Archiv der Kategorie: 関東

.. „östlich der Grenzstation (Hakone)“. Es ist das Gebiet um Tokyo herum. Die Westgrenze zu Chuubu ist Hakone. Die Nordgrenze zu Tohoku verläuft unterhalb von Fukushima. Man kann Kanto als das Gebiet um Tokyo herum Bezeichnen. Die Orte Kamakura und Nikko gehören zur Kantoregion, aber auch das Hakonegebiet mit dem Ashi-See, sowie Kashima, Katori und Narita.

Nikko Matsuri und Steigungen

Matsuri-Tag. Again. Diesmal ist der Ort des Geschehens Nikko, die alte Tempelstadt. Kurz vor 8:30 Uhr gibt es erst einmal Frühstück; Western Style. Schließlich ist dies das Nikko Kanaya. Noch britischer geht es nur in England selbst. Um 9:30 Uhr geht es raus. Unten an der Brücke treffe ich die ersten Festwagwen. Was für ein Timing.

Die Festwagen sind kleiner und bei weitem nicht so prunkvoll wie in Takayama. Ihre Funktion ist auch ein völlig andere. Soweit ich es verstanden habe, hat jeder Schrein in der Umgebung so einen Wagen, der eine Art mobile Version des Schreins darstellt. Auf jedem Wagen sind mehrere Musiker. Um das Gewicht gering zu halten und den Platz besser zu nutzen sind es meist Kinder und nur 1-2 Erwachsene, die die Lieder und den Takt vorgeben. Die Wagen sind mit Kirschbaumzweigen (allerdings die Plastikversion) geschmückt. An jedem Wagen hängen Laternen, auf denen der Herkuftsort aufgedruckt ist. Die Kanjis kann ich einzeln lesen, aber als ein Wort bzw. Ort? Da fehlt die Praxis.

Hinter der Brücke geht es die Straße bergauf zum Schrein. Die Steigung ist mit etwa 8-10% beachtlich, das Gewicht der Wagen, ich schätze mal so 1,3 Tonnen, auch. Noch während ich Fotos mache, kommt ein „Please help“. Und ehe ich mich versehe stehe ich zwischen den Japanern und ziehe mit. Offensichtlich wird nicht jeder Ausländer gefragt und die meisten ziehen nur ein paar Meter für ein Foto. Nicht mit mir. Die Kamera bleibt am Mann und ich ziehe bis zum Ende der Steigung. Zum Dank gibt es Sake und Bier. Nur ich, nicht die anderen Touristen. Hehe. Man kommt ins Gespräch.

Von hier aus geht es ohne Steigung weiter. Ich nutze die Chance und überhole einige Wagen. Erst kurz vor dem Schrein, auf dem Sandweg, nimmt die Steigung wieder zu. Die letzten 30m sind eine steile Holzrampe. Das ganze sieht gefährlich aus. Erst ein paar Fotos, dann packe ich wieder mit an. Oben angekommen ziehen die Wagen zum Hauptgebäude, hier wird shintoistisch gegrüßt, dann geht es weiter auf den Platz vor dem Gebäude. Es wird immer voller. Ein Wagen nach dem anderen trifft ein. Ein Ablaufplan wäre nett. Was passiert als nächstes?

Delagationen von einem Wagen gehen zu den anderen Wagen, vor denen Leute sitzen. Es wird etwas kompliziert mit Fächer angegrüßt. Der Sinn erschließt sich mir nicht. Ich habe auch keine Zeit nachzudenken. Eine Prozession macht sich bereit. Ich muß mir einen guten Platz für Fotos suchen. Einen regensicheren dazu denn das Wetter schlägt um. Sprühregen. Die Prozession geht zum Seitentor hinaus. Ich sehe Pferde, Fußsoldaten, Priester … Das ganze Programm. Der Anblick läßt einen 200 Jahre zurück reisen. Der Regen wird stärker. Ich folge dem ganzen zu einem anderen Schrein (Namen muß ich noch mal raussuchen). Im Schrein folgt ein Shintoritual. Ich versuche so unaufällig wie möglich zu bleiben. Ich will vermeiden, daß man mir das fotografieren untersagt.

Danach geht es zurück zum Hotel. SD-Karte ist voll, die Batterien leer. Und der Regen fordert seinen Tribut (Kameredisplay und Autofouks sind weg). Nach einer eher kurzen Pause geht es zurück in das Tempelareal. Ein bischen Besichtigung muß auch sein. Beim letzten Mal habe z.B. die drei Affen total übersehen und ich will der schlafenden Katze Hallo sagen. Die Schreingebäude in Nikko sind einmalig. Die Stützbalken sind sehr verspielt aufgebaut und bunt lackiert. Auch sonst gibt es hier eine unglaubliche Detailfülle, wie man sie sonst eher in China erwarten würde. Diesen Baustil findet man nur in Nikko. Zumindest habe ich ihn außerhalb noch nie gesehen. Kein Vergleich zum Schrein in Ise, der im Vergleich zu diesen hier zen-mäßig unterkühlt wirkt.

Nächster Stop ist die Halle des schlafenden Drachen. Die Halle ist eine Meisterleistung der Baukunst. Decke und Boden sind leicht konkav. Wenn man an de richtigen Stelle klatscht, kann man für fast 2 Sekunden ein Echo hören. Bei 5m Deckenhöhe wären das dann 132 Reflexionen. Und das funktioniert nach hunderten von Jahren noch so.

Der Regen wird noch stärker, meine Kamera ist bald wieder am Ende/geflutet. Das Matsuri neigt sich dem Ende. Es geht über die steile Holzrampe abwärts. Nicht ganz ungefährlich; das Holz ist nass und rutschig. So mancher Wagen ist kurz vor „außer Kontrolle“. Unten vor der zweiten Steigung (die runter zur Hauptstraße führt), sammeln sich die Wagen und werden mit Laternen geschmückt. Es ist 18:20 Uhr und es wird dunkel. Die Plastikkirschzweige leuchten in kräftigem rosa. Es regnet immer noch. Die meisten Wagen sind mit Plastikplanen gschützt.

Der Trommler gibt den Takt vor, und die Wagen setzen sich in Bewegung. Shakuhachi, Trommeln, laute Kommandos. So stellt man sich ein Matsuri vor. Es geht im dunklen die steile Straße runter und dann auf der Hauptstraße weiter. Polizisten stoppen den Verkehr. „Samurai“ (ein besserer Name fällt mir nicht ein; er bezieht sich nur auf die Kleidung) mit Laternen gehen voran. Es beginnt der Kampf mit Abstand, Blitzleistung und Bewegung. Wenn ich hieraus drei gute Fotos kriege, würde mir das schon reichen. Ich folge den Wagen durch halb Nikko.

Um 21:15 geht es endgültig zurück ins Hotel. Ich habe genug vom Regen. Die Batterien sind auch schon wieder tot. Für das Resto ist es schon zu spät, aber für mich wird eine Ausnahme gemacht. Ich ordere Karee (wenn man so will das japanische Spaghetti Bolognese) für 2100円. Nobel geht die Welt zu Grunde. Also noch eine kleine Käseplatte vorweg und Kuchen zum Nachtisch; dazu Rotwein. Die Soße für das Karee wird in einer Silberschüssel serviert. Reines Sterlingsilber. Irre schwer. Das Besteck dito. Anschließend geht es in die Hotelbar Dacite; dunkle Hölzer, gedämftes Licht, Kaminfeuer, Ledermöbel und Jazz. Ein Tresen und dahinter Whiskeyflaschen und ein Barkeeper. Es fehlt nur noch der Duft von Pfeifentabak. Die Dekadenz des Abendessen wird hier ihre Fortsetzung finden, bei Yamazaki Whisky, einem Bosten Cooler Cocktail und mal sehen, was noch folgt.

Nachtrag: Es sind so viele Nikko-Bilder. Ich habe die Bilder von meinem Rundgang auf gestern verschoben, da es von der Reise nach Nikko nur 3 gute Bilder gab.

Nikko und ein Regenschirm

Der Wechsel nach Nikko ist geprägt von Zugfahrten: 2 Stunden nach Nagoya, 2 weitere Stunden nach Tokyo, 2 nach Utsunomiya und eine von fort nach Nikko. Ein Sightseeing-Zwischenstop ist da nicht drin. Oder? Da ist ja noch mein Regenschirm in Nagoya.

Ach ja. Hatte ich glaube ich noch nicht erzählt. Hier im Ryokan stehen so kleine Tonfiguren in einer Vitrine. Alle mit spitzem Mund. Es sind Räuchergefäße. Das Geheimnis der Figuren kann ich nicht ganz lösen. Es gibt 100 Stück und es sind Personen der japanischen Geschichte. So viel habe ich raus.

Nach einem ausgiebigem Frühstück und Koffer wieder zusammenpacken geht es los zum Bahnhof. Um 10:30 Uhr gleich der erste Patzer. Die Züge fahren stündlich nach Gifu, außer … Richtig, außer um 10:37 Uhr. Genau dieser Zug fährt als Local nur bis Minaota. Meine Zeitplanung „2+2+2+1“ muß um eine weiter Stunde Wartezeit ergänzt werden.

Was tun? Wir nehmen den Local. Der Express eine Stunde später wird schon aufholen. Nach dem Fahrplan in Minaota auf 11 Minuten. Eine sichere Sache. Und los. 2 Waggons Local, das gleicht eher einem Schienenbus. Außer mir sind 6 Fahrgäste an Board. Gleich am ersten Halt fällt mein Blick auf einen riesigen alten Baum. Ich erfahre, daß das der älteste Kirschbaum Japans ist. Schnell ein Foto. Das hätte ich im Express verpaßt. Weiter geht es im Zuckeltempo.

Kurzer Stop in Minaota. Ich habe mich irgendwo verlesen, denn nach Anzeigentafel habe über 20 Minuten. Zeit für einen Kaffee. Eine Stunde später bin ich in Nagoya. Der halbe Tag ist rum. Ich buche ein Shinkansenticket und eile dann (mit Koffer) zum Hotel, um meinen Regenschirm zu holen. Auf dem Rückweg noch ein Stop bei „Big Camera“ und anschließend die Feststellung, daß ich den Zug verpaßt habe. Habe irgendwie die Ziffern auf den Ticket durcheinander gekriegt. Also: neues Ticket. In Tokyo wird dann der Shinkansen gewechselt (von Grün nach Blau). Stressig wird es in Utsunomiya. 2 Minuten liegen zwischen Ankunft des Shinkansen und Abfahrt der JR Nikko Line; ein Bummelzug, der mich 2004 zur Weißglut getrieben hat. Mit Anlauf und Riesenkoffer. Der Impulserhaltungssatz wäre auf meiner Seite. Geschafft. Es ist bereits dunkel, als ich in Nikko ankomme. Es folgt die letze Etappe; mit dem Taxi zum Hotel.

Ich glaube ich bin hier falsch. 2 Pagen kommen mir entgegen. Einer verschwindet mit meinem Gepäck, der andere eskortiert mich zur Rezeption. Er kurbelt sogar die Drehtür für mich. Im Marco Polo stand zwar was von Luxushotel, aber … Hoffentlich stimmt der Preis aus dem Internet. Ich sehe schon meine Kreditkarten schmelzen. Nach dem Check-in geht es mit Eskorte zum Zimmer. Meine Koffer sind schon da. Das Haus ist eine Mischung aus Japanischen und altem englischen Stil. Eine faszinierende Kombination. Dunkle, alte Hölzer; überall Teppichboden, im Restaurantbereich Parkett. Mein Zimmer ist extrem geräumig, hat zwei englische (= butterweich gefedert) Betten, ein Badezimmer mit Badewanne und eine Minibar. Und es ist die erste Minibar, die ich sehe, die gefüllt ist. Ich entdecke sogar Bier und Whiskey.

Was ich bis jetzt nicht wußte: Das Nikko Kanaya ist das älteste Hotel im westlichen Stil in Japan. Preislich normalerweise bei 200€ plus. Irgendwie bin ich, eher durch Zufall, an ein Zimmer für 134€ gekommen. Der Service ist bis jetzt 5 Sterne superior. Dagegen ist das Radisson ein besseres Hostel.

Da das Resto schon geschlossen hat, suche ich mir eine Kneipe und entdecke mal wieder so ein Fundstück der Woche. Komplett zugerümpelt mit europäischen Kitsch. Der Gesamt- eindruck samt Publikum ist irgendwie „verschroben intellektuell“. Leider gibt es auch hier nichts Eßbares. Also halte ich mich an Hopfenkaltschalen.

Nachtrag: Ich hab heute die Bilder aus Nikko im Prorgamm, da es vom Wechsel selbt keine guten Bilder gab.

Infos zum (zweit?)ältesten Kirschbaum

Kamakura und mal wieder Regen

Der 8. April ist Buddha’s Geburtstag. Ich probiere mein Glück in Kamakura. Die Fahrzeit unterschätzen (erst 8:20 Uhr aufgestanden) wird mit Ankunft in Kitakamakura um 11 Uhr bestraft. Es ist kalt und regnet.

(1) Engakuji. Es war der erste große Tempel auf meiner ersten Reise (bei Sonnenschein). Aber in diesem Regen hat der Tempel eine Ausstrahlung, die fast schöner ist. Sabishi. Das Eingangstor ist imposant. Der Tempel beherbergt einen Nationalschatz. Und wie immer haben die Japaner viele Stufen dazwischen gesetzt; sehr viele Stufen. Oben angekommen hat man eine herrliche Aussicht und den Blick auf die 1303 gegossene Tempelglocke (2004 habe ich die glatt übersehen).

(2) Der Kenchoji ist gleichen nebenan. Auch hier ist alles in perfekter Harmonie. Tor, Halle, der Zen-Garten, der Regen. Der Blick von der Veranda der Gebetshalle ist unbeschreiblich. Ich hoffe, das kommt auf dem Foto rüber. Am Ende des Tempels, wo die Berge beginnen, ist noch ein Schrein. Schreine sind aber immer oben, nie unten. 245 japanische, fiese Stufen. Wieder wird man mit Ausblick belohnt. Bei gutem Wetter könnte man den Fuji sehen. Nur jetzt halt nicht. Hinter dem Schrein geht es weiter in Berge. Es reizt mich dem Weg zu folgen.

(3) Gegen 14 Uhr steuere ich den Hachimangu an. Die Kameraanzeige versagt. Es fängt an. Der Regen kriecht in die Kamera, setzt die Elektronik außer Gefecht. Ich genehmige mir einen Rundgang durch die hinteren Bereiche des Schreins, wo die jahrhunderte alten Mikoshi (tragbare Schreine) stehen. Am Ende des Geländes, bei der Bogenbrücke, fällt mein Blick auf den Eingang zu einem Garten. Den hatte ich bisher nie auf der Rechnung. Gleich am Eingang erschlägt es mich. Links und Rechts grüne Büsche und Kurschbäume. Als Holz sind Sichtschutzwände und kleine Dächer aufgebaut. Kirschblüten auf dem Weg. Japanische Papierregenschirme überall; der der Regen und die dazugehörige Stimmung. Am liebsten würde ich genau hier stehen bleiben. Der Anblick – und auch das Foto davon – sind so gut, daß ich es sponton zum Foto dieser Reise küre. (Nachtrag: Es ist das Titelbild für den Blogabschnitt „Reise 2008“ geworden.) Der Blick durch dass Kameraprisma wird nebelig und der Autofokus versagt. Pause. Ich bestelle Katsudon (oder sowas ähnlichen) und Sake. Ich taue langsam wieder auf.

(4) Jetzt geht es die Allee runter, rechts weg, Bahnübergang, lange Straße. Am Ende der Straße rechts zum großen Buddha. Ein bischen Kirschblüte ist noch da. Reicht für ein Foto. Dann zurück zum Tempel mit dem riesigen Lampion. Der Tempel ist und bleibt ein muß, mit seinen mehreren Ebenen und dem historischen Bambushain. Die Digitalkamera schafft den Fisheye-Effekt nicht; blödes APS-C-Format.

(5) Nach dem Schrein gehts weite nach Hase. Ich brauche noch das Foto von dem Eisenahntunnel. Der hat so was „remotes“. Außerdem stehen hier noch zwei weitere Tempel; klein aber mit ihrem eigenen Charme. Wenn es nicht so spät wäre, könnnte man weiter zur Enoshima-Halbinsel laufen. Zeit für die Rückreise. Der Zug um 19:02 Uhr Richtung Yokohama erlaubt noch einen „StaBa“ Caramel-Macciato.

In Yokohama bin ich vom Pech verfolgt. Chinatown hat schon zur Hälfte geschlossen. Die Restaurantwanhl fällt – ohne es zu wissen, da ich die Kanji nicht lesen kann – auf das berühmte Hei Shin Rho. Anschließend zum Landmarktower, der auch schon geschlossen ist. Folglich bleibt nur die Heimreise nach Tokyo. Der Zug hat Verspätung, wegen Wind! Das wäre doch mal was für die Deutsche Bahn. Das Unwetter, das mir den ganzen Tag Regen bescherte, ist jetzt über uns. Blitz und Donner kommen gleichzeitig.

Zurück im Edoya folgt der Zimmerwechsel. Wow. Deluxe Suite mit 2.5 Zimmer, Doppelbett Futon, Tatamiecke und Sitzecke im westlichen Stil (Ledercouch). Ganz nett, aber mein Favorit bleibt Raum 307. Ich brauche keine Couch.


Nachtrag: In Tokyo Eki habe ich mich verlaufen. Die Yamanote erreicht in 2F. Der Zug nach Kamakura verläßt die Station auf B5. Da sind 7 Ebenen zum Patzen. Eine reicht. Die Menschen, die Schilder, die ganzen Treppen und Shops überall. Chaos. Wie bei meinem esrten Urlaub wo ich völlig planlos war. Damals hatte ich meine Koffer in einen Coin-Locker gepackt und den dann nicht wiedergefunden.


Link zum Reiseführer / Kartenmaterial

Rikugien und Kabuki

Heute ist Montag und ein Arbeitstag für mich. Wow. Das ich das mal sage. Der Deal ist, daß ich zum erst gegen Mittag starte. So bleibt Zeit, um einen der „Tokyo Metropolitan Garden“ zu besuchen: Rikugien.

Er liegt abseits im Norden aber am Yamanoterings und wird oft übersehen. Ich steige in  Komagome aus. Hierhin verschlägt es keinen Touristen. Ich hatte ihn auch nicht auf der Liste. Der Tip stammt von der Rezeptionsdame, immer eine Quelle guter Ideen. Ich laufe … um den Park herum. Der Eingang ist aber der anderen Seite. Sehr witzig Leute.

300en und ich bin drin. Der Garten ist klassisch japanisch: Grünflächen dahinter ein Teich, Waldgebiete und ein angedeutetes Gebirge. Wie immer sind alle Landschaften vertreten. Ich stehe an der Küste und der Blick kann in die Ferne schweifen. Hinter dem Meer das Gebirge, links davon ein Wald. Am Fuß des Gebirges steht eine Teehütte. Sie soll Ziel der Wanderung werden. Dort angekommen genieße ich grünen Tee und Reiskuchen. Das – und der Blick auf den Teich – ist Urlaub in Japan und einer dieser Momente, die man festhalten will, aber nicht kann. Ich klinge wie eine Platte mit Sprung, aber: Eine Oase der Ruhe in dieser Megastadt.

Da die Arbeit ruft, geht es zurück zur Yamanote. Umsteigen in Ikebukuro und … den Eingang zur falschen U-Bahn erwischt. Hellbraun (Yurakucho Line) vs. Dunkelbraun (New Line). Ist aber auch echt fies. Da die Suica geblockt ist, komme ich nicht mehr raus. Ich muß die Karte  am Fare Adjust freischalten – war kurz etwas in Sorge. Aber mit Touristen hat man hier Nachsicht.

Um 18:40 Uhr Feierabend; auf zu 3-12 Ginza, oder etwas kürzer: Kabuki-za. Die Fahrt ist eine Weltreise: 1 Stunde. (Nachtrag: Ich hätte den U-Bahnplan lesen sollen. Es gab eine schnellere Option als die Yamanote). Glück gehabt. Es gibt noch Karten. Stehplatz, aber egal. Der Rest wäre eh zu teuer. Das Headset mit der Übersetzung lehne ich dankend ab. Ich werde nichts verstehen, aber das ist allemal besser als eine gelangweilte Übersetzung.  Ne, ne. Wir bleiben schon auf der Japanschiene, inklusive O-Ton.

Das Stück ist ein Kömodie. Das Bühnenbild ist stark reduziert. Alle Rollen werden von Männern gespielt. Die weiblichen Figuren erkennt man an Kleidung, Stimmlage, Betonung und Wortwahl (Stichwort atashi statt boku). Die Gesten sind teilweise übertrieben, was der Komik beiträgt. Einige Passagen scheinen direkt an das Publikum gerichtet. Es gibt auch Zwischenrufe aus dem Publikum. Keine Ahnung was die bedeuten. Aber es gehört wohl dazu.

Nach dem Kabuki laufe ich die Ginza hinauf nach Tokyo Eki und ergebe mich dem Häusermeer und den „Lichter der Großstadt“ (Motte, Licht, ihr wißt schon); 20 bis 30 Stockwerke gekrönt mit meterhoher Reklame. Im Hinterkopf das Wissen, daß das in alle Richtungen über Kilometer so weiter geht. Der Tokyo-Virus hat mich und läßt mich erst wieder los, als ich im Onsen auf dem Dach des Hotels sitze.

Habe übrigens von der Rezeption noch einen Tip bekommen. Am 27 und 29 April und dann wieder im Mai sind Teezeremonien im Nezu Jinja. Vielleicht ist dann auch die Azaleenblüte. Passen würde es. Da ich dann wieder in Tokyo bin. Obwohl … Bis zum 27 gilt der JRP und ich wollte noch nach Hakone. Andererseits ist das der Sontag. Mal sehen ….

Nachtrag: Die dunkelbraune New Line heißt seit 2010 Fukotoshin Line und verfügt jetzt über 16 Haltepunkte. Sie folgt in Shibuya beginnend grob der Yamanote bis Ikebukero, dann fährt sie in die nordwestlichen Außenbezirke. Für Touristen also nur von sekundärem Interesse. Sie ist mehr eine alternative zur überfüllten Yamanote auf der westlichen Nord-Süd-Strecke.

Narita und die ersten Kirschblüten

Bereits vom Korridor des Ankunftgates kann man die ersten Kirschblüten sehen. Bisher fühlt sich Japan nicht anders an, als vor 2 Jahren. Die Spannung steigt. Es folgt das übliche Terminalhopping: Koffer, Zoll, Miettelefon (neue Disziplin), Japan Rail Pass. Anschließend — nur eine Tür weiter — Suica kaufen. Das hätte ich schon beim ersten Mal machen sollen. Mit der Suica in der Tasche fühlt man sich gleich japanischer.

Ankunft in Tokyo

Abschluß der Kür: am Shop gegenüber dem Keisei-Counter ein Bier. Tradition. Kurz nach 11 Uhr der Ltd.Express (die nächste Tradition) nach Ueno. 80% der Touris nehmen den NEX nach Tokyo Eki,weitere 19.9% den Kesei Express nach Ueno. Nur ich wähle den Local oder Ltd. Express. Hier ist man nicht unter sich (Touristen) sondern unter Japanern. Aus dem Fenster sieht man immer wieder Kirschbäume. Ich bin also schon mal nicht zu spät.

In Ueno geht es am Park vorbei zum Yushima Tenmangu. Der Park ist total verändert. Ich habe ihn grün in grün in Erinnerung. Die Bäume, Hecken und auch die Wasserflächen (dank der Seerosen), alles grün. Jetzt sind die Techfläche frei und der Weg zwischen den beiden Wasserflächen ist eine Allee zwischen Kirschbäumen. Die Blütenblätter fallen wie Schnee ganz lagsam und vereinzelt auf den Weg. Was für ein Anblick, obwohl die Kirschblüte halb vorbei ist.

Erster Blick auf die Kirschblüte

Schnell der Check-in im Hotel Edoya; Zimmer 204 (Fotos nach der Reise im Fazit). Anschließend zurück in den Ueno Park. Die Stimmung ist ausgelassen. Am Tempel gibt es Stände mit Takoyaki, Yakitori, Chabuchabu, jede Menge Unidentifizierbares und … Döner! Das ist neu. Ich halte mich an japanisches Futter. Da weiß man, was man hat, auch wenn man nicht weiß, was es ist. Über diese Stände, ich nenne sie einfach mal Matsuri-Stände, könnte man einen eigenen Blog schreiben. Neben den kleinen Garküchen, die es überall gibt, sind sie ideal, um sich mit der japanischen Küche vertraut zu machen. Und noch wichtiger: Sie machen den Charme eines jeden (Schrein)festes aus.

Gegen Abend wird’s kühl. Ich eile zum Hotel, einen Pullover holen. Das hatte ich in Japan noch nie. Weiter geht es nach Akihabara; eine WLAN-Karte fürs Notebook shoppen. Bezahlt wird mit der Sucia. Brieftasche auf des Lesegerät legen. Fertig. Cool.

Zweiter Blick

Im Dunkelen geht es zurück zum Park. Die Bäume sind angeleuchtet. Mit dem tiefblauen Himmel ist das ein unbeschreiblicher Effekt. Der Kiyomizu Kannon leuchtet dunklerot. Die Gallerie ragt in die Kirschblüten. Der Anblick ist festlich und mystisch zugleich. So langsam schwappt diese Sakura-Stimmung zu mir über. Gleich am ersten Abend ist klar: Sakura ist eine eigene Jahrszeit, eine besondere Stimmung. Gegen 23 Uhr ist Sperrstunde. Auch das ist Tokyo. Daran muß man sich gewöhnen. Der erste ist Tag rum; ein gelungener Auftag. Und … Ich brauche ein Fotostativ. Sich immer an Laternen und Gartenzäune klammern, ist keine Lösung.

http://www.youtube.com/watch?v=jACrJZBl8JM


Nachtrag: Oben am Tempel bekomme ich zwei Japanknipser in die Hand gedrückt. Das ist der Nachteil, wenn man mit einer Spiegelreflex rumläuft. Die Japaner halten einen für einen Profi. Also Fotos machen. Muß zugeben, diesmal bin sogar ich vom Ergebnis beeindruckt. Abstand und Aufhellblitz gerade richtig. Besser hätte ich das mit meiner Pentax auch nicht hingekriegt. Es folgt das Händeschüttel mit allen Beteiligten.