Jahr ohne Japan .. (5) 24 Stunden Nürburg

So wie es aussieht fällt die Japanreise 2022 aus. Die Grenzen sind für Touristen wie mich weiterhin geschlossen. Bleibt mir nur, dieses Jahr mit anderen coolen Dingen zu füllen. 12 Monate – 12 Ideen.

Wenn 24H, dann mit Stil

Jetzt wird Geld ausgegeben. Ich wollte schon 2019 zum Rennen, dann 2020. Jetzt haben wir 2022. Das Rennen findet endlich wieder mit Publikum statt und die japanischen Grenzen sind weiterhin geschlossen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Suche nach dem richtigen Ticket zieht sich über Tage hin. Nehme ich Tageskarten? Buche ich ein Hotel? Oder doch ein Paket? — Arghhh. Ich gehe All In. Ich bestelle das Ticket direkt bei AMG. Das hobelt einen fast vierstelligen Betrag von meiner Kreditkarte. Egal. Das Programm wird wie folgt sein:

  • Start am Freitag mit den Qualifyings und Rahmenprogramm
  • Zugang zur AMG VIP-Lounge
  • Ausflug mit dem Shuttlebus u.a. zum Brünnchen.
  • Zugang zur Box (nicht Pitlane) und zu den Ingeneurteams
  • Führung durchs Fahrerlager mit Blick hinter die Kulissen
  • komplettes Catering: Frühstück, Mittag, Kaffee/Kuchen, Abendesssen, Mitternachtsnack, …

Das wird ein Spaß. Ich bin Ingenieur. Für mich spielt sich das Rennen in der Box ab. Dort wird die Technik 24 Stunden lang am Limit und am Leben gehalten. Alles was die Fahrer machen müssen, ist im Kreis zu fahren. Ok, das  ist jetzt sehr stark vereinfacht.

Jeder weiß, wie so ein Rennen abläuft. Fokussieren will ich mich daher auf einzelne rein subjektive Eindrücke und Erfahrungen.

Die Lounge

Nachdem ich zunächst falsch abgebogen bin … Ich war in irgendeinem Technik-HQ, hab mir einen Kaffee geschnappt und erst dann gemerkt, dass ich hier gar nichts verloren habe.

Die Lounge ist am Ende der Boxengasse und oberhalb. Von der Terasse aus kann ich die ganze Pitlane entlang schauen. Ich werde als Boxenstopps aus der Vogelperspektive verfolgen können. Cool.

Es gibt einen Innenbereich mit großen Monitoren, die das Rennen und die Rennstatistik verfolgen. Es ist also egal wie kalt es nachts wird. Es gibt ein Drinnen. Auf der Terasse steht ein riesiger Grill. Ich bin gespannt, was es geben wird.

Das Rennen

Beim 24H-Rennen gehen verschiedene Fahrzeugklasse gleichzeitig an den Start. Es ist die Hightech-Version des Touristentages: VW Polo, Nissan GT-R und AMG GT3 zur gleichen Zeit auf der gleichen Strecke.

Am Anfang, wie auch bei den Qualifyings, wurde es kurz sehr laut, wenn die Wagen vorbeiballern, und dann war es für etwa 6 Minuten entspannt, bevor der Tross der Fahrzeuge wieder vorbeikommt. Aber nur wenige Runden ins Rennen ist das Fahrerfeld weit auseinander gezogen. Die ersten Fahrzeuge werden bereits überrundet. Für die Akustik heißt dies, dass knapp 200 Fahrzeuge innerhalb von 8 Minuten (500 Sekunden) vorbeifahren. Alle 2,5 Sekunden ein VROOOOOOM. Nach 6 Stunden fängt es an zu nerven. Zum Glück gibt es Drinnen, das Rahmenprogramm und das Fahrerlager.

Das Rahmenprogramm

Das Fahrerlager ist für alle Zuschauer offen. Das war und ist das besondere am Nürburgring. Es gibt nur eine Regel: Nicht im Weg stehen und die Teams in Ruhe lassen. Ansonsten sieht mal all diese technischen Details: hochmoderne Bremsscheiben, zerlegte High-Performance-Motorblöcke und Reifen über Reifen.

Der Ausflug ans Brünnchen ist eine Offenbarung. Bis eben saß ich in der AMG-Lounge. Es gab Känguru-Steak und Champagner. Hier am Brünnchen ist eher Wackenstimmung. Einige sind schon seit letzten Wochenende hier (und genauso lange besoffen). Das sind die Hardcore-Fans.

Am Brünnchen kann man bis an die Rennstrecke ran. Man steht neben den Streckenposten, nur durch einen Zaun getrennt; der übrigens bei einem Unfall nicht wirklich schützt. Die Kurvenkombination hier hat den Vorteil, dass die Wagen bremsen müssen. Es gibt Überholmanöver. Nicht der schlechteste Ort an der Nordschleife, soviel wird klar.

Aber mit der Nacht herannahend bevorzuge ich doch die beheizte Lounge mit Catering. Ich bin eben kein Hardcore-Fan.

Btw … Während der Warmp-up-Phase zeigt dieses Rennen noch einmal seine besondere Seite: Fans stehen auf Rennstrecke während die Wagen vorbeiballern und ihre Reifen aufheizen.

Der AMG GT3, ein Nerd-Car

Ich habe mir nicht alle technisch coolen Details gemerkt. Mein Nerd-Hirn war überfordert. Das Getriebe ist gradverzahnt. OK. Die Gänge (außer der erste Gang) werden ohne Kupplung eingelegt; einfach reingekloppt; mit Druckluft; unterstützt mit Zündaussetzern, die ganz kurz die Last vom Antriebsstrang nehmen.

Die Schalter im Cockpit müssen unter Beanspruchung funktionieren und leicht – auch mit Handschuhen – zu betätigen sein. Sie stammen aus dem Unimog. Der Rückspiegel ist sehr klein. Er ist aus der A-Klasse. Genauer gesagt ist es der Fahrlehrerspiegel aus einem A-Klasse-Fahrschulauto.

Besuch in der Pitlane

Ich darf die Box eines Teams besuchen und während des nächsten Reifen- und Fahrerwechsels (also während des Rennens) die Pistop aus der Pitlane beobachten. Nicht aus der Box, sondern von der Rennstrecke aus. Ich stehe mit dem Team in der Boxengasse. Dabei habe ich immer ein Auge auf die Stewards, die hier das Kommando haben, und die Rennwagen. Das ist wie spielen auf der Autobahn. Volle Konzentration. Fotos mache ich dann doch lieber von der Box aus.