Archiv der Kategorie: Lexikon

Japan in Zahlen

Ich habe einfach mal aufgelistet, wo ich schon war und was ich schon mitgemacht habe.Die Liste ist beeindruckend. Ich werde die Zahlen noch einmal prüfen und ergänzen.

JapanVisitedPlaces

 2004: 20.09. – 18.10. // 27 Tage netto
6 Hotels (3,8 Tage/Hotel) // 25 Orte (0,93 Orte/Tag)
2 Taifune, 1 Erdbeben

2006: 14.08. – 07.09. // 23 Tage netto
6 Hotels (3,3 Tage/Hotel) // 20 Orte (0,65 Orte/Tag) // (15 neu)
1 aktiver Vulkan

2008: 02.04 – 01.05. // 28 Tage netto
6 Hotels (4 Tage/Hotel) // 20 Orte (0,71 Orte/Tag) // (11 neu)
1 Erdbeben

2010: 27.08. – 19.09. // 23 Tage netto
5 Hotels (3,8 Tage/Hotel) // 15 Orte  (0,65 Orte/Tag) // (12 neu)
1 aktiver Vulkan

2012: 19.12. – 08.01. // 29 Tage netto
9 Hotels (2,9 Tage/Hotel) // 24 Orte (0,83 Orte/Tag) // (20 neu)

gesamt: 130 Tage netto // 28 Hotels netto (3,5 Tage/Hotel)
78 Orte netto (0,6 Orte/Tag netto)

inklusive Nakasendo, Kisofukushima und Seikan-Tunnel

(Ich muss das Bild aktualisieren) Die Differenz zwischen Einzelauflistung und der Summe ist die Berücksichtigung von Doppelbesuchen.

netto meint die Tage mit Reiseprogramm, hinzu kommen 2 Tage für die An- und Abreise. Einzige Ausnahme: 2010, hier war die Abreise spät abends.

mehrfach besuchte Orte:

Tokyo (10x) (28 Tage)
Kamakura und abends Yokohama (4x)
Oosaka und Takayama (2x, 4 Tage)
Kyoto, Miyajima, Nikko (2x, 3Tage)
Nagoya, Ise, Matsushima, Hakone, Nagano, Shibu Onsen (2x)
Saporro (1x, 2 Tage)

Die Presse und Fukushima

Hi, mir gehen gerade wieder mehrere Artikel über Fukushima auf den Sack …

… die Opfer von Fukushima … Arghhhhh. Durch Fukushima ist bisher noch keiner gestorben. Es gab vereinzelt bei der Zwangsräumung Selbstmorde, aber durch das unglück selbst ist bisher noch keiner gestorben. Klar, da kommen noch ein paar wegen Krebs. Aber bisher, KEINE Toten durch Fukushima. Passt halt nicht in das Bild das die Presse zeichnen will.

RULE: Tsunami 15880 Tote. Fukushima: 0 … in Worten Null

… Mitarbeiter durch radioaktives Wasser verseucht … Das ist nicht gut, zumal die Haut das Wasser und die Strahlung aufnehmen kann. Aber dann steht da 1.3 Millisievert/Stunde Belastung. Sehr schön. Ohne die Zeit, wie lange der gute Herr nun geduscht hat, ist die Angabe wertlos. Der Grenzwert für Menschenrettung liegt bei 250 Millisievert. Es wird also erst noch etwa 200 Stunden kritisch. Millisievert/Stunde ist eine Dosisleistung. Ich rechen meinen Stromverbrauch auch nicht in Joule/Sekunde (Watt) sondern in Joule (auch der Rechnung Kilowattstunden).

RULE: Belastungen von Personen in Millisievert/Stunde sind witzlos!

… Hoch verstrahltes Wasser. Meßgeräte zeigen nichts an …. Noch so ein Klassiker. Das Wasser ist mit Strontium kontaminiert. Ein beta-Strahler. Reichweite in Luft 10m. Reichweite in Stahl ein paar Zentimeter. Weiter weg misst das Beste Gerät der Welt nichts mehr.

RULE: Die Strahlenart ist wichtig

… wurden mit radioaktiver Strahlung kontaminiert … Noch so eine Ungenauigkeit. Strahlung kontaminiert nicht. Sie ist da und schädigt oder sie ist nicht da. Man kann sich mit radioaktiven Stoffen kontaminieren. Diese Stoffe senden radioaktive Strahlung aus. Das ist gefährlich.

RULE: Man kann sich nicht mit „Strahlung“ kontaminiren.

… mit einer gefährlichen Dosis von über 100000µSv … Ja richtig. Viele Nullen machen Sachen gefährlich. 100mSv klingt nicht bedrohlich. 0.1Sv erst recht nicht. Panikmache! Für die Menschenrettung in Deutschland gilt 250mSv, dann in Sicherheit bringen und nie wieder einen Einsatz mitmachen. Der Wert ist drunter. Es gibt Orte in Südamerika, da ist das die natürliche Belastung pro Jahr. Alles eine Frage der Relation. Gefährlich sind die vielen Nullen.

RULE: Viele Nullen in der Zahl sind billiger Journalismus.

Und die große Gefahr in Fukushima ist nicht ein undichter Wassertank. Es ist das nächste Erdbeben, das die Tank mit Sicherheit beschädigen wird. Und aktuell ist die große Gefahr diese verlogene Bande von Tepco, die noch immer versucht, die Fakten zu vertuschen. Sowie die Feigheit der japanischen Regierung. Obwohl … Merkel hat auch nur die Hände zur Raute gefaltet (die berüchtigte Merkelmöse) und abgewartet.

Meine Position kennt ihr: So wie die Wirtschaft momentan läuft, brauchen wir Atomkraft, oder in ein paar Jahren kann sich kein Hartz-IV-Empfänger mehr Strom leisten. Greenpeace weiß auch nicht was zu tun ist. Jetzt wo der Atomausstieg perfekt ist, wettern sie gegen Windkraft und Kohlekraftwerke. Und woher soll der Strom kommen? Quecksilberverseuchte Lampen haben schon alle. Viel Sparpontential ist da nicht mehr.

Es ist aber auch klar: Ein Kernkraftwerk kann sicher betrieben werden ODER wirtschaftlich rentabel, aber niemals beides gleichzeitig. Aus meiner Sicht ist der Staat gefragt und nicht Eon, das zu allererst seinen Aktionären verpflichtet ist.

Wo wir gerade beim Stromsparen sind: Eine google-Frage verbraucht etwa 4 Joule (Wattsekunden). Mit 5400 Anfragen pro Stunde kann man bereits eine Energiesparlampe von 6 Watt betreiben. Wer Strom sparen will, sollte PC und Router abschalten, wenn er nicht im Internet ist. — Ich schreibe gerade meine Masterarbeit. Für Berechnungen laufen bei mir zu Hause 2 Computer nonstop. Mein Stromverbrauch ist von 130 kWh/Monat auf 250 kWh/Monat gestiegen. Stellt sich schon die Frage was so eine Mediacenter mit 5.1 verbraucht das 24/7 mit der google-Cloud verbunden ist.

Whisky Basics – Herstellung V

Endspurt. Jetzt geht es nur noch darum, wer den Whisky in Flasche füllt, wenn nicht derHersteller.

Unabhängige Abfüller

Diesen Punkt habe ich bisher ausgelassen … Whisky stammt zu 90% direkt von der Destillerie. Aber es gibt auch berühmte Whisky am Markt, die nicht von einer Destillerie stammen. Dies umfasst sowohl Blends als auch Malts.

Beispiel 1 – Chivas Regal: Dies ist ein Blend der Chivas Brothers Ltd., ein Handelsunternehmen für Whisky, das mittlweile zum Konzern Ricard Pernot gehört. Ein Großteil in Chivas Regal stammt von der Destillerie Strathisla, die ich empfehle zu besichtigen.

Der Chivas Regal 15 ist immer im Regal, da er mir als Nullmarke für Tastings dient. Dieser Blend ist irgendwie genau in der Mitte und das soll jetzt bitte nicht mit langweilig verwechselt werden.

Beispiel 2 – Finlaggan: Dies ist ein Single Malt von der Insel Islay. Mehr weiß man nicht, denn per Vertrag ist es Finlaggan verboten, die Quelle, also die Destillerie Preis zu geben. Da es ein Single Malt ist, stammen die Fäser nur von einer einzigen Destillerie. Die Whiskywelt diskutiert heiß und vermutet unter anderem Bowmore als mögliche Quelle.

Wie dem auch sei. Man bekommt hier einen guten Single Malt für knapp 22€. Ich habe ich immer im Lager, da er mein Standard für Peated Whisky ist. Er ist einer der wenigen rauchigen Whisky, den ich mag.

Was ich im Prinzip sagen will: (a) Man muss nicht eine Destillerie besitzen, um eine guten Whisky anbieten zu können. (b) Unabhängige Abfüller sind nicht auf Blends beschränkt und können auch Single Malts (und alles dazwischen).


Whisky von Aldi, Lidl und Co.

Irgendwann muss ich auch den Elefanten im Raum ansprechen: Whisky vom Discounter.

Auch das sind zu 99% unabhängige Abfüller, allerdings mit anderen Zielen als Chivas und Finlaggan: Leute die Whisky für 6-8€ kaufen wollen und Whisky-Cola für eine gute Idee halten.

Und dies Whisky taugen eigentlich auch nur für Whisky-Cola. Sie sind charakterlos, damit sie eine möglichst breite Masse ansprechen (wie dieses austauschbare Industriebier von Krombacher und Co) und sich gut mit der Cola vertragen.

Bevor ich jetzt hier einen zweiseitigen Rant starte: Die Flasche kostet 6-8 Euro. Zieht man Mehrwertsteuer und Alkholsteuer ab, bleiben 4-6 Euro. Wenn man jetzt noch Flasche, Etikett, Veschluss, Transport, Lagerung und Gewinn abzieht, kann der Inhalt maximal 3€ pro Liter Wert sein. Noch fragen?

Wer wirklich sparen will, sollte Ballentines nehmen. Das ist ein Blended Scotch, der aber wirklich aus Schottland kommt. Er wird keinen Blumentopf gewinnen, ist aber ein unkomplizerter Whisky, den man einfach man so nebenbei genießen kann. Ich trinke ihn sogar als Highball, wenn mein Kakubin leer ist. Und wenn man auf ein Angebot wartet, bekommt man ihn für unter 10€. Das sollte die Einstiegsmarke sein.

Aber jetzt kommen wir weg von der Herstellung in den Bereich Verkosten und Genießen. Dafür werde ich später einmal eine weitere Serie starten. — Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende und ich bin immer noch dabei die Urlaubsfotos von 2016, 2018 und 2019 zu bearbeiten. Vor mir liegen noch etwa 2000 Bilder.

Ach ja, wer seine Whiskysammlung aufpeppen möchte, kann sich auf dutzenden Seite im Internet selbst beraten. Daher hier nur ein paar Vorschläge.

Webseiten und andere Links

Das sind jetzt alles Seiten, die sich primär auf die Schotten fokussieren. Für japanische Whisky werde ich noch eine eigene Liste erstellen. Ich habe keine, da ich ich ja immer direkt in Japan kaufe.

Das sind wie gesagt alles nur erste Vorschläge. Die google- und youtube-Algorithmen werden euch sicherlich zu weiteren Treffern verhelfen.

[erstveröffentlicht: 2017]
[aktualisiert: 17.12.2020]

Whisky Basics – Herstellung IV

Wir nähern und jetzt endlich dem Thema dieser gesamten Webseite: Japan. Als Abschluss der Whisky Basics schauen wir noch schnell auf die Herkunftsorte.

Herkunft als Markenzeichen
  • Scotch
    • Irish Whiskey
      • American Whisky (Untergruppe: Bourbon)
        • Canadian
          • deutsche Whisky
            • japanische Whisky
Scotch

Scotch ist die Nullmarke des Whiskyuniversums. Die Herstellung muss in in Schottland erfolgen und er muss mindestens 3 Jahre reifen. Die Lagerung ist nur in Hogshead erlaubt.

Es gibt aber auch den Laphroig Quarter Cask.Ist das dann noch ein Scotch nach obiger Definition? Der Aberlour Abunadh, den ich zu Hause habe, reifte 15 Jahre in einen Portfass, aber nie in einem Bourbonfass. Darf sich dieser Whisky Scotch nennen? Es steht zumindest so auf der Flasche.

Auf der anderen Seite würde alle Welt diese Whisky als Scotch bezeichnen. Es ist wie mein ehemaliger Hausarzt: „Wozu soll ich promovieren? Mich nennen auch so alle ‚Herr Doktor'“.

Irish Whiskey

Irish Whiskey  warten mit einigen Besonderheiten auf: Eine hatten ich schon erwähnt: die Verwendung von gemälzter und ungemälzter Gerste. Zusätzlich sind Irish Whiskey (man beachte das „e“) dreifach gebrannt.

Irish Whiskey sind so gut wie nie getorft und lagern wie die Schotten mindestens drei Jahre in gebrauchten Eichenfässern. Die Brennblasen sind größer als in Schottland. Ach ja, und zu stammen von Irland.

Amerikanische Whiskey

Dies ist eher ein Sammelbegriff. Eingesetzt werden Mais, Roggen, Gerste, Weizen. Es sind also Grains. Der Markt wird von wenigen Großen Herstellern dominiert. Und: Nicht alle Whisky entsprechen der EU-Definition von Whisky!

Straight Whiskey lagern mindestens 2 Jahre in frischer Eiche und sind Rye, Bourbon, Tennessee  Bourbon (spez. mit Holzkohle gefilterte Bourbon) oder Corn. Daneben gibt es Blends (Bsp.: Jim Beam, Marker’s Mark, Jack Daniels, Wild Turkey).

(Kentucky) Bourbon haben einen Maisanteil von mindestens 51%. Sie werden ausschließlich in neuen Fässern aus amerikanischer Weißeiche gereift. Die Fässer werden angekohlt. Außerdem darf der Feinbrand einen Alkoholgehlt von 80 vol% nicht überschreiten.

Der Verweis auf Kentucky ist ein Verweis auf die Tradition. Denn ursprünglich wurde Borubon nur in Kentucky hergestellt und heute darf sich Kentucky Bourbon nur nennen, wer aus Kentucky kommt.

Tennessy Whiskey: Dies ist eine Sonderform und es ist auch ein Bourbon. Ja, Jack Daniel’s ist ein Bourbon. Für ihn gelten zusätzliche Anforderungen. Zu allererst, er muss aus Tennessee kommen. Und er muss durch Holzkohle gefiltert werden (Lincoln County Process).

Fun Fact: Lynchburg, Tennessy ist ein Dry County. Dort gilt die Prohibition. Man darf also den Jack Daniels an seinem Herstellungsort nicht kaufen.

Achtung: Bourbon ist in den USA immer verknüpft mit dem „Wilden Westen“ und den Pionieren, die Amerika definiert haben. Das heißt, dass auch ein neuer Bourbonhersteller eine „Tradition“ benötigt. Bestes Beispiel: Bulleit Bourbon. Er ist nicht schlecht. Er ist sogar besonders gut und derzeit (Stand 04/2020) mein favorisierter Bourbon für einen guten Boulevardier. Aber: Das „Rezept vom Großvater“ ist eher Marketing (Stichwort Tradition), da die Firma in den 1990ern gegründet wurde. Udn die Bulleit Distilling Company, Tennessy existiert nicht. Es ist eine reine Briefkastenfirma (Stichwort Tradition), damit man eine Verbindung zu Tennesy hat. Selbst die Flaschenform ist eine Anleihe an die alten Flaschen aus dem Wilden Westen.

Canadian

Traditionelle Grundlage ist Roggen. Damit ist er also rein theoretisch ein Rye. Moderne Canadian „panschen“ Obstwein oder Fruchtsäfte mit rein. Nach kanadischem Gesetz muss „Canadian Rye“ nicht einmal Roggen enthalten. Na super. Kanada ist raus.

Und was machen andere Länder ?

Deutschland: Der Markt wächst langsam. Die Bekanntesten deutschen Whisky sind derzeit Aureum und Slyrs. Beide Hersteller haben eine Historie als Hersteller von Obstbränden. Sie sind also mit den Grundlagen vertraut. Einziger Unterschied ist, dass bei Obst der Zucker schon vorhanden ist, der bei Getreide erst durch das Mälzen erzeugt werden muss. — Racke ist ein uralter „deutscher Whisky“. Der zählt nicht, da es ein Blend ausländischer Whisky ist.

Ich selbst bin stolzer Besitzer einer Flasche Stella Nova aus Altenhof bei Eckernförde. Von Geschmack her vermute ich, dass ein frisches Fass genommen wurde und der Whisky nur 3 oder 4 Jahre reifte.

Deutsche Whisky kämpfen allerdings mit dem Problem, dass sie kein Alleinstellungsmerkmal wie Irish Whiskey oder American Whiskey haben. Sie können sich nicht von den Scotch abgrenzen und müssen sich daher mit ihnen messen. Auf der anderen Seite … Ich glabe auch nicht, dass sich deutsche Whisky abrenzen wollen.

Schweden, Indien, Spanien und Italien sind mittlerweile auch mit Whisky unterwegs. Für Indien sehe ich noch eine Verbindung durch den Commenwealth. Aber Schweden? Hier sehe ich eine Verbindung zu Whisky eigentlich nur über Heavy Metal.

Japan

Kommen wir endlich zum Punkt. JAPAN.

Die beiden ersten Brennmeister in Japan haben ihr Handwerk komplett in Schottland gelernt. Japanischer Whisky hat also eine scottische Seele.

Mittlerweile wächst der Markt und die Experimentierfreudigkeit der Japaner sorgt dafür, dass japanischer Whisky immer mehr als ein eigenes Ding gesehen wird. Dennoch: Ein Alleinstellungsmerkmal wie beispielsweise bei Bourbon oder Irish Whisky gibt es nicht. Er hat also die gleiche Stellung wie deutscher Whisky.

Single Malts, Vatted Malts und Blends in Japan

Wenn ich über Japan rede, dann rede ich oft über Blends und ernte verwunderte Blicke derer, die den Single Malts als den einzig wahren Whisky halten. Aber warum sind Blends in Japan so beliebt?

Anfangs gab es in Japan nur eine Destillerie. Im Prinzip konnte man einen einzigen Single Malt herstellen. Durch die Verwendung unterschiedlicher Pot Stills (Brennblasen) und Rezepturen war es  möglich an einem Standort mehrere Single Malts herzustellen. Mangels anderer Destillerien waren Vatted Malts aber nur durch Importe möglich. Hier kommt der Pure Malt ins Spiel.

Mir Aufbau von Coffey Stills startete die Produktion von Grain Whisky. Das Zeitalter der Blends brach an.

Genau an diesem Punkt kommt die japanische Kultur in Spiel. Bis heute ist Handwerkskunst hoch angesehen: vom Glasschleifer, der Edo Kiriko herstellt, über Büttner, die Washipapier schöpfen bis hin zu den Herstellern von Lackwaren oder Keramiken. Einzelnd wird alte Handwerksmeistern sogar der Titel „lebender Nationalschatz“ zu Teil.

Und in diese Kultur kommt nun der Brennmeister und der Blendmaster, und letzterer genießt anders als bei uns das höhere ansehen. Es ist seine Nase und seine Zunge, die den Whisky definieren. In einem Interview sagte ein Blendmaster, dass er seit 20 Jahren jeden Tag das gleiche ist, damit sein Geschmack jeden Tag gleich ist und nicht durch gewürztes Essen verfälscht wird. Das nenne ich Hingabe zum Beruf.

Es ist fast wie ein Gemälde. Der Brennmeister liefert die Farben und die Leinwand, aber gemalt wird das Meisterwerk vom Blendmaster.

Berühmte Blends: Der Suntory Hibiki 17 Jahre ist einer der teuersten Whisky in meiner Sammlung (derzeit 480€ pro Flasche; Stand 2019). Und es ist ein Blend. Mit dem Whisky muss man arbeiten. Er hat so viele Schichten und Aromen, die man mit einem Single Malt nicht erreichen kann. Auf internationalen Wettbewerben hat er jahrlang Medaillien als einer der besten Blends der Welt abgeräumt.

Der Suntory Kakubin ist ein Blend von der anderen Seite der Preistafel. In Japan kostet die Flasche etwas mehr als 10€. In Deutschland rufen Händler freche 40-50€ auf. Er ist relativ einfach und weich. Er ist quasi wie ein japanischer Ballentines. Diesen Blend gibt es seit 1937. Der Geschmack ist seitdem konstant, was eine Auszeichung für sich ist.

Und Blendmaster können mehr. Vor einigen Jahren wurde nahe am Südpol eine Kiste mit Whisky gefunden, die eine der ersten Expeditionen dort im Eis zurückgelassen hat. Die Flaschen erzielen auf Auktionen unglaubliche Werte. Eine Flasche wurde geöffnet und von Blendmastern verkostet. Diese haben dann aus aktuellen Whiskychargen den Geschmack nachgebaut.

[erstveröffentlicht: 2017]
[aktualisiert: 15.12.2020]

Whisky Basics – Herstellung III

Jetzt haben wir den ganzen Herstellungsprozess betrachet, aber einen wichtigen Teil ganz am Anfang habe ich übersprungen: die Getreidesorte. Jetzt wird es Zeit sich Begriffe wie Blend, Single Malt, Grain, Bourbon und Rye genauer anzuschauen.

Whiskytypen / Getreidesorte

    • Malt (-> Straight Malts, Vatted Malts, …)
    • Grain (–> Rye, Bourbon, Corn)
    • Blends
    • Irish Whiskey
Malts

Malt Whisky verwenden ausschließlich gemälzte Gerste und können weiter unterteilt werden in Straight Malts, Vatted Malts und Pure Malts(?).

Ein Straight Malt stammt nur aus einer Destillerie. Man unterscheidet hier in die bekannten Single Malt (eine Destillerie) und Single Single Malt (ein Brenncharge). Letztere werden oft auch als Single Batch bezeichnet.

Bei einem Vatted Malt stammen die Anteile aus verschiedenen Destillerien. Es ist aber kein Blend, da nur Malts verwendet werden.

Pure Malts sind etwas sonderbar. Eine Definition, die ich gefunden habe, sagt, dass sie aus verschiedenen Malts zusammengesetzt. Verwirrt? Ja? Ich auch. Denn das ist ein Single oder Vatted Malt, je nachdem wo die Fässer herkommen. Demnach wäre der Pure Malt auf halben Weg zwischen Single Malt und Vatted Malt.

Die einzige Erklärung, die ich habe, ist, dass diese Definition für Whisky eingeführt wurde, die von einem Hersteller stammen, der mehrere Standorte (Destillerien) hat. — Der Taketsuru von Nikka ist ein „Pure Malt“ (laut Angabe auf der Flasche). Er verwendet Malts der Standorte Yoichi und Miyagikyo.

Grains

Grain Whisky verwenden Weizen, ungemälzte Gerste, Hafer, Roggen und/oder Mais. Man kann im ersten Anlauf sagen, dass Grain alle Whisky sind, die kein Single Malt sind. Bekannte Grain Whisky sind Bourbon und Rye.

Bourbon kennt jeder. Für seine Herstellung werden mindestes 51% Mais verwendet. Mais bringt eine gewisse Süße mit in den Whisky, woran man den Bourbon erkennt. Es ist diese Süße, die wir im Scotch wiederfinden, nachdem er in den Bourbonfässern reifte. Im Prinzip kann man sagen, dass die Schotten schummeln. Statt Mais zu nehmen, holen sie sich den Geschmack aus den Fässern.

Rye Whisky verwenden mindestens 51% Roggen. Er ist in Deutschland relativ selten zu finden, und wie auch Bourbon eher auf dem amerikanischen Markt präsent. Rye ist geschmacklich etwas trockener als ein Malt. (Wem der Boulevadier nicht herb genug ist, sollte ihn mit einem Rye probieren.)

Raw Whisky Collection for Blending at Yamazaki Distillery (Tourist Show Room); 2018
Raw Whisky Collection for Blending at Yamazaki Distillery (Tourist Show Room); 2018
Blends

Blends werden aus Malts und Grains zusammengesetzt. Während ein Grain direkt in der Brennblase entsteht und dann im Fass reift, wird ein Blend erst nach der Reifezeit zusammengesetzt. Er entsteht also erst kurz vor dem Abfüllen.

Blends kann man so abstimmen, dass sie über Jahre kostant sind. Und das scheint bei uns einer ein Kritikpunkt zu sein. Single Malts haben den Ruf indivueller zu sein. Dabei wird vergessen, dass auch Single Malts verschnitten sind, nur halt ohne Grainanteil. To blend oder not to blend ist nur eine Frage des eigenen Standpunktes.

Es gibt einen weiteren Grund für das schlechte Image der Grains: Sie werden fast immer in einer Coffey Still (über die wir noch reden müssen) gebrannt und gilt daher als billiger Industriealkohol.

Achtung: Während ein Scotch Single Malt immer auch in Schottland abgefüllt wird, gilt dies nicht für Blended Scotch. Er darf auch im Ausland abgefüllt werden.

Irish Whiskey nehmen aus meiner Sicht eine Sonderrolle ein. Streng genommen sind sie Grains, da sie neben gemälzter Gerste auf ungemälzte Gerste verwenden. Für mich steht er damit zwischen den Malts und den Grains, da er nur Gerste verwendet.

Brennmethode

    • Pot Still
    • Coffey Still

Ich habe eben bei den Grains den Begriff Coffey Still in den Ring geworfen. Und auch hier gibt es oft ein Missverständnis: Die Aussage „Malts werden in einer Pot Still gebrannt, Grains in einer Coffey Still“ ist so nicht richtig.

Ich habe in meiner Sammlung den Nikka Coffey Malt. Das eine ist ein Single Malt der in einer Coffey Still (welche man übrigens nicht besichtigen kann) gebrannt wurde. Er wird aber nicht als Single Malt bezeichnet. Warum eigentlich?

Pot Still

Dies sind die bekannten Brennblasen; traditionelle Whiskyflaschen habe ein Design, das an die Form der Pot Stills erinnert. Die Maische wird eingefüllt und der Brennvorgang gestartet. Nachdem der Alkohol heraus destilliert wurde, muss die Brennblase geleert  und gereinigt werden. Der Whisky wird also in Chargen gebrannt. Die verbrauchte Maische ist übrigens gutes Viehfutter.

Die Form der Brennblase beeinflusst den späteren Geschmack. Einfluss haben Bauchigkeit des Kessels, sowie Höhe und Durchmesser der Säule über dem Kessel. Auch die Temperatur und Temperaturverteilung beeinflussen das Ergebnis; eine Besonderheit, die von Yoichi hervorgehoben wird, die als einzige große Brennerei noch mit Kohlenfeuer arbeitet.

Coffey Still

Hier erfolgt die Destillation in einer Brennkolonne, wie man sie in groß in Raffinerien findet, um Öl, Diesel, Benzin und andere Produkte herzustellen. Über mehrere übereinander angeordneten Stufen werden hier die Alkohole von einander getrennt und in verschiedenen Höhen ausgeleitet.

Das Verfahren hat den Vorteil, dass es non-stop laufen kann. Ohne Zeitverlust durchs Leeren, Reinigen und Neubefüllen können hier große Mengen „Industriealkohol“ hergetellt werden. Ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens ist ein sehr sauberer,reiner Alkohol. Allerdings trennt man dabei auch viele Ester und ander Geschmacksträger vom Ethanol. Einem Coffey Still fehlt es daher an Charakter, wenn man diese gute Trennung im Nachgang nicht „korrigiert“.

Coffey Still Whisky wird in der Regel nur zum Blenden verwendet. Sein reiner und – wenn gewollt – neutraler Alkohol kann einen Malt „strecken“. Hier ist der Urpsrung des schlechten Image von Coffey Stills und Grains.

Feinbrand aus einer Coffey Still, kann auch benutzt werden, um den Geschmack eines Malts mit weiteren Nuancen anzureichern oder die unterschiedlichen Chargen eines Pot Still Brands einander anzugleichen, um konstante Gemschacksqualität zu erzielen.

Reine Coffey Still Whisky sind selten. Coffey Stills Malts noch seltener. Ich kenne eigentlich nur Miyagikyo Distillery  (gehört zu Nikka), die solche Whisky vermerktet.

Single Coffey Grain Whisky at Yoichi Distillery (Nikka), Hokkaido; 2010
Single Coffey Grain Whisky at Yoichi Distillery (Nikka), Hokkaido; 2010

Das Alter

Ein Scotch muss immer mindestens 3 Jahre alt sein. So will es die Definition. Auch die EU hat dieses Mindestalter eingeführt. Für Whisky von „außerhalb“ gilt das nicht.

Wenn eine Altersangabe auf der Flasche steht, ist dies das Alter des jüngsten Whisky, der verwendet wurde. Und hiermit beginnt eine Zwickmühle.

Taste Palette of Yamazaki Single Malt at different ages; Show Room at Yamazaki Distillery; 2018
Taste Palette of Yamazaki Single Malt at different ages; Show Room at Yamazaki Distillery; 2018

Gerade in Japan gab es in den späten 2000ern und frühen 2010ern einen Whiskyhype, der die Lager leerfegte. Mit Stand 2018 waren die 12-Jahre-Version der großen Vier (Yamazaki, Hakushu, Yoichi, Miyagikyo) in Japan ausverkauft. Auch der Hibiki 17 Jahre war ausverkauft. Mittlweile wurde der Hibiki sogar komplett eingestellt.

In Schottland gibt es ähnliche Probleme, sie sind aber nicht so ausgeprägt. Dennoch kann hier einen Trend feststellen. Es gibt immer mehr Whisky mit Kunstnamen wie „Dark Storm“ oder „Supernove“. Teilweise wurden Namensserien gegründet. Und alle haben eines gemeinsam: keine Angabe des Mindestalters. Es werden offenischlich Whisky verwendet, die nur 3, 5 oder 7 Jahre haben, und das schreibt man  dann natürlich nicht auf die Flasche.

Ist das jetzt gut oder schlecht?
Kein Alter = junge, unreife (?) Whisky, weil die Lager leer sind?
Kein Alter = schnell und billig an den Kunden?

Es kommt darauf an was man will. Junge Whisky sind in der Regel scharf und kantig. Alte Whisky sind weich und rund (nur ’ne Faustformel). Das kann man natürlich jetzt super kombinieren, aber dann ist die Altersangabe dahin.

Teures Beispiel war eine Jubilämswhisky, der 10, 20, 30 und 40 Jahre verwendete. Die Altersangabe wäre jetzt „10 Jahre“, obwohl auch ein großer Anteil von 40-jährigem Whisky enthalten war.

Eine Altersangabe kann die Möglichkeiten einschränken
und einen guten Whisky vereiteln.

Bei Kentucky Bourbon kommen frische Fässer zum Einsatz. Der Einfluss auf den Bourbon ist so intensiv, dass 12 Jahre Reifezeit fast ungenießbar sind.

Ich habe verschiedene Tastings mitgemacht, wo ich von einem Whisky verschiedene Alter probiert habe. Die obige Faustformel kann ich bestätigen (sonst hätte ich sie nicht erwähnt). Ich habe aber auch festgestellt, dass es bei vielen Whisky für mich einen Sweetspot bei 15 oder 18 Jahre gibt. Ältere Whisky waren mir dann oft zu weich und zu sehr vom Fass beeinflusst.

Fazit: Alter kann ein Qualitätsmerkmal sein, muss es aber nicht.

[erstveröffentlicht: 2017]
[aktualisiert: 13.12.2020]