupttempel der Soto-Schule. Der Tempel ist wirklich schön und von hoher kultureller Bedeutung. Wegen seiner Lage abseits normaler Touristenrouten stufe ich ihn nur als Kann ein. Die Anreise ist etwas umständlich. Man muss erst mit dem Zug nach Fukui und von der mit dem Bus weiter, der aber nicht sehr oft fährt. Er lohnt sich als Zwischenstop bei einem Bettenwechsel zwischen Kyoto und Kanazawa.

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上田 : Ueda — auslassen

Und Ueda gibt es die Rest der Burg zu besichtigen. Ansonsten ist dort nichts los. Man kann es getrost auslassen. Merken sollte man sich den Ort nur, wenn man nach Bessho Onsen will. Der Shinkansen stoppt und man muss in die kleine Privatbahn umsteigen.


別所温泉 : Bessho Onsen — SOLL, 2 Übernachtungen

Ein kleiner verträumter Onsenort, der ideal für Entspannung und Entschleunigung ist. Es gibt Onsen, die man besuchen kann, wenn das Hotel kein eigene hat. Zudem gibt es drei kleine Tempel. Den Hering ziehen sie nicht vom Teller, aber der Anraku-ji hat eine 8-eckige Pagode; sowas ist sehr selten in Japan. Die Anreise erfolgt ab Ueda (Shinkansenhaltepunkt auf der Strecke Tokyo-Nagano) mit einer kleinen Privatbahn.

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am Shinkansenan Hauptliniean Nebenstreckenabseits
NagoyaKisodaniObuseShirakawa-go
ShizuokaMatsumotoYamanouchiEiheiji
KaruizawaHakubeBessho OnsenNoto Peninsula
NaganoGifuFive LakesSado Island
ToyamaGeroGujoIzu Peninsula
TakakokaTakayamaTakato CastleOkuhida
KanazawaFurukawaToguraKamikochi
Echigo-YuzawaKaga OnsenFujinomiyaNorikura
NiigataFukuiKurobe GorgeMt. Fuji
UedaLake Hamanako
Echigo-Tsumari
Nozawa Onsen

In der Karte aufgeführt, aber keine Touristenorte (idR sind es Umsteigepunkte)

  • Central Japan Airport (nationaler Airport, Nagoya)
  • Kofu
  • Nagaoka

2008 – Ein erstes Fazit

Wie soll ich es sagen: das Takayama Matsuri und das Nikko Matsuri waren der Hammer. Auch die Reste der Kirschblüte waren umwerfende eindrücke. Dennoch bliebt bei dieser Reise ein fader Nachgeschmack. Mein Fehler: Ich hatte keine detailierten Pläne für den Tag sondern nur so grobe Idee. Das endete zu oft in vertrödelten Tagen bzw. Abschlüssen Bsp.: nach Matsushima noch nach Ishinomaki, nach Ise noch nach Toba. Hätte man sich beides schenken können. Und so bleibt diese Reise, trotz der vielen guten Momente, gefühlt unterdurchschnittlich. / How shall I put it: Takayama Matsuri and Nikko Matsuri were awesome, mind blowing. Wow. Also the end (remains) of the cherry blossom was something. But there is always a bad after taste and it was my fault: I didn’t created a detailed plan for the day. This results in many half used days that spoiled the overall sum up Matsushima/Ishinomaki and Ise/Toba are good examples. And in total this holiday feels a little bit averaged.

Hier die Top 5 von diesem Urlaub, die es bequem in die Top10 aller Japanreisen schaffen werden. / Here the top 5 of this trip. They easily will make for the over all Top10.

Worst 5: Die schlimmsten 5 Tage sind auch schnell ausgemacht. Wie schon zuvor waren es Rengentage, wobei nicht jeder Regentag schlecht war. Oben auf der Liste steht der Tagesausflug nach Chuzenji. Es folgen zwei Tage mit blöder Zugplanung: Der Ausflug nach Aizu-Wakamatsu und der nach Hakone. Die Liste wird komplett mit den beiden Tagen, bei denen ich das Ende versemmelt habe: Matsushima/Ishinomaki und Ise/Toba. / The worst 5 days are easy to list. Like before the include rainy days (but not all rainy days are bad). Right in top of the list is the daytrip to Chuzenji.  Followed by days with a stupid planning of train connections: The trip to Aizu-Wakamatsu und to Hakone. The list will be completed by the days that sucked at the end: Matsushima/Ishinomaki and Ise/Toba.

Es bleibt die Frage: Lag es an der Planung oder wird Japan langweilig? Auf der ersten Reise hatte ich den Crashkurs: viel gesehen, alles war neu und unbekannt, ich konnte werder Sprache noch Schrift. Das hat sich geändert und damit natürlich auch der Blick auf die Dinge. Der nächste Urlaub wird es zeigen. / The question that remains is: Was this trip below average in planning or is Japan gettting boring. The first trip was a stunning and exciting. The land was new, I couldn’t read Kanji or speak any word Japanese. This has changed, and therefore my view on Japan. The next holiday will show.

Die nächste Reise: In zwei Jahren? Bestimmt. Aber wohin? Hokkaido schwirrt mit im Kopf herum. Mal sehen. Hokkaido bietet keine Tempel und Schreine, sondern Landschaft. Ob ich aber der Typ für Wandern im Grünen bin, muß ich noch ergründen. / The next trip: May in two years? Sure, but where to go? Hokkaido comes to mind. There are no temples and shrines. There is only scenery. But I don’t know if I am the right person for this.

Nikko und ein Regenschirm

Der Wechsel nach Nikko ist geprägt von Zugfahrten: 2 Stunden nach Nagoya, 2 weitere Stunden nach Tokyo, 2 nach Utsunomiya und eine von fort nach Nikko. Ein Sightseeing-Zwischenstop ist da nicht drin. Oder? Da ist ja noch mein Regenschirm in Nagoya.

Ach ja. Hatte ich glaube ich noch nicht erzählt. Hier im Ryokan stehen so kleine Tonfiguren in einer Vitrine. Alle mit spitzem Mund. Es sind Räuchergefäße. Das Geheimnis der Figuren kann ich nicht ganz lösen. Es gibt 100 Stück und es sind Personen der japanischen Geschichte. So viel habe ich raus.

Nach einem ausgiebigem Frühstück und Koffer wieder zusammenpacken geht es los zum Bahnhof. Um 10:30 Uhr gleich der erste Patzer. Die Züge fahren stündlich nach Gifu, außer … Richtig, außer um 10:37 Uhr. Genau dieser Zug fährt als Local nur bis Minaota. Meine Zeitplanung „2+2+2+1“ muß um eine weiter Stunde Wartezeit ergänzt werden.

Was tun? Wir nehmen den Local. Der Express eine Stunde später wird schon aufholen. Nach dem Fahrplan in Minaota auf 11 Minuten. Eine sichere Sache. Und los. 2 Waggons Local, das gleicht eher einem Schienenbus. Außer mir sind 6 Fahrgäste an Board. Gleich am ersten Halt fällt mein Blick auf einen riesigen alten Baum. Ich erfahre, daß das der älteste Kirschbaum Japans ist. Schnell ein Foto. Das hätte ich im Express verpaßt. Weiter geht es im Zuckeltempo.

Kurzer Stop in Minaota. Ich habe mich irgendwo verlesen, denn nach Anzeigentafel habe über 20 Minuten. Zeit für einen Kaffee. Eine Stunde später bin ich in Nagoya. Der halbe Tag ist rum. Ich buche ein Shinkansenticket und eile dann (mit Koffer) zum Hotel, um meinen Regenschirm zu holen. Auf dem Rückweg noch ein Stop bei „Big Camera“ und anschließend die Feststellung, daß ich den Zug verpaßt habe. Habe irgendwie die Ziffern auf den Ticket durcheinander gekriegt. Also: neues Ticket. In Tokyo wird dann der Shinkansen gewechselt (von Grün nach Blau). Stressig wird es in Utsunomiya. 2 Minuten liegen zwischen Ankunft des Shinkansen und Abfahrt der JR Nikko Line; ein Bummelzug, der mich 2004 zur Weißglut getrieben hat. Mit Anlauf und Riesenkoffer. Der Impulserhaltungssatz wäre auf meiner Seite. Geschafft. Es ist bereits dunkel, als ich in Nikko ankomme. Es folgt die letze Etappe; mit dem Taxi zum Hotel.

Ich glaube ich bin hier falsch. 2 Pagen kommen mir entgegen. Einer verschwindet mit meinem Gepäck, der andere eskortiert mich zur Rezeption. Er kurbelt sogar die Drehtür für mich. Im Marco Polo stand zwar was von Luxushotel, aber … Hoffentlich stimmt der Preis aus dem Internet. Ich sehe schon meine Kreditkarten schmelzen. Nach dem Check-in geht es mit Eskorte zum Zimmer. Meine Koffer sind schon da. Das Haus ist eine Mischung aus Japanischen und altem englischen Stil. Eine faszinierende Kombination. Dunkle, alte Hölzer; überall Teppichboden, im Restaurantbereich Parkett. Mein Zimmer ist extrem geräumig, hat zwei englische (= butterweich gefedert) Betten, ein Badezimmer mit Badewanne und eine Minibar. Und es ist die erste Minibar, die ich sehe, die gefüllt ist. Ich entdecke sogar Bier und Whiskey.

Was ich bis jetzt nicht wußte: Das Nikko Kanaya ist das älteste Hotel im westlichen Stil in Japan. Preislich normalerweise bei 200€ plus. Irgendwie bin ich, eher durch Zufall, an ein Zimmer für 134€ gekommen. Der Service ist bis jetzt 5 Sterne superior. Dagegen ist das Radisson ein besseres Hostel.

Da das Resto schon geschlossen hat, suche ich mir eine Kneipe und entdecke mal wieder so ein Fundstück der Woche. Komplett zugerümpelt mit europäischen Kitsch. Der Gesamt- eindruck samt Publikum ist irgendwie „verschroben intellektuell“. Leider gibt es auch hier nichts Eßbares. Also halte ich mich an Hopfenkaltschalen.

Nachtrag: Ich hab heute die Bilder aus Nikko im Prorgamm, da es vom Wechsel selbt keine guten Bilder gab.

Infos zum (zweit?)ältesten Kirschbaum

Takayama und bunte Dämonen

Matsuri-Tag 2. Der Wecker klingelt um 8 Uhr und nach einem ausgedehnten Frühstück starte ich gegen 9:30 uhr zum Platz an der roten Brücke. Hier zeigen drei Festwagen ihre Puppenspiele. Für die Puppen und ihre Bewegung, die über unzählige Seile gesteuert wird, ist die Gegend und das Matsuri in ganz Japan berühmt. Ich konnte die Technik vor zwei Jahren hier im Museum bestaunen (Blog dazu folgt noch). Die Aufführung des ersten Wagen kann ich nicht sehen, aber ich riskiere auf keinen Positionswechsel. Der Platz ist optimal für Wagen 2 und 3.

Dann geht es los. Puppe zwei läuft einen langen Steg entlang, schaut zu beiden Seiten und stellt ein Gefäß ab, das sie trägt. Dann … versagt die Technik. Irgendetwas klemmt. Die Puppenspieler, gekleidet wie Ninjas ganz in Schwarz mit Maske, erscheinen und werkeln. Dann scheint der Fehler behoben. Die Puppe geht rückwärts, schwenkt die Arme, dreht sich, vollführt einen Freudentanz. Die Menge jubelt. Weniger wegen der Puppe selbst, sondern viel mehr, daß der Fehler behoben wurde. Dann springt das Gefäß auf. Konfetti. Ein Dämon erscheint und tanzt. An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, daß der Dämon aus dem Gefäß springt, das eben noch getragen wurde. Nachdem das Gefäß abgestellt wurden, mußten die Puppenspieler also mit mehrer hundert Jahre alter Technik, die Bewegungsverbindung zum Gefäßinneren herstellen. Die ganzen Seile und Stangen dazu laufen in dem Steg, auf dem sich die Puppe bewegt. Die Technik ist echt ausgeklügelt.

Die dritte Puppe erzählt eine andere Geschichte, hat noch mehr technische Finessen. Eine Geisha, die sich in einen Dämon verwandelt. (Nachtrag: Ich habe ein paar Videos bei Youtube gefunden: video1, video2, video3)

Nach der Aufführung laufe ich etwas durch Takayama. Takayama und Mastushima. Zwei Orte, die ganz oben auf jeder Reiseroute liegen sollten. Ich treffe auf die Schweriner von vorgestern. Die waren gestern noch in Matsumoto. Dann wird der Platz gesperrt. Schnell eine gute Fotoposition. Musiker, Samurai, Schreinpriester. Es wird festlich. 3 Drachen führen einen Tanz auf. Soweit ich es verstehe, sollen sie böse Geister vertreiben. Es wirkt ein wenig chinesisch. (Nachtrag: Auch hierzu ein wenig youtube: video1, video2)

Weiter geht es am Schrein neben dem Platz. Ein Mikoshi (tragbarer Schrein) wird hinaus getragen. Von hier startet eine Prozession. Angeführt von zwei Dämonen, einer komplett in rot, der andere in grün. Seedämonen? Es folgen Schreinpriester, Drachen, Trommler, die Samurais, der Mikoshi, weitere Priester und Musiker. Alle ziehen sie von Haus zu Haus, um böse Geiste zu vertreiben (gegen Bares versteht sich). Die Drachen tanzen vor der Tür und stürmen dann durch die Haustür in die 1-2m in die Wohnung. Das soll die bösen Geister zur Hintertür hinaus verjagen. Ich folge dem Treiben für einige Zeit.

Danach geht es ein wenig durch die abgelegenen Straßen von Takayama, hier wo keine Touristen nerven. Ich bin der Prozession lange gefolgt und jetzt außerhalb des Touristen-gebietes. Hier steht auch der Hie Jinja und ich treffe auf das Ende Prozession. Ich bin der einzige Gaijin hier. Es geht die Treppe hinauf. Im Schreinhauptgebäude (Honden) haben sich die Priester und die „Samurai“ versammelt. Ich bleibe respektvoll außerhalb und so gut wie möglich unsichtbar. Blitz aus. Es werden nicht die besten Fotos werden. Ich will aber nicht stören. Hier folgt eine Art Dankesritual. Anders kann ich es nicht beschreiben. Es werden Formulare überreicht und es gibt eine Menge Verbeugungen. Mit meiner Kamera fühle ich mich wie eine Anachronismus. Das ganze Treiber wirkt zeitlich entrückt.

Anschließend geht es zurück zum zentralen Platz an der roten Brücke. Auf dem Weg dahin komme ich an einem Festwagen vorbei, der zurück in seine Lagerhalle geschoben wird. Das Matsuri ist vorbei. Ich werde eingeladen, das innere zu fotografieren und etwas Sake mitzutrinken. Da sagt man nicht nein. Schon vor Stunden ist mein Plan für den Tag ungültig geworden. Ich treibe von einer einmaligen Situation in die nächste bis es anfängt zu dämmern. Für mich heißt das Abendessen. Anschließend laufe ich noch ein wenig durch Takayama und versuche die Eindrücke zu verarbeiten. Der Tag endet gegen 22 Uhr im Onsen mit der Erkenntnis, daß das einfach zu viele Eindrücke waren. (Und auch zu viele Fotos; knapp 1800 Stück in 2 Tagen). Morgen gibt es eine kleine Verschnaufpause. Ich wechsele nach Nikko, wo das nächste Matsuri auf mich wartet.

Takayama Matsuri und ein Steak

Einen Vorteil hat das Ryokan Asunaro. Frühstück um 8 Uhr zwingt einen zum zeitigen Aufstehen. Das Frühstück ist 100% japanisch. Und ich bleibe dabei. Fisch zum Frühstück schlägt nie im Leben Toast und Kaffeel. Dann stürze ich mich in das Matsuri-Getümmel. Leider habe keinen Plan was wann wo stattfindet. Und so laufe ich erst einmal durch die Straßen mit den alten Häusern. An der ersten Brücke (auf der Karte ganz rechts) scheint sich alles abzuspielen. In den angrenzenden Straße stehen die Festwagen. Zusammen mit den alten Häusern im Hintergrund sind das Motive für Postkarten; wenn man nur die ganzen Touries ausblenden könnte. Aber auch mit Touries finde ich ein Motiv nach dem anderen. Wenn das so weiter geht, ist die SD-Karte bis zum Mittag randvoll. Das Wetter macht auch mit. Es ist strahlend blauer Himmel. Etwas so viel Kontrastumfang für den CMOS-Sensor, aber für mich ideal. So sollte Urlaub sein. Der Regen von gestern ist vergessen.

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Um 14 Uhr steuere ich das französische Restaurant an. Ich muß mich resetten. Die ersten 5 Stunden des heutigen Tages sind kurz vor der visuellen Überdosis. Die Eindrücke sind einfach umwerfend. Ich brauche eine Pause. Daß ich das Resto nicht gleich gefunden habe, liegt daran, daß der Efeu an der Hauswand weg ist. Die Karte ist noch die gleiche wie vor zwei Jahren – unlesbar, da in Kanji und in Französisch. Das Interieur ist auch noch wie vor zwei Jahren. Nur der Koch ist neu. Ich bestelle Steak vom Hida-Rind inkl. Vorspeise, dazu eine Karaffe Rotwein und zum Nachtisch Windbeutel mit Vanilleeis und Schokosoße. Die Anrichtung der Steaks alleine ist ein Meisterwerk. Man will es nicht essen, sondern bewundern und fotografieren (habe ich auch gemacht). Der Geschmack sucht seinesgleichen. So ein saftiges und leckeres Steak habe ich vorher noch nie gegessen. Das Geheimnis ist die Struktur des Fleisches. Das Steak ist durchzogen von dünnen Fettsträhnen, die das Fleisch wie Bienenwaben umschließen. Das zweite Geheimnis ist die Kombination von Gewürzen und Zubereitung nach westlicher und nach japanischer Tradition. „Fusion“ nennt man das wohl. Und Koberind soll noch besser sein. Ist das überhaupt noch möglich?

Draußen passiert was. Ich höre Shakuhachi und trommeln. Touristen sammeln sich. Ich werde nervös, will doch nichts wichtiges verpassen. Aber den Nachtisch genieße ich noch bis zum letzten Biß. Dann schnell bezahlen; Kreditkarte; Rechnung bitte so, daß ich die Summe nicht sehe; unterschreiben und raus. Ich will den Preis jetzt nicht wissen. Ich vermute mal alles zusammen knapp 70 Euro.

Vor die Tür. Was ist los? Hier zieht gerade eine Parade/Prozession vorbei. Es ist alles da, was den Japanfan glücklich macht: Leute im Samuraioutfit, Shintopriester, Musiker, Schreinmädchen, tragbare Scheine. Fotos, Fotos, Fotos. Ich kann (keine Ahnung wie) einen Platz in der ersten Reihe erkämpfen. Eine nicht enden wollende Karawane, die jetzt durch ganz Takayama zieht (und ich mit der Linse fast mittendrin). Vielleicht finde ich noch ein paar gute Motive.

Standortwechsel, aber keine Hektik. Nicht die Atmosphäre zerstören, die sich hier gerade ausbreitet. Ich schlendere durch die Straßen mit den alten Häusern. Jeder zweite Laden verkauft hier Sachen aus Holz. Für die Lackiertechnik ist die Region berühmt: dünn und durchsichtig. Man achtet darauf, daß die Struktur des Holzes nicht überdeckt wird. Dann treffe ich wieder auf die Parade.

So geht es bis zur nächsten Unterbrechung um 19 Uhr. Abendessen im Ryokan. Danach geht es zurück ins bunte Treiben. Es ist bereits dunkel. Die Festwagen sind mit unzähligen Laternen geschmückt und fahren durch die Straßen. Ich hätte nicht gedacht, das man das, was ich hier am Tag an Motiven und Eindrücken (Erinnerungen) genossen habe noch toppen kann: das gelbe Licht der Laternen, die roten Lackierungen der Wagen, im Hintergrund die dunklen Häuser und Straßen in der Nacht; dazu hört man von überall Trommeln, Shakuhaichi und Koto spielen. Man kann fast sagen, daß das hier ein live gewordenes Klischee vom alten Japan ist.

Fotografisch ist das ganze eher ein Alptraum. Kein Stativ, der Blitz ist zu hell oder zu dunkel die Wagen ständig in Bewegung. Und überall diese nervigen Touristen. Ich komme mit einer Festwagentruppe ins Gspräch. Kann den Wagen vorsichtig von innen besichtigen und beim rangieren helfen. Was ich nciht wußte. Die Reifen sind starr auf der Achse und nicht lenkbar. Kurvenfahrten sind also nur mit extrem viel Kraftaufwand möglich. Um 21:30 endet das Ganze ziemlich abrupt. Der Festwagen wird in seine Gerage gefahren, das Tor verriegelt. Zum Abschluß gibt es noch eine Runde Sake. Schluß für heute. (Nachtrag: Hier ein wenig youtube dazu: video1, video2, video3)

Ich steuere mit ein paar Touris aus Schweden und der Schweiz noch eine Kneipe an, um den Tag Revue passieren zu lassen. Kurz vor Mitternacht geht es zurück ins Ryokan. Sperrstunde. Damit ist dieser Tag vorbei und hat definitiv einen Platz in den Top5 dieser Reise. Das heute kann man nicht mehr toppen.