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Rediscovering Landung in Narita

Nach einer Ewigkeit setzen wir zur Landung an (14 Stunden sind einfach zu lang). Ich bin endlich zurück in Narita. Der Flughafen wurde renoviert. Ich vermute, es war eine Nebenwirkung der olympischen Spiele. Auf der unteren Ebene, dort wo die Schalter der Bahngesellschaften sind, ist aber fast alles wie damals. Fast. Der Kiosk, an dem ich sonst immer das Bier und Atarime gekauft habe ist weg. Kann aber sein, dass der schon 2019 fehlte, da bin ich über Haneda geflogen.

Als erstes besorge ich meinem Bruder eine Sucia, die IC-Karte, die reisen und Einkaufen in Convenient Stores (japanisch: Kombini) einfacher macht. Danach holen wir uns das Keisei-Zugticket und den 3-Tage-Tokyo-Subway-Pass. Nur den Japan Rail Pass können wir hier nicht tauschen, da der von JR West1 ist. Wir müssen mindestens bis Kyoto. Egal.

Um den JRP kümmern wir uns später. Jetzt ist Zeit für Tradtion: Bier und Atarime. Anschließend nehmen wir den 17:48 Uhr Skyliner nach Keisei-Ueno. Die Fahrt ist entspannt. Tokyo kommt dichter. Die Dämmerung setzt ein. Ein erster Blick auf den Sky Tree. Das hat mir echt gefehlt. Es fühlt sich nicht wie 6 Jahre an, aber trotzdem. Schön, zurück zu sein.

In Keisei-Ueno2 angekommen nehmen wir den Ausgang zum Uenopark. Falsche Richtung, aber es ist der Ausgang, den ich 2004 genommen habe. Hier schlägt auch das Klima in Tokyo zu. Ich habe total vergessen, wie fies die Hitze und Luftfeuchtigkeit ist. Es wird Tage dauern, bis ich mich adaptiert habe. Die Zikaden zirpen im Hochbetrieb. Den Sound habe ich nicht vergessen, aber vermisst. Ja, ich werde diese Aussage in ein paar Tagen bereuen.

Anstatt jetzt zum Yushima-Schrein und weiter zum Hotel Edoya zu gehen, geht es es dieses Mal zur Uenohaltepunkt der Hibiya-UBahn. Ueno hat sich in den letzten 6 Jahren kaum verändert. Mit fällt auf, dass ich noch nie vorher diesen Eingang zur U-Bahn genommen habe.

Ein U-Bahn fährt gerade ab. Rappelvoll. Das ist nicht gut. Ich habe die Rushhour in Tokyo total ausgeblendet. Ich frage den Station Master, ob das mit den Koffern eine gute Idee ist. Er meint, kein Problem3. Und ja, die nächste Bahn ist etwas leerer.

Wir müssen nur eine Station, bis Iriya. Der Fahrstuhl bringt uns nach oben, zurück in die Hitze. Ugh. Kurze Orientierung und auf gehts. Das Hotel liegt in einer Wohngegend, direkt gegenüber einer Schule. Ich habe japanische Zimmer mit Futon gebucht. Japan, volles Programm. Für mich normal. Das Feedback von meinem Bruder bekomme ich dann morgen.

Da es noch nicht einmal 20 Uhr ist, gehen wir zurück nach Ueno. Ein kleiner Fußmarsch kann nicht schaden. Nur, dass ich mich in der Straße irre. Die UBahn-Haltestelle Inaricho hatte ich nicht erwartet. Wir haben versehentlich die Kiyosubashidori genommen. Zum Glück ist das nur minimal ab vom Kurs.

Unser Ziel ist Ameyocho, die Einkaufsstraße neben und unter den Bahngleisen. Hier ist Nachtleben. Wir finden schnell eine Straßenrestaurant mit Yakitori. Zugegeben, mich haben die Whiskyflaschen magisch angezogen. Yamazaki 18 Jahre, Hibiki 17 jahre, usw. Für Jahre waren diese Flaschen nicht verfügbar.  Ich vermute, dass Covid gut für die Fassbestände war.

Ich bestelle mir ein großen Highball. Endlich wieder Highballs4. Warum gibt es die nicht in Deutschland? Dann noch einmal wild durch die Speisekarte bestellt. Es fühlt sich gut an, wieder in Tokyo zu sein.

Wir laufen noch einmal die Straßen der Ameyocho5 rauf und runter. Danach geht es zu Fuß zurück nach Iriya. Dieses Mal entlang der richtigen Straße.

Nahe Iriya-Station gibt es einen 7eleven, wo wir noch Proviant aufnehmen. So langsam macht sich bei mir der Flug bemerkbar; nicht der Jetlag. Meine Körper ist noch auch Europazeit, also etwa 16 Uhr. Da ich im Flugzeug nicht schlafen kann, habe ich die Nacht durchgemacht.

Für meinen Bruder wird es die erste Nacht in japanischer Umgebung mit Tatami und Futon; bin auf seinen Bericht morgen früh gespannt.

Rediscovering Japan beginnt

Montag, 08.09.025 — Heute, nach 6 Jahren geht es los; endlich wieder nach Japan. Die Frage bleibt: Was hat sich verändert? Gefällt es mir noch? Die Antworten dazu kommen ab übermorgen.

Jetzt sitze ich erst einmal auf gepackten Koffern und warte auf das Taxi. Mein gesamter Hausstand ist im Schlafzimmer gestapelt. Ein größerer Wasserschaden in meiner Wohnung erfordert, dass der Fußboden in Küche und Wohnzimmer entfernt wird. Das ist sicherlich ein Novum. Meine erste Reise 2004 war kurz nachdem ich in die Ratzeburger Allee gezogen bin. Damals war auch (fast) alles noch in Kartons.

Die Deutsche Bahn bringt mich mit nur 20 Minuten Verspätung von Koblenz nach Frankfurt Flughafen.  Bier vom Fass wurde abgeschafft. Zum Glück gibt es noch die überteuerte Currywurst. Und ich bin einer der letzten Kunden, denn um 22 Uhr schließt das Bordrestaurant, egal wie lang die Reise noch ist.

Vom Bahnhof geht es zum Flughafen und vor dort mit dem Shuttlebus zum Hotel. Ich bleibe über Nacht im Steigenberger, obwohl der Flug erst morgen Abend ist. Warum? Weil ich es kann. Und, weil ich der Deutschen Bahn keinen Zentimeter traue. Und da mein Bruder morgen Nachmittag in Frankfurt ankommt, habe ich einen Ort, meine Koffer zu lagern, bevor wir gemeinsam zum Check-in gehen.

Dienstag, 09.09.2025 — Ich nutze Zeit bis zum Check-out, um auszuschlafen. Danach parke ich meine Koffer an der Rezeption und fahre mit dem Shuttle zum Flughafen. Gestern gab es Probleme mit dem Online-Checkin. Die will ich klären bevor es stressig wird.

JAL ist super. Ich kann alles klären. Wegen des Buchungssystems ist der ö beim Namen meines Bruders als oe geschrieben und passt damit nicht zu den Daten im Reisepass. Wirklich? Eine Codepage 850 vs. Codepage 437 im Jahr 2025? Wirklich? Ich dachte wir hätten Unicode mit 16bit erfunden.

Gegen 15 Uhr erreicht mein Bruder Frankfurt und parkt sein Auto in einer Gegend, die nicht 30€ am Tag kostet. Ich warte an der Hotelbar. Es ist Zeit für Aperol Sprizz. Ich vermute der letzte für die nächsten 4 Wochen. Die S-Bahn zum Flughafen (betrieben bei Deutsche Bahn) hat Verspätung. War ja klar. Zum Glück ist mein Bruder wie ich und hat viel Backup-Zeit im Plan.

Check-in, Warten auf den Flug und Boarding verlaufen komplett ereignislos. Der Flug selbst ist auch langweilig. Dank der blöden Russen geht der Flug unterhalb der Ukraine vorbei, anstatt über die Polarroute, und dauert 13 Stunden. Das klingt jetzt nicht viel schlimmer als 11 Stunden, aber die 2 Stunden machen echt einen Unterschied. Nach 9 Stunden wird es nervig. Mit nur noch 2 Stunden auf der Uhr ist das erträglich, aber eine Restzeit von 4 Stunden? Arghhh.

Japan 10 – Rediscovering Japan

Meine letzte Reise ist nunmehr 6 Jahre her. 2019 war ich für die Thronbesteigung des neuen Kaisers für drei Wochen in Japan. Das war als Ausnahme zu meinem 2-Jahres-Rythmus geplant.

Die Todesgrippe hatte dann andere Pläne. 2020 musste ausfallen. Ich hatte Hoffnung auf 2021; wären dann wieder 2 Jahre Abstand gewesen. Nein. Erst Ende 2022 wurden die Grenzen für Touristen wieder sinnvoll geöffnet. Da waren aber meine Koffer schon für die USA geplant. Die nächste Chance 2024 wurde durch bescheuerte Termine auf der Arbeit (die übrigens alle das Projekt nicht voran gebracht haben) verhindert.

Mittlerweile ist 2025. Meine letzte Reise ist 6 Jahre her. Das war anders geplant. Was hat sich geändert? Wie schlimm ist es? Wie ist Japan 20 Jahre nach der ersten Reise? Und dieses Mal kommt mein Bruder mit. Es ist seine erste Reise und meine Zehnte. Es wird seine Aufgabe werden, mir den ersten Eindruck von Japan in 2025 zu vermitteln, damit ich ihn mit meinem ersten Eindruck von 2004 vergleichen kann. Mein Bruder wird für mich also die Aufgabe des „Rediscovering Japan“ übernehmen müssen. Damit ergibt es umsomehr Sinn, dass ich meine erste Reise wiederhole. Hier ist die Reiseroute:

Das wird ein kompaktes Programm; keine Pause; einfach mal den Reiseführere durcharbeiten.


Und ja, Japan soll sich verändert haben. Das Zauberwort heißt „Overtourism“. Es sind zu viele Idioten in Japan im Urlaub; eine Armee von asozialen Youtuber und TikToker. Arrogant. Selbstbezogen. Rücksichtlos. Dazu Amerikaner und Chinesen, die sich auch ohne FPV-Kamerasicht daneben benehmen.

Die Stimmung in der Bevölkerung kippt. Wie in Dutschland gewinnen rechte Hardliner in der Regierung die Oberhand und die wollen Ausländer raus aus Japan haben, auch Touristen. Kneipen haben Schilder wie „Kein Zutritt für Ausländer“ an der Tür hängen.

Was hat sich geändert? Wie schlimm ist es? Wie ist Japan 20 Jahre nach der ersten Reise? Werde ich noch willkommen geheißen?

Ich kann nur hoffen, das ich nicht mit den anderen Ausländern in einen Topf geworfen werde. Mein Alter und das fehlende Smartphone vor dem Gesicht könnten da helfen.