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Rediscovering Miyajima

Heute wird die Insel erkundet. Die Gezeiten sind ideal. Wir starten mit Flut und einem Torii im Wasser. Am Nachmittag können wir dann durch das Torii laufen. Spät abends ist dann wieder eine Bootsfahrt ans Torii möglich.

Mein Bruder hat Frühstück. Ich schlafe etwas länger. Danach ziehen wir los. Die Läden in Miyajimacho (so heißt der Ort) öffnen nach und nach. Noch ist nicht viel los. Aber das wird sich vermutlich sehr schnell ändern. Es ist ein verlängertes Wochenende in Japan.

Unser erster Stopp ist natürlich der Itsukushima-Schrein, denn warum sonst wir hier? Es ist mein vierter Besuch und ich bin immer noch beeindruckt von dem Schrein. Das Torii steht (noch) im Wasser. Die Wolken dahinter verheißen aber nichts Gutes.

Im Schrein läuft gerade eine Zeremonie. Das gibt dem ganzen Besuch eine besondere Note. Am Ende der Schreintour setzt dann auch der Regen ein. Ich hatte es befürchtet. Ach ja, die Noh-Bühne ist die älteste der Welt.

Unbeirrt gehen wir am kleinen Kanal weiter zum Daigan-ji, dann kurz rüber zum Kiyomori-Schrein auf der kleinen Halbinsel zwischen Meer und Kanal.

Hinter dem Aquarium, das wir auslassen, ist der Omoto-Schrein. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube hier war ich noch nie. Westlich von hier ist nur noch Wald und ein paar Wanderwege, vermutlich irgendwo als Sackgasse enden. (Ein Weg bringt einen zum Gipfel von Mt.Misen.) Eine paar Rehe genießen hier die Ruhe ohne Touristen.

Wir steigen deshalb Asebihodo hinauf. Er bringt uns zu einem kleinen Aussichtspunkt an der Itsukushima Jinja Tahoto. Hier war ich ebenfalls noch nie. Der Weg führt danach weiter bis zum Eingang des Daisho-in, wo wir dann auch wieder auf einen Stapel Touristen treffen. Es ist schwierig ein paar halbwegs brauchbare Fotos ohne fette Amerikaner zu machen; trotz des schlechten Wetters, das sich nicht entscheiden kann ob es trocken ist, regnet oder nur nervig fies nieselt.

Egal. Die Henjo-Grotte und die hunderte Jizo-Statuen sind die Reise wert. Die Henjo-Grotte habe ich noch nie zuvor besichtigt. Fragt mich nicht, wie ich die drei Mal übersehen bzw. vergessen konnte. Zurück am Eingang des Tempels beginnt ein weiterer Wanderweg zum Gipfel des Mt. Misen. Eigentlich wollte ich den nehmen. Aber ein Blick nach oben zeigt, dass man von oben keinen Blick hat. Der Gipfel ist irgendwo in den Regenwolken.

Ich habe Hoffnung für später und wir ziehen den Rest der Stadt vor. Ziel ist die Senjokaku, die Halle der Tausend Tatami. Was wieder kaum einer weiß: Sie gehört zum Hokoku-jinja.

Auf dem Weg biege ich aber falsch ab, was wiederum ein Glückfall ist, denn ich lande am Etto Miyajima Community Center. Das Center hat eine Terasse im 2. Stock, von der man aus die Halle und die Pagode daneben super sehen kann (den Tipp habe ich übrigens von Abroad in Japan). Die 5-stöckige Pagode (Goju-no-to) gehört übrigens zum Itsukushima-Jinja und ist leider eingerüstet. Es wäre sonst das perfekte Foto.

Nachdem wir uns die Halle und die Holzbilder ausgiebig angeschaut haben, wähle ich einen der kleinen Wege, der sich zwischen den Wohnhäusern durchschlängelt. Er führt ist zur Seishindaitokushoutokuhi. Fragt mich nicht. Der Weg führt auf eine Straße von der ich keine Ahnung haben wohin sie führt. Wir probieren unser Glück. Etwas nervös macht mich, dass sie bergauf führt. Nach ein paar hundert Metern geht es dann aber bergauf und ein Wegweiser sagt, dass unten der Hafen wartet. Passt.

Vom Hafen gehen wir wieder in die Touristenstraße. Wir kommen sogar an dem Ryokan vorbei, wo ich das letzte Mal residiert habe. Im Vergleich zu heute früh ist jetzt in der Einkaufsstraße die Hölle los. Touristenmassen. Wir, also ich, finde ein Craftbeer. Und kurze Zeitspäter finden wir in einer ruhigeren Parallelstraße ein kleines, einfaches Restaurant. Miyajima ist für drei Delikatessen bekannt. Zwei davon bestelle ich: Aal und gebratene Austern. Ja, Austern. In Deutschland ein Glibberhorror mit Salzgeschmack, hier auf den Punkt frittiert, heiß und lecker.

Ein Souvenir finden wir auch noch, bevor wir zurück zum Itsukushima-Jinja gehen. Es ist Ebbe. Das Torii steht auf dem Trockenen. Wir gehen hin. Und ja, wenn man dirket daneben steht, ist das Ding riesig.

Die Flut kommt. Der kleine trockene Fleck auf dem ich gerade stehe wird immer kleiner.  Ich muss weg, sonst gibt es nasse Füße. Auf die kann ich verzichten. Ich bin genug durchfeuchtet. Das Wetter meint es immer noch nicht gut. Der Regen hat zwar nachgelassen, aber Mt. Misen ist immer noch nicht zu sehen. Damit hat sich dieser Punkt der Tagesordnung erledigt.

Das Tagesprogramm endet am Daigan-ji. Ich hatte vorhin vergessen, ein Foto zu machen. Bis zur nächtlichen Bootsfahrt sind es noch ein paar Stunden. Die Entscheidung fällt auf „Im Hotel durchtrocknen“.

In der Dunkelheit geht es dann runter zum Fähranleger. Hier wartet das kleine Touristenboot auf uns. Wir legen ab und fahren raus zum Torii; jetzt wieder im Wasser.

Anders als bei meiner Fahrt damals fahren wir nicht durch das Torii. Ich bin mir nicht sicher, ob der Wasserstand nicht reicht, oder es nicht mehr erlaubt ist. Aber auch ohne Durchfahrt ist der Blick einmalig. Nachts auf dem Wasser zu sein ist für sich alleine schon eine Erfahrung.

Nach der Tour trotten wir ganz gemütlich zuürck zum Hotel. Im Fazit war der Tag verregnet aber definitiv nicht ins Wasser gefallen. Gerade jetzt abends, wo die Touristen alle wieder im Hotel oder auf dem Festland sind, kehrt wieder diese Ruhe und Gelassenheit. Wir teilen uns die Insel gefühlt nur mit den dutzenden Rehen, die ebenfalls die Ruhe genießen.

 

Rediscovering Himeji

Heute geht es über Himeji nach Miyajima. Die Zugtickets haben wir schon. Mit der UBahn geht es nach Kyoto Eki. Hier wartet ein Express auf uns. Und, yes, es ist ein Hello-Kitty-Zug. Die Fahrt ist kurz. In Shin-Osaka beginnt die Gültigkeit unseres Japan Rail Pass. Und los geht es; eine halbe Stunde Entspannung.

Und da sind wir. Himeji; und die berühmeste Burg Japans: Himeji-jo. Auch hier haben wir bereits Tickets. Ich mache sowas normalerweise nicht, aber es gab im Sommer Tage, da waren die Tickets bereits im Voraus ausverkauft. Und als wir an der Burg ankommen, sehen wir schon die lange Schlange für das Zeitfenster nach uns. Alles richtig gemacht.

Der Weg zur Burg ist kurz aber anstrengend. Die Hitze ist wieder einmal ein Problem. Ich bin das einfach nicht mehr gewohnt.  Somit beginnt die Besichtigung der Burg mit einem Stopp am Getränkeautomaten.

Ach ja, unsere Koffer. Die lagern bei „With Carry„. Es ist eine kleine Bar, nicht zu weit entfernt vom Bahnhof. Mein Plan ist, dass wir hier zu Abend essen, bevor wir weiter nach Miyajima fahren. Das ist ja auch grob die Idee vom Kofferaufbewahrungsservice: Ein paar Kunden in den Laden locken.

Jetzt geht es aber erst einmal hinauf zur Burg. Auf den Fotos erahnt man schon, dass da noch eine menge Stufen und steile Rampen auf uns zukommen. Zuerst durchqeueren wir das Hishino-mon. Dahinter wartet der Sakgoku-Bori, Teil des alten Festungsgraben. Gleich links hinter dem Mon wartet der Nishinomaru-Garten. Hier kann man vom Wano-yagura bis zim Kessho-yagura das Innere der Festungsmauer erkunden.

Zurück auf dem Hauptweg beginnt hinter dem Ino-mon der eigentliche Aufstieg zur Burg. Wir durchqueren diverse Tore, wechseln mehrmals die Richtung in scharfen Kurven, immer entlang an irgendeiner Festungsmauer. Und nicht immer kann man sehen, wi genau die Hauptburg ist. Clever.

Am Bizen-mon betritt man, mit den Schuhen in einer Plastiktüte und auf Socken, endlich die Hauptburg. Das heißt aber nicht, dass der Aufstieg beendet ist. Die höchste Ebene mit dem wunderbaren Ausblick ist noch etliche Etagen (und steile Stufen) entfernt.

Der Aufstieg lohnt sich. Man kann sogar den Bahnhof in der Ferne sehen. Langsam gehen wir wieder hinunter. Erst verlassen wir die Hauptburg am Himejijo-mizu-no-san-mon. Zeit für Schuhe.

Zurück am Himeji-Park (Eingang) ist erst einmal eine Raucherpause angesetzt. Den Zoo lassen wir aus. Dann wird es Zeit für den Koko-en; ein Garten in der linken unteren Ecke des Burgareals. Ich habe ihn noch nie besucht. Der Garten ist unterteilt in 9 unterschiedliche Landschaften, jede durch einen Zaun von den anderen abgegrenzt.

Damit ist Himieji für uns abgehandelt. Außerhalb der Stadt gibt es noch den Engyo-ji. Aber die Anreise mit Bus, Fußweg und Seilbahn benötigt mindestens eine Stunde pro Richtung. Aber den einzuplanen hätte den ganzen Tag in Streß verwandelt.

Wir gegen gemütlich zurück zu With Carry, biegen kurz in die überdachte Einkaufsstraße ab. Ich weiß noch, dass ich 2004 wegen des Regen hier abgebogen bin. Damals bin ich links abgebogen und dann die nächste rechts. Die Straße ist dann bis kurz von den Bahnhof überdacht. Wir gehen dieses mal den kleine Ausleger nach rechts. Leider ist hier nicht viel los.

Zurück bei With Carry haben wir genug Zeit für Souvenirhunting im daben liegenden Spielwarengeschäft; und für ein verspätetes Mittagessen, das wirklich gut ist. Die Koffer hier zu lassen hat sich echt gelohnt.

Dann wird es Zeit für die Weiterfahrt. Entspannt bringt uns der Shinkansen nach Hiroshima. Es ist der längste Abschnitt auf dieser Reise. In Hiroshima angekommen habe ich keine Orientierung. Die haben den Bahnhof seit meiner letzten Reise hierher komplett umgebaut. Es hat sich wirklich alles verändert.

Weiter geht es mit dem Local nach … falscher Zug. Dieser fährt nur bis Itsukaichi. OK. Fahren wir erst einmal bis dort und dann mit dem nächsten Zug weiter. Die Fahrt zieht sich. Endlich sind wir in Miyajima-guchi.

Es ist spät, aber es ist nicht die letzte Fähre. Auch hier gibt es einige Neuerungen: neben dem Fähranleger endet eine Straßenbahn, die auch nach Hiroshima führt (aber nicht zum Bahnhof). Der ganze Vorplatz an der Fähre wurde umgebaut. Ich erkenne nichts wieder. Und wir müssen eine Touristenabgabe an der Fähre bezahlen.

Die Fähre legt ab. Außer uns sind nur ein paar Japaner und zwei Autos auf der Fähre. Ich genieße die Dunkelheit auf dem Wasser. Das ist, was mich an Miyajima reizt. Nachts ist es einfach nur entschleunigend.

Den direkten Weg zum Hotel verpasse ich. Wir laufen einen guten Umweg. Arghh. Es war doch so einfach. Das Hotel ist eindeutig auf ausländische Touristen zugeschnitten. Ich weiß jetzt schon, dass es vermutlich auf dem hintersten Platz bei dieser Reise landen wird. Es ist nicht schlecht, aber alle anderen waren halt besser.

Nach dem Check-in machen wir noch einen kurzen Streifzug durch die Straßen runter zum Schrein. Das ist Urlaub. Es ist nichts los und auch alle Kneipen sind schon geschlossen. Die Touristen sind im Hotel oder zurück auf dem Festland.

durch das Torii

Vor 2 Jahren hat mir Taifun 21 einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Schrein teilweise zerstört. Der Schrein ist wieder aufgebaut, und ich habe den ganzen Tag, inklusive Ebbe und Flut. Dieser ganze Tag beginnt mit einem herrlichen Western Style Frühstück; Toast und Kaffee. Wie habe ich es vermißt. Danach geht es zum Schrein. Die Flut erreicht gerade ihr Maximum. Perfekt. Das Wetter ist optimal. Sonne pur. Zuerst genieße ich wieder das Panorama mit Palmen an der Promenade. Das ist Urlaub.

Der Schrein ist verwinkelt. Die orangerote Farbe, das Holz, die Gitterfenster, dazu das Wasser. Itsukushima ist ein Perle. Ich gehe durch die Korridore. Stehe vor dem Honden, dem Hauptgebäude/-raum. Eine 180° Drehung. Man blickt über die Bühne, den Steg entlang, das Ende durch eine Steinlaterne markiert aufs Wasser. Direkt auf das Torii. Von einem anderen Stege hat man einen Blick am Schreingebäude vorbei auf die Pagode. Noch ein Stück weiter eine rote Bogenbrücke. Sie verbindet die Schreinrückseite mit dem Festland.

Ich laufe zum Strand — Er ist kurz, aber er ist da — und weiter zu dem kleinen Tempel, von dem aus ich vor zwei Jahren zum Gipfel gestartet bin. Dann geht es zu zwei Museen. Hier in zweiter Reihe fließt ein Fluß, der das Urlaubsfeeling weiter anhebt.

Nächster großer Stop ist der Tempel der 1000 Tatami. Er steht direkt neben der Pagado. Er fällt nur nicht auf; trotz seiner Größe. Das unbehandelte dunkle Holz im Kontrast zur orangeroten Pagode mit den schwarzen Dächern und den weißen Wänden; eine graue Maus. Ich gehe in die Mitte der riesigen Halle, lege mich auf den Fußboden und betrachte die hölzerne Dachkonstruktion. Dieses Wirrwarr aus Balken.

Es folgt ein Rundgang durch die Nebenstraßen und die Shoppingstraße. Nach einem herzhaftem Karree stoppe ich im Hotel. Die SD-Karten sind voll und ein kurze Pause tut mir gut. Um 17 Uhr ist maximale Ebbe und die Dämmerung setzt gleich ein. Ich laufe ins Watt; im Bogen um das Torii herum bis zur Wassergrenze. Der ganze Boden bewegt sich; Schnecken, Muscheln und Krebse. Vieles davon verschwindet in kleinen Löchern, wenn man sich nähert.

Jetzt habe ich beides im Kamerasucher: Schrein und Torii. Danach geht es durch das Torii zum Schrein. Der Tag ist jetzt schon perfekt. Das Torii ist groß, wenn man direkt darunter steht. Ich laufe mehrmals um das Torii. Dann wird es langsam zu dunkel für brauchbare Fotos und die Flut kommt; eben stand ich noch auf trockenem Grund.

Nach einem Stop in einem Izakaya geht es weiter zum Bootsanleger. Irgendwas gab es da mit Bootsfahrten. Nachts mit einlaufender Flut durch das Torii schippern. Das Timing scheint richtig. Um 19:30 Uhr legt das Schiff ab in die Dunkelheit. Dann ein paar Drehungen und es es geht langsam durch das Torii. Der Hammer. Ich als Gaijin werde gefragt, ob ich das mit dem Grüßen im Shintoschrein beherrsche. Sie wissen nichts von meinem Vorwissen. Ich stehe auf und die anderen auch. Ein zackiges „Re“, dann 2x verbeugen, 2x klatschen, 1x verbeugen. Man ist beeindruckt; ich auch, daß ich das auf diesem wackeligem Dampfer hingekriegt habe. Wir kreisen noch ein wenig um das Tor, dann geht ein zweites mal (für Fotos) vor und zurück durch das Torii und anschließend zurück zum Anleger.

Es fängt an zu regnen. Aber das kann mir jetzt auch nicht mehr den Tag vermiesen. Er war einfach zu gut bis hier. Und so mache ich noch ein paar Nachtaufnahmen. Um 22:30 dann endgültig der Rücksturz zur Basis, gefolgt von ausgiebigem Onsen.

別府 から 宮島 まで

Ab heute geht es schrittweise zurück nach Tokyo. Der erste Sprung bringt mich nach Miyajima, jene kleine Insel nahe Hiroshima, die ich schon 2004 besucht habe. Damals war ein paar Tage zuvor ein Taifun über die Insel gerauscht und hatten Schrein teilzerstört. Dies ist also Anlauf zwei; inklusive Übernachtung und Schrein bei Nacht.

Es liegt nichts sehenswertes auf der Strecke, folglich geht es ohne Zwischenstop nach Hiroshima; Ankunft: 14:15 Uhr. Es geht im Schnellmarsch zum Museum am Peace Memorial Park; Infos absaugen. Zurück am Bahnhof erfahre ich von einem Hanami (Feuerwerk) ganz in der Nähe. Das Hin- und Herfahren (muß ja bis 19 Uhr im Hotel einchecken) kostet mich etwa 2,5 Stunden. Egal, das Abendprogramm ist gesichert. Während der Fährüberfahrt erblicke das Torii, den Schrein und mein Hotel direkt an der Promenade. Eine einzige Urlaubskulisse, die immer dichter kommt.

Miyajima

Es ist heiß. Sonne pur. Die Straße führt direkt am Ufer entlang. Palmen. All der Streß von der Aso-Reise ist verflogen. Urlaub. Ich werde langsamer. Ich will einfach diesen Anblick vollständig aufsaugen. Wasser, Strand, Sonne, Palmen. Oh ja, Strand. Überall laufen Rehe; handzahm und nervig. Aber sie gehören irgendwie dazu. Und da ist es, zwischen den Palmen, das berühmte Torii. Die grell orange-rote Farbe im einmaligen Farbkontrast zum Blau des Wassers und des Himmels. Genau in diesem Moment ist es Urlaub.

Gleich nach dem Check-In geht es zurück nach Hiroshima. 40 Minuten Wartezeit sind genug fürs Abendessen. Ich finde jedoch nur das „Resto zur goldenen Möwe“. Was sagt die Burger-Währung? Cheeseburger 100yen (80 Eurocent) meint: Der Yen ist unterbewertet.  Ich entscheide mich für den Teriyaki-Burger, den es nur in Japan gibt. Der Geschmack ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber lecker.

Hanami

Um 19:30 sitze ich im Zug zum Hanami. Wo muß ich austeigen? Mein kleiner Zettel in Romaji vs. die Streckenkarte in Kanji. Super. Der Schaffner nuschelt. Zum Glück heißt die Station „Higashi-XY“. Vorher werden wir „Chuo-XY“ und „Nishi-XY“ erreichen. Zwei Chancen die Lautsprecherdurchsage zu verstehen und die Schilder am Bahnsteig zu lesen. Irgendwie fängt hier alles mit Higashi, Chuo oder Nishi an. Sehr kreativ.

Ich steige aus und sehe hinter einem Haus das Feuewerk. 5 Miunter später schaue ich von der Straße runter auf die großen Wiese, wo das Hanami stattfindet. Anders als in Deutschland starten die Raketen in kleinen Gruppen; dazwischen Pausen. Nach einer Salvo von etwa 15 Stück folgt eine längere Pause mit Durchsage. Es wirkt auf mich wie eine Vorführung von verschiedenen Feuerwerkern. Der Platz ist eingerahmt von Verkaufsständen. Ich kriege Hunger und ein Bier könnte ich auch vertragen. Das Feuerwerk läuft im Hintergrund. Während ich etwas Eßbares suche, erfahre ich, daß ein Hanami etwa 2 Stunden dauert. Deshalb auch der Aufwand, der mir erst jetzt auffällt: Das Zuschauerareal ist in kleine Parzellen unterteilt. Die meisten Gruppen haben einen Grill aufgebaut; ein großes BBQ bei Nacht mit Feuerwerk. Das Schönste ist aber, daß die Traditionen noch nicht ganz tot sind. Viele Besucher tragen Kimono oder Yukata. Bei dem Wetter sicherlich nicht das Verkehrteste.

Die ausgelasse Stimmung schwappt zu mir über. Ich weiß nicht, wie es dazu kam, aber auf einmal sitze ich mit in einer BBQ-Gruppe. Small Talk. Bier. Gegrilltes. Der perfekte Abschluß des heutigen Tages. Leider muß ich zu früh los. Die letzte Fähre darf ich nicht verpassen und ich will einen Zug früher fahren, da ich unterwegs umsteigen muß. Sicher ist sicher. By the way…. Die Schwester vom Mann am Grill ist 29 und Single. Den Rest des Gespräches könnt ihr euch denken. Was ist nur los mit diesen Japanern?

Entspannt erreiche ich die letzte Fähre um 22:40 Uhr nach Miyajima und laufe bis nach Mitternacht am Wasser entlang. Die Kulisse bei Nacht ist einmalig.

https://www.youtube.com/watch?v=X-Z24QDZQnw

Miyajima / Iwakuni

Das Wetter ist wieder bombig. Superblauer Himmel und knapp 30 Grad. Mehr geht nicht. Mit Zug und Fährüberfahrt bin ich etwas über eine Stunde unterwegs und damit vor der Flut am Schrein. Das Torii wird dann maximal im Wasser stehen. Im Zug treffe ich einen Tschechen. Er reist mit dem Lonely Planet Reiseführer. Der ist eher was für Backpacker. Sein Ziel ist nicht der Schrein, sondern der 530m hohe Berg der Insel. Mit der Fähre nähern wir uns dem Torii. Dahinter sieht man den Schrein. Das Boot fährt am Torii vorbei und biegt dann ab zum Anleger.

Der Weg zu Schrein ist Urlaub pur.  Sonne, blauen Himmel und die Temperaturen hatte ich schon erwähnt. Jetzt kommen Wasser, ein Strand und Palmen hinzu. Die Promenade ist autofrei. Rehe laufen frei herum (wie in Nara). Vom Wasser aus haben wir das Torii schon gesehen, jetzt taucht es orangerot zwischen den Bäumen auf. Was für ein Anblick.

Der Schrein ist geschlossen. Enttäuschung. Aber wir sehen die Schäden durch den Taifun. Am Honden fehlt das halbe Dach. Trümmer und Abdeckplanen überall. Was ich bisher nicht wußte ist, daß auch der Schrein im Wasser steht. Wirklich ärgerlich, daß der Zutritt gesperrt ist. Warum nicht ersatzweise auf den Berg?

Der Weg führt durch die Stadt auf die andere Seite der kleinen Bucht, in der der Schrein liegt. Hier gibt es sogar einen kleinen Strand. Die Farbe des Sandes ist wie in Travemünde. In Kamakura war der Sand eher grau wie an der Nordsee. Die Straße endet in einem kleinen Park, dahinter der Wald und der Berg.  Stufen. Warum sind es in Japan immer Stufen? Ich fange erst gar nicht zu zählen. Zunächst kommen wir gut voran. Die Steigung ist mäßig. Links von uns ist ein kleiner Bachlauf. Dann sehen wir die Auswirkungen des Taifuns: umgeknickte Bäume, ein Erdrutsch hat den Weg unter sich begraben, etwas weiter oben fehlt der Weg. Wir klettern über die Bäume. Nicht ganz ungefährlich. Der Hang ist sehr steil, der Baum ist naß und rutschig. An der Stelle, wo der Weg fehlt, bleiben uns nur 20cm zwischen Wand und Abgrund. Wir überlegen umzudrehen. Ehrgeiz siegt.

Auf 2/3 des Weges gehen uns die Getränke aus. Wir haben die Anstrengung unterschätzt und auch die Hitze. Obwohl wir im Schatten des Waldes unterwegs sind, ist es heiß. Dazu kommt die Luftfeuchtigkeit. Der Wald dampft richtig. Der Weg hat die ganze Zeit Steigung und Stufen zugleich, also so etwas wie schräge Stufen. Die Länge der Stufen paßt so gar nicht zu meiner Schrittlänge. Ich versuche ständig drei kleine, oder 2 große Schritte zu machen. Beides gelingt irgendwie nicht. Es ist anstrengend.

Wir hören ein „Konnich wa“. An uns vorbei stürmt förmlich eine Oma mit zwei Wanderstöcken. Wie überlegen kurz, wie sie es an den Hindernissen vorbeigeschafft hat. Dann fällt uns auf, daß wir gerade von einer Rentnerin abgehängt werden. Jetzt aber los. Ehrgeiz. Machen wir es kurz: Wir haben sie bis zum Gipfel nicht eingeholt. Respekt.

Plötzlich sind die Bäume zu Ende. Sonne pur. Und der Blick nach unten. Wir sind etwas um den Berg herumgelaufen. Das da hinten am Horizont müßte… Shikoku ist es nicht. Aber irgendeine Insel in der Inlandsee. Aber wir sind noch nicht am Gipfel. Das sind noch ein paar … Stufen. Hier oben gibt es eine Aussichtsplattform. Man kann sogar auf Miyajima  blicken, der Schrein. Sogar das Torii im Wasser ist zu sehen. Orange in Blau. Welch ein Farbkontrast. Und so klein. 530m hat der Berg. Das Torii steht im Wasser. Da ist die Rechnung einfach. Blickwinkel etwa 45°. Soweit weg ist das Torii gat nicht. 750m Luftlinie und etwa 2 Stunden Fußmarsch.

Der Aussichtspunkt hat einen kleinen Shop. 200yen pro Dose. Im Tal waren es noch 120yen. Die Höheninflation beträgt damit 15yen/100m. Und es gibt keinen Mülleimer. Nur ein Schild, daß uns darauf hinweist, daß wir alles selbst ins Tal tragen dürfen. Natürlich sehr höflich formuliert: „All you can leave are your footprints. Everything else you have to take back with you“.

Für den Abstieg wählen wir den anderen Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist. in der Hoffnung, daß er nicht so stark beschädigt ist. Noch während der Planung sehen wir ein paar Europäer. Deutsche. Da ist man auf einer Insel auf einem einsamen Berg in der hintersten Ecke von Japan und man trifft, Deutsche. Unser Glück, sie haben den Weg genommen. Er ist passierbar. Super. Wir raten ihnen von unserem Weg ab. Der Rückweg beginnt mit einer Überraschung. An einer Weggabelung steht ein Schild: Seilbahn rechts, Wanderweg links. Bitte? Es gibt eine Seilbahn? Nicht darüber nachdenken. Auch auf diesem Schild wieder japanischer Humor: „10 min walk (7 if run a little) to Ropeway station“.

Dieser Weg sit wirklich einfacher. Am Ende läuft er parallel, mal links und mal rechts, zum Fluß, den wir bei Aufstieg gehört haben. Gegen 15 Uhr sind wir wieder im Tal. Hier an der Fähre trennen sich unsere Wege. Er will weiter nach Kyoto. Ich nach Iwakuni. Zudem will ich um bei Ebbe noch einmal hierher zurück.

Iwakuni

Der Zug von Hiroshima nach Miyajima fährt weiter nach Iwakuni. Es ist also sehr einfach. Von der JR Station fährt ein Bus zur Kintai-Brücke, die Ziel meiner Reise ist. Die Brücke ist von besonderer Art und sieht ziemlich neu aus. Es ist eine Bogenbrücke. Genauer gesagt sind es mehrere Bögen. Die Benutzung kostet 300yen. Egal. Die Bbenutzung ist ungewohnt. Man läuft auf den Bögen. Es gibt keine Stufen. Soweit ich das sehen kann ist sie vollständig aus Holz gebaut.

Auf der anderen Uferseite gibt es so etwas wie einen Park. Ich vermute es sind die Reste einer Samurai-Residenz oder eines Tempels. Oben auf dem Berg steht die Burg. Aber für die ist keine Zeit. Ich mußte hetzen, um vor 17 Uhr dort zu sein. Ich gehe zurück über die Brücke und schaue sie mir von unten an. Es ist wirklich ein beeindruckender Bau.

zurück in Miyajima

Nach diesem kleinen Abstecher geht es zurück nach Miyajima. Es ist bereits nach 18 Uhr und die Dämmerung ist in vollem Gange. Wenn ich Fotos mache, dann werden es wohl Nachtaufnahmen. Das Tori ist jetzt angestrahlt und glüht förmlich orange-rot. Ich laufe um das die Schreinanalage herum auf die andere Seite. Hier stehen Steinlaternen mit elektrischer Beleuchtung. Von hier hat man den Blick auf das Torii und über das Wasser auf das Festland.

Ich laufe etwas durch die Stadt. Ein Bach plätschert beruhigend neben der Straße, die grillen zirpen, die Temperaturen sind angenehm. Der Weg ist durch kleine, bodennahe Lampen ausgeleuchtet. Sie wirken wie große Teelichter. Fotografieren kann ich die Stimmung eh nicht, also genieße ich. Die Geschäfte haben noch geöffnet. Das ist Urlaub. Ich nehme eine der letzten Fähren um 19:30. Auf der Landseite steuere ich ein Resto an. Es wird Zeit für Abendessen. Der Zug Zug fährt um 20:45 Uhr. Eigentlich wollte ich noch einen Abstecher in das Nachtleben von Hiroshima machen, aber dafür bin ich zu müde.

Fazit: Der Tag steht nach dem Schreinfest auf Platz 2. Auch wenn ich den Schrein nicht besuchen konnte, war die Bergtour super.

Randnotizen:

  • Miyajima ist eine zweite Reise wert.
  • Bei Ebbe und bei Flut besuchen; über Nacht bleiben.
  • Spinnen scheinen einen Deal mit Japanern zu haben. Alle Netze hingen auf 1,75m. Japaner passen unterdurch, Europäer nicht.
  • Die Flut ist schnell. Jede Welle, die ans Ufer läuft, ist einen Schritt weiter.
  • In Japan kosten sogar Brücken Eintritt.