Kakunodate

Heute denke ich an das Frühstücksticket. Es ist das gleiche Set wie gestern: Rührei und Speck, etwas Salat, Toast mit Butter und dazu ein Kaffee. Und ja, als Frühstück reicht das allemal. Und ja, ich sage es: mir ist dieses Frühstück lieber als ein Buffet. Das einzige was aus meiner Sicht fehlt, ist Konfitüre für das Toast.

Heute geht es nach Kakunodate; eine Wiederholung von 2008, nur mit Kirschblüte. Mit dem Hotel nahe am Bahnhof ist es dieses Mal einfacher. Heute kann ich auch einen Sitzplatz reservieren. Kakunodate scheint weniger Leute anzuziehen als Hirosaki. Es ist der gleiche Bahnsteig und Zug wie gestern, nur der andere Zugabschnitt. (Zur Info: Die Züge nach Aomori und nach Akita kommen gemeinsam in Morioka und teilen sich hier. Der Zug nach Akita ist schmaler, da die Bahnsteige dorthin noch auf Kapspurbreite sind. Sieht schon komisch aus, wenn die beiden Zugqabschnitte noch gekoppelt sind. (In meinem Blog über den Shinkansen führe ich das genauer aus …)

In Kakunodate angekommen regnet es leicht; auf der Strecke hierher habe ich sogar noch Schnee an einigen Stellen gesehen. Ich habe einfach kein Glück: Entweder Kirschblüte oder schönes Wetter. Egal.  Am Bahnhof gibt es wie in Hirsoaki eine provisorische Gepäcklagerung.

Der Ort hat sich nicht verändert. Die Straße mit den alten Samuraihäusern und den hohen Holzzäunen ist genauso, wie ich es in Erinnerung habe. Viele Kirschbäume stehen hier nicht. Am Anfang des Samuraiviertels ist ein 7eleven. Hier steht ein kleiner Stand mit Oden. Zeit für ein zweites Frühstück (und den ersten Dashiwari). Da gerade eine Regenwolke passiert, bleibe ich für einen Nachschlag sitzen. Mit hetzt heute keiner-

Nach dem Regenguss geht es durch Straße der Samuraihäuser. Auf einen Besuch der Häuser verzichte ich. Ich habe sie schon 2008 gesehen und irgendwie keine Lust alle paar Meter die Schuhe auszuziehen. Das Museum kenne ich auch schon, also gehe ich weiter zum Fluss. Hier stehen hunderte Kirschbäume. Ein wirklich gutes Motiv finde ich nicht. Aber vielleicht bin ich nach Kitakami und Kakunodate auch etwas zu wählerisch.

Ich laufe am Fluß entlang bis zur mittleren Brücke. Hier wechsel ich auf die andere Uferseite, um von dort weitere Fotos zu machen. Hm, auf dieser Seit von Kaknodatewar ich noch nicht. Warum auch? Hier gibt es nur völlig  normale Wohnhäuser. Heute ist erwas anders.

Ich treffe auf eine Gruppe Japaner, die es sich unter einem Pavillionzelt bequem gemacht haben. Ich sehe eine Zapfanlage mit angschlossenem Asahi-Bierfass.  Ich sehe auch einen großen Kochtopf mit Wasser auf einem Gasbrenner. Ich erfahre, dass es hier gleich frisch gemachte  Sobanudeln gibt. Und irgendwie bin ich auch schon eingeladen. Ich habe ein Glas frisch gezapftes Asahi in der Hand.

Ich bleibe etwas und schaue dem Soba-Meister bei der Arbeit zu.Dies ist einer dieser Momente, die man weder planen kann noch in einem Reiseführer erwähnt werden. Der einzige Vorteil einer Japanreise ohne Begleitung.

Das Sobamehl ist hell. Viel heller als ich es kenne. Ich erfahre, dass dies der Fall ist, wenn das Mehl außerordentlich frisch ist. Oder anders gesagt: Die Sobanudeln aus dem Asialaden nutzen also altes Mehl. Das hier hingegen ist der „real deal“. Ich erfahre auch, dass das Mehl aus Australien kommt: Australien liegt auf der Südhalbkugel, daher kann man dort Sobamehl im April ernten/herstellen.

Es ist eine gemütliche Runde und ich könnte den Rest des Tages hier bleiben. Aber es gibt noch Fotos zu schießen. Und so verabschiede ich mich und setze meine Tour fort; zum Lagerhaus des Sojaherstellers.Das ist immer einen Stop wert.

Gegen 16 Uhr geht es zurück zum Bahnhof, wo ich das Stativ zwischengeparkt habe. Zurück zu den Samuraihäusern kann ich mir einen weiteren Stop beim Oden-Stand nicht verkneifen. Das Gespräch kommt auf das Thema Musik. Babymetal haben die wohl erwartet. Bridear und Band-Maid weniger.

Mit Einsetzen der Dämmerung starte ich die finale Fotorunde.Es regnet etwas, aber weniger als gestern. Die Kamera müsste wassertechnisch durchhalten.

Ein paar gute Aufnahmen scheinen mir gelungen zu sein, glaube ich. Allerdings rauben mir diese Mobiltelefonfotografen und Selfiejunkies den letzten Nerv. Ich stehe wie andere Fotografen mit Stativ in Position. Die Belichtung (teilweise 30 Sekunden) läuft und diese #*@& stellen sich direkt vor die Kamera. Die 4 Bilder unten sind so die einzig brauchbaren aus einem Satz von knapp 100.

Die Akkuladung der Kamera ist am Ende. Ein guter Zeitpunkt den Tag zu beenden. Zumal auch gleich der Zug fährt. Damit habe ich drei wichtigen Kirschblütenorte von Tohoku gesehen; und das während des Maximums. Bleibt die Frage, was ich morgen mache. Eine zweite Runde Kakunodate oder Hirosaki? Oder was komplett anderes? Das werde ich morgen beim Frühstück entscheiden.

Hirosaki

Für heute steht Hirosaki auf dem Plan. Mit einem kleinen Stopp in Aomori, damit auch der Ort „abgehankt“ werden kann. Der Shinkansen dorthin hat ein Problem: rerserved seat only und keiner dieser Sitze ist mehr verfügbar. Ich werde wohl zwei Stunden im Gang stehen.  Man ist der Zug überfüllt. Das habe ich in der Form noch nie erlaubt. Das sind Ausmaße, die ich bisher nur von der DB kannte, wenn die zwei Züge vorher ausgefallen sind. Kirschblüte. Ich hätte damit rechnen müssen.

In Shin-Aomori steigt der halbe Zug um; vermutlich nach Hirosaki. Ich bin wohl der einzige, der nach Aomori fährt. Fast direkt am Bahnhof von Aomori liegt das Fährschiff Hakkoda-Maru, das jetzt ein Museum ist. Es war vor dem Sekan-Tunnel der einzige Weg nach Hokkaido. … Hm, es gibt keinen Wikipedia-Eintrag. Das muss ich wohl demnächst ändern.

Der Rest von Aomori ist schnell erzählt: Den Park im Osten mit den Kirschbäumen schaffe ich zeitlich nicht. Der Fischmarkt ist … meh. Es ist ein Fischmarkt im Keller. Einzige Erkenntnis: Es gibt hier Schließfächer für Fisch; Kühlschließfächer. Wow.

Es fängt an zu regnen. Daran ändert auch die Fahrt nach Hirosaki nichts. Am Bahnhof sind alle Schließfächer belegt, aber dafür gibt es ein großes Zelt auf dem Vorplatz. Hier kann ich mein Stativ (der man ist sichtlich verwundert, dass es kein Koffer ist) bis 17 Uhr abgeben. Mit dem Taxi geht es dann zum Nordostende der Burg.

Wow. Die Kirschblüte ist auf dem Maximum. Was für ein Anblick, trotz des Regens. Als erstes erkunde ich die Samurai-Häuser nördlich der Burg, dann geht es auf das Burgelände. Das Neputa Mura (Museum zum berühmten Neputa Matsuri) lasse ich aus. Die Vorführungen habe ich quasi gegen den Stop in Aomori eingetauscht.

Ich verstehe, warum das einer DER Kirschblütenorte in Tohoku ist. Jede Kurve ein neues Motiv. Dazu kommen Matsuri-Futterstände. Da stört auch der Regen nicht mehr. Oden … Sake … Dashiwari … Hanami.

Der Turm der Burg steht derzeit in der Mitte, da die Burgmauer renoviert wird. Die haben echt den ganzen 3-stöckigen Turm verschoben. Das aus den Reiseführern bekannte Fotomotiv (Turm, mit roter Brücke und Kirschblüte) wird erst 2023 wieder zu sehen sein.

Um 16 Uhr begebe ich mich auf den Rückweg zum Bahnhof, das Stativ für die Abendaufnahmen abholen. Ich bin mir sicher, dass ich noch nicht jeden Winkel des Burggelände gesehen habe. Der Fußmarsch ist länger und langweiliger als ich erwartet habe. Ich finde einen Irish Pub. Warum nicht? Ein frisch gezapftes Guinness. Bis zum Banhhof ist es noch etwas.

Mein Stativ ist unter den letzten drei Dingen, die noch nicht abgeholt wurden. Hatte ich erwähnt, dass es die letzten 2 Stunden mal nicht geregnet hat? Es fängt jetzt wieder an. Mit dem 100yen-Bus geht es zurück zur Burg. Der Bus bleibt aber im Stau hängen, sodass ich etwas vor meinem Ziel aussteige und mein Glück zu Fuß versuche.

Jetzt beginnt erst der Kampf gegen durch schnelle Dämmerung. Ich finde aber kein gutes Motiv bevor die Magic Hour vorbei ist. Dafür sind mir glaube ich ein paar gute Aufnahmen gelungen, als es schon dunkler war, ich die Helligkeit aber noch durch die Belichtungszeit hochziehen konnte (siehe unten).

Es wird immer dunkler (die Belichtungszeiten steigen auf 30sec). Der Regen nimmt immer mehr zu. Die Zeit läuft mir davon. Ich bin schon patschnass. Den Versuch, mit dem Regenschirm das schlimmste abzuhalten, habe ich bereits aufgegeben. Während der Langzeitaufnahmen bekomme ich mehr Wasserprobleme mit der Kamera (nicht das erste Mal auf dieser Reise).

Um 20:40 Uhr fährt der vorletzte Zug. Das ist meine Zielmarke. Ich setze nie auf den letzten Zug. Schon gar nicht wenn es über 2 Stunden zurück zum Hotel sind. Außerdem ist beim letzten Zug die Umsteigezeit so knapp, dass mir das zu riskant ist.

Zum Glück ist mein Blick immer auf  der Uhr, denn es ist schwer ein Taxi zu finden und der 100yen-Bus fährt nur bis 18 Uhr. Auf der Nordseite steht kein einziges. Warum ich den Weg zur Südwestecke durch den Burgpark wähle, weiß ich nicht. Vielleicht ist es die Hoffnung auf das Fotomotiv zum Abschluss. Stattdessen biege ich irgendwo flasch ab.

Die Hälfte meiner Backup-Zeit ist weg. Am Bahnhof sehe ich, dass mein Local 15 Minuten später fährt als auf meiner Liste. Wow. Das rettet mich. Heißt aber auch, dass mir jetzt 15 Minuten Umsteigezeit fehlen. Und: den Fehler beim letzten Zug und der Anschluss wäre weg und ich gestrandet. Alles ist gut und ich habe sogar noch Zeit für eine Schüssel Udon.

Im Shinkansen fehlt mir wieder die Sitzplatzreservierung. Dafür war keine Zeit mehr. Beim nächsten Urlaub in Tohoku muss ich die befehlenden non-reserved-Abteile berücksichtigen.

Fazit: Der Tag hat sich voll und ganz gelohnt.
Volltreffer bei der Kirschblüte. Der sollte es in die Top-5 schaffen.

Kitakami

Heute steht der Wechsel nach Morioka an. Da sich in den letzten Wochen immer wieder gezeigt hat, dass ich ein paar Tage zu spät für die Kirschblüte bin, ziehe ich den Besuch in Kitakami vor. Das Gepäck lasse ich bis heute im Hotel. Dann muss ich zwar zurück und es holen, aber der heutige Zeitplan ist extrem entspannt. Das passt schon.

Kitakami hat außer den Kirschbäumen nur ein Freilichtmuseum zu bieten, aber da war ich schon. Ich weiß noch, dass das Fährboot von mir aus gesehen rechts und die Brücke links ist. Ich verzichte auf eine Karte. Außerdem ist der Weg ausgeschildert.

Von weitem denke ich erst, dass die Blüte schon am Ende ist. Unter den Bäumen stehend ist zu erkennen, dass die Blüte auf Maximum (vielleicht 1-2 Tage drüber) ist. Treffer. Gut, dass ich Kitakami vorgezogen habe. Ab morgen soll es regnen, dann wird das hier binnen Stunden vorbei sein. Dennoch – und ich weiß nicht warum – hatte ich mehr erwartet.

Ich laufe erst ein Stück unter den Bäumen entlang. Dann fällt mir ein, dass ich noch kein Frühstück hatte und begebene mich zum Parkplatz am Ende der Baumallee. Wenn es so ist wie 2008, dann gibt es hier ein paar Matsuri-Futterbuden … hoffentlich ohne Panflöten-Inka.

Ich finde einen Oden-Stand. Dieses Gericht scheint das Leitthema dieser Reise zu sein; letztes Mal war es Ramen. Von der Terasse sehe ich einen Bootsanlager in einer kleinen Bucht. Ich glaube ich werde eine gemütliche Bootsfahrt machen; ein paar Bilder vom Wasser aus.

So ein wirklich gutes Motiv kann ich vom Wasser aus nicht erkennen. Zumindest nicht mit den Kirschbäumen. Die Koi-Nobori, die in zwei Bahnen über den Fluss gespannt sind, sind eine andere Sache. Sie hängen so tief, dass sie das Wasser berühren. Das Boot fährt genau zwischen ihnen hindurch. Aber die Fahrt war auch bezüglich Kirschblüte nicht vergebens. Es gibt halt auch Gesamteindrücke, die man nicht auf CCD bannen kann.

Es folgt eine Fußmarsch unter den Bäumen zur anderen Seite. Hier gibt es noch mal ein paar Futterstände. Aber: Keine Mülleimer. Das ist mir schon vorhin aufgefallen. Ich verstehe, dass Japaner ihren Müll mit nach Hause nehmen. Aber was soll ich, oder ganz allgemein alle Touristen machen? Japan Rail wird sich bedanken. Für mich gilt schon seit längerem: Keine Mülleimer, kein Kauf. Darunter leiden die Standbeistzer, aber da meine Stimme nicht gehört wird, mache ich das zu derem Problem.

Über die Brücke wechsel ich zur anderen Uferseite. Hier gibt es noch ein paar Chancen für ein gutes Foto. Danach geht es im leichten Zickzack zurück zum Bahnhof.

Auf dem Weg zurück nach Sendai stoppe ich in Ichinoseki. Von hier soll ein Bus zum Tempel fahren, den ich 2008 bei meiner Reise nach Hiraizumi ausgelassen habe. Der Tempel war (und ist) so weit außerhalb, dass er nicht zu Fuß von Hiraizumi aus erreicht werden kann ohne dafür den ganzen Tag zu opfern.

Der Plan geht nicht auf. Ichinoseki ist tot. Leichenstarre. Nix. Keine Fahrgäste. Kaum Personal. Und sonst nix. Ich finde keine Bushaltestelle. Nicht mal einen Laden, wo ich nach dem Weg fragen könnte. Ich gebe sofort auf. Zurück ins Hauptgebäude, Bento kaufen und auf den nächsten Shinkansen (erst in einer Stunde !) warten. In der Zeit fährt nicht einmal ein Local nach Sendai. Auch nach Hiraizumi fährt nichts. Ich bin für die nächsten 60 Minuten gestrandt. Na das ist ein Dämpfer auf die Moral; hatte mich schon gewundert, wann in diesem Urlaub der Tag kommt, wo gefühlt alles schief geht.

Zurück in Sendai stoppe ich in der Yakitori-Bar von gestern Abend. Ich bleibe dabei: Man kann in Japan in ein teures Restaurant gehen und es wird der Hammer sein. Definitiv. Aber in Japan ist selbst der Besuch der einfachsten Garküche eine Urlaubserinnerung. Heute probiere ich Rinderzunge (Foto). Man ist das lecker !!!! Ich bleibe länger als geplant. Als Getränk steht Hoppy ganz oben auf meiner Liste. Es ist kein richtiges Bier, aber auch kein Mineralwasser. Es ist einfach erfrischend und genau das richtige bei diesen Temperaturen.

Letzter Stop ist das Knight, die Hotel Bar. Das Tasting (ich wollte ursprünglich nur zwei Whisky testen) ufert etwas aus: Date, die Miyagikyo Destillery Limited Versionen Malty & Soft, Sherry & Sweet und Fruity &Rich, Miyagikyo Moscatel Wood Finish … Ich nehme einen der letzten Shinkansen nach Morioka. Es regnet, aber zum Hotel sind es nur 500m. Ich kann den Schriftzug vom Bahnsteig aus sehen. Das Unizo ist, verglichen mit dem Sendai Metropolitain, die Holzklasse. Ein kleiner Raum mit Bett und Shower Cubicle. Aber eigentlich ist es genau das was man braucht.

Aizu-Wakamatsu

Heute steht Aizu-Wakamatsu auf dem Plan. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass noch ein paar Reste der Kirschblüte zu sehen sind. Die Anreise ist im Prinzip einfach: Zuerst geht es mit dem Shinkansen runter nach Koriyama, eine Station südlich von Fukushima.

Von hieraus fährt der Local nach Aizu-Wakamatsu. Die Fahrt dauert etwas und ist komplett langweilig. Gut, man hat einen schönen Blick auf Mt. Bandai. An einer Station stehen Kirschbäume in voller Blüte. Sollte ich Glück haben?

Ich war schon zwei Mal in Aizu-Wakamatsu, und habe dennoch nicht alles gesehen. Der Bahnhof ist zur Hälfte ein Kopfbahnhof … daran kann ich mich gar nicht erinnnern. Mein Blick fällt sofort auf einen Zug mit besonderem Design: Es ist der Shiki-Shima; ein Zug der es mit jedem 5-Sterne-Hotel aufnehmen kann. Die Fahrt mit ihm kostet ein Vermögen. 5000€ aufwärts. Und dennoch ist dieser Zug auf Monate ausgebucht.

Erster Stopp in Aizu-Wakamatsu ist die Sake-Brauerei. Hier wird eine Führung angeboten; auf Japanisch. Die Tour ist auch relativ kurz und wenig technisch, allerdings ist mein Wissen über die Herstellung von Sake … ich sage mal … überdurchschnittlich.

Ein Stück zurück gab es kurzen, netten Straßenzug. Der Rest von Wakamatsu wirkt, wie die meisten japansichen Städte, verwittert und in die Jahre gekommen. Der Weg zur Burg ist weiter als ich dachte, aber egal. Irgendwo muss doch ein 7eleven (Geldautomat) zu finden sein. Japp. Kurz vor der Burg ist einer. Direkt an einem der Bushaltepunkte. Gut, dann war der Fußmarsch doch überflüssig.

Apropos flüssig. Ich laufe aus. Die Temperaturen sind der Hammer. Und der Sonnenbrand von gestern wird dadurch auch nicht besser.

An der Burg geht es rechts-links-rechts durch die Burgmauern. Aber. Die Kirschblüte ist vorbei. Alles weg. Alles. Obwohl ich damit gerechnet habe, bin ich doch ein wenig enttäuscht. Im Hof der Burg ist aber noch alles in vollen Gang. Es gibt Teezeremonien und eine kleine Ecke mit Matsurifutter. Die Optik der Stände ist auf altertümlich getrimmt, ähnlich wie bei Mittelaltermärkten in Deutschland. Die Stände passen damit gut zur Burg und den umgebenden Burgmauern. Ich lasse mich sogar dazu hinreißen, ein paar alte Sen-Münzen zu kaufen. Keine Idee was ich damit machen werde.

Da meine Idee für gute Sakura-Fotos hin ist, setze ich meine Tour fort, zum japanischen Garten. Er ist klein, aber durchaus einen Stopp wert, wenn man die Zeit übrig hat. Ich gönne mir nur einen Bustakt für den Besuch. Rückwirkend betrachtet war das zu knapp.

Es geht weiter zu Higashiyama Onsen am Südostende von Aizu-Wakamatsu; zwei Stationen hinter der Samurai-Residenz (Aizu Bukeyashiki), die ich 2008 besichtigt habe. Fazit: Der Ort hat es hinter sich. Gleich am Anfang steht des historische Ryokan, das man Fotos kennt. Es ist wirklich ein hübscher Anblick. Rundherum ist aber nur Beton. Ein Stück weiter ist ein enger Straßenabschnitt. Hier sind alle Häuser verlassen und teilweise schon zusammengestürzt. Es ist ein trostloser Anblick. Dahinter folgen weiterer Leerstand und Betonhotels. Alles macht einen heruntergekommenen Eindruck. Die Straßen sind leer. Man kann nur hoffen, dass es drinnen eine „schöne heile Onsen-Welt“ gibt. Zum Glück habe ich nicht hier gebucht.

Ich nehme den nächsten Bus zurück in die Zivilisation. Es ist noch Zeit für einen letzten Stop an der Helix-Pagode. Zuerst geht es mit dem Förderband nach oben zum Friedhof. Hm. Die Statue vom Samurai fehlt. Dafür finde ich Widmung mit eisernem Kreuz von 1935. In Deutschland hätte man diesen Gedenkstein, mit diesem Datum, sicherlich in der hintersten Ecke versteckt. *)

Die Pagode steht immer noch zu schief in der Landschaft wie vor 10 Jahren. Es bleibt eine der merkwürdigsten Pagodenkonstruktion, die ich kennen. Wieder zurück am unteren Ende der Treppen kaufe ich eine Tüte mit Süßkartoffelsstreifen und warte auf den Bus.

Direkt neben der Haltestelle steht ein Dosisleitungsmessgerät. Das ist ein Novum für mich. Ich weiß, dass ich in der Präfektur Fukushima bin und diese Gegend seit 3-11 Strahlung abgekommen hat. Aber das Meßgerät macht es irgendwie realer. Und … Ich traue diesem Wert nicht. Hochgerechnet sind es 0,48 mSv pro Jahr. 1/5 des Durschnittswertes für Deutschland.  Das kann nur richtig sein, wenn sie die natürliche Belastung vorher abgezogen haben und dies hier nur die zusätzliche Belastung ist, zumal die Strahlenlast in Tokyo bei 0,09 µSv/h liegt.

Mit dem vorletzten Bus für heute geht es zurück zum Bahnhof. Zeit für eine schnelles Ramen in einer Nudelküche Im Bahnhofsgebäude. Die Schüssel ist schnell geschlürft und ich nutze die Zeit für Souvenirshopping.

Es folgt die unspektakuäre Rückreise nach Sendai.


*) Der Friedhof bedarf einiger Erklärung. Hier liege die Byakkotai begraben. Dies waren 16 bis 17 Jahre alte Samuraischüler, die alle Seppuku begangen haben, als sie glaubten, dass der Feind ihre Burg eingenommen und ihren Lord getötet hatte. In der stark nationalistischen Zeit des frühen 20. Jahrhunderts war diese Byakkotai ein Inbegriff von Ehre und Pflichtbewusstsein, dass sogar bis nach Europa schwappte.

Es steht ein Gedenkstein des Deutschen Reiches hier, mit einer eher neutralen Inschrift: „Ein Deutscher, den jungen Rittern von Aizu“ und dem eisernen Kreuz als Symbol. Ohne die Jahresangabe 1935 würde man diesen Gedenkstein jetzt nicht besonders spannend finden.

Auf dem Friedhof befindet sich auch eine Säule mit einem Adler. Diese Säule ist eine von drei Säulen aus Pompei. Sie wurde von Moussolini gestiftet. Inschrift (übersetzt) „With undying respect, Rome, the mother of modern civilisation, dedicates this timeless tribute to the Byakkotai, under the authority of ancient Rome, that the pillar may stand as proof of the greatness of fascism for thousands years.“ Ok, ich sehe, woher Adolf seine Idee mit dem tausendjährigen Reich hatte.

Tendo

Heute geht es nach Tendo. Ein kleiner Ort, der in keinem Reiseführer auftaucht. Warum auch. Sehenswürdigkeiten gibt es keine. Aber: In Tendo werden 90% aller Shogi-Steine Japans hergestellt … und einmal im Jahr findet hier das Ningenshogi statt. Wie der Name sagt wird hier Shogi gespielt und die Spielsteine sind Menschen.

Vor dem Matsuri kommt aber die Anfahrt. Im Prinzip ist es ganz einfach: von Sendai aus geht es an Yamadera vorbei nach Uzen-Chitose und dort umsteigen und weiter nach Tendo. Klingt relativ einfach. Die Fahrt mit dem Lokal nach Uzen-Chitose zieht sich und zieht sich, auch wenn man die Fahrzeit kennt.

Uzen-Chitose als Umsteigebahnhof überrascht mich. Es gibt nur zwei Gleise und einen einzigen Bahnsteig auf dem eine kleine Wartehütte steht. Das wars. Punkt. Wenn ich den Fahrplan richtig lese, sind die beiden Bahngleise Zuglinien und nicht Fahrtrichtungen. Damit kommt mein Anschlusszug auf dem anderen Gleis und fährt dort in entgegengesetzter Fahrtrichtung, da er von Yamagata kommt.

Und dann kommt der Hammer: Eine Japanerin fragt, mit dem Smartphone in der Hand, den Schaffner nach dem Anschlusszug. Oh mann. Ich bin Ausländer, erst 60 Sekunden hier und habe schon die Antwort. Gut. Ohne Smartphone. Das war schon unfair. Die Erkenntnis des Tages lautet: Wenn die Lösung nicht bei Facebook und Co zu finden ist, scheint die Generation Smartphone hilflos zu sein.

Stopp. Ich war 2014 in Yamadera, bin aber zwischen Shoji und Yamagata mit dem Shinkansen gefahren. Dabei muss ich an Tendo und Uzen-Chitose vorbeigekommen sein. Das heißt aber auch … Japp. Das zweite Gleis ist Normalspur während des Gleis aus Sendai Kapspur ist. Das sieht man auch nicht oft. Zwei verschiedene Spurweiten an einem Bahnsteig.

Vom Bahnhof aus gibt es einen Shuttlebus. Zum Glück. Es geht gut bergauf. Die quetschen echt 22 Leute in diesen Bus: 4 nebeneinander; kein Mittelgang. Wow.

Oben angekommen sehe ich Matsuri-Stände, Kirschbäume in voller Blüte (!), bestes Wetter und die große Bühne in Form eines riesigen Shogi-Feldes. Gerade gibt es dort ein Taiko-Aufführung. So gefällt mir das. Wie bei einer Freilichtbühne gibt es auf der einen Seite eine Treppe/Sitzreihe. Der Blick auf die Bühne ist ideal und oben gibt es einen kleinen Park mit Kirschbäumen.

Gegen Mittag marschieren die Kindermannschaften ein. Ich hatte eine andere Vorstellung wie das aussieht: Ich dachte die Spieler treten in Shogisteinkostümen auf. Aber die „Figuren“ marschieren in Samurai-Uniformen ein. Der Spielstein selbst ist eine Holztafel mit Stativ, der neben dem Spieler auf dem Spielfeld steht. Der Kampf wird von der Seite professionell moderiert.

Ich folge dem Spiel und überlege, wie ich ziehen würde. Da keine meiner Überlegungen mit dem tatsächlichen Spielzug übereinstimmen, beschließe ich, mich auf das Fotografieren und das gute WEtter zu konzentrieren.

Es folgt eine Pause, die fürs Mittagessen nutze. Außerdem stöbere ich die Verkaufsstände durch. Die Shogisteinperise reichen von knapp 4.000yen (einfach, aber aus Holz) bis weit über 50.000yen (Edelhölzer, handgefertigt). Es wäre die Chance. Aber ich habe schon zwei Sets. Und ein bischen geizig bin ich dann doch.

Das zweite Match beginnt mit einer Vorgeschichte. Leider auf Japanisch. Aber der Daimyo hat wohl ein Problem, dass er durch den Kampf zweier Samurai klären lassen will. Nach einem kurzen Schwertkampf lassen die beiden Samurai ihre (Shogi)truppen auflaufen und der Shogi-Kampf beginnt. Geführt werden die Truppen von zwei Spielern in erhobenen Podien links und rechts vom Spielfeld.

Auch der zweite Kampf endet irgendwann und alle meine Überlegungen waren wieder falsch. Danach gibt es Zeit für ein paar Erinnerungsfotos.

Zurück zum Banhhof gehe ich zu Fuß. Schließlich geht es bergab und ich will noch ein paar Stopps bei Läden machen, die Shogisteine verkaufen. Aber ein Set, dass mich überzeugt Geld auszugeben, finde ich nicht.

Überall finde ich überall Hinweise auf Shogi. Seien es Schilder in Shogisteinform oder Briefkästen in Shogisteinform. Selbst auf dem Gehweg finden sich Shogibretter und Figuren. Ich erfahre dass das Brett, auf das ich gerade schaue, eine berühmtes Shogi-Problem darstellt. Es sieht so simpel aus (Matt in drei Zügen), aber jeder Zug wird durch einen Gegenzug unbrauchbar gemacht. Das Problem ist echt kniffelig.

Am Bahnhof gibt es auch noch ein kleines Shogimuseum. Leider fehlt mir die englische Version der Texte, so muss ich mich auf das Schauen reduzieren. Der Rücksturz zur Basis erfolgt um 17 Uhr. Damit bleibt genug Zeit für ein elegantes Abendessen im Metropolitain.

Ich ordere ein 4-Gänge-Menü und Rotwein. An die Rechnung denke ich jetzt erst einmal nicht. Der letzte Gang ist wie 2008 Creme Brulee; am Tisch flambiert. … Das ist übrigens auch der Grund, warum ich das Metropolitan gebucht habe. Das und die Knight-Bar, die heute geschlossen (private event) hat.