Rückflug

Heute geht es zurück nach Deutschland. Früh morgens klingelt der Wecker. Für Frühstück ist keine Zeit, da ich bis zum letzte Moment meine beiden Koffer „optimiere“.

Dann folgt die Routine Taxi zum Banhhof, Zug zum Flughafen, Fußmarsch zum Checkin-Schalter. Ich habe das online-Checkin vergessen. Das rächt sich jetzt und raubt mir die erste Hälfte meiner Nerven.  Ich stehe über eine Stunde in der Warteschlange. Weitere 45 Minuten verliere ich in der Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle. Das wäre dann die zweite Hälfte meiner Nerven. Von meinem Plan, in der Lounge vorbeizuschauen, ist nichts mehr übrig. Ich bin froh, dass ich es zum Boarding geschafft habe.

War Narita immer so? Oder ist das hier auch eine Auswirkung der beginnenden Golden Week? Wenn ich überlege, war mein letzter Rückflug über Narita in 2013.

Der Rückflug ist unspektakulär. Ich treffe die Stewardess vom Hinflug (nach Nagoya). Das nenne ich mal Zufall. Davon abgesehen ist der Service nicht so gut wie beim Hinflug. Für jedes Glas Wasser muss man die Ruftaste bedienen. Auf dem Hinflug, kam jemand etwa alle 30 Minuten den Gang entlang. Auch ja, die Hälfte der Toiletten ist ausgefallen, was lange Warteschlangen zur Folge hat.

Die nächste Geduldsprobe wartet in Helsinki. Sicherheitskontrolle direkt nach dem Flugzeug. Wäre ja nicht so, als wären wir direkt vor dem Einsteigen kontrolliert worden. Aber hey. Vielleicht hat ja doch jemand an Bord des Flugzeuges eine Bombe per Luftpost geliefert bekommen. Das ist keine Sicherheit. Das ist pure Paranoia. Und … wieder ist eine Stund weg. Ich glaube ich favorisiere nächstes mal wieder Direktflüge.

Dieses Mal habe ich Restzeit für einen Besuch der Lounge, die im Schengenraum ist. NOCH EINE KONTROLLE. Diese Mal wird nur der Reisepass geprüft. Dennoch: Die Technik kriegt es nicht hin und die Mutanten, die keine Ahnung haben, wie man den Pass auf das Lesegerät legt, machen es nicht besser.

Die Lounge schrieb etwas von Dresscode, aber der ist wohl von der Agenda. Drinnen sitzen etliche Menschen im Balkansmoking. Die Zielgruppe passt, zumindest der Sprache nach. Klischee bestätigt.

Und mein Hass auf „Handy“nutzer wächst wieder. In Japan tippen alle auf dem Ding rum. 24/7. Aber sie gehen einem wenigsten nicht auf den Keks (außer sie wandeln vor einem herum ohne Ausweichmöglichkeit). Hier (in Europa) meint jeder, all mit seinem Telefonat nerven zu dürfen. Das Telefon liegt auf dem Tisch, Lautsprecher an und der Nutzer brüllt gefühlt den halben Laden zusammen. Ich habe ein neues Feindbild. Falls sich jemand gefragt hat, wie ich die Zuordnung der Balkansmokig zu „Balkanesen“ gemacht habe: Es gibt ein sehr sehr große Schnittmenge mit den erwähnten Handyusern.

Der Flug nach Düsseldorf bringt auch keine neuen Erkenntnisse. Wir fliegen knapp an Lübeck vorbei, aber leider ist es bewölkt. Es klart erst Höhe Onsabrück auf.

In D’dorf bewege ich mich zu Gepäckband 11, in der Hoffnung, dass Alles den Flug überlebt hat. Gleich neben dem Gepäckband ist der rote Zollausgang. Ich sag den beiden Beamten schon mal, dass sie ihren Bleitstift anspitzen sollen.

Der Karton kommt aus den Tiefen der Förderbänder. Keine Wasserflecken. Entweder hat das saugfähige Polstermaterial funktioniert oder alles ist heil: 6 Flaschen Whisky, 2 Flaschen Sake, 1 Flasche Shochu; Warenwert unter 700€. Es wird pauschal pro Liter abgerechnet. Noch bevor ich den Karton öffne, um die Flaschen zu zeigen, kommt schon die Quittung über 38 Euro etwa. Das ist alles. Wer ist eigentlich so blöd und schmuggelt Alkohol durch den Flughafenausgang?

Ich für meinen Teil kann nicht klagen. Mit gröblich 5€ Aufpreis pro Flasche hätte es sich sogar gelohnt Ballentines in Japan zu kaufen !! Mein 1300yen-Kakubin hat jetzt ungefähr 16€ gekostet. In Deutschland ist der Preis bei 40-50€. Oder: bei 20 Flaschen hat man den Flug gratis … und wäre immer noch unter 700€ Warenwert. Es ist dann aber sicherlich schwer, den privaten Eigenbedarf ohne das Zeigen der aktuellen Leberwerte zu begründen.

Da meine Nerven immer noch an verschiedenen Checkin-Schaltern und Kontrollen verteilt zur Abholung liegt, mache ich einen großen Bogen um die Deutsche Bahn. Zwei schwere Koffer … Nein. Ich miete mir einen Wagen bei Sixt. Es ist ein Fiat 500 (oder sowas); nicht groß und ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass es ein Schaltgetreibe ist.

Das Wetter: Regen. Die Autobahn: gut besucht und teilweise Stau. Ich genieße es! Ich musste keine Koffer zum Bahnsteig tragen und durch den Zug wuchten. Kein Zeitrennen zum Anschlusszug. Ich habe Zeit und immer noch Urlaub. Zuhause kann ich die Sachen direkt in meine Wohnung ausladen.

Morgen ist in Deutschland ein Feiertag. Ich kann also gemütlich ausschlafen und auspacken … und sollte heute noch einkaufen. Daran habe ich bis eben gar nicht gedacht. Der Kühlschrank ist ja leer.

Outside Narita

Shopping war gestern und Rückflug ist morgen. Für heute steht Entspannung auf dem Plan; sowie die Reste von der Narita-Liste 2013.

Nach einem entspannten Frühstück geht es zum JR-Bahnnhof und von hier in Richtung Katori. Ziel ist Sawara. Wenn ich überlege was für eine gefühlte Weltreise es 2006 von Tokyo nach Katori und weiter nach Kashima war. Und jetzt ist Katori nur eine Station hinter Sawara. Für gehört diese Erkenntnis in die Gruppe „Ach, hier kommt man raus, wenn man links abbiegt“.

Zurück zu Sawara: Hier soll es einen Kanal mit alten japanischen Häusern geben. Den Tip habe ich von NHK Journey in Japan und ich glaube, das kann ein sauber Abschluss für diesen Japanurlaub werden. [Nachtrag: Im Juli 2018 lief auf ein Beitrag zu Sawara im Rahmen der Reihe Tokyo Eye 2020.]

Gleich in der Nähe des Bahnhofes finde ich einen Sakaya (Schnapsladen). Eine letzte Chance für Yamazaki. Aber auch hier habe ich keine Chance. Aber ich reserviere die vorletzte Flasche Hakashu, die ich auf dem Rückweg abholen werde.

Auf meiner Karte gibt es zwei Kanäle; einen im Norden und einem im Osten. Man kann auch eine 50%-Chance verhauen. War ein netter wenn auch extrem unspektakulärer Sparziergang. Und ich erreiche den Kanal mit den alten Häusern vom Norden und nicht mittig wie beim direkten Weg vom Bahnhof. Beim direkten Weg wäre der Kontrast zum restlichen Sawara sicherlich abrupt gewesen. So baut sich die Szene nach und nach auf: Kanal … Bäume … das erste Haus … Kurve … weitere Häuser … ich steh mittendrin. Der ganze Abschnitt ist nicht mal 500m lang, aber das reicht. Ich hätte schon früher hier vorbeikommen sollen.

Ich laufe die Straße einmal entlang. Hinter der Brücke mit dem eingebauten Wasserfall kommt eigentlich nichts mehr. Der Kanal geht noch ein Stück weiter, ist aber nicht mehr so gut ausgebaut. Wieso kommt da eigentlich Wasser aus der Brücke?

Mit dem Zug geht es zurück nach Narita. Spanned ist die Fahrt nicht. Zurück in Narita verstaue ich den Hakushu im Schließfach. Ich habe eine Stunde Wartezeit bis zum nächsten stündlichen fahrenden Bus (super Timing, ich scheine ein Talent für sowas zu haben) nach Boso-no-Mura. Das reicht für einen kurzen Rundgang durch die Shoppingstraße von Narita, einen Stop in der Sakebrauerei und Mittagessen (die lokale Spezialität ist Unagi; Aal).

Der Bus fährt nicht direket zu Bosa-no-Mura. Ich muss zwei Ampeln zu Fuß gehen, aber so weit ist es nun auch nicht. [Nachtrag: Ich steige am Anfang eines Neubaugebietes aus, dass man auf googlemaps sofort findet, selbst wenn man es nicht direkt gesucht hat. Scrollt einfach nördlich von Nartia entlang der Nationalstraße 18].

Bosa-no-Mura ist ein Freilichtmuseum mit Bespaßungsprogramm. Leider ist fast alles ausschließlich in Japanisch. Trotzdem, die nachgebaute Post Town ist alleine schon einen Besuch wert. Sie wirkt wie aus einem Samuraifilm. Um das Dorf herum sind mehrere weitere Farmhäuser verteilt. Und ich lerne endlich, wie man diese Kampfkreisel (Beigoma) vorbereitet und bedient. Einfach ist es nicht.

Im öffentlichen Park nebenan gibt es einen Stapel alter Grabhügel (Kofun). Das einzige Problem ist, dass man die meisten Hügel nicht einmal sieht, wenn das grüne Schild mit dem Hinweis daneben steht. Ich verbuche das unter Sonntagsspaziergang und nehme den 17-Uhr-Bus zurück nach Narita.

Das restliche Sonnenlicht nutze ich, um von der Pagode von Naritasan Fotos zu machen. Es sind dann auch die letzten Fotos meiner Kamera. Auf dem Weg zurück zum Hotel rutscht mir die Kamera aus der Hand. Totalschaden. Kein Witz. Meine Pentax K-7 ist hin. Das Objektivbajonett ist aus dem Gehäuse bebrochen, der Blitzschutz ist hin und die Aufhängung des CCD-Chip hat es auch erwischt. „Zum Glück am Ende des letzten Tages“ könnte man einwenden, aber das war unnötig. Zumal das Objektiv, diese Billigscherbe von Tamron das Ganze unbeschadet überlebt hat. Da ist nur ein kleiner Kratzer an der Gegenlichtblende. Das wäre dann die fotometrische Ableitung Murphys Law #30: „Teure ICs sind durch billige Sicherungen geschützt, um im Ernstfall die Sicherung zu schützen.“

Die Jet-Lag-Bar ist in Sichtweite. Ich brauche einen kräftigen Drink. In der Bar treffe den Chef und seinen Hund, die gerade auf dem Weg nach Hause sind. Barkeeper für den Abend ist daher ein Ex-Marine. Mein Frust hält genau drei Drinks, die man als „US-Marines-approved“ bezeichnen kann. Dann ist Schluss. Ich bin gefrustet, nicht blöd. Ich muss morgen früh raus und einen Flug kriegen. Einen Hangover kann ich nicht gebrauchen und mit den ganzen Whisky-Tastings war dieser Urlaub schon alkohollastig genug.

Im Hotel gibt es zum Abendessen nochmal ein schönes japanisches Steak. Dann falle ich ins Bett.


Fazit: Wer Narita schon kennt, sollte Sawara einen Besuch abstatten. Es liegt zwar nicht an der Bahnstrecke zum Flughafen, aber ist einen Abstecher wert. Für den Kanal braucht man gemütliche 2-3 Stunden. Hinzu kommt die Zeit für die Bahnfahrt und das warten auf den Zug. 4 Stunden sollten allemal reichen.

Tokyo Shopping

Der heutige Tag in Tokyo dient nur einem Zweck: Souvenir-Shopping. Das war von Anfang an so geplant, da ich die 23 Extrakilo bzw. einen zweiten Koffer nicht quer durch Japan schleppen wollte.

Das Frühstück lasse ich aus … zumal ich es nicht gebucht habe. Ich deponiere die Koffer nach dem Check-out an der Rezeption und los geht es. Der erste Stopp ist Asakusa. Mit Marugoto Nippon hat mal Dinge aus ganz Japan auf mehreren Etagen.

Mein erstes ernsthafte Ziel ist aber die Kappabashi. Wer die nicht kennt: Es ist DIE Einkaufsstraße für Restaurant- und Kneipenausrüstung. Hier kriegt man alles. Es gibt einen eigenen Shop für diese kleinen Bestellzettel und Mäppchen für die Rechnung; einen eigenen Laden für Speisekarten und Zubehör, … Auf meiner Agende stehen diverse Küchenutensilien, eine zweite Fahne, ein zweite Izakaya-Laterne, Gewürze und ein Noren.

Ich kaufe noch nichts. Das mache ich heute Spätnachmittag auf dem Weg zurück zum Hotel. Aber ich weiß, dass ich alles hier kriege. Haken dran. Ich finde auch einen Laden für Verpackungen. Das löst dann auch mein: „Wo bekomme ich den zweiten Koffer her?“

Stopp Nummer zwei ist der Sakaya in Yushima nahe der U-Bahnstation. Ich laufe den Weg, weil ich die Strecke falsch einschätze. Aber so schlimm ist es auch nicht. Zum einen finde ich auf dem Weg einen Yakutori-Stand, an dem ich mein Mittagessen kaufen. Zum andere lerne ich eine Seite von Ueno kennen, die ich 14 Jahre lang übersehen habe: Die Ostseite des Bahnhofs Ueno. Hier gibt es sogar einen Eingang. Das wusste ich gar nicht.

Kurz vor dem Banhhof find ich noch einen Bahnübergang, der hier eigentlich nicht sein sollte. Es scheint einer der Betriebshöfe für die U-Bahn zu sein.

Und was den Whisky angeht: Keine Chance. Ich erfahre, dass Suntory-Whisky in ganz Tokyo ausverkauft ist; Yamazaki und Hakushu. Wow. Das hätte ich nicht erwartet. Gut, ich merke mir für später eine Flasche Sake und eine Flasche Shochu vor. Sieht so aus, als hätte ich noch Platz auf dem Rückweg.

Jetzt wird es Zeit für etwas Sightseeing bzw. Matsuri. Theoretisch sollte am Nezu Jinja das Azaleen-Festival (vgl. 2008) laufen. Ich habe recht. ich bin allerdings kurz verwirrt, da ich eine Straße entlang gegangen bin, die ich nicht kannte und ich bin trotzdem beim Schrein angekommen. Das scheint der Tag der neuen Wege in altbekannten Gegenden zu sein.

Nach etwas Matsurifutter (Takoyaki) und Sake verlege ich nach Omotesando in der Hoffnung auf einen günstigen Kimono oder eine Yukata. Es endet wie mit dem Whisky. Auch ein kurzer Abstecher nach Shinkjuku Station endet nichts an dieser Sache. An beiden Sachen.

Es ist bereits 15:30 Uhr. Ich überlege kurz, ob ich kurz nach Nakano durchstarte, um eine Japan-Rail-Taschenuhr zu kaufen. Aber das wäre wieder ein Fall von „die Entfernungen und Reisezeiten und Tokyo unterschätzen“. Nein. Jetzt werden die Souvenirs eingesammelt.

Mit einem großem Pappkarton unter dem Arm verlasse ich Kappabashi. Schon etwas merkwürdig. In Yushima erstehe ich die beiden reservierten Flaschen. Es ist obrigens der Shochu, den auch der Premierminister trinkt. Rein in den Pappkarton und zurück zum Hotel. Nach 500m fällt mir ein, dass ich die Quittung für den Zoll brauche. Also zurück und alles noch mal. Ne. Ich nehme ein Taxi. Was auch eine gute Idee ist, da ich keine Ahnung habe, an welcher U-Bahn-Station ich raus muss und wie ich von dort zum Hotel komme.

Ich versuche es noch mal mit der Hotelbar. Es klappt. Ich habe einen Platz am Fenster und die Dämmerung ist noch im Gang. Die Kamera macht ein Foto nach dem anderen. Ich ärger mich, dass der Polfilter im Koffer ist. Ich versuche alles, um die Reflexe im Fenster zu unterdrücken. Die Fotos zeigen, dass mir das eigentlich ganz gut gelungen ist. Ich nutze die Chance auch für ein Steak als Abendessen. Hey. Der Blick (siehe Foto) verlangt nach gutem und teurem (angemessenem) Essen.

Der Tag endet mit einer Zugfahrt nach Narita und Check-in im Narita Richmond. Zunächst ist es wieder das berühmte Taxi zum Bahnhof. Jetzt mit zwei „Koffern“ á 23kg ist das wirklich eine gute Idee. Ich nehme wieder Keisei und nicht JR. Tradition ist Tradition. Ich nehme auch nicht den Sky Express sondern den normaled Ltd. Express. Ich schlafe kurz ein aber wache wie Japaner kurz vor meinem Bahnhof auf.

Das Richmond Hotel konne ich schon. Es ist vertraute Umgebung. Schnell ist das Gepäck im Zimmer geparkt. Ich könnte jetzt einen Abstecher in das Nachtleben von Narita machen. Aber irgendwie ist für heute die Luft raus. Und so wird es nur ein kurzer Stop in der Hotelbar.

Miyagikyo Distillery

Heute ist der letzte Tag mit JRP, also geht es zurück nach Tokyo; mit Stopp in Sendai. Ursprünglich war ein Abstecher nach Minamisoma geplant, aber ich verwerfe den Plan und entscheide mich für einen Stop bei der Nikka-Destillerie in Miyagikyo.

Die Destillerie ist am Arsch der Welt. Die Fahrt mit dem Bus (inkl. Fußmarsch) dauert etwa eine Stunde. Der Bus fährt nur stündlich und ist gerade weg. Ich nutze die 50 Minuten um die Whiskypreise im Aeno Deparmtent Store zu prüfen. Crazy. Ballentines gibt es für 800yen. Das sind knapp 6€. Vom Rest habe ich ein Foto gemacht.

Die Busfahrt ist wenig spektakulär. Der erste Blick auf die Destillerie auch nicht. Es ist eine etwas in die Jahre gekommene Industrieanlage. Die Standardführung ist gratis und beginnt gerade. Sie beginnt mit einem Werbevideo. Dann gibt es einen kleinen Rundgang durch einen Teil der Anlage. Man sieht im Prinzip jede Phase der Herstellung. Allerdings ist vieles hinter Glas. Einzig den Brennblasen kommt man nahe und man kann Fotos machen.

Leider zeigen sie nicht die Coffey Still in welcher der Coffey Grain und der Coffey Malt gebrannt werden. Im Video zeigen sie kurz ein Foto und die Still sieht aus wie etwas von BASF. Dennoch. Die Coffey-Whisky sind ein Markenzeichen für Nikka und ich hätte sie gerne gesehen.

Beim Tasting habe ich (wie bei Yamazaki) die Möglichkeit, Sorten zu probieren, die zu teuer sind, um eine ganze Flasche zu kaufen, oder die man in Deutschland (oder in Japan außerhalb der Destillerie) schwer bis gar nicht bekommt.

Beim Tasting treffe ich auf einen Whisky-Fan aus Hong Kong. Er ist einzig für Whisky-Tastings nach Japan geflogen. Wow. Am Nachbartisch stehen noch zwei Japanerinnen. Wir alle bleiben bis zum Schluss. Oh ja. Es ist schon 16 Uhr. Wir entscheiden uns gegen die Bus zurück, der gerade weg ist, und ordern ein Taxi zum Bahnhof. Am Bahnhof kommt der nächste Zug erst in 30 Minuten. OK. Es sollte dennoch schneller sein, als der Bus. Der Zug wird auf dem Weg nach Sendai Eki immer voller. Japp. Zeittechnisch sind wir in der Rush Hour angekommen. Wir haben Sitzplätze. Alles ist ok.

Ich habe in der Destillerie zwei Falschen gekauft, die man nur  dort bekommt. Die normalen Whisky sind (dank der Preisprüfung von heute morgen) im Aeon günstiger. Jetzt fehlen nur noch Yamazaki und Hakushu. Die sind schon seit Tagen nirgends zu finden. Von den 12 Jahre alten Versionen ganz zuschweigen.

Ich bin weit hinter meinen Zeitplan, aber egal. Mehr stand für heute nicht auf dem Plan und wann ich in Tokyo angekomme ist im Prinzip egal, solange es heute ist.

Dank der Sitzplatzreservierung (allerdings erst ab halber Strecke) geht es konfortabel zurück nach Tokyo. Wow. Der Zug ist überfüllt. Wirklich überfüllt. Die Golden Week beginnt. Ich habe schon viel davon gehört und gelesen: Während der Golden Week ist ganz Japan unterwegs. Es ist wie Thanksgiving in den USA. Züge, Flüge, Hotels; alles ist ausgebucht. Ich kann an dieser Stelle nur warnen: Wer kann, der sollte die Golden Week meiden oder (oder kostenpflichtig einen Zug buchen, für den der JRP nicht zugelassen ist).

In Ueno angekommen schnappe ich mir ein Taxi, das mich zum Asakusa View Hotel bringt. Die Straße vor dem Hotel ist bunt und laut. Das ist Tokyo. Und die gegend scheint zudem ein Kneipenviertel zu sein.

Der Check-in verläuf reibungslos. Problem ist das Hotelzimmer. Ich weiß nicht was passiert ist, aber es richt, als sei hier gerade ein Papierkorb abgebrannt. Es ist das erste Mal, dass ich mich an der Rezeption über etwas beschwere. Die Rezeptionistin begleitet mich und bemerkt schon auf dem Weg zur Tür, dass meine Beschwerde gerechtfertigt ist. Ich bekomme umgehend ein neues Zimmer. Pluspunkt für den guten Service, aber zwei Minuspunkte für die Tatsache, dass dieses Zimmer überhaupt zur Nutzung hätte freigegeben werden dürfen.

Wie dicht das Hotel am Asakusa Tempel liegt sehe ich erst beim Blick aus dem Hotelzimmerfenster. Apropos, Was für ein Ausblick: Der Tempel und dahinter der Sky Tree. WOW. Der Blick auf den Sky Tree (Zimmer mit diesem Blick kosten Extra) ist der Hammer.

Die Bar im obersten Stock hat einen noch besseren Blick, ist aber ausgebucht. Sie hat nur knapp 25 Sitzplätze. Das ist etwas zu klein für ein Hotel dieser Größe. Damit ist mein Plan für den Rest des Abends ins Wasser gefallen. Also mache ich Streifzug durch die Straßen am Hotel. Ich bin spät zurück im Hotel und stelle fest: Um Mitternacht machen die das Licht am Skytree aus. Und ich habe keine Fotos gemacht. Super. Jetzt habe ich das Zimmer extra gebucht und nun das. Arghh. Ich gehe ins Bett, bevor noch mehr schief geht.

Abstecher nach Hokkaido

Heute ist der Tohoku-Backuptag. Ich hatte ihn vorgesehen, falls in den letzten Tag etwas nicht geklappt hätte. Ich überlage daher, ob ich noch einmal nach Hirosaki fahre. Andererseits würde nur noch mehr Fotos von den gleichen Motiven machen, aber nicht unbedingt bessere. Auch weiß ich nicht, wie viel der Blüte beim Regen vorgestern und gestern verloren gegangen ist.

Nee, ich glaube ich werde erst einmal in aller Ruhe frühstücken und dann ein wenig durch Morioka laufen. Ich habe Morika schon 2008 gründlich erkundet, vo daher erwarte ich Nichts. Aber die Hoffnung den alten Stone-Splitting-Cherrytree in Blüte zu sehen reizt.

Zuerst geht es zur Burgruine. Die Kirschblüte ist über das Maximum hinweg und etwa 90% der Blütenblätter liegen (wegen des Regens) auf dem Boden. Auch das ist ein Blick, den man mal gesehen haben muss. Es ist ein wenig wie eine, rosafarbene Schneeschicht.

Von hier aus geht es zum gespaltenen Stein. Ich weiß nicht, warum ich auf die Idee komme, dass ich rechts abbiegen muss … Also laufe ich mehr oder weniger in eine großen Kreis, finde den Baum aber. Leider ist kein Blütenblatt mehr zu sehen. Es scheint eine andere Kirschart zu sein als im Burgpark.

Dann weiter zum Demon Handprint. Den Weg lege ich zu 50% aus dem Gedächtnis zurück und zu 50% nach meinem virtuellen Rundgang in google-maps.  Auch diesem Mal habe ich keine Idee wo der Handabdruck sein soll.

Gleich um die Ecke sind die 500 Buddha-Statuen. Und ich glaube sie sind eigentliche der Grund, warum ich noch einmal durch Morioka laufen wollte. Der Ort ist in den meinsten Reiseführern nicht erwähnt. Und eigentlich ist er auch keine 5-Sterne. Aber der Ort hat es mir angetan.

Vom Priester am Eingang erfahre ich: Es gibt einen Grund, warum so viele Tempel im Norden von Morioka sind. Morioka ist im Süden, Westen und Osten durch die Geografie geschützt. Der Norden war eine offene Flanke. Mit den Tempeln wurden Friedhöfe angelegt. Diese wirken wie eine Sperrriegel, da es kein  Kriegen wagte über die Gräber zu reiten; Aberglaube.

Im Norden gibt es noch einen Park, der für seine Kirschbäume auf japan-guide genannt wird. Ich bin eh schon im Norden von Morioka; warum nicht. Ich hatte mir zum Glück die Strecke ausgedruckt, denn kurze Zeit bin ich mir nicht sicher, ob ich Richtung bin. Morioka ist hier zu Ende. Ich stehe im Wald (wörtlich) und will fast schon umdrehen. Ich bin mir sicher, eine Abzweigung verpasst zu haben. Aber ich gebe der nächsten Kurve eine letzte Chance. Japp. Ich sehe den See und ich sehe Kirschblüte. Der Tag ist gerettet. Der Weg hat sich gelohnt.

Hier gibt es auch ein paar Buden an denen ich etwas Essen kann. Auf dem Weg zum Park habe ich  vor etwa 2.5km eine Bahnstation passiert. Dort lese ich aber, dass nur fünf Züge am Tag fahren. Ich muss also den ganzen Weg laufen. In einem Drug Store kaufe ich eine Flasche Fuji-50°-Whisky für knapp 1700 yen (14€). Und ich stoppe für Ramen.

Zurück am Bahnhof ist es erst 14 Uhr. Dämmerungsaufnahmen Hirosaki oder Kakunodate wären theoretisch möglich. Und bei dem heutigen, sonnigen Wetter wären es sicherlich gute Fotos … Nein.

Mit dem neuen Shinkansen sind es nur 2 Stunden nach Hakodate. Warum nicht einen spontanen Abstecher nach Hokkaido? Die Kirschblüte beginnt dort gerade erst. Damit hatte ich eine Fotosammlung von „Vorbei“ über „Maximium“ bis zu „Es beginnt“. Oder kurz: Ich werde die Kirschblüte überholen.

Wieder geht es vorbei an Shin-Aomori.; Blick auf den Bahnsteig. Damit bin ich von diesem Bahnhof aus in alle vier möglichen Richtungen abgefahren. Der Shinkansen fährt nicht bis Hakodate. Man muss fünf Stationen mit einem Local fahren. Aber typisch japanisch ist der Zügtakt des Local auf den Shinkansen abgestimmt. Der Zug zum vorletzten Shinkansen fährt gegen 21 Uhr. Das ist mein Zeitlimit.

Ich weiß aber nicht, warum ich glaube, dass man zur Festung laufen kann. Nach 3km gebe ich auf und nehme die Straßenbahn. Die Kirschbüte beginnt wirklich gerade erst. Die allerersten Knospen öffnen sich gerade. Bei den Fotos kämpfe ich allerdings schon gegen die Dämmerung.

Zack und es ist dunkel. Noch so eine Idee: Taxi zum Hafen und Shopping. Shiro Kohibito. Whisky. Craft Beer für den Rückweg und natürlich eine Sapporo Classic, das es nur auf Hakodate gibt. Wenn ich nicht so gegen die Zeit arbeiten würde könnte ich jetzt fast noch einen Abstecher in die Bar des LaVista machen.

Der Weg zurück ist entspannt. Ich kann nicht glauben, dass ich zum dritten Mal durch den Sekan-Tunnel fahre. Man wie hat der Shinkansen das Reisen nach Hokkaido verändert. 2010 war es noch eine halbe Weltreise.