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Rediscovering Tokyo

Der erste Tag in Japan beginnnt mit japanischem Frühstück. Es ist definitiv nicht mein Favorit, aber es gehört dazu. Mein Bruder wählt die sichere Variante des „Western Style Breakfast“.  Vermutlich auch meine Wahl für morgen.

Der Tag startet mit dem Ueno-Park. Natürlich beginnen wir am Shinobazu-Pond und besuchen danach Gojo-Tenjinja und den goldenen Toshogu. Die Museen lasse ich wie immer aus. Der Bereich direkt an der Ueno Station wurde komplett umgestaltet. Ich erkenne nichts wieder. Es gibt hier endlich einen vernüftigen Eingang zu Station. Und wie immer suche ich zu lange nach der Statue von Saigo, dem letzten Samurai.

Wir sind noch an der ersten Station des heutigen Tages und schon eine Stunde hinter meinem Zeitplan. Mein Fehler. Ich habe den Tag mit meinem Tempo geplant. Dass dies für meinen Bruder nicht funktioniert, zumal alles, wirklich alles, neu für ihn ist … ja, dumm.

Wir gehen am Hotel Edoya vorbei in Richtung Ochanomizu. Ich muss das machen. Die Gegend hier ist für mich wie eine Nachbarschaft, in der ich mal gewohnt habe. Und auch der Yushima Tenmangu gehört dazu.

In Ochanomizu sind der Blick von der Hijiri-Bashi, der Kanda-Myoin und ein Stopp beim Sakeladen Pflicht. Ich weiß nicht, wie mein Bruder zu Sake (Meishu Center) steht, aber ein kleines Tasting muss sein;  leider mit der Zeit im Nacken. Um 14 Uhr startet die Show von Katsura Sunshine in Asakusa.

Die Show scheint ein gutes Timing zu haben. Es sieht nach Regen aus, der bald starten wird. Wir fahren mit der Ginza-Line von Suehirocho-Station bis Tawaramachi-Station. Auf dem Weg zum Mokubatei fängt es wirklich an zu regnen. OK, der Umweg über Kaminarimondori und Orange St. geht auf meine Kappe. Wir habe es geschafft.

Die Show ist gut. Wir bleiben etwas länger, da ich kurz Hallo zu Katsura sagen will. Während der Show hören wir das Gewitter, das gerade über Asakusa zieht. Was wir „verpasst“ haben erfahren wir gleich.

Es regnet wie nichts gutes. Wir wechseln nur die Straßenseite zum Maeda Shokudo und sind patschnass. Ich bestelle Oden und Dashiwari1. Ein Fernseher zeigt uns, was gerade los ist: Heftige Regenfälle im Süden von Zentraltokyo. Ich sehe immer wieder den Namen Meguro. Das liegt am südlichen Ende der Yamanote-Linie, die übringens den Betrieb deshalb eingestellt hat. Haneda Airport hat ebenfalls den Flugbetrieb eingestellt. Weitere andere Bahnlinien stehen auch. Wow. Wenn es den ÖPNV in Tokyo beeinflusst, dann ist es eine große Nummer. Straßen sind überflutet, Flüsse treten über die Ufer. Selbst UBahn-Stationen müssen wegen der Wassermassen evakuiert werden.

Zum Glück zieht die Gewitterzelle weiter. Wir besichtigen Sensoji und machen alle Touristenstopps: Kaminarimon inklusive. Trotz des Regens, der hier gerade niederging, ist es sehr voll. Overtourism scheint einen realen Kern zu haben.

Unser zweite Termin heute ist der Sky Tree um 18 Uhr. Die Zeit reicht für einen entspannten Fußmarsch. Rückblickend hätte ich evtl. eine bessere Strecke wählen können. Auf dem Weg sehen wir den Sky Tree mehr oder weniger. Das liegt nicht an der Bebauung, sondern an den tiefen Wolken. Selbst die 350m-Ebene ist immer wieder verdeckt.

Der Ticketschalter offenbart ein mir neues Problem: Ohne Smartphone mit Internet ist man in Japan mittlerweile aufgeschmissen. Mir gefällt das gar nicht. Als Folge erzeugen wir etwas Chaos beim Check-in, da ich nur den Papierversion der Tickets habe.

Was wieder typisch japanisch ist, ist die Option das zeitlich gebundende Ticket wegen des Wetters kostenfrei umzubuchen. Wir lehnen ab, da wir keinen Tag haben, wo wir es nachholen könnten.

Der erste Aufzug bringt uns zum Tempo-Deck auf 350m Höhe. Mit über 10 m/s ist es einer der schnellsten Aufzüge der Welt. Der Druck auf den Ohren ist entsprechend; schlimmer als auf dem Flug nach Japan.

Wie befürchtet ist die Sicht extrem eingeschränkt. Aber es gibt immer wieder Lücken und den Wolken, was es auch ein wenig spannend macht. Mein „Bonus-Level“ ist der Batteriestatus meiner Kamera. Ich bin am Ende meines zweiten Akkussets. Mal wieder. Das ist nicht das erste Mal, dass zum finalen Highlights des Tages meine Kamera aussteigt2.

Wir habe das Beste aus dem Tag und dem Wetter herausgeholt. So bleibt die Frage nach dem Abendessen. Das ist etwas schwieriger als gedacht. Der Zugverkehr ist immer noch nicht zurück auf Normalbetrieb. Noren Gai in Otsuka ist vom Tisch. Auf geht es nach Shimbashi.

Hier laufen wir ein wenig durch die Straßen, bevor wir uns für einen Laden entscheiden. Es ist relativ laut und es ist eine Raucherkneipe. Dieses Detail über Japan habe ich total vergessen. Nach ein paar Drinks und Snacks wechseln wir die Lokalität. Ich brauche eine zweite Runde. Ich brauche zumindest den Hauch eines Pub-Crawl.

Fazit: Es war, glaube ich eine erfolgreicher erster Tag. Ich habe die Zeitachse komplett verpeilt, zumal zwei feste Termine keine Änderungen erlaubten. Der massive Regen war auch nicht hilreich. Aber es tut gut, wieder in Tokyo zu sein. 

 

神田川の橋 .. Die Brücken des Kandagawa

Ich wollte schon längst den Bericht zu meinem VNV-Projekt 2018 online haben. Ich wurde aber durch die Überarbeitung des Tokaido-Artikels aufgehalten. Und dann ergab sich eine neue Herausforderung:

Riverboat Mizuha, mit denen ich bisher drei Flussfahrten in Tokyo unternommen habe, haben ein Video online gesellt. Die Challange: Alle 34 Brücken identifizieren. Was soll ich sagen: Ich war der Erste, der alle Brücken benennen konnte.

Aber es zeigte auch, dass eine keine (englischsprachige) Übersicht im Internet über die Brücken in Tokyo gibt. Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel über den Sumidagawa online gestellt. Es wird Zeit, dieses auch für den Kandagawa, den Nihonbashigawa und die Kamejimagawa nachzuholen.


Hier also eine erste Übersicht für den Kandagawa bis zum Abzweig des Nihonbashigawa:

柳橋 .. Yanagi-bashi
    • erste Brücke: 1698
    • aktuelle Brücke: 192x
    • Stahlbogenbrücke
    • Links: [kanda-gawa.com]

(A) Die aktuelle Brücke wurde im Rahmen des Wiederaufbauprogramms nach dem Kantobeben gebaut.

Von hier bis zur 3. Brücke liegen viele Yatakabune; gut für ein Foto.

浅草橋 .. Asakusa-bashi
    • erste Brücke:
    • aktuelle Brücke:
    • Stahlbogenbrücke mit oben liegender Fahrbahn
    • Links: [kanda-gawa.com]

(B) Der Name der Brücke leitet von Asakusa-guchi ab, einem der Zugänge der Außenmauer von Edo Castle.

左衛門橋 .. Saemon-bashi & 美倉橋 .. Mikura-bashi
    • erste Brücke:
    • aktuelle Brücke:
    • Stahlbogenbrücke mit oben liegender Fahrbahn
    • Links: [kanda-gawa.com]

(C) Der Name leitet sich vom Fluss Saemon ab, der heute nicht mehr existiert.

    • erste Brücke:
    • aktuelle Brücke:
    • Stahlbogenbrücke mit oben liegender Fahrbahn
    • Links: [kanda-gawa.com]

(D) Mikura leitet sich von mitsu kura ab, von drei Speicerhäusern, die hier früher standen.

和泉橋 .. Izumi-bashi
    • erste Brücke:
    • aktuelle Brücke:
    • Stahlbogenbrücke mit oben liegender Fahrbahn
    • Links: [kanda-gawa.com]

(E) Über diese Brücke läuft die Showadori. Oberhalb der Showadori und der Brücke ist die Brücke des TME zu sehen. Stromaufwärts auf der linken Seite sieht man einen der 5 Stege für den Katastrophenschutz, der 2005 gebaut wurde.

神田 ふれあい橋 .. Kanda-fureai-bashi

(F) Dies ist eine Kombination aus isngesamt vier Brücken: Zuerst eine Fußgängerbrücke, dann folgen 4 Shinkansengleise und dahinter, auf zwei Brücken verteilt 6 Gleise der JR, u.a. der Yamanote. 50m nördlich liegt Akihabara Eki.

Die Shinkansenbrücke war 1988 das Ergebnis langer Verhandlungen mit der Verwaltung von Kanda, die dagegen war, dass der JR-East-Shinkansen bis nach Tokyo läuft und nicht in Ueno terminiert.

万世橋 .. Mansai-bashi

(G) Das ist „die“ Brücke in Akihbara. Sie kommt unter anderem in dem Anime Steins;Gate vor. Gleich neben dieser Brücke gibt es die stillgelegte Bahnstation Mansaibashieki, in der auch die Hitachino Brewery einen Laden hat.

橋.. Shohei-bashi

(H) Der Name Shohei wurde gewählt, weil der buddhistische Tempel Yushima Seido in unmittelbarar Nähe liegt.

Jetzt folgen die besten und schönsten drei Brücken des Kandagawa. Ich empfehle ein Foto von der Hijiri-bashi hinunter auf den Fluss mit den anderen drei Brücken. Es sieht aus wie die Landschaft einer Modelleisenbahn.

Bis zur Shoheibashi war der jetzige Kandagawa der Verlauf eines kleinen (unbedeutenden) Flusses, dessen Namen ich nicht kenne. Jetzt befinden wir uns im Sendai-Graben, der 1620 gegraben wurde. Der Graben reicht bis kurz vor die Suidobashi. Ich kenne diesen Flussabschnitt schon seit 2004. Mein Hotel (und der Yushima Tenjin) liegen in Verlängerung der Straße über die Hijiribashi. Die Historie,d er Ursprung wird mir erst jetzt (2020) bewusst. Das haben alle Reiseführer verschwiegen.

Sobu-Line-Bridge
    • erste Brücke:
    • aktuelle Brücke:
    • Stahl
    • Links: [kanda-gawa.com]

(I) Die Brücke der Sobu Line läuft im spitzen Winkel in großer Höhe über den Kandagawa. Charakteristisch sind die langen blauen Beine der Brücke, die am Nordufer sofort in eine grüne Brücke über die Kreuzung (!) von B17 und B405 übergeht.

Den Namen konnte ich noch nicht identifizieren. Aber es ist üblich Eisenbahnbrücken einfach mit dem Namen der Bahnlinie zu benennen (auch wenn die Brücke einen richtigen Namen, den dann niemand kennt).

丸ノ内線お茶の水橋梁 .. Marunouchi-sen-Ochanomizu-Kyouryou
    • erste Brücke:
    • aktuelle Brücke:
    • Stahl
    • Links: [kanda-gawa.com]

(J) Wieder eine Bahnbrücke, dieses Mal von der U-Bahn-Linie (!) Marunouchi. In der Tat kann man hier mit einem Schiff unter der U-Bahn hindurch fahren.

聖橋 .. Hijiri-Bashi

(K) Für das erwähnte Foto muss man auf der Brücke stehen. Aber auch ein Foto von der Brücke selbst lohnt sich. Sie ist im Art Deco Stil gehalten. Der Blick von der nächsten Brücke aus ist aber versperrt, da die Bahnstation Ochanomizu Eki seit Jahren eine einzige, rieige Baustelle ist.

Die Brücke überquert nicht nur den Kandagawa sondern auch die Sotoboridori und die Gleise der Chuo-Line. Es ist die mit Abstand höchste Brücke im Flussdreieck von Kandagawa, Nihonbashigawa und Kamejimagawa. Wenn ich so recht überlege könnte es nach der Rainbow Bridge einer der höchsten Brücken in Tokyo sein …

Die Brücke trägt den Beinamen „Heilige Brücke“, da sie den Yushima Seido mit der Nikolaikirche verbindet.

Die nächsten vier Brücken bis zur Abzweig des Nihonbashigawa sind weniger spektakulär.

お茶の水橋  /  御茶ノ水橋 .. Ochanomizu-bashi

(L) Die Brücke überquert neben dem Kandagawa auch die Gleise der Chuo-Line

Von hier bis zur nächten Brücke ist es längerer Abschnitt.

水道橋 .. Suido-bashi

(M) Der Name der Brücke leitet sich vom Kandagawajousui ab, einem Aquädukt, dass während der Edozeit, die Region nordöstlich des Kaiserpalastes mit Wasser versorgte. Das Äquädukt war die Suidobashi, die Wasserwegbrücke. Die heute Brücke hat diesen Namen übernommen.

Die ursprüngliche, echte Suidobashi befand sich etwa 60m vor der Brücke und wäre in meinem Foto ausl zu sehen gewesen. Fun Fact: Wenige Tage nach dem Foto wurde auf der Bunkyo-ku-Seite (rechts) ein Denkmal aufgestellt.

後楽橋 .. Koraku-bashi
  • erste Brücke:
  • aktuelle Brücke:
  • Beton / Stahlbogenbrücke mit oben liegender Fahrbahn
  • Links: [kanda-gawa.com]

(N) Die Korakubashi ist die stählerne Straßenbrücke im Hintergrund. Die leicht ansteigende Fußgängerbrücke davor (die後楽園ブリッジ) wurde erst später ergänzt und verbindet den Bahnhof Suidobashi mit dem Tokyo Dome (das heißt auch, dass ich sie schon benutzt haben müsste). Die Fußgängerbrücke hat keinen eigenen Namen und ich zähle sie daher als Teil der Korakubashi.

Hier zweigt der Nihonbashigawa ab, der am Kaisepalast vorbei läuft und nach der berühmten Nihonbashi benannt ist. Ab hier finde ich keine Namen mehr für die Brücken. Ich muss das bei Zeiten mal nachforschen.