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Shirakawago und Ainokura

Mit dem Taxi geht es zum Bahnhof. Ob das mit der Reservierungsnummer geklappt hat Wo ist der Bus? Der Busfahrer meint, ich hätte ein Ticket holen müssen. Au. Das klingt nach einem Problem. Aber der Sitzplatz ist für mich freigehalten. Ich kann dann doch beim Fahrer zahlen. Das ist gerade noch einmal gut gegangen. Mit der Fahrt in Richtung Norden sieht man immer mehr Schnee. Habe ich doch Glück? Bisher war ich für Winterwetter immer einen Monat zu früh.

Ogimachi ist ein Traum in weiß. Die Temperaturen sind um die Null Grad und der Schnee schmilzt allerorst in der Sonne. Es liegt genug. Das hält bis zum Abend. Über eine extrem dünne Betonbrücke geht es auf die anderen Flußseite. Die alten Häuser sind hoch mit Schnee bedeckt und wirken wie in den Schnee eingesunken. Ich wandere durch das Dorf. (So änhlich würde wohl Gothmund im Schnee aussehen.) Ich finde den Wanderweg zum Aussichtspunkt, der eigentlich gesperrt ist. Egal. Ich riskiere es und komme gut durch, trotz Schnee und Eis. Die Aussicht von oben ist toll. Man sieht das ganze Dorf, nur die moderne Straße rechts stört.

Wieder zurück im „Tal“ laufe ich noch etwas durch die verschneiten Gassen. Mit der Zeit im Nacken, kommt nur begrenzt Urlaubsstimmung auf. Die Stunden sind schnell vorbei. ich eile zurück über die Betonbrücke, um den Koffer zu holen. Dann erneut über die Brücke, da der Bus nach Ainokura doch auf der anderen Seite fährt. Ich war mir vorhin nicht sicher, habe aber die Haltestelle vorhin gefunden. Kanji lesen hilft. Mit Koffer ist die Brücke schon schwierig. Sie ist vereist und ich rutsche mehr als daß ich gehe. Am Ende der Brücke brauche ich drei Anläufe, um ein kleines, steiles Wegstück hinauf zu kommen.

An der Haltestelle angekommen bleiben noch zwei Minuten für einen Dosenkaffee und Postkarten. Der Bus ist wie immer in Japan auf die Minute pünktlich. Ich und ein Japaner sind die einzigen Fahrgäste. Ein Gespräch mit dem Busfahrer hat Hauptsatzenglisch und Hauptsatzjapanisch als Basis. Ich bin immer „Doitsujin“. Wir stoppen immer wieder auf freier Strecke, an alten Häusern und kleinen Tempeln, damit ich Fotos machen kann. Echt cool.

In Ainokuraguchi  steige ich aus und bedanke mich mehrmals. Der Bus ist weg und ich stehe irgendwo im nichts. Ein Schild weist den Weg. 300m durch den Schneematsch ist mit dem Koffer gar nicht so einfach. Am Dorfeingang ein Parkplatz. Der Parkplatzwächter drückt mir eine Karte in die Hand. Das Choyomon ist ganz am Eingang; was für ein Glück. Wie in Ogimachi ist auch hier alles zugeschneit. Der Schnee liegt 1m hoch.

Ich öffne die Tür, gehe hinein und rufe „sumimasen“. Eine ältere Frau erscheint und begrüßt mich. Schuhe aus und rein in die gute Stube. Sie zeigt mir sofort meinen Schlafplatz; mit einer gefühlten Raumtemperatur von 8 Grad. Der Atem bildet kleine Wolken. Dann gibt es eine Schale Tee am offenen Feuer im Wohnzimmer; gemütlich aber kalt. Ein kleiner Brenner mit ordentlich Schub dient als Heizung. Ich lese das Schild: „Kein Benzin einfüllen! Nur mit Kerosin betreiben!“ Das ist mal ne Ansage.

Um 14:45 zieht es mich nach draußen; Fotos machen. Ainokura ist klein. Nach einer halben Stunde hat man alles gesehen, also kann man sich viel Zeit lassen und die Szenerie genießen. Es gibt nur dieses verträumte kleine Dorf im Nichts. Alle Wege aus dem Dorf heraus in die Berge sind zugeschneit und unpassierbar. Ich besuche das lokale Museum in einem der Häuser. Es gibt nur wenige, aber sehenswerte Exponate. Man kann mit einer Leiter in die zweite Etage. Die Dachkonstruktion ist erstaunlich. Es werden keine Nägel verwendet Alles ist mit Seilen verknotet. Das Reet ist zweilagig aufgetragen.

Dann geht es den Berg hinauf zu einem Aussichtspunkt. Der Weg ist zwar unter Schnee begraben aber gerade noch so eben passierbar. Die Sicht auf das Dorf ist gut. Ich werde in der Dämmerung einen zweiten Anlauf machen. Der Weg führt laut Karte auf die andere Dorfseite. Aber nicht für mich. Ein paar Meter hinter dem Aussichtspunkt sacke ich bis über die Knie in den Schnee ein.

Also zurück ins Dorf. Btw, das Wetter ist bombig. Schon den ganzen Tag Sonne pur. Ich schleiche durch das Dorf und stoppe in einem kleinen Laden für Souveniers und Nihonshu (Sake) zum Aufwärmen. Gegen 16:30 fängt es an zu dämmern und Mond geht gerade auf. Ein perfektes Bild, aber nicht wirklich im Foto festhaltbar. Die Lichtverhältnisse erfordern ein Stativ und HDR.

In fortgeschrittener Dämmerung gehe ich wieder hoch zum Aussichtspunkt. Ich baue einen kleinen Schneeberg als Stativersatz. Ich glaube, mir sind ein, zwei gute Aufnahmen gelungen. Beim Abstieg ins Dorf sehe nur weiß. Der ganze Schnee in der Dunkelheit; wo ist der Weg? Ich taste mich langsam voran, nach dem Prinzip: geht der Schnee bis zum Knie, bin ich vom Weg abgekommen.

Ich bin pünktlich zum Abendessen zurück zum Choyamon. Am offenen Feuer wird bereits Fisch gegrillt. Ein zweiter Gast trifft ein. Die Mutter der Hausbesitzerin setzt sich zu uns; so eine richtige Obasan. Zum Glück kann der Japaner etwas für mich dolmetschen, sonst wäre ich aufgeschmissen. Nach 5 Worten bin ich immer raus.

Der Abend verläuft in gemütlicher Runde. Im Fernsehen läuft „Sasuke’s Rising“. Es erinnert ein wenig an Takeshi’s Castle, ist aber auf Kraft und Ausdauer angelegt. Die Show geht bis 22 Uhr. Dann ist es Zeit für ein heißes Bad. Das kann ich jetzt gebrauchen. In der Zwischenzeit bringt der Kerosinbrenner mein Schlafzimmer auf Temperatur.

Ich entschließe mich zu einer letzten Runde durch das Dorf. Wir haben fast Vollmond. Es ist also nicht zu dunkel. Und ruhig ist es. Totenstille. Ich höre keine Autos. Nichts. Etwas Wind. Man hört das Wasser plätschern. Der Flußlauf ist etwas entfernt und realitv klein. Dennoch ist er zu hören. In Ainokura kann man (nur) entspannen.

Die Nacht ist mit Unterbrechungen behaftet: Alle drei Stunden schaltet sich die Heizung aus Sichherheitsgründen ab. Binnen Minuten wird es kalt. Ich werde automatisch wach. Ein Druck auf die Starttaste für weitere 3 Stunden Wärme.

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Kanazawa

Über Nacht hat es geschneit. Nicht viel, aber so hatte ich mir das gedacht: Winterstimmung. Der erster Stop heute ist die Burg von Kanazawa. Die Anlage ist noch nicht komplett, soweit ich gelesen habe, wird zur Zeit rekonstruiert. Das was fertig ist, kann sich sehen lassen. Man schreitet durch das Tor und steht auf dem Innenplatz und hat den Blick auf eine Burgmauer mit Wachtürmen. Die Wände sind weiß, die Dachziegel und Holzbalken schwarz. Maximaler Kontrat. Gerade jetzt mit dem Schnee überall.

Kanazawa Castle

Gleich hinter der Burg ist der Kenrokuen, einer der drei schönsten Gärten Japans. Im Sommer muß der ein Kracher sein. Jetzt im Winter ist er schon die Wucht. Es gibt Rasenflächen, einen zentralen Garten. Wie immer sind mehrere Landschaften dargestellt. Auch eine Bergregion mit Bergwald und Flußlauf. Witzig: Die Äste der Bäume sind mit Seilen hochgebunden und sehen von weitem wie große Kegel aus. Warum sie machen weiß ich nicht. Wegen dem richtigen Wachstum oder wegen der drohenden Schneelast?

Ein Stop im Teehaus muß sein. Von der Terasse aus hat man Blick auf einen eingezäunten Teil des Gartens. Dann gibt es traditionell grünen Tee und Reiskuchen. Hier könnte ich stundenlang sitzen. Jede Position bietet eine neue Perspektive; wenn es nicht so kalt wäre. Es schneit wieder. So sollte Urlaub sein. Entspannend.

Auf dem Weg nach Nishi-Chaya mache ich einen Stop im Noh-Theater-Museum. Hier sind Masken und Kimono ausgestellt. Man darf sogar anprobieren. Das finde ich so schön in Japan. Museen haben oft etwas zum Mitmachen. Ich habe die Kleidung anprobiert. Mein Kendo und Iaido ist jetzt hilfreich. Hakama und Kimono sind keine Unbekannten. Ich weiß nicht, wie die ein ganzes Theaterstück mit diesen Masken durchziehen. Das ist wie unter PA. Mein Respekt vor den Schauspielern wächst.

Garten

Nishi-Chaya ist nur eine kurze Straße. Die alten Häuser sehen nicht schlecht aus, ich hatte aber mehr erwartet, zumal es keine Resto oder Geschäfte gibt. Die Suche nach dem Ninjadera ist schon kniffeliger. Hier stehen so viele Tempel. Welcher ist es denn jetzt? Ich mache mal auf Verdacht Fotos, bevor ich zum nächsten Ziel, Nagamachi, gehe. Hier stehen ein paar alte Häser und die Straße strahlt Gemütlichkeit aus. Die hohen Mauern um die Grundstücke sind mit Bambusmatten verkleidet. Man fühlt sich wie im alten Japan.

Den Oyama-Schrein hatte ich total vergessen. Jetzt stehe ich durch Zufall davor. Das Tor sieht komisch aus. Es wurde 1599 von einem niederländisches Architekten entworfen; eine Mischung aus japanischen, chinesischen und europäischen Elementen. OK, muß man mögen. Zumindest einzigartig.

Es folgt ein kurzer Abstecher über den Fischmarkt. Krabben für 120€, 1m lange Oktopus-Tentakel in knallrot und so vieles „meer“. Erstaunlich, was die Japaner alles essen (und wie lecker das teilweise ist). Der Geruch auf dem Fischmarkt ist fast neutral; So muß Fisch riechen. Ich bin da der gleichen Meinung wie Automatix. Trotz aller Angebote entscheide ich mich für Karree in einem kleinem Resto nebenan. Und weiter …

Nishi-Chaya und Higashi-Chaya

Der Bezirk Higashi-Chaya war definitiv den Fußmarsch dorthin wert. Hier stehen wie in Nishi alte Teehäuser, also Lokale in denen Geishas gebucht werden konnten (vgl. Gion on Kyoto). Higashi ist kaum mehr als ein Straßenzug und ein paar kurze Nebenstraßen, aber größer als Nishi. Hier wird ein Stück altes Japan lebendig. Ich besichtige eines der Teehäuser. Fotos darf ich nicht machen. Ich gehe durch die verschiedenen Räume. Ein Gästezimmer besteht immer aus zwei Räumen; einen für den Gast, einen für die Geisha und ihr Utensilien.

Auf dem Weg zum Bahnhof finde ich eine kleine Einkaufsstraße. Hier steht noch ein Tempel mit einem sehenswerten Mon. Ich finde ein Geschäft, indem ich einen Vorhang für mein Kamidana kaufe. Ein Tanzen in meiner Größe finde ich nicht; ebensowenig wie am Bahnhof. Haramaki gibt es, aber nicht in dem Osaka-Stil, den ich Suche.

Plötzliches wieder Schneefall; Arare. Genau wie gestern. Alles ist in Sekunden weiß. Das wäre ideal für Fotos, aber so schnell bin ich nicht in Higashi-Chaya oder Nagamachi. Die Pracht hält nicht lange. Sofort springen die Sprinkleranlagen auf der Straße an und spülen alles weg. Außerdem dämmert es schon. Auf dem Fußweg bleibt der Arare etwa 3cm hoch liegen. Ich einfach hier und genieße kurz den Anblick.

Kanazawa

Zurück auf dem Fischmarkt finde ich ein kleines Izakaya im Keller. Hier gibt es Kariage, kleine Holzspieße mit panierten Sachen: Fisch, Fleisch, Gemüse. So findet der Tag ein gemütliches Ende. Im Ryokan schnell noch ein Abstecher ins Bad. Das muß sein. Danach bin ich so entspannt bzw. müde, daß ich fast sofort ins Futon falle und einschlafe.

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Hikone und Eihei-ji

Heute ist der  erste richtige Standortwechsel; mit zwei Zwischenstops. Das wird hektisch und nach der Erfahrung von Asuka und Yoshino bin ich skeptisch, ob es eine gute Idee ist. Ein früher Check-out ohne Frühstück soll Zeit retten.

Der Weg zur Burg ist schnell gefunden. Eine riesige Burgmauer steht vor mir. Es geht dann bergauf, unter der Brücke hindurch, weiter bergauf und über besagte Brücke durch das Tor der Burg. Mich erwartet eine große leere Fläche. Der Grundriß alter Häuser ist an Steinen erkennbar. Der Hauptturm der Burg steht noch und ist einer der ältesten in Japan. Ein Original. Alles ist aus Holz. Die Konstruktion ist beeindruckend, aber so ohne Schuhe wirklich fußkalt. Von der Burg hat man einen Blick über Hikone und den Biwasee.

Hikone

Als ich die Burg verlasse gibt es gerade eine Vorführung des Maskottchen der Burg. Ein weißer Hamster mit Helm, oder sowas. Das ist mir zu japanisch. Der Garten am Fuß der Burg ist im Sommer sicherlich sehenswert ist. Jetzt im Winter ist er teilweise eine Bautelle und ich finde kaum Fotomotive ohne Bagger.

In der Castle Road stehen alte Häuser. Mit den schwarzen Holzbalken und weiße Wänden sind sie zu recht im Reiseführer erwähnt. Frühstück und Mittag, stoppe ich für Kaffee und Kuchen. Die Preise sind „autsch“: Eine kleine Torte (paßt von der Größe bequem auf einen normalen Teller) kostet 3600yen. Das Modell in in Deutschland üblicher Größe skaliere ich mal … naja, so 7000yen (70€)? Konditor in Japan müßte man sein. Ich beschränke mich auf ein kleines Stück und eine Tasse Kaffee. Man ist das kitschig hier. So mit verschnörkeltem Geschirr und Sitzkissen auf Stühlen im Jugendstil.

Der nächste Zug bringt mich nur bis Nagahama. Der nächste Zug nur bis Tsuruga. Argh. Ich bin eh schon hinter meinem Zeitplan. Streckensperrung? Wo? Welche Richtung? Hinter mir, also aus der Richtung woher mein Zug kommt. Ich werde kurz nervös. Dann rollt der Ltd Express nach Fukui ein. Reicht, mehr will ich nicht.

In Fukui Schnee auf den Straßen und Schneeregen von oben. Und … Der nächste Bus nach Eihei-ji fährt erst um 15:20 Uhr und der letzte zurück um 16:20 Uhr. Eine Stunde warten und nur 40 Minuten für den Tempel. Ich überlege, diskutiere mit dem Fahrkartenverkäufer über Optionen. Taxi? Das würde mich finanziell töten; 50€ wenn nicht mehr. Also doch Bus. Ich lasse mich überreden. Den Koffer darf ich beim Ticket Office parken.

Eihei-ji

Ich nutze die Wartezeit für Mittagessen. Karee. Den geht es los. Ich werde förmlich zum Bus eskortiert, dem Busfahrer vorgestellt. Ich bin der einzige Fahrgast. VIP-Status sozusagen. Abfahrt. Die Straßen haben in Kreuzungen und auf der Mittelline Sprinkleranlagen gegen den Schnee. Coole Idee. Aber was ist bei -10 Grad. Das gibt doch ne Eisbahn?

Wir erreichen den Tempel in einer magische Stimmung: Schnee, leicht neblig, naßkalt. So ein wenig Koyasan-Feelung. Rein. Überall Mönche. Ich eile durch die Korridore und Hallen. Die Anlage ist sehr schön. Eigentlich reichen 40 Minuten nicht. Wegen des Wetters sind die offenen Korridore mit Plane abgedeckt. Ein Blick in die Innenhöfe ist schwer. In der Haupthalle beten die Mönche gerade. Einige laufen wie auf Schienen durch die Halle und tragen Dinge rein und raus. Wie Roboter sieht das aus. Mit Anlauf geradeaus bis kurz hinter eine Säule, dann eine langsame exakte 90-Grad-Drehung und wieder beschleunigen. Alles was sie tragen, halten sie hoch über den Kopf.; sieht putzig aus.

Kurz noch in eine Halle mit goldenen Tafeln geblickt, dann muß ich zum Bus zurück. Die Rückfahrt ist von einer anderen Haltestelle. Ich laufe bergb. Bei Schneematsch gar nicht so einfach. Das Ticket für die Rückfahrt muß ich in einem kleinem Laden gegenüber der Haltestelle kaufen. Der Busfahrer ist so nett und wartet.

Die Rückfahrt führt an einer Baustelle vorbei. Betonstelzen. Der Shinkansen wird gebaut. Demnächst sind Kanazawa und Fukui nur noch ein Katzensprung von Tokyo aus. Ich überlege wie die Mönche damals angereist sind? Genauso fühle ich mich gerade. In ein paar Jahren fahren alle Touristen mit 300 Sachen hierher. Ich brauchte Stunden. Aber, ob das gut ist? Eihei-ji hat einen Teil seiner Mystik auch deshalb, weil er am Arsch der der Welt ist.

In Fukui folgt ein zweiter Stop für Essen, bevor es mit dem Zug nach Kanazawa geht. In einem Cafe wird selbiger mit einer Glaskolbenkaffeemaschine gekocht. Es gibt 20 verschiedene Kaffee-Blends zur Auswahl. Ich wähle den European Blend und schaue dem Wirt beim Kaffeekochen zu. Ich merke mir folgende Dinge: Wasser schon heiß einfüllen und grob gemahlener Kaffee. Mit dem Brenner hier schießt das Wasser binnen Sekunden nach oben. Ich brauche einen stärkeren Brenner!

Kanazawa: Auf dem Weg zum Ryokan fängt es an zu … Regen ist es nicht, Schnee auch nicht. Ich erfahre: die Japaner nennen es Arare. Wir nennen es Schneegraupel. Aber die Intensität überrascht. Innerhalb von Sekunden und ohne Vorwarnung ist die Straße weiß. Dazu beginnt ein stürmischer Wind. Ich habe keine Chance in Deckung zu gehen. Nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Ich wollte Schnee. Es war nur anders geplant.

Kanazawa at Arrival

Wo ist das Ryokan? Die Straße sollte stimmen Ich frage nach und erfahre, der Typ weiß auch nicht in welcher Straße er ist. Super Ingo. Ein Kollege hilft aus. Die Straße stimmt, aber wo das Ryokan ist, weiß auch er nicht. Ich laufe weiter. 30m weiter auf der Linken Seite werde ich fündig; ein großes Schild. Wer lesen kann wäre klar im Vorteil.

Nach dem Check-in gehe ich zum Abendesseen in ein Izakaya gleich um die Ecke, das mir das Personal empfohlen hat. Die Straße und das Izakaya ist Teil des Fischmarktes. Nicht einmal in Japaner kann Fisch noch frischer sein. Ich bestellte einen Sashimi-Teller: Krabbe, Thunfisch, Lachs, Oktupus, Tintenfisch, Seeigel. Alles frisch, roh und lecker. Der Geschmack ist minimal, aber man schmeckt die Unterschiede heraus. Dazu heißer Nihonshu und der Tag endet perfekt. Ich habe irgendwo mal gehört, daß Sushi und Sake nicht kombiniert wird. Auf Nachfrage ist das wohl ein Gerücht. Zumindest für Sashima ist es ok. Ach ja… Im Ryokan kurz noch Onsen. Warum? Weil ich es kann.

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Kyoto

Heute ist Heiligabend und Kyoto steht auf dem Programm. Ich starte meinen Rundgang am Bahnhof. Tokyo Eki ist wahrscheinlich gewaltiger was Menschenmassen und Fläche angeht, aber Kyoto Eki ist ein einziges großes Gebäude. Schon vom Hotelzimmer ist das Ding riesig: mehrere hundert Meter lang. 15 Stockwerke hoch (plus Untergeschosse). Der Bahnhof ist kaum mehr als ein riesiges großes Loch. Die Bahnhofshalle ist einfach riesig. Hier steht der Weihnachtsbaum. Eine riesige Treppe geht über alle 15 Stockwerke. Oben beginnt der Skywalk. Ein schmaler Gang unter dem Dach.

Inari Shrine

Der nächste Stop ist dann alles andere als moern: Der Fushimi-Inari-Schrein südlich vom Bahnhof. Gleich am Bahnhof steht ein riesiges Mon in orangerot. Auch die Gebäude sind ein echter Hingucker; gerade heute bei Sonnenschein. Schon jetzt ist klar, daß es ein Fehler war, den Schrein 2004 auszulassen. Ein coole Idee (geht auch um Geld) sind die Ema. Diese kleinen Holztafeln, die man mit Wünschen beschriftet und an ein Gestell hängt. Die Ema sind Dreieckig, ein stilisierter Fuchskopf. Bis auf zwei Striche für die geschlossenen Augen sind sie leer. Es ist erstaunlich wie Leute die Ema bemalen.

Die wahre Attraktion beginnt im hinteren Schreingelände: die Torii. Es sollen mehrere tausend sein. Es beginnt mit etwa 50 großen Torii. Dahinter folgt die berühmte „Zweierreihe“. Zwei Reihen von kleine Torii. Sie sind hoch genug für Europäer und stehen wirklich dicht an dicht. Bei 200 habe ich aufgehört zu zählen. Und das war nur die eine Reihe. Durch die Torii zu gehen ist ein Erlebnis, das kommt auf den Foto gar nicht so rüber.

Hinter der Doppelreihe kann man umdrehen oder zu einem 2,3km langen Pilgerweg auf den Gipfel des Berges starten. Hier stehen die Torii nicht mehr so eng und es gibt zwischendurch aus große Lücken. Nach Reiseführer braucht man 2-3 Stunden. Soll ich wirklich so viel Zeit auf den Schrein verwenden? Aber wenn man schon mal hier ist? Was tun? Ich versuche es im Eilgang in der halben Zeit. Wo kein Schnee liegt …

Tofuku-ji

Bergauf geht das. Die Treppen hinauf kann man zwei Stufen auf einmal nehmen. Aber das geht unglaublich auf die Kondition. Die japanischen Stufen sind echt fies. Bergab sollte man das mit zwei Stufen auf einmal lassen. An manchen Stellen auf dem Weg hat man einen guten Blick über Kyoto. Der Bahnhof ist aufgrund seiner Größe sofort zu erkennen. Auf dem Gipfel stehen ein alter Schrein; also so Steine mit Inschrift. Was es genau ist, hab ich nicht ganz verstanden.

Es geht zu Fuß zum Tofuku-ji. Der Weg führt durch ein Wohngebiet mit sehr schmalen Gassen. Als Bewohner eines Ganghauses ist es fast wie Zuhause. Mir fallen rote Eimer auf. Sie sind mit Löschwasser gefüllt. Dieses Anime-Klischee lebt wirklich. Vor jedem Haus steht so ein 10l-Eimer. Das wäre in Deutschland nie möglich. Nach der ersten Partynacht wären hier doch alle Eimer weg.

Der Tempel ist ebenfalls sehenswert. Der Garten ist ein Muß im Herbst. Ich bin leider zu spät dran. Das Herbstlaub ist weg. Der Steingarten ist großer als im Ryoanji und definitiv etwas, was man gesehen haben muß. Zumal es drei verschiedene Steingärten gibt.

Die U-Bahn bringt mich in die Nähe des Kiyomizudera. Ich verlaufe mich in den verwinkelten Gassen von Higashiyama. Als ich wieder auf Kurs bin stehe ich in einer Shoppingstraße mit alten Häusern. Es geht steil bergauf zum Schreingebäude/Tempel? In Kyoto kann man Shinto und Buddhismus nicht anhand der Gebäude unterscheiden.

Higashi-yama und Gion

Eine unauffällige Halle ist die Attraktion. Von der berühmten Veranda hat man einen guten Blick auf Kyoto. Hinter dem Geländer geht tief hinab. Ein Weg führt zu einer Gallerie, die momentan eingerüstet ist. Von hier siehr man die Konstruktion der Veranda sehr gut (im Winter haben die Bäume kein Laub). Der Weg führt weiter zu einer kleinen Pagode und auch bergab zu dem Brunnen (Otowa-no-taki), woher der Tempel seinen Namen hat.

Auf dem Tempelareal steht ein Schrein, der überfüllt mit Touristen ist. Attraktion sind zwei Steine mit Zickzack-Band mitten auf dem Weg. Es ist der Jishu-jinja. Er ist dem Gott der Liebe gewidmet. Das erklärt vieles.

Es ist bereits 15:30 Uhr. Jetzt muß ich mich eeilen. Zurück in die Shoppingstraße. Fast hätte ich rechts die Treppe nach Higashiyama verpaßt. Es ist eine schöner Straßenzug, eine schmale Gasse, die mit einer Treppe beginnt. Alle Häser hier sind kleine Läden und in altem Design. Kein Neubau verschandelt das Bild. Warum habe ich hier 2004 nicht gewesen. Die ersten Geishas laufen durch die Straßen. Gion ist nicht weit und bald öffnen die Chaya.

Auf dem Weg nach Gion verliere ich wieder die Orientierung; trotz Karte und großer Tafel neben einer Polizeistation. Die Nordrichtung fehlt und der Punkt „Sie sind hier“. Arghh. Ich vermute wo ich bin. Wenn ich links gehe sollte die Straße im einer Rechtskurve enden. Stimmt. Damit bin ich wirklich in Gion Corner. Auch hier wieder alte Häuser und kleine, verwinkelte Gassen.

Langsam fängt es an zu dämmern und leichter Schneefall setzt ein. Die letzte Station für heute ist Pontocho. Es ist keine Attraktion im eigentlichen Sinne. Die Pontocho ist eine sehr schmale Straße mit Kneipen. Hier paßt kein Auto rein. Naja, vielleicht die superschmalen japanischen Modelle. Dafür werden die also gebaut.

In fortgeschrittener Dämmerung bin ich zurück in Higashiyama. Noch ein paar Fotos und dann muß ich mich auf den Rückweg machen. Mangels Kenntnis der Busrouten wird es ein Fußmarsch, der lange dauert. Unterwegs kaufe ich Proviant. Stimmt, ich hab das Mittag ausgelassen. Kyotos Nebenstraßen sind echt dunkel. Lübeck ist dagegen ausgeleuchtet wie ein Fußballstadion. Am Bahnhof stoppe für etwas japanische Weihnachtsstimmung am großen Weihnachtsbaum. Dann schnell ein Klomottenwechsel im Hotel. Der Rest des Abends ist ohne Kamera. Mit dem Taxi geht es zu einem Chaya.

Heiligabend feiere ich mit japanischen Dinner in Anwesenheit von Meikos (Geishas in der Ausbildung). Jeder Schluck Sake wird einem eingeschenkt, das Essen in perfektem Englisch erklärt. Dazu gibt es Aufführungen und Trinkspiele. Dieser Abend ist nicht ganz billig, aber sehr kurzweilig. Ich genieße ich jeden Sekunde (ohne Rücksicht auf den Reiseblog *grins*).

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Amanohashidate

Amanohashidate ist eine der drei Landschaften. Zeitgleich erfolgt ein Wechsel von Osaka nach Kyoto. Zugegen, etwas umständlich. Mit der Loop Line geht es nach Osaka Eki und von dort? … Keine Ahnung. Ich weiß nur, daß er um 9:10 Uhr abfährt. Ein Blick auf die Anzeige verrät: Gleis 4 in 2 Minuten. Nach der Abfahrt frage ich den Schaffner, ob ich richtig bin. Bin ich; Glück gehab. Ich schieb die nächste Frage nach: Die Umsteigezeit sind 1 Minute. Bei der DB wäre das schon auf dem Papier unmöglich. Der Schaffner versichert mir, daß die Zeit mehr aus ausreichend ist. Der andere Zug hält am gleichen Bahnsteig und Anschlußzüge warten.

Ich erreiche Amanohashidate und 11:25 Uhr und kein Coin Locker weit und breit. Laut Touri-Info machen das die Souvenierläden. Praktisch. Mein Koffer ist verstaut und ich kann frühstücken. Mein Timing ist optimal. Draußen ist Wolkenbruch. Ich bestelle Asari-Don, die lokale Spezialität. Don ist ist Reis plus Ei plus X. Bei Asaridon sind X = Muscheln. Super lecker, nicht zu vergleichen mit Deutschland. Dazu ein Bier aus eine lokalen Brauerei: ein – Achtung – Kölsch; mit „ö“

Südseite

Der Tempel hier auf der Südseite ist klein aber sehenswert. Mi der Seilbahn fahre ich den den Berg hinauf. Der Blick von oben auf die Sandbank ist gut. So lang sieht die jetzt nicht aus. Ich weiß auch nicht, was ich erwartet hatte. Leider macht starker Wind  Fotos mit Telezoom unmöglich. Hier oben ist eine Mini-Freizeitpark. Also wirklich mini.

Dann beginne ich die Wanderung über die Sandbank zur Nordseite. Nach Reiseführer stehen auf der Sandbank über 8000 Kiefern. Die Bank ist etwa 200m breit. Rechts ist ein Strand, der so ein bisschen an Ostsee erinnert. Links gehen die Kiefern bis an die Wasserkante. Von hier kommt immer der Wind. Der Sand lagert sich auf der dem Wind abgewandten Seite ab. Heute merkt man das. Links ist es echt stürmisch; am Strand nahezu Windstill. Dabei sind es doch nur 200m.

Ein frühes Fazit: Amanohashidate ist nichts spezielles.Wenn man auf der Ecke ist, kann man hier stoppen. Extra 3 Stunden hierher fahren würde ich nicht noch mal. Die Sandbank ist wohl nur wegen seiner Einmaligkeit in der Liste der Top 3. Ich werde das im Sommer mal mit Rügen vergleichen. War schon jemand mal in Kaliningrad?

Auf der Nordseite steht ein schöner Schrein. Dahinter führt der Weg zu einer Seilbahn den Berg hinauf. Von oben gibt es wieder eine gute Aussicht. Hier stehen auch zu komische ringe aus Stahl auf einer Säule. Ich hatte die auf der Südseite schon gesehen. Wenn ich das richtig verstehe, kann man kleine Holzscheiben kaufen und versuchen sie durch den Ring zu werfen. Wahrscheinlich wieder etwas aus der Rubrik „unergründliches Japan“.

Sandbank

Es gibt einen Bus zum Tempel. Soll ich? Noch einmal 1100 yen bezahlen? Japaner sind und bleiben Ferengi. Und sie haben Erfolg. Eine innere Stimme sagt mir: Jetzt bist du schon hier, jetzt umdrehen wäre blöd. Meine innere Stimme hat schon irgendwie recht. Der Bus schlängelt sich eine viel zu schmale Straße den Berg hinauf. Erinnerungen an gestern (Koyasan) werden wach.

Der Ausflug zum Tempel hat das Geld gelohnt. Hier oben liegt Schnee und es schneit. Unten am Busstartpunkt war es noch Regen. Das nenne ich mal Schneegrenze live. Der Tempel sieht alt aus ist aber auf seine Art schön. Von der Decke hängen hunderte kleine Laternen. Das kommt auf den Fotos gar nicht so rüber. Im Eilgang zurück zum Bus, aber Busfahrer bremst mich. Ich habe eine schöne Pagode übersehen. Das Ding war sogar der Grund, warum der Tempel im Reiseführer steht. Der Fahrer stoppt auch extra noch mal, als wir am Daimon des Tempels vorbeifahren, damit wir Fotos machen können.

Mein Tip: „Immer nett zum UPS-Fahrer sein.“ Das war meine Regel für die Firma, gilt aber auch für Busfahrer oder Fahrkartenabreißer. Ich hatte unten noch mit dem Fahrer diskutiert, ob es sich lohnt da hoch zu fahren. Zwischen Ankunft und Rückfahrt waren gerade mal 20 Minunten. Er sagte, das paßt. Al ich dann zum Bus rannte, merkte er, daß ich die Zeit und damit auch die Pagode vergessen hatte.

Nach den ganzen Extrakosten laufe ich zurück zur Südseite. Abendessen wird Udon  in dem Souvenierladen, wo mein Koffer parkt. Cool. Ich muß für das Kofferparken nichts bezahlen; Vielleicht, weil ich im Resto etwas gegessen habe. Das Konzept vom dem Laden geht auf: Kunde lagert ein, Kunde ist eine Suppe. Meine Rechung geht auch auf: 600 yen für einen Coin Locker gespart *)

Nordseite

Der Express fährt durch bis Kyoto. Die Bahnhofshalle ist riesig. An der riesigen Treppe (über 10 Stockwerke hoch) steht ein großer Weihnachtsbaum. Es dauert etwas, bis ich kapiere, wo die Nord-Süd-Passage verläuft. Es ist gar nicht so einfach, auf die Südeseite des Bahnhofes zu gelangen. ich habe es geschafft und scheitere nun an der Hotelsuche. Nach Plan sollte es in erster Reihe sein. Aber wo? Ich suche auch die Nebenstraßen ab. Dann endlich finde ich es. Aber wo ist der Eingang. Es ist eine kleine Tür an der Seite. Die Rezeption ist in 3F. Der Eingang ist nur ein kleiner Raum mit zwei Fahrstuhltüren. Das muß man übersehen. Geht gar nicht anders.

[Internet! Ich bin endlich wieder online und schicke die letzten 3 Tage online. Sorry für die Pause. Bilder folgen, wenn ich Zeit habe, eventuell morgen.]

*) Wenn ihr in Japan kein Schließfach für euren Koffer findet – das ist mir schon zuvor passsiert – fragt in der Touristeninfo oder sonst einen am Bahnhof nach der Möglichkeit, euren Koffer zu parken. Vor der Einführung von Schließfächern, war es in Japan üblich, daß man sein Gepäck in einem Geschäft am Bahnhof untergebracht hat. Für das Geschäft war es ein Nebenverdienst und ein weiterer Kunde. Die Tradition ist heute noch aktiv, auch wenn sie durch die Schließfächer stark abgenommen hat.

Mein Tip: Gerade in kleinen Orten mit Minibahnhof, sucht euch ein solches Geschäft. Im schlimmsten Fall zahlt ihr genauso viel wie am Schließfach und ihr müßt die Öffnungszeiten des Ladens einhalten. Im Gegenzug bekommt ihr wertvolle Tips (wenn ihr fragt) und machmal spart ihr euch die Gebühren, wenn ihr etwas kauft.

[Bei diesem Urlaub habe ich das gas noch drei Mal gemacht. In Inuyama habe ich den Koffer beim JR Station Office deponiert, da die Schließfächer zu klein war. In Kisofukushima auch im Office, da es gar keine Schließfächer gab. In Fukui durfte ich den Koffer im Büro der Busstation abstellen, um einen schnellen Abstecher zum Eihei-ji machen zu können.]

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