Rediscovering Miyajima

Heute wird die Insel erkundet. Die Gezeiten sind ideal. Wir starten mit Flut und einem Torii im Wasser. Am Nachmittag können wir dann durch das Torii laufen. Spät abends ist dann wieder eine Bootsfahrt ans Torii möglich.

Mein Bruder hat Frühstück. Ich schlafe etwas länger. Danach ziehen wir los. Die Läden in Miyajimacho (so heißt der Ort) öffnen nach und nach. Noch ist nicht viel los. Aber das wird sich vermutlich sehr schnell ändern. Es ist ein verlängertes Wochenende in Japan.

Unser erster Stopp ist natürlich der Itsukushima-Schrein, denn warum sonst wir hier? Es ist mein vierter Besuch und ich bin immer noch beeindruckt von dem Schrein. Das Torii steht (noch) im Wasser. Die Wolken dahinter verheißen aber nichts Gutes.

Im Schrein läuft gerade eine Zeremonie. Das gibt dem ganzen Besuch eine besondere Note. Am Ende der Schreintour setzt dann auch der Regen ein. Ich hatte es befürchtet. Ach ja, die Noh-Bühne ist die älteste der Welt.

Unbeirrt gehen wir am kleinen Kanal weiter zum Daigan-ji, dann kurz rüber zum Kiyomori-Schrein auf der kleinen Halbinsel zwischen Meer und Kanal.

Hinter dem Aquarium, das wir auslassen, ist der Omoto-Schrein. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube hier war ich noch nie. Westlich von hier ist nur noch Wald und ein paar Wanderwege, vermutlich irgendwo als Sackgasse enden. (Ein Weg bringt einen zum Gipfel von Mt.Misen.) Eine paar Rehe genießen hier die Ruhe ohne Touristen.

Wir steigen deshalb Asebihodo hinauf. Er bringt uns zu einem kleinen Aussichtspunkt an der Itsukushima Jinja Tahoto. Hier war ich ebenfalls noch nie. Der Weg führt danach weiter bis zum Eingang des Daisho-in, wo wir dann auch wieder auf einen Stapel Touristen treffen. Es ist schwierig ein paar halbwegs brauchbare Fotos ohne fette Amerikaner zu machen; trotz des schlechten Wetters, das sich nicht entscheiden kann ob es trocken ist, regnet oder nur nervig fies nieselt.

Egal. Die Henjo-Grotte und die hunderte Jizo-Statuen sind die Reise wert. Die Henjo-Grotte habe ich noch nie zuvor besichtigt. Fragt mich nicht, wie ich die drei Mal übersehen bzw. vergessen konnte. Zurück am Eingang des Tempels beginnt ein weiterer Wanderweg zum Gipfel des Mt. Misen. Eigentlich wollte ich den nehmen. Aber ein Blick nach oben zeigt, dass man von oben keinen Blick hat. Der Gipfel ist irgendwo in den Regenwolken.

Ich habe Hoffnung für später und wir ziehen den Rest der Stadt vor. Ziel ist die Senjokaku, die Halle der Tausend Tatami. Was wieder kaum einer weiß: Sie gehört zum Hokoku-jinja.

Auf dem Weg biege ich aber falsch ab, was wiederum ein Glückfall ist, denn ich lande am Etto Miyajima Community Center. Das Center hat eine Terasse im 2. Stock, von der man aus die Halle und die Pagode daneben super sehen kann (den Tipp habe ich übrigens von Abroad in Japan). Die 5-stöckige Pagode (Goju-no-to) gehört übrigens zum Itsukushima-Jinja und ist leider eingerüstet. Es wäre sonst das perfekte Foto.

Nachdem wir uns die Halle und die Holzbilder ausgiebig angeschaut haben, wähle ich einen der kleinen Wege, der sich zwischen den Wohnhäusern durchschlängelt. Er führt ist zur Seishindaitokushoutokuhi. Fragt mich nicht. Der Weg führt auf eine Straße von der ich keine Ahnung haben wohin sie führt. Wir probieren unser Glück. Etwas nervös macht mich, dass sie bergauf führt. Nach ein paar hundert Metern geht es dann aber bergauf und ein Wegweiser sagt, dass unten der Hafen wartet. Passt.

Vom Hafen gehen wir wieder in die Touristenstraße. Wir kommen sogar an dem Ryokan vorbei, wo ich das letzte Mal residiert habe. Im Vergleich zu heute früh ist jetzt in der Einkaufsstraße die Hölle los. Touristenmassen. Wir, also ich, finde ein Craftbeer. Und kurze Zeitspäter finden wir in einer ruhigeren Parallelstraße ein kleines, einfaches Restaurant. Miyajima ist für drei Delikatessen bekannt. Zwei davon bestelle ich: Aal und gebratene Austern. Ja, Austern. In Deutschland ein Glibberhorror mit Salzgeschmack, hier auf den Punkt frittiert, heiß und lecker.

Ein Souvenir finden wir auch noch, bevor wir zurück zum Itsukushima-Jinja gehen. Es ist Ebbe. Das Torii steht auf dem Trockenen. Wir gehen hin. Und ja, wenn man dirket daneben steht, ist das Ding riesig.

Die Flut kommt. Der kleine trockene Fleck auf dem ich gerade stehe wird immer kleiner.  Ich muss weg, sonst gibt es nasse Füße. Auf die kann ich verzichten. Ich bin genug durchfeuchtet. Das Wetter meint es immer noch nicht gut. Der Regen hat zwar nachgelassen, aber Mt. Misen ist immer noch nicht zu sehen. Damit hat sich dieser Punkt der Tagesordnung erledigt.

Das Tagesprogramm endet am Daigan-ji. Ich hatte vorhin vergessen, ein Foto zu machen. Bis zur nächtlichen Bootsfahrt sind es noch ein paar Stunden. Die Entscheidung fällt auf „Im Hotel durchtrocknen“.

In der Dunkelheit geht es dann runter zum Fähranleger. Hier wartet das kleine Touristenboot auf uns. Wir legen ab und fahren raus zum Torii; jetzt wieder im Wasser.

Anders als bei meiner Fahrt damals fahren wir nicht durch das Torii. Ich bin mir nicht sicher, ob der Wasserstand nicht reicht, oder es nicht mehr erlaubt ist. Aber auch ohne Durchfahrt ist der Blick einmalig. Nachts auf dem Wasser zu sein ist für sich alleine schon eine Erfahrung.

Nach der Tour trotten wir ganz gemütlich zuürck zum Hotel. Im Fazit war der Tag verregnet aber definitiv nicht ins Wasser gefallen. Gerade jetzt abends, wo die Touristen alle wieder im Hotel oder auf dem Festland sind, kehrt wieder diese Ruhe und Gelassenheit. Wir teilen uns die Insel gefühlt nur mit den dutzenden Rehen, die ebenfalls die Ruhe genießen.