Schlagwort-Archive: Himeji

Rediscovering Himeji

Heute geht es über Himeji nach Miyajima. Die Zugtickets haben wir schon. Mit der UBahn geht es nach Kyoto Eki. Hier wartet ein Express auf uns. Und, yes, es ist ein Hello-Kitty-Zug. Die Fahrt ist kurz. In Shin-Osaka beginnt die Gültigkeit unseres Japan Rail Pass. Und los geht es; eine halbe Stunde Entspannung.

Und da sind wir. Himeji; und die berühmeste Burg Japans: Himeji-jo. Auch hier haben wir bereits Tickets. Ich mache sowas normalerweise nicht, aber es gab im Sommer Tage, da waren die Tickets bereits im Voraus ausverkauft. Und als wir an der Burg ankommen, sehen wir schon die lange Schlange für das Zeitfenster nach uns. Alles richtig gemacht.

Der Weg zur Burg ist kurz aber anstrengend. Die Hitze ist wieder einmal ein Problem. Ich bin das einfach nicht mehr gewohnt.  Somit beginnt die Besichtigung der Burg mit einem Stopp am Getränkeautomaten.

Ach ja, unsere Koffer. Die lagern bei „With Carry„. Es ist eine kleine Bar, nicht zu weit entfernt vom Bahnhof. Mein Plan ist, dass wir hier zu Abend essen, bevor wir weiter nach Miyajima fahren. Das ist ja auch grob die Idee vom Kofferaufbewahrungsservice: Ein paar Kunden in den Laden locken.

Jetzt geht es aber erst einmal hinauf zur Burg. Auf den Fotos erahnt man schon, dass da noch eine menge Stufen und steile Rampen auf uns zukommen. Zuerst durchqeueren wir das Hishino-mon. Dahinter wartet der Sakgoku-Bori, Teil des alten Festungsgraben. Gleich links hinter dem Mon wartet der Nishinomaru-Garten. Hier kann man vom Wano-yagura bis zim Kessho-yagura das Innere der Festungsmauer erkunden.

Zurück auf dem Hauptweg beginnt hinter dem Ino-mon der eigentliche Aufstieg zur Burg. Wir durchqueren diverse Tore, wechseln mehrmals die Richtung in scharfen Kurven, immer entlang an irgendeiner Festungsmauer. Und nicht immer kann man sehen, wi genau die Hauptburg ist. Clever.

Am Bizen-mon betritt man, mit den Schuhen in einer Plastiktüte und auf Socken, endlich die Hauptburg. Das heißt aber nicht, dass der Aufstieg beendet ist. Die höchste Ebene mit dem wunderbaren Ausblick ist noch etliche Etagen (und steile Stufen) entfernt.

Der Aufstieg lohnt sich. Man kann sogar den Bahnhof in der Ferne sehen. Langsam gehen wir wieder hinunter. Erst verlassen wir die Hauptburg am Himejijo-mizu-no-san-mon. Zeit für Schuhe.

Zurück am Himeji-Park (Eingang) ist erst einmal eine Raucherpause angesetzt. Den Zoo lassen wir aus. Dann wird es Zeit für den Koko-en; ein Garten in der linken unteren Ecke des Burgareals. Ich habe ihn noch nie besucht. Der Garten ist unterteilt in 9 unterschiedliche Landschaften, jede durch einen Zaun von den anderen abgegrenzt.

Damit ist Himieji für uns abgehandelt. Außerhalb der Stadt gibt es noch den Engyo-ji. Aber die Anreise mit Bus, Fußweg und Seilbahn benötigt mindestens eine Stunde pro Richtung. Aber den einzuplanen hätte den ganzen Tag in Streß verwandelt.

Wir gegen gemütlich zurück zu With Carry, biegen kurz in die überdachte Einkaufsstraße ab. Ich weiß noch, dass ich 2004 wegen des Regen hier abgebogen bin. Damals bin ich links abgebogen und dann die nächste rechts. Die Straße ist dann bis kurz von den Bahnhof überdacht. Wir gehen dieses mal den kleine Ausleger nach rechts. Leider ist hier nicht viel los.

Zurück bei With Carry haben wir genug Zeit für Souvenirhunting im daben liegenden Spielwarengeschäft; und für ein verspätetes Mittagessen, das wirklich gut ist. Die Koffer hier zu lassen hat sich echt gelohnt.

Dann wird es Zeit für die Weiterfahrt. Entspannt bringt uns der Shinkansen nach Hiroshima. Es ist der längste Abschnitt auf dieser Reise. In Hiroshima angekommen habe ich keine Orientierung. Die haben den Bahnhof seit meiner letzten Reise hierher komplett umgebaut. Es hat sich wirklich alles verändert.

Weiter geht es mit dem Local nach … falscher Zug. Dieser fährt nur bis Itsukaichi. OK. Fahren wir erst einmal bis dort und dann mit dem nächsten Zug weiter. Die Fahrt zieht sich. Endlich sind wir in Miyajima-guchi.

Es ist spät, aber es ist nicht die letzte Fähre. Auch hier gibt es einige Neuerungen: neben dem Fähranleger endet eine Straßenbahn, die auch nach Hiroshima führt (aber nicht zum Bahnhof). Der ganze Vorplatz an der Fähre wurde umgebaut. Ich erkenne nichts wieder. Und wir müssen eine Touristenabgabe an der Fähre bezahlen.

Die Fähre legt ab. Außer uns sind nur ein paar Japaner und zwei Autos auf der Fähre. Ich genieße die Dunkelheit auf dem Wasser. Das ist, was mich an Miyajima reizt. Nachts ist es einfach nur entschleunigend.

Den direkten Weg zum Hotel verpasse ich. Wir laufen einen guten Umweg. Arghh. Es war doch so einfach. Das Hotel ist eindeutig auf ausländische Touristen zugeschnitten. Ich weiß jetzt schon, dass es vermutlich auf dem hintersten Platz bei dieser Reise landen wird. Es ist nicht schlecht, aber alle anderen waren halt besser.

Nach dem Check-in machen wir noch einen kurzen Streifzug durch die Straßen runter zum Schrein. Das ist Urlaub. Es ist nichts los und auch alle Kneipen sind schon geschlossen. Die Touristen sind im Hotel oder zurück auf dem Festland.

Himeji / Taifun 21

Es regnet in strömen. Unglaublich, wie das regnet. Im Fernsehen laufen Warnungen vor Taifun 21. Er hat die Südküste von Kyushu (Kagoshima) erreicht und steuert auf Shikoku und Hiroshima zu !! Nicht gut. Der Luftdruck ist zur Zeit bei 970 hPa, der Wind bei Stärke 11. Man rechnet mit 40l Regen.

Es hilft nichts. Check-out. Der Betreiber vom Ryokan begleitet mich mit Regenschirm noch bis zur Bahnstation. Die Fahrt nach Shin-Oosaka läuft ohne Probleme. Ich buche ein Ticket nach Himeji. Dort angekommen regnet es immer noch. Es sieht auch nicht so aus, als würde es aufhören wollen.

Vom Bahnhof ist es nicht weit. Ich laufe. Eine U-Bahn fährt hier eh nicht. Gleich am Bahnhof laufe ich durch eine Shopping-Straße. Was für den Rückweg. Die Himeji-jo wird auch Shirasagi-jo (weiße Reiher Burg) genannt. Sie steht auf einer Anhöhe, man muß etwas nach oben blicken. Sie ist groß. Mit kompletten Wallanlagen. Dagegen können Nagoya und Oosaka einpacken; und die waren schon imposant. Der Weg nach oben verläuft im Zick-zack; vorbei an alten Burgmauern. Die Aussicht von oben ist ein Kracher, trotz des Regen. Die Burg muß damals imposant gewesen sein. Sie überragt noch heute alle Gebäude der Umgebung.

Ein Gewitter nähert sich. Der Taifun kommt dichter. Ich mache mich auf den Rückweg zum Bahnhof. Es wäre noch genug Zeit für den Park, aber nicht bei diesen Wetter. Und ich befürchte, es wird schlechter. Zurück in der Shopping Mall finde ich einen Laden, der Kamidana verkauft. 30000yen sind eine Menge Geld. Aber irgendwie möchte ich eines haben. Doch bevor ich zuschlage, sollte ich die Frage klären, wie ich das Ding nach Deutschland kriege. Auf zur Post. Aber auch da hat man keine Idee. Das Paket ist zu groß. Ich müste einen anderen Carrier nehmen. Wir kommen der Lösung trotz 3 Mann und 20 Minuten nicht weiter. Jetzt erst einmal Mittagspause. Es ist schon 16 Uhr. Keine Ahnung wo die Zeit geblieben ist.

Taifun 21

Der Shinkansen hat 30 Minuten verspätung. Wow. Ein Zug in Japan mit Verspätung. Der Grund wird auf der Tafel angezeigt: der Taifun. Die Bahnstrecke von Hiroshima nach Hakata ist bereits gesperrt. Der Taifun ist über Shikoku.

Der Nozumi rauscht durch. Ungebremst. Fast 300 km/h. Beieindruckend. Es sagt Rabumm und 16 Waggons sind durch. Der Kontakt zwischen Oberleitung und Abnehmer sprüht blau-weiße Funken. Der Regen. Und weg ist er.

Es wird etwas hektisch am Bahnhof. Unser Shinkansen rollt ein. Schnell einsteigen. Wir fahren ab, kommen aber nur bis Okayama. Hier ist Schluß. Der Taifun wird gleich über uns wegrollen. Er ist 30km schnell. Alle Züge bis nach Oosaka stehen. Die Länden auf dem Bahnsteig schließen und verriegeln die Fenster. Die meinen das ernst. Der Wind hat enorm zugenommen. 10 bis 11. Der Bahnsteig ist leer. Alles was nicht festgenagelt ist, fliegt weg. Einzelne Windböen rütteln am ganzen Zug. Wow. Ich denke kurz darüber nach zum Getränkeautomaten zu flitzen. Gut, daß ich überlegt habe, denn der Automat ist weg. Die Bolzen im Fußboden sind noch da, der Automat nicht. Ich glaube, ich habe die Windstärke unterschätzt. Ich bleibe lieber wo ich bin. Regen und Wind werden immer stärker. Hätte nicht gedacht, daß das möglich ist. Wie gut, daß ich den Park nicht mehr besucht habe. Orkanböen kenne ich, aber das hier ist Wahnsinn.

Ich komme mit meinem Sitznachbarn Tasukei ins Gespräch. Er gibt mir seine Telefonnummer, falls wir in Okayama hängen bleiben. Seine Eltern wohnen noch hier in Okayama. Im Notfall könnte ich dort schlafen. Ich stelle mir das gerade vor, wie ich als Ausländer an der Haustür klingel und sage „Sie kennen mich nicht, aber ihr Sohn hat gesagt, ich kann hier schlafen.“ Das lassen wir mal lieber; zumal mein Ziel Hiroshima ist. Aber das Angebot beeindruckt, zumal zu sehen ist, daß er es ernst meint.

Nach 20 Minuten nehmen die Böen und der Regen wieder ab. Der Taifun scheint vorbei zu sein, zumindest das Zentrum. Auf dem Nachbargleis steht der Hikari. Er soll gleich um 17:40 abfahren. Ich verabschiede mich von Tasukei und wechsele schnell den Zug. Ich will kein Risiko eingehen.

Der Zug rollt an. Bis Hiroshima wird der Regen immer weniger. Als ich den Bahnhof Hiroshima verlasse ist es trocken. Jetzt orientieren. Ich sehe einen Stand mit deutschen Würstchen und Aufschnitt. Da muß ich jetzt einfach mal gucken. Bin auf der falschen Seite. Also unter den Gleisen durch. Ich treffe auf 8 Deutsche, aus Hamburg. Ach ne. Sie sind seit heute morgen hier und haben ein Karte. Ich laufe zur ersten Brücke und sehe schon an einem der höheren Gebäude den Schriftzug Hotel Flex. In 3 Minuten bin ich da.

Der Grndriß ist klein, dafür aber 10 Etagen. Sichtbeton. Sachlich, modern. Das Zimmer im 4. OG ist klein, etwa 4×2, das Badezimmer 1,5×1,5m, höchstens. Aber es reicht. Der Blick über das Wasser ist gut. Nach dem Ryokan in Oosaka ist es gut wieder seinen eigenen Lokus und seine eigene Dusche zu haben. Die wird auch gleich benutzt. Nach einem Klamottenwechsel muß ich noch was essen.

Um 23 Uhr bin ich mit Bier und Man vom seven eleven wieder im Hotel. Im Fernsehen laufen die Berichte zum Taifun. Shikoku hat es erwischt. Viele Orte sind unter Wasser, Schlammlawinen, in Oosaka sind die Fluttore geschlossen. Auch Miyajima hat es erwischt. Nicht gut. Das ist der Plan für übermorgen. Letzte Nachrichten um 0:15Uhr. Der Taifun hat Oosaka voll getroffen und ist jetzt über Nagoya. 200l Regen in wenigen Stunden werden erwartet. Es werden Flutwellen befürchtet. Man soll auf Brücken aufpassen. Wasser und Geröll könnten sie beschädigt haben. Das ist ne anderen Nummer als Unwetter in Deutschland.

Das Timing war so gesehen optimal. Am Reisetag hat der Taifun meine Pläne nicht durchkreuzt. Auf den Park in Himeji kann ich verzichten. Die Burg habe ich gesehen. Und nach dem Wetterbericht kommt auf der Rückseite 3 Tage Sonnenschein. Dann kommt wieder Regen. Paßt doch.

Randnotizen:

  • Der Shinkansen hält nicht an Oosaka Eki. Die Strecke konnte nicht durch die Stadt gebaut werden, also hat man einen zweiten großen Bahnhof für den Shinkansen gebaut. Shin-Oosaka Eki. Ist mir gar nicht aufgefallen. Da ich in Hommachi die U-Bahn wechsele. Ich war also nie am Bahnhof von Oosaka.
  • Ich will ein Kamidana für meine Wohnung
  • Himeji; Wie müssen die Lübecker Kirchen gewirkt haben? Damals. Man kann sie schon aus 30km Entfernung sehen. Das war damals fast ein Tagesmarsch.
  • Bericht über Himeji im TV löst diesen Da-war-ich-schon-Effekt aus. Witzig.
  • Himeji reicht als Zwischenstop. Nach Reiseführer gibt es nur 3 Attraktionen.