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Rediscovering Hiroshima

Wie kommt man von Miyajima nach Hiroshima1? Die logische Antwort wäre: Mit einem Boot. Keine Ahnung warum ich bisher immer erst die Fähre, dann den Local und zum Schluss einen langen Fußmarsch zurückgelegt habe. OK, die Antwort war: „Mit dem JRP war es gratis“. Aber es geht einfacher und schneller.

Früh morgens gehen wir zum Fähranleger, an dem wir gestern die Nachtfahrt hatten. Die gleiche Firma biete auch Schnellboote nach Hiroshima [aqua-net]; direkt zum Peace Memorial Park. Wir boarden und der Kapitän legt die Hebel auf den Tisch. Nur fliegen ist schöner.

45 Minuten später sind wir am Memorial Peace Park (Motoyasu Pier) und steigen aus. Wir gehen direkt in den Peace Park: die Bell of Peace, das Children’s Peace Monument mit den tausenden Origami-Kranichen, Flame of Peace, …

Das Friedensmuseum lasse ich aus. Ich weiß nicht warum. Aus irgendeinem Grund hat mein Gehirn andere Dinge priorisiert. Wir besuche die Hall for the Atomic Bomb Victims. Hier gibt es ein 360°-Panorama aus zigtausenden Mosaikteilchen. Jedes Teil steht für ein Opfer. Die gezeigt Szene ist ein 360°-Blick auf Hiroshima nach der Bombe. Die Halle zeigt auf mehreren Bildschirmen nach und nach Bilder und Informationen aller Opfer.

Jetzt ist es Zeit für das Wahrzeichen von Hiroshima, der Atomic Bomb Dome. Es war gebaut als Ausstellungshalle für Handelsprodukte2 und hatte das Glück (wenn man es so nennen will), dass es nur wenige Meter vom Ground Zero entfernt war. Die Druckwelle traf direkt von oben. Dadurch, und durch die Tatsache dass es eine Gebäude aus Stein war, war es eines der wenigen Gebäude, das die Bombe überlebt hat.

Neben dem Dome steht seit kurzem der Orizuru Tower3. Von oben hat man einen guten Blick auf dem Dome und den Park. Und leider wissen das die Eigentümer. Der Eintrittspreis ist heftig. 2200yen. Ich entscheide, dass sich das nicht lohnt. Ein Foto vom dem Gebäude lohnt sich. Zur Straßenseite gibt es eine Glasfront über alle Etagen. Dahinter ist ein Schacht. Dieser füllt sich nach und nach mit Origami-Kranichen, die Besucher falten und hineinwerfen.

Der nächste Stopp ist die Burg von Hiroshima. Sie ist komplett von Wasser umgeben, wie sich das für ein Burg gehört (meine Meinung). Das Omotego-mon ist einer der beiden Zugänge und definitiv der schönere. Das innere des Tors und Teile des Südwalls können besichtigt werden. Da ich das noch nie gamacht habe, nutzen wir die Chance.

Hinter dem Tor, am Ende des Platzes, steht ein Eukalyptusbaum, der die Bombe überlebt hat. Er sieht nicht wirklich gesund aus. Aber hey, er hat eine Atombombe überlebt und ist nun knapp 100 Jahre alt. 4

Wir gehen zur Burg. Das Original vom 1590 hat die Bombe nicht überlebt. Das hier ist eine Rekonstruktion von 1958. Ein Besuch lohnt sich trotzdem. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Gogoku-Schrein [Link] vorbei. Das Torii sieht aus wie das auf alten Fotos von 1945 (nach der Bombe), aber es ist es nicht. Lasst euch nicht täuschen. Die Orientierung stimmt nicht. Wir verlassen die Burginsel durch den zweiten Zugang zur Burginsel. Und nein, auch das ist nicht das besagte Torii.

Der letzte touristische Stopp wird der Shukkei-en. Es war der Garten, den ich 2004 als ersten Stopp auf meiner ersten Tour durch Hiroshima hatte. Die Zahl der Touristen hier hat definitiv zugenommen, nicht nur im Vergleich zu 2004, sondern auch zu 2014, meinem letzten Besuch.

Der Garten ist grün und überzeugt noch immer mit einer neuen Szene nach jeder Kurve. Mit einem Blick auf die Uhr ist klar, dass es der letzte Stopp war. Ich habe das Programm geschafft. Nun gilt es, Okonomiyaki-Mura zu finden. Das wird mir einer Menge Fußmarsch verbunden sein.

Da wir gerade am Bahnhof sind, schauen wir uns das neue Gebäude an. Ich erkenne immer nichts wieder. Allein der Vorplatz hat sich so stark verändert, dass ich mir nicht sicher bin, dass ich in Hiroshima bin oder ich zuvor schon mal hier war. Auf der Hoffnung auf Souvenirs besuchen wir kurz Minamao.

Wir verlassen das Bahnhofareal in Richtung Flex-Hotel. Hier hatte ich 2004 übernachtet. Wir überqueren die Brücke an der Jonan-dori und folgen dem Wanderweg entlang des Kyobashi. Hier bin ich noch nie entlang gelaufen. Dann geht es weiter, der Tram folgend, zur Chuo-dori. Wir sind jetzt, die Dämmerung ist weit fortgeschritten, im Shopping-, Restaurant- und Kneipenviertel.

Okonomimura ist schnell gefunden. Hier tummeln sich dutzende von Okinomiyaki-Restaurants auf mehreren Ebenen in einem älteren Gebäude. Ohne Plan wählen wir ein Restaurant aus und bestellen. Wir sitzen an einem Teppan, der heißen, großen Kochplatte, auf der das Okonomiyaki zubereitet wird. Du Zubereitung ist eine Show, Nicht so überzogen wie in amerikanischen Teppanyaki-Restaurants. Ach ja, dieser Teppanyaki-Kram wurde in den USA erfunden und reimportiert.

Die Portion ist, wie befürchtet riesig und sehr, sehr sättigend. Zum Glück gibt es Highball zum runterspülen. Im Anschluss geht es zu Fuß zurück zum Bahnhof, mit dem Zug nach Miyajimaguchi und dann runter zur Fähre. Es regnet. Wow hatten wir Glück mit dem Wetter.

In Miyajima angekommen genießen wir die Ruhe eines weiteren Abends auf der Insel ohne nervige Touristen. Mein Bruder will ins Bett ich brauche noch einen Snack oder ein Bier. Es ist noch zu früh fürs Hotelzimmer.

Ich vermute die letzte Idee war dumm, denn über Nacht verschwört sich mein Magen gegen mich. Ich habe alle Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung. Nicht lustig, zumal morgen Okayama auf der Liste steht. War es das Bier? der Highball? das Ramen auf Miyajima? Das Okonomiyaki? Damn.

宮島 から 大阪 まで

Der Aufenthalt in Miyajima war zu kurz. Allen, die diese Zeilen lesen, sei angeraten: 4 Tage Minimum. Lieder ist das Hotel in Oosaka schon gebucht und Jan erwartet mich heute Abend. Nach Oosaka sind es 2 Stunden. Bleibt genug Zeit für eine ausgiebige Runde durch Hiroshima.

Auf geht’s, den Freadom Boulevard runter, eine der wenigen baumbepflanzten Straßen, die ich in Japan kenne. Hier gibt es wohl auch einzigen frei lebenden Mülleimern in Japan. Ich stehe vor dem Atom Bomd Dome. Unheimlich. Dann der Vergleich im Kopf: die Fotos aus den Geschichtsbüchern, das Livebild vor einem. Ich betrete die unterirische Erinnerungshalle (habe ich 2004 übersehen). Hier werden Namen und Fotos aller Opfer angezeigt; dazu ein 360°-Panorama-Relief von Hiroshima nach dem Bombenabwurf. Die Stimmung ist beklemmend. Raus hier. Ich gehe durch den Peace Memorial Park, vorbei an weiteren Mahnmalen, zum Museum. Dieses mal mache ich die Tour mit Audiokommentar.

Weiter zum Okonomiyaki-Laden von 2004, der aber geschlossen hat. Ich wandere zurück in Richtung Bahnhof. In der Nähe vom Hotel Flex, meinen Basislager 2004, ist ein japanischer Garten. Da muß ich hin. An kochend heißen Tagen wie heute sind die Waldregionen noch attraktiver als sonst. Entspannung pur. Ich laufe um den Teich mit den springenden Karpfen und beobachte die Schildkröten … und die mich. Scary. Zurück am Bahnhof kaufe ich mir einen Trolly für den großen Rucksack. Ich bin es leid, dieses 25kg-XXL-Ding auf dem Rücken zu haben. Dazu der Rucksack und die Shinais.  Die 2500円 lohnen sich schon nach den ersten 100m.

Im Dunklen geht es nach Shin-Oosaka, vorbei an der illuminierten Himeji-Burg, und weiter mit Local nach Oosaka Eki. Um 19:30 Uhr werde ich in den Umeda-Untergrund gespült. Auweia ist das riesig. Ich dachte immer Yeasu in Tokyo ist groß. Ich habe mich geirrt. Mehrere Ebenen, lange Gänge, Kreuzungen, dazu die Gänge und Shoppingbereiche von drei verschiedenen Bahnbetreibern und die Kellergeschosse von diversen Kaufhäusern. Links, rechts, geradeaus. Ich nehme ich die Treppe nach oben und habe keine Ahnung, wo ich bin. Der Bahnhof ist außer Sicht. HEP Five, das Riesenrad auf dem Hausdach, ist meine einzige Orientierung. Aber es fehlt auf meiner Karten. Schluß. Aus. Taxi. Es fährt mich in die Mitte des Amusement Districts von Umeda. Na, da habe ich mir ja ein Hotel ausgesucht. Esl liegt in zweiter Reihe und damit ruhiger als befürchtet.

Jan war schon hier und hat seine Telefonnummer hinterlassen. Auf dem Zettel steht „Mr. Yun“. Aber das paßt schon. Zurück in den Untergrund, Jan suchen. Er will mir einen Oosaka-Crashkurs verpassen. Ein paar Haken und alles was ich weiß ist: Oosaka. Die Reise endet in einem Izakya. Dunkle Hölzer, kleine Tischgruppen. Sie sind wie Cubicles mit Wänden, die vor fremden Blicken schützen. Damit die Bedienung weiß, daß sie erwünscht ist, gibt es eine kleine Klingel. Das können die Japaner: selbst in den öffentlichsten Räumen Privatsphäre schaffen. Die Kellnerin bedient in altem japanischen Stil, auf dem Fußboden kniend. Es gehört dazu. Fast ein wenig peinlich.

Und ich lerne wichtige Sachen über Izakayas.: Edamame: So was wie die japanische Salzstange. Edamame sind gekochte und anschließend gesalzene Sojabohnenschoten.Man ploppt sich die einzelnen Bohnen einfach in den Mund. Daneben gibt es viele weitere Kleinigkeiten. Regel: Man bestellt jede Kleinigkeit nur ein Mal. Ist eines dieser vielen ungeschriebenen Gesetze in Japan. Suminasen ruft die Bedienung, wenn es keine Klingel gibt. Onegaishimasu (wörtlich „eine Bitte machen“) bedeutet hier „Die Rechnung bitte.“ Betsu-Betsu meint, daß man getrennt bezahlt. Allerdings 50-50. Man teilt die Rechnung durch zwei, egal wer was hatte. Nicht wie in Deutschland, wo alles auf den Cent genau auseinandergefusselt wird.

P.S.: Oosaka schreibt man 大阪. Das erste Kanji wird „Oo“ geschreiben. Ich folge dieser (traditionellen) Schreibweise.