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Funfact – Oshiokuribune

Ukiyo-e ist eine Drucktechnik, die in Japan bis zur Perfektion entwickel wurde. Das wohl bekannste Bild ist Die große Welle von Kanagawa von Katsushika Hokusai. Es ist in Japan omnipräsent und ziert unter anderem den Japan Rail Pass.


(Quelle: wikipedia-Mediendatenbank)

Die meisten übersehen die drei Boote, Oshiokuribune genannt. Sie waren etwa 15m lang und hatten 8 Ruderer. Die Boote waren die damaligen High-Speed-Boote. Ein Grund für ihre hohe Geschwindigkeit über längere Zeiträume wären die beiden Leute, die man im vorderen Bereich der Boote erkennen kann. Sie sind die Ablösung für zwei Ruderer, die sich dann erholen können um ihrerseits wieder Ruderer abzulösen.

Hoppy (und Happoshu)

Auf meiner 2018-Reise habe ich viel Hoppy getrunken. Das Getränk ist mir 2010 zum ersten Mal untergekommen; auf einem O-Bon-Fest am Hiekawa Jinja in Tokyo. Danach hab ich es nicht mehr bewusst wahrgenommen. Erst 2018 war es irgendwie auf jeder zweite Getränkekarte zu finden. Was ist Hoppy?

Hoppy (ホッピ) ist fast alkoholfrei (0.8%) und schmeckt fast ein wenig wie Bier. Hergestellt wird es von Hoppy Beverage Co., Ltd. (vormals Kokuka Beverage Company).

Geschichte: Die Produktion begann schon 1948. Früher wurde es mit Shochu gemixt und als Bierersatz getrunken. Dabei muss man wissen, dass richtiges Bier damals für den Normalbürger unerschwinglich war. Hoppy geriet in Vergessenheit, als Bier immer günstiger wurde und Hoppy das Image von Nachkriegszeit (Mangel) und Ersatzgetränkes anhaftete. Erst in der jüngeren Zeit kommt es, auch im Zuge der Low- oder Zero-Aolcohol-Bewegung, wieder zum Vorschein. Das Image wird heute mit Begriffen wie „Retro“ oder „original Japanese“ untermauert.

Diese neue Popularität begann in Tokyo, genauer gesagt in den Izakaya entlang der Keisei Main Line, die Ueno (Tokyo) mit Narita und dem zugehörigem Flughafen verbindet. Das war bis 2010 meine Hauptreiseroute. Es ist schon ein Zufall, dass ich seit 2012 über andere Flughäfen gereist bin. Wahrscheinlich habe ich deshalb das Aufkommen von Hoppy in Tokyo verpasst. Jetzt findet man es landesweit. Ich habe es 2018 in Otsu (Kyoto) getrunken und in Sendai.

Sorten: Es gibt zwei Hauptsorten von Hoppy, sowie Sonderausgaben:

  • Hoppy Original (White Hoppy)
  • Black Hoppy
    • 55 Hoppy .. eine Sonderausgabe zum 55 Geburtstag
    • Hoppy 330 .. die 330ml-Flasche für den Verzehr daheim
    • Hoppy Black .. das Black Hoppy für daheim

Rechtlich gesehen ist Hoppy in Japan alkoholfrei. Dennoch beträgt der Alkoholgehalt 0.8%. Nicht unwichtig, da die Promillegrenze in Japan nach meiem Wissen bei 0‰ liegt. Andere Quellen nenen 0.3‰. Ich würde aber kein Risiko eingehen wollen.

Kleiner Exkurs zu „alkholfrei“. In Deutschland gilt ein Getränk mit weniger als 0.5% als alkoholfrei. Hoppy ist also knapp drüber. Auf der anderen Seite können Fruchtsäfte bis zu 1% Alkohol betragen. Eine Kennzeichnung des Alkoholgehaltes ist nach EU-Recht erst ab 1.2% vorgeschrieben (Glück für die Fruchtsäfte). Die Bezeichnung „ohne Alkohol“ darf nur für 0.0% verwendet werden. Alkholfrei und ohne Alkohol haben also unterscheidliche Bedeutungen!

Wie trinkt man Hoppy? Die erste Option ist: pur. Die zweite wäre: aufgefüllt mit Soda. Beides ist erfrischend und im Sommer ist der Alkohol so niedrig, dass man ein paar Gläser zum Durstlöschen trinken kann ohne danach zu schwanken.

Traditionell wird Hoppy mit Shochu getrunken. Damit müsste das Getränk in die Gruppe der High Balls fallen. Wie auch immer: Gemixt mit Shochu kommen wir wieder auf Alkoholgehalte wie bei normalem Bier. Nur der Geschmack ist wesentlich dünner. Der Hersteller empfiehlt folgende Zubereitung:

  • 2-fach/mehrfach gebrannten Korui Shochu mit 25% Alkoholgehalt nehmen
  • Hoppy und Shochu gekühlt; das Glas im Gefrierfach tiefgekühlt
  • Mischungsverhältnis 1:5 (ergibt einen Alkoholgehalt von ca. 5%)
  • Shochu zuerst einfüllen, dann Hoppy ergänzen, sodass sich eine Schaumkrone bildet ohne umrühren zu müssen (ist nicht empfohlen).
  • Eis sollte nicht hinzugegeben werden (dafür wurde das Glas gekühlt)

Bestellt man Hoppy im Izakaya wird der Shochu als 中 (naka; innen) bezeichnet und Hoppy als 外 (soto; außerhalb). Wenn Hoppy nachbestellt werden sollm ordert man „soto“. Die Bestellung von „naka“ meint einen Shot (2cl) Shochu.


Happoshu (発泡酒) ist nicht mit Hoppy zu verwechseln. Happoshu ist Bier mit einem sehr geringem Malzanteil. Dies hat vor allem steuerliche Gründe. Das japanische Steuerrecht unterteilt bierähnliche Getränke nach ihrem Malzgehalt in 4 Gruppen. Die Grenzen liegen bei 25%, 50% und 67% Malzgehalt (anteiliges Gewicht des Malzes in dem fermentierbaren Sud). Über 67% ist es Bier, darunter bierähnlich.

In 1996 wurde die Steuer für die 50-67%-Gruppe auf das Niveau von Bier angehoben, womit der steuerliche Vorteil entfiel. In der Folge senkten die Brauer den Mazgehalt auf heute typischerweise unter 25%. Das Marketiung umwirbt diese low malt beers als gesundheitsfördernd, da es weniger Kohlenhydrate und Purine enthält.

Ein weiterer Trend ist Sapporo’s Mugi 100% Nama-Shibori. Es verwendet nur ungemälzte Gerste. Ganz ehrlich: Das klingt schon im Ansatz falsch.

Das Happoshu-Bier ist wesentlich günstiger als normales Bier … Und schmeckt auch so. Ich habe ein paar probiert. Ne. Schmeckt wie verdünntes Bier mit Beigeschmack.

In Japan sind neben Hopfen und Gersten- bzw. Weizenmalz etliche weitere Zutaten für Bier erlaubt. Darunter: Reis, Mais, Kartoffel, Hirse, Zucker/Karamel, Stärke. Also im Pinzip alles was man irgendwie vergären kann. Über diese Regelung können auch viele Craftbiere aus Belgien und den USA als „Happoshu“ eingruppiert werden.

Der neueste Trend ist „The Third Beer“ (第三のビール, dai-san no bīru). Dabei handelt es sich um Getränke mit Biergeschmack (die aber steuerrechtlich wieder kein Bier sind). Die Getränke arbeiten mit Malzersatz oder Mischen Happoshu und andere Zutaten.


Hier eine Auflistung der wichtigsten Happoshu (Quelle: wikipedia):

  • Happoshu with less than 25% malt content:
    • Hokkaido Nama-shibori Migaki-mugi (Sapporo)
    • Hon-nama (Asahi),  Aqua Blue label = low carb versions
    • Diet-nama Clear Taste (Suntory)
    • Magnum Dry Golden Dry (Suntory)
    • Cool Draft (Asahi)
    • Tanrei-nama (Kirin), Green Label = low carb Tanrei W = low purines
    • Enjuku (Kirin)
    • Style Free (Asahi)
    • Dosan Sozai (Sapporo)
    • Zero (Kirin)
  • Alcohol classified as „Other miscellaneous (2)“ = no malt:
    • Draft One (Sapporo) – uses pea protein
    • Nodogoshi-nama (Kirin) – uses soy protein
    • Slims (Sapporo) – uses pea protein
    • Jokki-Nama (Suntory) – uses corn, available in regular and strong
  • Alcohol classified as „Liqueur“ = Happoshu mixed with …
    • … barley spirits: Strong Seven (Kirin), Hop No Shinjitsu (Kirin), Koku No Jikan (Kirin), Goku-uma (Asahi), Ajiwai (Asahi), Clear Asahi, Asahi Off, Mugi Shibori (Asahi), Mugi To Hop (Sapporo), Off No Zeitaku (Sapporo)
    • … wheat spirits: Super Blue (Suntory), Kinmugi [Rich Malt] (Suntory),  The Straight (Suntory)

鯉のぼり .. Koi-Nobori

Koi-Nobori (鯉のぼり, 鯉幟) sind frei übersetzt Karpfenfahnen bzw. Karpfendrachen. Ein weiterer Name ist Satsuki-Nobori (五月幟, 皐幟), da man in April und Mai überall in Japan sehen kann.

Die Koi-Nobori sind traditionell mit dem Knabenfest verbunden sind, welches heute als Kodomo-No-Hi (Kinderfest) am 5. Mai stattfindet und ein nationaler Feiertag (Ende der Golden Week) ist.

Der Karpfen steht in Japan für große Kraft, da die Jungtiere mit ihren Eltern gegen den Strom schwimmen. Früher ist dass Kinderfest noch Tango no Sekku (Knabenfest) und war ausschließlich Jungen gewidmet. Der Karpfen stand symbolisch für den Wunsch, dass der Junge stark wird undist  wie der Junge Karpfen, der mühelos gegen den Strom schwimmt.

Wenn man genauer hinschaut, findet man die Karpfendrachen vorwiegend in den Farben Schwarz, Rot, Blau, Grün und Orange. Diese Farben standen ursprüglich für den Vater, den ältesten Sohn; weitere Söhne erhielten die anderen Farben, deren Reihenfolge regional unterscheidlich war.

Mit dem Wandel vom Knabenfest zum Kinderfest änderte sich auch die Bedeutung der Farben: Schwarz steht weiterhin für den Vater. Rot symbolisiert jetzt die Mutter und variiert meist in Richtung Pink. Die weiteren Farben stehen jetzt für die Kinder, Jungen und Mädchen gleichermaßen. (Seitenhieb: Der Mädchentag (Hinamatsuri) ist weiterhin nur für Mädchen. Soviel zur Gleichberechtung.)

Die Koi-Nobori sieht man am häufigsten über Privathäusern. Hier kann man dann im Prinzip auf die Größe der dort lebenden Familie schätzen. Man findet Koi-Nobori aber auch in Parks oder wie im ersten Foto über einen Fluss gespannt.

Ein Koi-Nobori-Set besteht für gewöhnlich aus den folgenden Elementen: Yaguruma (矢車, eine Art Speichenrad), eine drehende Windfahne mit Ballform, Hiryu Fuukinagashi (飛龍吹流し, die Drachen).

Die Größe variiert sehr stark. Der größte jemals gefertigte Koi-Nobori war 100m lang und wog 350kg. Er wurde 1988 in Kazo (Saitama-ken) hergestellt.

Karpfen

Der Karpfen ist ein Tier mit hoher Symbolkraft in Japan. Da er gegen den Strom schwimmt steht er für Willesstärke und Kraft, mit der sich alle Hindernisse überwinden lassen. Er steht auch für den Mut, hochgesteckte Ziele erreichen zu wollen. In der Chinesischen Mythologie schwamm ein Karpfen gegen den Strom des mythischen gelben Flusses, woraufhin ihn die Drachengötter – beeindruck von dieser Leistung – ihn in einen Drache verwandelten.

Diese Bedeutung machte in zu einem Symbol für das Knabenfest als auch ein wichtiges Symbol der Samurai. Man kann das Karpfenmotiv auf Helmen und anderen Rüstungsteilen finden.

Es gibt auch ein Koi-Nobori-Lied, das erstmalig 1932 erwähnt wurden. Der Text findet sich in der nachfolgenden Tabelle:

Std . Japanese Hiragana Translation
屋根より 高い 鯉のぼり
大きい 真鯉は お父さん
小さい 緋鯉は 子供たち
面白そうに 泳いでる
やね  より  たかい こいのぼり
おおきい まごいは おとうさん
ちいさい ひごいは こどもたち
おもしろそうに およいでる
Higher than the roof-tops are the koinobori
The large carp is the father
The smaller carp are the children
They seem to be having fun swimming.

Stärke, Ausdauer, Strebsamkeit – der Koi Karpfen visualisiert Werte, die tief in der japanischen Kultur verankert sind. Auch Reichtum, Glück und Erfolg lassen sich mit seinem schillernden Schuppenkleid und Farbvarianten in Verbindung bringen. Traditionelle Wandbehänge, Geschirr und Skulpturen ziert der Koi ebenso wie Alltagsgegenstände, Geschirr oder Kleidung; bis hin zu T-Shirts.

Koi sind ein beliebtes „Haustier“ erfordern aber sehr viel Pflege. Sie werden bis zu 60 (teilweise 80) Jahren alt. Dies sind jedoch Ausnahme. Der Durschnitt erreicht ein Alter von 25-30 Jahren. Immerhin doppelt so lange wie ein Hund durchhält. Im Durchschnitt messen sie 55-66 cm, größere Arten werden bis zu 90 cm lang.

Koi stellen hohe Anforderungen an ihre Nahrung und die Wasserqualität. Die berühmte Farbe der Koi ist dabei eine Mutation, die gezielt gezüchtet wurde. In Japan bezeichnet Koi den normalen Karpfen, der auch gegessen wird. Die Zuchtkarpfen heißen Nishikigoi; Brokatkarpfen. Der teuerste kostete seinen Besitzer 1.5 M€. Durchschnittliche Kois liegen bei 5000€

Historie: Der Karpfen kam um 1500 als Speisefisch aus China nach Japan. Vor rund 200 Jahren begann man, die Karpfen als „Dekoration“ in die ausgehobenen Reisfelder zu setzen. Im Laufe der Zeit entstanden immer farbkräfitgere Züchtungen. Auch die Zeichnung der Muster wurde immer besser. Auch der Kaiser züchtete Kois. Auf einer Ausstellung wurden die Kois zum Symbol für die Fortschrittlichkeit der japanischen Fischzucht. Das war im 1914. Seidem sind sie ein japanisches Kulturgut. Im Vergleich zu anderen Dingen, die wir mit Japan verbinden, sind die Kois eine sehr moderne Variante. Folgende Muster sind weitverbreitet:

  • Kohaku = weiß mit roten Flecken
  • Sanke = wie Kohaku aber zus. kleinere schwarze Muster
  • Showa = glänzend schwarz, mit weißen und roten Flecken
  • Bekko = schwarz-weiß
  • Ogon i= metallic-silber über goldgelb bis orangefarbener Koi
  • Asagi = schwarze bis hellblaue Zeichnungen auf dem Rücken
  • Koi Kinginrin = golden/silbern glänzende Schuppen
  • Butterfly Koi = große, fransige Flossen (erinnert an einen Drachen)
  • Doitsugoi sind Nachfahren eines Deutscher Karpfen von 1904. Sie sind schuppenlos oder haben Schuppenreihen unterschiedlicher Farbe.

Allen Kois ist eine anatomsiche Besonderheit gemeinsam. Sie haben keinen Magen und brauchen daher leicht verdauliche Nahrung. Kois fressen alles, was in ihr Maul passt. Züchter müssen als das Futter gut auswählen. Im Winter sind die Koi im Winterschlaf am Grund des Teichs. Ihr Stoffwechsel ist dann auf ein Minimum reduziert.

富士塚 .. Fujizuka

Da ist Fuji drin. Und ja, es hat etwas mit Mt. Fuji zu tun. Der Berg (Vulkan) hat eine zentrale spirtuelle Bedeutung in Japan. Der Berg ist die Gottheit (kami) Konohanasakuyahime. Viele Onsen, die keinen Blick auf den Fuji haben, findet sich in der Regel eine Wandmalerei des Fuji. (Fujibild-in-Onsen-Maler ist ein eigener Beruf in Japan).

Da sich in der Edozeit nicht jeder eine Reise zum Fuji leisten konnte, haben Schreine und Tempel einen Minifuji auf dem Schreingelände gebaut, dessen Besteigung die gleiche spirituelle Wirkung haben soll wie das Original. Ein anderes Wort für Fujizuka ist Sengenzuka. Schreinnamen mit einem Sengen enthalten, können (Konjunktiv) ein Hiweis auf einen solchen Berg sein.

Die Bergsteigesaison am Fuji beginnt am letzten Tag des 6. Monats (japanischer Kalender); Yamabiraki oder Hatsuyama. An diesem Tag werden dem Mt. Fuji Ehrerweisungen zuteil. Gläubige sind mit Pilgergewand (weiße Robe) und Pilgerstab unterwegs und zitieren Reinigungsverse für die sechs Sinne (rokken shojo). Wer nicht direkt am Fuji ist, macht dies am „lokalen“ Fujizuka.

Der kleine Berg ist fast immer künstlich angelegt. Verwendet werden Steine (kuroboku) und Pflanzen vom Fuji, sowie Erde vom Gipfel. Man kann also mit Recht behaupten, dass es ein Stück Fuji ist.

Während der Edozeit gab es weit über 200 Hügel. Heute existieren noch 56. Fast alle stehen im Raum Tokyo, was verständlich ist, da hier zur Edozeit die größte Bevölkerungsdichte war.

Ich bin durch Zufall über die Fujizuka gestolpert. Ich könnte wetten, dass ich schon einen gesehen habe, ohne es zu wissen. Hier eine Liste, soweit ich sie bisher zusammengetragen habe:

  • Moto-Fuji, Meguro
  • Teppozu Inari Jinja, Hatchobori, Chuo
  • Hatonomori Hachiman, Sendagaya, Shibuya
  • Shitayasakamoto Fuji, Onoterisaki Jinja
  • Nagasaki Fuji, Fuji Sengen Shrine
  • Ekoda Fuji, Ekoda Sengen Shrine
  • Shinagawa Shrine, nahe Shinbamba Station
  • Komagome Fuji Jinja

Außerhalb von Tokyo gibt es etliche Sengen-Schreine. Allerdings konnte ich bisher für keinen die dortige Existenz eines Fujizuka bestätigen. Hier die ersten google-Treffer:

  • Shizuoka Sengen Jinja [wiki EN] [Link]
  • Arakura Sengen Shrine, Yamanashi [Link] inkl. traumhafter Blick auf den Fuji; sehr viele Touristen zur Kirschblüte

Abgrenzung: In Tokyo und Umgebung gibt es auch Fujimizaka. Das „mi“ steht für sehen, schauen. Diese Hügel sind kein Minifuji, sondern Beobachtungspunkte; Hügel die aufegeschüttet wurden, um einen besseren Blick auf das Original zu haben. Ein mir bekanntes (und besuchtes) Bespiel ist der Fujumizaki im Hamarikyu Teien. Der Garten ist mein favorisierter japanischer Garten in Tokyo. Durch die modernen Hochhäuser ist der Blick auf den Fuji allerdings blockiert.

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焼き芋 .. Yakiimo

Imo sind Kartoffeln. Yaki kennt wir schon von Yakitori, Teriyaki, usw. Selbst mit diesen rudimentären Kenntnissen der japanischen Spreche ist klar, das es sind um geröstete oder gebratene Kartoffeln handeln muss.

Yakiimo sind in der Tat geröstete Suüßkartoffeln. Auf NHK gehören sie zur „Nahrungsgruppe“ Comfort Food. Den Begriff werde ich an anderer Stelle näher beleuchten.

Yakiimo ist so typisch japanisch, das es viele ältere Japaner eine Fahrt entlang der Nostalgiestraße ist. Es ist wie die Yatai etwas aus dem alten Japan und es stirbt leider aus.

Nachdem ich bei NHK über Yakiimo gestolpert bin, viel mir mein erster Urlaub in Japan (2004) ein. Damals fuhr ein kleiner Transporter mit einem Ofen auf der Ladefläche und einem rotem Lampion spät abends durch Ueno/Yushima. 2010 hatte ich die Chance ein Foto zu machen. Ja, es war ein Yakiimo-Verkäufer.

In Japan werden drei verschiedene Süßkartoffeln verwendet: eine gelbe, eine orangene und eine pine/violette Variante (Satsumaimo). Sie alle haben eine leicht unterschiedliche Textur und unterschiedlichen Geschmack. Die Süßkartoffeln in Deutschland sind nur ansatzweise identisch.

Yakiimo ist ein typischen Winteressen und vegan, wenn auch nicht glutenfrei. Ich empfehle sie an kalten Tagen zum Aufwärmen oder als schneller Snack auf dem Weg vom Izakaya zurück ins Hotel.

Es gibt zwei rten der Zubereitung: Grillen über Holzkohle und Backen auf heißen Kieselsteinen (石焼き芋 = Ishi-Yakiimo). Durch diese Zubereitung werden die Kartoffeln süßer.

Wenn man überlegt, sowas gibt es Deutschland nicht. Ich meine nicht Süßkartoffelverkäufer, sondern kleine Verkaufsstände, die abends einfache Gerichte servieren. Habt ihr schon mal in Hamburg einen kleinen Transporter gesehen, der Erbsensuppe verkauft? Der Wurstmaxe in Lübeck (wenn es ihn noch gibt) ist das einzige Beispiel das mir einfällt. Und er ist eher das Äquivalent zu Yatai.

Die modernen Food-Trucks sind nicht das Selbe, die sind so amerikanisch. Zudem ploppen die meist zur Mittagspause oder Veranstaltungen aus dem Boden, aber nicht spät nachts.

Yakiimo gibt es auch in einer modernen Variante. 2008 habe ich in Aizu-Wakamatsu einen Stand gefunden, der die Kartoffeln in Streifen geschnitten und mit Zucker bestreut verkauft.


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