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Rediscovering Nara

Heute ist der letzte Gültigkeitstag des Japan Rail Pass. Wir fahren nach Nara, das kurz die Hauptstadt Japans war (710-786), bekannt für die zahmen Rehe und den großen Buddha.

Der Zug startet hier in JR Tennoji. Heute nehmen wir daher den unterirdischen Ausgang vom Hotel, der uns direkt zum Bahnhof bringt. Es ist ein Lokal. Es wird eine gemütliche Reise.

Unser erste Stopp ist im Ort Ikaruga, drei Stationen vor Nara. Hier steht der Horyu-ji, einer der älteste Tempelkomplex in Japans. Hier stehen die ältesten Holzgebäude der Welt!1 Vom Bahnhof bis dorthin ist es ein kleiner Fußmarsch. Traditionell nehme ich nicht den Bus.

Bei meinem letzten Besuch habe ich einen Dachziegel gekauft und damit die Renovierung des Tempels unterstützt. Dieser Dachziegel ist jetzt irgendwo an der Pagode oder der Kondo (Haupthalle) verbaut.

Wir nehmen uns Zeit. Ich glaube die Saien-do im Westen des Komplexes habe ich noch nie besucht. Zumindest erinnere ich mich nicht. Das Museum Daihozoin besuche ich definitiv zum ersten Mal.

Im  Anschluss geht es durch das Todai-mon und Shikyaku-mon rüber zum Ostbezirk zur Traumhalle (Yumedono). Mit Blick auf die Uhr lassen wir aber den Chugu-ji aus. Im Zickzack durch das Wohngebiet geht es zurück zum Bahnhof und weiter nach Nara.

Vom JR-Bahnhof laufen wir Sanjo-dori entlang zum Tempelbezirk. Es sind etwa 1,5 km. Die Touristendichte ist hoch, aber erträglich. Mehr verwirrend ist das Haustier von einem Japaner: eine Eule.

Unser erster Stopp ist der Kofuki-ji. Ich bin bereits platt. Das Wetter ist zu heiß für mich. Ich nutze den Schatten des Nanen-do für eine kurze Pause. Die 5-stöckige Pagode ist leider eingerüstet. Die goldene Halle schauen wir uns nur von außen an, bevor wir an Tokon-do vorbei  den Tempel verlassen.

Am Chamise Nishiguchi ist es Zeit für Kakigori. Ich brauche eine Abkühlung. Das nur ein Meter entfernt eine Rehbock mit Geweih im Schatten schläft, macht mich etwas nervös. Wenn der plötzlich aufwacht und schlechte Laune hat, bleibt nur wenig Reaktionszeit. Er ist aber cool wie ein Fonzie.

Es folgt der lange Weg bergauf zum Kasuga Taisha. Er ist nicht sonderlich steil, aber ich merke, dass ich immer noch nicht zurück zu normal bin. Das Kakigori war eventuell eine dumme Idee. Mein Magen fängt an zu protestieren.

Der Weg zum Schrein führt in den Wald. Auf beiden Seiten stehen dutzende Steinlaternen … und Rehe. Die wissen, dass sie hier von Touristen gefüttert werden. Und sie sind ähnlich aufdringlich wie die Enten in Travemünde.

Das innere des Kasugataisha besucht mein Bruder alleine. Ich suche in der Zwischenzeit nach einer Keramikabteilung. Ich bin definitiv noch nicht zurück auf normal.

Wir starten den Rückweg und passieren die Graswiesen des Ukigumo-enchi. Hier tummeln sich die Rehe und die Touristen. Wir passieren das riesige Nandai-mon, das den Eingang zum Todai-ji markiert. Hinter dem zweiten Tor, dem Chu-mon, kommt die riesige Haupthalle in den Blick.2 Es ist das höchste rein aus Holz gebaute Gebäude der Welt.3 Drinnen wartet der größte Bronzebuddha der Welt. So imposant wirkt sie aber nicht. Kein Wunder bei der riesigen Halle, in der sie steht.

In der hinteren Ecke der Halle steht ein Holzstamm mit einem Loch, das so groß ist wie eines der Nasenlöcher der Statue. Es soll Glück bringen, sich hindurch zu zwängen. Mein Bruder probiert es und schafft es. Respekt. Ich versuche es gar nicht erst. Ich bringe locker 20 kg mehr auf die Waage als mein Bruder. Ich muss aber zugeben, dass ich es nie probiert habe, auch nicht als ich noch so schlank war wie mein Bruder.

Theoretisch sollte jetzt der Todaiji-Hokkedo und Nigatsu-do folgen, aber das schaffe ich nicht. Sieht ganz danach aus, dass mein Bruder eine zweite Reise nach Nara benötigt, idealerweise wenn die beiden Tempel Toshodai-ji und Yakushi-ji außerhalb vollständig restauriert sind.

Wir gehen langsam zurück zum Bahnhof. Mein Zustand stimmt für die Kintetsu. Die Station ist dichter als JR. Die Strecke führt über das Gelände des alten Heijo-Palaster. Außer dem Suzaku-mon steht hier nichts mehr.

In Tsuruhashi, eine Station vor der Endstation, steigen wir um in die JR-Loop-Line, die uns nach Tennoji zurück bringt und den heutigen Tag beendet. Morgen folgt der zweite Tag in Osaka. Hoffentlich hilft er mir, bis übermorgen wieder fit zu sein. Dann geht es nach Koyasan.