Rediscovering Okayama

Die Nacht war kurzweilig. 10 Reisen nach Japan hat es gebraucht, bevor ich mir zum ersten Mal den Magen so richtig verrenkt habe. Die Motte am Fenster hat sicherlich Fragen. Apropos. Die Motte ist riesig, hat weiße Augenbrauen und ist, da bin ich mir sicher, mit Mothra verwandt.

Heute ist auch der letzte Standortwechsel mit Shinkansenfahrt für meinen Bruder. Auch dieses Mal ist ein Stopp auf halber Strecke geplant. Die Idee Okayama und Kurashiki zu besuchen, begrabe ich. Ich weiß, dass es nur mit Stress verbunden ist und ich bin alles, aber nicht fit genug dafür.

Mit den Koffern geht es zur Fähre und rüber zum Festland. Die Fähre, die uns entgegenkommt, ist randvoll mit Touristen. Der Local bringt uns nach Hiroshima und von hier geht es nahtlos mit dem Shinkansen nach Okayama. Soweit hat der Tag funktioniert. Wohl fühle ich mich nicht.

Wir brauchen eine Ewigkeit, bis wir den Lagerort für unsere Koffer finden. Es ist ein Buchladen in einem größeren Kaufhaus. Nachdem die Koffer dann endlich sicher verwahrt sind, machen wir uns auf den Weg zur Okayama Burg.

Es sind nur 1,5 km vom Bahnhof aus. Aber heute fühlt sich die Strecke sehr lang an. Wir halten auf halber Strecke für einen Snack. Ich probiere mich an einem japanischen Eisbecher. Mein Bruder entscheidet sich für Waffeln mit Erdbeeren.

An der Burg angekommen, bin ich platt. Ich kenne das innere Burg. Die Stufen tue ich mir heute nicht an. Mein Bruder erkundet alleine. Ich versuche Kraft für den Rückweg zu finden.

Nördlich der Burg, auf der anderen Flussseite, wartet Koraku-en. Es ist einer der drei berühmten japanischen Gärten. Egal wie ich mich fühle. Der Park ist Pflichtprogramm. Er nutzt die Burg in manchen Szenen als Hintergrundkulisse. Das gibt gerade dem Teich mit dem Berg dahinter das gewisse Etwas. Koraku-en hat natürlich mehr zu bieten, aber nach dem besagten Teich wirkt alles andere etwas langweilig.

Vom Haupteingang des Parks geht es über die Korakuen-dori zurück zum Bahnhof. Das war es im Prinzip. Wenn man überlegt, so viel hat Okayama nicht zu bieten. Aber für Kurashiki ist es jetzt definitiv zu spät. Außerdem ist der Shinkansen, der uns nach Shin-Osaka bringt gebucht. Es ist und bleibt ein entschleunigter Tag. Nicht verkehrt.

Es folgt der längste Einzelabschnitt mit dem Shinkansen. Wir genießen diese letzte Fahrt. Zurück in Shin-Osaka gibt es zwei Optionen, um nach Tennoji zu kommen: Die JR-Loop-Line oder die Midosuji-UBahn-Linie. Es wird die U-Bahn. Es ist mit den Koffern etwas umständlich, aber es geht. Die Hibiya-Line in Tokyo war schlimmer.

Die Korridore in Tennoji spucken uns südlich der Kintestu-Gleise an die Oberfläche. Das ist nicht ganz der Ort, wo ich rauskommen wollte, aber kein Beinbruch. Hier sind ein paar Kneipen, eine gute Option für die kommenden Abende.

Kurz vor dem Hotel ist noch die Hankai-Tram-Line. War die schon immer hier? Egal. Im Hotel ist für mich der Tag zu Ende. Ich bin wirklich nicht fit. Mein Bruder macht noch eine Runde um den Block. Gut. Ich bin zwar gerne ein Reiseführer, aber es soll auch mal alleine um die Häuser ziehen. Sorgen mache ich mir keine. Das ist Japan. Und bei meinem ersten Trip war auch keiner da, der helfen konnte. Ich glaube, nach zwei Woche ist er gut vorbereitet. Hoffentlich wird morgen besser.