Jahr ohne Japan .. (1) Paris

So wie es aussieht fällt die Japanreise 2022 aus. Die Grenzen sind für Touristen wie mich weiterhin geschlossen. Bleibt mir nur, dieses Jahr mit anderen coolen Dingen zu füllen. 12 Monate – 12 Ideen.

2021 startete ich meine Karriere in der Furry Community. Meine erste Con führte mich im Oktober nach Paris. Hier waren soziale Treffen bereits wieder ok, während Deutschland den nächsten totalen Lockdown plante und seine Bewohner unter quasi Hausarrest stellte. 

Mein Plan war, einen Tag länger in Paris zu bleiben und den freien Tag für eine Stadtrundgang zu nutzen. Und nein, das Konzept der Dead Dog Party war mir nicht bekannt; hätte vermutlich aber auch nicht meinen Plan gändert.

Mit einem Schienenersatzverkehr geht es los. Das wird lustig. Ich spreche kein Wort Französisch. Keine Ahnung wo wir in die Bahn nach Paris umsteigen. Ich weiß nur, dass ich nicht umsteigen muss und direkt am Notre Dame aussteigen kann. Ein Großteil ist bereits rekonstruiert1

Notre Dame liegt auf einer Insel in der Seine. Das gibt mir die Chance, eine Menge Brücken zu fotografieren. Ein Fußweg führt direkt am Ufer entlang und unter den meisten Brücken hindurch. Leider stimmt es, und an vielen Orten hier riecht Paris wie eine öffentliche Toilette (eine europäische, nicht japanische).

Einen richtigen Plan habe ich nicht. Also erst einmal zum Louvre. Sieht schon imposant aus, so aber auch die Warteschlange vor dem Eingang. Also weiter zum Arc de Triomphe du Carrousel. In restrospekt, rate ich jedem diesen zu besuchen und den andere zu ignorieren. Es folgt ein Park, mit spontanem, heftigem Regenschauer. Am andere Ende wartet der Place de la Concorde mit dem Obelisk von Luxor.

Von hier gehe ich die Champs Élysée entlang zum großen Arc de Triomph. Es lohnt sich nicht. Die Straße ist 8-spurig und ohne Charme, egal wie viele Modelabels hier ein Geschäft haben. Da hat selbst die Ginza in Tokyo, selbst wenn sie nicht für den Autoverkehr gesperrt ist, mehr zu bieten. Und der Siegesbogen? Ja er ist groß, monumental geradezu. Aber … Er liegt in der Mitte des ebenso bekannten Kreisverkehrs mit 12 Zufahrten. So richtig hat sich dieser lange Fußmarsch nicht gelohnt. Ich darf gar nicht daran denken, dass ich dafür das Grand Palais und Petit Palais ausgelassen habe.

Über die Av. Marceau und ein paar Nebenstraßen arbeite ich mich zum Eiffelturm vor. Um die Seine queren, nehme ich die Fußgängerbrücke Passerelle Debilly. Es regnet mal wieder.

Der Eiffelturm ist imposant. Er wirkt größer als der Tokyo Tower, obwohl er ein paar Meter kleiner ist. Das mag daran liegen, dass man in Tokyo von hunderten Wolkenkratzern umgeben ist und 20 Stockwerke da wie ein Flachbau wirken. Der untere Bereich ist eine Baustelle und die Touristenwarteschlange schreckt mich wieder ab. Aber ich werde mit einem doppelten Regenbogen belohnt. Und ja, der Regenbogen geht vor dem Eiffelturm entlang. Der berühmte Topf mit Gold ist also irgendwo in dem Gebüsch unten.

Meine Wanderung ist noch nicht zu Ende. ich gehe weiter an der Seine entlang zur Pont de Bir-Hakeim. Das war eigentlich nur eine Wegmarke, aber diese Brücke ist der Inbegriff dessen, was das industrielle Ende des 19. Jahrhunderts ausmacht, was Jules Verne und Steampunk inspirierte. Leider ist der Sonnenuntergang nah. Ich bin wieder auf einer Seine-Insel, der Île aux Cygnes. Sie ist sehr schmal, lang und menschengemacht.

Mein Ziel ist am südwestlichen Ende: die Freiheitsstatue. Sie ist klein, sehr klein2. Aber ich nehme, was ich kriege. New York ist zu weit weg. Und diese Statue schaut in Richtung New York, was ich nicht ganz glaube, da sie ziemlich genau nach Südwesten schaut. In die Richtung liegt eher Brasilien.

Das war mein Plan für den Tag. Paris Crashkurs ohne Museen. Es bleibt der lange, lange Rückweg zu Notre Dame. Ich gehe kein Risiko ein und nehme exakt die gleiche Bahnverbindung zurück zum Hotel. Der Weg zieht sich, aber ich genieße die Dämmerung und die einbrechende Nacht. Und ich kann u.a. noch ein Foto vom Grand Palais und der Pont Alexandre III machen. Ein Blick zurück zeigt den abendlich beleuchteten Eiffelturm, der jetzt ein Leuchtfeuer hat (fragt mich nicht). Durch Zufall ist es volle Stunde und der ganze Turm fängt an zu glitzern. Laut wikipedia sind es 20.000 LEDs.

Vor dem Rückweg brauche ich noch etwas zu Essen. Ich hatte  bisher weder Frühstück, noch Mittagessen, noch Abendessen. The Highlander Pub wird mein letzter Stopp vor der Rückreise.

Mit der RER B geht es dann zurück, leider den Rest wieder mit Schienenersatzverkehr. Der bringt mich zu Terminal 2. Und ich habe keine Idee, wie ich von hier zum Hotel komme. Es soll eine Bahnlinie geben; CDG Val. Aber ich finde die nicht. Dieser Airport ist schlechter ausgeschildert als Heathrow. Hätte nie gedacht, dass das möglich ist. Ich lerne auch durch ausprobieren, dass es keine Chance gibt, diesen Flughafen zu Fuß zu verlassen. Das Ding ist eine Falle. Ich war schon versucht, zu Fuß über die Autobahn zu gehen.

Auf der Suche nach einem Taxistand finde ich mehr durch Zufall den Zugang zum CDG. Zurück im Hotel will ich nur noch ins Bett. Morgen fliege ich zurück.

  1. Vor zwei Jahren, im april 2019 zestörte ein Feuer die Kirche fast vollständig. Die Wiedereröffnung war erst 2024.
  2. Fun Fact: In Paris steht 5 Freiheitsstatuen. Diese hier ist eine 11,5 m Version, die Paris in 1889 von den Amerikanern geschenkt wurde