Heute geht es nach Tendo. Ein kleiner Ort, der in keinem Reiseführer auftaucht. Warum auch. Sehenswürdigkeiten gibt es keine. Aber: In Tendo werden 90% aller Shogi-Steine Japans hergestellt … und einmal im Jahr findet hier das Ningenshogi statt. Wie der Name sagt wird hier Shogi gespielt und die Spielsteine sind Menschen.

Vor dem Matsuri kommt aber die Anfahrt. Im Prinzip ist es ganz einfach: von Sendai aus geht es an Yamadera vorbei nach Uzen-Chitose und dort umsteigen und weiter nach Tendo. Klingt relativ einfach. Die Fahrt mit dem Lokal nach Uzen-Chitose zieht sich und zieht sich, auch wenn man die Fahrzeit kennt.

Uzen-Chitose als Umsteigebahnhof überrascht mich. Es gibt nur zwei Gleise und einen einzigen Bahnsteig auf dem eine kleine Wartehütte steht. Das wars. Punkt. Wenn ich den Fahrplan richtig lese, sind die beiden Bahngleise Zuglinien und nicht Fahrtrichtungen. Damit kommt mein Anschlusszug auf dem anderen Gleis und fährt dort in entgegengesetzter Fahrtrichtung, da er von Yamagata kommt.

Und dann kommt der Hammer: Eine Japanerin fragt, mit dem Smartphone in der Hand, den Schaffner nach dem Anschlusszug. Oh mann. Ich bin Ausländer, erst 60 Sekunden hier und habe schon die Antwort. Gut. Ohne Smartphone. Das war schon unfair. Die Erkenntnis des Tages lautet: Wenn die Lösung nicht bei Facebook und Co zu finden ist, scheint die Generation Smartphone hilflos zu sein.

Stopp. Ich war 2014 in Yamadera, bin aber zwischen Shoji und Yamagata mit dem Shinkansen gefahren. Dabei muss ich an Tendo und Uzen-Chitose vorbeigekommen sein. Das heißt aber auch … Japp. Das zweite Gleis ist Normalspur während des Gleis aus Sendai Kapspur ist. Das sieht man auch nicht oft. Zwei verschiedene Spurweiten an einem Bahnsteig.

Vom Bahnhof aus gibt es einen Shuttlebus. Zum Glück. Es geht gut bergauf. Die quetschen echt 22 Leute in diesen Bus: 4 nebeneinander; kein Mittelgang. Wow.

Oben angekommen sehe ich Matsuri-Stände, Kirschbäume in voller Blüte (!), bestes Wetter und die große Bühne in Form eines riesigen Shogi-Feldes. Gerade gibt es dort ein Taiko-Aufführung. So gefällt mir das. Wie bei einer Freilichtbühne gibt es auf der einen Seite eine Treppe/Sitzreihe. Der Blick auf die Bühne ist ideal und oben gibt es einen kleinen Park mit Kirschbäumen.

Gegen Mittag marschieren die Kindermannschaften ein. Ich hatte eine andere Vorstellung wie das aussieht: Ich dachte die Spieler treten in Shogisteinkostümen auf. Aber die „Figuren“ marschieren in Samurai-Uniformen ein. Der Spielstein selbst ist eine Holztafel mit Stativ, der neben dem Spieler auf dem Spielfeld steht. Der Kampf wird von der Seite professionell moderiert.

Ich folge dem Spiel und überlege, wie ich ziehen würde. Da keine meiner Überlegungen mit dem tatsächlichen Spielzug übereinstimmen, beschließe ich, mich auf das Fotografieren und das gute WEtter zu konzentrieren.

Es folgt eine Pause, die fürs Mittagessen nutze. Außerdem stöbere ich die Verkaufsstände durch. Die Shogisteinperise reichen von knapp 4.000yen (einfach, aber aus Holz) bis weit über 50.000yen (Edelhölzer, handgefertigt). Es wäre die Chance. Aber ich habe schon zwei Sets. Und ein bischen geizig bin ich dann doch.

Das zweite Match beginnt mit einer Vorgeschichte. Leider auf Japanisch. Aber der Daimyo hat wohl ein Problem, dass er durch den Kampf zweier Samurai klären lassen will. Nach einem kurzen Schwertkampf lassen die beiden Samurai ihre (Shogi)truppen auflaufen und der Shogi-Kampf beginnt. Geführt werden die Truppen von zwei Spielern in erhobenen Podien links und rechts vom Spielfeld.

Auch der zweite Kampf endet irgendwann und alle meine Überlegungen waren wieder falsch. Danach gibt es Zeit für ein paar Erinnerungsfotos.

Zurück zum Banhhof gehe ich zu Fuß. Schließlich geht es bergab und ich will noch ein paar Stopps bei Läden machen, die Shogisteine verkaufen. Aber ein Set, dass mich überzeugt Geld auszugeben, finde ich nicht.

Überall finde ich überall Hinweise auf Shogi. Seien es Schilder in Shogisteinform oder Briefkästen in Shogisteinform. Selbst auf dem Gehweg finden sich Shogibretter und Figuren. Ich erfahre dass das Brett, auf das ich gerade schaue, eine berühmtes Shogi-Problem darstellt. Es sieht so simpel aus (Matt in drei Zügen), aber jeder Zug wird durch einen Gegenzug unbrauchbar gemacht. Das Problem ist echt kniffelig.

Am Bahnhof gibt es auch noch ein kleines Shogimuseum. Leider fehlt mir die englische Version der Texte, so muss ich mich auf das Schauen reduzieren. Der Rücksturz zur Basis erfolgt um 17 Uhr. Damit bleibt genug Zeit für ein elegantes Abendessen im Metropolitain.

Ich ordere ein 4-Gänge-Menü und Rotwein. An die Rechnung denke ich jetzt erst einmal nicht. Der letzte Gang ist wie 2008 Creme Brulee; am Tisch flambiert. … Das ist übrigens auch der Grund, warum ich das Metropolitan gebucht habe. Das und die Knight-Bar, die heute geschlossen (private event) hat.