Der Lunisolarkalender wurde von 604 an über knapp 1268 Jahre lang benutzt. Beachtlich. Der Wechsel zum gregorianischen Kalender erfolgt am 01.01.1873 (Meiji-Ära) zusammen mit der Öffnung des Japan. Und wenn ihr glaubt, der vorherige Kalender war schon schwierig, dann habt ihr noch nie mit einem Lunisolarkalender gearbeitet.

kurze und lange Monate

Das regulare Jahr bestand aus 12 Monaten mit 29 Tagen (sho-no-tsuki; kleiner Monat) oder 30 Tagen (dai-no-tsuki; großer Monat), da der synodische Monat (Mondmonat) 29,53 Tage beträgt. Der Monat begann immer mit Neumond. Exakt.

Aber hier kommt bereits das erste Problem: Die Länge des Mondmonats (Lunation) schwankt zwischen Extremwerten von 29,272 Tagen 29,833 Tagen. Wenn man den Monatsanfang jetzt exakt auf Neumond legt, ergibt sich eine komplexe Abfolge von kleinen und großen Monaten.

  • 1688 = sho, dai, sho, sho, dai, sho, dai, sho, dai, sho, dai, sho
  • 1689 = dai, dai, sho, sho, dai, sho, dai, sho, dai, dai, dai, sho

Das muss man den Japanern lassen. Wenn schon Synchronisation zu den Mondphasen, dann richtig.

Jahresbeginn

Der Jahresbeginn erfolgt, wenn der Neumond im Sternbild Fische ist. Nach heutiger Rechnung ist das etwa Februar und identisch mit dem chinesischen Kalender, der das chinesiche Neujahrsfest noch heute festlegt.

Der verschobene Jahreswechsel ist bei der Zählung der Jahre zu berücksichtigen: Der 12. Monat von Genroku-15 ist nicht der Dezember 1702, sondern Januar 1703.  Also nicht wundern, wenn sich Jahreszahlen in verschiedenen Quellen bei einem Datum nahe der Jahreswende um ein Jahr unterscheiden. Die Doppelbenennung in der Nengorechnung (kommt im nächsten Blogeintrag) beim Kaiserwechsel kann eine weitere Ursache für Fehler sein.

Schaltmonate

Und hier kommt der Haken von Lunisolarkalendern: Der Abgleich von Mondmonaten mit der Länge des Sonnenjahres. Das Mondjahr kommt auf etwa 354 Tage während das Sonnenjahre 365,25 Tage umfasst. In 12 Mondmonaten fehlen also 11 Tage. Man muss also grob alle 32,5 Monate einen Schaltmonat einfügen. Und das ist, was der japanische Kalender machte:

  • 1689; zusätzlicher 1. Monat
  • 1691; zusätzlicher 8. Monat
  • 1694; zusätzlicher 5. Monat
  • 1697: zusätzlicher 2. Monat

Eine unvollständige Übersicht gibt es auf deiser Seite [Link]. Und die Krönung: der Schaltmonat (uruu) hat den gleichen Namen wie der vorherige Monat.

Wie schon bei den Synchronisation auf den Neumond, ist der japanische Kalender erstaunlich präzise. Allerdings gab es eine weitere Regel, die die Sache dann doch wieder kompliziert macht: Die Monate werden so eingefügt, dass der Jahresanfang mit dem Neumond im Sternbild Fische (siehe oben) beginnt und der 11. Mondmonat der Monat der Wintersonnenwende ist.

Einschub: Der Herbstvollmond

„The 15th night of the 8th month is celebrated as Great Moon of Mid-Autumn, a time to honor the Great Wheel and enjoy tsukumo moon-viewing parties in which participants drink sake, eat tsukimi-dango rice cakes and compose haiku poems.“ .. 

Der erste Vollmond nach Herbstanfang ist ein besonderer Moment im japanischen Jahr. Leute gehen wirklich aus, um die Ansicht des Mondes zu genießen, mit Sake, Dango und rezitieren von Haiku.

Aber stimmt das?

Die 15. Nacht des Monats ist Vollmond, da der Monatsbeginn auf Neumond synchronisiert ist. Der 8. Monat des Jahres ist aber nicht August. Das Jahr beginnt, je nach Lunation irgendwann zwischen Ende Januar und Ende Februar. Der 8. Monat beginnt nach unserer Zeitrechung also zwischen Ende August und Ende September, mit dem Vollmond irgendwann zwischen grob Mitte September und Mitte Oktober. Es ist also durchaus möglich, dass der besagte Vollmond vor dem Herbst-Äquinoktium liegt.

Es stimmt also nur halb.

Es ist der Vollmond in der Nähe von dem, was wir Herbstanfang nennen. Aber es war nicht der erste Vollmond zu Herbstanfang, denn wir erinnern uns: die japanischen Jahreszeiten sind gegenüber den unseren verschoben gewesen und Herbst begann Anfang August.

Wenn es etwas war, dann der Vollmond zur Mitte des (japanischen) Herbst.

Umrechnung zwischen den Kalendern

Wegen der Lage der Schaltmonate und der nicht systematischen Länge der Monate kann man keine Umrechnungsformel angeben. Man muss auf Tabellen zurückgreifen. [eine kleine Tabelle]

Ich wollte hier eigentlich noch die Uhrzeiten erwähnen, aber daraus mache ich einen eigenen Blogeintrag …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.