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Kalender – (2) der westliche Kalender

Eigentlich wollte ich einen Beitrag zum alten japanischen Kalender schreiben, der zum Teil heute noch Daten (Plural zu Datum) für Schrein- und Tempelfeste definiert. Und dann dachte, ich muss vorher etwas Kontext schaffen …

Um über andere Kalender zu reden, sollten man sich erst einmal den eigenen Kalender anschauen. Wieso sind die Monate so unterschiedlich lang? Wiso hat die Woche 7 Tage, die nicht zur Monatslänge passen? Was steckt hinter den Schalttagen? Und wieso ist September der 9. Monat, obwohl der Name von Septus, lateinisch für 7 stammt?

erster römischer Kalender

Der erste römische Kalender war ein Lunarkalender, der vermutlich von den Etruskern übernommenm wurde, aber eine Jahreslänge von 355 anstatt 354 Tage hatte. Die Woche hatte, wie bei den Etruskern 8 Tage (Nundinalzyklus = 9 Tage, wenn man den Starttag mitzählt).

Das Jahr begann mit dem Monat März.Damit ist die Frage geklärt, warum der September so heißt. Es war einmal der 7. Monat im Jahr.

Der Monatserste war synchron zum Neumond.

Nundinalzyklus: Der 8-Tagewoche heißt Nundialzyklus, obwohl das Wort Nundinar 9-tägig bedeutet. Das liegt daran er den Abstand der Markttage maß und dabei den ersten und den darauf folgenden Markttag berücksichtigte. Verwirrend, ich weiß. Aber 25 Jahre Wacken bedeutet auch, dass es das 26. Wacken ist.

der spätere römische Kalender

Es gab einige Kalenderreformen. Die wichtigste erfolgte 450 v. Chr mit den Zwölftafelgesetzen. Die Reform sollte die Diskrepanz zwischen Mondjahr und Sonnenjahr korrigieren, was den Lunarkalender in einen Linusolarkalender überführte.

Ich habe einige Informationen gefunden, dass diese Kalender mit 10 Monaten pro Jahr arbeitete. Andere Quellen sprechen aber weiterhin von 12 Monaten.

Die Jahreslänge war weiterhin 355 Tage. In einem 4-Jahres-Zylus (Tetraeteris) wurde das 2. Jahr um einen 22 Tage langen Monat und das 4. Jahr um einen 23 Tage langen Monat ergänzt. Die Jahreslänge war also 355, 355+22, 355, 355+23, … was zu einer mittleren Jahreslänge von 366,25 Tagen führt.

Besonderheit war, dass der Schaltmonat, Mercedonius genannt,  zwischen dem 23. Februar (Ende des Terminaliafestes) und 24. Februar (Beginn des Regifugiumsfestes) eingefügt wurde.

In einem weiteren Zylus von 3 Octennia (24 Jahre) wurde der ein Schaltmonat mit 22 Tagen um einen Tag gekürzt und der darauf folgende Schaltmonat mit 23 Tagen entfiel. Dies korrigerte den Kalender auf eine mittlere Jahreslänge von 365,25 Tagen.

Zahlweise der Jahre: Anfänglich gab es keinen festen Startpunkt für die Jahreszählung. Es wurde in Regentschaftjahren eines Konsuls gezahlt. Das System entsprach also der Nengo-Rechnung, die heute noch in Japan zum Einsatz kommt. Parallel wurde aber auch ab der Gründung Roms 753 v. Chr. gerechnet.

Zwischenfazit

Der römische Kalender hat jetzt folgende Struktur:

  • Martius: 31 Tage (Gott/Planet Mars)
  • Aprilis: 29 Tage (Etymologie unklar; evtl von aperire = öffnen in Bezug auf das öffnen der Vegetation)
  • Maius: 31 Tage (Göttin Maius, Tochter von Atlas)
  • Iunius: 29 Tage (Göttin Iuno; nicht Jupiter, sonder seiner Gattin!)
  • Quintilis: 31 Tage (quintus = der Fünfte, da es der 5. Monat ist)
  • Sextilis: 29 Tage (sextus = der 6. (Monat))
  • September: 29 Tage (septem = 7)
  • October: 31 Tage (octo = 8)
  • November: 29 Tage (novem = 9)
  • December: 29 Tage (Zahl 10)
  • Ianuarius: 29 Tage (nach dem römischen Gott Ianus, dem römischen Gott von Anfang und Ende)
  • Febraurius: 28 Tage (?) (Monat der Unterwelt)
  • Marcedonuis (Schaltmonat): 22 oder 23 Tag

Obwohl noch ein Lunisolarkalender ist bereits eine Loslösung des Monatsanfang von der Mondphase zu erkennen. Begründet ist dies durch die Zählung ab Neulicht, das mal am ersten, mal ab erst am zweiten Abend nach Neumond sichtbar ist. Die Monate mit 31 Tagen korrigieren dann kumulierte Fehler.

In jedem Monat gibt es zudem drei (vier) Tage, die in der Zählweise der Römer hervorgehoben werden:

  • Kalenden = 1. Tag = Neulicht; i.dR. der 2. Tag nach Neumond
  • Nonen = 8 Tage vor den Iden (zunehmender Halbmond)
  • Iden = 13. Tag des Monats (Vollmond)
  • Tubilustrium = 8 Tage nach den Iden (abnehmender Halbmond)

De Begriff Nonen stammt wieder von der Zahl 9 und hängt wieder damit zusammen, dass die Iden als Startpunkt mitgezählt werden.

Im Jahr 153 v. Chr. wurde der Jahresbeginn dann auch den 1. Januar vorverlegt.

Julianische Kalender

Gaius Iulius (Caesar) sorgte mit seiner Kalendereform 45 v. Chr. für einen Wechsel auf einen reinen Solarkalender. Die Einteilung des Jahres in 12 Monate blieb erhalten, aber der Schaltmonat entfiel. Dafür wurde die Länge der Monate verändert, was zu einer Jahreslänge von 365 Tage führte, die heute noch gültig ist.

  • Ianuarius 31 Tage (+2)
  • Februaris: 28 Tage (plus Schalttag alle 4 Jahre)
  • Martius: 31 Tage (unverändert)
  • Aprilis: 30 Tage (+1)
  • Maius: 31 Tage (unveränder)
  • Iunius: 30 Tage (+1)
  • Quintilis: 31 Tage (unverändert); jedoch umbenannt in Iulius
  • Sextilis: 31 Tage (+2); 8 v. Chr. umbenannt in Augustus
  • September: 30 Tage (+1)
  • October: 31 Tage (unverändert)
  • November: 30 Tage (+1)
  • December: 31 Tage (+2)

Caesar führte auch den Schalttag Ende Februar alle 4 Jahre ein, um die durchschnittliche Jahreslänge (tropisches Jahr) auf 365,25 Tage zu bringen. Es wird berichtet, dass Gaius Iulius das Prinzip des Schalttages in 47 v. Chr. im hellenisierten Ägypten (Alexandria) kennenlernte.

Es gab einen Zaunpfahlfehler gleich zu Anfang der Kalendernutzung, wodurch der Schalttag alle 3 Jahre eingefügt wurde. Augustus korrigierte den Fehler der Aussetzen der Schaltung in den Jahren 5. v. Chr, 1. v. Chr. und 4 n. Chr. Und wer genau hinschaut wird feststellen, dass zwischen 1 v. Chr. und 4 n. Chr. nur 4 Jahre liegen !!! Das Jahr 0 hat nie existiert. Auf 1 v. Chr. folgte sofort 1 n. Chr.

Wochenlänge: Der julianische Kalender wechselte auf eine 7-Tage-Woche, wobei die die 7 Tage nach den 7 Himmelskörpern benannt wurdendie keine Fixsterne sind, die mit Göttern gleichgesetzt wurden:

  • Sonntag –> Sonne
  • Montag –> Mond
  • Dienstag –> Mars
  • Mittwoch –> Merkur
  • Donnerstag –> Jupiter
  • Freitag –> Venus
  • Samstag  –> Saturn

Die Festlegung auf 7 Tage führte zu einer guten Adaption auf den Mondzylus, war aber im Prinzip eine willkürliche Festlegung, da der Kalender ein Solarkalender war. Wie will kürlich die Festlegung zeigt ein Vergleich: Die Azteken arbeiteten mit einer 5-Tage-Woche. nach der franz. Revolution gab es kurz (1792 bis 1806) eine 10-Tage-Woche in Frankreich. Von 1929 bis 1940 gab es in Russland 5-Tage-Wochen und damit 6 Wochen pro Monat.

Jahresanfang: Der Kalender wurde in Europa bis 1582 und wenn man es genauer nimmt sogar bis 1923 (Griechenland) genutzt. Aber der Jahresanfang wurde von jedem anderen Land anders definiert: Im römischen Reich begann das Jahr seit 153 v. Chr. am 1. Januar. In Ägypten war der Jahreswechsel am 29. August (nach alter Zählung der letzte Tag dieses Monats). Konstantinopel (und später Russland) legten ihn auf den 1. September. Deutschland, Schweiz und Englang hingegen auf den 25. Dezember, …

Der Wechsel des Jahreswechsels in Deutschland vom 25.12. auf den 01.01. führte dann auch zu dem Begriff „Zwischen den Jahren“ für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr.

Jahreszählung: Neben der Rechnung in Konsuljahren und ab der Grüdung Roms gab es später noch die Zählung „Anno Diocletiani“, dessen Regentschaft 284 begann. Die Abkürzung war A.D. Die Verwendung der Abkürzung für Anno Domini (nach Christi Geburt) erfolgte erst nach 525.

Im Osten nutze man die Seleukidische Ära und damit das Jahr 312 als Startpunkt (Jahr 1). Es gibt auch eine byzantinische Rechnung ab Schaffung der Welt im Jahr 5509 v. Chr.

Machen wir uns nichts vor. Das heute in der westlichen Welt (Europa und USA) genutze Festlegung für den Beginn der Jahreszählung ist willkürlich gewählt. Jesus von Nazareth wurde in dieser Zählweise zwischen 7 v. Chr. und 4 v. Chr. geboren.

Gregorianische Kalender

Die Motivation für die Kalenderreform von 1582 durch Papst Gregor, die zur Einführung des gregorianischen Kalenders führte,  war eine genauere Berechnung des Osterfestes. Im Wesentlichen wurden drei Punkte des julianischen Kalenders verbessert.

(1) Die Regel eines Schalttages alle 4 Jahre führt dazu, dass das Jahr ein paar Minuten zu lang ist. Die Schalttagregelung wurde daher präzisiert: Ein Schalttag alle 4 Jahre, außer das Jahr ist durch 100 aber nicht durch 400 teilbar. (Deshalb war 1900 kein Schaltjahr, aber 2000 war eines. 2100 fällt das Schaltjahr wieder aus.)

(2) Der Jahresanfang wurde  einheitlich auf den 1. Januar gelegt. (Man beachte, dass dies nicht für das Kirchenjahr gilt, dass weiterhin am Sonnabend vor dem 1. Advent bzw. in der orthodoxen Kirche am 1. September beginnt.)

(3) Der Schalttagfehler des julianischen Kalenders (1 Tag alle 128 Jahre), der sich mittlerweile auf 10 Tage kumulierte, wurde korrigiert. Auf den 4. Oktober (Julianisch) folgte daher der 15. Oktober (gregoriansch).

Heute ist der Abstand auf 13 Tage, die der julianische Kalender dem gregorianischen hinterher läuft, angewachsen und das orthodoxe Weihnachtsfest auf den 7. Januar verschiebt.

Dass das Oktoberfest größtenteils im September stattfindet hat nichts damit zu tun. Dieses wurde erst 1810 eingeführt und basiert auf der Hochzeit von Kronprinz Ludwig von Bayern mit Prinzessin Theresa am 12. Oktober und einem Pferderennen, das am 17. Oktobers stattfand. Das Fest wurde Ende des 19. Jahrhundert in den September vorverlegt, um das bessere Wetter zu nutzen.

Der Wechsel auf das gregorianische System erfolgte in Europa aber nicht überall. Eigentlich übernahmen nur Spanien, Portugal, Polen und Teile Italiens dien neuen Kalender sofort am 05.(jul) / 15.(greg.) Oktober 1583.

Römisch-katholische Staaten wechselten zeitnah. Immerhin war es eine päpstliche Kalenderreform. Protestantische Staaten wechselten teilweise erst über 100 Jahre später (im heiligen römisch Reich mit Sprung vom 18.02.1700 auf den 01.03.1700 (11 Tage) und in der Schweiz vom 31.12.1700 zum 12.01.1701 (12 Tage-Sprung)).

Japan übernahm den gregorianischen Kalender am 01.01.1873. Russland wechselte erst nach der Oktoberrevolution (01.02.1918 auf den 14.02.1918 (13-Tage-Sprung)). Griechenland folgte erst 1923, die Türkei 1926 und China erst 1949.

Wochentage: Die Namen der Wochentage wechselten im europäischen Sprachraum von den römischen Göttern zu den germanischen Göttern. Die christliche Kirche versuchte jedoch eine Umbenennung durchzuführen, um die heidnischen Götter los zu werden. Die englischen Namen der Wochentage sind dichter am Götternamen als die deutschen Namen.

  • Sonntag –> Sonne
  • Montag –> Mond
  • Dienstag –> Tyr bzw. Tiu (Tuesday)
  • Mittwoch –> Wodan (Wednesday)
    Der deutsche Mittwoch ist eine Christianisierung.
  • Donnerstag –> Thor (Thursday), Gott des Donners (Donnerstag)
  • Freitag –> Frija; nicht Freya (Friday)
  • Samstag –> Saturn (Satur(n)day)
    Der deutsche Samstag leitet sich von Sabbattag ab und der Begriff von Sonnabend vom „Abend vor Sonntag“.

Die Festlegung auf 7 Tage wurde aus dem julianischen Kalender übernommen, die diese Einteilung vermutlich aus Babylonien importierten. Im Christentum wurde diese Festlegung dann durch die Schöpfungsgeschichte legitimiert.

Wochenbeginn: In der jüdischen und christlichen Tradition beginnt die Woche mit dem Sonntag. Diese Regelung galt bis 1975 auch in Deutschland. Heute ist dies in der ISO 8601 geregelt, die den Wochenbeginn auf Montag legt. In den USA, Israel, den arabischen Ländern sowie China und Japan ist weiterhin Sonntag der erste Tag der Woche.